der grünweihrvten Grenzpfähle sucht und findet. Es ist aber ganz unwahrscheinlich, daß sich etwa Nordamerika, das an einer neuen Revolution in Mexiko zur Zeit fein Interesse hat, einmischen würde. So wird also der heutige Kampf zwischen Staat und Kirche in Mexiko innerpolitisch ausgetragen werden, wobei es zum Schluß doch wieder bei der Scheidung bleiben wird zwischen der unerschütterten geistigen Macht der Kirche und der politischen der Regierung, deren Richl- linien auch bei wechselnden Persönlichkeiten für die nächsten Jahre durch die in den Revolutionen nach dem Sturz von Diaz entstandene politische, wirtschaftliche und soziale Struktur des Landes zwangsläufig sind.
Rach den letzten Meldungen aus Mexiko sind durch die am 1. August in Kraft tretenden neuen Kirchengesehe Gärungen hervorgerufen, die täglich zunehmen. Angesichts der angekündig- len Schließung der Kirchen sind diese von Gläubigen überfüllt. Die Zahl der seit dem I.Iuli in der Kathedrale vorgenommenen Firmungen wird auf mehr als 90 000 geschäht. Man nimmt an, daß sie Ende der Woche 100 000 überschreiten werden. Als der Erzbischof von Mexiko am letzten Dienstag die Firmung von 5000 Kindern vornahm, brach er vor Schwäche zusammen. Die Gläubigen werden ermahnt, die Kirchen zu unterstützen. Die Regierung hat den Priestern untersagt, Kirchen, die für die Zeit vom 1. August ab während der Gottesdienste eingestellt werden, katholischen Laien anzuvertrauen und hat angeordnet, daß die Kirchen Personen in Obhut gegeben werden, die von den Bürgermeistern ernannt werden sollen.
Blutige gusammenstötze vor den Kirchen.
London, 1. Aug. (WTB.) Nach Blättermel- dungcn aus der Stadt Mexiko kam es aus Anlaß des Inkrafttretens der neuen Gesetze zu ernsten Zusammenstößen. An fünf Plätzen ereigneten sich Ausschreitungen. Die Zahl der Toten wird auf sechs, die der Schwerverletzten auf 38 geschätzt. Hunderte von Verhaftungen wurden vorgenommen. Unter den Festgenommenen befinden sich auch viele Frauen. In der Raffaelkirche, wo sich die Gemeinde in ihrem religiösen Eifer weigerte, auseinanderzugehen, wurden durch das Feuer der herbeigerufenen Truppen zehn Personen verwundet. Die meisten der Opfer sind Frauen. Auch bei der Kirche Santa Katharina forderte das Feuer der Truppen Opfer. Die Frauen nehmen überall hervorragenden Anteil an dem Kampf. 40 junge Frauen aus wohlhabenden Familien wurden unter der Beschuldigung, Propaganda gegen die Politik der Negierung getrieben zu haben, verhaftet. Vor der Kathedrale stehen militärische Posten. Die Kirchen werden weiter stark besucht. Die Polizei und Feuerwehr mußten eingesetzt werden, als die mit der Uebernahmc des Kircheneigentums beschäftig- len Beamten mit Steinen beworfen wurden. Die Arbeiterverbände kündigten an, daß 500 000 Personen am Sonntag an den Kundgebungen zugunsten der von Der Regierung befolgten Politik teilnehmen werden. Ein Flugblatt droht allen, die an diesen Kundgebungen teilnehmen, mit der Exkommunikation. Der Platz vor der Kathedrale wurde durch das Militär geräumt, nachdem die dort angesammelte Volksmenge der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht nachgekommen war. Dabei wurden 20 Personen verwundet.
Eine offizielle Erklärung.
Washington, 1. Aug. (WTB.) Der rnexr- kanische Geschäftsträger Leal gab eine offizielle .Erklärung zum Kirchenkonflikt in Mexiko ab, in der es heißt: Die Kirche hat sich in den Zeiten i voller politischer Macht in Mexiko nicht als konstruktiver Faktor für das Volk ? erwiesen. Sie darf nicht nach den Kirchen in den Bereinigten Staaten beurteilt werden, da die Berhältnisse beider Länder von Grund auf verschieden sind. Rur wer die Geschichte Mexi- iüiä genau kennt, kann den Konflikt verstehen. Die Kirche hat in Mexiko 300 Jahre geherrscht, ohne das Land auf die Kulturhöhe anderer Staaten zu bringen. Durch die Trennung von Staat und Kirche soll die letztere veranlaßt werden, sich ausschließlich auf ihre geistliche Tätigkeit zu beschränken. Die Politik des Präsidenten Talles stellt lediglich eine Fortentwicklung der Ideen der Verfassung von 1857, der Reformgesetze von 1859 und der Verfassung von 1917 dar.
Der Konflikt im englischen Bergbau.
London, l.Aug. (TU.) 3n verschiedenen Kundgebungen wird noch ein letzter Versuch gemacht, im Kohlenkonflikt vor den Parlamentsferien Mitte dieser Woche eine aussichtsreiche Basis zu finden. Der Erste Lord der Admiralität, Bridgeman, verteidigt« in einer Rede die Haltung Baldwins und gab in allerdings zurückhaltender Form der Hoffnung Ausdruck, daß auf schiedsgerichtlichem Wege eine Einigung gefunden werden könnte. Wacoonald betonte in einer Rede auf einem Gartenfest, baß es sich in dem Konflikt hauptsächlich um die Frage der nationalen Produktion drehe und Cook versicherte noch einmal, daß es den Arbeitern nur auf die Berteidigung ihrer schwer errungenen Rechte ankomme. In Leicestershire haben die Grubenbesitzer einen Zuschlag von 2 bis 5 Prozent zu den Aprillöhnen bis zum 30. Juni 1927 an- gc o:en, wenn die Bergarbeiter den Achtstundentag annehmen. Man befürchtet allerdings, daß dieser Borschlag nicht die beabsichtigte Wirkung haben wird und im Gegenteil den Widerstand gegen eine Lohnreduzierung in anderen Bezirken noch vermehren könnte. Die maßgebenden Instanzen der Arbeiter haben einstweilen keine neuen Zusammenkünfte festgesetzt, sondern wollen erst die Entwicklung der letzten Tage abwarten.
In politischen Kreisen hat man wenig Hoffnung, daß die Dinge vor den Parla- mentssorien einen entscheidenden Anstoß erhalten könnten, da die Spannung zwischen den Gewerkschaften und der Labourparty auf jede positive Atü ität lähmend toirft. Im übrigen ist man überzeugt, daß auch ein vorläufiger Arbeitsfriede und eine weitere Fusionierung in einzelnen Gru- benbezirken die Kohlenkrife nicht lösen vermag, sondern daß eine wirtlich rationelle Reu- ordnung der Dinge verbunden mit einer A b - Wanderung bedeutender Arbeitskräfte nach anderen Industrien notwendig sei. Auf Brran- lafsung des Arbeitsministers Sir Arthur Steel Maitland entsendet die englische Regierung eine Delegation von Arbeitern, Angestellten uno Re
gierungssachverständigen nach den Bereinigten Staaten zum Studium der dortigen industriellen Verhältnisse. Die Delegation, deren Zusammensetzung im Augenblick noch nicht feststeht, wird England im September verlassen.
Englische Massen für die Türkei.
London, 2. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Daily Chronicle" bringt unter der Überschrift „Geheime Verhandlungen mit der Türkei" eine Meldung, die das Blatt „einen schwerwiegenden Bruch mit den politischen Traditionel« Großbritanniens in der bisherigen Taktik in internationalen Angelegenheiten" nennt. Mit Billigung des Ministers des Auswärtigen Chamberlain und unter Billigung des Kriegsministeriums habe die britische Regierung durch Vermittlung einer Birminghamer Rüstungsfirma geheime Verhandlungen mit der Türkei geführt, die den Verkauf von 100 000 britischen Gewehren Modell 1914 mit Bajonetten und umfangreichen Vorräten entsprechender Patronen zum Gegenstand gehabt hätten. Es existiere ein Schreiben von Ende Mürz d. I., in dem die Firma in Birmingham ihre Befriedigung darüber ausdrückt, daß vom Auswärtigen Amt und vom Kriegsministerium die nötige Ermächtigung erteilt worden sei. Das Schreiben erwähnt, daß das Angebot nicht früher gemacht werden konnte, da Chamberlain, dessen Zustimmung notwendig gewesen sei, wegen der Märztagung des Völkerbundes nicht in London war. „Daily Chronicle" erklärt, es sei damit bewiesen, daß die britische Regierung den Verkauf von britischen Regierungswaffen an die Türkei billige, während die Türkei völlige Freiheit darin habe, gegen welche etwaige Feinde sie diese Waffen gebrauchen wolle. Ein solcher Verkauf würde dem Geist der Völkerbundsfahullg zuwider- laufen. In einem Leitartikel schreibt das Blatt, die Angelegenheit müsse neue Beunruhigung im nahen Osten schaffen.
Freigabe beschlagnahmlenEigen- tums für Südwestafrikaner.
London, 31. Juli. (Reuter.) Während feitler offiziellen Reise durch Südwestafrika hat Präsident Herzog zugesagt in der Angelegenheit des ehemals feindlichen Eigentums, das Einwohner von Südwestasrika gehört, und innerhalb des Königsreiches Großbritannien beschlagnahmt worden ist, bei der englischen Regierung Vorstellungen zu erhoben. Die britische Regierring hat nunmehr für zulässig erklärt, daß derartiges Eigentum freigegeben wird, bzw. daß in Fällen, wo derartiges Eigentum bereits liquidiert worden ist, daß Ötfr Erlös freigegeben wird.
Attentat auf prima de Rivera.
Der Diktator unverletzt.
Barcelona, 1. Aug. (havas.) Als sich General Primo de Rivera gestern abend in geschlossenem Auto auf dem Wege zum Bahnhof befand, um nach Madrid zu fahren, schleuderte ein in der Rahe stehender Mann einen Dolch gegen den Wagen des Ministerpräsidenten, ohne ihn jedoch zu treffen. Der Angreifer, der von dem hinter dem Magen des Ministerpräsidenten fahrenden Polizeiauto überfahren worden war und dabei einen Beinbruch erlitten hatte, wurde sofort verhaftet. Es handelt sich um den 34 Jahre alten und in der Rahe von Barcelona beheimateten Tagelöhner Domingo Ma- sacho lorrent, der wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vorbestraft ist. Aus dem verhör scheint hervorzugehen, daß der Attentäter Anarchist ist. Primo de Rivera begab sich sofort zum Bahnhof, wo ihm vom Publikum ein begeisterter Empfang bereitet wurde.
Der Deutsche Studententag in Bonn.
Bonn, 31. Juli. (TU.) Der Begrüßungsabend am Freitag, der infolge des Niederholens der schwarz-rot-goldenen und schwarz-weiß-roten Fahnen durch den Vorsitzenden der Studentenschaft der Universität Bonn, Mager, abgebrochen wurde, fand seine Fortsetzung durch die Mehrzahl der Tagungsteilnehmer in einem anderen Saat. Der Rektor der Universität Bonn, Geheimrat D y r o f f, der ebenfalls dorthin gekommen war, führte in einer Ansprache aus, daß er es für feine Pflicht gehalten habe, die Teilnehmer des Studententages zu begrüßen, und er freue sich, daß sie gerade Bonn zu dem Sitz der diesjährigen Tagung auserwählt hätten. Am Samstagvormittag fand in der Beethoven-Halle die erste Vollsitzung des Studententages statt. Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, cand. jur. Bauer, begrüßte die Versammlung und die zahlreichen Eyrengäste. Nach einer Reihe von weiteren Begrüßungsansprachen ergriff der Netteste der Deutschen Studentenschaft, cand. rer. pol. Frank, das Wort und trug einen A n - trag des Hauptausfchusfes an den Stu- bententag vor, der folgenden Wortlaut hat:
„Der Studententag wolle beschließen: Der deutsche ^tubententag mißbilligt aufs schärfste bas Vorgehen des Vorsitzenben ber Studentenschaft ber Universität Bonn, Mager, wenn er gestern bei bem Bearüßungsabenb bie schwarz-weiß-rote unb die schwarz-rot-goldene Flagge niederholen ließ, weil er dadurch das Andenken der Gefallenen entehrt und bie Reichsflaggen in ben Staub zog. Der Studententag wolle beschließen: Der deutsche Studententag sieht sid) nicht In ber Lage, sich als Gast ber Stuben- tenschaft Bonn zu fühlen, solange Herr Mager ben Vorsitz ber Studentenschaft Bonn inne hat." Zur Erläuterung dieses Antrages führte Herr Frank aus, daß für bie Studentenschaft beide Flaggen Symbole seien, bie schwarz-weiß-rote als das Zeichen, unter dem unsere Brüder im Weltkrieg gefallen seien, unb bie schwarz-rot-golbene als altes Zeichen ber Sehnsucht nach einem einigen deutschen Neich. Nach kurzer Aussprache wurden beide Anträge von der Versammlung angenommen, worauf die Vertreter der Studentenschaft Bonn die Versammlung verließen. Danach trat der Studententag in die Besprechung der Hochschulprobleme ein, die mit einem Reform von Professor Dr. Scheel (Kiel) eröffnet wurde.
Wie die Telunion erfährt, ist der Konflikt aus dem Bonner Studententag b e i g c l c g t worden. Der Vorsitzende der Studentenschaft der Universität Bonn. Mager, der durch fein Verhaften auf dem Begrüßung5abend den Konflikt verursacht hatte, hat sein Amt nieder gelegt und damit die Möglichkeit einer ruhigen Fortführung des Studententages geschaffen.
Kunst und Wissenschaft-
Jubiläum der ersten Darmstädter Künstlerkolonie.
In diesem Jahre sind es bekanntlich 25 Jahre her, daß mit der Eröffnung der bedeutsamen Ausstellung „Ein Dokument deutscher Kunst" der Grundstein zu Darmstadts künstlerischer und kunstgewerblicher Größe gelegt wurde. Alrit diesem Jubiläum ein bescheidenes Denkmal zu setzen, haben sich hiesige und auswärtige Freunde des Gründers der Künstlerkolonie zusammengeschlossen und die Mittel bereit gestellt, um am Eingänge der Rosenhöhe, angesichts der vor 25 Jahren geschaffenen Bauten der Mathilden- höhe, das zur Zeit abgerissene Löwentor auf» zustellen. Professor Albin Müller, der Schöpfer des Löwentores, hat seinen ursprünglichen Entwurf einer reizvollen Bearbeitung unterzogen und ihn in höchst dankenswerter Weise zur freien Verfügung gestellt. Der neue Entwurf sieht für die Hoetgerschen Löwen Postamente aus glasierten, farbigen Backsteinen vor und vereinigt Monumentalität mit größter Schlichtheit. 3m Gesamtcharakter wird sich das Werk in würdiger Weise der Bautradition der Künstlerkolonie anschließen. Das hoffnungsreiche Gebiet unseres schönen Stadkostens erhält mit dem neuerstande- nen Löwentor sicherlich ein beachtliches Schmuckstück. Die Aufstellungsarbeiten dürften bis zum Herbst vollendet sein.
Ein Berliner Bachfest.
Das 14. Deutsche Bachfest der Reuen Bachgesellschaft wird zur Erinnerung an das vor 25 Jahren in Berlin veranstaltete erste Deutsche Bachsest in der Zeit vom 30. September bis 3. Oktober in Berlin stattfinden. Die künstlerische Leitung des Festes liegt in den Händen der Herren Professor Dr. Georg Schumann, Professor Siegfried Ochs und Professor Karl Thiel. Die Chöre werden die Berliner Singakademie, der Chor der Hochschule für Musik und der Madrigalchor des Staatlich-Akademischen Instituts für Kirchenmusik in Berlin stellen, den Orchesterteil führt das Philharmonische Orchester Berlin aus. Die Veranstaltung wird sich auf fünf Chorkonzerte, zwei Kammermusikveranstaltungen und ein Orchesterkonzert erstrecken. Festgottesdienst und Bach-Vesper sowie gesellschaftliche Veranstaltungen werden das Ganze umrahmen. Auskünfte erteilt die Geschäftsstelle der Reuen Bachgesellschaft (Leipzig. Rürnberger Straße 36).
Deutsche Forschungen auf Island.
Zur Zeit befinden sich zwei deutsche Gelehrte auf Island, wo sie sich mit wissenschaftlichen Forschungen beschäftigen. In Erkenntnis der großen Bedeutung, die der strahlungsbiologischen Forschung für die Klimatologie und Therapie in der modernen Medizin zukommen, haben das Physikalische Universitätsinstitut in Hamburg und das Lichtforschungsinstitut am Eppendorfer Krankenhause, sowie die deutsche Seewarte sich veranlaßt gesehen, Dr. Dann m eher und Dr. Georgi mit diesbezüglichen wissenschaftlichen Untersuchungen auf Island zu betrauen. Dank der Unterstützung, die dieser Expedition gewährt wurde, konnten die beiden Gelehrten kürzlich ihre Arbeit beginnen.
Rctturforscherlagung in Düsseldorf.
Die diesjährige (89.) Versammlung der Gesellschaft Deutscher Raturforscher und Aerzte findet in der dritten Sernptember- woche in Düsseldorf statt. Um einem größeren Kreise der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, einige der berühmtesten Vertreter deutscher Wissenschaft über Tagesfragen sprechen zu hören, werden sechs öffentliche Abendvorträge veranstaltet. Es werden sprechen am 17. September Geheimrat Dr. von Dyck, München, über „Die Umgestaltung des Weltbildes um die Wende des 16. Iahrunderts", am 20. September Professor Dr. Bumke, München, über „Kultur und Entartung", am 21. September 'Professor Dr. Fitting, Bonn, über „Das Pflanzenleben der tropischen Urwälder", am 22. September Geheimrat Dr. Aschoff, Freiburg, über „Religion und Raturwissenschaft", am 23. September Professor Dr. Biedl, Prag, über „Jung sein und alt werden", am 24. September Professor Dr. Fischer, Freiburg, über „Vererbung und Rasse unseres Volkes".
Aus aller Welt.
Deutsche Großflugzeuge am Baikal-See
Am 29. Juli, 4,30 Uhr nachmittags landeten, wie schon kurz gemeldet, zwei Großverkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa A. G., von Berlin kommend, über Königsberg—Moskau, den Ural überquerend, in Irkutsk am Baikal-See, nach fünfeinhalbtägiger Gesamtreisezahl trotz eines eintägigen Aufenthaltes am Ural zu Studienzwecken. Die Eisenbahnfahrt Berlin- Irkutsk dauert dagegen in ununterbrochenemTag- und Rachtverkehr acht Tage. Die Großflugzeuge (Typ Junkers G. 23) sind die gleichen, bie bereits auf den mitteleuropäischen Der- kehrsstrecken manchen Fluggast befördert haben. Zur Besatzung jedes Flugzeuges gehören insgesamt fünf Mann. Das Tragvermögen der Maschinen ist nicht ausschließlich durch große Detriebsstioff-Tanks ausgenutzt, sondern außer fünf Personen ist eine besonders reichhaltige Ausrüstung mit Reserveteilen, Werkzeugen und Material aller Art an Bord. Besonders Ravigationsgeräte, Signalmittel, Kino- und photographische Apparate, Kochgerätschaften, Apotheke, Hängematten, Schlassäcke, Schreibmaschine usw. vervollständigen die Ausrüstung. Der Flug führte über Königsberg—Smolensi—Moskau- Kasan — Krasno - Ufinmsk — Kainsrk—Barabinsk —Kurgan—Omsk — Rowo-Sjbirsk — Krasnojarsk Rischne-Udinsk nach Irkutsk. Bei der hohen Betriebssicherheit der Großflugzeuge, die den ganzen 6700 Kilometer langen Weg von Berun bis Irkutsk ohne Defekt planmäßig zurücklegten, verlief auch dieser Flug ohne Zwischenfall. Mit dem Eintreffen am Baikal-See ist das vorläufige Ziel erreicht. Die Zurücklegung der gewaltigen Strecken in fünfeinhalb Flugtagen mit zahlreichen Landungen und mehr oder weniger lange dauerndem Aufenthalt muß in Anbetracht der Tatsache, daß normale Verkehr smaschi- uen verwendet wurden, als vielversprechende Leistung gewertet werden. In Irkutsk far.n zunächst eine Auswertung des bisherigen Eindrücke und Erfahrungen erfolgen. Die Weiterführung des Fluges nach dem Osten — sei daS nächste Ziel die chinesische Hauptstadt Peking oder sei es eine Hafenstadt am Pacific — wird in beiden Fällen entscheidend durch die Gestaltung der politischen Lage in China beeinflußt. Rach den bisher vorliegenden Rach
richten find die Verhältnisse dort noch so ungeklärt, daß die chinesische Regierung zögert, den deutschen Flugzeugen die Zusicherung für ungehinderten Durchflug durch die Mongolei bzw. Mandschurei oder für den Einflug zwecks Abstattung eines Besuches in Peking zu geben. Doch darf damit gerechnet werden, daß auch diese Frage schon in den nächsten Tapen durch die freundschaftlichen Bemühungen der chinefi- schen Regierung geklärt wird.
Weltkonsettnz der chrisilichen Iungmcinnervereine.
In Helsingfors fand in der Iohanniskirche der Eröffnungs^gottesdienst derWeltkonferenz derchrist- lichen Iungmännervereine statt, bei der Bischof Gummerus in deutscher Sprache predigte. Zur Konferenz sind 1500 Abgeordnete aus allen Teilen Iber Welt eingetroffen. Die Beteiligung der Reger und der Vertreter aus dem fernen Osten ist viel stärker als bei der Konferenz in Stockholm. Rachmittags fand eine Begrüßung durch die städttschen Behörden statt. Die Eröffnungsrede von John Mott, dem Leiter der Konferenz, stand unter dem Leitwort „Offene Türen für die christlichen Iungmännervereine". Die deutsche Abordnung, die Samstag einen Ausflug nach den Finnischen Seen unternommen hatte, legte Sonntag in einer ergreifenden Feierstunde Lorbeerkrän^ an den Gedenksteinen der im Befreiungskriege^efallenen deutschen und finnischen Soldaten nieder.
Tagung des Deutschen Sonderausschusses für Tabakbau.
Dieser Tage hielt in Speyer der Sonderausschuß für Tabakbau ber Deutschen Landwirt- schaftsgesellschaft seine orbentliche Tagung ab. Der seitherige Vorstanb würbe wiebergewählt. Hierauf erstattete Oekonomierat Hoffmann- Speyer über bie Einrichtung unb Arbeitsweise ber bayrischen Tabakbauoxganifation unb R. Wolke- Berlin über bie Zusammenhänge zwischen ber Glimmfähigkeit ber Tabakblätter unb ihrem Gehalt an Kali unb Chlor Bericht. Weiterhin würben oer- schiebene Versuchsberichte erstattet. Zum Ort der nächsten Sitzung wurde Heilbronn bestimmt.
Schweres Flugzeugunglück.
In Heidenheim a. d. Brenz endete die Flugveranstaltung des Landesverbandes von Württemberg nach kurzem Flugvorführungen mit einem furchtbaren .Unglück. Heinkel D 720 mit bem Iungflieger Drechsler flog beim Landen zu kurz in den Platz. Der Versuch, erneut durch Antrieb des Motors zu feigen, mißlang, da das Flugzeug absackte. Das Flugzeug erfaßte dabei die Bretterwand des Püahes und drängte gegen die Barriere und bie dahinter stehenden Zuschauer. Durch bie Propeller, bie Planken und das schleifende Flugzeug wurden fünf Personen tödlich, sieben Personen und der Flieger leichter verletzt. Anwesende Aerzte leisteten die erste Hilfe. Das Flugzeug wurde zertrümmert.
Großfeuer infolge Mehlftaubexplosion.
In ber Rächt zum Sonntag brach in ber Mühle des Dorfes Zöschen, das an der Staatsstraße von Leipzig nach Metseburg liegt, infolge Mehlftaubexplosion ein Großfeuer au5, das in kurzer Zeit das gesamte Gebäude in Flammen setzte. Richt weniger als 20 Feuerwehren aus Leipzig. Merseburg und Umgebung eilten an die Brandstätte, vermochten aber trotz fünfstündiger 'Arbeit die Mühle nicht zu retten. Es wurden rund 3000 Zentner Getreide im Werte von 50 000 Mk. und sämtliche Gebäude unb Maschinen im Werte von 250 000 Mk. vernichtet. Die Mühle, die erst im Herbst vollständig modernisiert worden war, ist Eigentum der Stadt Leipzig und an einen Pächter verpachtet. Das Feuer war in ber sogenannten AsPivationS- anlage ausgekommen und hat sich von dort trotz eiserner Türen, Brandmauern ufp. durchgefressen. Die Ursache dürfte darin zu suchen fein, daß ein Ragel zwischen die Mahlsteine kam, und dort Fünfen auslöste.
Lin Lebensretter ertrunken.
In Berlin sprang einem jungen Mädchen, das durch einen ©prreng in bie Spree sich bas Leben nehmen wollte, ihr Bräutigam nach, um sie zu retten. Mit Hilfe eines Bootes konnte bie Lebensmüde ben Fluten entrissen werben, währenb ber Retter ertrank.
Eisenbahnunglück in ber Tschechoslowakei.
In der Station C h o t o w i n bei Tabor fuhr die Lokomotive eines Güterzuges infolge falscher Weichenstellung in eine tiefe Grube. Hierbei wurde der Heizer getötet, ber Zugführer leicht verletzt- Der Verkehrsbeamte, der sich die Schuld an dem Unglück beimah, verübte Selbstmord.
Die Führe Dover—Oftendc unter dem Streif feuer englischer Maschinengewehre.
Der „Montag" meßbet, die Fähre Dover—Ostende sei gestern vormittag unter dem Strichseuer einer englischen Maschinengewehrabteilung geraten, bie auf ben Felsen von Dover Schießübungen ab- hielt. Eine Dame sei am Oberschenkel verletzt war- ben. Der Schornstein ber 'Fähre sei von einem Geschoß burchbohrt worben.
Muscumsdi^bslahl.
In London wurde gegen Wochenende ein großer Diebstahl im Victoria- and Albert-Museum entdeckt. Unersetzliche Goldmünzen, darunter olche im Alter von 1700 bis 2500 Jahren sind entwendet worden. Rur 9 Münzen sind noch übrig. Der Diebstahl ist umso unerklärlicher, als das Zimmer, in dem sich bie Münzen befanden, am Tage von einem Aufseher dauernd bewacht wird, während nachts eine Wache von 5 Mann das Museum abpatrouilliert.
Dureaukratismus.
Einem Rheinberger Händler, der in ben Inflationsjahren beim Landgericht Kleve eine Kaution von 7,80 Reichsmark stellen rnuhte. wurde dieser Betrag in den letzten Tagen durch die Rheinberger Behörde zurückgezahlt mit einem Darlehnskassenschein im Betrage von 5 Papiermark, einem roten Zweimarkschein, einem Gutschein des Kreises Kleve im Betrage von 50 Pfennig und zwei alten 15-Pfenrng-Briefmarken. Um sich dieser doch gar nicht gültigen Zahlungsmittel zu entledigen, war eine Zustellung, eine Quittung des hocherfreuten Empfängers über baß längst vergessene Kapital in dieser gelbarmen Zeit unb der bekannte Schriftwechsel mit Porto- loften usw. nötig.
W ^tervoraussage.
Ansteigenbe Temperaturen, wechselnde, zeitweise schwächere Bewölkung, im allgemeinen trocken.
Gestrige Tagestemveraluren: Maximum: 18 Grab Celsius; Minimum: 9,8 Grab Celsius. Heutige 1 Morgerttemperatur: 12,6 Grab Celsius.


