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Ur. 1 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Samstag,

Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und bteindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

2. Januar 1926 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 in Breite 35 Reichspsennig, Plahvorschrift 20 , mehr.

Chefredakteur

Dr Friede Wich. Lange. Verantwortlich.

für Politik und Feuilleton Dr. Fricdr. Wich. Lange; für den übrigen Teil Er .st Blumschcin; für den An­zeigenteil Hans Iüslel, sämtlich in Gießen

Das neue Jahr.

Das neue Jahr läßt sich schlimm an. Tausende deutscher Volksgenossen lauschten in der Silvester­nacht in banger Sorge dem gleichmäßig niederrau­schenden Regen, den sturmgepeitschten, wogenden Fluten der weit über ihre Ufer getretenen Flüsse. Eine schwere Wassersnot sucht weite Gebiete unseres Vaterlandes heim. Und gerade im Westen, im brei­ten Tale des Rheins und seiner Nebenflüsse, wo sich in Industrien von unerhörtem Ausmaß gewal­tige Menscheckmassen zusammenballen, tritt zu dem grauen Gespenst der Erwerbslosigkeit nun auch noch die SorHe um das von den gelben Fluten bedrohte Heim, treten Wasserschäden und Obdachlosenelend. Mit der Wirtschastsnot vereinigen sich ungebändigte Naturgewalten, um in diesen Tagen der Jahres­wende Angst und Verzweiflung in so manches deut­sche Haus zu tragen. Auch viele unserer Mitbürger hier in Gießen und im weiteren Lahngebiet werden nur mit skeptischem Zweifel dem Raketengeknatter und Freudengeheul gelauscht haben, mit dem eine gedankenlose und schnell vergessende Menschheit des Wahres letzte Stunde glaubte feiern zu müssen. Aber auch sie wird Fran Sorge bald wieder in den grauen Alltag zurückführen und ihr bedeuten, daß es ein unendlich schweres Jahr werden wird, was wir gestern begannen.

Vor allem ist es die Wirtschaftsnot, die kein Glied unseres Volkstörpers unberührt läßt. Absatz­krisis, Kapitalmangel und Steuerdruck lasten schwer auf der deutschen Industrie, der innere Markt bietet keinen genügenden Ersatz, weite Kreise der Ver­braucherschaft sind in ihrer Kauffähigkeit durch die erschreckend um sich greifende Arbeitslosigkeit be­schrankt, eine fühlbare Senkung des Preisniveaus zu erzielen, ist den Bemühungen der Reichsregie­rung im großen und ganzen versagt geblieben. Dazu kommt eine Verworrenheit der innerpoli- tischen Lage, wie wir sie ähnlich schon um die Jah­reswende 1924/25 durchgetostet haben. Seit der Unterzeichnung des Locarnovertrags in London, feil einem Monat also, haben wir an der Spitze des Reiches ein bloßes Geschäftsministerium, das zwar unter der Führung erprobter Männer das Laufende erledigt, sich aber zu durchgreifenden Maßnahmen, zu einer frischen Initiative nicht mehr befugt dünkt. Es wird also im neuen Jahre unsere erste und vor­nehmste Sorge sein, ein regierungsfceudiges Reichs­ministerium auf die Beine zu stellen. Das ist leichter gesagt «u_ geta,.. x.e Vn.uchL im Dezember geben keine allzu hoffnungsvollen Auspizien auf eine schnelle Regelung der Regierungskrisis. Die Par­teien schieben sich wieder einmal nach bewährten Grundsätzen gegenfeitig die Verantwortung zu. Die sehr kargen Möglichkeiten, dem neuen Ministerium einen zuverlässigen parlamentarischen Untergrund zu geben, sind bald erschöpft. Nach dem Ausscheiden der Deutschnationalen blieben parlamentarisch nur noch drei Wege: Große Koalition, Weimarer Koali­tion, Minderheitskabinett der Mittelparteien. Den ersten, die Große Koalition, will die So­zialdemokratie nicht gehen. Sie hat den ernsthaften Bemühungen des Demokraten Koch nach kurzem Scheingefecht einen unmißverständlichen Korb gegeben. Den zweiten, die Weimarer Koalition, will das Zentrum nicht gehen, die Sozialdemokratie wahrscheinlich auch nicht. Sie fühlt sich durch Uebernahme der Verantwortlichkeit in Zeiten allerschwerster Wirtschaftstrisis allzu be­engt, fürchtet Unpopularität und hofft, hinter den Kulissen ihre Macht besser gebrauchen zu können. Bleibt der dritte Weg, ein Minderheitskabinett der bürgerlichen Mitte, wozu keine der in Betracht kom­menden Parteien in sicherer Voraussicht der kom­menden Schwierigkeiten allzu große Neigung ver­spürt. Der Versuch muß indes gemacht werden, auf diesem Wege zum Ziel zu gelangen. Sonst bliebe als außer parlamentarische Möglichkeit nur noch ein Beamtenkabinett ohne Bindungen der Parteien, dem es jedoch außerordentlich erschwert wäre, über die innere Krisis Hinwegzukommen. Daß schnell gehandelt werden muß, ist wohl jedem Ein­sichtigen klar, der die überaus scharfe Zuspitzung der Wirtschaftslage der letzten Wochen beobachtet.

Auch außenpolitische Gründe drängen zu einer schnellen Klärung. Gewisse Parteien und ihre Presse haben die Pause in den Verhandlungen über die Regierungsbildung nicht besser auszufüllen gewußt, als in Genf, dem Sitz des Völkerbundes, einen Vor­fall heraufzubcschwören, den man zumindest als sehr peinlich bezeichnen muß. Deutschland ist zwar noch nicht Mitglied des Völkerbundes, hat seinen Eintritt auch noch nicht einmal angemeldet, hat da­mit auch gor keine Eile, denn gerade die Frage des Eintritts oder Nichteintritts ist im Augenblick der stärkste Trumpf in der Hand des Außenministers, nm auf die beschleunigte Durchführung der uns in Locarno und in London zugesagten Rückwirkungen zu drücken. Nichtsdestoweniger sind von gewissen Seiten dem Völkerbundssekretariat bereits eine Reihe von Vorschlägen für die Anstellung deutscher Diplomaten und Beamten im Völkerbundssekre­tariat in Genf zugegangen. Das Rennen um die bei Deutschlands etwaigem Eintritt für Deutsche ueizumachenden Stellen hat nun schon so groteske Formen angenommen, daß der Generalsekretär des Völkerbundes, der Engländer Sir Eric Drum- mond, dem deutschen Generalkonsul in Gens, A s ch m a nn, mitgeteilt hat, daß derartige Be­werberlisten privater Kreise nur zu Schwierigkeiten fuhren müßten, daß vielmehr eine Verständigung r^r d^d^llenbesetzungen lediglich auf dem dienst- uchen Wege zwischen dem Generalsekretariat und dem Berliner Auswärtigen Amt zu erfolgen habe, ztn diesen offiziellen Schritt des Generalsekretärs, von dem Generalkonsul Aschmann dem Auswär- tigen Amt pflichtgemäß Meldung gemacht hat, knupste sich nun eine Preßfehde, die so unerhörte w°Lmcn sch"ohm, daß im Interesse der deutschen Außenpolitik der Reichsaußenminisier persönlich vor einer Pressekonferenz am Silvestertage die maßlosen

An der Schwelle des neuen Jahres.

Neujahrsempfünge beim Reichspräsidenten.

Berlin, 1. San. (Wolff.) Der Reichs- Präsident empfing am Reujahrstage um 12 Tlhr die Chefs der hiesigen diplo­matischen Vertretungen. Bei dem Reu­jahrsempfang wurde zum ersten Male ein Zere­moniell entfaltet, wie es auch in anderen re­publikanischen Staaten bei derartigen festlichen Anlässen üblich ist. Vor dem Reichspräsidenten- Palais _ hatte eine Kompagnie Reichs­wehr' Ausstellung genommen, die vor jedem Galauniform tragenden Diplomaten salutierte. Der Reichspräsident v. Hindenburg selbst empfing im Frack, der mit mehreren Orden, darunter dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes, geschmückt war. Die Glückwünsche des Diplo­matischen Korps brachte

der apostol sche Nuntius Monsignore PcrceM

als Doyen mit folgender Ansprache zum Aus­druck: Zum ersten Male versammelt sich ge­legentlich der Jahreswende das beim Reiche beglaubigte Diplomati e.' Korps um Ihre Per­son, um Ihnen seine Glück- und Segenswünsche darzubringen. Große historische C.eignisse hoben Ihre Anfänge in der Führung des höchsten Am­tes bezeichnet und den Völkern die tröstliche Hoffnung auf eine neue, engere europäische Ge­meinschaft geschenkt. Das Berliner Diplo­matische Korps, das die Ehre hat. zu seinen Mitgliedern hervorragende Persönlichkeiten zu zählen, die an diesem Werke der Versöhnung und internationalen Entspannung verständnisvoll mitgearbeitet zu haben, spricht die innigsten Wünsche aus, daß dies Werk einen wirklich fruchtbaren Keim zu Glück und Frieden in sich trage. Möge es für die Völler ein um so macht­volleres Werkzeug zum Gedeihen und zum Fort­schritt werden, je größere Opfer Sie zum allge­meinen Besten auf sich genommen haben. 3n dem ewigen Gesetz der Liebe, das trotz Zwist und Kamp- das Weitab regiert, 'n den Großherz-.g- feit und Hingabe au die höheren Interessen der Menschheit ihren Lohn und Preis und verleihen den Völkern, die dies 6dle Beispiel geben, den Strahlenkranz wahrer Größe. Dem deutschen Volke, das unter Ihrer weiten Führung in bewunderungswürdiger Weise an seiner fried­lichen Wiederaufrichtung fortaroeitet, bringt das Diplomatische Korps, dessen Dolmetscher ich wie­derum zu sein die Ehre habe, für das beginnende Jahr die wärmsten Wünsche dar, und w.r flehen zur göttlichen Vorsehung, der unendlichen Liebe und unerschöpflichen Quelle alles Guten, um ihre Erfüllung.

Der Reichspräsident

erwiderte mit folgenden Worten: Mit aufrichti- em Danke nehme ich die Glückwünsche entgegen, die Sie namens des Diplomatischen Korps dem deutschen Volke und mir selbst als seinem Ver­treter dargebracht und denen Sie so herzlichen Ausdruck verliehen haben. Sie erinnerten an die bedeutsamen Geschehnisse, die sich in dem nun­mehr abgeschlossenen Jahre und in den ersten Monaten des mir durch den Willen des deut­schen Volkes übertragenen hohen Amtes. auf dem Gebiete der Weltpolitik abspielten. Mit Jhyen, Herr Runtius, wünsche und ersehne ich, daß die Hoffnungen der Völker und insbesondere die Erwartungen des immer noch schwer be­drückten deutschen Volles nicht enttäuscht werden. Mit Ihnen, Herr- Runtius, hoffe ich zu Gott, daß aus diesem, im ehrlichen Millen zur Ver­ständigung gehegten Keime bald der volle und wahre Frieden hervorsprießen möge. Tief durchdrungen von der in den Herzen der Menschen lebenden Wahrheit, daß nur Ge­rechtigkeit, Sittlichkeit und Frei­heit die Grundsteine sind, aus denen sich das Zusammenleben der Völler aufbauen und ent­wickeln kann, wird das deutsche Volk mit aller Kraft unverzagt weiterarbeiten an der fried- lid)en Wiederaufrichtung und Festigung seines eigenen nationalen Lebens wie auch an der Förderung und Sicherung des Friedens, der allem der Wirtschaft und Kultur der Welt Fortschritt und Aufstieg bringen kann.

Herr Runtius! Möge das neue Jahr, über des seil Schwelle wir heute treten, untere ge­meinsamen Wünsche nach einer forlschreiteaden Annäherung und Verständigung der Völker lebendige Wirllichke'.t werden lassen! In dieser Hoffnung spreche ich Ihnen, Herr Run­tius, und Ihnen, meine Herren, zugleich für Ihre Staatsoberhäupter, Regierungen und Völker namens des deutschen Volkes und im eigenen

Ramen meine herzlichsten und aufrichtigsten Reu­jahrswünsche aus.

Hierauf begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Gcschäsls- iräger und wechselte mit ihnen Äeujahrswünsche. Bei dem Empfang waren außer dem Staats­sekretär Meißner und den Herren der Um­gebung des Reichspräsidenten Reichsminister Stresemann, der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes v. Schubert sowie der Chef des Protokolls, Vortragender Legationsrat Köster, zugegen. Im Arisch. hieran empf.ng der Reichspräsident die hier anwesenden Reichs­minister und Staatssekretäre der Reichsregierung.

Als Vertreter des abwesenden Reichskanz­lers sprach

Rerchsm.nister GshLer

die Glückwünsche der Rcichsregierung mit fol­genden Worten aus: Zum neuen Jahre habe ich die Ehre, Ihnen, Herr Reichspräsident, im Ra­men des abwesenden Reichskanzlers und der Reichsminister die aufrichtigsten und verehrungs- vollsten Glückwünsche der mit der Weiterführung der Geschäfte betrauten ReichSregierung zu über­mitteln. Voller Ernst bilden wir an dieser Jahreswende auf die schweren Ausgaben, die int nächsten Jahre zu lösen sind. Zwar will es scheinen, als ob die bedeutsame Fortentwicklung unserer Beziehungen zu den anderen Mächten Deutschland den Weg friedlicher Arbeit und friedlichen Wiederaufstiegs ebnen helfen wird. Auch hat die innerpolitische Befriedung unseres Vaterlandes, nicht zuletzt Dank der auf Verständigung und Ausgleich der Gegensätze hinzielenden, die Achtung von Ver­fassung, Recht und Gesetz gewährleistenden Füh­rung der Geschäfte, durch Sie. Herr Reichs­präsident, weitere Fortschritte gemacht, aber es gilt jetzt, die gefährliche Krise, die unser ge­samtes wirtschaftliches Leben ersaht hat, zu beheben. Dor uns steht die gewaltige Zahl von 1 075 031 Erwerbslosen am 15. Dezember, ungerechnet der mitbetroffenen Familien. Der Rückblick auf die Vergangenheit lehrt uns, daß die deutsche Spannkraft schon Gefahren Überwun- Vn V\._ i''e cberjo drohend rfchienen. -Wir?- ' n iins liar vor Augen halten, mit wektzen Mit­teln, vor allem wirtschaftlichen, das Bedrängnis abzuhelfen ist. Arbeit und Sparsamkeit werden es uns ermöglichen, die Grundlagen wie­der zu sestigen, die der verlorene Krieg erschüt­tert hat. Erst jetzt steht jeder einzelne Deutsche vor der Erkenntnis, wie arm unser Vaterland geworden ist. Welche Regierung auch berufen sein wird, im lammenden Jahre den Kampf ge­gen die wirtschaftliche Rot zu führen, sie wird gezwungen sein, Arbeit und Sparsam­keit selbst zu üben und sie vom deut­schen Volke zu fordern. Wenn sich so unter Ihrer Führung, hochverehrter Hcrr Reichs­präsident, alle Deutschen zu gemeinsamer Pflichterfüllung zusammenfinden, dann wird das nächste Jahr uns dem Ziele näher bringen, das wir uns heute stecken, näm­lich unsere Wirtschaft wieder tragfähig zu machen für die nationalen und sozialen Aufgaben des deutschen Volkes.

Der Reichspräsident

erwiderte hieraus mit folgender Anspracye:Ich danke Ihnen für die freundlichm Glückwünsche, die sie m.r durch den Mund des den Reichskanzler vertretenden Reichswehrministers übermittelten, und bitte Sie, versichert zu sein, daß ich diese Wünsche in dem Gefühle des Dankes und der Anerkennung für Ihrer aller Arbeit im Dien st e des Reiches herzlichst erwidere. Mit Recht haben S'.e, Hcrr Reichslvehr- minister, heute auf der Schwelle des neuen Jahres unseren Blick auf d'.e ernsten Aufgaben gelenkt, deren Lösung die nächsten Wochen drin­gend von uns verlangen, das Gebot der Arbeit und Sparsamkeit als LeitspruH vor die Tätigkeit der Regierung wie vor das Leben des ganzen deutschen Volkes in diesem neuen Jahre gesetzt. Ich wünsche und hoffe, daß unsere Volksgenossen im Bewußtsein der Schick­salsgemeinschaft, die alle Deutschen un­löslich umfaßt, im vorwärtsstrebenden, zähen Willen, der uns immer wieder in die Höhe brachte, dieser Rotwendigkeit sich beugen und nach diesen Gebot en leben werden.

Das wird aber nur möglich sein, wenn jeder Berufsstand, jeder Teil unsers Volkes, mehl! als bisher den Bedürfnissen und Rotwen­digkeiten der anderen Stände Rechnung trägt. Richt nur die eigenen Interessen, sondern der Gedanke des über dem Einzelnen stehenden S t a a t s g a n z e n, der alle Glieder gleichmäßig umsassendeu Volksgemeinschaft dient dazu. Es gehört sich auch, daß alle, die berufen find, die wirtschaftlichen Belange oder politische Rich­

tungen in Körperschaften oder Volksvertretungen zur Geltung zu bringen, bizd nicht in Ab- schließung und Befehdung, sondern in gemeinsamer Z u sa m m cna r b-e i t und im Ausgleich wider streben der Wünsche und Meinungen zu erreichen suchen. Rur in diesem Streben und im gegen­seitigen Verständnis eine Verständigung zu suchen, werden wir die schweren Wollen, die geraäe jetzt über unserm Vaterlande häig:n, binnen -und Staat und Ration, die u er allem persönlichen Vorteil stehen müsen erhalten und ftärfan. Daß dieser Geist der «Ge­meinschaft im neuen Jahre das deutsche Volk führen und ihm nach so viel schweren Jahren des Leides lichtere und gesegnetere Zeiten des wahren Friedens im Innern und nach außen bescheren möge, ist mein sehnlichster Wunsch und mein innigstes Hoffen!

Später übermittelten Reichstagspräsi­dent Loebe und die Vizepräsidenten Dr. R i e- 6er, Dr. BLll und Graes die Wünsche deS Reichstages, und als Vertreter des Rei ch s- r a t s der Staatsselrctär des preußischen Staats­ministeriums Weis mann, der bayeri che Reichsratsbevollmächligte Dc. v. Preger, sowie der hessische Rcichsratsoevollmächtigte v. B i e g e- leben die Glückwünsche dieser Körperschaften. Für die Wehrmacht cnch.enen General b. I. von Seeckt und Konteradmiral Pfeiffer, die dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des Heeres und der Marine aussprachen. Stellver­tretender Generaldirektor Dorpmüller und die Direktoren Vogt und K u m b i e r brachten daran anschließend die Glückwünsche der Haupt­verwaltung des Personals der Reichsbahngescll- schaft, und Reichsbankpräsident Schacht mit den Direktoren v. Kaufmann und v. Grimm die Glückwünsche der Reichsbank dar.

Der Reichspräsident an die deutsche Wehrmacht.

Berlin, 31. Dez. (TU.) Reichspräsident von f)inbenburg richtet an die deutsche Wehrmacht folgenden Reujahrserlaß?

du i:t drulsche Dchrmachl!

Der deutschen Wehnnacht entbiete ich zum neuen 3ahre meine herzlichsten Wunsche. 3d) habe im vergangenen 3ahre das Hobe Maß ihres könnens mit Freude fesigeslellt. 3ch wünsche ihr, daß sie unter bewährter Füh­rung sorlorbeilen möge in ihrer Aufgabe, unser Vaterland zu schützen.

Der Reichspräsident: gez. v. Hindenburg. Der Reichswehrminister: gez. Dr. G e ß l e r.

General von Seeckt zum Generalobersten ernannt.

Berlin, 1. Jan. (Amtlich) Der Herr Reichspräsident hat den Chef der Heeresleitung, General der Infanterie v. Seeckt am 1. Januar zum Generalober­sten befördert, nachdem dieser seinen bis­herigen Dienstgrad seit dem 1. Oktober 1920 innegehabt hat.

Wenn auch diese Dienstgraderhöhung den Desördrrungsverhältnissen des Heeres entspricht, so bedeutet sie doch eine besondere Aner­kennung des Herru Reichspräsiden­ten für die hervorragenden Verdienste des Gene­rals v. Seeckt um den Aufbau der Reich s- wehr, eine Anerkennung, der sich die weitesten Kreise des deutschen Volkes anschließen werden.

Die Neujahrswünsche des österreichischen

Bundespräsidenten.

Bei dem Reichspräsidenten ist folgendes Telegramm des österreichischen Bundespräsi­dent e n H a i n i s ch eingelaufen:Anläßlich Jah­reswende bitte ich Euer Exzellenz, wärmste und in­nigste Wünsche für persönliches Wohlergehen und Gedeihen des Deutschen Reiches entgegenzuuehmen. Mögen die bedeutsamen Abmachungen des vergan­genen Jahres die von der ganzen Welt sehnsüchtig erwarteten Folgen bald zeikigön und auch dem dem- schen Bolte den Weg zu schöner und friedlicher Zu­kunft eröffnen."

Der Reichspräsident Hot diese Glück­wünsche durch folgendes Telegramm an den öster­reichischen Bundespräsidenten erwidert:Euer Ex­zellenz dante ich herzlich für die Wünsche, die Sie in so freundlicher Weise dem deutschen Volke und mir persönlich zum neuen Jahre ausgesprochen haben. In Erwartung an die treue Kameradschaft, die in so schwerer Zeit unsere beiden Länder so eng verbunden, erwidere ich Ihre Wünsche in freund-

Angriffe sozialistischer Preßorgane gegen den Generalkonsul und das Auswärtige Amt energisch zurückweiscn mußte. Er hat ferner um die Ein­berufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichs- tags ersucht, um die angegriffenen Beamten in aller Form rechtfertigen zu können. Festgestellt ist jedenfalls, daß Reichskanzler a. D. Dr. Marx, der Vorsitzende der Zentrumspartci, wie er selbst be­stätigt, angeblich auf die Aufforderung von privater Seite diesem Genfer Freunde eine Liste von Per­sönlichkeiten .zugestellt hat, die er für die Besetzung der Stellen im Völkerbundssekretariat für geeignet hält. An der Spitze dieser Liste soll sein getreuer Adlatus, Dr. Spiecker, der ehemalige Reichs-

P"! <ffed)ef, figuriert haben. Aehnliche Schritte aus sozialdemokratischen Kreisen find nicht bekannt ge­worden, vom Auswärtigen Amt auch niemals be­hauptet worden, so daß die Anwürfe der sozialisti­schen Presse, die sich nicht einmal scheut, die dienst­liche Meldung des Generalkonsuls Aschmann als Schwindel zu bezeichnen, durchaus deplaciert sind. Tatsache ist nur, daß der peinliche Zwischenfall an sich sowie feine Aufbauschung zum Zwecke inner- politischer Verhetzung in diesem Augenblick Deutsch­lands außenpolitische Interessen aufs schwerste schä­digen. Der Reichsaußenminister wird Manns genug sein, sich der Etablierung einer An Nebenregier-ung von Dölkerhundsfreunden zur Wahrung ihrer per­

sönlichen Interessen oder der ihrer Partei mit Er­folg zu widersetzen. Wenn Deutschland dem Völker­bund beitritt, wenn also die Besetzung von Stellen im Vvlkerbundssekrctarim zur Erwägung fleht, so ist es einzig und allein Sache des Auswärtigen Amts in Verbindung mit dem Völkerbundssekre- tariat, ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit ledig­lich auf Grund ihrer persönlichen und fachlichen Eignung diejenigen Persönlichkeiten namhaft zu machen, die für diese Stellen in Frage kommen- Neben Peinlichem hm dieser Vorfall doch auch das Gute, gezeigt zu haben, wie notwendig auch im Interesse unserer Außenpolitik eine schnelle Lösung der Regierungskrisis ist.