Qlcüdlen müssen zum DoUenLetsten und Reifsten gezählt werden, was unsere zeitgenössische Literatur überhaupt hervvrgebracht hat: und man ist mehr als einmal versucht, eine Wendung zu brauchen, mit der Thomas Mann einmal Das Werk eines andern ausgezeichnet hat: das Wort „Bewunderung" kommt einem vom Herzen. -- Die äußere Ausstattung des Buches ist mustergültig. 477
— Dor kurzem haben wir in unserer „Heimat im Bild" mit einem Aufsatz von Rilolaus Schwarztopf über den Mainzer Dom unseren Lesest Bekanntschaft mit einem jüngeren Hefti- scheu Dichter vermittelt, der in Oberhessen seltsamerweise erst eine kleine Lrsergemein^c hat. Das Oktoberhe't der von Dr. Marlin Rockenbach geleiteten literarischen Monatsschrift „Orplid" (Orplid-Drrlag. München-Gladbach) vermittelt in mehreren Aussätzen und Beiträgt!', ein sehr anschauliches Bild von der Persönlichkeit und dem Schassen des Dichters. Heber sein Elternhaus und seine ersten Dntwicklungsjahre plaudert Schwarzkopf selbst in einer anheimelnd herzlichen und anspruchslosen Art. Bon Salzburg, dem Musikerlande, und dem fröhlichen Rhein kreuzen sich die Faden in des Dichters Elternpaar. Das hat für das Darmstädter Schulmeisterlein und seine Kunst eine glückliche Mischung gegeben, etwas heiter Besinnliches, Raines. was man in dieser Ungezwungenheit und Selbstverständlichkeit in unserer heutigem Literatur selten findet. Ein Romantiker ist Nikolaus Schwarzkopf und vielleicht ein wenig Mystiker trotz seiner in dem obenerwähnten „Orplid" abgedruckten Rovelle „Die Lehreci n", die anders geartet ist als die seltene Erzählung „Maria vom Rhein" und das wundersame Idyll „Das D o m k i n d" (Führer-Derlag, M-Dladbach. 624), das alle Elemente Schwarzkopfscher Dichtkunst am glücklichsten vereinigt. Dom Heinen Knäblein des Turmwächters erzählt der Dichter, das in der heiligen Rächt dort droben geboren wird in dem phantastischen Genauer des Mainzer Doms, das aufwächst zwischen Priestern und Rönnen, aber schon in jungen Iahren sein tragisches Geschick vollendet. Ein kindlicher und darum so echter Humor, leise Wehmut und die Schauer vor dem geheimnisvollen Ewigen liegen in diesem Büchlein. das eines der kostbarsten Gaben der Ber- rinigung von tiefer Religiosität und Dichtkunst genannt werden muh.
— Rudolf G. Dinding , Re i t v o r ° schrift für eine Geliebte. (Derlag Rütten und Loening in Frankfurt a. M.) „Reit- Vorschriften gewöhnlicher Art sind wie Klavierschulen: sie lehren das Reiten als ein’ Fertigkeit, die man erlernen kann, wie das Rühen und Strümpfestopsen. Horche in dein Pferd hinein wie in ein kostbares Instrument: wie Ellen Rey in ihren Flügel, wie Dusch in seine Geige, wir Bar- janskh in sein Eello. Das wird dich seltsame Dings lehren, von denen i:ine Reitschule, lein Reitlehrer etwas vxih." So Binding, der Dichter, der in diesem köstlichen Büchlein als ein Lebenskünstler vor uns tritt, der goldene Weisheiten: in entzückend sein ziselierter Form zu sagen hat.
(609)
— Heinrich Steinhausen: Erz äh- tungen. Mit einer Einführung von Heinrich Spiero. 352 Seiten. 8°. In Leinen geb. 5 Mk. Berlaa von I. F. Steinkopf, Stuttgart. —Jeder kennt oie Bilder von Wilhelm Steinhausen, dem Maler: viele kennen die „Irmela", die Dichtung seines Bruders Heinrich Steinhaufen: aber wenige nur kennen t h n. den gemütvollen, geistigen Detter non Jean Paul und Wilhelm Raabe, wie er sich in seinem Besten, seinen Erzählungen offenbart. Auch Bücher haben ihre Schicksale: wenn ihr Dersasser so gar nicht für das Publikum schreibt, sondern nur dann und so, wie es auS feinem Erleben hervorgeht, und sich um das Berühmtwerden nicht im geringsten kümmert, bleiben sie leicht zusamt ihm imBervorgenen. Wer in unserer überhetzten Zeit noch nicht die Fähigkeit zu ruhigem Lesen verloren hat und sich noch an Blumen am Wege freut, der kann in Heinrich Steinhausens Erzählungen Goldkörner finden. .Wer vermöchte heute noch so die Freude eines 'armen Michel-Detters an seinen zwölf Kindern l zu schildern, wie er im „Gevatter Tod". Welcher Humor in „Markus Zeisleins großer Tag", wie- f viel Raturstimmung in „Magister Cölestin" und „Im Armenhaus"! Spiero hat dem stattlichen * Bande eine warmherzige Einführung mit auf den Weg gegeben. 766
— Ernst Lothar: Drei Tage und eine Rächt. Rovelle. F. G. Speidelsche Der- laasbuchhandlung, Wien und Leipzig. (168 Setten Oktav. Leinen 4 Ml. - Ein stürmischer Dialog, der nichts anderes geben will als ein Protokoll des Lebens. Indern er alle Literatur vermeidet, gibt er in seiner knappen Sachlichkeit, in seiner zeitgemäßen Gegenständlichkeit alles: den Fall der jungen Anna Wieser, aber auch feine sozialen Verästelungen, das Ambiante des vom Kriege scrrütlet'en Bürgertums, die Hinter- gründe einer Künstlerehe, die Perspektive des ächeaters, der Großstadt und eines entfesselten, „Betriebes", der immer mehr auch die Herzen ergreift. All das macht Ernst Lothar in seiner dramatisch geführten Rovelle sichtbar, aber nicht von außen, sondern von innen heraus, indem er gleichsam im Innern seiner Gestalt ein Licht anzundet. das sie durchsichtig macht. 798
— Ernst Lothar: Gottes Garten. Ein Buch von Kindern. M t 24 D'gnetten von Dtttor Schufinsly. F. G. Spe'.delsche Verlags- buchhandlung, Wien urtö Leipzig. 190 Seiten Oktav. Leinen 5,50 Mk. — Auf das „Iahr- hundert des Kindes" ist eine Zeit rechnender Erwägung und kühlen 'Verstandes gefolgt. Ihr reicht Lothar sein Buch von Kindern hin und weist die jungen Mütter und Bitter auf das ewige Wunder: das Kind. Gr führt den Weg zu dem Heiligtum, indem er mit behutsamer Hand zum Geheimnis der Kinderse^le und damit zur Erziehung schlichter und wahrhafter Menschlichkeit hinleitet. 799
Iugendschristen.
— Elise Aver dieck: „Karl undMarie" und „Roland und Elisabet h", Erzähluw gen für Kinder (zwei Bände mit den Bildern nach den allen Originalsteindrucken der ersten Ausgabe tm Srnte-Berlag G. m. b. H. in Hamburg). Wer kennte nicht das gütige, aliersburch- furchte Greisenantlitz in der weihen Großmutterhaube auS seiner eigenen Kindheit, das liebe, treue Gesicht Elise Averdiecks, dessen kindlich beiteveß Gemüt Bücher schuf, die nun schon ein halbes Jahrhundert daS Schönste, w.il intimste und innigste, sind, was Kindern gegeben werden kann. Generationen sind schon mü diesen Erzählungen aus dem Kinderleben ausgewachsen und sie find ihnen lebendig und lieb geblieben
tie Jahre ihres Lebens hindurch, wie treue Ge« führten der Kindheit, die man kennt wie sein eigen Herz unö gern hat. wri! sie einem vertraut sind. „Kara und Marie" und ihr Ge- schwileittreis werden manche Mode der Zeit, die auch in der Jugendliteratur Llmschau hält, über» dauern, um vielen Müttern und Kindern Freunde fürs Leden zu sein. (706)
— Ein reizendes Kinderbuch, das auch jedem Erwachsenen helle Freude bereiten wird, hat zu diesem Weihnachten wieder Ernst Krei- dolf geschaffen. Sein neues Bilderbuch ..Lenz- g e f i n b“ erzählt in allerliebsten Betten und köstllch phantasievotten Bildern von Fa trrv aller Art und ihrem possierlichen Leben zwischen Blumen und Gräsern. Ein rechtes Märchenbuch ist c udj dieses neue Werk des Künstlers, aber es führt unsere Kleinen unmerkbar zur fielen Erie rn'.nis der Raturzusammenhänge auch unter den kleinsten Lebewesen. (Rotapsel-Derlag A.G., Zürich). 701
— Stanleys Reise durch den dunklen Erdteil. Für die reifere Jugend bearbeitet von Richard Roth, neu durchgesehen von Karl Holzecker. Mit 6 Abb. von Rich. Herdtle und einer Karte. 245 S. 8°. Union Deutsche Drrlac^gesellscha't, Stuttgart. — Dem vorli«en- 6en Bande der „41mon-Jugendbücherei" liegt das berüymte Werk von Henry M. Stanley, „Durch den dunklen Weltteil", zugrunde, und es war ein guter Gedanke, es auch für die Heranwachsende Jugend herauszubringen als eine ungemein fesselnde, belehrende und zugleich im besten Sinne unterhaltende Reiseschllderung aus dem schwarzen Erdteil. 775
Aus fremden Literaturen.
— Don Sigrid kUndsets Roman „Kristin Lavr anstochte.", dessen deutsche ileber- setzung hier 'chon eingehend gewürdigt wurde, ist ,oeben bei Rücken & ßoe.iir.g in Frank,u.ft a. M. der dritte Banh erschienen. Bei dem großen Inneres e, das Sigrid Lindsets Roman sehr schnell auch in Deutschland gefunden Hat, wird dieser dritte Band zum Weihnachtssest sicherlich große Beachtung finden. Eine Besprechung behalten wir uns vor. 732
— Jean Richard Bloch. Simler L Co. Roman, Dorwort von Romain Rolland,
'Rvtapiel-Berlag Zurich und Leipzig. Geo. 8 Mk. — Ecr enilich sollte der Rame Simler" im Titel sortfal.en, denn nicht er ist die Hauptsache. Es Han e t fick vielmehr um das ..Co.", genauer um einen furchtbaren Kampf zwischen beiden, zwi- $4 en einer industriellen Organisation und der Menschlichkeit ihrer Gründer. D.e Tuchfadrikan- len Simler ziehen mit Kind und Kegel und •allen Webstühleit aus dem Elsaß fort nach Ben- dceavre im Westen Frankreichs. Dort beginnen sie ein neue» Leben. Halb hingerissen von eigener Tatkraft, halb von den Derhältnissen ge- zwur en. schaffen sie sich herauf, allen Wider- ftän.e.i zum £ro&. Aus der alten Firma „Hivpolit Simler" wird d.e neue „Simler & Co.". D c es harmlose Anhängsel aber frißt allmählich auf, was von te.i persönlichen Simlers noch übrig bl cj. Es ist der Ausdruck e.n.r Organi- sat.on. nein, einer Maschinerie, die. zwar von Menschen geschaffen, doch eben dieselben Menschen zermalmt. M t erschütternder Wucht ist das Rinl.e.1 zwischen dem lebendigen Menschentum und der unerbittlichen Firmenvrganisation gc» gestattet: — Roma n Rolla-cd hat diesem Rö- uturt Blochs e.n glänzendes Dorwort mitgegeben. Er schreibt: Bei jedem Lesen erschütt r e mich die gleiche schöpferische Gewalt. Jedesmal erstand vor mir Balzacs Genie. Ohne Vorbehalt wage ich das Wort: Ich kenne sonst keinen ftan- zösisa'en Roman, dem unter den Meisterwerken iec „menschlichen Komödie ein Platz geführte. Ec ist ihrer Blutes ... Es ist Komödie großen Stils, darin Po.senlaune und tragisches Erschüttern von einem Könner gemeistert werden! Ich erwarte von diesem Dichter das grobe Merk unierrr Zeit. 770
— Egm 0 nt C olerus. Tiberius auf Capri. Novelle. F. G. Speidelsche Derlagsbuch- Handlung. Leipzig. In Leinen gebunden 4 Mk. Auf den Roum einer Nacht, der Entscheidungsnacht des 70jährigen Casars zusammengedrängt. macht diese hinjagende Novelle der Angst den Schnittpunkt zweier Zeitalter, darin mit der Gegenwart sich berührend, deutlich und zeigt den durch Blut, Verderbtheit und Sittenlosigkeit schreitenden Tyrannen in dem Augenblick auf dem Gipfel seiner Macht, da er in einsamem Entsetzen dir an die Schwelle des Wahnsinns gebracht, sich als einziger im Weltreich aus dem Sumpfe des sterbenden Roms zu höchsten Gedanken der Menschenrechte emporhebt. (797)
Kreisturntag Mittelrhem der D. T.
—o— Am Sonntag trat in Wiesbaden im * 1 * * * 5 Hause des Turn- und Sportvereins „Eintracht" ein außerordentlicher (85.) Kreisturntog des 9. Kreises (M i t i e l r h e i n) der D. T. zusammen.
Pünktlich!<■ llhr rief die Glocke des 2. kreisver- treters Karl Schill kOfthofen, Rheinhessen) die gruppenweise schon in lebhaftem Gedankenaustausch stehenden Abgeordneten, nahezu 300 an der Zahl, auf ihre Plätze.
Weihevolle Klänge eines Turnersängerchors durchzogen von der Galerie her den weiten Raum, in dem es stille geworden war: sinnend ruhten aste Augen auf dem großen Bild von Emmanuel Schmuck, das im Trauerflor mit frischem Wal- desgrün geschmückt neben dem Tisch des Kreisvor- standes auf der Bühne aufgestellt war. Mit erarei- senden Worten, die von der Versammlung stehend angehört wurden, führte Schill die Gedanken zu dem stillen Waldfriedhos in Darmstadt, wo die sterblichen lleberreftc des Freundes und langjährigen, erfolgreichen Führers des Mittelrheinkreises der D. T. ruhen: fein Bild wird im Turner heim auf dem Feldberg eine dauernde Stätte finden und damit in lebendiger Verbindung mit den Turnern des Kreises und der Deutschen Turnerschaft bleiben. Als erste Gabe zu einem Grundstock für ein Grabdenkmal hat der Moselgau einen namhaften Geldbetrag gespendet.
In einer kurzen Feierstunde sprach der Kreiswart für turnerisches Geistesleben Professor Georg Bender (Frankfurt) mit begeisterter Nede von den tiefinneren Wetten der Jahnschen Ium- fache für unser gesamtes Volk: ein gemeinsames Lied stärkte den Willen zu neuer 'Arbeit an Jugend und Vaterland.
An der Spitze der Tagesordnung stand die Ersatzwahl des 1. Kreisvertreters, die ja auch in der Hauptsache die Veranlassung zu einem außerordentlichen Kreisturntag gegeben hatte. Drei alte Gaue hatten ihre bewährten ersten Gau- uertreter zur Wahl gestellt, so daß der vorbereitende Wahlausschuß ohne Vorschlag die Entscheidung in die Hande des Äreisturntages legen zu müssen glaubte. Der erste Bewerber war Rektor Hans Schiller vom 8. Gau Frankfurt, der zweite Oberreal- und Turnlehrer Karl Roth (Darmstadt) vom 3. Gau Main-Rhein und der letzte war Fabrikant Arthur Pfeiffer (Wetzlar) vom 1. Gau Hessen. Beim ersten Wahlgang erhielt Pfeiffer 147 Stimmen, Roth 104 und Schiller 101 Stimmen. Aus der damit notwendig gewordenen Stichwahl ging, wie schon kurz benqjtct, Pfeiffer mit 211 Stimmen als nunmehriger erster Kreis- Vertreter hervor, wahrend auf Roth 140 Stimmen entfielen. Unter lebhaftem Beifall der Der- sammlung begab sich der Neugewählte zu seinem Amtsstuhl, dankte für das ihm ent^egengebrachte Vertrauen und versprach, das Erbe «chmucks treu und gewissenhaft weiterzusühren. Der Gon Hessen bringt der übergeordneten Organisation das Opfer gern, zumal Pfeiffer neben der Pflege der idealen Seite der deutschen Turnsache auch einen durch sein langes, erfolgreiches Berufsleben geschärften Blick für die harten Notwendigkeiten des wirklichen Lebens mitbringt.
Emmanuel Schmuck hatte in feiner Person das Amt des 1. Kreisoettreters und das des Schriftleiters der nach der Inflationszeit neu gegründeten „Kreiszeitung" vereinigt. Für das nunmehr wieder abgetrennte
Amt des Schriftleiters
.lagen 16 Bewerbungen vor, so daß die gründliche Prüfung dieser äußerst wichtigen Frage einem Sonderausschuß übertragen werden mußte, der aus dem Kreisvotttand und drei weiteren Sachverständigen für die Drucklegung, den geschäftlichen und textlichen Teil bestand. Die Bewerber ließen sich in drei Gruppen zusammenfassen: erstens waren es Druckereien, die bann auch ihren Schriftleiter mitbringen, zum anderen waren es techn. Turnfachleute und schließlich solche, die die Anregungen und Gedanken des neu erweckten turnerischen Geisteslebens umfassender und nachdrücklicher in die 'Bereine tragen wollen.
lieber den Fortgang der
Arbeiten für das ftreisfumftft in Darmstadt am 29.—31. 3ull 1927
berichtete der Vorsitzende des Festausschusses Ober
reallehrer Carl Roth: die rein turnerischen Veranstaltungen behandelt- fireisoberturnroart Georg F r e i) (Mainz) und stell e dabei heraus, daß die in Vorschlag gebrachten Raumoerhöltnisse so ausgiebig sind, daß Turnen, Schwimmen, Volksturnen, Spiele gleichzeitig und nebeneinander betrieben werden können: nur einmal, und zwar am Schluß aller Wettkämpfe, am Montagnachmittag, findet Siegerverkündigung statt in der Weise, daß sich die Teil- nehmer in festlichem Zuge vom Uedungsplatz durch die Stadt nach dem Schloß begeben und dort von der großen Freitreppe des.Museums aus die Handlung in würdiger Weise vollzogen wird.
Der veranschlag
für die nächsten beiden Jahre ist von fireiskassen- watt Phil. R ö b i g (Frankfurt-Rödelheim) mit großer Vorsicht aufgestellt und lag im Sonderdruck vor. Eine Erhöhung der ftreisbetrage an sich ist vermieden worden, so daß es bei einer Kopfsteuer von 1,30 Mark verbleibt, wozu allerdings noch die jeweiligen Gaubeiträge hinzukommen. Der Ausgleich liegt bei 181 740 Mk. Für die Rothermel-Stiftung werden 1500 Mk. vorgesehen, für die Emmanuel-Schmuck- Stiftung 500 Mk. Die Kreis-llnfallunterstützungskasse steht in Jahresausgabe mit 30 000 Mk. Der Verwalter -dieser Kasse, Kaufmann Karl Enders (Kreuznach) teilte mit. daß schon 1400 Unfallanzeigen vorliegen, und klagte in kurzer, eindringlicher Rede alle technischen Leiter an. daß sie nicht genug dafür sorgen, daß Unfälle vermieden werden, ferner klagte er die Gauoerwaltungen an, daß sie nicht scharf genug zwischen den Bedürftigen und Unbedürftigen unterscheiden. Das Turnerheim auf dem Feldberg im Taunus erfordert 2000 Mk., dasjenige zu Zotzenbach i. O. 8000 Mk. für den Ausbau. Der Voran- schlag wurde nach kurzer Aussprache einstimmig angenommen: eine freiwillige Sammlung ergab rund je 100 Mark für das neue Kreisbanner und die Jugendburg.
Einen kurzen, eindrucksvollen Bericht von dem Deutschen lurntag in Bremen
gab der Vorsitzende Schill: aus der Zahl der dort gefaßten Beschlüße sind hauptsächlich hervorzuheben,
1. durch einen Ausschuß prüfen zu lassen, wie die
Verwaltung der D. T. sachlich und durch bezahlte
Kräfte zeitgemäß verbessert werden kann: 2. den
Kreiskassenwarten alljährlich eine Zusammenkunft zuzubilligen: 3. den Presfewart und Presseausschuß der D. T. in den Satzungen zu verankern: 4. die Kreise zu verpflichten, unter ihren Abgeordneten zum Deutschen Turntag eine Frau zu entsenden:
5. den Kreisen, Gauen unö Vereinen der D. T. zu empfehlen. Mitglieder der Deutschen Lebensrettungs- gesellschaft zu werden: 8. den für 1928 fälligen Turntag wegen des Kölner Turnfestes auf 1929 nach Stuttgart zu verlegen: 7. die Fremdwörter aus der D. T. fernzuhalten: 8. die 'Jleueinteilung der fireife nach den heutigen wirtschaftlichen und geographischen Verkehrs- und Bevölkerungsoerhältnissen vorzu- nchmen; unter den abgelebten Anträgen sind bemerkenswert, 1. den Vorstand der D. T. von 5 auf 7 Mitglieder zu erweitern: 2. die Anzahl der 300 Abgeordneten auf 150 einzuschränken: .">. das Frei- stück der Deutschen Turnzeitung beizubehalten: 4. die Kopfsteuer herabzusetzen.
Unter den verschiedenen
Anträgen zum Kreisturntag
wurde derjentge des Kreisvorstandes auf Satzung»,, änberung einstimmig angenommen mit dem Ergebnis, daß der Presseausschuß in das Grundgesetz ein- gegliedert wird. Der Antrag des Gaues Rhein- Nahe, das Freistück und die Pflichtstücke der „Kreiszeitung" ab 1. Januar 1927 aufzuheben, wurde unter Beifall der Beriammlung zurückgezogen. Zu dem Antrag de» Gaues Offenbach-Hanau betr. gemeinsamen Vorgehen» aller zur Gebäudesondersteuer (chauazinssteiier) herangezogenen Turnvereine wurde eine Entschließung gefaßt, die durch Vermittlung des Vorstandes der D. T. unverzüglich den zuständigen Steuerstellen zugeleitet werden soll und die Steuerbefreiung der vereinseigenen Turnhallen erstrebt, insoweit sie aemeinnützigen Zwecken bzw. der körperlichen Ertüchtigung unseres Volke» dienen. Schließlich hatte der Main-Rheingau noch beantragt, nach der Bildung des Londesousschusses für Leibesübungen im Londe Hessen nunmehr einen Landesverband der hessischen Turnvereine D. T. im Dolksstaat Hessen (Zweckoerband) zu gründen, um durch Geschlossenheit die Belange seiner Vereine bei
der hessischen Sraaisregierung zu vertreten. Hierher gehören Gesuche der Vereine um geldliche Unterstützung aus Staatsmitteln zum Bau von Turnhallen, Anlage von Sportplätzen, Abhaltung von Lehrgängen u. dgl. Dieser Zweckoerband wurde nun in der Weise gegründet, daß die Gauoertreter, die hessiiche Vereine in ihrem Gebiet haben, einen 13er- bandsausschuß als rein hessische Angelegenheit bilden und die Anliegen in dieser Richtung behandeln werden.
Der fireisturntog war in feinem äußeren Verlauf als auch in seiner inneren Führung vorzüglich vorbereitet, so daß er flott und würdig verlief und den Abgeordneten noch Zeil ließ, der Einladung der Kurverwaltung zur Besichtigung der fiuranlagen und jinn Besuch des Kurkonzertes zu folgen.
Wirtschaft.
' Dis Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten im Rovember. Die Reichsindeeziffer für die Lebensh tttungs^ kosten (Smäbrung, Wohnung. Hnzung. Beleuch- tung. Bekleidung uni> „Sonstiger Bedarf") beläuft sich n(rch den FeststeUungen deS Slatifttschem Reichsamtes für den Durch chnitt des Monats Rovember auf 143.6 gegen '42.2 im Dormonat. Sie hat sich sonach um 1,0 Proz. erhöht. Die Ausgaben für Bekleidung rinö erneut leicht zu- rüdgegargm. Bei den übrigen BrdarssgruppeiH waren nennenswerte Deränderungen nicht zu verzeichnen. Die Indexziffern für die einzelnen. Gruppen betragen (1913'14 ----- 100): für Ernährung 148.2. für Wohnung 104.9, für Heizung und Beleuchtung 144.0, für Beklemm 158.4, für den Sonstigen Bedarf cin'chl. Derkeyr" 184.7.
Fusion Bahnbedarfs-2G.. Darmstadt — Rquila Ql®. Frankfurt am M a i n. Die außerordentliche Hauptver» fammlung ter Bahnbedarss-RG.. Darmstadt, ge« i ehmigte die Einziehung vmr 8000 Rm. Vorzugsaktien ohne Entschädigung und ermächtigte den Vorstand, mit ter Aqu:la 21®. für Handels- unk» Industrie-Unternehmungen zu Frankfurt a. M. einen Fufionsvertrag abzuschlichen dercrt. datz das Dcrmögen der Bahnbedarfs-AG. als Danzes auf die Aquila AD übergeht und den Akttonären der Bahnbedarfs-AD. auf je nom. 800 Am Stammalt en der Dahnbedarss-AD. nom. 200 Am. Stammakt en der Aquila AG. ge« toiüjrt werden. Die Genehmigung erfolgte einstimmig. Als ein Aktionär die älebernahme ter Bahnbcdarfs-AG. mit ihrem wertvollen Grundbesitz als für die Aquila überaus gün« ftig le eignete, erklärte der Vertreter d r Aquila. daß ter Grundbesitz der Bahnbedarfs-AG. wegen elnschrönlender behördlicher Bestimmunaen nicht als Aktiv-, sondern als belastender Posten zu gelten habe. Die Bilanz der Bahnbedarfs- RG. sei ungünstig und das Unternehmen bereit# 1924 durch eine geldliche Unterstützung seitens der Aquila gestützt worden. Wenn die Berhandlun- gen mit den hessischen Behörden wegen steuerlicher und anderer mit der Aebernahrne verbundener Angelegenheiten kein günstiges Ergebnis zeitigen, würde die Aquila von dem Fusions- Vertrag zurücktreten. Die Fusion geschehe nicht aus getomnfüdbtigen, sondern aus sozialen Mo- ttven. um das Werl in Darmstadt nicht zur Sttllegung kommen zu lassen. *
*• D i e Bereinigten Stahlwerte im Siegerland. Wie der DHD erfährt, haben die Bestrebungen der Bereinigten Stahl- werke-Düsseldvrs. ihren Siegerländer Beteiligungen eine neue Form zu geben, zu einem Abschluß geführt. Obwohl sich bei der Einzeldurch- führung noch Aenderungen ergeben können, beabsichtigt man im Siegerland, eine neue A G. der Bereinigten Siegerländer Werke zu grün. ea. In diese AG. werden die bisherigen Beteiligungen der Bereinigten Stahlwerke im S.egerland nach ihrer Loslösung von den Ber- einigteu Stahlwerlen eingebracht werden. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um den Block der C h a r l o 11 e n h ü 11 e. Rieder- scheiden, weiterhin um die S egerländerWalzwerke der Bereinigten Stahlwerke van der Zypen- Wisfen. Außerdem sollen k die Anlagen der Friedrichshütte Herdors und der Gei sw ei der Eisenwerke in die neue AG. eingebracht werden. Die Majorität der Friedrichshütte lag bisher im Privatbesitz von Thyssen und befand sich also nicht in den Hanken der (Bereinigten Stahlwerke. Gin weiterer, sehr großer geschlossen r Akttenbesih gehörte der Schneider-Grrrppe, während an Geisweid neben Thyssen mit der Majorität auch die Klöckner- gruHpe interessiert ist. Dagegen wird ftch die Storch- und Schöneberg-AG.. die dem Mannesmann-Konzern nahestcht. an der neuen Gesellschaft nicht beteiligen. Andere Werke des Siegerlandes dürften in Die neue Gründung vorläufig nicht einbezogen werden. Das Aktienkapital ter Gesellschaft, das in seiner genauen Höhe noch nicht seststeht, wird auf 50 bis 60 Millionen RM. geschäht und soll sich zum mindesten 70 bis 80 Proz. in den Händen der Bereinigten Stahlwerle. Düsseldorf (Konzern-BetetttgunyS- buteau, Düsseldorf) befinden. Die endgültige Gründung ter neuen Gesellschaft steht in aller nächster. Zeit zu erwarten, wenn der gesamte Fraeenkomplex dieser neuen Transaktion, die bisher in Den genannten großen Zügen beschlossen wurde, geregelt worden ist.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 30. Rov. 2m Berliner Getreidegeschäft bleiben die günstigen argentinischen Wettermeldungen und Ernteberichte wie auch die nordamerUanischen Forderungen maßgebend für die Tendenz und Preisbewegung. Die Entwickelung im Weizengeschäft geht weiter nach unten, zumal die Frage nach effeftiver Ware aus dem Inland sehr gering bleibt. Auch im Zeitgeschäft waren die Rotierungen für Dezember 1,50 Mark, für Zrühjahrsmonate etwa 75 Pfennige niedriger. Roggen wurde 1 Mark niedriger offeriert und sand auch zu diesem Preis Ausnahme. Gerste ruhig: die letz.en Gebote sowie beste Qualitäten haben nur vereinzelt Ülmsah. Hafer fand in kleinem Angebot eine Stütze. Mehl unverändert. Bon Fut.erstoffen nur Kleie stetig, sonst allgemein vernachlässigt. Es notierten (1000 Kilogramm). Weizen, märkischer, 269 bis 272; Roggen, märkischer, 226 bis 231; Sommergerste 215 bis 245; Wintergerste 190 bis 203; Hafer, märkischer, 174 bis 185; Mais, loco Berlin. 195 bis 199; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35 bis 38,25; Roggenmehl 32.25 bis 34: Weizenkle e 12,50 bis 12.75; Roggenkle e 11 80 bis 12,25; Diftoriaerbsen 55 bis 61; Leine Speise- crbsen 32 bis 35; Futtererbien 21 bis 24: Peluschken 20 bis 22: Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 22 bis 24; Lupinen (blau) 14 bis 15: Lupinen (gelb) 14.50 bis 15.50; "


