Nr. 281 Zweites Blatt
uiiiiwoä}, Oezember 1926
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhetzen)
Sowjet-Diplomaten in Brest-Litowsk.
Von Rolf Brandt.
Rolf Brandt, der bekannte Schriftsteller and frühere Kriegsberichterstatter, hat soeben bei der hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg 36, unter dem Titel: „So sicht die Welt- geschichie aus . . ein hochinteressantes Buch herausgcgeben. (3n Ganzleinen gcbun^n 6 Mr.) Zwölf Jahre deutsche, europäische Geschichte, von 1914 bis 1926 Ueberall, wo etwas „los" war, wo Dölkerfchicksale ge> schmiedet wurden, war der Verfasser babei. Das Buch lieft sich wie ein spannender Ro- man. Aus den lagen der Zriedensoerhand- lungen von Brest-Litowsk schildert der Verfasser solgende Szene.
Von der Stadt Brest-Litowsk, in der über den 5neben zwischen den Sowjetrussen und Deutschland verhandelt wurde, stand nur noch ein ganz kleiner Teil. Der Brand von Brest-Litowsk war so stark gemeßen, dah man vier Stunden von der Festung entfernt in dcr Nacht noch Briefe aus Deutschland hatte lesen können.
Auch die Zitadelle war stark beschädigt; aber sie war von der Etappe ausgebaut worden und bot schließlich einigermaßen ansehnliche Wohnräunte, Kasinos, Fremdenzimmer. Man hatte von einigen Nebengebäuden überdachte Holzgänge gezimmert, die nach dem guterhaltenen Wohnhaus des russischen Gouverneurs sührten, in dem sich schöne Säle befanden. Während des ersten Teils der Friedensver- hattdltmgen kam ich nur einmal auf wenige Stunden nach Brest-Litowsk. General Hoffmann, den ich persönlich gut kannte, wollte unter keinen Umständen einen Mann der Presse zulassen, und Prinz Leopold war, wie fast die meisten Wittelsbacher, geradezu prefseseindlich 3m übrigen haben ja die Russen dafür gesorgt, daß jedes Wort ihrer damaligen Propagandareden an die Oeffenttichkeit kam.
21 Is die 'Verhandlungen in Brest-Litowsk unterbrochen wurden, bekamen Radek und Iosfe mit Bewilligung der deutschen Regierung einen Urlaub nach Warschau. In dieser Zeit bin ich ihnen beiden begegnet. Sie waren jeder in der Obhut eines Offiziers, der die 2lufgabe hatte, sie zu begleiten, ihnen aber möglichst jede Freiheit zu lassen. Meine Warschauer Bekannlcn fragten mich nun eines Abends, ob ich nicht noch in die Chrysanthemum-Bar gehen wolle, dort würde ich die russischen Unterhändler treffen.
Wir klapsten auf die verabredete Art an ein Haustor. Der vordere Eingang der Bar war längst geschlossen. Meine Begleiter sagten irgendein Stichwort, und ein polnischer Hausknecht führte uns durch einen langen, dunklen Gang vor eine neue Tür. Dort wurde wieder geklopft. Nun waren wir in einem Nebenraum der Bar. Es brannten nur Kerzen, denn der Stromverbrauch des elektrischen Lichts hätte angezeigt, daß man die Polizeistunde überschritte. Das Gouvernement war sehr genau in diesen Dingen. Im Hauptraum der Bar war noch voller Betrieb. Elegante Warschauer Halbwelt. Und (Stoppe. An einem runden Tisch saßen Radek und Josse mit ihrer deutschen Begleitung. Iosfe, sichtlich angeheitert, aber sehr ruhig, mischte mit der Miene eines Mannes, der etwas davon versteht, Burgunder mit Sekt. Neben ihm saß eine sehr schöne, dunkel- haarige Polin, er schien aber mehr Interesse für seine Sektmischung zu haben. Radek lehnte in einem Klubsessel zwischen zwei hochblonden Warschauerinnen, denen er einen Vortrag über die bolschewistische Ehe hielt. Er schied sehr viel weniger vertragen zu können als Herr Joffe. Ein paar Flieger- Offiziere, die nicht wußten, wer die beiden Zivilisten waren, setzten sich zu der Gruope, und nachdem sie mehrere Glas von dem polnischen Reiterlikör her- unlergeltürzt hatten, fingen sie an zu fingen: „Deutschland, Deutschland über alles", höchst liebenswürdig fang Hoffe mit und tat bann einen tiefen Zug aus feinem Pokal Burgunder mit Sekt. Herr Radek schien diese Gesangsübungen für höchst überflüssig zu halten, er ging zu der Klavierspielerin heran und flüsterte mit ihr. Sie schien erst Bedenken zu haben wegen der späten Stunde, bann schien er sein Inkognito zu lüften, unb sie begann leise, aber in hinreißenbeui Tempo, russische Tänze zu fpielen. Rabek erhob sich unb tanzte mit ben beiben Polinnen durch ben Raum. Er ging zum Kasatschok
über unb raste mit beiden Frauen in der tiefen Sniebeuae des Kosakentanzes umher. Das haar der einen löste sich. Radek sprang auf. Alle drei wirbelten umher, und das haar der Polin wehte wie eine blonde Fahne über seinen Demagogenkopf. Das Mädchen flog in einen Klubsessel und Radek tanzte mit der anderen weiter. Inzwischen hatte Josse feine Burgundermischung weiter probiert. Ein paar Gläser klatschten gegen die Wand. ,,Da sdrastwujet Ros- sija?" „Es lebe Deutschland"!" Klirrende Scherben. Radek trua feine polnische Tänzerin auf den armen zu dem Tisch von Joffe.
Am nächsten Tage las ich mit einiger Ruhe einen der vielen Funksprüche aus Moskau, wonach die russischen Unterhändler mit bitterschwerem her zen für die Leiden des russischen Volkes die langwierige Pause in den Unterhandlungen ertrügen. Als ich in Genua erlebte, wie Tschitscherin sein Sell glas freundlich lächelnd gegen ben Erzbischof von Genua erhob, währenb er gleichzeitig die Nachricht von dem Todesurteil gegen den höchsten katholischen Geistlichen Rußlands in der Tasche hatte, mußte ich an diese Szene in der Chrysanthemum-Bar von Warschau denken.
Preisausschreiben
in der Freitags erscheinenden landwirtschaftlichen Beilage des Giehener Anzeigers
„Die Scholle"
offen für alle selbsttätig in Landwirtschaft und Gartenbau wirkenden Bezieher unserer Zeitung.
Bedingungen
Das Preisausschreiben ist eingeteilt in vier Gruppen von insgesamt dreizehn Aufgaben. Die Veröffentlichung je einer Gruppe erfolgt in vier fortlaufenden Dezembernummern der Scholle. - Die Gruppen sind wie folgt zusammengesetzt:
Gruppe I..............Grohviehzucht
Gruppe II...........Feld- und Wiesenbau
Gruppp III . . . . .........Kleintierzucht
Gruppe IV.........Obst- und Gartenbau.
Die Wertung der Lösungen wird von vier fachlich zuständigen Preisrichter- Ausschüssen durchgeführt.
Die Bearbeitung von geeigneten Lösungen für die spätere Veröffentlichung in der Scholle erfolgt durch Sachverständige.
Die Einsendung der Lösungen ist jeweils binnen zwei Wochen nach Erscheinen der Aufgaben erforderlich und zu richten an die Schriftleitung der Scholle, Gießen, Schulstraße 7, mit der Aufschrift: „Preisausschreiben". Genaue Anschrift und letzte Bezugsquittung muffen beigefügt sein.
Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung der Preisrichter-Ausschüsse als endgültig an.
Preise
Der Gesamtwert der Preise beläuft sich auf
500 Reichsmark
Die Bemessung der Preishöhe für die einzelnen Lösungen steht den Preisrichtern zu. Vorgesehen sind folgende Preise:
Gruppen I und II
Kalkstickstoff oder schwefelsaures Ammoniak, Thomasmehl, Kalisalz-
Gruppe III
Eine Ziege oder Zentrifuge für Ziegenzüchter, ein Stamm Hühner, ein Paar Kaninchen-
Gruppe IV
Eine Obstpresse, Obstbäume, Beerensträucher
notfalls entsprechender Geldeswert.
Verpackung und Versand erfolgt von den Lieferern aus zu unseren Lasten.
Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers.
(Eine neue Brüskierung der deutschen des Memellandes.
Die memcllänbifdje Bevölkerung ist durch die Ernennung eines neuen Direktoriums überrascht worben. Der Gouverneur hat sich bie Lösung der Regierungskrise sehr leicht gemacht unb ohne Fühlungnahme mit den Parteien des Landtags einen neuen Präsidenten des Landesdirektoriums ernannt, der wiederum ohne Fühlungnahme mit den Parteien die Landesdneltoren ernannte. Diese Art der (Ernennung bedeutet ebenso wie die ernannten Personen eine Brüskierung der Mcmelländer, da die beiden neuernannten Direktoren bereits srüher der Regierung angehörten und infolge von Mißtrauensvoten zum Rückzug gezwungen waren. Es erscheint unbegreiflich, daß der Gouverneur aus den bisherigen Erfahrungen noch nicht die richtigen Schlüsse zu ziehen versteht. Nach dem Gesetz hat der Gouverneur zwar bas Recht, den Präsidenten des Landes- bireltoriums zu ernennen, aber das Landesdirektorium kann nur so lange regieren, als es das Vertrauen des Landtags besitzt. Eine Krise wäre also jederzeit zu vermeiden, wenn der Gouverneur vor der (Ernennung mit den Parteien Fühlung nähme. Im memelländischen Landtag verfügen die Deutschen über 22 von ben 29 Sitzen. (Es wäre also nur gerechtfertigt, daß ein Landespräsibent ernannt wird, der ben Wünschen biefer Mehrheit entspricht. Da- nach hat sich aber die Regierung in Kowno nücbcr nicht gerichtet, weil ihr daran liegt, bas Memelgebiet zu litauificren, um bas Unrecht zu verwischen, bas burd) bie Abtrennung bieses beutschen Gebietes vorn beutschen Aaterlande begangen ist. Die Siegermächte haten diese Gewaltmaßnahmen damit begründet, daß nach ihrer Ansicht das Memelgebiet immer litauisch gewesen sei, und daß die Memelländer in der Mehrzahl Litauer seien. Die Zusammensetzung des Landtags mit der überragenden deutschen Mehr- heit sollte auch die Mächte von der Unrichtigkeit ihrer Auffassung überzeugt haben und der litauifdjen Regierung eine Mahnung sein, mit der Vergewaltigung der Deutschen im Mernelaebiet endlich Schluß zu machen. Statt dessen hat sie nach ben Erfahrungen bei ber vorigen Regierungskrise, bie mit dem Mißtrauensvotum gegen Simonaitis ihren Anfang nahm, wiederum die Deutschen brüskiert, anstatt schon mit Rücksicht auf die deutsch-litauischen Beziehungen, an deren Besserung den Litauern mehr gelegen ist, als den Deutschen, sich mit den Deutschen des Memellandes gut zu stellen. Das Unrecht der Siegermächte können sie durch immer neue Vergewaltigungen ber Deutschen nicht vergessen machen unb auch nicht aus ber Welt schaffen. Im Gegenteil! Der Wunsch der Deutschen zu ihrem angestammten Vaterlande wirb um so reger bleiben. Ihre Forde- rung, daß über kurz oder lang ihr Selbstbestimmungsrecht, das bisher mit Füßen getreten wurde, gewürdigt wird, wird sich nicht unterdrücken lassen. (Es ist ihr gutes Recht, da die Mehrzahl der Bewohner eben Deutsche sind. Und das Land selbst ist ja auch nicht immer litauisch gewesen, wie der litauische Gesandte Sidsikauskas fälschlicherweise vor dem Völkerbundsrat behauptet hat. Denn fast 700 Jahre lang, also seit Besiiedlungs- und Kulturbeginn, hat das Land zu Preußen-Deutschland gehört und ist weder während dieser Zeit noch vorher jemals litauisch gewesen. Wann wird der Völkerbund das Unrecht wieder gutmachen? Wann wird er ber Bedrückung der Deutschen des Memelgebiets durch die litauische Regierung ein Ende machen? Angesichts der neuen Brüskierung bei ber (Ernennung ber Regierung gewinnt diese Frage erneute Dringlichkeit.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
, * Da s Amtsverkündigungsblatt Nr. 95 vom 29. November enthält: Lehrlingsordnung in den Bäckereien und Konditoreien. — Volksabstimmung. — Einreichung der Steuerabzugsbelege für 1926. — Maul- und Klauenseuche in Groh en-Dus eck. — Schuh der Starkstromanlagen. — Bestellung der Denlmalpsleger. — Meldung von Funden. — Bildung einer Wassergcnossenschast der Gemarkung Saasen mit Dollnbach, Deitsberg und Wirberg. Wandergewerbescheine. — Gewerbelegitimationskarten. — Schulausgabe der Reichsverfassung. — Feldbereinigung Harbach. — Straßensperren. — Dienst- nachrichten.
* Das Amtsverkündigungsblatt Br. 96 vom 30. November enthält. Krisenfürsorge für Erwerbslose. — Maul- unb Klauenseuche
Mathematische Spielereien
Von Dr. Georg S t r e l i s k e r.
Die Wege zur Kraft unb Schönheit sind in der letzten Zeit schon derart ausgefallen, daß es sich wirklich verlohnt, zur Abwechslung einmal, andere Pfade zu beschreiten, die das Gehirn zwar auch nicht beschweren, aber doch Gelegenheit geben, den Geist ein wenig zu üben. (Es gibt im Reiche ber Zahlen so viele Seltsamkeiten, die auch ben mathematisch nicht Geschulten interessieren und es zustande bringen, daß man selbst dieser sonst als so trocken verschrienen Wissenschaft einige Reize abgewinnen kann.
So hat ein Rechengenie herausgesunden, daß man 1000 einzelne Markstücke auf zehn Beutel bergt! verteilen kann, daß man eine jebe beliebige Zahlung bis 1000 Mark bamit leisten kann, ohne einen Beutel zu öffnen. Dies klingt im ersten Augenblick sehr unglaubhaft. Und doch ist es nicht ausgeschlossen, daß diese zweisellos interessante Entdeckung in irgendwelcher Form noch eine praktische Bedeutung für den Geldoerkehr gewinnen wird. Die Verteilung in ben zehn Beuteln muß folgendermaßen geschehen: Im 1. Beutel befinden sich 1 Markstück, im 2. Beutel 2, im 3. Beutel 4, im 4. 8, im 5. 16; die übrigen 5 Beutel enthalten je 32, 64, 128, 256 und 489 Mark, zusammen also, wie jeder sich durch Zusammenaddieren überzeugen kann, 1000 Mark. Will man z. B. 777 Mark zahlen, so nimmt man die Päckchen 489, 256 unb 32. Dem freundlichen Leser bleibt cs überlasten, die Beispiele bis ins Unendliche foAusetzen, denn jede beliebige Summe bis 1000 Mark ist auszahlbar, ohne daß einer ber Beutel geöffnet zu werben braucht.
(Eine komische Zahl ist die Ziffer 3367. Wird sie nämlich mit ben Zahlen 33, 66, 99, 132, 165 usw., also mit Zahlen, deren jede um 33 größer ist als die ihr vorangehende, multipliziert, so ergibt bas Produkt sechsziffrige Zahlen, bie aus sechs gleichen Ziffern bestehen.
33 mal 3367 gibt 111 111, 66 mal 3367 gibt 222 222, 99 mal 3367 gibt 333 333, 132 mal 3367 gibt 444 444. Diese Operation kann bis zu ber Zahl 297 fortgesetzt werben, mit ber multipliziert man als Probukt 999 999 erhalten muß.
6 Uhr 328/n Minuten, siebentes
11 Uhr 59ll/u Minuten, also genau
fen
2
3
4
5
ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre
fen 7 Uhr 3N/n Minuten, achtes |en 8 Uhr 437/n Minuten, neuntes fen 9 Uhr 49'/,. Minuten, zehntes fen 10 Uhr 54°/u Minuten, elftes
u- iU- |U» iu- iu» iu- |U= iu- |U«
en en en en fen
Uhr 10lo/u Minuten, drittes Uhr 16°/» Minuten, viertes Uhr 21e/n Minuten, fünftes Uhr 27*ln Minuten, sechstes
Ein anderes hübsches Rechenexempel ergibt sich aus ber Frage: „Wie oft decken sich die Uhrzeiger in zwölf Stunden?" Der Leser möge rasch bie Augen schließen, nachdenken unb bann schnell bas Resultat seiner Berechnung aufschreiben. (Er wirb bann sehen, daß er sich geirrt hat. Denn in den allermeisten Fällen wirb man auf obige Frage die Antwort bekommen, daß sich bie Zeiger zwölfmal decken. Diese Annahme ist aoer falsch, was wir durch folgende Zusammenstellung der Zetten, an denen bas Zusammentreffen stattsindet, beweisen können: Erstes Zusammentreffen 1 Uhr 5*/u Minuten, zweites Zu-
12 Uhr. Die Zeiger decken sich demnach nur elfmal!
Für gesellschaftliche Zirkel werden ein paar andere, rechnerische Probleme Gegenstand großer Bewunderung sein. Wie ist es z. B. möglich, eine heimlich gewählte Multiplikationszahl anzugeben? Nun — bas ist sehr einfach. Man läßt die Zahl 37 mit einer Zahl des Dreier-Einmaleins, also nach Belieben mit 3, 6, 9, 12 usw. multiplizieren unb erbittet bie Angabe bloß einer Ziffer des Produktes. Es ist darauf durchaus kein Kunststück, sofort die Zahl zu nennen, bie für bie Multiplikation gewählt wurde. Ist nämlich die gestellte Bedingung erfüllt worden, so muß bas (Ergebnis stets ein Produkt von gleichen Ziffern sein. Eine dieser Ziffern multipliziert man mit 3 unb erhält auf biese Weise bie Zahl, mit ber ber anbere multipliziert hat. Ein Beispiel mag bie Erklärung erhärten. Wir multiplizieren 37 mit 27. Das Probukt ist 999. Neun mal brei gibt aber 27, eben die zu erratende Zahl.
Es ist auch möglich, die Endziffer einer geheimen Multiplikation unb Abbitton anzugeben. Man läßt zu diesem Zwecke aus der Zahlenreihe 1—20 mit Ausnahme ber 11 eine beliebige Zahl im geheimen mit 9 multiplizieren und sodann die einzelnen Ziffern des Produktes addieren. Das (Ergebnis ber
Multiplikations- unb Abditionsaufgabe muß stets 9 fein. Ein Beispiel: 7mal 9 gibt 63; 6 unb 3 sind 9.
Oft wird einer, wenn er von besonderem Pech ober Glück verfolgt wirb, gefragt, ob er ein „Sonntagstinb" sei. In ben meisten Fällen weiß aber keiner, an welchem Wochentage er geboren ist. Er kennt zwar sein Geburtsdatum, vielleicht sogar die Stunde dieses freudigen Ereignisses, aber er weiß nicht, ob es an einem Sonntag, Montag ober Samstag war, ba er bas Licht ber Welt erblickte. Unter ben zahlreichen mehr ober weniger umständ- lichen Verfahren, um einen Wochentag bes 19. ober 20. Jahrhunderts, an bem man Interesse nimmt, zu bestimmen, sei eine ber einfachsten Methoben beschrieben unb an einem Beispiel erläutert. Aus welchen Wochentag fiel beispielsweise ber 24. Juni 1900? Man abbiere: 1. bie Jahreszahl 1900, 2. ben vierten Teil davon 475. (1900 ist durch 4 ohne Rest teilbar. Ist bas betreffende Jahr aber ein Gemein- jahr, so wird ber sich aus der Division ergebende Rest einfach gestrichen.) 3. Man füge zu dieser Addition hinzu den vierten Teil der beiden Ziffern, bie bas Jahrhundert bezeichnen. (Es gelten bie geschriebenen Zahlen, im vorliegenden Fall bie 19, obgleich man vom 20. Jahrhundert zu sprechen pflegt. 4 ist in ber 19 viermal enthalten. 4. Die lausende Zahl bes gegebenen Datums: Januar 31 Tage, Februar 28 läge, März 31 Tage, April 30 Tage, Mai 31 Tage, 24. Juni 24 Tage, zusammen also 175. Insgesamt haben wir also zu abbieren: 1900 plus 475 plus 4 plus 175 unb erhalten also Summe 2554. Hiervon subtrahiere man stets die geschriebene Jahr- hundertttfser, also 2554 — 19 — 2535. Die jetzt erhaltene Zahl wird durch 7 dividiert; 2535:7 ist gleich 362, wobei ein Rest von 1 übrig bleibt. Nur der Rest interessiert uns. Denn 1 bedeutet Sonntag, 2 Montag, 3 Dienstag, 4 Mittwoch, 5 Donnerstag, 6 Freitag. Ergibt bie Division feinen Rest, was natürlich auch Vorkommen kann, dann ist ber gesuchte Tag ein Samstag. Der 24. Juni 1900 fiel demnach auf einen Sonntag.
gur Vorgeschichte der Rabenau.
Zu dem in Ar. 273 des G. A vom 22. November erschienenen .Beitrag zur Dorgeschichte der Rabenau" von Pfarrer Fr. Sch ich Queck-
born, erhalten wir die naarsteyende Zuschrift von Lehrer Eberle aus Treis:
Vor einigen Tagen brachte der „Gießener Anzeiger" einen beachtenswerten Beitrag von Herrn Pfarrer Schick, worin auch der bei unserem Dorfe gelegene ef»genannte „Dommenstein" Erwähnung findet. Dieser Raine wird von dem Verfasser von „bommen" =■ schlagen abgeleitet. Danz abgesehen davon, daß es doch sehr unwahrscheinlich ist, daß sich über Jahrtausende die Erinnerung an jene Steinzeitmenschen erhalten hat (man schätzt die seitdem verflossene Zeit aus minde- steirs 25 C00 Jahre'), ist die Herleitung des Namens auch wohl sprachlich kaum haltbar, da das betreffende Wort im hiesigen Dialekt „bomben" lautet. Die Stelle, die den erwähnten Namen trägt, war nach den 2Ingaben alter Leute früher einmal mit Nadelwald bestanden, obwohl sich heute dort Laubwald befindet. Die Früchte der Tannen und Fichten, die Tannen- bzw. Fichtenzapfen, heißen nun hier „Bommen", was sich vielleicht von „baumeln" herleiten läßt. Diese „Bommen" werden vielfach als Brennmaterial verwandt und wurden möglicherweise bei den „Dommensteinen", einer Stelle, die nicht weit vom Dorfe liegt, und wo sie in besonders großer Zahl zu finden waren, gelesen. — 3m übrigen ist richtig, was der Verfasser erwähnt, daß sich die Erinnerung an alte Siedlungen, Begräbnisstätten und dergleichen durch Jahrhunderte im Dolle erhalt. Besonders sind Orte, von denen es heißt, daß es dort spuke („wahnere") derartige Stätten. So befindet sich z. D. seitlich der Landstraße TreiS—Mainzlar in den sogenannten „Mainzlarer Tannen" eine Stelle, von der es im Dolbsmunde heißt, es sei dort nicht geheuer. Sie ist durch viele in gleicher Richtung verlaufende Bodenerhebungen gekennzeichnet. Es sind sogenannte „Hünengräber“, von denen etliche vor Jahren durch den damaligen Assistenten am Gießener Museum, Dr. Kunkel, geöffnet worden sind. Die hierbei gemachten Funde wurden damals ins „Gießener Museum" verbracht. Leider mußten die Ausgrabungsarbeiten an den „Bommen st einen" wegen Geldmangels eingestellt werden, was im Interesse der Forschung sehr zu bedauern ist. _i


