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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. H51 Dritter Blatt

Dannerrtag, Juli 1926

Bon der deutschen Bewegung in Ungarn. Don unserem ständigen Berichterstatter. (Bachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl)

Budapest, im 3uni 1926.

Warum spricht man nicht von einer deutschen Bewegung in Lettland oder Siebenbürgen? weil die Deutsch-Balten und die Siebenbürger Sachsen seit vielen Jahrhunderten ein geistiges Eigen­leben führen. Bei den 550 000 Deutsch-Ungarn ist das zusammenfassende Nationalbewusstsein, das von einer vollstreuen Intelligenz geleistet werden muh, erst im Entstehen begriffen. Durch diesen Unterschied erklärt sich so manches. Sn Budapest gibt es zwei deutschgeschriebene Tages­zeitungen: denPester Lloyd" und dasQleue Politische Dolksblatt". Beide haben mit der deut­schen Sache nichts zu tun. Es gibt hier also ein noch immer gerne Deutsch sprechendes und lesen­des Publikum, dem aber das Gefühl der Zuge­hörigkeit zum Deutschtum vollständig abgeht. Diese beiden Blätter sägen allerdings selbst an dem Ast, auf dem sie sitzen. Ihr Leserkreis ist in den letzten Jahrzehnten immer geringer gewor­den. Denn das Deutsch-Können hört dort bald auf, wo es nur als Ueberbleibsel belastet, und nicht von dem stolzen Bewußtsein des Deutsch- Seins unterstützt wird. Die in die ungarische Hauptstadt einwandernden deutsch-österreichischen und reichsdeutschen Kausleute und Techniker wer­den meistens in der zweiten Generation brave Magyaren, die sich schämen, nicht von den Er­oberern des Landes, dem Fürsten Arpäd des IX. Jahrhunderts, und seinem Gefolge abzustam­men, während jene Bauern und Handwerker, die zur Zeit Maria Theresias eingewan­dert sind, auch heute noch als kernige Deutsche in verschiedenen ungarischen Landbezirken leben, denen zum vollwertigen Deutschtum eigentlich nur zweierlei fehlt: die deutsche Schule und die deutschbewuhte Intelligenz.

Die deutsche Bewegung hat das Ziel, diesen zweifachen Mangel gutzumachen. Vorloren Ge­gangenes soll wieder geschaffen werden. Ein schweres Stück Arbeit für eine MinderheitI Sie wird dadurch kaum erleichtert, daß die Mehr­heit keine Nation ist, die dem Deutschtum feind­lich gesinnt ist. Denn der Schwung der Begeiste­rung wird durch den Umstand natürlicherweise einigermaßen gedämpft, daß man die Gefühle der Mehrheit schonen will. Eine Volksbewegung, die auf Haß und Hetze durchaus verzichtet, kann sich nur langsam durchsetzen.

Wie müssen die Männer geartet sein, die an der Spitze dieser Bewegung stehen? Das Füh­rerproblem muß unter solchen verwickelten Ver­hältnissen ganz besonders schwierig sein.

Wir statten dem Presseorgan dieser Männer, demSonntagsblatt, Wochenzeitung für das deutsche Volk in Ungarn einen Besuch ab. In einer dunklen Straße der Budapester Theresien­stadt befinden sich Schriftleitung und Verwaltung. In zwei kleinen Hofzimmern sitzen der Schrist- leiter, ein gebürtiger Batschkaer Schwabe aus jenem Teile Ungarns, der jetzt zu Iugoslavien gehört, und ein pensionierter Stabsoffizier. Das Vtett erscheint in einer Auflage von 10 000 Exemplaren. Das ist viel in einem Lande, wo die Dorfbevölkerung noch sehr wenig an das Lesen von Zeitungen gewöhnt ist. In allen schwäbischen Gemeinden Ungarns, etwa in 400 Dörsern, wird dasSonntagsblatt" nicht nur gelesen, sondern, wie man aus den Briefen an die Schriftleitung feststellen kann, als Ratgeber und Führer in allen Lebenslagen angesehen. Das Wochenblatt ist in einem christlich-religiösen Geiste gehalten, man merkt ihm wirklich nicht an, daß es das einzige Kampforgan des ungarländischen Deutschtums ist. Es ist volkstümlich im besten Sinne des Wortes. An ihm sind die aller­besten Kräfte des hiesigen Deutschtums tätig, weil die Führer der Bewegung gut wissen, daß sie sich an die vorhandene deutschgeborene, aber nicht deutschbewußte Intelligenz ohnedies er­folglos wenden würden, sie müssen direkt mit der ländlichen Bevölkerung verkehren, damit aus ihr eine junge an ihrer deutschen Art festhaltende neue Intelligenz entstehe. Nirgends, wo es Aus­ländsdeutsche gibt, hat ein volkstümliches Wochen­blatt eine ähnliche weittragende nationale und polittsche Bedeutung erlangt, wie bei den Deut­schen in Ungarn.

Reben dem Sonnte gsblatt" muß noch der Ungarländische Deutsche Dolksbildungsverein ge­nannt werden Seine Räumlichkeiten sind schon weniger ärmlich. Ein pensionierter Dizesteats- sekretär führt die Kanzlei. Mehrere Studenten besorgen unter seiner Leitung die laufenden An­gelegenheiten und die Werbearbeit. Man sieht es all diesen Männern an, daß sie nicht etwa eine Beschäftigung ausüben, sondern die Ueberzeu- gung haben, eine Mission zu erfüllen. Minder­heiten nehmen die Dchattenfetten des Lebens ein, und doch kann man als Auslandsdeutscher ein erhebendes Bewußtsein haben: man fühlt sich nicht überflüssig, man verschwindet nicht unter Millionen. Unter den Leitern des Budapester deutschen Dollsbildungsvereins gibt es mehrere Universilätsprofessoren, hohe Staatsbeamte, pen­sionierte Offiziere, Journalisten, Rechtsanwälte, aber fast keine Lehrer, gar keine Rotare (Ge­meindesekretäre) und sehr wenige Pfarrer. Darin ist die ganze Schwierigkeit der Erweckung des deutschen Volkes in Ungarn einbegriffen. Die Dorsintelligenz, die berufenen Volksbildner ver­halten sich ablehnend. Die ganze Arbeit muß von einem Generalstab gemacht werden, der zwar aus Söhnen des Volkes zusammengestellt ist, der aber immerhin von der Hauptstadt des Landes, also vom Hauptort der Mehrheit aus, die Angelegenheiten der deutschen Minderheit bis ins kleinste Detail selbst erledigen muß.

©ß wäre viel einfacher, loszuschlagen. Manche Widerstände könnten im Sturm rascher genommen werden. Aber man würde Anhänger verlieren, und dann steht ja auch das restlos aufrichtige ungarische Staatsbewußtsein aller ungarländi­schen Deutschen einem unbefümmerten fröhlichen Kampf im Wege. Und doch ist es nicht ausge­schlossen, daß es in der nächsten Zeit zu einer großen Auseinandersetzung zwischen der deut­schen Minderheit und zwischen jenem Teil der Mehrheit konnnen wird, die die Existenzberechti­gung einer deutschen Volksindividualität in Un­garn nicht anerkennen will. Da wird es sich zeigen, daß die deutschen Wortführer nicht nur umsichtig, sondern auch fanatisch sind, und zwar im besten Sinne des Wortes. Ohne Begeisterung und Schwärmerei würde diese ermüdende, undank­bare, entnervende Aufgabe niemand übernommen haben.

Mit diesen Eindrücken verläßt man die Kanzlei des Volksbildungsvereins, um den Vor­sitzenden des Vereins, den eigentlichen Vertre­tern der Bewegung, seine Aufwartung zu machen. Gerne erhält man Auskunft über alle Ereignisse und Beziehungen der deutschen Frage in Ungarn. U.eber das ungarische Vaterland wird niemals ein hartes Wort gesprochen. Die große deutsche Ration und die ungarische Ration gehören seit Jahrhunderten zusammen und müssen sich in der Zukunft näher kommen, als sie es heute sind. Die deutsche Minderheit in Ungarn will kein Zank­apfel. sondern ein Kitt sein. Eine Sicherheit für Deutschland, daß man es hier mit dem Deutsch­tum ehrlich meint, und ein Pfand für Ungarn, daß das Deutsche Reich die magyarischen Interessen nicht unberücksichtigt lassen werde. Dies sei das Programm. Augenblicklich handele es sich um die Durchsetzung einiger kultureller Wünsche, gegen die in gewissen Kreisen der unteren Beamten

eine unüberlegte Agitation geführt wird. Es wird schon besser werden, weil es besser werden muß.

Wie leicht könnte an sich den Deutschen in Ungarn geholfen werden?! Ungarn ist derjenige Staat, der relativ noch mehr Volksgenossen in fremden Staatsgebilden hat als Deutschland. Fast ein Drittel der Magyaren lebt heute in der Tschechoslowakei, in Rumänien und Jugoslawien. Infolgedessen hat Ungarn ein ganz hervorragen­des Interesse daran, ein beipiel geben des Minder­heitenrecht nicht nur zu schaffen, sondern auch durchzuführen. Dabei ist es in der glücklichen Lage, daß es Ralionalitätenrechte nicht etwa einer feindlichen Minderheit gewähren muß, sondern einem so unbedingt staatstreuen Element, wie es die Derttschungarn sind. Was ist die Ursache dafür, daß es mit den Deutschen in Ungarn doch nur so langsam vorwärts geht? Der Hauptfehler ist der, daß die zahlreichen wirtschaftlichen, kultu­rellen und auch politischen Beziehungen, die zwi­schen der deutschen und der magyarischen Ration gepflegt werden, häufig mit Umgehung des Deutschungartums angeknüpft werden! Aus diesem GrundewardielehteRe.se des preußischen Unter­richtsministers Dr. Decker nach Ungarn geradezu ein Schlag gegen die deutsche Sache in Ungarn. Dr. Decker will die kulturellen Zusammenhänge so fördern, daß er mit den maßgebenden magyari­schen Stellen direkte Freundschaft sucht und nicht einmal die Anwesenheit deutschungarischer Ver­treter gerne sieht. Er hat sich eine schwäbische Gemeinde vorführen lassen, aber nicht von den deutschen, sondern von magyarischen Führern. Das Ergebnis ist, daß augenblicklich von gewisser magyarischer Seite verkünd gt wird:Das Deutsche Reich sucht mit uns direkt Verbindung und legt auf die Bestrebungen deutscherAgitatoren" kein Gewicht. Herr Dr. Becker hat das Deutschtum in Ungarn fallen lassenI"

Neues von der KrafLfahrzeugsteuer.

Don Regierungsrat Dr. Gretschmann (Gießen).

I.

Rach dem Gesetz vom 15. Mai 1926 zur Aen- derung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes ist das alte Krastfahrzeugsteuergesetz vom 8. April 1922 in wichtigen Punkten geändert worden. Von den Reuerungen wird ein täglich größer werdender Kreis von Steuerpflichtigen unmittelbar berührt, da ja die Automobilisierung Deutschlands unauf­haltsam fortschreitet.

Es mag vielleicht zunächst interessieren zu er­fahren, in welchem Maße die Kraftfahrzeuge gegenüber dem Jahre 1914 zugenommen haben. Wie aus einem dem Reichstag vorgelegten Ent­wurf eines Gesetzes zur Aenderung bed Kraft- sahrzeugsteuergesehes hervorgeht, hatten wir in Deutschland im Jahre 1914 20 611 Krafträder, 55 000 Personenkraftwagen, 9071 Lastkraftwagen, zusammen 84 682 Kraftfahrzeuge. Im Jahre 1925 war die Zahl der Krafttäder gestiegen auf 161 508 (Zunahme 683,60 v. H.), die der Personenkraft­wagen auf 175 665 (Zunahme 218,18 v. H.), die der Lastkraftwagen auf 80 363 (Zunahme 786 v. H.) und die sämtlicher Kraftfahrzeuge zusam­men auf 417 536, somit nahezu eine halbe Mil­lion, was eine Zunahme von 393 vom Hundert bedeutet.

Daß unter diesen Umständen der Gesetzgeber sich genötigt sah, sich den neuen Verhältnissen anzupassen und mit ihnen Schritt zu ßalten, war selbstverständlich. Die starke Beanspruchung der Wege durch den ständig steigenden Verkehr machte es immer notwendiger, aber auch immer schwieriger, für eine Aufrechterhaltung geord­neten Wegebaues Sorge zu tragen. Der Geld­bedarf für Wegebau und -Unterhaltung (Landes-, nicht Reichssache!) wird nun zum Teil gedeckt durch die üebertoeifung des Aufkommens an Kraftfahrzeugsteuer. Wie eine Statistik für 1924 ergab, bleibt dabei immer noch ein großes De­fizit. Man sah sich daher genötigt, bei der Reu­gestaltung der Kraftfahrzeü^steuer vor allem den Steuertarif zu erhöhen.

Allerdings stand dies auf den ersten Blick im Widerspruch zu der Preissenkungsaktion. Denn Erhöhung der Kraftfahrzeugsteuer bedeutet zugleich Erhöhung der Kosten für Personen- und Güterbeförderung auf Kraftfahrzeugen. Allein der Widerspruch verschwindet, sobald man sich vergegenwärtigt, daß die Erhöhung der Steuer mit dem dringenden Geldbedarf für die Wege­unterhaltung begründet toirb und daß eine sach­gemäße Wegeunterhaltung die Abnutzung der Kraftfahrzeuge und somit letzten Endes die Be­triebskosten verringert. Freilich ist dann not* wendig, daß die Steuer ausschließlich diesen volkswirtschaftlich wesentlichen Zwecken zugeführt wird. Bisher hatten die Länder auf Grund des Finanzausgleichgesetzes die Steirer nurmin­destens zur Hälfte" zur Wegeunterhaltung zu verwenden. Runmehr ist aber durch Aenderung des Finanzausgleichgesetzes die Verwendung des Gesamtaufkommens zu Zwecken der öffentlichen Wegeunterhaltung gesetzlich fest­gelegt.

Deutschland folgt übrigens hierin nur dem Beispiel anderer Länder, in denen das Kraft­fahrwesen noch größere Bedeutung erlangt hat (Frankreich, England, Vereinigte Staaten von Amerika). Von diesem Gesichtspunkt aus wird man nun nicht nur die Erhöhung des Steuertarifs, sondern auch andere wesent­liche Reuerungen des Gesetzes verstehen, wie z.D. den Fortfall der Steuerbefrei­ung der Aerzte in kleinen Städten.

II.

Im einzelnen bringt die Rovelle folgende Aenderung en:

1. Steuertarif.

Dieser ist für alle Fahrzeugarten und die ProbefahrÜennzeichen erhöht worden.

A. Beispiele:

a) Bei Krafträdern beträgt die Steuer bis'/, PS. (einschl.) jetzt 13, früh. 10^/ijährl. über '/, 125 10

n 1 .17,. . 38 10

3'/a 4100 28

b) Bei Personenkraftwagen mit Ausnahme der Kraftomnibusse

bis 1 P.S. (einschl.) jetzt 38, früh. 20 JUL jährl. über 1 275 40

» 2 3113 60

. 3 4150 80

- 4 5 188 100

c) Bei Lastkraftwagen wird die Steuer bekanntlich nach dem Eigengewicht des betriebs­fertigen Fahrzeugs berechnet und beträgt:

bis 200 I<2 (einschl.) jetzt 38, früh. 3O^./7jährl. üb. 200 40075 30

1000 1200 225 90

2000 2200 400 140

3000 3200 525 180

B. Bei den Kr af trä dern ist neu, daß die Steuer nicht mehr nach vollen, fonbem nach halben Pferdestärken berechnet wird. (Dabei bleiben Kleinkrafträder nach wie vor steuerfrei. Ein Kleinkraftrad im Sinne des Gesetzes ist jedes Kraftrad, dessen nach der Steuerformel berechnete Ruhleistung bei einem Außendurchmesser der Radreifen von mehr als 40 Zentimeter 0.75PS., bei kleinerem Außendurch- meffer eine Pferdestärke nicht übersteigt.)

C. Bei den Lastkraftwagen und Kraftomnibussen ist die Steuer jetzt statt von 500 zu 500 Kilogramm von 200 zu 200 Kilogramm des Eigengewichts gestaffelt, und zwar ohne Grenze nach oben, während bisher die höchste Steuerstufe alle Fahrzeuge über 4000 Kilogramm umfaßte.

2. Fortfall der Steuerbefreiung der Aerzte.

Die Steuerbefreiung der Aerzte in Orten unter 20 000 Einwohner für Kraftfahrzeuge bis 8 PS. ist aufgehoben. Diese Fahrzeuge wurden ab 15. Juni 1926 steuerpflichtig.

Bereits zugelassene, bisher befreite Fahr­zeuge waren unaufgefordert bis zum 12. Juni 1926 zur Versteuerung anzumelden: unterblieb die Anmeldung, so hat das Finanzamt sie an Hand der Liste über die steuerfreien Kraftfahrzeuge herbeizuführen. Die Bescheinigungen über die Steuerfreiheit sind einzuziehen. QU3 Beginn der Gültigkeitsdauer der Steuerkarte ist der 15. Juni 1926 einzusehen.

Die Kraftfahrzeugsteuer stellt ein Entgelt für die Benutzung öffentlicher Wege durch Kraft­fahrzeuge dar. Folglich war das Privileg der Aerzte nicht mehr zu halten, älebrigens wurde auch in England bei der Reuregelung der Kraft­fahrzeugsteuer im Jahre 1920 die Steuermäßi­gung für Aerzte und Tierärzte aufgehoben.

3. Kurzfristige Steuerkarten.

Die Steuersätze der Steuerkarten für 6 und 2 Monate sind auf 60 und 25 Prozent der Iah res­steuer gesenkt worden. Während die Z w e i - Monatskarte bisher nur für Kraftomni­busse, Lastkraftwagen und Zugmaschinen zulässig war, kann sie jetzt auch für Krafträder und Personenkraftwagen gelost werden. 4. Zahlung derIahressteuerinhalb- jährlichen Teilen.

Eine Jahres steuer von mehr als 100 Mark kann nunmehr (was ebenfalls eine wich­tige Neuerung darstellt) in halbjährlichen Teilen im voraus entrichtet werden. Mit der zweiten Teilzahlung ist ein kleiner Zuschlag (als Ent­gelt für Mehrbelastung der Verwaltung) in Höhe von 5 Prozent zu entrichten. Die erste Rate

beträgt 60 Prozent der Iahressteuer, die zweite 40 Prozent zuzüglich eines Zuschlags von 5 Proz.

Eine Halbjahres steuer kann nicht in Raten bezahlt werden, selbstverständlich auch nicht eine Zweimonatssteuer.

5. Wechsel des Steuerschuldners.

Tritt während der Gültigkeitsdauer einer Steuerkarte ein Wechsel in der Person des Steuerschuldners ein (Verkauf, Tausch, Schen­kung), so kann der neue Steuerschuldner die Karte auf seinen Namen umschreiben lassen: seine Steuerschuld beschränkt sich auf den für eben diese Karte noch zu entrichtenden Betrag.

6. Steuerpflicht und Zulassung.

In diesem Punkte wird von vielen saum­seligen Steuerpflichtigen zu ihrem eigenen Scha­den sehr gesündigt. Das nunmehr geltende Ge­setz sagt:

Solange ein Kraftfahrzeug, für daS ein Kennzeichen zugeteilt ist, bei der Zulassungs­behörde «Anmerkung d. Vers.: In Hessen das Kreisamt!) nicht abgemeldet oder ein Probr- fahrtkennzeichen der Zulassungsbehörde nicht zu­rückgeliefert ist, gelten die Voraussetzungen der Steuerpflicht als gegeben. (§ 11 Aos. 2 des Gesetzes vom 19. Mai 1926). Der RcichSfinanz- minister hat hierzu, um alle Zweifel auszu­schließen, noch ausgeführt, daß der Steuer­pflichtige sich nicht darauf berufen kann, daß er das Fahrzeug zur Zeit nicht benutze.

7. Inkrafttreten der neuen Bestimmungen.

Das neue Gesetz tritt mit dem 15. Juni 1926 in Kraft, und zwar:

a) hinsichtlich der Steuerfestsetzung für dis Erneuerung einer Steuerkarte, falls die Gültigkeitsdauer der neuen Karte nach dem 14. Juni 1926 beginnt;

b) im übrigen hinsichtlich aller Steuerfest­setzungen, die nach dem 14. Juni 1926 von der Steuerstelle Dorgenommen werden.

Ein Steuerpflichtiger, dessen alte Karte am 13. Juni ablief, konnte sie sich demnach am 14. Juni noch auf ein weiteres Jahr mit dem alten Tarif erneuern lassen. Erscheint hingegen jetzt ein Steuerpflichtiger auf dem Finanzamt und will seine etwa am 23. Mai 1926 abgelaufcne Steuerkarte erneuern lassen, so muß ihm unter allen Umftänben der neue Tarif zugrunde ge­legt werden (vgl. oben zu bl).

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 29. Juni. Eine Damenschneider- Meisterin von hier schickte einer Kundin durch ihr Lehrmädchen eine Rechnung über einen kleinen Be­trag mit der Bitte um Zahlung, worauf die Antwort erfolgte, daß nur gegen Aushändigung einer Quit­tung gezahlt werden würde. Als das Lehrmädchen später mit der quittierten Rechnung zurückkam und die Kundin die Quittung haben wollte, verweigerte das Mädchen deren Herausgabe ohne gleichzeitige Zahlung des Betrags. Die Kundin geriet hierüber in große Erregung und machte dieser in Worten Luft, die angeblich Beleidigungen der Schneider­meisterin enthielten. Es ist deswegen Privatklage erhoben worden. Die Angeklagte bestreitet, daß ihre Worte sich auf die Privatklägerin bezogen hätten, sie seien vielmehr gegen das Lehrmädchen gerichtet gewesen. Allein dieses gibt mit aller Bestimmt!):tt an, daß die Angeklagte nach ihren eigenen Worten die Privatklägerin damit gemeint hätte. Es kam schließlich zu einem Vergleich, nach dem die Angeklagte die Aeußerungen mit Bedauern zurück- nahm und die sämtlichen Kosten zahlte.

Wirtschaft.

'Die R e ichs i n d e xz i s f e r für die Lebenshaltungskosten im Juni. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Beleuchtung, Belleidung undSonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Juni auf 140,5 gegen 139,9 im Vormonat. Sie hat sich sonach um 0,4 Prozent erhöht. Bei den Ernährungsausgaben konnten Preissteigerungen für Kartoffeln und Fleisch durch die in der ersten Monatshälste noch nachgebenden Preise für Milch und Milch- erzeugnisse nur zum Teil ausgeglichen werden. Die Ausgaben für Wohnung haben sich in ein­zelnen Teilen des Reichs weiter erhöht.

* Scheidhauer & Giess ing A. G.» Duisburg-Bonn. Die o. H. V. genehmigte den Abschluß für 1925, der aus einem Rein­gewinn von 217 032 Mark (A. K. 6 Mill. Mk.) 3 Prozent Dividende vorfieht. Der Rest von 52 351 Mark soll auf neue Rechnung Sorge- tragen werden. Die Geschäftstätigkeit habe nach den ersten Monaten 1925 nachgelassen und sich bis heute wenig gebessert.

* Bingwerke A. G., Nürnberg. Die o. H. V. erledigte die Regularien. Der Rein­gewinn aus 1925 mit 407 148 Mark zuzüglich des Gewinnvortrages aus 1924 mit 797 912 Mark, insgesamt also 1 205 061 Mark, wird auf neue Rechnung vorgetragen. Eine Dividende kommt mit Rücksicht auf die hohen Bankverpflichtungen deS Llnternehmens nicht zur Verteilung. Der Vorsitzende teilte mit. daß für das neue Ge­schäftsjahr die Gesellschaft mit Aufträgen ver­hältnismäßig gut versehen sei.

* Zunahme des polnischen Koh­lenexports im Juni. In der ersten Hälfte des Monats Juni weist der polnische Kohlen­export eine weitere Zunahme auf. Gegenüber dem Export in der ersten Hälfte des Monats Mai, wo der Kohlenexport sich auf 345 500 Tonnen stellte, ist in der ersten Hälfte des Monats Juni eine Zunahme um 141 000 Tonnen zu ver-

Wo ist die Frau, die ihre eigene zarte Haut den Wirkungen eines scharfen Waschpulvers äusseren würde? Nir gen ds ! - Warum aber nun die zartfaserigen Gewebe feiner Leibwäsche solchen zersetzenden Vorgängen tungeben? Man schone dieWäsche wie sich selbst, indem man nur milde, gute Seife verwende,die in ihrem reichen Schaum den Schmutz auflöst und dank ihrem hohen Fettgehalt die Gewebe schmiegsam und weich erhälti

Die unersetzliche Kem Seife ftir die Wasche-!

Wer wäsdtt das Gestört imt Wasdmdyef!

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