auf jeden Fall ein Experiment mit ungewissem Ausgang.
Der sozialdemokratische „Abend" erklärt: „Mit der Annahme des Rücktritts hat der Reichspräsident die Verantwortung für die weitere Entwicklung der Dinge i n .(c i n e Hände gen 0 m - m e n. Er hat es zweifellos in der r c d l i ch ft e n Absicht getan, und wahrscheinlich auch in dem Bewußtsein der unermeßlich großen Folgen, die seine Entscheidung haben muß. Ob cs ihm aber gelingen wird, die Bewegung zu meistern, die durch seinen
Entschluß ins Rollen gekommen ist, das ist eine ganz andere Frage. Der Weg, der jetzt betreten ist, führt iy Zustände hinein, die mit der Verfassung kaum noch zu decken sind. Ausgelöst worden ist die Krise durch Einflüsse aus der Reichswehr upd aus o ft preußischen Groß- grundbesitzerkrcisen. Die Sozialdemokrat tische Partei muß sich bereithalten, binnen kurzem den größten und entscheidungsschwersten Reichstagskampf zu führen, der jeweils in der Geschichte der deutschen Republik dagewesen ist.
Stimmen aus der Provinz.
llnter der Niederschrift ..Jetzt keine Halbheiten" betont die ..Königsberger Allgemeine Zeitung" (gemäß. Rechte), daß mit dem Rücktritt des Kabinetts Brüning vielleicht wahrhaft der von Millionen glühend herbei- gesehnte Wechsel des Systems eingcleitet werde. Dem Kabinett Brüning sei es nicht gelungen, Brot und Arbeit zu schaffen und daran sei es letzten Endes gescheitert. Seit langem sei cs der Wunsch des Reichspräsidenten gewesen, ein Kabinett der nationalen Sammlung ans Ruder zu bringen. Die Stunde für diese Aufgabe sei gekommen. Cs müsse dem Wunsch der Rationalsozialistcn. die Berantwortung zu übernehmen, entsprochen werden. Eine ..Zwischenlösung" sei ab- z u I c h n e n. Das Gebot der Stunde sei ein Kabinett der nationalen Konzentration. Rur so sei die heillos verfahrene Lage auch in Preuße n zu lösen.
Das ..Hamburger F r e m d e n b l a t t" (dem.» hält den Rücktritt der Rcichsregierung für eine außerordentliche Gefahr. Die Stunde verlange ein Reichskabinett, zusammengesetzt aus einer Reihe von sachlichen und energischen und mit den nationalen Stimmungen unseres Bolkes innerlich verbundenen Männern. — Der „S> n m- burger Anzeiger" (liberal) hält es für richtig, daß nunmehr, nachdem politisch das Feld frei geworden ist, auch in der Klärung der politischen Situation ganze Arbeit gemacht werde, daß ein Bertrauensmann der Rationalsozialistischen Partei zur Regierungsbildung berufen wird. -- Dos nationalsozialistische „H a m - bürget Tageblatt" bezeichnet es als erste Aufgabe, den Reichstag aufzulösen.
Die „Leipziger Neuesten Nachrichten (gern. Rechte) sagen zum Rücktritt Brünings, nachdem sie besonders festgestellt haben, es sei das erste Mal seit 1918, daß ein Kanzler nicht durch das Parlament sondern durch eigenen Willensakt des Reichsoberhauptes entlassen wurde: Wenn man sich erinnert, mit welchem Vertrauens- varschuß Brüning im Frühjahr 1930 ausgestattet wurde, als er das Kanzleramt übernahm, wenn man daran zurückdenkt, wie dieOpferbereitschaft
der Nation in den letzten zwei Jahren st ü ck - weise vertan wurde, dann wird man bei aller Anerkennung der vielen hervorragenden Eigenschaft len Brünings das bittere Empfinden nicht los, daß dieser Mann sich allzu lange an Aufgaben verbrauchte, denen er als Gesamtpersönlichkeit nicht gewachsen sein konnte.
Die ..M ünchener Reue st en Rachrichten" (gemäß. Rechte) schreiben u.a.: Brüning hat sich gegen den Reichstag durchgesetzt. 3etzt, wo ihn der Reichstag gehalten hätte, fällt er über die frei gewählte, in der 'Verfassung nicht vorgesehene Abhängigkeit von dem ‘Vertrauen des Reichspräsident en. Dieser Vorgang ist gänzlich neu und eigenartig in der Weimarer Verfassungsgeschichte. Er ist nicht einmal ungefährlich, weil er tatsächlich eine Verantwortung des Reichspräsidenten für die jeweilige Regierung konstruiert, wie sie bisher mit Bedacht vermieden wurde. Es droht, so bemerkt das Blatt weiter, ein völliger Rückschlag des Brüningschen Zieles. das Zentrum der politischen Rechten anzunähern. Dann allerdings schlösse sich wieder der Kreis, den seit Jahrzehnten die besten Geister des Deutschtums vergeblich zu öffnen suchen: der katholische Bolksteil kehrt in die Opposition gegen den deutschen Rationalismus zurück.
Die „Kölnische Zeitung" (volksparteil.) schreibt u.a.: Das Kabinett Brüning ist nicht in offener Feldschlacht gefallen, es ist zurückgetreten, obwohl ihm das Parlament kein Mißtrauensvotum erteilt hatte. Brüning und sein Kabinett mußten dem Druck einer Opposition weichen, die übermächtig ist. Die gesamten Kräfte der Rechten Müssen jetzt die politischen parlamentarischen Folgerungen ziehen und sich für die Berantwortung bereithalten. Wir warnen aber auch vor halben Entschlüssen. Es handelt sich nicht um eine Uebergangs- lösung, sondern um eine ganze Lösung: denn die bevorstehenden innerpolitischen und außenpolitischen Entscheidungen lassen keine Halbheiten zu.
Das Echo des Auslands.
Pans.
„Der Lchleier ist gefallen."
Paris, 31. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die gestrigen Ereignisse in Deutschland sind auch hier das alles beherrschende Thema in der heutigen Presse:
„2 o u r n a I“ hält es für bedauerlich, daß fich die Lage in Deutschland so entwickelt Hobe. Allein, es sei noch immer besser, klar zu sehen, gerade jetzt, wo Frankreich selbst beginne, sich über seine politische Orientierung schlüssig zu werden, und sich anschicke, nach Lausanne zu gehen. Hoffentlich würden die kommenden Männer in Frankreich auf bereut s ei n und Deutschland so sehen, wie es w i r k l i ch ist- — ..Petit Parisien" erklärt, am Vorabend der Lausanner Konferenz dürfe man weder in London noch in Washington und Paris allzu- grvße außenpolitische Befürchtungen hegen. Born deutschen Gesichtspunkt aus wäre es sicherlich besser gewesen, wenn Brüning wenigstens bis zur Lausanner Konferenz geblieben wäre, denn der deutsche Reichskanzler habe die deutsche Lage zu maskieren verstanden. Jetzt aber sei der Schleier gefallen und wenn man nun den Dingen ins Antlitz sehen könne, so sei das vom internationalen Standpunkt aus vielleicht besser.
Die radikale „R e p u b 1 i q u e" erklärt, es gälte, sich mit dem notwendigen Ernst Klarheit über Deutschland zu beschaffen und,aus den Dingen, die man dann bekäme, den Schluß zu ziehen, daß die französisch-italienische Annäherung vorbereitet und perfekt werden müsse." — „Temps" schreibt, der Reichskanzler stürzte unter den Schlägen, die die Rechtsparteien mit der Militärkamarilla verabredet hätten. Wenn man nicht direkt zu einer Diktaturregierung übergehe, sei es wahrscheinlich, daß die Auflösung des Reichstages der Demission des Reichskanzlers Brüning auf dem Fuße folge. — Journal des D 6 b ä t s" ertlärt, Reichskanzler Brüning sei zurückgetreten, obwohl er den Nationalisten Unterpfänder zugestanden habe. Er werde von der Hitlerbewe- gu n g hi n w e g g e [p ü 11. Der Sturz Brünings werde an dem deutschen Programm nichts ändern, er werde aber einen Wechsel in der Methode ermög- lichen. Brüning ^sei ein Friedensapostel nach der Art des Bismarck-Schülers Dr. Stresemann gewesen, oeine letzte Rede mit dem Verlangen Deutschlands, nicht zu bezahlen und frei zu rüsten, sei (charf und wagemutig gewesen. Trotzdem habe Brüning dem neuen Deutschland nicht genügen können. — Die nationalistische „Liberi jdjreibt: Glcich- oicl, welche Regierungskoalition nunmehr in Berlin
Auftanbcfomme, Frankreich wisse, daß es sich künftig dem Herrn Deutschlands, nämlich Hitler, gegen- überbefinde. Es sei vielleicht besser, daß die wirklichen Beauftragten Hitlers Deutschland auf der Abrüstungskonferenz und auf der Lausanner Konferenz verträten.
Londoner Stimmen.
London, 31. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Nachricht von dem Rücktritt des Kabinetts Brüning wird von der ganzen Presse in ihrem vollen Ernst erkannt und gewürdigt. Die Blätter richten vor allem ihre Aufmerksamkeit auf die außenpolitischen Folgen des Ereignisses, insbesondere im Hinblick auf die Konferenzen in Lausanne und Genf. Besonders ausführlich befaßt sich die „Times" mit dem Rücktritt. Dr. Brüning habe während zweier Fahre sein Amt mit einer Stetigkeit, Entschlossen- heit und politischen Geschicklichkeit geführt, die ihm einen gesicherten Platz unter den hervorragendsten Staatsmännern Europas verschafft habe. Sein Ausscheiden könne die ernstesten Folgen für die innere Stabilität Deutschlands haben. Das Blatt wendet sich bann dem Notverordnungswerk der verflossenen Regierung zu, von dem es erklärt, es sei „der st ä h l e r n e Rahmen" gewesen, der „das zerreißende Gewebe" zusammengehalten habe. Es sei nur natürlich, daß solche Maßnahmen nicht zu Brünings Volkstümlichkeit beigetragen haben, aber daß sie ohne Hellen Aufruhr entgegengenommen wurden, beweise, daß die Mehrheit des deutschen Volkes tiefes Vertrauen in das Pflichtgefühl und die selbstlose Vaterlandsliebe von Reichskanzler und Reichspräsident gesetzt habe und in der Tat schließe Dr. Brünings Charakter jeden Verdacht parteiischer oder niedriger Beweggründe aus.
„Financial News" bedauert, daß noch ein weiterer Faktor der Unsicherheit in eine an sich fchvn ausreichend schlechte Lage gebracht worden sei. Dr. Brüning habe als der starke Mann gegolten, unter dessen Führung Deutschland imstande gewesen wäre,,dem Sturm zu widerstehen. Mit ihm verschwinde ein Bollwerk gegen den Radikalismus von links und rechts. Dadurch würden Kämpfe kommen, deren Größe im Augenblick noch nicht zu übersehen sei. Dennoch drückt das Blatt die Hoff- nung aus, daß Deutschland in Genf und Lausanne eine entgegenkommende Haltung zeigen werde. In der Reparationsfrage stehe zwar die deutsche Haltung fest, aber eine mehr parlamentarische Regierung werde vielleicht eher in der Lage sein, gegenüber anderen Staaten versöhnlicher aufzutreten als eine unbeliebte diktatorische Regierung.
Der Wahlsieg der NSDAP, in Oldenburg.
Die Nationalsozialisten sind aus dem Oldenburger Wahlkampf mit einem unbestreitbaren Erfolge zu- iückgekehrt. Sie haben ihre Stimmen um ein volles Drittel vermehrt und haben zu- dem das Glück gehabt, daß der Mandatsschlüssel ihnen günstia war. Sie haben im Landtag die absolute Mehrheit, obwohl sie nicht die Hälfte aller stimmen erhalten haben, sind also auf die Unterstützung durch die Deutschnatio- nalen oder des Landvolks nicht ange- wiesen, sondern können ihr Regierungsprogramm ganz nach den eigenen Bedürfnissen aufstellen. Wo- bei übrigens doch stark unterstrichen zu werden ver- dient, daß sowohl das Zentrum wie die Sozialdemokraten und Kommuni st en
diesmal auf der Seite der Verlierer gewesen sind. Das Zentrum hat fast ein Viertel seiner Mandate verloren, die Sozialdemokraten etwas weniger und die Kommunisten ein Drittel. Die National- sozialisten haben also diesmal nicht nur die bürgerliche Mitte aufgerollt, sondern sie haben wenigstens Ansätze dazu gemacht, in den Zentrumsturm und in die sozialdemokratischen Organisationen einzudringen. Die Folge also ist, daß das Beamten- kabinett in Oldenburg zurücktritt und eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kommt, die zum erstenmal in einem deutschen Londe zeigen soll, was sie a l (e in zu leisten imstande ist. Einmal muß der Anfang gemacht werden, die Nationalsozialisten in die bengalische Beleuchtung der Regierungsverantwortlichkeit zu rücken.
Oie französischen Sozialisten grundsätzlich zur ^egierungsbeieiligung bereit.
Paris, 30. Mai. (WTB.) Der sozialistische Parteitag hat heute die Diskussion über die Frage der Beteiligung der Sozialisten an einem bürgerlichen Ministerium fortgesetzt. Der Abgeordnete Vincent A u r i o l war für eine bedingte Beteiligung. Die Tatsache, daß die Sozialisten von vornherein in die Opposition treten, würde nur die Bildung einer Konzentra- tionsregierung zur Folge haben. Werde Frankreich auf der Lausanner Konferenz etwa auf der Haltung beharren, daß es seinen Gläubigern nur Zahlungen leiste, sobald es selbst Zahlungen erhalte? Sei es nicht besser, ein loyales Sachverständigenurteil in die Wege zu leiten, um darüber Klarheit zu gewinnen, ob Deutschland die von ihm angerichteten Schäden wieder gut gemacht habe? Man habe Deutschland alle internationalen Schulden aufgehalst. Aber ein Land fonnfrnur nach der Maßgabe seines Ausfuhrüberschusses zahlen.
Der frühere elsäßische Abg. Grumbach sagte, er sei für eine vorbehaltlose Regierungsbeteiligung, auf der Grundlage eines konkreten Programms. Die Ironie der Ereignisse wolle, daß in dem Augenblick, in dem in Frankreich die Linke ans Ruder komme, in Deutschland das Gegenteil der Fall sei. Man müsse aber b i e Gründe der Entwicklung der Hitler-Bewegung verstehen. Die französischen Sozialisten müßten verhindern, bei den Anhängern Hitlers die Hoffnung aufkommen zu lassen, daß Deutschland eines Tages wieder auf- : rüfUn könnte.
Abg. Leon Blum führte aus, fast alle Entschließungen der sozialistischen Dezirksverbände bejahten grundsätzlich die Regie- rungsbeteiligung. Die Sozialisten stellten aber eine Reihe von Forderungen auf, die der gegenwärtigen Lage entsprechen würden. Wer daran denke, daß cs mit einer Verständigung über einige Programmpunkte getan sei, der irre sich. Ein Kampfministerium müsse sich auf allen Fronten schlagen und die Hilfe der Arbeiterklasse könne nur erzielt werden, wenn man ihr große Ideen biete. Die Abrüstungskonferenz werde nur insoweit zum Ziele führen, als Frankreich seine eigenen Militärausgaben herabsehe. Die Abrüstung werde in Zukunft noch notwendiger sein, wenn die Hitler-Bewegung in Deutschland zur Regierung gelange.
Im Rcsolutionsausschuß des sozialistischen Parteitages brachte Leon Blum einen Entschließungsanträg ein, der 24 Stimmen gegen 14 auf sich vereinigte und solgcndLrmaßen lautet: „Die Partei ist der Ansicht, daß d r n ft der außen- und innenpolitischen Lage es ihr nicht gestattet, ein Angebot der radikalen Partei zur Zusammenarbeit an der Regierung mit einem glatten Rein zu beantworten. Eine Zusammenarbeit zwischen len verschiedenen Parteien setzt aber notwendigerweise ein gemeinsames Programm voraus. Die Partei hat einen Ausschuß zur Ausarbeitung dieses Programms eingesetzt.
Zu unserer gestrigen Meldung über das Wahlergebnis in Oldenburg ist nachzutragen, daß die „R a t i o n a l e Vereinigung" von der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspaket gebildet war, die bei der letzten Landtagswahl zusammen 15 012 Stimmen aufgebracht hatten.
Goebbels fordert Reichstagsauflösung. Tie NSTAP. nach dem Rücktritt Brünings.
Berlin, 31. Mai. (TU.) ReichstaDsabgeordneter Dr. Goebbels nahm in cin’cr von ungefähr 7000 Amtswaltern besuchten geschlossenen Versammlung der Nationalsozialisten zu den neuesten politischen Vorgängen Stellung. Er kam zu dem Schluß, daß durch den Sturz des Kabinetts der grundlegende Sy st em - und Kurswechsel in Deutschland ein geleitet worden sei. Vorbedingung sei, daß den' Nationalsozialisten nunmehr auch entsprechend dem in allen Wahlen zum Ausdruck gekommenen Volkswillen d i e Macht in Deutschland gegeben würde. Demzufolge sei es notwendig, daß e r st einmal der Reichstag aufgelöst würde, um so klare und eindeutige Machtverhältnisse zu schaffen. Voraussetzung für diese Wahlen sei aber, daß sämtliche einschränkenden Notverordnungen hinsichtlich Presseknebelung, SA.-Derbot usw. aufgehoben würden, um so ein unbeeinflußtes Bild der wahren Volksmeinung in Deutschland zu bekommen. Weiter wandte sich Dr. Goebbels der Frage zu, wie nunmehr die Verhältnisse in Preußen gestaltet würden. Hier führte er u.a. aus, daß durch die letzten Notverordnungen das Eigenleben der Länder so beschnitten worden sei, daß eine Aenderung nur über dasReich durchgeführt werden könne. Koalitionen könnten von den Nationalsozialisten nur dann eingegangen werden, wenn sie die Gewähr hätten, daß die grundlegenden programmatischen Forderungen der Na- tionalsozialisten zur Ausführung gelangten.
Papst Pius XI. 25 Jahre alt.
Papst Pius Xl. feiert am 31. Mai den 75. Geburtstag. Schon als vor zehn Jahren, am 6. Februar 1922, im Konklave, brr Wahlversammlung der Kardinäle, In der Sixtinischen Kapelle zu Rom das Hohe Amt des Pontifex Maximus auf die Schultern des damaligen Erzbischofs von Mailand, A ch i l l e R a 11 i, gelegt wurde, hatte sich dieser in der päpstlichen Diplomatie bereits einen Rainen gemacht, der ihn auch in Beziehungen au Deutschland brachte. In einer aufgewühlten Zeit, im April 1918, wurde Ratti als apostoli- scherBisitator nach Polen entsandt, das damals noch von den Deutschen beseht war. Im Juli 1919 war Ratti zum R u n t i u s in Warschau ernannt worden, in welcher Eigenschaft er dem polnischen Klerus die politische Agitation in Oberschlcsien untersagte. Die von Benedikt XV. angebahnte Politik der Versöhnlichkeit zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staat fand ihre Vollendung in dem Lateranvertrag, der den feit September 1870 bestehenden Zustand, nach dem sich der Papst als der Gefangene des Quirinals betrachtete, aufhob und die Gründung einer Stadt des Vatikan s vorfah.
Oie Kaiser Wilhelm-Gesellschaft tagt in Frankfurt.
Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wifsenschaften hielt ihre 21. Hauptversammlung in Frankfurt ab. Der Präsident der Gesellschaft, Geh. Rat Professor Dr. Mar Planck, eröffnete die Hauptversammlung mit Begrüßungsworten. Daß die Tagung dem Rahmen der Frankfurter Goethe-Gedächtnisfeiern eingefügt sei, nehme die Gesellschaft als ein Zeichen für ihre innere Ver- bunbenheit mit dem unvergleichlichen Manne. Planck wies dann auf die wirtschaftliche Not hin, in deren Zeichen auch die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft stehe. Man dürfe aber Än dem Vertrauen festhalten, daß es mit unserem Vaterland auch einmal wieder auswärts gehen werde. Er schlug ein Telegramm an den Reichspräsidenten vor, in dem ihm die ehrerbietigen Grüße der Kaiier-Wilhelm-Gesellfchaft entboten und der Dank für die der Gesellschaft in schwerster Notzeit von feiten der Reichsregierung zuteil gewordene Hilfe ausgesprochen wird. Der Präsident erstattete dann den Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr. Allgemein wird fest- gestellt, daß es sich um ein besonders schwieriges Berichtsjahr handelte, da sich die allgemeine Krisis auch auf die Zuschüsse der öffentlichen Hand und der privaten Gönner in erheblichem Maße auswirkte. Es wird die dringende Hoffnung ausgesprochen, daß weitere Abstriche an den Mitteln der Forschung unterbleiben werden.
Der Reichspräsident beschloß, die von ihm ge
stiftete Goethe-Medaille für Verdienste um Wissenschaft und Kunst dem Präsidenten der Gesellschaft, Geheimrat Planck, und dem Vizepräsidenten Krupp von Bohlen und Halbach zu verleihen.
Aus aller Wett.
AmGedenktag derSkagerrak-Schlachi.
Am Gedenktag der Skagerrakschlacht wird alljährlich auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten die ständige Ehrenwache vor dem Präsidentenpalais von der Reichsmarine übernommen. In diesem Jahr wird dieser Ehrendienst von der Besatzung des Linienschiffes „Schlesien" unter Kommando des Kapitanleutnant von D o t h aus- geübt. Zum Aufzug der Wache hatte sich trotz des regnerischen Wetters eine große Zuschauermenge eingefunden, llnter klingendem Spiel marschierte die Truppe von der Kaserne in Alt-Moabit über den Platz der Republik zur Wilhelmstraße. Am Brandenburger Tor erreichte die Begeisterung der vieltausendköpfigen Menge ihren Höhepunkt. Reichspräsident von Hindenburg erwartete bereits im Beisein seines Sohnes, Oberst von Hindenburg auf der Vortreppe des Palais die im Paradeschritt anrückende Ehrenwache und begab sich nach erfolgtem Ablösungszeremoniell zu den Wachsoldaten, um hier an jeden einzelnen einige persönliche Worte zu richten. Die vor dem Palais stehende Zuschauermasse brachte immer wieder Hochrufe auf den Reichspräsidenten aus, in die sich auch vereinzelte Rufe „Deutschland erwache!" und „Heil Hitler!" mengten. Ein Teil der Wache marschierte zum Reichswehrministerium weiter, wo ebenfalls unter großer Anteilnahme des Publikums und unter stürmischen Heilrufen die Ablösung der Reichswehrwache durch Marinesoldaten erfolgte.
(Eine Lühen-Gedenkfeier
des Deutschen Evangelischen siirchenbundes.
Von Wittenberg kommend, trafen die Führer des Deutschen ©banget. Kirchenbun- des inLützen ein, um am Schwedenstein eine schlichte Gedenkfeier für Gustav Adolf zu veranstalten. Den Auftakt zu der Feier bildete eine Andacht in der Dorfkirche zu Meuchen, in der Gustav Adolf, nach der Schlacht bei Lützen zuerst aufgebahrt word-en war. Dann fand ein Festakt vor der Gustav-Adolf-Kapelle statt. Die Hauptansprache hielt der Präsident des Deutschen Evangelischen KirchenausschusfeZ D. Dr. Kapler. Gustav Adolf könne in der gegenwärtigen inneren seelischen Rot und äußeren Bedrängnis zeigen, was eine evangel ische Persönlichkeit vermag, die sich ganz in den Dienst Gottes stelle und den Kampf auf Leben und Tod nicht scheut. Schon Gustav Adolf sei von dem Gedanken der Zusammengehörigkeit und des Zusammenschlusses aller evangelischen Glaubensgenossen erfüllt gewesen und habe so den Weg bereitet, für den Deutschen Evang. Kirchenbund, der mit seiner Wirksamkeit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinausgreife und sich auch die Pflege glaubensbrüderlicher Beziehungen zu den nichtdeutschen evangelischen Kirchen angelegen sein lasse. Als Vertreter de rschwedischenKirche gab Bischof D. Aurelius seiner Freude Ausdruck über die deutsch-schwedische Verbundenheit im Zeichen Gustav Adolfs und betonte, daß die Stärke des schwedischen Königs sein kindlicher Gottesglaube gewesen sei. 3m Anschluß fand ein Gottesdienst in der Gustav-Adolf-Kapelle statt, bei dem Bischof D. Mordhorst (Kiel) die Predigt hielt.
Die Reichslagung der kriegsblinden.
3m Rahmen der Hamburger Tagung des Bundes erblindeter Krieger fand eine öffentliche Kundgebung statt, an der auch zahlreiche Ehrengäste teilnahmen. Die Veranstaltung stand unter dem Leitgedanken „Die seelische Rot- Wendigkeit der Arbeit". Das Philharmonische Orchester eröffnete die Kundgebung mit der „Freischütz"-Ouvertüre. Darauf hieß zunächst Senator Reumann die Kriegsblinden im Ramen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg willkommen. Der Bundesvorsihende, Amtsgerichtsrat Dr. Plein. Berlin, dankte allen, die das Los der Kriegsblinden erleichtert haben. Sein besonderer Dank galt dem Reichspräsidenten v. Hindenburg, der stets seine Anteilnahme und kameradschaftliche Verbundenheit mit den Kriegsblinden betont und ihnen immer ein treuer Helfer g c to e f en sei. Leider seien noch nicht alle Forderungen der Kriegsblinden erfüllt. Vor allen Dingen gelte cs. bic Sorge für dieHinterbliebenen sicherzustellen. Ministerialdirektor Re ttig, der Leiter der Versorgungsabteilung im Reichs- arbeitsministerium sprach über die Arbeitsfürsorge für die Kriegsblinden und stellte fest, daß bei den Behörden des Reichs, der Länder
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Der frühere Feldv Kriegsgefangenschaft t dingen im KaiserstuI Daubmann hatte ihn beachtete jetzt über Daubmanns. Danach j wundet in französische nach einem Fluchtver zu 20 Jahren Zuchth dort Constantin hatte. Wegen seiner ( nach vierjährige bere Behandlung zuge beim Tau von W beforsten tzimaiischer 40 bis W Grad fclfui — forderten unter ' ches Todesvpfe den die Sträflinge a gefesselt geführt konnte Daubmann u Postensperrkette bell gelang es ihm, sich die Flucht zu er, unterbrochen geritten zusammenbrach. Vic Flüchtling nur b o n ' 3[fronen. Als e Küste bei Tunis ei an Dord eines I c r s, dessen Kapitö von einet Denachriä nahm Daubmann h< telnd durchgeschlagen
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