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182. Jahrgang
Mittwoch, 50. November 1932
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. 2vilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und lür denAn. zeigenteil i.B. Th. Kümmel sämtlich >n (Bie gen.
Ultima ratio.
Der politische Einsatz der dentschen^eichswehr Von Friedrich Wilhe.m Heinz.
„Ultima ratio regis!“, eingegraben in die bronzenen Geschützrohre der Könige von Preußen und von Frankreich, das wollte besagen: „Hier spricht des Königs letztes Beweismittel! Hier wird d i e Entscheidung der Macht angeru^en, um das Gesetz zu bestätigen! Hier geht es um Sein oder Rätseln! Denn diese letzte Weisheit des Königs ist wi.cklich seine letzte, — hier folgt nur noch der Sieg oder der Untergang!“
Ob Königstum ober Republik: des Staates letzte Reserve ist auch heute noch sein« Wehrmacht. . Und der alte Kanonenspruch ist noch immer gültig. Gültig. nicht nur im außenpolitischen Kampf um die Freiheit und Ehre des Staates, sondern noch viel mehr im innenpolitischen Kampf um die Erneuerung des Volkes und seiner verfassungsmäßigen For- men. Wie auch die derzeitige Staatskrise ausgehen wird, eines läßt sich angesichts der Unmöglichkeit eine Parteiregierung zu bilden, Voraussagen: der Tag wird kommen, an dem es heißen wird: das Vertrauen des Reichsoberhauptes hat den Reichswehrminister von Schleicher an die Spitze eines Präsidialkabinettes gestellt! Damit aber ist die Reichswehr als Ganzes eingesetzt worden. „Ultima ratio regis!“
General von Schleicher, als Persönlichkeit oft genug geschildert, als Politiker länger als ein Jahrzehnt erprobt und geschult, wird selber wissen, was leine Beauftragung zu bedeuten hat. Denn die Reichsexekution gegen Sachsen 1923, die Absetzung der Preußenminister im Juli 1932, die mehrfache Verhängung des Ausnahmezustandes seit Annahme der Verfassung non Weimar, dies alles bedeutete keinen Einsatz der Reichswehr! Wohl galt es für die Einheiten der deutschen Wehrmacht, bestimmte Polizei- und Ordnungsaufgaben zu lösen, wohl ging die Gewalt vorübergehend auf die Reichswehr über, hinter der Wehrmacht aber stand stets der gegebene Befehl, den cs lediglich auszuführen galt. Mit der 'Berufung Schleichers aber wird d i e Reichswehr selbst als Träger des Staates eingesetzt. Das heißt: in Stunden höchster Gefahr wird die Reichswehr vor die Probe ge» stellt, ob sie nicht nur eine staatserhaltende, sondern eine staatsbildende Macht ist.
Zwei politische Kräfte sollten grundsätzlich in gut geleiteten Staaten außerhalb des innenpolitischen Meinungskampfes der Parteien stehen: das Staatsoberhaupt und die Wehrmacht! Zumal in Zeiten gärender Neuordnung, in denen seelische Umwälzungen sich in politische Formen umsetzen wollen, muß das Oberhaupt des Staates ebenso über den Parteien stehen, wie auch der Machtkampf der innenpolitischen Gruppen vor der Wehrmacht Halt machen muß. Dies Gesetz hat zu gelten, solange die Wehrmacht Vollzieher des Staatswillens ist, aber es hat auch darüber hinaus zu gelten, wenn die Wehrmacht nach dem Versagen der Parteien und aus der Unmöglichkeit heraus, den Buchstaben der Verfassung zu erfüllen, Träger des Staatswillens selbst geworden ist.
General von Seeckt hat 1923 vielleicht eine weltgeschichtliche Stunde ungenutzt verstreichen lassen, als er sich nicht in einem Zeitpunkt äußerster Reichsgefahr zum Führer des Reiches aufschwang. Er kannte den Einsatz und er handelte nicht. General Gröner trat im gleichen Augenblick zurück, wo et begriff, daß seine Maßnahmen als Innenminister im Gegensatz standen zu den Auffassungen und Gefühlen der Reichswehr der er als Wehrminister Vorstand. Auch General von Schleicher wird sich bei allem gesunden Ehrgeiz nicht gerade zu seinem Amte drängen, ober er wird sich dem veränderten Gebot der Stunde füg n. Denn was 1923 ein Leichtes war, ja, toaS unter ‘Brüning im Frühling 1932 gesichert schien: bis Möglichkeit verfassungsmäßiger Zustände auf bet Grundlage einer parlamentarischen Mehrheit, ist an der Jahreswende 1932 33 zur Unmöglichkeit geworben. Deshalb muß e i n neues C leone n t dem innenpolitischen Hexenkessel einverleibt werben, ein Element ber Ve- harrung, ber Ruhe, bes Mittelpunktes, ein Kri- stallisationskern gewissermaßen, um den sich alle Gruppen sammeln können, die des guten Willens sind, Deutschland durch diesen Rotwinter zu bringen. Dieses Element kann nur die Wehr- macht desStaates sein, ausgedrückt und verkörpert in ihrem Führer.
Es bestehen heuce wenig Drücken zwischen den umgewühlten Volksgruppen. Aber es gibt zwei gemeinsame Bekenntnisse über alles Trennende hinweg, die allen G uppen bis auf die KPD. gemeinsam sind: das Bekenntnis zum Wehr- und Widerstandswillen und das Bekenntnis zur sozialen Reugestaltung des Staates und ber Wirtschaft. Wehrwille unb Sozialwuht - sein, bas sinb die geistigen Mächte, die von der Reichswehr und General von Schleicher eingesetzt werden. Richt umsonst hat ein Sozialdemokrat die alte Armee als die „größte volkssozialistische Leistung aller Zeiten" bezeichnet. An der Reichswehr liegt es nun, zu beweisen, wie stark dieser Geist eines rechtver standen en „Dolissozialismus" in ihr lebendig ist. Aus ber Verantwortung gegenüber dem Wehrwillen und aus der Pflicht zu einer wirksamen Sozialbetätigung sollte so rasch wie möglich ber Durgfriebe zustandekommen, ber zuerst einmal bie politischen Entscheidungen auf dein Frühling vertagt unb dem Führer der Reichswehr Gelegenheit gibt, ben Staatswillen bey Wehrmacht praktisch unter Beweis zu stellen. Ist er ber große Mann, auf den in Deutschi "dy Millionen warten, so wird er sich auch gegenüber ben
Schleichers Unterredung mit Hitler.
Roch einmal Fühlungnahme des Reichswehrministers mit dem nationalsozialistischen Führer.
Zwischenbericht beim Reichspräsidenten.
Berlin, 30. Roo. (III.) Am Dienstag in den frühen Rachmittagsstunden erstatteten Reichskanzler v. P a p c n , Reichswehrminister v. Schleicher und Staatssekretär Dr. Meißner dem Reichspräsidenten über den bisherigen Verlauf ihrer Fühlungnahme mit den Parteien und sonstigen Organisationen Bericht. Da die Besprechungen mit den Nationalsozialisten noch nicht beendet sind, konnte diese Berichterstattung nur eine Art Zwischenbericht sein. Die endgültige Entscheidung wird erst fallen, wenn General von Schleicher seine Unterredung mit Hitler gehabt haben wird.
wie die Telegraphen-llnion' von zuverlässiger Seite erfährt, hat Hitler sich entschlossen, d e m wunscheSchleichers zu entsprechen und wird heute vormittag zu einer Aussprache mit ihm über die politische Lage nach Berlin kommen. Hitler soll gegen 9 Uhr in Berlin eintreffen und gleich anschließend dürste die Besprechung stattfinden, so daß nod) gegen Mittag dem Reichspräsidenten über das Ergebnis dieser Aussprache Bericht erstattet werden kann.
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3n Berliner Politischen Kreisen war in ben späten Abendstunden des Dienstag noch ein lebhaftes Rätselraten um den Besuch Hitlers in Berlin im Gange. Man konnte die widersprechendsten Rachrichten hören. Dazu läßt sich nur feststellen, daß man in unterrichteten Kreisen der Wilhelrn- straße bestimmt mit der Zusammenkunft rechnet. Vielleicht geht das ganze Kopfzerbrechen darauf zurück, daß eine direkte Einladung des Generals v. Schleicher an Hitler nicht ergangen ist, bah bie Zusammenkunft vielmehr von dritter Seite angeregt unb bann von ben beiben nationalsozialistischen QCbgeorbnetcn, mit denen General v. Schleicher gestern verhandeln wollte, angebahnt worden ist. Da die Folgen, die sich aus dem Scheitern ber Schleicherschen Tolerierungsver- hanblungen ergeben, sehr ernst sein können, besteht natürlich auf keiner Seite bie Reigung, sich biefer Zusammenkunft zu entziehen.
Das eigentümliche Helldunkel ber politischen Lage st durch d e erhandln g n am Diens ag nichi beseitig, worben. D. au trägt u.a, bei,bah von interessierten Kreisen z. B. ben ganzen Dienstag über ber Versuch gemacht würbe, zu behaupten, bah eine Reise Adolf Hitlers nicht beabsichtigt sei' oder erst spät erfolgen werde. Gut informierte Kr.üse zweifeln barait, ob tatsächlich der heutige Mittwoch eine Klärung bringen wird. Es ist sehr fraglich, was bei der Besprechung zwischen Hitler unb Schleicher herauskommt. Rach ben bestimmten Aeußerungen ber nationalsozialistischen Presse barf man annehmen, baß eine T o l e - rierung eines Kabinetts Schleicher mitSicherheit vonHitler abgelehnt werden wirb. Eine andere Frage wäre es natürlich. ob nicht eine Unterhaltung über die Art unb Weise, wie eine Opposition gegen ein Kabinett Schleicher von der RSDAP. zu führen ist, doch Zweck hätte, da man in politischen Kreisen annimmt, daß bie Opposition ber RSDAP. gegen ein Kabinett von Schleicher schwächer sein würbe, als gegen ein Kabinett von Papern Da Schleicher noch immer als Freund der nationalsozialisttschen
Parteien durchsetzen und nach einigen Monaten bie Wehrmacht in bie Reservestellung schicken können. Denn bann hat er fich bie notwendigen verfassungsmäßigen Mittel geschaffen, um des „letzten Beweisstücks" entbehren zu können. Und ist es nicht ber Retter, an ben ein führerloses Volk nur allzu leicht glaubt, so wirb ber überparteiliche Staatswille der Wehrmacht immerhin ausgereicht haben, diesen Rotwinter zu überwinden.
Einheitliche Wirtschastspolitik.
Die DN^P. regt Zuiammenieg' ng der wirtschaftlichen Ministerien an.
Berlin, 29. Rov. (TU.) Der „Tag" ber» öffentlicht unter ber Heber;djrift „Wirtschaftskrise um) Kabinettsbildung" einen von besonderer Seite zugegangenen Artikel, ber bie Auffassung ber Deutschnationalen Volkspartei über die Wege zur ilebertoin- bung ber Krise toiebergibt.
Einleitenb wird ausgeführt, bah in Englanb alles, was die Wirtschaftspolitik gegenüber ben anberen Ländern betreffe, sachlich vom Board of Trade bearbeitet werde. Bei uns seien b.e entsprechenden Arbeiten auf nicht weniger a l s drei Ministerien verteilt, wozu noch die beteiligten Ministerien ber Länber treten. Die einzelnen • Ressorts seien geneigt, sie fühlten sich gewissermaßen amtlich dazu verpflichtet, die eweils auftarchenden Wirtschaft! ch n Fragen unter dem Gesichtspunkt ber ihnen an- vertrauten Wirtschaftsinteressen zu betrachten. Das Board of Trabe in England wirke dagegen
Bewegung gelten kann, hält man es jedenfalls in bestimmten politischen Kreisen noch immer für möglich, daß hier wenigstens gewisse Annäherungsmöglichketten gegeben sind.
Verläuft bas Gespräch Schleicher-Hitler negativ oder kommt es nicht Auftanbe, so besteht bie Wahrscheinlichkeit, daß Dann Herr von Pa- Pen mit der Bildung eines Kabinetts beauftragt wird. Es ist aber bie Frage, ob es Herrn v. Papen bann gelingt, ein neues Kabinett auf die Beine zu stellen. Es besteht also auch dann immer
noch die Möglichkeit, daß er nach feiner Betrauung den Auftrag nach einigen Tagen wieder zu» rüdgibt und daß dann doch einKabinett Schleicher gebildet wird. Da ein Kabinett Schleicher im Parlament unter ilmftänbcn auf eine gemäßigtere Opposition zu rechnen hiitte als ein Kabinett Papen, glaubt man jedenfalls, derartige Möglichkeiten so lange nicht von der Hand weisen zu dürfen, als ein Kabinett Papen nicht ernannt ist.
Oie NSDAP, gegen einen politischen Waffenstillstand.
Keine Tolerierung eines Kabinetts Schleicher.
München, 29. Rov. (TU.) Die „RSK." Ver- öffentlicht unter der Überschrift „M u t zur Wahrheit" einen Artikel des Pressechefs ber RSDAP.. Dr. Otto Dietrich, worin es heißt: Der Führer der RSDAP. besitze bie unbedingte Autorität und das uneingeschränkte Vertrauen von 12 Millionen wahlberechtigten Deutschen und damit bie absolut notwendige Grundlage für jedes Kabinett, das dem Willen des Volkes entspreche unb den Barnen „national“ für sich in Anspruch nehme. Der Weg der RSDAP. führe nur über Adolf Hitler. Wer gegen den Führer ber Bewegung sei, ber müsse wissen, baß er auf die unerbittliche Feindschaft dieser Millionen stoße. Man sollte meinen, daß diese selbstverständliche Konsequenz auch ben amtlichen Kreisen und ben Ratgebern an erster Stelle inzwischen klar geworden sein müßte. Wenn ihnen dafür bie Begriffe fehlten, müßte ihnen wenigstens bie Erfahrung gezeigt haben, daß bisher noch jedes Präsidialkabinett zum, Scheitern verurteilt gewesen sei, das geglaubt habe, ohne und gegen bie nationalsozialistische Bewegung regieren zu können.
Ein „W a f f e n st i 11 st a n d" in diesem Augenblick würbe ein Freibrief sein für weitere Regierungsexperimente, die aus dem schnellsten Wege zu liquidieren bie Pflicht aller Verantwortlichen sei. Rach dem bie Härte ber Tatsachen bie Unmöglichkeit der Ausschaltung ber nationalsozialistischen Bewegung aus der Regierungsführung erwiesen habe, würde eine neue Verschleierungs- unb Verschleppungstaktik nur neues Unheil über das deutsche Volk heraufbeschwören. Die RSDAP. könne es vor dem deutschen Volk nicht vertreten, sich zu einem solchen ebenso aussichtslosen. wie verhängnisvollen Beginnen herzugeben. Wenn ber Reichspräsident glaube, bie persönliche Verantwortung für ein Pri si. iaikabinett bet gleichen Färbung wie bie bisher vorn deutschen Volke abgelehnten tragen zu können, bann könne eine solche Lösung ber Regierungskrise nur ben höchst unerwünschten Erfolg haben, baß das deutsch« Volk dann klar erkenne, wer für bie Auswirkung ber bisherigen unb nunmehr fort- zusetzenben Politik verantwortlich sei.
Unter ber Ueberfdjrift „Die NSDAP, wird ein Kabinett Schleicher nicht tolerieren" bringt der „Völkische Beobachter" an ber Spitze bes Blattes einen Artikel Rosenbergs, worin es heißt: Unsere Stellung zu einem eventuellen Reichskanzler v. Schleicher ist so e i n b e u t i g m i e möglich Die NSDAP, wirb ein Kabinett Schleicher ebenso wenig tolerieren, wie
das Unheilkabinett v. Papen. Die Gründe find die gleichen. Man kann nichtei ne klein eClique Diktatur über Deutschland spielen lassen. Man kann nicht zusehen, daß das Arbeitslosenheer ins Ungemessene steigt, ber Kommunismus anschwillt, wir außenpolitisch immer mehr eingefreift werben, aber ber Führer ber einzigen großen nationalen Bewegung deiseitegescho den wirb. Es geht nicht an, baß nun nach dein unmöglichen Herrn v. Papen einfach ber Reichswehrminister an feinen Platz treten kann. Wenn nun bie Reaktion bie Bertünbung eines Staatsnot ft anbes fordert mit ber deutlichen Absicht, bie Arbeit ber NSDAP, zu unterbinden, so wird man sich an ben in Betracht fominenben Stellen wohl über bie Folgen klar (ein. Ein Ausnahmezustanb gegen den Nationalsozialismus wäre eine Herausforderung ber gesamten Nation. Ein Kanzler, ber das täte, würde sich außerhalb der Verfassung stellen, selbst illegal 10er ben. Die Reichswehr würde dadurch nur zu einem Instrument ber Innenpolitik unb auf ihrem Rücken würbe fich ber Bolschewismus verdreifachen. Das würbe ber Untergang Deutschlanbs sein.
Die Zentrumssrattion zur Lage.
Berlin, 29. Nov. Die „Germania" teilt mit: Die Zentrumsfraktion bes Reichstags hat in ihrer heutigen Sitzung ben Bericht bes Parteiführers über die Berhanblungen ber letzten Wochen unb bie darin zum Ausdruck gebrachte Stellungnahme ber Partei zur politischen Lage entgegengenommen. Die Fraktion billigt einmütig die von höchster Beiyntroortung um Volk und Staat getragene Haltung der Parteiführung und spricht insbesondere dem Parteiführer Prälat Dr. Äaas aufrichtigen Dank unb volles Vertrauen aus. In Uebereinftimmung mit ber Partei- unb Fraktionsleitung hält bie Fraktion an dem Ziele ber Schaffung einer Nov unb Arbeitsgemeinschaft zwischen allen in Betracht kommenben Parteien fest. Nur auf biefem Wege kann bem Reiche in biefer gefahrvollen Zeit eine sichere, vom Volksvertrauen getragene verfassungstreue unb soziale Staatsführung unb bem erschütterten Wirtschaftsleben bie notwenbige Beruhigung gegeben werben. Wer im gegenwärtigen Augenblick ber ehrlichen Verwirklichung bes Sammlungsgebantens entgegenarbeitet, wirb beim Eintritt in einen beispiellosen Notwintcr mitschuldig an sozialen unb politischen Entwicklungen, für bie bie Zentrumspartei zusammen mit allen anberen Sammlungswilligen jede Verantwortung ablehnt.
gewissermaßen wie ein Klärbassin, so daß das Kabinett nur mit der letzten En t - scheidung belastet werde. 3m Reichskabinett hätten sich z. B. in der Kontingentfrage die Minister „schwer gerüstet im Turnierkamps gegenübergestanden". Dadurch sei ein Chaos entstanden. aus dem bisher kein Ausweg gefunden worden sei.
Am Schluß des Artikels heißt es: Wir sollten uns den großen Grundsatz auch in der Organisation des Staates und des Reiches nicht verdunkeln lassen, daß Wirtschaftspolitik keine Sache der Agrarinteressen oder der 3ndustrieintove^en oder der Gewerkschaftsinteressen sein darf. Die einzelnen Wirtschafts- und Berufszweige sind Organ« einer Einheit, nämlich der nationalen Wirtschaft. Wirtschaftspolitik ist also keine Interessenfrage, sondern eine nationale Angelegenheit. Sie erfordert daher auch verwaltungsmäßig eine einheitliche Behandlung. Ein derartiges Verfahren würde naturgemäß auch eine starke Entlastung des Reichskabinetts bringen.
Arbeitgeberkreise nicht befragt.
Berlin, 29. Rov. lCRB.) Der Reichsverband der Deutschen Industrie teilt mit: 3m Hinblick auf wiederholte Pressemeldungen, daß die Wirtschaftskreise bei derKabinetts- bildung um ihre Auffassung gefragt wären oder einen Einfluß auAuüben versucht hätten, ist festzustellen, daß weder der Reichsverband der Deutschen 3ndustrie, noch die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in dieser Richtung irgendwie in Anspruch genommen wor
den sind oder eine Betätigung ausgeübt haben. Unzutreffend ist insbesondere auch die Meldung, daß der Vorsitzende des Reichsverbandes, Herr Dr. Krupp v. Bohlen und Halbach dabei eine Mittlerrolle zu spielen oder sonst irgendwie in die schwebenden Verhandlungen einzugreifen versucht hätte.
Forderungen des Reichslandbundes an die kommende Reichsregierung.
B € r I i n , 29. Rov. (Xil.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes nahm folgende Entschließung an: Die deutsche Landwirtschaft fordert, daß bie kommende Reichsregierung Staats- autorität und einheitlichen Staatsführungswillen verkörpert. Rur eine Reichsregierung, die vom einmütigen Willen getragen, schnelle durchgreifende Entschlüße auf den vordringlichen Gebieten der Ernährungsfreiheit und der Arbeitsbeschaffung herbeiführt, wird den gebotenen Staatsnotwendigkeiten gerecht. Erhaltung und Rettung des deutschen Rährstandes sind auf das Engste verknüpft mit Wiederherstellung und Steigerung deutscher Arbeits- und Kaufkraft auf b i n ne n w ir t s ch a s t - kicher Grundlage. Die sachlich zu beschreitenden Wege und Möglichkeiten zur Entwicklung des gebotenen Gleichgewichts von Stadt und Land durch Gesundung der Landwirtschaft, i n s- besondere der Berebelungätotrt- schäft, sind hinreichend bekannt. Ohne entscheidende Wendung der deutschen Wirtschaftspolitik durch Schutz und Förderung sämtlicher Teile der heimischen Agrarproduktion bleiben alle noch so ausgeklügelten Ar-


