Ausgabe 
30.11.1932 Erstes Blatt
 
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Oer Kampf um Grönland.

Oer dänisch-norwegische Streit im Haag.

Dänemark und Norwegen, die feind­lichen Brüder, fechten jetzt ihren Streit um den Besitz der Eiswüste Grönland vor dem Haager Gerichtshof aus. Die Rechtsvertreter der beiden Länder haben ihre Ansprüche dem Gericht vorgetragen, die Berge von Material über diesen schwierigen Fall müssen aber erst eingehend ge­prüft werden, so dah sicherlich der Anfang des Jahres 1933 ins Land gehen dürfte, bis der Spruch des Haager Gerichts den Kampf und die Fehde der sonst als friedlich bekannten nordischen Staaten klären wird. Es geht hier um den Be­sitz der größten Insel der Welt, die fünfmal so groß ist wie das Deutsche Reich. Das gesamte Innere ist mit ewigem Eis bedeckt, nur ein schma­ler Streifen von zirka 200 Kilometer Breite längs der Westküste ist eisfrei und bewohnbar. Der größte Teil der Bevölkerung im ganzen 15 000 Grönländer und etwa 300 dänische Beamte wohnt hier an diesem siedlungsfähigen Küsten­strich, wo Dänemark in den letzten Jahrzehnten nach und nach eine Kette von Eskimosiedlungen errichtet und aufrechterhalten hat. Um den an­deren Teil der riesigen Insel hat sich das Außen­ministerium in Kopenhagen nie gekümmert, obwohl die Dänen schon im Jahre 1814 an der Westecke des Eilands Fuß gefaßt haben. Einzig For­schungsexpeditionen aller Länder suchten die Eis­wüste auf, teils um hier Lager zu errichten, von denen aus sie weitere Ausflüge und Forschungs­reisen in den hohen Rorden unternahmen, teils um diesen Teil der Insel erst zu erforschen, da sich sonst kein Staat um das Niemandsland küm­merte.

Etwas mehr Leben und Treiben herrschte dagegen schon seit den siebziger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts an den Küsten der O st s e i t e Grönlands,

wo norwegische Fischer ihrem harten Hand­werk nachgehen, die zunächst aber nur den Robben­fang betrieben, dann allerdings alles irgendwie Verwendbare fischten, wobei weder Eskimo noch dä­nische Staatsbürger diese Arbeit störten. Erst das Jahr 1921 brachte den offenen Konflikt zwischen Norwegen und Dänemark. Die Dänen hatten ihre Westindieninseln für viele Millionen an die Ver­einigten Staaten vom Amerika verkauft, und es bei dieser Gelegenheit verstanden, die gesamte Entente mobil zu machen, um in den Besitz von ganz Grönland zu gelangen. Das gab natürlich einen geharnischten Protest Norwegens, dem Däne­mark auch tatsächlich stattgab: 1924 wurde zwischen den beiden Ländern vereinbart, daß die norwegischen Fischer und Pelzjäger weiterhin ihr Handwerk un­gestört ausüben durften und somit faktisch das Po- lizeirecht zugesprochen bekamen. Ohne große Schwie­rigkeiten waren auf diese Weise geordnete Verhält­nisse auf Grönland geschaffen, die laut Vertrag bis zum Jahre 1944 andauern sollten. Vor einem Jahr aber setzte plötzlich Dänemark in den Norwegen zu­erkannten Gebieten eigene Poljzeikräfte ein, ein Vorgehen, das selbstverständlich in Norwegen als Umgehung und Verletzung des Abkommens von 1924 aufgefaßt werden mußte, und der Kampf um den Besitz der Eiswüste war im besten Gange: Nor­wegen entsandte nun seinerseits Polizeiorgane, so daß es schon nach kurzer Zeit zu Reibereien zwischen den von ihren Ländern auf der Insel Grönland stationierten Polizisten kommen muhte. Dänemark hat sich ohne Frage durch die Ausdehnung der Po­lizeigewalt über ganz Grönland ins Unrecht besetzt, aber darüber hinaus werden die Juristen im Haag noch zu klären haben, ob die Entente so ohne wei­teres das Niemandsland in die Dänen verschenken konnte.

gen dürfte, wenn man auch bereit ist, ihm in der Transferfrage nachzugeben, falls es sich dazu versteht, um Nachsicht zu Bit­ten und seine Lage durch statistisches Material zu beweisen, anstatt, wie es das in der ersten Not« tat, eine Revision unter Berufung auf einige recht vage klingende Gemeinplätze zu for­dern.

England bereitet (Soldversand nach Neuyork vor.

London, 29.Nov. (WTB.) Der Pfund­kurs hat im Laufe des Tages einen T i e f - st a n d erreicht, den es noch nie gehabt hat. Das Pfund wurde nur mit 3,143/* Dollar notiert. Nach demDaily Telegraph" sind die Versiche­rungsgesellschaften von Lloyds in Kenntnis ge­setzt worden, daß möglicherweise G o l d v e r - schiffungen von London nach Neu- y o r k bevorständen. Cs würde sich um drei Millionen Pfund Sterling handeln, die auf dem britischen DampferMajestic" und auf dem französischen DampferParis" verschifft werden würden. Der Finanzredakteur des Blattes bemerkt zu dieser Meldung, es sei natürlich denk­bar, daß diese Verschiffung vorsichtshalber im Hinblick auf eine etwaige Zahlung der Schuldenrate am 15. Dezember vorge­nommen werde. Aber in vielen Kreisen habe man gestern geglaubt, dah sie im Interesse der Zentralbank eines europäischen Landes erfolgen solle.

Frankreich wartet ab.

Paris, 29. Nov. (TU.) Die französische Re­gierung hat ihre endgültige Haltung in der Schul­denfrage noch nicht f e st gelegt. Wenn man sich auch allgemein dahin einig ist, daß sie ihren am 15 Dezember fälligen Zahlungsverpflichtungen auf die eine oder andere Weise nachkommen wird, so scheint es doch noch nicht mit Sicherheit festzu­stehen, daß sie sich zur Absen düng einer zweiten Note an Amerika entschließt. Die Re­gierung will anscheinend ihre Haltung von der­jenigen Englands abhängig machen und erst den Wortlaut der zweiten englischen Note abwarten.

Die englischeLndustriewird für den Wettbewerb ausgerüstet.

London, 29. Nov. (WTB.) Die Bankers In­dustrial Development Company, zu der unter Lei­tung der Bank von England die engliscben Groß­banken gehören, beabsichtigt, dem englischen Eisen- und Stahlkonzern Stewarts & Lloyd einen Kre­tz i t in Höhe von 3,3 Millionen Pfund einzuräumen. Der Erlös soll auf die Ausbeutung eines Eisenerzfundes von 26 000 Acres Ausdehnung und mit Erzlagern von 500 000 Tonnen verwandt werden. Es ist beabsichtigt, auf dem Feld selbst, das sich in Nord-Hamptonshire befindet, das e r st e englische Werk zur Erzeugung von ba­sischem Bessemer st ahl zu errichten, der den bisher verwendeten ausländischen Bessemer­stahl bei der Herstellung von Röhren ersetzen soll. Der Bau des Werkes und der dazu geplanten Siedlungen dürfte 6000 Arbeiter beschäftigen. Nach Fertigstellung sollen etwa 1000 Arbeiter eingestellt werden Der Plan für dieses Unternehmen ist be­reits vor zwei Jahren gefaßt und daher nicht durch die Zollpolitik der englischen Neuerung beeinflußt worden. Die Transaktion ist die dritte, die von der Bankers Industrial Development Corporation seit ihrer vor zweieinhalb Jahren erfolgten Gründung unterstützt wird. Bei dem ersten Plan handelte es sich um die Fusion von einigen Kohlen- und Eisenwerken in die Lancashire Steel Corporation, bei dem zweiten um die Bildung der National Shipbuilder Securities Corporation, deren Aufgabe in der Rationalisierung der eng­lischen Schiffbauindustrie besteht

©einer Hände Werk Roman von Klothilde von Etegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale)

29 i^ortteRung Nachdruck verboten

Kurt Bremer langte nach zwei durchfahrenen Nächten in der Heimat an. An der Bahn er­wartete ihn der alte Iustizrat.

Gottlob, dah Sie da sind", sagte er und schüttelte dem übernächtigen jungen Manne be­wegt die Hand.Degener wäre gern mitgekom- men: aber er arbeitet mit ein paar Bücherrevi­soren Tag und Nacht, um Klarheit über das zu bekommen, was sich während seiner Krankheit zugetragen hat..."

älnd während er mit dem erschütterten jungen Manne im Auto dem Dremerwerk entgegenfuhr, unterrichtete er ihn in gedrängten Worten über die Ereignisse der letzten Zeit.

Kurts bleiches Gesicht erstarrte immer mehr, als er von den Schandtaten seines Schwagers hörte. Ein Ausdruck maßlosen Ekels krümmte seine Mundwinkel.

Vom ersten Tage an hatte ich diese instinktive Abneigung gegen den Menschen: aber meine Stiefmutter war ja wie vernarrt in ihn nun ist das älnglück da. älnd nicht nur für mich und das Bremerwerk, sondern auch für meine Stief­schwester."

In Frau Melanies Schlafzimmer stand Hiltrud am Fenster und blickte schweigend in den fahlen Wintertag hinaus. Der Park lag unter einer schmutzigen Schneedecke, die ihr reines Weih unter dem Regen in ein häßliches Grau verwandelte. Ter Himmel hing dicht und lichtlos über der Ebene und die einzigen Laute waren die heiseren Rufe der Krähen, die vom Flusse her­überstrichen. Das ganze Bild, wie es sich Hil- truds müden Augen bot, war von einer un­barmherzigen, öden Trostlosigkeit, 11 nb die gleiche Trostlosigkeit lag auf der Seele des jungen Mäd­chens. Die Mutter, nach der sie ab und zu vor­sichtig spähte, schlief tief und fest unter der Ein­wirkung des Schlafmittels, das die vom Bremer- Werk herübergeholte junge Werisärztin ihr ge­geben.

Jetzt erst, nach der furchtbaren Aufregung und der Sorge um die erkrankte Mutter, kam Hiltrud dazu, den Ereignissen wirklich ins Gesicht zu sehen. Jetzt erst stand alles klar vor ihrer Seele und ihrem Geist. Der Mann, dem sie ihr Jawort gegeben, der vor der Welt als ihr Erwählter galt, war unter schimpflichstem Verdacht im Ge­fängnis. Ihr Name in aller Leute Mundi Das Bremerwerk bis nahe an den Rand des Ruins gebracht! Aber seltsam, nicht der eigene Kummer,

Oie Giabilttät

-es Schweizer Franken.

Bern. 29. Nov. (END.) Die Schweizer De­peschenagentur schreibt zur Frage der Stabilität des Schweizer Franken. Die ganze Presse der Schweiz ist sich darüber einig, dah im Auslande von Daisfespekulanten vollständig falsche Nachrichten verbreitet werden. Cs wird betont, dah eine Gefährdung der Frankenwährung auch dann nicht vorhanden sei, wenn Ab­züge ausländischer Kapitalien in größerem Umfange erfolgen sollten. Man weist darauf hin. daß auf den Kopf der Bevöl­kerung die Schweiz die weitaus größte Goldreserve der Welt besitzt, und zwar entfielen in der Schweiz auf den Kopf 630 Fran­ken in Gol'H, in Frankreich ungefähr 403, und in Amerika 2vv Schweizer Franken. Der Noten­umlauf sei zu 172 Prozent durch Gold gedeckt, eine Zahl, die in keinem Lande auch nur annähernd erreicht werde. Auf Grund dieser Goldreserve wäre die Schweiz, wenn ihre ausländischen Gläubiger sich entschlös­sen, ihre Guthaben zurückzuziehen, ohne Schaden für Währung und Volkswirtschaft im stände, die nötigen Zahlungen zu leisten, und der Währungsmechanismus werde in keiner Weise gestört sein.

Aus aller Welt

Gerichtliches Nachspiel des Berliner verkehrsstreiks.

Das Sondergcricht Berlin verurteilte den Na­tionalsozialisten Klottich und den Kommunisten Gniesewitz wegen schweren Landfrie­densbruchs in Tateinheit mit Trans-

nicht die Schande war es, was ihr jetzt in der Vorstellung ein schmerzvolles Au,stöhnen er­preßte: es war etwas anderes. Der Gedanke, daß die Mutter das Erbe des Stiefsohnes so schlecht gehütet, daß sie, Hiltrud, nun gleichsam mit­schuldig war an dem Raub an Geld und Ansehen, das war es, was die Seele des jungen Mädchens mit einem brennenden Schmerz durchglühte.

Aus ihren trüben Gedanken riß sie ein leises Pochen an der Tür. Mit einem Bnck sah Hiltrud zu dem Bett der Mutter hinüber: sie schlief fest und friedlich.

Schlafe du nur!, dachte Hiltrud mit erbarmen­der Zärtlichkeit. Du wirst noch früh genug er­wachen! Dann ging sie leise zur Tür und öffnete vorsichtig. Der Justizrat stand draußen.

Fräulein Hiltrud", sagte er gedämpft,wäre es Ihnen möglich, herüberzulommen? Ihr Stief­bruder ist da er möchte mit Ihnen sprechen."

Hiltrud zuckte zusammen nun kam es, wovor sie sich fürchtete: dem Stiefbruder in die Augen -u sehen. Aber sofort straffte sich dieses blasse, feine Mädchengesicht.

Ich komme", antwortete sie gedämpft.Will nur das Stubenmädchen rufen, damit es mich bei meiner Mutter ablöst."

Vierund zwanzig st es Kapitel.

Kurt hatte sich nach seiner Ankunft auf das dringende Bitten des alten Iustizrats und De- geners hin einige Stunden zur Ruhe begeben. Die beiden Männer hatten gesehen, wie groß die Abspannung nach der Erschütterung und den schlaflosen Nächten war.

In diesem Zustande, lieber Kurt, sind Sie einfach nicht fähig erst muß der Körper sein Recht haben", hatte der Justizrat eindringlich gemahnt. Kurt hatte nachgegeben.

Nun saß er nach ein paar Stunden Schlafes seinem väterlichen Freunde gegenüber. Mit tiefster Bewegung hatte er die genauen Einzelheiten er­fahren. die ihm die beiden Herren mitgeteilt.

Nur eins hatten sie ihm bisher verschwiegen: -uf welche Weise man Axel Jvarsen überführt hatte. Die Nachricht von der Rolle, die Erika in dieser ganzen Angelegenheit gespielt, wollte Degener seinem jungen Herrn bis zuletzt verheim­lichen. Der alte Prokurist hatte scharfe Augen im Kopfe und wußte, wie es um Kurts Gefühl zu Erika stand. Kurt mußte erst fein Gleichgewicht wieder gefunden haben, ehe man ihm von der abenteuerlichen Fahrt Erikas und ihrer Erkran­kung Mitteilung machte. Cs waren genug der seelischen Erschütterungen, die auf den jungen Menschen eingestürmt waren.

Aber nun konnte man nicht mehr ausweichen, denn Kurt unterbrach die Darlegungen des alten Prokuristen mit den Worten:Eins ist mir bei alledem unklar geblieben, lieber Herr Degener: Sie sprechen immer davon, daß Jvarsen mein

por tgefährdung zu je zwei Jahren Zuchthaus. Die Verurteilten waren beschul­digt, sich an den Ausschreitungen während des Berliner Verkehrsstreiks in Schöneberg beteiligt zu haben. Klottich und Gniesewitz sollen Steine gegen eine Straßenbahn geschleu­dert haben.

Für 30 000 Mark Schmuck aus dem Kraftwagen gestohlen.

Eine traurige Entdeckung muhte ein Gold­warenhändler aus Leipzig machen, der in Berlin seinen Personenkraftwagen im einem Torweg in der Krausenstraße unbeaufsich­tigt hatte stehen lassen. Während der kurzen Zeit seiner Abwesenheit waren aus dem verschlossenen Wagen drei braune Leder- koffer gestohlen worden, in denen sich meh­rere tausend Ring:, Zigarettenetuis, Feuerzeuge und andere Gegenstände befanden. Der Oefamt- toert der gestohlenen Sachen beträgt etwa 25 bis 30 000 Mark.

Zuchthausstrafe für politische Gewalttat.

Die Strafkammer des Berliner Landgerichts II verurteilte wegen gefährlicher Körperverletzung den Arbeiter Usack zu einem Jahr Zuchthaus und den Arbeiter Mörenberg zu vier Jahren Zuchthaus. Am Tage vor der Reichstagswahl war ein Nationalsozialist von einer Gruppe von etwa 20 Personen angegriffen und miß­handelt worden. Er hatte sich in eine Gast­wirtschaft gerettet, wurde aber von dort hist­au sgewiesen, und zwar, wie von Zeugen behauptet wurde, auf Veranlassung des Ange­klagten Mörenberg. Aus der Straße wurde er von einer zwanzigiöpfigen Menschenmenge ver­folgt und mißhandelt. Durch einen Messerstich wurde er schwer verletzt.

Modell stehlen wollte aber wie man ihn so ertappte, das habe ich immer noch nicht begriffen; da fehlt noch ein Schluhglied in der Kette."

»Cs fehlt nicht, lieber Kurt", versetzte Degener ernst.Erika Schmitt war es, die alles aufdeckte die Ihr Doot rettete, gerade in der Nacht, wo man Ihr Patent, in das falsche Boot ein­gebaut, zum Rennen schicken wollte."

Erika , flüsterte Kurt; dann sprang er auf. -Wo ist sie? Warum ist sie nicht hier, daß ich ihr danken kann? Ich muß fort...!"

Sie müssen ganz verständig fein, Kurt!" De­gener legte beruhigend feine Hand auf den Arm des Erregten.Geduld! Im Augenblick kön­nen Sie Erika nicht sprechen sie ist nicht hier."

Aber wo ist sie denn?" fragte Kurt mit bren­nender Llngeduld.

»Sie ist erkrankt, lieber Kurt ruhig, ruhig, ruhig sie wird ja wieder gesund eine heftige Erkältung bei dem eisigen Wetter, in dem sie des Nachts das Boot entführte...

Er schwieg, denn Kurt war mit einem Ruck ausgestanden, hatte eine hilflos entschuldigende Bewegung mit der Hand gemacht, und nun stand er da, mit dem Rücken an die Wand, den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt. Dir beiden Männer im Zimmer sahen, wie die Schultern in dem dunklen Anzug zuckten. Schweigen herrschte im Zimmer.

Aach einer Weile wandte Kurt sich um.Seien Sie mir nicht böse es ist nur alles auf einmal etwas viel", sagte er bittend.llni> nun habe ich mich wieder in der Gewalt. Das eine nur müssen Sie mit sagen: Wird Erika wieder gesund wer­den? Verschweigen Sie mir nichts! Lieber die schlimmste Gewißheit als eine trügerische iln* gewißheit."

3d> verschweige Ihnen nichts, mein guter Kurt", versicherte der Prokurist.Ich habe, wäh­rend Sie schliefen, gerade mit dem Arzt tele­phoniert: die Krisis ist noch nicht vorüber; aber das Herz hält tadellos aus. Alnö so viel wissen Sie ja auch, daß bei Lungenentzündungen das Herz und die Jugendkraft die Hauptsache sind! Der Doktor glaubt zuversichtlich, daß wir in zwei Tagen über den Berg sind schneller, als wir hier in unseren geschäftlichen Sachen", fugte er mit dem Versuch eines Scherzes hinzu.

Kurts Gestalt straffte sich.Also, an die Arbeit, meine Herren!" sagte er.Was für Vorschläge haben Sie mir zu machen?"

Ser Justizrat nahm daS Wort:Als allererste Maßnahme schlage ich vor, daß wir sofort Ihre Mündigkcitserklärung beantragen, mein lieber Kurt. Wenn wir den Sachverhalt genauestens schildern, wird das in wenigen Tagen zu er­ledigen fein. Cs ist unbedingt nötig, dah Sie sehr bald Ihren Geschäftsfreunden und den Ban­ken gegenüber als vollberechtigter Inhaber der Firma zeichnen. Solange Ihre Frau Stiefmutter

Aus -er provurzralhauptkadt.

An der Schwelle des Dezembers.

So find sie an uns vorübergegangen, die elf Söhne des Janos, und jeder tat seine Herrscher- pflicht einen Monat lang. Sie brachten Schnee und" Eis, Frühlingsblühen und Sommerfreude und streif- ten endlich die bunten Blatter des Herbstes von Baum und Strauch. Zu der Zeit, da die Erde im Winterschlaf ausruhen will, um Kräfte für neues Blühen zu sammeln, zu der Frau Holle mit ihrer fleißigen Magd das weiße Laken für die Erde spinnt, nimmt der Monat Dezember das Zepter in die Haktd, um uns hinauszuführen aus dem alten Jahre und vor den Eingang eines neuen zu stellen.

Der Dezember kann mit Köstlichem aufwarten, wie kein Monat vor ihm: mit dem Weihnachtsfcst. Sommersonne, Frühlingsblüten, Herbstklarheit sie verschwinden hinter den Freuden der Weihnacht. Und dann, auf den einundzwanzigsten Tag seiner Regierung fällt der Mitwintertag, jener Tag, zu dem sich die längste Nacht gesellt, die als Wende­punkt den Wiederaufstieg der Sonne und das Er­wachen neuen Lebens verkündet.

So eilen die Tage des letzten Monats im Jahre viel rascher, scheint es, als die andern dahin. Gar vieles, das sonst unsere Aufmerksamkeit erregen würde, bleibt unbeachtet. Es kommt die Frage der Bäckereien, Pfeffer- und anderer Kuchen. Man be­redet, wie groß dieses Jahr der Christbaum sein soll, besorgt den Baumschmuck, sieht sich die Weih­nachtsauslagen an und wählt, wenn der Geldbeutel es gestattet, die Geschenke.

Nach dem Wetter sieht kaum einer richtig hin. Und doch ist dies nicht so unwichtig, wie man denkt. Man darf nur einmal nach den alten, be­währten Bauernregeln sehen, um zu erfahren: Dezember kalt mit Schnee, gibt Korn auf jeder Höh!" Auch sonst ist der Dezember ein Monat der Verheißung, denn er verfugt über prophetische Gaben in bezug auf das Wetter der kommenden Zeit. Gleich der erste Tag,Elegius", ist dedeu- j tungsvoll. Es heißt da:Wenn mit Elegius der Winter beginnt, er eine lange Dauer nimmt." Und weiter:Bringt schlechtes Wetter Barbara, ist die : Sonne bald wieder da." Endlich:Hängt Weih­nachten Eis an den Weiden, kann man Ostern Pal­men. schneiden."

So hoffen wir also auf einenrichtiggehenden* Winter, aufweiße Weihnachten" und einen klaren, kalten Silvesterabend, der in ein besseres Jahr führen möge. M. Gr.

Oie Frequenz der Landesuniversitäi.

Don der Pressestelle der Landesunioersität wird uns mitgeteilt:

Die Zahl der Studierenden beträgt im Winter­semester 1932/33 2136. Qm Wintersemester 1931 32 | betrug die Gesamtzahl der Studierenden 2117, im Sommersemester 1932 2198.

3n der Werkstatt der Wmternothilfe.

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3nt *n inei ®*SÄnSW M $W*«h6, vor vielen Mem Ä*« ».«'«Wil « sprechen, denn er "Y Mie, in einer Fülle Ausdruck gebrachten b-r Besiedelung, über Mach! im Landende tums, über den Manch Herrenritter Hinweg, deutsches Land mit i deutsch sein und W der einleitende «atz Problem detz Kamps unumstMche Tatsac hörte von der christ int frühen Mittelalte der kulturellen Enw Einfluß der Mönche, der Leutfchherrenritt Weise dienten, wie sie «Ritter zugleich warer (man denke nur an als ihren sichtbarsten gleichzeitig aber- auc ihresgleichen suchten, jirast wuchs Danzig Reichsstadt wurde, als älter aus der innen

In mehreren Räumen des Parterre-Geschosses der Alten Klinik ist die W e r k st a 11 für die Gießener Winternothilse untergebracht, in der in emsiger Weise an der Versorgung der hilfsbedürftigen Familien mit Bekleidungsstücken gearbeitet wird. Um sich ein Bild von dieser Tätig­keit machen zu können, waren gestern nachmittag die Mitglieder des Finanzausschusses und einige Mitglieder des Werbe- und Sammelausschuffes der Winternothilfe zu einer Besichtigung in den Werk- statträumen vereint. Zunächst wurde das K lei­de r l a g e r aufgesucht. Hier konnte man scststellen, dah aus der Kleidersammlung, die kürzlich in allen Teilen der Stadt durchgeführt wurde, wertvolles Material in vielfältigster Art zusammengetragen worden war. Diese Kleidungsstücke werden, nach­dem sie den Desinfektionsraum passiert haben und erforderlichenfalls in der Nähstube re­pariert worden sind, im Kleiderlager nach Arten geordnet aufbewahrt und von ehrenamtlich tätigen Damen des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins

noch irgenb etwas in dem Bremerwerk zu sagen hat, bekommen wir das Vertrauen der Banken nicht wieder und das ist für einen Kredit unerläßlich, denn ohne Kredite werden wir hier nicht wieder flott."

Er schob Kurt ein dickes Aktenbündel hin. Auf der ersten Seite finden Sie die älebersicht über den Stand unserer Guthaben upd Lasten", erläuterte der Pro.urist.Ich habe mit den Buchhaltern und dem Iustizrat zusammen die ersten Zusammenstellungen gemacht. Sie wer­den allerdings nicht so schnell alles durchprüfen können; aber die Schlußzifsern ergeben immer einen Anhalt. Wir haben eher zu ungünstig alS zu Zünftig geschätzt."

Werden wir denn überhaupt durchkommen?* fragte Kurt mutlos. Tie Zahlenkolonnen waren wie eine Armee feindlicher Soldaten, die gegen ihn anmarschierten.Ich muß mich ja ganz auf Sie verlassen, denn ich verstehe vielleicht etwas von Maschinen und Motoren, aber nichts von Banksachen und Abrechnungen. Alles das muß ich erst unter Ihrer Führung lernen, H:rr Degener. Werden wir das Werl und unseren Namen wie­der in Ordnung bekommen?"

Wir werden es!" sagte Degener stark.GS werden ein paar harte Jahre werden, in denen wir alles aufs äußerste einschränken müssen, denn jeder verdiente Pfennig wird ins Geschäft zurück- fließen müssen, damit wir von den hohen Dank- zinsen loskommen. Aber wir Alten hier vom Bremerwerk, mit Ihnen zusammen das müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir es nicht schaffen würden. Allerdings mit den kostspieligen Gewohnheiten der Damen vom Bremerwerk hier muh es ein Ende haben. Ich möchte Sie bitten, in diesem Sinne mit Ihrer Frau Stiefmutter zu sprechen und mit Ihrer Schwester!"

Ein Klopfen unterbrach seine Worte.DaS wird vielleicht schon Fräulein Hiltrud sein", setzte Degener gedämpft hinzu.

Wirklich war es Hiltrud, die jetzt mit leisem Druß zur Tür hereinkam. Kurt ging Hiltrud höflich entgegen, obgleich er bei ihrem Anblick ein Gefühl der Bitterkeit nicht unterdrücken konnte. Aber ein Blick in das Gesicht der Stief­schwester zeigte deren völlige Verwandlung. Hil- truds Gesicht trug die Spuren schwerer seelischer Erschütterungen; es war bleich von durchwachten Nächten. In den sonst so kalten Augen war ein Ausdruck von Not.

Mit einem leisen Nicken des blonden KopfeS begrüßte Hiltrud die beiden Herren und reichte dann mit einer zaghaften Gebärd« Kurt die Hand.

Du wolltest mich sprechen, Kurt", begann sie leise, und auch ihre Stimme hatte einen anderen, weicheren unb bittenden Klang. Die Herren ver­schwanden taktvoll.

(Fortsetzung folgt.)

brach. Danzig fei in worben, die den Pr Weg in die weite Wi behauptet bei den gri her Personalunion ir wickelten: aber doch | 15. Jahrhundert, und y.o? zu Polen lange schichte ber Stabt, Sa wie ein üerljängnis al verbunden ist. 5m P Danzig; tuMe;

2er Redner sprach Die Handelsherren d< Mittelalters, von Wnner, seien reim

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