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Nr. 25 Zweiter Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesienj

Samstag, 30. lanuar (952

Musiolini.

persönliche Eindrücke von einem Besuch in Rom

Don Herbert von Hindenburg,Gesandten z.D.

Dom, Ende Januar.

Solange zeitgenössische Leidenschaften sprechen, kann menschliche Größe schwer in ch.em richtigen Mähe erkannt werden. Dieses beobachtet man jetzt wieder am Fall Mussolini. Für seine Ge­treuen ist der Duce ein Gott, für einige Jour­nalisten ist erder tolle Hund von Europa", mit welcher Bezeichnung bie Engländer auch einst Rapoleon I. beehrt haben, und em amerikanischer Senator oerstieg sich einst, d. h. vor dem Besuch Gcanbi- in Amerika, zu der Behauptung, daß Mussolini beseitigt werden müsse, damit endlich Friede werde aus Erden! Manche Deutsche wie- derum halten sich über den RituS deS Faschis­mus aus. Sie glauben, daß ein Mann, der Mert auf schwarze Hemden, Alalageschrei und römische Grußform lege, nicht ernst genommen werden könne.

DaS ist alleS abwegig. Mussolini ist kein Gott und nicht toll, er ist ein Mensch von über­ragender Bedeutung, neben der der faschi­stische RituS oder etwaige, von dem Duce sicher­lich nicht gebilligte und jetzt kaum mehr vor­kommende Exzesse faschistischer Rollkommandos nur eine untergeordnete Rolle spielen. Mr müssen begreifen lernen, dah Italien in Musso­lini einen Staatsmann von ganz grobem For­mat besitzt. In PsitznerS Oper Palestrina um* «eben die Geister unsterblicher Musiker den Komponisten und ich kann mir wohl vorstellen, dah Dante, Rienzi, Savonarola. Macchiavclli. Eaesar Borgia, Leonardo da Binci, Julius II.. Rapoleon I-, Garibaldi, von Mussolinimächtig angcAogen werden, wenn er zu später Stunde im Palazzo Benezia für Italien arbeitet. Denn dieser Mann arbeitet immer. Tag und Rächt, in Wort und Schrift, mit so gewaltiger und erstaunlicher Klarheit, Genauigkeit und Schnellig­keit, dah seine Gehilfen chm oft nur mit gröhter Anstrengung felgen können. Aus strenge Prü­fung folgen sofort Entscheidung und Ausführung.

Gröhe Staatsmänner sind nie bequem, sie können e« auch nicht allen recht machen, denn sie halten, ohne sich beirren zu lassen, die Linie, die ihnen ihr GeniuS vorzeichnet. Rur selten sind sie populär, ja der Mut zur Unpopu­larität ist oft eine ihrer hervorragendsten Eigenschaften. Den Hai auch Muffolini. aber trotzdem ist er eine volkstümliche Figur. DaS Dolk weih, dah er i h m gehört, denn er ist auS der liefe der revolutionären Romagna, nach dem Sril in der Schweiz, zur Führerstellung empor­gestiegen. Sr war Sozialist und erst, nachdem er die Hohlheit der sozialistischen Theorie er­kannt hatte, ist er der Autokrat hinter dem Thron geworden, aber er hat daS Elend nicht vergessen, auS dem er sich emporgearbeitet hat. Darum ist Mussolini der Tater der Dauern, Arbeiter. Soldaten und Seeleute und in mo her Hiniicht viel lästiger für die besitzenden Klagen, als eS der alte Liberalismus oder sogar der Sozialismus waren. Er schützt daS Eigentum, weil er seine Rotwendigkeit erkennt, aber er zieht der Habgier scharfe Grenzen.

Ungeheures hat die strenge Leitung dieses neuen Rapoleon schon in Italien geleistet. Straffste Zentralisierung ermöglicht es ihm. über­all fördernd in das Arbeitsgetriebe deS Lande- einzugreifen und die auch in Italien starke Ar­beitslosigkeit zu bekämpfen. Mussolini hat ohne Unterschied von Klasse oder Rasse denStato Corporativo", den Körperschaft-st aai ge­schaffen. um die Wirkung der kapitalistischen Weltkrise, die er längst voraussah. durch mög­lichst breite und streng disziplinierte Berleilung zu mildern. Bergwerke. Fabrilen. Häfen, Werf­ten, landwirtschaftliche Betriebe. Eisenbahnen spüren den Antrieb, der von diesem Mann und feinen Beauftragten auSgeht.Non sostare! ruft Mussolini,sostare c retrocedere!, was

man etwa mitR a st' ich. so rost' ichk" über setzen kann. Italien soll selbständig, toll, soweit möglich, von dem seine Währung schädigenden Tribut befreit werden, den es für Brotfrucht und Kohlen an da» Ausland zu zahlen hat. Daher Ausnutzung der bedeutenden Wasserkräfte und der brachliegenden Ländereien, besonder- in Mittel- und Süditalien Der romantische Zauber der Ruinen und Einöden soll blühendem Wohl­stände weichen. Gegen die Malaria wird erfolg­reich gekämpft wie auch gegen die gefährlichen, den Fortschritt hemmenden Geheimbünde, die fcamorra in Reapel und die Mafia in Sizilien. Ueberall soll geordnete Freiheit herrschen-

Aber Mussolini will höher hinaus. Italien soll sich nicht nur selbst ernähren und Produkte, w.e Wein, Orangen, Hühner. Kunstseide und Schwefel ausführen, eS soll auch in steigendem Mähe Qualitätswaren exportieren und den Wettbewerb mit der Schiffahrt der anderen Länder aufnehmen. Riesenschiffe, wie sie ItalienS We.sten früher nicht hervorc rächten, werden ge­baut und die SchiffSgesellschaften wurden zu einem starken Bunde zusammengefaht. Durch die Krise ist da- Tempo langsamer geworden, aber Wille und umsichtige Organisation erlahmen nicht und halten sich stet- bereit, um bei Besse­

rung der internationalen Lage sofort wieder eingreifen zu können. Das alle- criolgt unter dem Zeichen einer woh.gerüsteten, aber eminent friedlichen Politik Denn aus der inneren Er­starkung ergibt sich die auswärtige Position Ita­lien-. Diese soll stolz und wachsam lein, wie es der Vormacht im Mittelländischen Meer ge­ziemt. 3m allgemeinen kann man lagen, dah Mussolini Italien alS saturiert anlieht und ge­wisse Gelüste, wie zum Beispiel die auf Malta und Korsika gerichteten, zurückweist. Bolle Klar­heit über die Ziele der italienischen Auhenpolitik werden erst die Derhandlungen über die allgemeine Abrüstung ergeben, die nach der Entwaffnung Deutschland- ausschlag­gebende Bedeutung für den Frieden Europa- Haben werden. Auch Mussolini ist für Ab­rüstung und billigt nicht die Ausschlachtung deS potcntiel de guerrc zu nationalegoistifchen Zwecken Und wie er sofort, bedingungslos, die Zu­stimmung Italiens zum Hoovermoratorium auS- fprach. so genehmigte er auch jetzt die eindrucks­vollen Aeuherungen der italienischen Presse zu­gunsten der vollständigen Streichung der politischen Schulden. Da- sollte da- vom Joch der Reparationen und anderer Tri­bute nicbergcbrüdte Deutschland nicht vergelten.

Schluß mit den Reparationen!

Don profefjor Gustav (kastel, Stockholm.

Es muh anerkannt toerben, bah diesmal für die Lösung deS Reparationsproblems, die ja eigent­lich in Lausanne erfolgen sollte, eine wichtige vor­bereitende Arbeit durch die Untersuchung der Zahlung-sähigkeit Deu.jchlandS von selten der Baseler Expertenkommission geleistet worden Ist. Wie gründlich diese Untersuchung auch war, so berührte sie aber nur die eine Seite deS vor­liegenden Problem-, nämlich Deutschland- innere ZahlungSkraft. Die andere, unö unter gegenwärtigen Verhältnissen ungleich wich­tigere Seite, die bisher von jeder eingehenden Prüfung ausgeschlossen war. ist die Frage der Willigkeit und der Fähigkeit der Gläubigerländer. Zahlungen ent­gegenzunehmen. In einem wirklichen Pro­gramm für die Lösung der ReparattonS- und Kriegsschuldenfrage muh klipp und klar dargelegt werden, wie eigentlich die Zahlungen vollzogen werden sollen und wie die Welt­wirtschaft aussehen soll, in der überhaupt für solche Zahlungen Raum ist.

Schon von Anfang an haben vernünftige Wirt­schaftler vor den gefährlichen Wirkungen gewarnt, die einseitige politische Zahlungen in diesem Umsang für die ganze Weltwirtschatt haben muhten. Die machkhabenden Politiker haben aber diese Warnungen als theoretische Berech­nungen ohne praktische Bedeutung zur Seite ge­schoben. Sie haben geglaubt, das Problem auf eigene Faust regeln zu können und sie haben sich vorgestellt, dah Machtsprüche die tiefgehenden wirtschaftlichen.rgel ihrer Konstruktionen aus­gleichen könnten. Der Doungplan suchte die Schwierigkeiten deS Zahlungstransfers dadurch zu beheben, daß er die Lösung dieser Schwierig­keiten einer .Bank für internationalen Zahlungsausgleich" überlieh. Hätte cs sich hier um formale oder banktechnische Schwie­rigkeiten gehandelt, so wäre eine solche Losung wahrscheinlich möglich gewesen. Den wirklichen TranSfcrfchwicrigkciten aber, die alle bisherigen .Regelungen" der Reparationsfrage unberücksich- tigt gelassen haben, muh aber eine rein technische Einrichtung wie die internationale Dank voll­ständig machtlos gegenüberstehen.

Diese Schwierigkeiten sind in der letzten Zeit so überwältigend in Erscheinung getreten und haben der Wellwirtschaft einen so ernsten Scha­den zugefügt, dah diese für den Augenblick bei­nahe lahmgeschlagen ist. Frankreich tut alles, um zu verhindern, dah dieser Zusammenhang

dem Dewuhtsein der Allgemeinheit klar wird. Rach dieser egoistischen Anschauung darf die wirtschastliche Katastrophe, die wir jetzt durch­machen, unter keinen Umständen in irgendeinen Zusammenhang mit den Reparation-- und Kriegsschuldenzahlungen gebracht werden und muh deshalb geschildert werden als eine rein wirtschaftliche Krise von demselben Charakter wie alle früheren, wenn auch vielleicht von ungewöhn­licher Stärke. Man hat sich auf daS äuherste angestrengt, um alle denkbaren Faktoren herauS- zuslndcn, die eine störende Einwirkung auf den Gang der Weltwirtschaft haben konnten, und man hat diese alsogefunbenen Faktoren, die sich oft gegenseitig gröblich widersprechen, zu einem selt­samen Dogma zusammengeschweißt. Mit den Mit­teln solcher Demebclung hat man geglaubt, ver­hindern zu können, dah die Welt die wirkliche Ursache der gegenwärtigen Katastrophe erkennt.

WaS geschehen ist. ist elnsach, dah die Emp­fangsländer sichgewelgert haben. Zahlungen in der normalen Form von Waren und Diensten entgegenzunehmen, und statt dessen ganz abnormeAnsprüche an die Uebergaoe von Zahlungsmitteln ge­stellt haben, die nur al« eine letzte Re­serve für den Ausgleich von klei­neren Restbeträgen der internationalen Zahlungsbilanz berechnet sind. DaS G o l d wäh - r u n g s s y st e m ist damit einem Druck ausgesetzt worden, unter dem es zusammengebrochen ist, genau wie ein Lasttier unter der Bürde einer unverhältnismähig grohen Last.

Der Gegensatz zwischen der Forderung auf Zahlungen und dem Widerwillen gegen die In­empfangnahme von Zahlungen in normaler Form konnte während der ersten Jahre des DawesplanS notdürftig durch umfassende Darlehen an Deutschland überbrückt werden Deutschland- Kre­dit war aber praktisch sehr bald verbraucht. Don dieser Zeit an wurde die Hauptlast der Repa­rationszahlungen auf da« Gold gelegt.

Zu dieser Zeit Witte 1928 Übernahm auch Frankreich das Goldwährungssystem. Dis dahin hatte diese« System in ziemlich befriedigender Weise fungiert, und eine gewisse Stabilität in der Kaufkraft des Goldes konnte ausrechterhalten werden. Frankreich hatte den Ueberschuh seiner Zahlungsbilanz in der Form von schwe­benden Auslandguthaben gesammelt. Rach Mitte 1928 begann Frankreich diese Gut­haben in Gold einzuziehen und verlangte

Noah und die Tiere.

Legende von Ernst Liffauer.

Als Noah in dem gewaltigen Schiffhaufe, das der Ewige ihm zu bauen anbefohlen Halle, auf den Wassern der Sintflut schwamm, führte er mit sich geborgen Tiere von jeder Art paarwcis Löwen und Rehe, Adler und Meisen: Königsschlangen und Hirschkäfer: nur Fische nicht, denn sie hatten Wassers genug, da es beständig zusloß von oben und von unten, und sie vermehrten sich damals reichlicher. Der Kasten war in riesigen Ausmaßen aufgetürmt, etliche Stockwerke über und etliche unter dem Wasser, und die einzelnen wiederum abgeteilt in Baracken und kleine Kojen, auch einzelne Käfige, je nachdem manche mit hölzernen Balken verriegelt, manche mit eisernen Stäben vergittert, und es hatte viel Mühe gebraucht, sie zu zimmern und zu richten. Ein großer Geruch stank durch die Arche, denn die Dünste und Schweiße von so vielen Geschöpfen mischten sich untereinander, und alle die Tiere, wirr­stimmig in ungeheurem Geschrei, kreischten und krähten, grollten und grunzten, muhten und murr­ten durcheinander.-Da hatten Noah und seine Sohne samt ihren Weibern viel Arbeit, das schwimmende Haus zu säubern, und nur ganz selten und stets nur mit einem schmalen Spalt konnten sie lüften, wegen des Regens, und die Tiere mußten gefüttert werden, ein jedes zu feiner Zeit,aber", prach Noah ge­faßt,wir wollen alles geduldig ertragen, denn wir führen das Leben in unserem Schiffe und klein ist die Mühsal, groß die Würdigung".

Die Tiere nun hielten sich soweit ganz brav und friedlich, denn als sie alle im Kasten waren, ver­sammelte Noah sie um sich, Wölfe und Marder, Sperber und Reiher, Kreuzspinnen und Sandwespen, sprach zu ihnen und gebot den Frieden des Ewigen, den Frieden der Arche, den Not- und ölutjneöen, und alle standen still mit gesenkten Köpfen und ruhten mit hangenden Flügeln. Und wohl rumpelte bisweilen eins an die Außenwände und 'Binnen- halten, denn die Zeit ward ihnen lang und die Kraft überschlüssig, und manches war auszubessem, oben­drein zu der übrigen Mühsal, aber sie hielten den Frieden und taten einander kein Leides.

Unter den Tieren war eines, der sogenannte Hornlöwe: dieser gehörte zu einer Gattung, die neben den Tatzen und dem Gebiß der übrigen Löwen einen langen spitzigen Auswuchs an ber Stirn trug, eine Art Stoßzahn, wie er aus dem Maul des Elefanten vorragt, nur daß er hier eben aus dem

Schädel wuchs. Dieser danach Hom- oder auch Stier- löroe geheißen, war das gewaltigste unter allen Tieren der Borzeit. Die Straft rollte und rumorte ihm in Brust und Lenden, juckte ihn im Eingeweide, unO er spürte sie wie ein kitzelndes Ueberftrömen oben am Ende des Stirnhorns, und dieses Tier konnte sein ungestümes Ungestüm nicht einhalten. Immer häufiger und häufiger, zuletzt unablässig, schlug es aushokend mit den Tatzen, stieß es an- laufend mit dem Horn gegen die Holzbalken und Eisenstäbe, und dieser Ton stand kurz, drohend, in kleinem Abstande wiederholt, über dem vielfarbigen Geschrei der andern.

Allgemein verlosch die Buntheit des Geschreis, nacheinander schwiegen die Adler, die Bären, die übrigen Löwen, und selbst die Fliegen hörten auf zu summen, und nun vernahm man nichts als jenen einsilbigen, knappen Donnerschrei, den der Stier­löwe aus seinem gedrängten Halse hochzumurren pflegte, wenn er auf Beute ausfuhr. Und in der Tat, es gelang ihm: die Querbalken splitterten, die Stäbe wichen ein wenig zu Seite, der Stierlöwe stürzte heraus und sein langes Horn stieß durch Gitter hindurch, einem lieblichen Tier in den schlan- ken Leib.

Es war jene Art der Gazellen, die von den Men­schen der Noahzeit die Geschmeidegazelle genannt wurde, denn ihr Fell gleißte in vielerlei warben, silbrig und seeblau, rötlich, wie Weinlaub zu Be­ginn des Herbstes und gelblich wie Kanarienvögel: man sagte, sie allein unter allen Tieren habe die Farben des Paradieses in Reinheit bewahrt, in­dessen die anderen in den Kämpfen und Nöten des irdischen Alltags ihren Glanz verschlissen und ver- stumpft hatten. Wahrend aber noch der Stierlöwe wütig mit dem Horn im Geweide der Geschmeide- gazelle wühlle, lief Noah mit seinem Speer herzu und stach ihn nieder.

Noch eine lange Weile schwiegen alle Tiere, dann erst löste sich ihr Geschrei, aber nun in ungeheurer Wildheit, denn der Stierlöwe hatte getötet, und Noah hatte getötet, und der Friede des Ewigen war gebrochen, der Not- und Flutsriede: sie brüllten ge- wattig, in dem bunten Wust des Geschreis wuch'en die roten und schwarzbraunen Schreie und Murrer und andere, sanftere, schmolzen kleiner, weil sie aus den Schwächeren tarnen, die sich ängsteten. Da be­gannen alle Raubtiere und Raubvogel an den Stäben und Balken, Gittern und Wänden zu reihen und zu rütteln. Hacken der Adler, Stoßen der Ele­fanten, Reihen her Panther erscholl, und leibst die Hirsche liefen unvernünftig den Geweihen an.

das Gehege zu durchbrechen, das sie doch schirmte. Da roaffnete Noah sich und seine Söhne und Töchter mit Speeren und Beilen und ging durch die Arche, in der Rechten ein Schwert, in der Linken einen Speer, an den hatte er ein blutiges Stück von dem hellbraunen Fell des Stierlörocn gebunden und hielt ihn hoch empor; so schritt er durch die Arche, von Stockwerk zu Stockwerk, zwischen den Stoben und Kojen und Käsigen, und dazu sprach er und schwur er:

3d), der Mensch Noah, bin von dem Ewigen eingesetzt, das Leben zu retten aus der Wassernot, die über die Erde gekommen ist, und der Friede des Ewigen, der Not- und Flutsriede, ist eingesetzt. Aber ich schwöre, welches Tier ihn bricht, es auszutilgen mit Beil und Speer, darum habe ich meine Kinder gemaffnet, und mit ihm auszurotten seine ganze Art für alle Zeit, denn auf seinen Augen und Samen steht die Art eines jeden. Und eher soll das ganze Geschlecht der Tiere in Gericht und Strafe unter­geben, als daß nochmals Mord geschieht aus Gier und Gewalt im Hause, welches gebaut ist, den Samen des Lebens zu retten.

So wandelte Noah gelassen, gewaltig schreitend und schwörend, zwischen den Tieren, hoch flatterte her Fetzen aus dem Fell des gefällten Stierlöwen, da erzitterten die Tiger, da erzitterten die Geier, die Ottern erzitterten, der Lärm verstummte, und es ward ganz still in der Arche.

In dieser Nacht schlief Noah zum ersten Male ungeweckt bis an den Morgen. Da aber schien es ihm, daß der Regen nachgelassen hatte, und er ent- sandte in dieser Frühe die Taube zum erstenmal.

Allerlei Pfennige.

Wir werden in allernächster Zeil eine neue Pfennigmünze haben: zu dem alten, guten 1- und 2-Pfennigstück wird sich als dritter im Dunde das 4-Pfennigstück gesellen. Damit wird wohl das Ansehen und der Wert des Pfennigs wieder ge­hoben werden, der in der heutigen Zeit ganz zu Unrecht gering geschätzt wird. Ehedem galt der Pfennig viel, so viel, dah man seinem Ha­men sogar Summen beilegte, die sicherlich viel mehr ausmachten als einen Pfennig nach unserem De griff. Wir denken gewiß nicht mehr an den Pfennig selbst, wenn wir von einemRotpfennig" reden, und derEhrenpfennig'. der noch heute hier und da eingesammelt oder einer angesehenen Persönlichkeit verehrt wird, besteht sicher aus

auch den jährlichen Saldo feiner politischen Zah­lungen in Gold.

Die einseitige Goldanhäufung. die von dicker Zeit an ftattsindet. nimmt nicht nur alle-neue Gold in Anlpruch, sondern bewirkt auch eine direkte Derminderung der monetären Goldvorräte der übrigen Welt. Die Bedeutung dieser Der­minderung bart nicht nur nach ihrer prozentualen Große gemessen werden. Da die Gesetzgebung eine Winimalrescrve a'.s Deckung für die ^Verbindlich­keiten der Zentralbanken fordert, wird diese Re­serve imm obillficrt, da- heißt, jeder Der- wendung entzogen, und eine Derminderung des Goldvorrat- fällt mit vermehrtem Druck auf die freie Goldreserve. Die Folge ist eine Z u | a m menpressung der Zahlungsmittel- Versorgung der betressrnden Länder und ein starker Druck aus die Warenpreise.

Alles Gerede von einer Wirtschaftskrise als Folge eines zufälligen Zusammentreffens einer Unmenge ficincrcr Störungen erscheint im Lichte dieser Analyse als vollständiger Unsinn. Wenn ein starker großer Kerl seinen Finger schädigt, ko bricht er deshalb nicht Aufammcn. Denn man ihn aber eines Drittels feiner Dlutmenge be­raubt, so entsteht Gefahr für fein Leben. Jeder verständige Arzt würde augenbildlich sehen, daß ein außerordentlicher Blutverlust vorliegt, und er würde keinen Augenblick mit der Betrachtung der kleineren Schrammen und Unpäßlichkeiten verlieren, denen der Mann sonst au-gesetzt sein mag. So ist eS jetzt mit der Weltwirtschaft. ES müssen wirklich sehr schlechte Aerzte fein, die nicht sehen können, waS dem Kranken zur Zeit fehlt.

Staat-männische Führung muß verstehen, dah die bisherige Behandlung der Reparationen und Kriegsschulden zu einem unerträglichen Blutver­lust für die Weltwirtschaft ae ührt hat. Sie muh daraus den Schluß ziehen, daß eS nicht nur un­möglich ist, jetzt den alten Weg wcilerzugchcn, sondern dah es auch ebenso unmöglich ist. jemals in der Zukunft ähnliche Wege au beschreiten. Frankreich sucht um jeden Preis die These aufrcchtzuerhalten, dah es sich jetzt nur um eine zufällige Krise handelt. Wenn dem so wäre, so gäbe cs allerdings keine Deranlaksung, jetzt andere Maßnahmen zu er­greifen als einen Zahlungsaufschub. Die These ist aber von Grund auf falsch. Jede Wie­deraufnahme von ReparattonS- und Krieg-schul- denzahlungen, solange nicht bewiesen wird, dah diese Zahlungen in Form von Waren und Diensten entgegengenommen werden, muh zu einer Wiederholung deS jetzt Ge­schehenen führen Darüber hinaus muh das Er­gebnis das nächstemal noch schlimmer werden Jetzt ist die übrige Welt schon derart vom Gold entblößt, daß eS in Zukunft noch unmög­licher wird, ihren Goldvorrat für die Boll- zichung der Zahlungen in Anspruch zu nehmen Ferner kann jetzt keine Rede mehr davon sein, daß die Zahlungsbilanz durch Darlehen an Deutschland ausgeglichen wird, da Deutschland auf den internationalen Märkten keinen Kredit besitzt. Dazu kommt, daß außenstehende Cänber jetzt die Gefahr vollständig durchschauen der sie auSgeseht werden, wenn sie alS Zwischen­glieder für bie Zahlungen bienen müssen Sie werden s i ch in der Folge weigern, dies zu tun und sie haben schon durch erhöhte Zölle und andere protektionistische Maßnahmen ihren bestimmten Witten gezeigt, einen solchen groben Mißbrauch ihrer Märkte und ihrer Kaufkraft zu verhindern. Wenn bie nunmehr verschobene Konferenz in Lausanne über­haupt noch zusammentritt, so muh ihr Leit­gedanke sein daß bie Länder vollstänbig unb für immer ihre For berunge n streichen müssen wenn sie, wie vorauSzusehen nicht gewillt sind, ihre Grenzen für eine freie Wareneinfuhr in einem Umfang zu offnen, der ben direkten Ausgleich der Zahlungs­bilanz ermöglichen kann.

einer Prägemünze, die den Wert eines Pfennia- um das Dielfache überschreitet. Aber noch mehr Pfennige" dieser Art kannte man in früheren Zeiten. Sine Denkmünze nannte manSchau- bfennig zum Zeichen, daß sie nicht Derlehrs- geltung haben sollte, unb wenn man sich einen Z.hrpsennig" mit auf ben Weg genommen hätte im wörtlichen Sinne, fo würden wohl auch die billigen Gastwirte der vergangenen Zeit nicht viel dafür verabreicht haben. Man dachte sich also schon vor alten Zeiten unter dem Begriff

Pfennig" mehr alS feinen wirklichen Wert Der Pfennig hatte es aber auch tatsächlich schwer, einen bestimmten Hkrtbegriff an fein Dasein zu schließen. Rach dem Münzedikt vom Jahre 1559 gingen300 tyrolische Pfennige auf einen Reichsgulden": diese Pfennige wurden auchEtsch- Bierer" genannt. Dagegen hielt zu gleicher Zeit der Kaiser- und Reichsgulden nur 288 lübeckische Pfennige, 252 fränkische, 240 österreichische, 210 rheinische, bayerische und schwäbische. 180 Kon- stanzer, 168 Würzburger, württembergische unb badische. 120 schweizerische Rapvenpfennige Frü­her kannte man auch noch ben logenannien Pfundpfennig", in der Schweiz galt dieser so viel wie der Taler, sonst aber war im allge­meinen der altePfundpfennig" 30 und der neuePfundpfennig" 45 gewöhnliche Pfennige wert. Um die Mitte des 18. Jahrhundert- teilte man die Pfennige meist in leichte und schwere Pfennige ein. Bon den leichten gingen 12 auf einenguten Groschen", von den schweren aber ergab die gleiche Zahl einenKaifergrofchen". Auch im Auslande war der Pfennig bekannt. Der polnische Pfennig galt in Deutschland nut etwa den sechsten Teil von einemguten Pfennig", während man 12 dänische Pfennige im Wert einem sächsischen oder MeißnerDreyer" gleich­stellte.

Ood)fd)ulnad)rid)fen.

Auf die durch ben Weggang bes Prof Dr. W Schirmer an der Universität Tübingen freiwerdende Professur für englische Sprache unb Literatur ist Professor Dr Rudolf Hittmair von der Technischen Hochschule in Dresden berufen worden. Dr. Hittmair, Schüler von Brandl, ßuid unb R Fischer, folgte 1927 einem Rufe als Ordinarius nach Dresden.