Nr 306 (Erlies Blatt
182. Zahrgang
Donnerstag, 2°). Dezember 1952
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und^ür^enAn« zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich m (Biegen.
Wie sehen uns die Andern?
Eine weltpolitische Rundschau unserer Ausländskorrespondenten zur Jahreswende 1932/33
3m Oouauraum.
Don unserem L. 8.-Derichterstatter.
Wien. Ende Dezember 1932.
Die Mittellage Deutschlands, eingekeilt im Westen und im Osten zwischen unversöhnlichen Gegnern, weist die deutsche Politik zwangsläufig nach dem einzigen ihr heute noch offengebliebenrn Ausfalltor im europäischen Südosten hin. Dabei gilt es gleichzeitig für Deutschland, zum mindesten auf wirtschaftspolitischem Gebiete die Aufgaben weiterzuführen und zu erfüllen, die einst die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie hatte. Lange Jahre hinl^rrch hat die mit den Diktatverträgen von St. Germain und Trianon ausgestreute Hast- Saat eine Erfüllung dieser wichtigen und — wie man besonders in den letzten Jahren gesehen hat — für den Donauraum lebenswichtigen Aufgaben Deutschlands verhindert. Trotzdem kann festgestellt werden, dast besonders in jüngster Zeit in der Einstellung der Donaustaaten zu Deutschland und zu den naturgegebenen deutschen Aufgaben in diesem Raume einegewisseWand- lung eingetreten ist. In Bukarest und ebenso in Belgrad, ganz zu schweigen von Budapest, wo das französische Zwischenspiel der Regierung Ka- rolhi nunmehr endgültig erledigt ist, wird immer stärker und immer häufiger die äleberzeugung laut, dast eine enge Zusammenarbeit der Donau st aaten mit dem wiedererstarkenden Deutschen Reich die einzige Möglichkeit ist, um den wirtschaftlichen Verfall im Donauraum aufzuhalten. Die im zu Ende gegangenen Jahre mit besonderer Intensität geführten Verhandlungen über eine wirtschaftliche Reuordnung in diesem Raum haben immer wieder gezeigt, dast j ed e r L ö s u n g s v er s uch ohne Mitwirkung Deutschlands Stückwerk bleiben muh und die Donaustaaten, die vor altem anderen eine Sicherung ihres Agrarexportes anstreben müssen, niemals befriedigen kann.
Mit dem Wachsen der Erkenntnis machte sich aber immer, stärker die Uebcrzeugung geltend, daß Frankreich aus politischen Gründen/um seine Hegemonie im Donauraum fester zu verankern, die Wirtschaftlichen Interessen seiner bisherigen Vasallenstaaten großzügig ü b e r s a h. Diese Erkenntnis mußte zwangsläufig zu einer Entfremdung jener Donaustaaten gegenüber Frankreich führen und mußte ihnen eine Zusammenarbeit mit Deutschland immer mehr als den letzten Ausweg aus der Not der Gegenwart erscheinen lassen. Der im letzten Jahre abgeschlossene rumänisch- deutsche Handelsvertrag, bg* in Paris als eine unfreundliche Handlung gegen Frankreich angesehen wurde, zeigt, in welcher Mchtung die Entwicklung gehen muß, wenn bei einer Neuordnung im öonauraum wirklich in erster Linie und vor allem die Interessen der Donaustaaten s e l b st wahrgenommen werden sollen. Freilich bleibt für Deutschland eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine solche friedliche Zusammenarbeit mit den einzelnen Faktoren im Donauraum vor allem eine absolute Loyalität jener Staaten gegenüber den deutschen Minderheiten in ihren Grenzen. Trägt man in Prag und Budapest, in Belgrad und Bukarest dieser selbstverständlichen deutschen Forderung Rechnung, dann steht zu hoffen und zu erwarten, daß das neue Jahr eine den Interessen aller beteiligten Staaten und Völker entsprechende Entwicklung bringt, nämlich eine engere und intensivere Zusammenarbeit der Donaustaaten in ihrer Ge- temtheit mit Deutschland.
Im nahen Orient.
Von unterem ^-Berichterstatter.
Istanbul, Dezember 1932.
Dast Deutschland im Orient überall beliebt ist, wird niemand bestreiten, der je in diesen Landern gewesen ist. Das Volk, das ja überall noch seine natürliche Frische und Liebenswürdigkeit behalten hat, erinnert sich dessen, daß wir im Weltkriege an der Seite der muselmanischen'Völkergekämpft haben und hat uns diese Waffenbrüderschaft nicht vergessen. Der Politiker weist, daß allein Deutschland von allen europäischen Völkern keine Machtziele im Orient verfolgt, und der Wirtschaftler nimmt gerne die Hilfe der deutschen Techniker und Wirtschaftssachverständigen in Anspruch, weil deutsche Gründlichkeit und deutsche Ehrlichkeit überall gleich begehrt werden. Selbst dort, wo die Machtverhältnisse die Politik in enge Bahnen pressen und die Wirtschaft nach ganz bestimmten Ländern orientieren, geniesten wir daher Sympathien und allgemeine Achtung. Das gilt vor allem für die Türkei, die man ja noch immer als die Vormacht der orientalischen Völker ansprechen kann. Rur ein Ausschnitt aus der Intelligenz, der durch seine Ausbildung i n Frankreich auch eine franzosenfreundliche Einstellung in sich ausgenommen hat, ist nicht gerade deutschfreundlich, während die Mehrheit des Volkes, ja auch die Regierung ausgesprochene Sympathien für Deutschland hegen. Das drückt sich dann aus, daß der Handel mit Deutschland eine bevorzugte Stellung einnimmt, dast die Reuerrichtung von Fabriken mit Vorliebe Deutschen übertragen wird, und dost z. D. die neue Hauprstadt des Landes von einem deutschen Architekten gebaut wird. Die Politischen Beziehungen sind denn auch ebenso
erfreulich, wie das in einer ganzen Reihe von Verträgen zum Ausdruck kommt.
In Syrien regen sich trotz der französischen Oberherrschaft die Sympathien für Deutschland auch wieder stärker, nachdem dies lange Zeit durch die französische Diktatur unmöglich war; galt doch jeder Deutschenfreund entweder als Kommunist oder aufruhrverdächtig. Aber der Zug der Zeit, der überall dazu zwingt, daß auch den sog. Kolonial- völkern — eine Bezeichnung, die der Syrer verabscheut — das Recht auf Selbstverwaltung wiedergegeben wird, läßt hier einen allmählichen Wandel eintreten. Wenn Syrien, dem neuen Verfassungsentwurf entsprechend, nächstes Jahr ähnlich wie das Irak selbständig wird, durfte sich das weiter auf den deutschen Handel günstig auswirken.
Im Irak, bei dem wir jetzt eine Gesandtschaft unterhalten, die mit einem unserer fähigsten Diplomaten besetzt ist, haben wir von jeher rege Sympthien genossen, und zwar bemerkenswerterweise sogar mit dem Einverständnis der Engländer, die bisher die Schutzherren dieses Landes waren. Eine Beteiligung an der Ausbeutung des Mussolöls und die Leitung der archäologischen Ausgrabungen im Lande lassen hoffen, daß hier sich
unsere Stellung in Zukunft noch bedeutend bessern wird. Das gleiche kann man für Palästina Voraussagen, das in diesen schlechten Zeiten sogar eine regelrechte Konjunktur erlebt hat. Die Krise, die anderswo Vermögen vernichtet hat, hat nämlich dazu geführt, daß dieses Land plötzlich einen Zustrom von Kapital gehabt hat, der gewiß in normalen Zeiten lange hätte auf sich warten lassen. Das ist vor allem dem tüchtigen deutschen Element unter den Siedlern zugute gekommen.
In Persien haben wir unser« Stellung gut behaupten können. Noch immer sind zahlreiche Deutsche in maßgebenden Stellen beschäftigt. Die Wirtschaftskrise hat allerdings das Land schwer hcimgesucht, so daß der Handel wohl noch beträchtliche Zeit hindurch darunter leiden wird Interessant ist endlich, daß wir auch mit den Wahabiten m gute Beziehungen gekommen sind; wir haben in Djedda seit einem Jahr einen Konsul, der es mit Geschick und Takt verstanden hat, uns auch mit diesem Land« in gute Beziehungen zu bringen. Es ist also zu hoffen, daß nach der Behebung der Wirtschaftskrise wir auch hier, wir überall, wieder gut vorankommen werden.
Unter Sichel und Hammer.
Von unserem n.-Derichterstatter.
k Moskau, Ende Dezember 1932.
Eine Tatsache aus dem Alltag des heutigen russischen Dorfes mag die innere Haltung der ganzen Sowjetunion zu Deutschland charakterisieren: Eine Sprachlehrerin äuf dem Lande kann sich nicht mehr retten vor Anforderungen der russischen Dauern- jugend an ihren Deutschunterricht. Bis auf viele Monate hinaus ist sie von früh bis spät mit deutschen älnterrichtsstunden be.chäftigt. älnd das auf dem Lande! Die Kenntnis des Deutschen gilt im Sowjetstaat alsbesteSchulbildung und Erziehung schlechthin. Die meisten fremdsprachigen Bücher sind deutsche. Deutsch ist an den Schulen — und es gibt nur staatliche — eines der beiden Zwangsfächer. Französisch, früher so sehr gesucht, ist heute beinahe verpönt. Eher schon lernt der Russe heute englisch. Aber die einen lernen Deutsch und Englisch zur Bereicherung ihres Wissens, die anderen, um — wie in einem neuen Sowjetroman ein Jungkommunist phantasiert — den Deutschen und Engländern, wenn bei ihnen einmal die Weltrevolution gekommen ist, von den Erfolgen des Bolschewismus in Rußland berichten zu können.
Daneben freilich gilt Deutschland im Sowjetstaat schlechthin als das volle n d e t e M u st e r technischen Wissens und Könnens, besonders in der Feinmechanik, ein Arbeitsgebiet, das dem Durchschnittsrussen ebenso viel ehrliche Be
wunderung und Begeisterung einflöstt, wie es ihm selber nicht liegt
Lind in der Politik? Run, viel weiß die Bevölkerung nicht vom Ausland. Die deutsche Innenpolitik freilich kennt sie ausführlich — in kommunistischer Darstellung, versteht sich —. Der Kreml freilich weiß besser Bescheid, und ohne Deutschland wäre seine ganze Diplomatie aufgeschmissen, „toir lieben Deutschland, nur mußte es auch zur Sowjetunion gehören", sagte kürzlich ein Sowjetpolitiker im kleinen Kreise scherzend, aber doch nicht ohne Ernst. Es ist wie mit den Franzosen gerade jetzt: Mit der Regierung verhandelt man über einen Richtangriffsvertrag, zugleich aber ernennt eine staatliche Sowjetmühle einen bekannten französischen Kommunisten zum „Ehrenmüller", ähnlich wie Thälmann Ehren-Rotarmist wurde, während die Kremldiplomatie mit Deutschland Europapolitik macht... Trotzdem: vor Deutschland haben Regierungen und Bevölkerung gleicherweite .alle Hochachtung". Cs ist so klein — und doch größer als viele andere Staaten und Völker. So etwas erfüllt den Russen mit ehrlicher Zuneigung. Lind wenn er irgendwo und bei irgendwem etwas lernen möchte, dann natürlich bei den Deutschen. „Das sind Mo- lodzy!", sagt man, was soviel heißt: Das sind doch noch Kerle!
Knegssaiisaren im Reich des Weißen Adlers.
Don unserem ^.-Berichterstatter.
Warschau, Ende Dezember 1932.
Auch an dieser Jahreswende muß ungeachtet der Tatsache, daß in das alte Palais Brühl am Sächsischen Platz in Warschau ein neuer Außenminister eingezogen ist, die Feststellung gemacht werden: In der polnischen Politik Deutschland gegenüber ist keine Aenderung erfolgt. Za- teski hat am Vortage seines Rücktritts diese Politik kurz so gekennzeichnet: „Polen steht unerschütterlich auf dem Standpunkt der Friedensverträge und verlangt deren restlose Erfüllung. Die Festigung des Friedens und die Erhaltung der gegenwärtigen Grenzen sind die Hauptforderungen unserer Außenpolitik. Hinter ihnen steht das ganze polnische Volk ohne Ausnahme. Ihnen kann keine Regierung, kein Außenminister untreu werden, oder er verrät die helligsten Interessen des Volkes."
Für Polen gibt es keine Revisionsfrage. Die von Deutschland aufgeworfene Frage einer Grenzrevision, namentlich der deutsch-polnischen Grenze, ist für Polen „unter keinen Um- ständen, in keinerlei Hinsicht und zu keiner Zeit" Lis.ulab LCbg ei h gerade in maßgebe dsten Kr i= sen die Lleberzeugu.cg begeht, Deutschland werbe weiterhin „das Zerstörungswerk an Versailles fortsetzen" und die allgemeine Wirtschaftskrise dürfte die Auflockerung uej Versailler Vertrages eher begünstigen, so wird dennoch nichts versäumt, der Oeffentlichkeit durch allerlei Kanäle in folgerichtiger, oftmals sogar hemmungslos anmutener Weise einzuträufeln, daß die Rach- kriegsverträge, insonderheit der Vertrag von Versailles, Ewigkeitsgehalt besitzen, unantastbar und unabänderlich sind. Das ist ein unumstößliches Axiom, auf em die Unabhängigkeit es polnischen Staates aufgebaut ist...
Um Deutschland am Aufbau einer militärischen Machtposition zu hindern, erblickt Polen in dem Versailler Grundsatz der Ungleichheit eine Garantie seiner Sicherheit: Je länger die Ungleichheit, desto dauerhafter er augenblickliche Zustand. Darum besteht die wichtigste Aufgabe der polnischen Außenpolitik in der Abwehr der deutschen Revisionsbestrebungen, ganz gleich w
welcher Gestall sie zum Ausdruck kommen. In dieser Zielrichtung liegt beispielsweise der Nichtan ° ariffsoertrag mit Sowjetrußland, der hier mit besonderer Genugtuung als Stärkung eigener Position gegen Deutsch'and gebucht wird. Eine kriegerische Auseinandersetzung mit Deutschland gilt in Polen als unvermeidlich. In dieser H.nsicht gibt es zwei Trostthesen. Die eine: Je schneller diese militärische Ausein- airdersetzung kommt, desto günstiger er Ausgang. Die zweite: Je später der Krieg mit Deutschland, d e st o schwächer die Lebendigkeit des deutschen Gedankens an die verlorenen Gebiete. Indessen herrscht heut« die von einem innigen Wunsch getragene Meinung, daß infolge des innerpolitischen Chaos das Reich geschwächt und die „deutsche Gefahr" geringer ist. Nicht zuletzt wird auch in weiterer Folge die Loslösung von dem wirtschaftlichen Einfluß Deutschlands angestrebt. Der neue Zolltarif bietet der Regierung eine ausgezeichnete Handhabe, dieses „Befreiungswerk" wirkungsvoll fortzusetzen.
Oie Spannung an der Adria.
Wieder ein venezianischer Löwe in Dalmatien ze. stört.
Rom, 29. Dez. (SU.) Das halbamtliche „Gior- nate d' Italia" veröffentlicht eine weitere briefliche Meldung aus S p a I a t o, der zufolge am 21. Dezember im Dorfe Sini in der Rähe von Spalato wiederum ein venezianischer Löwe zerstört toure. Ein Soldat in Uniform soll im Angesicht er Wache den Markuslöwen, er an der Mauer eines jetzt als Kaserne bienen» en Gebäudes angebracht toar, mit einem Hammer beschädigt haben. Tags daraus habe der Gemeinderat den Löwen unter dem Vorwand der sicheren Aufbewahrung in ein Magazin entfernen lassen. Der eimit beauftragte Gemeindebeamte habe dabei solchen Eifer gezeigt, daß er die schwere Steinplatte fallen ließ, wobei sie in Trümmer ging.
Deutschliationale Forderungen zur Erhaltung des Mittelstandes.
D e r I i n, 28. Dez. (Sil.) Die Mitteilungeen der Deutschnationalen Dollspartei fahren mit der Veröffentlichung er auf der letzten Vorstands- sihung er DRVP. angenommenen Richtlinien für die Behebung er deutschen Rot fort und bringen die folgenden deutschnationalen Forderungen zur Erhaltung des Mittel" st a n d e s.
Der durch das sozialistische System verursachte Wirtschaftszersall hat auch die gesündeste und notwendigste Wirtschaftsschicht, die der selbständigen kleineren und mittleren Betriebe der Landwirtschaft, der Industrie, es Handels und des Handwerks, sowie die freien Berufe ergriffen. Mit der Vernichtung der mittel- ständischen Wirtschaft zerstört dieser Prozeß die Fundamente des gesamten Wirtschaftsbaues. Die ilrsachen der Rotlage sind'die Vernichtung des Betrieb s- kapitals und der Reserven durch die Inflation, die Zerstörung der Rentabilität, die Abwertung der Reolvermögen und die dadurch wachsende Verschuldung und Zinslast als Folgen der finanziellen ileberbc- lastung der Betriebe und der Deflations- Politik.
Wichtigste Forderungen s nd dcller: Wiederherstellung einer ausreichenden Rente durch Abbau der Belastungen und ge- sune Preisgestaltung, ferner nationale Kapitalbildung, Regelung der Schu'.dverhältnisse und des Schuldend ienstes und Wiederherstellung der Werte des Realvermögens. Rentabilität und Kapitalbildung sind gleichzeitig Voraussetzungen für eine bleibende Senkung des Zinsfußes und für eine befriedigende Lösung der Lohnfrage, sowie für die Sicherung der sozialen Fürsorge.
In einer dem Reichskanzler am 24. Oktober 1932 überreichten Denkschrift über Maßnahmen zum Schutze des gewerblichen Mittelstandes von Industrie, Handwerk. Handel, Gewerbe undHaus- besih hat die Deutschnationale Vollspartei eingehende Vorschläge für ein umfassendes Hilfswerk an die Reichsregierung gelangen lassen. Darunter sind zu nennen: La- stensenkung bedingt eine Steuerreform, die die Besteuerung nach dem Ertrage und nicht aus dem Vermögen zum Grundsatz erhebt. Die Deutschnationalen schlagen die sofortige Senkung der Hauszins st euer aus die Hälfte, die Einbeziehung der restlichen Hälfte mit 30 v. H. in das System der Steuergutscheine und eine Verkürzung der Frist bis zur völligen Abschaffung der Hauszinssteuer vor zwecks Belebung des Baumarktes. Der Umbau der Filialsteuer und die Erleichterung der Umsatzsteuer sollen die wirtschaftlich geschwächten Betriebe vor Zusammenbruch bewahren. Ferner ist der gewerbliche Mittelstand vor der unlauteren Konkurrenz der werbenden Betriebe der öffentlichen Hand und der öffentlichenRegiearbeitzu schützen. Eine alte deutschnationale Forderung ist die Beseitigung der ©teuerptibilegien derartiger Betriebe. Die Konsumvereinsbewegung ist aufzuhalten, Handelspolitischer Schutz gegen Unterbietungen und Schleuder- konkurrenz des Auslandes zu gewähren. Die Ausfuhr ist durch steuerliche Maßnahmen zu fördern, die Einfuhr zu erschweren. Vor altem ist aber dafür Sorge zu tragen, daß die Kredit- n o t der mittleren und kleinen Betriebe alter Wirtschaftszweige behoben und ihr Betriebsmittelbedarf zu mäßigen Zinssätzen befriedigt wird. Hierher gehört auch die Schaffung eines Entschuldungsplanes lür mittel ständische Betriebe aller Zo.ige mit Vollstreckungsschuh und Konsolidierung kurzfristiger Schulden unter tragbaren Bedingungen. Endlich wiederholen wir die Forderung nach einer ausreichenden Vertretung für den gewerblichen Mittelstand in der Reichsregierung.
Oer Mord an dem
SA -Truppsührer Deutsch.
Dresden, 28. Dez. (TU.) Am Dienstag hatten Canbtagsabgeorbnete verschiedener Parteien in ber Angelegenheit bes ermordeten SA.-Mannes Hentsch beim Justizminister Dr. Mansfeld und beim Innenminister Richter vorgesprochen. Beide Minister sicherten den Abgeordneten streng st e und beschleunigte Durchführung ber Untersuchung zu. Einzelheiten über das Verfahren und die bisher gemachten Ermittlungen konnten aber die Minister angesichts der Gefährdung der Untersuchung nicht geben. Unter dem Verdacht des Mordes an dem SA -Truppführer Hentsch stehen der SA.-Sturmführer Schenk, der Hentsch am 4. November spät abends an einen bestimmten Platz bestellt hatte, sowie der 22 Jahre alte SA.-Mann und Telegraphenbauhandtoerker Fränkel aus Dresden und der 22 Jahre alte berufslose SA.-Mann W o i c i k aus Dresden. Alle gehörten dem Nachrichtensturm ber Dresbener SA. an unb verschwanden nach ber Tat ins Auslanb. Dazu wirb von ber sächsischen Staatsregierung folgenbe Erklärung veröffentlicht: Nachdem nunmehr die Leiche bes ermorbeten Nationalsozialisten Hentsch geifunben worden ist, wird ber Oeftentlichkeit zur Vermeibung von irrigen Auffassungen mitgeteilt: Die- Staatsanwaltschaft hat unmittelbar, nachdem ihr die Akten, die bis dahlli das Kriminalamt in Verwahrung hatte, am 18. November zugegangen waren, mit Nachdruck die Ermittlungen betrieben, auch Haftbefehl gegen die vermutlichen Täter erwirkt und


