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29.11.1932 Erstes Blatt
 
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ür. 281 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©bergen)

Dienstag. 2). November 1932

Chile im Goldrausch.

Don unserem Dr. E. ^.-Berichterstatter. <

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Santiago. Oktober 1932.

Zwischen der wasserlosen Salpeterwüste im Dorden von Chile und dem fruchtbaren Langstal liegt die Provinz C o a u i m b o, die der Chilene der Hauptstadt gern denKleinen Dorden im Gegensatz zumGroßen Dorden" des Sal- petergebietes nennt. Es ist die Gegend, wo die Diederschlagsmenge langsam zu steigen anfängt, aber noch nicht die Hohe erreicht, um einen geregelten Ackerbau zuzulassen. Daraus ergibt sich das eigentümliche Bild dieser Landschaft, die grauen, im Sommer dicht mit Staubwolken verhängten dürren Berghänge, aus denen Ge­strüpp nur mühsam fortkommt, dazwischen Täler mit Flüssen, die im Sommer häufig austrocknen, die aber immerhin noch soviel Wasser enthalten, um eine künstliche Bewässerung erlauben. Die Regierung Ibanez hatte sich sehr be­müht, diese günstige Lage durch die Anlage ge­waltiger Staudämme hoch im Gebirge zu ver­bessern. Dort sollte das Wasser der winterlichen Diederschläge aufgefangen und sorgfältig über das ganze Jahr verteilt werden, und so eine Obst­kultur größten Ausmaßes ermöglichen. Die Welt­wirtschaftskrise hat diese Pläne zerstört, die An­leihen versagten, die Arbeiten muhten einge­stellt werden. 3m selben Jahr 1930 erlebte die Landwirtschaft, einen Preisrückgang sonderglei­chen, und um das älnglück vollzumachen, entließen die Salpeterwerke im Dorden die jungen und kräftigen Männer, die dort als Sachsengänger «inen schönen Berdienst in ihre kärgliche Heimat mitzubringen pflegten. Das Elend des kleinen Dordens war unbeschreiblich, Handel und Wandel stockten, der Hunger herrschte in diesem Gebiet.

Seit einem halben Jahr hat sich diese Lage vollständig verändert, so daß gerade diese Gegend heute am besten in der ganzen Republik dasteht. die Arbeitslosigkeit ist ver­schwunden, Handel und Wandel blühen, eine fieberhafte Tätigkeit hat die Bevölkerung ergrif­fen. Es ist keine Veränderung der klimatischen Verhältnisse eingetreten, der Goldrausch hat alle Welt ergriffen. Seit den ältesten Zeiten ist Chile wegen seines Goldreichtums bekannt gewesen, aber es war niemals das Gold wie es m Kalifornien oder Australien vorkam, in großen Goldklumpen, die die Phantasie anreizen durch den mühelosen Gewinn märchenhaften Reichtums. Das chilenische Gold ist in geringen Pro­zentsätzen in dem Sande der aus dem Hochgebirge berunterbrausenden Bäche und Flüsse enthalten, und nur langwierige, müh­same Arbeit läßt täglich ein bis zwei Gramm gewinnen, also nach deutschem Gelde 35 Mark.

Die Kursentwicklung hat nun die Grund­lagen der Rentabilitätsberechnung für die Goldge­winnung vollständig verschoben. Der Zusammen­bruch des Außenhandels auf Grund der Ueberpro- duktion in der ganzen Welt in Kupfer und Stick­stoff ließ, den, chilenischen Peso im Jahre 1932 a p_L

ein Achtel seines ursprünglichen Wer­tes sinken, ohne daß im Innern eine entsprechende Preisentwicklung für die landwirtschaftlichen Er­zeugnisse und vor allem für die Arbeitslöhne hätte folgen können. Die große Arbeitslosigkeit von 120 000 Menschen, in diesem menschenarmen Lande mit den gewaltigen unausgenützten Flächen eine unermeßliche Katastrophe, ließ 1931 die Löhne auf einen Bruchteil von denen des Jahres 1929 sinken, und auch 1932 konnten die jenes hochkonjunktur- jahres nur knapp erreicht werden, aber wohlgemerkt in den entwerteten Pesos, nicht in Gold. Das be­deutet, daß heute Gold in Chile den acht­fachen Kauf wert hat oergl.chen mit den Ar­beitslöhnen, als vor drei Jahren! Aus diesem Um­stande allein ergibt sich der Goldrausch, der vor allem die nördlichen Provinzen erfaßt hat. Dazu kommt, daß Gold von Markt und Krise unabhängig ist, ohne Schwierigkeiten verkauft wird, ja daß die Nachfrage niemals das Angebot erreichen kann.

Rechnet man damit, daß ein Arbeiter am Tage ein Gramm Gold auswaschen kann, so würde er dafür heute 16 Pesos von der amtlichen Minenauf- sichtsstelle bekommen, von den Goldaufkäufern sogar das Doppelte. Bedenkt man dagegen, daß der Ar­beitslohn in der Industrie um acht Pesos pro Tag schwankt, in der Landwirtschaft sogar noch bedeutend niedriger ist, so versteht man den Andrang zu den Goldwäschereien. In den letzten Monaten sind etwa 40 000 Menschen allein in der Provinz Coquirnbo in den Goldwäschereien unteraekommen, besonders viele in der Gegend von Jllapel. Wieder stehen die Arbeiter wie in den Zeiten der Spanier an den Bächen und Wasserläufen und waschen von mor­gens früh bis abends spät, unermüdlich. Sklaven des gelben Metalles.

Ist dieser Zustand nicht eine furchtbare Mah­nung für ganz Südamerika? Wenn die Welt­wirtschaftskrise nicht bald vorübergeht, so sinkt der ganze Kontinent in jene Zeit zurück, wo die brei­ten Massen der Bevölkerung in furcht- barstem Elend lebten. Das, was für die Spanier das Merkantilsystem und die staatlichen Verbote gewesen sind, das heißt heute Devisen­vorschriften und Wechselkurs, was damals der Goldhunger des spanischen Mutterlandes war, sind heute die ungeheuren finanziellenVer- pflichtungen an das Ausland, in erster Linie an die Vereinigten Staaten. Was bedeutet es aber, wenn Südamerika in die kolonialen Ver­hältnisse zurücksinkt? Wir sind es heute überall gewöhnt, daß die Produktionsmaßstäbe trotz der erhöhten Bevölkerung, trotz der gesteigerten tech­nischen Leistungsfähigkeit hinter deuen vom Jahre 1900 zurückbleiben, daß alle Staaten der Erde unter der Arbeitslosigkeit seufzen: aber für die großen Industriestaaten bedeutet das eine vor­übergehende Entbehrung, für Südamerika bedeutet es das. Ende einer Kultur. Derkleine Dorden" Chiles ist noch günstig daran, er hat noch Gold, und fein Goldrausch ist nur das Anzeichen dafür, wie tief sein Lebensstandard gesunken ist, um LiMn^ Rausch auszulösen.

Hessischer Landesverein vom Noten Kreuz und Aiice-Verein.

WSD. D a r m st a d t, 27. Dov. Die ordentliche Hauptversammlung des Hessischen Landes­vereins vom Roten Kreuz, die Sams­tagvormittag ftattfanö, war außerordentlich gut besuch?. Präsident Geheimrat v. Hahn hieß die Vertreter der Behörden, die Mitglieder, Aerzte. Vertreter der Kolonnen usw. willkommen. Der Geschäftsbericht, der gedruckt vorlag, wurde in großen Zügen erläutert.

Der wert der ausgebildeten- Truppe zur ersten Hilfe fei erfreulicherweise immer mehr erkannt worden, so daß eine Reihe neuer Sanitätskolon­nen entstehen konnte. In den Zweigoereinen und Sanitätskolonnen wurde im letzten Jahre intensive Arbeit geleistet.

Im Jahre 1931 waren 16 Krankenkraftwagen in Betrieb. Cs wurden 9767 Krankentransporte und 17 310 Hilfeleistungen ausgeführt. Das Jahr 1932 brachte eine erhebliche Steigerung der Leistungen. Es wurden von 19 zur Der» fügung stehenden Krankenlraftwagen 10 379 Kran­kentransporte und 19 297 Hilfeleistungen ausgc- führt. Besondere Sorgfalt wurde der Ausbildung der Kolonne im Gasschutzdienst gewidmet. Die finanzielle Leistungsfähigkeit wurde durch die wirtschaftliche Rot schwer getroffen. Um so an­erkennenswerter ist cs, daß verschiedene Kolon­nen sich, wenn auch mit einfachen Mitteln, eigene Heime geschaffen haben.

Dach kurzer Aussprache erstattete Finanz- direltor Linden st ruth den Rechenschafts­bericht des Schatzmeisters. Der Vermögensbestand konnte einerseits erhöht werden, anderseits hat sich allerdings die Dotzeit namentlich dadurch ausgewirkt, daß

der kreis der Spender zurückgegangen ist.

Dem Vorstand, dem erweiterten Vorstand und dem Schatzmeister wurde Entlastung erteilt. Cs wurden dann e Ersatzwahlen zum Hauptvorstand vorgenommen, und zwar wurden einstimmig die Herren Oberkirchenrat Dr. B ü ch l e r , Generalkonsul Mayer, Regierungs­rat Schäfer, Ministerialrat Heyl wieder­gewählt. In den erweiterten Vorstand wurden für Dr. Simmet-Birkenau Kreisdirektor Pfeif­

fer, für Beigeordneten Ploch-Butzbach Kolon- nenführer Bellinger- Alsfeld, für General­direktor Bonhard-Worms Major v. Gusted- Worms gewählt. Der Voranschlag 1932 33 wurde einstimmig angenommen. Der Versammlungsleiter regte u. a. an. daß eine enge Zusammenarbeit zwischen Kolonnen und Zweigvereinen stattfinden möge.

Am Nachmittag fand die Sitzung des Landes- ausschujsesdeshessifchenRotenKreu. z e s statt, die von dem Präsidenten Geheimrat von Hahn geleitet wurde. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß

die Arbeitsgemeinschaft des hessischen Landes­vereins vom Roten kreuz mit dem Alice-Frauen- verein, der jetzt neun Jahre besteht, sich auch in den beiden letzten Jahren bewährt hat.

Im Jahre 1930 flössen dem hessischen Roten Kreuz 16 300,76 Mark zu, wovon 3548,29 Mark an das Deutsche Rote Kreuz nach Berlin abgeführt wur­den. Im Jahre 1931 betrug der Anteil des hessi­schen Roten Kreuzes 13 508,57 Mark und es wur­den 3001,93 Mark nach Berlin gesandt. Im Jahre 1932 ist die Einnahme weiter zurückgegangen, sie betrug 11 428,81 Mark, die Ablieferung nach Ber­lin 2616,11 Mark. Nach den angeführten Zahlen kann man an nehmen, daß die Gesamtsumme, die den Rotkreuzoereinen in Hessen an den Rotkreuz­tagen zugeflossen ist, im Jahre 1930 54 000 Mark, im Jahre 1931 45 030 Mark, im Jahre 1932 38 090 Mark betrug. Auch in diesem Jahre werde die Winterhilfe mit den auf Anregungen des hes­sischen Roten Kreuzes 1930 zusammengeflossenen Landesverbände der freien Wohlfahrtspflege durch­geführt. Im ganzen wurden in Hessen bis 31. März 1932 Werte von zusammen 571 500 Mark für die Winterhilfe gesammelt. Präsident von Hahn schloß mit warmen Worten des Dankes an alle, die ihre Kräfte zum Wohl der notleidenden Mitmenschen eingesetzt haben.

In der folgenden Aussprache berichtete Frau Profesior Kramer (Gießen) über Winternot- hilfearbeit in Gießen, woran der Alioe- Frauenoerein maßgebend beteiligt sei. Die R e ch - nungsablage und der Voranschlag für 1932/33 würben einstimmig angenommen. In

den Alice-Frauenverein wurde für den verstorbenen Dr. Darapski (Mainz) Dr. Müller (Mainz) für Frau Kreisdirektor D r a u d t (Alzey), Frau Baro­nin von Gemmingen (Bingen) gewählt. In den Vorstand des Landesausschusses des hessischen Roten Kreuzes wurde für Reichsbankdirektor Müller Bankdirektor Brink, für Kaufmann Stemmer Polizei ob erst Schröder, für Beigeordneten Ploch (Butzbach) Pfarrer Laut (Nidda), für Direktor

Bonhardt Fabrikant Dalkenberg (Wonms) ge­wählt.

Polizvioberst Schröder sprach sodann über die Beteiligung der Rotkreuzveveine am

Gasschutz und zivilen Luftschutz.

Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Mit Worten des Dankes schloß Ge­heimrat von Hahn die Landesausschußsitzung.

SJL-tfpont

Derbandöspiel-Ergebniffe aus dem Gau Gießen-Wehlar.

Dezirksklasse II: Biskirchen SC. Wetzlar 6:2 (3:2); Steindorf Burgsolms 0:3 (0:2;; Weilburg Disfenberg 1:5; Lollar Leih­gestern 8:8 (5:1); Steinberg 1900 Gießen h ausgefallen; Butzbach Ettingshausen 6:0 (3:0).

Gauklassel: Ulm Hirschhausen 15:0; Holzhaufen Allendorf 3:0 (1:0); Stockhausen Merenberg 4:0 (1:0); Weilburg 11. Löhn­berg 11. 3:2 (2:1); SC. Wetzlar 11. Herrnann- ftein 1:5 (1:3); Wetzlarer SD. 111. Dauborn 1:4 (1:1); Werdors Burgsolms II. 2:1 (0:0); Lich DsD. Gießen lh. ausgefallen; Butz­bach 11. Großcn-Duseck 6:3 (1:1): Garbenteich 1900 Gießen IIi. ausgefallen; Heuchelheim Wieseck ausgefallen.

©autlaffe 1 1 : Hasselbach Odersbach2:3 (0:2); Arborn Waldhaufen 6:0 (0:0); Laubus­eschbach Wirbelau 1. 4:3 (2:2); Stockhausen 11. Holzhaufen II., Holzhaufen nicht angetreten; Werdors 11. Bechlingen 2:3 (0:3); 1900 Gie­ßen IV. Bieber 2:1 (1:0); Butzbach 111. - Steinberg II., verlegt; Mufchenheim Dieder- Weifel II., verlegt; Donnenroth Weickarts­hain 3:1 (1:0); Flensungen II. Ruppertsburg, ausgefallen.

Handball der Sp.-Dg. 1900.

1900 I Polizei Ruhbach I 5:5 (4:2).

Die erste eigentliche Ueberraschung in der dies­jährigen Handballsaison: die 1900er trotzen den Butzbacher Polizisten ein Unentschieden ab! Das Er­gebnis entspricht dem Spielverlauf. Mit dem Wind als Bundesgenossen waren die Spieloereinigungs- leute sofort tonangebend. Sie gingen mit einem durch den Mittelstürmer Betz verwandelten Straf- wurs in Führung. Bald darauf erhöhte der gleiche

Spieler durch schönen Flachball auf 2:0. Die Gäste holten kurz darauf ein Tor auf, konnten jedoch nicht verhindern, daß die Platzbesitzer weiter überlegen blieben und dies bis zum Seitenwechsel durch je ein Tor von A u er und Herbert 1 zum Ausdruck brachten Allerdings konnte bis dahin der gefährliche Butzbacher Stürmer Becker den 1900er Hüter zum zweitenmal überwinden.

Nach Halbzeit hatten die 1900er nun einen fchwe- rcn Stand. Es wollte zunächst nichts rechtes ge­lingen, wohingegen Butzbach immer mehr aufbrebte. Mit meist sehr raffiniert angebrachten Bällen holten die Gäste nicht nur auf, sondern gingen sogar 5:4 in Führung. Lobenswerter Weise versuchten die Blauweißen immer wieder, das Ergebnis zu ver­bessern. Es wurden verschiedene gefährliche Würfe angebracht, einigemal war die Querlatte der Retter. Drei Minuten vor Schluß wurden die Bemühungen von Erfolg gekrönt: der Mittelläufer Schott war durchgebrochen und erzielte durch kraftvollen ge­nauen Wurf den Ausgleich Neben den bereits ge­nannten Spielern der Gießener Mannschaft ver­dient noch'das Schlußdreieck mit Enders, F i - scher und B i r k e n st o ck genannt zu werden. Schiedsrichter Bauernschub Halle das bis zu­letzt in flottestem Tempo durchgeführte Spiel stets in der Hand.

1900 II O5L. I 1:2 (0:1).

Das Spiel begann infolge Ausbleibens des an* gefetzten Schiedsrichters mit saft einftünbiger Per- spätung. Das wirke sich für Die 1900er insofern nachteilig aus, als dadurch auf Mittelstürmer und Mittelläufer verzichtet und das Treffen mit zehn Mann bestritten werden muhte. Das Spiel war ausgeglichen. In technischer Hinsicht wurde nichts Besonderes geboten. Der OSC. stellte die körperlich stärkere Mannschaft. Der 1900er Sturm konnte sich nicht recht durchsetzen und vergab kurz vor Schluß sichere Ausgleichschancen.

Wirtschaft.

Oer Abschluß der Opel-AG.

Frankfurt a. M., 28. Dov. Die Adam Opel AG., Rüfselsheim-M., erzielte im Geschäftsjahr 1931 einen Bruttogewinn von 11,35 (12,49) Mk., dem Handlungsunkosten von 8,45 (10,49) Mk., soziale Abgaben von 1,28 (1,30), Steuern von 1,12 (2,38), Zinsen von 0,67 (0,88) und Abschrei­bungen von 3,22 (7,19) Mill, gegenüberstanden. Somit ergab sich ein Verlust von 3,38 Mill. Mk., der nach den Beschlüssen der am 17. Dovember abgehaltenen Generalversammlung einschl. des vorjährigen Derlustvortrages von 12,19 Mill. Mark in Gesamthöhc von 15,57 Mill. Mk. vor­getragen wird. .

Dach dem Geschäftsbericht haben sich die 1,8- Liter-Personen- und -Lieferwagen bisher erfolg­reich eingeführt, ebenso auch die Blitz-Last­wagen, für die, insbesondere von ausländischer Seite, schärfste Konkurrenz bestand. Auch der im Herbst eingeführie 1,2-Literwagcn fetzte sich bald an die Spitze seiner Preisklasse.

Das Fahrradg-schäft hat sich befriedigend ent­wickelt. etwa 80 v. H. der Fahrräder werden jetzt auf Dorauskaffe-Basis verkauft. Da sich das Preisniveau weiter verschlechtert hatte, mutzten erhebliche Abschreibungen bei den Beständen vor­genommen werden. Die Entwicklung des Fahrrad- geschäfts im Jahre 1932 rechtfertige die Hoff­nung, daß sich dieser Fabrikationszweia zu einem gewinnbringenden Teil des Unternehmens ge­stalten wird. Der gesamte Export von Opel-Automobilen betrug von Januar bis Ende September 1932: 5566 Wagen gegen 5228 in der gleichen Zeit 1931 und 1256 in den ersten neun Monaten 1930.

Berlin verstimmt.

Berlin, 29. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der Be­ginn des offiziellen Verkehrs an der heutigen Effektenbörse stand völlig im Zeichen der Nach­richten über die großen Schwierigkeiten des Herrn von Schleicher bei seinen Besprechungen zur Vorbereitung der Regierungsbildung. Aus der Ab­sage Straßers, die ein Zeichen für die weiter unnachgiebige Haltung der NSDAP, ist, schloß man, daß nun wohl ein Kampfkabinett Popen kommen werde, wodurch ein scharfer Konflikt mit dem Reichstag nahezu unvermeidlich geworden wäre. Diese Mutmaßungen vorläufig ist noch Jeinc Entscheidung gefallen wirkten sich auf die Stim­mung kräftig aus.

Während von feiten des Publikums noch kleine Kauforders vorlagen, die ihre Ursache in günstigen Wirtschaftsmeldungen, wie der Vermehrung der Belegschaft bei Bemberg, den steigenden Sparkassen­einlagen und der flüssigen Bilanz bei Schwartzkopss- Maschinen hallen, schritt die Spekulation, un­beeinflußt durch die günstige markttechnische Loge die Lombard- und Exekutionsverkäuse kamen in Fortfall, da morgen Zahllag ist zu 21 b gab en. Die Kursgestaltung war durchaus unregelmäßig. Zahlreichen Abschwächungen bis zu 2 Prozent, ver-

einzell bis zu 2% Prozent, standen Gewinne bis zu etwa 1% Prozent gegenüber. Eigentlich schwach waren eben nur die von der Spekulation bevor­zugten Werte. Im Verlaufe blieb die Unterneh- inüngslust im großen und ganzen klein, die Ab­weichungen gegen den Anfang waren nicht ganz einheitlich.

Renten lagen heute ziemlich einheitlich s ch w a- ch e r. Deutsch» Anleihen bröckelten leicht ab, Reichs­schuldbuchforderungen und Reichsbahnvorzugsaktien gaben bis zu V, Prozent nach, variabel gehandette Jndustrieobligationen verloren bis zu 1 Prozent. Pfandbriefe usw. zeigten kein ganz einheitliches Aussehen, do hier verschiedenllich noch Publikums- orders zur Ausführung gelangten. Ausländer zeig­ten ein unregelmäßiges Aussehen, Bosnier gaben erneut Vi Prozent nach; heute wurden die 4^pro-- zentigen Quantebek nach anfänglicher Plus-Plus- Notiz % Prozent höher festgesetzt.

Sronffurf unsicher und schwächer.

Frankfurt o. M.29. Nov. (WTB. Drahtmcl- düng.) Die plötzliche Wendung, die die innerpoli- tische Situation heute vormittag genommen hat, hat an der heutigen Börse sehr überrascht und die be­stehende Zurückhaltung in Börsen- kreisen v e r ft ä r f L Im Hinblick auf die Wei­terentwicklung, insbesondere die evtl. Rückkehr Po­pens auf den Reichskanzlerpoften, ergab sich eine unsichere Stimmung.

Die Spekulation, die noch gestern auf Grund der Möglichkeit eines Kabinetts «Schleicher Engagements eingegangen war, stellte heute wieder glatt Die wenigen noch vorliegenden Publikumsaufträge für einige Spezialpapiere reichten nicht aus, um Kurs­rückgänge von durchschnittlich 0,5 bis 1 v. h. gegen die schon abbröckelnde Abendbörse zu vermeiden. Einige Spezialwerte, wie harpener Bergbau, Rhein­stahl, Gelsenkirchen, Deutsche Erdöl und Schlickert, verloren darüber hinaus etwa 1 bis 2 v. h. Schwa­cher eröffneten ferner Mannesmann, Otaoi Minen, Zellstoff Waldhof, Scheideanftall und AEG., die Rückgänge von 0,5 bis 0,75 o. h. aufwiefen. Ander­seits blieben hapag, Phönix Bergbau, Stahloerein, Bekula und IG. behauptet. Nach den ersten Nolle- rungen stockte das Geschäft fast vollkommen, und die Kurse bröckellen weiter etwas ab.

Der Rentenmarkt wies bei sehr geringer Umsatztätigkeit gleichfalls Meine Rückgänge auf, so für Altbefitz und späte Reichsschuldbucbsorde. rungen und Stahlvereinbonds. Von fremden Werten konnten sich Salonic-Monastir erneut um 0,25 o. h. befestigen, ebenso waren Ungarische Goldrenten etwas höher, wogegen Rumänen nur knapp gehallen waren. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still bei eher leicht nachgebenden Kursen. Allbesitz und Reichs- schuldbuchforderungen waren später um Bruchteile eines Prozents hoher.

3m Sechstagerennen bei Berlin haben sich am besten die Evnttnental-Reifen bewährt. Dur diese sind einer solchen Strapaze fähig 8388 V

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