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29.7.1932 Erstes Blatt
 
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Br. 176 Erste? Blatt

182. Zahrgang

Sreitag, 29. Juli 1952

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Will). Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumsche-n und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen.

Wehrmacht, Volk, Ration.

QIm Abend des gleichen Tages, der durch die Schulschiffskatastrophe in der Ostsee die deutsche Wehrmacht unserem Herzen besonders nahe rückte, sprach der Reichswehrminister, General von Schleicher, über die Stellung des Heeres zum Staate und über die zukünftige Aufgabe der deutschen Wehrmacht. Der Reichswehrminister ist als Generalstabsoffizier schon frühzeitig mit dem Getriebe der Politik in Verbindung gekommen. Seit dem Aufbau des Reichsheeres nach der Kapp- krise bestimmte bis heute der jetzige Reichswehr­minister den politischen Kurs des Heeres. Rach der Verabschiedung Brünings trat General von Schleicher aus dem Dunkel eines politischen Sach­beraters, um den sich bereits ein vieldeutiger Mythos zu ranken begann, hervor, und übernahm als Verantwortlicher die Führung der ge­samten deutschen Wehrmacht. Als die Rational­sozialisten vor einigen fahren noch in Opposition zur deutschen Reichswehrführung standen, prägten sie auf General von Schleicher den Begriff des ,Bürogenerals". Wer die Rede des Reichswehr­ministers gehört hat, ist davon überzeugt, daß weder der Umgang mit den Fragen der Politik noch die nüchterne Arbeit des Generalstäblers die Unmittelbarkeit des Empfindens und die vorbild­liche Klarheit des Ausdrucks beeinträchtigt haben. Es ist seit den Tagen Scharnhorsts, Gneisenaus und Clausewitz' im deutschen Heere ein bestimmter Stil des schriftlichen und mündlichen Ausdrucks entstanden. Wir finden diesen Stil in den sprach­lich meisterhaften Arbeiten des Generalfeldmar­schalls von Moltke und des Generals von Schlies­sen, er fand in den Heeresberichten des Krieges eine vorbildlich knappe Form, und er begegnet uns in den Büchern des ersten Chefs der deutschen Reichswehr, des Generals von Seeckt ebenso, wie in der Rundfunkrede des Reichswehrministers von Schleicher.

Es ist gut so, dah der Reichswehrminister in seiner Rede mit voller Deutlichkeit über Stellung und Ausgabe des Heeres sich ausgesprochen hat. Als uns das Versailler Diktat das Volks­heer, jene von keinem Staat der Welt erreichte Schule der deutschen Mannschaft zu den staats­tragenden Tugenden der Derantwortungsfreudig- keit, des Opferwillens und der Pflichttreue, zer­schlug und die Formen der jetzigen Reichswehr aufzwang, liefen die bösen Worte von der »Prä- torianer.Garde" und derSöldner-Armee" um. Es war die Zeit, in der Oswald Spengler im zwei­ten BandeVom Untergang des Abendlandes" die Heraufkunft desCäsarismus" prophezeite. Das in Jahrhunderten zur Staatsgesinnung und schweigendem Gehorsam erzogene preußische Offi- £' :rkorps hat ebenso wie die politische Besonnen­

it des deutschen Volkes verhindert, daß aus m Hunderttausend-Mann-Heer eine Prätoria­nergarde in der Hand machtlüsterner Generale wurde. Cs besteht wahrhaftig ein Unterschied zwi­schen einem General der deutschen Armee und je­nen Führern zusammengewürfelter Truppenver­bände südamerikanischer Staaten, die den gleichen Titel tragen. 3n Deutschland wird ein Heer, das vom ältesten Führer bis zum jüngsten Mann keine dere Aufgabe kennt, als die innere und äußere Be­reitschaft zur Verteidigung feiner Heimat, nie­mals zur Söldnerarmee herabsinken. Der deutsche Soldat dient nicht des Soldes wegen, sondern er steht im Dienst des Volkes und er ist das historische Werkzeug seiner Ration.

Wie der Staat mehr ist als eine Wohlfahrts- vrganisation des Volkes und den geschichtlichen Willen einer Ration in voller Hoheit und Selb­ständigkeit gegenüber den anderen Rationen und den eigenen Ständen und Schichten zu verkörpern hat, obliegt der Wehrmacht keine Polizei­aufgabe, sondern sie hat dem außenpoli­tischen Willen der Ration Rachdruck zu ver­leihen und die politische Sicherheit des S t a a t e s zu gewährleisten. Darüber hinaus bil­det die Wehrmacht den Sammelpunkt all der Teile des Volkes, die über die Schranken der Partei hinaus zu denken verstehen, und im Soldatentum eine Kraftquelle anerkennen, die den schwankenden Gestalten der Tagespolitik nicht aus- geliefert werden darf. Denn das Heer treibt keine Politik, sondern es gestaltet unter der Führung des verantwortlichen Staatsmannes Geschichte. Die Wehrmacht kann niemals pazifistisch sein, aber gerade, weil sie den modernen Krieg kennt, wird sie alles tun, um den Frieden zu erhalten. Sie wacht darüber, daß die Bedingungen dieses Frie­dens ehrenvolle sind und sie gibt dem Grundsatz des Einzelnen staatliche Gewalt, wonach das Le­ben lieben nicht heißt, den Tod zu scheuen, wenn höhere Güter geiährdet sind als das Cinzelglück.

Der Reichswehrminister von Schleicher hat diese ewigen Wahrheiten des Soldatentums in seiner Rundfunkrede auf die gegenwärtige poli- tische Lage übertragen. Er hat mit dem ganzen Stolz des kriegerischen Berufes, den der echte Soldat- empfindet, die Rolle der Reichswehr als einer Polizeitruppe zurückgewiesen. Wenn er, als der verantwortliche Leiter der Wehrmacht, über einen notwendigen U m b a u des deutschen Reichs­heeres sprach, falls derkatastrophale Mißerfolg der Abrüstungskonferenz" andauert, so hat er dies «stimmt nicht ohne das Einverständnis des Rcichötanzlers, des verantwortlichen Leiters der Gesamtpolitik, getan. Es entspricht der deutschen Auffassung des soldatischen Berufes, wenn sich Ge­neral von Schleicher gegen die Unterstellung ver­wahrte, die Wehrmacht erstrebe eine Militärdik­tatur. Das Heer kann nur dann seine Aufgabe er­füllen, Vorbild und Erzieher des ganzen Volkes zu sein, wenn es unmittelbar im Volke wurzelt und sich ständig aus dem Volk verjüngt. Gefühls­mäßig steht jeder Deutsche, der sich zur Ration

Der Reichsiags-Wahlkampf auf dem Höhepunkt.

Massenversammlungen im ganzen Reich. - Ein letzter Appell der Parteiführer.

Wahlreden im Rundfunk.

Deutschnationalc Liolkspartei und Zentrum.

Königsberg, 28. Suli. (CRB.) Der deutsch- nationale Parteiführer Dr. Hugenberg sprach von Königsberg aus über alle deutschen Sender. Für die DRVP. sei mcht die Erringung der Macht die Hauptsache, sondern die Ausnuhungder Macht zum Wiederaufbau des Staa­tes und seiner Wirtschaft. Den Rationalsozia­listen allein werde die Wahl wie in Preußen auch im Reiche keine Mehrheit bringen. Es müsse eine starke Deutschnationale Volkspartei hinzutreten. Wir wünschen nicht, fuhr Dr. Hugenberg fort, daß der schwarzrote Parteistaat durch einen an de renPartei staatabgelost wird, auch nicht durch einen deutschnationalen oder natio­nalsozialistischen Parteistaat. Bei dem Reubau Deutschlands sollten wir uns vor aller Rach- ahmung des Ausländischen fernhalten. Das gelte auch für Aeußerlichkeiten, wie Unifor­men und Gruß. Der neue Staat muß sich auf der reorganisierten Selbstverwaltung und einer organischen Verbindung zwischen Reich und Preußen aufbauen. Wir brauchen ein gesundes Eigenleben der Länder und eine stetige Regierung, die nicht in jedem Au­genblick durch Parlamentsbeschlüsse gefährdet werden kann. Den Parlamenten muß das Recht genommen werden, die Minister abzusetzen. Rach wie vor sind wir zur praktischen Zusam­menarbeit mit den R a t ivn a 1 s o zi a- listenbereit. Aber Maßnahmen, wie diese, die sie jetzt dem marxistischen Programm entlehnen, z. B. Verstaatlichung der großen Gesellschaften oder Einsetzung von Staatskommissaren in Be­trieben das klingt sogar nach Sowjetrußland, machen wir aus unserem Gewissen heraus nicht m i t und würden nötigenfalls auch eine gemein­same Regierung daran scheitern lassen. Wir glau­ben an Deutschland und seine Zukunft. Wenn alles wieder gut werden soll, müssen die bisher regie- venden Mächte. Zentrum und Sozialde­mokratie, völlig aus der Regierungsgewalt ausgeschaltet werden. Auch das Zentrum. Deutschland wäre verloren, wenn Zentrum und Rationalsozialismus sich finden und gemeinsam Deutschland regieren sollten. Das deutsche Wirtschafts- und Geistesleben ist dann hinüber. Der übrigen Welt gegenüber würden wir bald zum belächelten Richts werden.

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Der Vorsitzende der rheinischen und preußischen Zentrumspartei, Justizrat M ö n n i g , betonte in seiner Rundfunkwahlrede, das Zentrum sei heute der unbezwingbare Schuhwall gegenüber den Kräften, die die staatsbürgerliche Freiheit, die soziale Gerechtigkeit und die Freiheit des christlichen Bekenntnisses bedrohen. 3n der Wie­derherstellung der inneren Ruhe und Ordnung erblicke das Zentrum die unerläß­liche Voraussetzung der Wiedergenesung der deutschen Wirtschaft und die unentbehrliche Grundlage einer Außenpolitik. Retten könne das deutsche Volk nicht eine Diktatur, sondern nur eine Politik, die die Ration im Innern zusammenführe, von klaren Einsichten in die Wirklichkeit ausgeht und sich vor gefährlichen Illusionen hütet. Das Zentrum habe sich nie ge­weigert, mit den positiven Kräften der Rechten zusammenzuarbeiten, nicht erst Brüning habe sich um die Rechte bemüht. Man könne aber nicht den Kommunismus bekämpfen, indem man die So­zialisten radikalisiert und sie in staatsverneinende Haltung früherer Zeiten zurückdrängt. Dank einer echt konservativen Auffassung von Volk und Staat habe das Zentrum die Sozialisten nicht links liegen lassen, sondern sie zur Mitverantwortung herangezogen. Das Zentrum wende sich gegen jeden Sozialismus, es wende sich aber mit derselben Schärfe gegen einen Liberalismus,

der den Eigennutz über das Gemeinwohl stellt. Das Ziel des Zentrums sei die wirkliche und echte nationale Konzentration, die nicht trennt, sondern zusammenführt.

Hitler spricht in Frankfurt. Massenversammlungen in der Festhalle und im Haus der Technik

F r a n t f u r t a. M., 28. Juli. (WSN.) In einer großen Wahlversammlung der NSDAP, sprach abends Adolf Hitler in der Festhalle. - Seine Rede wurde nach einer Paralleloersammlung im Haus der Technik übertragen, so daß seine Aus­führungen ca. 45 000 Menschen übermittelt wurden. Nach dem Aufmarsch von ca. 30 000 SA.-Leuten und einer Begrüßungsa nspra che durch den Gau­leiter für Hessen-Nassau-Süd, Sprenger, er­griff Adolf Hitler, lebhaft begrüßt, das Wort.

In seinen Ausführungen wandte er sich gegen dieSystemparteien" und stellte es als ab­surd hin, daß diese jetzt auf einmal von Freiheit, sozialer Wohlfahrt und namentlich von der Besei­tigung der Reparationen sprächen, nachdem sie 13 Jahre lang nicht daran gedacht hätten, diese Ziele zu verwirklichen. Wenn eine Partei für sich das Recht in Anspruch nehmen dürfe, zu behaupten, gegen die Reparationen gekämpft und für die Frei­heit des deutschen Volkes eingetreten zu sein, dann sei das einzig und allein die NSDAP. Wie könnten die Systemparteien sich gegen die jetzi­gen Zeitungsverbote aufregen, nachdem sie 13 Jahre lang hunderte von Zeitungen verboten hätten. 13 Jahre hätten den Systemparteien nicht ausgereicht, um dem Volke Freiheit zu geben, aber diese 13 Jahre hätten genügt, um Deutschland dem Zu­sammenbruch entgegenzuführen. Jetzt sollten diese Parteien nicht so tun, als wollten sie das Ver­säumte nachholen, denn sie könnten keine Ga­rantie dafür geben, daß sie in den 13 nächsten Jahren etwas Besseres leisten würden. Jetzt noch sei der politische Wille des deuttchen Volkes in 30 Atome zerrissen, und nur die Partei, die diese Zerrissenheit beseitigen und das ge­samte deutsche Volk unter einen Hut bringen könne,

fei berufen, das Volk einer befferen Zukunft entgegenzuführen. Diese Ein­heit müsse kommen, denn das deutsche Volk stehe vor so schweren Problemen, die es nur mit g c mc infamer Kraft überwinden könne. Er habe sich die fanatische Gebensaufgabe gestellt, diese Ver­schmelzung herbeizuführen; sollte sie sich als un­möglich erweisen, dann sei das deutsche Volk eben dem Untergang geweiht.

Nach der Dersammlung begab sich Adolf Hitler im Auto nach Wiesbaden und Mainz, um auch dort in nationalsozialistischen Wahlversamm­lungen zu sprechen. Vorher hatte er schon in Köln und Aachen gesprochen.

DingeldeyauseinerSerlinerKund- gebung derDeutschenVolkspattei.

Berlin, 28. Juli. (ERB.) 3n einer gut be­suchten Wahlkundgebung der Deutschen Volks- Partei in der Berliner Philharmonie sprach der Parteiführer Dinge ldey. Die Deutsche Volkspartei bekämpfe den Geist der Weimarer Verfassung, in dem sie die eigentliche Ursache für das national« Tlnglück sehe. Sie kämpfe für die Beseitigung der reinen Parteidemokratie und wünsche die Her­ausstellung des Führerprinzips.d. h. die Tiebertragung einer größeren Machtfülle an den Reichspräsidenten. Außenpolitisch forderte der Redner volle Gleichberechtigung Deutschlands und die Forderung nach nationaler Sicherheit in der Abrüstungsfrage, Inangriffnahme des pol­nischen Korridorprvblems. Beseitigung der Kriegs­schuldlüge, Beseitigung der Handels- und wäh­rungspolitischen Hindernisse zur Wiederingang- sehung einer vernünftigen Weltwirtschaftspolitik. Den Rativnalsozialisten machte er u. a. den Dor- tourf, daß sie als Massenbewegung im Begriff seien, die Macht der einen Hälfte des Volkes gegen die andere Hälfte auszuspielen und gegen­über den nationalen Kräften des deutschen Bür­gertums Anstand und die vvrauszusetzende Gleichberechtigung zu vergessen.

WelcheneurnMehatdasReichskabmett?

Oie Fortführung der Verwaltungsreform.-Inangriffnahme wirtschasts- politischer Aufgaben.

Don unserer Berliner Redaktion.

Die Regierung Papen hat die Aufräumungs­arbeiten im wesentlichen hinter sich. Die Positive Arbeit auf den Wegen, auf denen sie d i e ganze Verantwortung zu übernehmen hat, kann beginnen. Die ersten kräftigen An­sätze sind bereits sichtbar geworden. Die Maß­nahmen mit dem Ziel der preußischen Der- waltungsreform sind mit einem kurz und schnell gefaßten Entschluß um ein ganz kräftiges Stück vorwärts getrieben worden. Die Ankündi­gung von weiteren Maßnahmen mit dem Ziel einer Konzentration in der zentralen Instanz lassen die fernere Wegrichtung bereits erkennen. Soweit dabei eine grundsätzliche Reu- regelung über eine Zusammenarbeit und zweck­mäßige Verteilung der Aufgaben zwischen Reich und Preußen herbeigeführt werden soll, ist die Doraussehung unerläßlich, daß auch für die Zu­kunft Sicherheit dafür geschaffen ist, daß stets der gleiche politische Wille im Reich und in Preußen regiert. Eine Personalunion zwischen Kanzler und Ministerpräsidenten dürfte als die beste Grundlage für eine weitgehende Vereinfachung der Verwaltung anzusehen sein. Cs wird jetzt ganz klar ersichtlich, daß die

Reichsregierung auf eine parlamentarische Bestätigung des Zustandes hinarbeitet, wie er in der kommissarischen Machtübernahme in Preußen geschaffen wurde. Auf einer anderen Basis wäre es ja kaum denkbar, daß etwa preußische Ministerien mit den entsprechenden Reichsministerten zusammengelegt werden. Eine erhebliche Vereinfachung und Verklei­nerung des Verwaltungsapparates schafft aber erst die Möglichkeit, die in der schon veröffentlichten Mitteilung Dr. Brachts ange­deutet wurde, die drückenden Steuerlasten wieder zu mildern.

Der entscheidende Prüfstein für die neuen Männer liegt aber an einem andern Punkte. Wie sie sich an den großen wirtschafts - politischen Aufgaben bewähren, das wird für ihr Schicksal und für das Schicksal der Ration in erster Linie bestimmend sein. Die Regierung weiß, daß weite Kreise der Öffentlichkeit ihr mit Mißtrauen begegnet sind, daß man in ihr eine Vereinigung von sozialreaktionären Junkern erblickt hat, die die Reste einer Feudalherrschaft wieder zu befestigen trachteten.

Das, was bisher an Handlungen der Männer um Papen sichtbar wurde, hat dem Mißtrauen schon

bekennt, dem Soldatentum nahe. General von Schleicher hat erkannt und ausgesprochen, daß diese gefühlsmäßigen Bindungen zerrissen wür­den. falls die Reichswehrüberlebte Wirtschafts­formen oder unhaltbare Desitzverhältnisse decken wolle". Die Schärfe und Klarheit, die aus jedem Wort des Reichswehrministers hervorleuchtete, bietet die Gewähr dafür, daß hinter den Zielen der Reichswehr, wieder zur Volksarmee im Sinne von 1914 zu werden, ein Wille steht, den Leidenschaft des Gefühles wie Kälte der politischen Tlrteilskraft gleichermaßen aus- zeichnen.

Mit Tränengas gegen die Veteranen in Washington.

Bnndcstruppcn säubernaufBeschlHoovers Die Hauptstadt.

Washington, 28. Juli. (WTB.) Die Behör­den haben die Einsetzung von Bundes- truppen angeordnet, nachdem der Versuch der Polizei mißlungen war, die hier noch anwesenden, für die Auszahlung des Bonus demonstrierenden Kriegsveteranen zur Räumung des von ihnen als Unterkunft benutzten Hauses zu bewegen. Die Bundestruppen haben die Säuberungsaktion des Regierungsviertels vorläufig erfolgreich durch­geführt. Mit blanker Waffe räumten berit­

tene Truppen die Pennsylvania-Avenue, die das Capitol mit dem Weißen Haus verbindet. Der Kavallerie folgten Tanks und zum Schluß eine Maschinengewehrabteilung. Einige der aufrührerischen Veteranen packten darauf ihr Bündel und machten sich aus dem Staube, andere leisteten dem Befehl zur Räumung keine Folge. Eine Kom­panie Infanterie ging mit gefälltem Seitengewehr vor und vertrieb einen Trupp Veteranen von dem von ihnen besetzten Gebiet. Eine Gruppe, die die Infanterie im dichten Hausen vor sich her trieb, weigerte sich, weiterzugehen. Darauf­hin schleuderten die Truppen, nachdem sie sich mit Gasmasken ausgerüstet hatten, in die schreiende und johlende Masse Tränengasbomben und trieb sie mit Gewalt weiter. Sie steckten außerdem die auf dem Bundesgelände errichteten Holz­baracken in Brand. Feuerwehr mußte alar­miert werden, um ein Uebergreifen des Feuers auf in der Nähe liegende Gebäude zu verhindern. Die Bundestruppen haben die Veteranen mit Tränen­gasbomben nicht nur aus ihrem Lager im Herzen der Hauptstadt sondern auch aus ihrem Hauptlager in dem fünf Meilen von der Haupt- stadt entfernten A n a c o st i a vertrieben, wo sich 7000 Veteranen und etwa 500 Frauen und Kinder befanden. Die Lager wurden in Brand gesetzt. Etwa 50 Personen sind verletzt worden. Einige Sol­daten erlitten Gasvergiftungen und Brandwunden. Präsident Hoover betonte, das scharfe

Vorgehen der Bundesregierung sei notwendig gewesen, um die Staatsautorität aufrecht­zuerhalten. Außerdem seien viele Teilnehmer an demVeteranenmarsch nach Walhington" gar keine Kriegsteilnehmer, sondern Kom­munisten und vorbestrafte Elemente.

Em britischer ZollvergünstigungSplan für die Dominien.

London, 28. Juli. (WTB. Funkspruch.) Daily Telegraph will wissen, daß die britische Delegation auf der Reichswirtschaftskonferenz in Ottawa einen 10-Jahres-Plan vorzuschlagen beab­sichtige. Er würde darin bestehen, daß der bri­tischen Ausfuhr nach den Dominien eine fortschreitende Verminderung der Zölle gewährt wird und daß Großbritan­nien als Gegenleistung die Verpflichtung übernehmen würde, Zölle auf alle äus - ländischenErzeugnissezu legen, die den Erzeugnissen der DominienKonkur- r e n z machen. Dieses System würde Len Vorteil haben, daß den Dominien sofortige Hilfe zuteil würde, daß die Störung des Welthandels eine geringere wäre und daß die Welt sich wahr­scheinlich veranlaßt sehen würde, bi» Tarif­schranken abzubauen. I