Russisch-japanische Annäherung? Bor Verhandlungen über eine Interessen» teilung im fernen Osten.
Tokio. 25. Oft. (TU.) Der japanische Dot- schafter in Moskau und bet sowjetrussische Botschafter in Tokio sind hier im Auftrage ihrer Re- Fierungen übereinaekomrnen. Borverhand- ungen zum Abschluß eines russisch- japanischen Richtangriffspaktes zu eröffnen. ES ist zunächst beabsichtigt, ein Dorabkommen wirtsi-afts- und handelspolitischen Inhaltes abzuschliehen. Dach den Wünschen der japanischen Regierung sollen die eigentlichen Derhandlungen Mttte Dezember ausgenommen werden. Zu diesem Zwecke wird der stellvertretende russische Aufjenkommissar Kara- chan in Tokio erwartet.
Das Dorabkommen soll die Gewährung russischer Oel- und Fischerei- und Fvrstrechte an Japan umfassen. Die Japaner beabsichtigen, Moskau für diesowjet- russischen Anteile der chinesischen Ost bahn ein Kaufangebot zu machen. Der geplante Vertrag soll außerdem die r u s - sisch-mandschurischeGre nze genau festlegen. Ferner soll der Dertrag eine Bestimmung über die Lieferung japanischer Ma- s ch i n e n und anderer Waren nach Rußland enthalten, um Rußland bei der Durchführung deS Fünfjahresplanes zu unterstützen.
Der zur Zeit auf dem Wege nach Genf befindliche japanische Dertreter beim Völkerbund, Matsuoka, wird einige Tage in Moskau verbringen, um mit Außenminister Litwinow und Karachan über die Einzelheiten deS geplanten Abkommens zu verhandeln. Doraussetzung für die Annahme eines derartigen Abkommens würde für Japan natürlich die ausdrückliche Anerkennung der Mandschurei durch Sowjetrußland sein. Die bisherige Weigerung Sowjetrußlands, die Mandschurei anzuerkennen, soll nach japanischer Ansicht auf den Argwohn der Russen zurückzusüh- ren sein, daß das japanisch-mandschurische Protokoll eine Bestimmung enthalte, die den sowjet- russischen Interessen sowohl in politischer, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht abträglich sein soll. Matsuoka ist beauftragt worden, diesen Argwohn zu zerstreuen und auf die Bedeutung einer engen russisch-japanischen Zusammenarbeit im Interesse des Friedens im Fernen Osten hinzuweisen. Matsuoka soll in Moskau auch versuchen, auf die Entsendung eine- s o w j e t r u s s isch e n Vertreters nach Genf zur Teilnahme an den Derhandlungen deS Völkerbundes über den Lytton-Bericht einzuwirken.
„Weniger Konferenzen und mehr Entschlußkraft." Mussolini spricht in Mailand über die
Zukunft deS Faschismus.
M a i l a n d, 25. Ott. (SU.) Unter dem Geheul der Sirenen ist Mussolini am Dienstag im Auto in dem festlich geschmückten Mailand eingetroffen. Er erinnerte in einer Ansprache auf dem Domplatz daran, daß von Mailand aus im Jahre 1915 der Interventionismus und damit der Beginn eines neuen Lebens Italiens ausgegangen sei. Während in allen Ländern und selbst bei Völkern alter Kultur Ungewißheit und Unruhe um die Zukunft herrsche, sei Italien um seine Zukunft nicht bange. Das ganze italienische Volk werde umgewandelt in ein unbesiegbares Heer. (Minutenlanger Beifall.) Dicht in Konferenzen liege das Heil. „Weniger Konferenzen und mehr Entschlußkraft, weniger Tagungen und mehr Aktionen", rief Mussolini aus. Von Genf wolle er nicht reden. Alle, die diese schöne Stadt eines Calvin aussuchten, jähen, wie wenig man in Wahrheit an den Geschehnissen in Genf interessiert sei. Dieses Jahrhundert sei das Jahrhundert des Faschismus. Zum dritten Male in der Weltgeschichte bringe Italien der Menschheit eine
Gießener Etadttheater.
Ernst Steffan : „Die Toni aus Wien".
Die historischen (Brunblagen des Librettos — nach 21. M. W ill ne r und E. R u b r i c i u s von Ernst St e«ffan und Paul Knepler — findet man ausgezeichnet in den deutschen Literaturgeschichten und in den Briefen Theodor Körners: sic schildern das kurze Liebesglück des jungen Hoftheaterdichters an der Seite seiner Verlobten, der schönen und damals in Wien sehr gefeierten Burgschaulspielerin Toni Adamberger.
Man wird von einem Operettentext nicht erwarten, daß die vier Bilder der drei Akte im Sinne einer in Musik gesetzten Chronik aufzufassen seien; der Gang der Handlung folgt nur in den Grund- züaen romantisierend den überlieferten Tatbeständen.
Im Gasthof zur Post in Leipzig, wo das Korps Thuringia fröhliche Kneipereien abhält, hat der Student Körner seine erste Begegnung mit der durchreisenden „Toni aus Wien"; er liebt sie und setzt sich ritterlich für sie ein, noch ohne zu ahnen, wen er vor sich hat.
Im Frühjahr 1813 verlobt er sich mit ihr im Hause eines Wiener Bankiers, nackDem die von der Nichte des Bankiers aus Eifersucht raffiniert an gezettelte Intrige im letzten Augenblick ausgedeckt worden ist, welche die beiden Liebenden beinahe für immer einander entfremdet hätte. Dieser Mittel akt ist mit seinen eleganten Gesellschaftsszenen und mit der theatralisch geschickt gesteigerten Verwirrung und Verwicklung der Beziehungen rein handlungs- mäßig am besten gelungen und von unmittelbarer Wirkung.
Der letzte Akt — Bild 3 und 4 — spielt in der Wiener Vorstadt Döbling bei der Adamberger und anschließend in Tonis Garderobe im Burgtheater. Körners Ernennung zum Hoftheaterdichter bedeutet für die beiden Liebenden den Gipfel ihres Glückes, aber die Freude des schnell improvisierten ländlichen Festes wird von den bangen Ahnungen eines jähen Abschieds überschattet. Die Melodie der Liebe wird übertönt von den kriegerischen Klängen des Schlachtliedes der Lützower Jager, und der kurze Epiloa in der Hofburg bringt die schmerzliche Kunde vom frühen Tode des Gelierten, der am 26. August 1813 in einem Gefecht bei Gadebusch gefallen ist. —
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Der starke Erfolg, dessen sich die .Toni aus Wien" bisher allenthalben zu erfreuen hatte, und
Die Bildung des Ueichskuratoriums für Lugendertüchtigung.
Berlin, 25. Olt. (TU.) Der Reichsinnen. Minister hat folgende Herren zu Mitgliedern des Reichskuratoriums für Iugendertüchtigung berufen:
I. Als Vertreter der Reichsregierung.
1. Ministerialrat v. Wanteufel (Reichsfinanzministerium),
2. Oberst v. Bredow (Reichswehrministerium-,
3- Präsident S y r u p (Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherg ), ll. Als Vertreter der Landesregierungen:
4-Ministerialdirektor Dr. Land fried (Preußisches Staatsministerium),
5. Oberregierungsrat D i e L> (Preußisches Innenministerium). -
6. Ministerialrat Dr. v- Rottenburg (Preußisches Kultusministerium),
7. Ministerialdirektor Frhr v. Imhoff (Vertretung der bayerischen Regierung bei der Reichsregierung),
8. Ministerialrat v. I a n (Bayerisches Kultusministerium),
9- Ministerialrat v. Loeb en (Sachs. Innenministerium),
10. Ministerialrat Dr. Lösfler (Württembergi- sches Kultusministerium).
11. Ministerialrat Dr. Thoma (Bayerisches Ministerium des Kultus und Unterrichts),
12. Staatsminister W äch t le r (Thür. Innenministerium),
13-Oberschulrat Has sing er (Hessisches Kultusministerium),
14- Oberschulrat Dr. Kozminski (Mecklenburg- Strelitzsches Innenministerium).
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III. Als Vertreter der Verbände.
15. Rittmeister a.2). Barthels (Deutscher Reichs- friegerbunb Kyffhauser),
16. Major a. D. B o e ß (Reichsjunglandbund),
17. Staatsmlnifter a. D Dominicas (Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen),
18. Erich Eggcling (Jungdeutscher Orden),
19. Oberleutnant a. D. Krüger (NSDAP.).
20. Staatssekretär a. D. L e w a l d (Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen),
21. Kriminalpolizeirat Linnemann (Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen),
22. Rittmeister a. D. o. Morozowicz (Stahl- Helm),
23. Ernst Mundt (Deutschnationaler Handlungs- gehilfen-Derband),
24. Vizeadmiral a. D. Rösing (Bund deutscher Marineoereine),
25. D. Stange (Eichenkreuz),
26. Vizeadmiral a. D. von Trotha (Deutscher Hochsee-Sportverband Hansa),
27. Generalpräses W o l l k e r (Deutsche Iugend- kraft).
IV. Als Einzelpersönlichkeiten.
28. Generalsekretär Dr. h. c. D i e h m,
29. Reichsminister a. D. Dr. G e ß l e r,
30. Reichsminister a. D. Landrat Dr. H a s l i n d e,
31. Generalmajor a. D. Herrgott,
32. Geheimer Hofrat Prof. Dr. Sauerbruch, 33. Generalmajor a. D. Vogt.
Das Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold hat feine Vorschläge noch nicht machen können, da die erforderlichen Sitzungen noch nicht stattgefunden haben.
neue Humanität. Europa werde in zehn Jahren ein anderes Aussehen haben und die Ungerechtigkeiten, die im besonderen Maße auch gegen Italien begangen worden seien, würden wiedergutgemacht werden. Die Erinnerung an den Krieg käme ihm in Mailand, der Stadt des Interventionismus, wenn auch andere daran kritisieren möchten. In einem Jahrhundert werde ganz Europa faschistisch oder safchistisiert sein. Moskau und Reuyork würden dann nach Rom als Wegweiser schauen. Er habe keine Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, sondern nach neuen Kämpfen. Er wisse, daß das ganze italienische Volk ihm hierbei folgen werde. (Minutenlanger Beifall.) Dann kündigte Mussolini noch an, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß Italien als Zeichen seiner großzügigen Gesinnung gegen Ende der Zehnjahresfeierlichkeiten vielleicht eine Amnestie für die Feinde des Faschismus erlassen werde.
Aus aller Welt.
Der kirchlich-Soziale Kongreß in Stuttgart.
Bei der Eröffnung des 28. Kirchlich-Sozialen Kongresses in Stuttgart nahm zuerst Reichsarbeits- minifter Dr. Schaeffer, bekanntlich ein schwäbischer Pfarrerssohn, im Namen der Reichsregierung das Wort zu herzlicher Begrüßung des Bundes und feiner Arbeit. Er wies auf die mannigfachen Be- fiehungen zwischen Staat und Kirche in Vergangen- eit und Gegenwart hin und rief zum gemein- amen Kreuzzug von Staat und Kirche wider die furchtbare Arbeitslosigkeit auf. Der württembergische Finanzminister Dr. Dehlinger hob hervor, daß Württemberg mit seinen hervorragenden kirchlich-sozialen Einrichtungen und Verbänden einen besonders günstigen Boden für die Arbeit des Bundes bilde. Seine Worte wurden ergänzt durch den württembergischen Kir- chenpräsidenten Dr. Wurm, der die Losung ausgab „Nicht Restauration, sondern Regeneration" und den Bund um Hilfe für die Arbeit der Kirche bat, zugleich aber auch eindringlich das Bürgertum und die Führung der Arbeiterbewegung auf rief, die Mitarbeit der Kirche an der
der sich auch hier wiederholte, beruht wohl — trotz dem traurigen und gar nicht operettenmäßigen Ausklang — vor allem in der Popularität der vaterländisch-romantischen Handlung unib in der wienerischen Musikalität und recht fangbaren Melodie - sü-hrung der von Ernst Steffan liebenswürdig und mit allerlei lautmalerisch-illustrativen Einfällen ausgestatteten Partitur.
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Die Aufführung, vom Intendanten Dr. P rasch inszeniert, führte das zum erstenmal yanz in eigene Regie genommene und aus einheimischen Kräften zusammengesetzte Operetten-Ensemble vorteilhaft ein; sie bewies die vielseitige Derwendbarkett der Darsteller, war fleißig durchgearbeitet und sauber eingespielt und brachte die dankbaren Partien des Werkes effektvoll und publikumssicher zur Geltung.
Die Inszenierung wurde vom Kapellmeister Walter Moehl am Dirigentenpult, der die Vertonung in festem Kontakt mit der Spielhandlung interpretierte, taktsicher ynb tatkräftig unterstützt. Die gefällige Einrichtung der Tänze besorgte Ewald Bä ulke. Die Herren Löffler (Bühnenbild), Keim (Beleuchtung) und Huber (Kostüme) trugen mit einer geschmackvollen Ausstattung wesentlich zum Erfolge bei.
In der Rolle der loni stellte sich die neuengagierte Sängerin Fräulein Sybille-Eveline Flemming in einer vollgültigen und anspruchsvollen Aufgabe vor: sie verfügt über eine angenehme Biihnen- erscheinung, spielte geschickt und mit natürlichem Temperament und zeigte sich auch gesanglich — besonders im Liebesduett des Mittelaktes — den vielfältigen Anforderungen der Partie gewachsen.
Ihr Partner: Alfred Fier ment als Theodor Körner; er gab ihn etwas lyrischer und minder heroisch, als manche vielleicht erwartet hatten, betonte mehr den schüchternen Liebhaber und begeisterten Poeten als den Lützower Leutnant und wurde übrigens gesanglich nach dem ersten Akt immer freier und gelöster; das später wiederholte Glan.)- stück des Mttteläktes, „Zwei Augen, so betörend wie Deine", war auch der entschiedene Höhepunkt seiner Leistung.
Herr Hub als Körners Leibfuchs Schmälzle brachte, diesmal auf sächsisch und gut bei Stimme wie immer, die komischen Pointen. Fräulein B e r - g er als Marianne: eine beherrschte und forgfäliig abgewogene, auch apart gesungene Partie. Fräulein Beling hatte als fesches Wiener Wäschermädel im (eftten Akt einen hübschen Erfolg. In
Ueberroinbung der Gegenwartsnot anzunehmen. Den Gruß der Universität Tübingen überbrachte Prof. Dr. Fezer, der von der notwendigen Zusammenarbeit aller Fakuttäten unter dem Gesichtspunkt einer letzten Sinngebung jeder Spezialarbeit sprach. — Freudigen Widerhall fand auch der Gruß der Christlichen Gewerkschaften und des Ge> famtoerbanbes der E o a n g e l is ch e n Arbeitervereine Deutschlands.
Der Fall Lindernagel-hinhe.
Im Befinden der von ihrem Ehemann Bankier Hintze niedergeschossenen Kammersängerin Gertrud Bindernagel in Berlin ist inzwischen eine wesentliche Aenderung eingetreten. Es geht der Verletzten den Umständen nach leidlich, so daß die Hoffnung sie am Leben erhalten zu können, an Boden gewinnt. Voraussetzung dafür ist, daß keine besonderen Komplikattonen eintreten. — Die Polizeilichen Vernehmungen des Täters wurden abgeschlossen. Hintze ist nun dem Amtsgericht Charlottenberg zugeführt worden. Wesentlich Reues haben die letzten Verhöre nicht mehr ergeben. Hintze blieb dabei, daß er nicht die Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten; er habe ihr nur einen Denkzettel geben wollen. Seine Aussage, daß er vor der Tat größere Mengen Alkohol genossen habe, ist durch Zeugenaussagen widerlegt. Belastend für Hintze ist auch die inzwischen festgestellte Tatsache, daß er die zur Tat benutzte Pistole am Tage vorher durch einen Bekannten untersuchen und reinigen ließ. Eine völlige Klärung über den Selbstmordversuch Hintzes konnte noch nicht herbeigeführt werden, da die Waffe immer noch nicht zur Stelle geschafft werden konnte. CS lieh sich cüso noch nicht nachprüfen, ob Hintze die Waffe tatsächlich gegen sich selbst gerichtet hat, und beim Abdrücken eine Ladehemmung e'nge- treten ist.
Zwölf Iahre Zuchthaus für Erschießung eines Polizisten.
Das Dresdner Schwurgericht verurteilte den 24jährigen Markthelfer Max Schmidt wegen qualifizierten Totschlags, verübt an dem Polizei- Hauptwachtmeister Schiekel zu zwölf Jahren zwei
kleineren Rollen fügten sich die Herren Bruck, Michel, Hey's er, Hauer und Volck angenehm ins Ensemble.
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Diel Beifall und mehrere Wiederholungen. Mit den Hauptdarstellern erschien zuletzt der Intendant.
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Tonfilm: „QuickC
Die Ufa probiert mit ihren männlichen und weiblichen Prominenten immer neue Kombinationen aus; die (für uns in Gießen) neueste ist die Gegenüberstellung von Hans Albers und Lilian Ha r • oei) in dem Tonfilm „Quick" aus der Erich-Pom- mer-Produktion. Er wurde gedreht nach einem Bühnenstück von Felix Gandara unter der Regie von Robert Siodmak. Siodmak hat der Fabel zwar keine eigentümlich filmischen Motive oder Wirkungen abgewonnen, er hat sich aber die ungehemmte räumliche Bewegungsfreiheit der Aufnahme-Apparatur (den eng gezogenen Grenzen des Bühnenspielfeldes gegenüber) zunutze gemacht; er arbeitet mit bedeutenden Mitteln und reicher Ausstattung; das Beste an feiner Arbeit scheint uns die Wiedergabe der immer reizvollen Atmosphäre hinter den Kulissen zu fein. Hinter den Kulissen einer weltstädtischen Variete-Bühne: der Film spielt nämlich zu großen Teilen in dieser merkwürdigen, bunten und schillernden Welt, er nimmt das alte Bajazzo- Motiv nach seiner Weise wieder auf. Und Albers hat die interessante Aufgabe einer Doppelrolle zu bewältigen in die er sich mit seinem ganzen urwüchsigen Temperament hineinstürzt, und auf deren Nebeneinanderher- und Jnelnandcrübergehen der eigentliche Spannungsreiz der Handlung beruht. Uebrigens ist Albers in der Maske des Clowns Quick nicht wiederzuerkennen, nicht einmal mit Sicherheit an der Stimme, wenn er sein von Werner R. H e y m a n n komponiertes Chanson singt: „Gnädige Frau, komm und spiel mit mir ..Die Harvey ihm gegenüber — kein größerer Gegensatz ist denkbar. Auch sie hat eine dankbare Aufgabe: nicht nur da zu sein und niedlich auszusehen und ein Liedchen zu trällern, sondern wirklich zu spielen ... die vielfältig getönte Rolle einer oer- wähnten und verliebten jungen Frau. Aus dem Ensemble sind in erster Linie Paul Hörbiger und Käte Haack zu nennen; außerdem Willy S t e 11 n e r, Albert von Kersten und Flockino von P lat en. „Quick" läuft seit gestern im neuen Programm der Lichtspielhauses. — r—
Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Don der Anklage nach § 11 des Reoublikschutz- gefeites wurde Schmidt wie auch die Mitangeklag- ten Arbeiter Johannes Hofmann und der 24jährige Handarbeiter Willi Abt freigefprochen. Die Der- urteiüen hatten der „Roten Wehr" angehört. Sie hatten während des Wahlkampfes kommuni- stifche Wahlparolen an Wände und Zaune gemalt Als die Schmierkolonne bei ihrer Tätigkeit o o n dem Polizisten überrascht wurde, Halle Schmidt den Beamten durch einen Herzschuß aus einer ihm gehörigen Mehrladepistole getötet
Frecher Juwelenraub ia Hamburg.
In der stark belebten Dammtorstraße in Hamburg wurde dieser Tage von einem Manne die Ladenscheibe eines Iuweliergoschäfts mit einem Stein eingeworfen. Der Täter riß ein Tablett mit Schmucksachen, zumeist Drillantringen, im Gesamtwerte von 15000 bis 20000 Mark an sich und ist mit feiner Beute auf dem Fahrrad entkommen.
Zusammenstoß zwischen Benzin-Lastwagen und Güterzug.
In Arpajon (Dep. Seine et Otte). stieß, einer Meldung aus Pari- zufolge, ein Lastkraftwagen, der Benzin geladen hatte, mit einem Güterzug zusammen. Eine furchtbare Explosion war die Folge. Das brennende Benzin ergoß sich nicht nur auf die Eisenbahnwagen, sondern auch auf zwei in der Rähe liegende Wohnhäu'er. Als die Feuerwehr eintraf, standen die beiden Häuser sowie mehrere Wagen des Güterzuges in Helle n Flammen, liur mit Mühe konnte ein weiteres Umiidjgreifen des Brandes verhindert werden. Das eine der beiden Häuser, in dem sich ein großes Kaufhaus befand, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Aus den Trümmern des bis auf die Eisenteile völlig verbrannten Lastkraftwagens wurde die Leiche deS Führers geborgen, der sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit hatte bringen können.
Line Frau Im Brunnen tot aufgefunden.
Ein grausiger Fund wurde in Stendal in der Altmark gemacht. Gin Gartenbesitzer wollte feinen Brunnen ausbessern lassen und fand dabei die Leiche einer Frau, die seit mehreren Monaten im Wasser gelegen haben muh. SS handelt sich um seine Schwiegertochter, die schon seit langer Zeit vermißt wird. GS liegt offenbar Mord vor. Als Täter kommt vermutlich der Ehemann der Frau, der Maurer Karl 3a11 a 6 aus Stendal in Frage, der flüchtig ist. Die Leiche der Frau mußte durch die Feuerwehr auS dem Brunnen geborgen werden.
Die Tagung des Deutschen Studentenwerk».
In der Derwaltungsratssitzuna der Studenten- Werkstagung in Jena gab der Vertreter der Deutschen Studentenschaft eine Erklärung ab, in der er die Mißverständnisse bedauerte, die durch Presfeoeröffent« lichungen der Deutschen Studentenschaft über di« Arbeit des Deutschen Studentenwerks hervorgerufen worden seien. Der Derwal- t u n g s r a t nahm sodann ein« vom Vorstand vor- geschlagene Satzungsänderung an, die bi« Gewähr dafür bietet, daß der studentische Einfluß in den wichtigen Organen des Sermaliungsrats ft örtere Geltung erhält. In den Vorstand wurde unter großem Beifall Geheimrat Dr. Dr. h. c. Dulsberg als alter Freund der studentischen Wirtschaftsarbell wiedergewählt. Neu treten in den Vorstand die Professoren Heidebrock (Dresden), A ch e l i s (Leipzig), Geheimrat Dr. Dr. h. c. Frisch (Berlin) und die Studenten S t i e b e I i n g (Hannover) und Volk (Stuttgart) ein. Durch die feierliche Verleihung des kürzlich anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Studentenwerks gestifteten (EfjrenrInges der Technischen Hochschule Dresden wurde Professor Tillmann, Som» rnerzienrat Sichler und dem Leiter des Studentenheims München, F. Beck, eine besondere Ehrung zuteil. Zum Dank für die tatkräftig« Forderung der akademischen Jugend im Freiwilligen Arbeitsdienst beschloß di« Versammlung die Absendung eines Danktelegramms an den Reichskommissar Syrup. Professor Tillmann schloß die Der- sammlung mit den Worten Cavours: „Die Zukunft hat noch stets denen gehört, die an sie glauben."
Oie zweiieGüleereLaligulas geborgen.
Der verkohlte schwarze Rumpf der zweiten Galeere deS Kaiser- Caligula, die auS dein Remisee gehoben wurde, wird jetzt nach fast 2000 Jahren in Sicherheit gebracht. Seit Monaten hat man daran gearbeitet, da- Holz, da- überaus brüchig geworden war, zu verstärken und durch ein besonderes Verfahren vor dem weiteren Verfall zu schützen. DaS Schiff war schwer beschädigt worden durch Taucher, die zu verschiedenen Zeiten feit dem 15 Jahrhundert aus ihm die bronzenen Kunstwerke heraufgebracht hatten, die sich jetzt im Rational-Museum zu Rom und auch anderwärts befinden. Der SchiffS- rumpf ist jetzt auf eine schiefe Ebene gebracht worden, auf der er langsam nach der Dorfäufigen Unterkunft in einem Schuppen an der Ostkuste des Sees ges-chvben wird.
Mit Aerger spielt man besser!
Sine gelegentliche Bemerkung einer der beliebtesten französischen Schauspielerinnen. Gaby M o r l a y, wirst eine Frage auf, die bisher von der Theaterforschung noch zu wenig behandelt wurde: bietet der Darsteller bessere Leistungen, wenn er sich wohl fühlt oder 'rgendwie leidend und verärgert ist? Gaby Morlay, die eben von einer Gastspielreise durch Südamerika zurück- gekehrt ist, erzählt, daß die Revolutionen In den verschiedenen Ländern sie und ihr Publikum nicht gestört hätten, aber sie litt öfter- an Fieber unb mußte manchmal mit hohen Temperaturen auftreten. „Das schadet nichts", sagte sie, .man spielt dann um so besser" Als sie nun gefragt wurde, ob sie diese Beobachtung verallgemeinern könne behauptete sie: „Ja, ich glaube, man muß irgendeinen Aerger oder Kummer, irgendein Leiden haben, um auf der Bühne sein Höchstes zu vollbrinaen. Wenn ich gut gespeist habe und mich wohl fühle, dann ist mein Spiel lange nicht so lebhaft und dramatisch, al- wenn ich Im Innern vor Wut koche ober mich irgendwie gedrückt fühle. Das Leben darf dem Künstler nicht zu rosig lächeln, wenn er fein Bestes geben soll."
Oochschulnachfichlen.
Der außerordentliche Professor Dr. Mar Knorr, an der Universität München, hat den Ruf auf den Würzburger Lehrstuhl der Hygiene als Rachsolger von Karl Bernhard Lehmann angenommen.


