Ausgabe 
25.7.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

treten gewesen fei.0 u o t i b i e n" spricht non einem Ultimatum Nadolnys unb schreibt, man habe die Maske fallen lassen, einer nach bem anberen. Mussolini habe vor her Abrüstungskonferenz die Erklärung abgeben lassen, bas, er sich weigere, die Resolution Be- nesch zu unterzeichnen, an deren Ausarbeitung doch die italienischen Delegierten teilgenommen hallen. 'Jiabolni) habe gestern Im Namen Deutschlands die feierliche Erklärung abgegeben, die Deutschland er­wartete und seit langem vorbereitete.

Das Echo in Washington.

Kritik an brr deutschen Taktik.

Washington. 23. Juli. (END.) Dor Ab­schluß der ersten Phase der Abrüstungskonferenz, im besonderen der Verlauf der beiden letzten Tage, ist hier mit ungewöhnlichem Interesse ver­folgt worden. Im Staatsdepartement hat man sich zunächst auf die Feststellung beschränkt, daß man ohne genaue Information über die Ginzel- Helten der gestrigen Vorgänge noch kein ab­schließendes Urteil fällen könne, daß man aber naturgemäß jede Entwicklung bedauern müsse, die die Fortschritte einer allge­meinen R ü st u n g S b e s ch r ä n k un g ver­zögere. Die Blätter bringen vor allem Her- r i o t s Rede in nr öfter Ausführlichkeit, wobei sie seine grundsätzliche Zustimmung zum Hoover- plan hervorheben. Selbstverständlich hat auch Aadolnys Erklärung grofte Beachtung ge­funden. Der Inhalt seiner Ausführungen be­gegnet natürlich keinem Widerspruch, zumal Amerika den Versailler Vertrag nicht ratifiziert hat und daher an der viel umstrittenen gegen­wärtigen Begrenzung der deutschen Wehrmacht nicht beteiligt ist- Dagegen sind merkwürdiger­weise hier und da Kritiken aufgetaucht, die den Zeitpunkt deS deutschen VorstofteS für ungeeignet halten, weil sie behaupten, daß er In einem Augenblick unternommen worden sei, als man nach sehr langen und schwierigen Verhandlungen die Hoffnung gehegt habe, endlich mit einer e i n st i m m i g e n Resolution zu einem gewissen Abschluft zu ge­langen. ES braucht nicht hervorgehoben au werden, daß diese Meinung nicht überall geteilt wird. Don der üblichen Zurückhaltung im Staats­departement, da« jede Stellungnahme zu den Erklärungen der einen wie der anderen Seite ablehnt, ist ja schon die Rede gewesen.

EinEingesländnispaulSoncourS Die-lbstrichc amHeereüßantzhalt schwächen nicht die Milttärstärke Frankreichs.

Paris. 24. Iuli. (XXI.) Der französische Kriegsminister Pa ul-Doncvur erklärte auf der Schlußsitzung de» Kongresses der französischen Reserveoffiziere, daß Frankreich allen anderen Mächten den Beweis geliefert habe, daß e» end­gültig auf den Krieg verzichte und feine Armee nur für die eigene Sicherheit -und Verteidigung unterhalte. Die A b- st r i ch e, die kürzlich am HeereshauShalt vorge­nommen seien, schwächten in k e i n e r We i s e d i e M i l i t ä r st ä r k e. Für die Zukunft sei eS notwendig, die Organisierung der Verteidigung der französischen Außenpolitik anzupassen. Diese Außenpolitik müsse vornehmlich in der Erweite­rung der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit und der Verbesserung der Sicherheit bestehen. Der Rüstungswettlauf müsse aufhören, um Rü­stungseinschränkungen Platz zu machen. An den Sicher heitSgarantien, die man Frankreich anbiete, werde man ermessen können, was Frankreich als Gegenleistung dafür zu bie­ten in der Lage sei. Abrüstung und Sicherheit müßten nach wie vor eng miteinander verbunden bleiben.

Schwerer Zusammenstoß in Bunzkau.

Bunzl au. 23. Iuli. (TU.) Bei der Rückkehr von Rattonalsozialisten von der Hitlerlundgebung in Liegnih kam eS vor demVollshause in Bunzlarl zu tätlichen AuSeinander- s e tz u n g e n zwischen K o m m u n i st e n und Reichsbanner leuten auf der einen und

Völker in Anekdoten.

Gesammelt von Wart LerbS.

21 u f Dänisch.

Der dänische König Christian IV. empfing im Jahre 1611 einen in höchst kränkenden Ausdrücken gehaltenen Fehdebries von Karl IX. König von Schweden. Christian, diplomatischen Floskeln durch­aus abhold, antwortete:

Deine Beschuldigungen sind erlogen. Dein Fehde- brlcf ist ein Narrenstück. Nimm Nieswurz."

A u f P o l n i s ch.

Als Albrecht v. Haller, der große (Ergrünber seelischer und körverlicher Vorgänge und Zusammen­hänge, seine Gedichte veröffentlichte, feierte man ihn In einem Taumel der Begeisterung. Von diesem Taumel ergriffen zu werden, hielt auch Fürst Nadziwill der Oberbefehlshaber des polnischen Heeres, für seine Pflicht; und er erwies nach reif­lichem Bedenken dem Dichter die höchste Ehrung, die er zu vergeben hatte, indem er ihm das Patent als Generalmajor in der polnischen Armee sandte.

Aus Englisch.

Samuel Johnson geriet mit einem gelehrten Kollegen aus Griechenland in einen Streit über die Dornige der Nationen: England ober Griechenland?

Hellas!" jagte der Grieche.Alle großen Weisen sind von Hellas ausgegangen."

Infolgedessen", sagte Johnson,ist jetzt auch fei- ncr mehr drin."

Auf Französisch.

Herr v. Berryer, Ludwigs XVI. allmächtiger PoliAelleulnant, erhielt einst von einem Polizeivogt aus der Umgebung von Poris den folgenden Brief:

Vielgeliebter Herr Amtvbruder! Als ich gcjtern meinen Amtvtag hielt, schalt einer mich einen Suttz- buben. Ich bitte Sie, mir aus Ihrer eigenen Erfah­rung mitzuteilen, wie Sie sich in einem solchen Falle verhalten. Dadurch werden Sie, vielgeliebter Herr Amtsbruder, sehr zu Dank veroslichten

Ihren gehorsamen Diener .. .*

AufIrisch.

In Irland erzählt man sich, baß vor hunbert Jah­ren ein zu hintergründigen Sväßen aufgelegter alter Ebelmann auf dem Totenbette ein seltsames Testa- ment diktierte: Seine (noch sehr junge) Frau sollte, lofern sie unverheiratet blieb, auf dem Vermögen, das er hinterließ, jährlich hundert Pfund Rente be­ziehen, verheiratete sie sich aber wieder, so sollte sie zweihundert Pfund erhalten.

Rationalsozialisten auf der anderen Seite- ES wurden auch mehrere Schüsse ab­gegeben. Der Reichsbannermann Iosef Schreiber aus Dünzlau wurde getötet und mehrere Ra- tionalsoztalisten und Kommunisten verletzt. Insgesamt soll die Zahl der DerleNten nach einem noch unvollständigen PoliAeibericht, der die Schuldfrage offen läftt, 15 betragen. Bunzlauer und Görlitzer Polizei stellten die Ruhe wieder her.

Gerichtliches Nachspiel der Altonaer Unruhen.

Altona, 23. Iuli. (MTV.) Im Ermitt­lungsverfahren wegen der blutigen Vor­fälle In Altona sind die Vernehmungen der 92 vor­geführten Personen abegeschlossen. Gegen 71

Beteiligte wurde richterlicher Haft­befehl erlassen. Die übrigen 21 Personen wurden wegen mangelnden Tatverdachtes freige­lassen. Die neueren Feststellungen, insbesondere die heute früh erfolgte Ortsbesichtigung durch Vertreter des Gerichtes und der Staatsanwalt­schaft lassen es al» sicher erscheinen, daß eS sich um planmäft ige Angriffe gehandelt hat. Die Staatsanwaltschaft wird in Kürze Antrag auf gerichtliche Voruntersuchung stellen. Wo dafür die Voraussetzungen nicht gegeben sind, wird das Schnellgerichtsverfahren einsetzen. Be- relts am Donnerstag wird sich ein Steinsetzer Schultz aus Hamburg wegen Landfriedens­bruches vor dem Schnellrichter zu verantworten haben.

Günstiger Verlauf der Stuttgarter Länderkonserenz.

Preußen kein Präzedenzfall für andere Länder. Oer Reichskanzler beruhigt Süddeutschland.

Vie amtliche Mitteilung.

Stuttgart, 23. Dull. (1DIB.) von zuständiger Seite wird mitgeteilt: 3n der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder, die heute unter dem Vorsitz des Reichskanz­lers In Stuttgart tagten, wurden die wichtigsten Fragen der auswärtigen und der inneren Politik In eingehender, vertraulicher Aussprache, an der sich alle Minister und Ländervertreter beteiligten, erörtert. Die Konferenz nahm mit Befriedi­gung von der Zusicherung Kenntnis, daß die Reichsreglerung durchaus auf föbe- raliftIfchem Boden stehe und die Rechte der Lände'r in keiner Weife antaften wolle. Der Reichskanzler betonte, daß die notwendig gewordene Einsetzung eines Reichskom- miffar» in Preuße n nur eine vorüber­gehende Maßnahme darstelle. Eine Aus­dehnung dieser Maßnahme auf die anderen Länder komme nicht in Frage, weil nach Ansicht der Reichsreglerung in den anderen Ländern Ruhe und Ordnung sichergestellt sind. (Er erklärte namens der Reichsreglerung ausdrücklich, daß die Reichs- tagswaht programmäßig am 31. Juli st a 11 f i n d e n würde. Die Reichsregierung hoffe, den Ausnahmezustand in Berlin und Bran­denburg in den nächsten lagen aufheben zu können. Soweit von den Ländern Bedenken ge­gen die Maßnahmen der Reichsreglerung vorgebracht wurden, erkannte der Reichskanzler dankbar deren sachliche Vertretung an. Reichsreglerung wie alle Länderregierungen waren sich darin einig, daß d i e

Autorität der Reichsreglerung und der Cänberreglerungen ungeschmälert aufrechterhalten werden mühte. Zu diesem Zweck ist ein vertrauensvolles Zusam­menarbeiten zwischen Reich und Ländern beiderseits anerkannte Rotwendigkeit.

*

Die Länderkonferenz der Ministerpräsidenten in Stuttgart befaftte sich vorwiegend mit der Frage der Einsetzung des R er ch s k om missa r s in Preußen. In dem Bericht des Reichskanzlers ist besonders bi e bündige u nd o o r d e h a l t - lose Erklärung bemerkenswert gewesen, daß gegen irgend ein anderes Land ein derartiger Schritt nicht geplant sei. Die Voraussetzungen dafür lägen nirgends vor, weil in den anderen Ländern die Organe, die für Ordnung und Sicherheit zu sorgen hätten, in den besten Händen seien. Die Tatsache, daß die Länderregierungen in Süddeutschland nur ge- schäftsführende Regierungen seien, biete keinen Grund zur Einsetzung eines Reichskommissars. Die Verhandlungen, die sich an den Bericht des Reichskanzlers anschlossen, sind in bet Sache scharf aewesen, aber in ruhigem Tone geführt worden. Vor allem hatten die größeren Länder schwere Bedenken und Einwendungen, die sich in erster Linie auf bem Gebiete der Reichs­politik bewegten. Auch die Vorgänge und Ergebnisse in Lausanne flnb in bie Aussprache mit ein« bezogen worden.

Die Länderkonserenz war um 17.30 Uhr beendet. Nach der Konferenz unternahm der ReichskanAler mit anderen Teilnehmern eine Fahrt in die Um« flebung Stuttgarts. Um 19.16 Uhr ist der Reichs- kanzler nach Berlin abgereist.

Landwirtschaftliche Siedelung im deutschen Osten.

(kin Rundfunkvorirag des Reichsernährunasniinisters.

Berlin, 23. Iuli. (WTV.) Der Reichsmini- iter für Ernährung und Landwirtschaft, Frei- >err v. Braun, hielt heute abend eine Rund­unkrede über das ThemaLandwirtschaftlicke Siedlung". Das für die Siedlung vor allein in Frage kommende Gebiet östlich der Elbe einschließlich Schleswig Holsteins, mit Ausnahme der Staatsgebiete von Hamburg, ßübed, Anhalt, Sachsen und der Provinz Groß-Berlin, umfasse ntnb 18 Millionen Hektar, wovon 10,8 Millionen Hektar nutzbar seien. Von dieser Släcfte entfielen 34 Prozent auf Betriebe von 0,5 bis 20 Hektar,

28 Prozent auf Betriebe von 20 bis 100 Hektar und 38 Prozent auf Betriebe von über 100 Hek­tar. Diese Zahlen bewiesen, daß auch die ost­deutsche Landwirtschaft einen star­ken bäuerlichen Einschlag habe. Da die Xlngunft der Verhältnisse in den letzten Iahren die Produktionskraft vieler Betriebe im ganzen Osten außerordentlich geschwächt habe, so be­stehe die Gefahr, daß diese Güter durcy Man­gel an Kapital immer mehr exten­siv ierten. Kein Gläubiger wage sich an diese Güter heran, und die Zett sei abzusehen, wo sie

Warum denn das?" wunderte sich der Notar.

Der alte Herr lächelte schmerzlich.

Der arme Kerl wird ' s brauche n", sagte er.

A u s Preußisch.

Vor Friedrich dem Großen erschien ein altgebienter Offizier und bat um ein Ruhegehalt.

Wir wollen sehen", sagte ber König mitgelaunt.

Bittel" sagte der Offizier, riß Rock und Hemd auf unb zeigte seine Narben.

Friedrich lächelte.Gesehen und bewilligt", sagte er.

21 u f Schwedisch.

Ernst Moritz Arndt erzählte, er sei auf seiner Reise durch Schweden einer gewaltigen Kirchenglocke begegnet, die von zwölf Pferden gezogen wurde. Der Kutscher, der Arndts Postkutsche lenkte (Skjuts- bonbe" nennt man solche Leute dazulcmde), sah hin­über unb sagte:

Die armen Pserbel Jetzt müssen sie bie Glocke ziehen, unb nie wirb die Glocke für sie gezogen werden."

Ist das nicht, sagte Arndt, ein Stoff zu hundert Elegien unb hundert gefühlovollen Träumereien?

Noch einmal auf Englisch.

In einer Gesellschaft mußte Johnson eine lange und glühende Lobrede mitanhören, die ein Schotte auf seinen Landsmann Lord Mansfield hielt.

Ist nicht Mansfield schon In jungen Jahren nach England gekommen unb in England erzogen wor­den?" fragte Johnson.

Das stimmt" gab der Schotte zu.

Aha", nickte Johnson.Auch aus einem Schotten kann man was ordentliches machen, wenn man ihn jung einfängt."

Oie verschwundene Millionen Fracht.

Die Kriminalpolizei fast aller Hauptstädte der Welt beschäftigt sich mit einer D I e b st a h l o. affärc, bie einzig dastehen dürste. Von einem Frachtdampfer Ist eine Fracht von Kunstgegenstän- den im Werte von mehreren Millionen spurlos verschwunden. Der Aufgeber des Frachtbriefes befand sich selbst an Bord, auch er ist verschwunden. Im Juli v. I. übernahm ein Kunsthändler In Mo- naco von einer Iran Rodard in Paris eine Samm­lung von Kunstwerken im Werte von mehreren M 111 i o n e n M a r k zum Verkauf. Die Sammlung bestand aus kostbaren, zum Teil unersetzbaren Anti­quitäten. Besonders wertvolle Stücke waren Tep­picharbeiten aus Flandern aus dem 17. Jahrhun­dert. Die Teppiche zeigen verschiedene Motive. Eins

stellt die Hochzeit und den Tod der Kleopatra bar, eine andere Arbeit zeigt die Jagd der Diana. Die Sammlung enthält ferner Holztafeln aus ber spa­nischen Schule des 15. Jahrhunderts, die Franz von Assist und die heilige Katharina von Alexandrien zeigen, weiter Holztafeln aus ber Kölner Schule be» 15. Jahrhunderts, einen Degen aus der Epoche um 1830, dessen Griff aus Gold unb Emaille ist, unb anderes.

Der Kunsthändler in Monaco, der keine Möglich- Feit sah, die Schätze zu verkaufen, übergab die Sammlung bem Kunsthändler Wantura, ber nach seinen Angaben türkischer Nationalität ist und aus Jstambul stammt. Der Türke übernahm die Samm­lung unb wollte sie zum Verkauf nach Amerika bringen. Die Kunstyegenstände würben verpackt unb an Bord des französischen PaketbootesRoma" ge­bracht zur Beförderung nach Neuyork. In Dllle- franche begab sich ber türkische Händler auch an Bord derRoma" zur Ueverfahrt nach Neuyork.

Seitdem hat man von dem Türken nichts mehr gehört. Er und bie wertvolle Sammlung waren ver­schwunden. Der Kapitän berRoma" konnte durch Vorlage der Auvlandpaplere beweisen, daß die La- buna ordnungsgemäß im Neuyorker Hafen ausgc« schifft wurde. Es blieb keine andere Erklärung, als die, daß der Türke die Millionenfracht unterschlagen hat. Auf Veranlassung der französischen Polizeibe- Hörden stellte die Neuyorker Polizei umfangreiche Nachforschungen nach dem türkischen Händler an. Es konnte bisher nur festaestellt werden, daß Wan­tura nach seiner Landung In Neuyork einige Wochen in einem kleinen Hotel gewohnt hat, daß er auch eine Firma eröffnete, bie die Bezeichnung führte M. wnnhiras Corporation. Die Firma beschäf­tigte kein Personal, wurde auch bald wieder geschlos­sen, und der Türke verließ Neuyork. Angeblich soll er nach Rio de Janeiro gefahren sein. Dort konnte aber keine Spur von ihm entdeckt werden. Wenn der Türke die Kunstsammlung tatsächlich untersckla- gen hat, wird er sie nur sehr langsam unb vorsichtig realisieren können, und es erscheint auch ausge­schlossen, daß er versucht, die ganze Sammlung in den Vereinigten Staaten abzusetzen, weil dies der Polizei nicht verborgen bleiben könnte. Es wird angenommen, daß Wantura in Amerika nur einen Teil verkauft, den Rest nach Europa zurückbringt, um Ihn hier als Einzelstücke bei Antiquitätenhänd­lern abzusetzen. Es werden daher alle in Frage kommenden Kunst- und Antiquitätenhändler in Eil- ropa von bem verschwundenen Kunstwerke verstän­digt und gewarnt.

zur Steppe würden. Die Reichsregterung halte eL für ihre bringende Pflicht, dieProduktionS- fähig keit dieser Flächen zu erhalten. Sie werde gegebenenfalls auf dem Wege der Ge­setzgebung dafür Sorg« tragen, daß sie eine ihrer Bodenqualität, Absatz- unb Dertehrslage ent­sprechende Verwendung fänden. Für die Besied­lung schieden in erster Linie ganz schwere Böden, ebenso leichter und steriler Sand, ferner Güter mit schlechter DerkehnSlage und Absatzferne und endlich Gegenden mit überwiegend klein- und mittelbäuerlichem Besitz aus. Die Möglichkeiten der Siedlung seien daher keineswegs un­beschränkt.

Unter Bezugnahme auf daS ReichssiedlungS- geseh und die Betriebszählung von 1907 errech­nete der Minister, daß noch rund 690 000 Hektar zur Siedlung bereit stünden. Rehme man die durchschnittliche Dtellengröfte mit etwa 12 Hektar an, dann föhnte man etwa 5 7» bis 58 000 bäuerliche Stellen schaf - f e n. Von dieser Zahl würden etwa 43 000 auf ländlich«, bei der Aufteilung von Groftgütern frei- werdende Arbeiter entfallen und nur der Rest von etwa 1 5 000 Stellen auf zweite Bauernsöhne und Auswan­derer aus den Städten. Würde aller Großgrundbesitz der genannten Provinzen aufge­teilt, so könnten aber auch nur etwa 250 000 Stel­len geschaffen werden. Man müsse von diesen nüchternen, in den tatsächlichen Verhältnissen be­gründeten Zahlen ausgehen und nicht von utopi­schen Millionen. Die Reichsregierung halte es aber für unerläßlich, der Siedlung ein oes ch leu- nigtes Tempo zu geben. Außer den bisher im Etat enthaltenen 50 Millionen Mk. würden also zusätzlich weitere 50 Millionen Mark für SiedlungSzwecke bereit­gestellt.

Man müsse hoffen, daß es möglich fein werde, durch weitgehende Heranziehung der Selbsthilfe der Siedler, Einschaltung des Freiwilligen Ar­beitsdienstes, möglichste Beschränkung der Aus­gaben selbst die Gesamtkosten der Besiedlung einer selbständigen Ackernahrung von etwa 15 Hektar auf 6000 Mk., vielleicht auf 5000 Mk.. zu senken. Man müsse sich hüten, Siedlungen zu schaffen, die von vornherein lebensunfähig seien und nur die Zahl der wirtschaftlich Schwachen im deutschen Osten vermehren würden.

Eine Protestentschließung der deutschen Kriegsopferverbände.

Bremen, 23. Juli. (ERB.) Die Kriegsopfer- verbändeReIchsverband^ und Zentral- verband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener, die vom 24. bis 26. Juli hier ihren Verbandstag abhalten, veranstalteten gestern als Auftakt zu der Tagung eine Protestkundgebung. In einer Entschließung wurde u. a. erklärt, die Kriegsbeschädigten upb Kriegerhinterbliebenen müßten gegen die zahl­reichen Notverordnungen und die Rentenkürzungen schärf st en Ein­spruch erheben. Man müsse feststellen, daß die Mehrzahl der 400 000 versorgungsbercchtigten Kriegerwaisen in Ihrer Berufsaus­bildung aufs schwerste gefährdet seien. Der Entzug der Rentenversorgung mangels einer Berufsausbildung fei untragbar. Die Versammlung, heißt es weiter, erwarte bestimmt, daß die Reichs­regierung unverzüglich Maßnahmen zur Beseitigung der sich immer mehr verschärfenden Not der Kriegs­beschädigten und Kriegerhinterbliebenen durchführe.

Neue Beamtengehaltskürzungen in Mecklenburg-Strelih.

Neu-Strelitz, 24. Juli. (WTB.) Auf Grund des vom Landtage beschlossenen Ermächti­gungsgesetzes zum Ausgleich des Staatshaus­haltes vom 19. Juli 1932 hat das Staatsministerium eine Verordnung erlassen wonach für das Rech­nungsjahr 1932/33 vom 1. August 1932 ab die Dienst- und Versorgungsbezüge der Staatsbeamten um weitere 2% Prozent gekürzt werden: für Ledige und Verheiratete, die keine Kinder zu versorgen haben, e r h ö ht sich die Kürz ung a u f 5 Prozent. Die Verordnung tritt am 31. März 1933 außer Kraft.

Kerienabenieuer.

Von Hans Niebau.

Vier Touristen, drei Herren in mittleren Jah­ren und eine junge Dame warten vor dem Tor der Haff-Burg. Endlich kommt der Führer. Er ist siebzig Jahre alt, hat ein energisches, rotes Gesicht, und seine Augen funkeln scharf und klug durch die Brillengläser.

Darf ich bitten", sagt er und öffnet das Tor.

Hier sehen Sie", fängt der Führer an,einen wundervollen Schrank aus dem 14. Jahrhundert. Er stammt" der Führer guckt einen der Herren anaus Ihrer Heimatstadt, aus Nürnberg."

Der Herr macht ein betroffenes Gesicht.

Unö dieses Schiffsmodell", fährt der Führer fort,hat einmal" und jetzt guckt er den zweiten Herrn anin Ihrer Heimatstadt In einem sehr berühmten Hause gehangen: Im Cssighaus in Bremen "

Der zweite Herr lehnt sich vor Xleberrafchung gegen die Wand.

Der Führer geht weiter und erklärt.Dieses Bild", sagt er,müssen S i e" und er guckt den dritten Herrn ankennen. Es ist eine Kopie aus dem 17- Jahrhundert. DaS Original hängt in Ihrer Heimat und ist eine Weltberühmtheit: die Sixtinische Madonna in Dresden."

Der dritte Herr ringt nach Atem.Aber wie ist so etwas möglich?", fragt er,woher wissen Sie, daß wirT*

3a, ja", lächelt der Führer.Ich bin ein alter Mann und überall in der Welt gewesen Isdem Menschen steht im Gesicht geschrieben, welche Luft er atmet, woher er stammt, oder wo er sich lange Zeit aufgehalten hat."

DaS ist ja phantastisch", schütteln die Herren die Köpfe unb fangen an, Trinkgelder in nam­hafter Höhe zu spenden.

..-Unb woher", fragt die junge Dame, indeft der Alte die Silberstucke in die Tasche gleiten läftt,woher stamme t ch?"

Der Führer macht ein bedenkliches Gesicht.Bei Frauen ist das schwer zu sagen", murmelt er schließ, sich.Erstens nehmen sie überhaupt den Charakter der Landschaft, In der sie wohnen, nur sehr unvoll, kommen an. Zweitens verändern sie nicht wahr? ihr Gesicht mit künstlichen Hilfsmitteln. Und drit­tens der Führer zeigt auf ole drei Herren und drittens tragen sie, im Gegensatz zu den Män­nern, keine Hüte in der Hand, in denen die Her- kunftsbezeicknung in großen goldenen Buchstaben angegeben ist."