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zweifellos die ernste Befürchtung, dah die litau- lfche Regierung sich auch über die heutige Stel­lungnahme des Völkerbundsrates Hinwezsehen wird, jedoch bedeutet die eindeutige Stel­lungnahme der vier Ratsmächte andererseits eine eindeutige Erklärung im Sinne des von der deutschen Regierung einge­nommenen Standpunktes. 5>ie Entschei­dung des Völkerbundsrates schafft jedoch für die Reichsregierung die unbedingte Rotwendigkeit jetzt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bei der litauischen Regierung auf Einhaltung der vom Rat festgelegten Richtlinien zu dringen und notwendigenfalls eine sofortige Stel­lungnahme der vier ^.lnterzcichner- st a a t e n herbeizuführen.

Gchärfste Spannung im deutschen Osten.

Polen bedroht Ostpreußen und Danzig.

Königsberg, 20. Febr. (£11.) Der o st - preußische Provinzialausschuh hat in seiner Sitzung vom 19. Februar 1932 folgende Entschließung gefaßt, die sofort zur Kenntnis der zuständigen Reichsbehörden gebracht wurden

Bei einer Feier polnischer Studenten in Danzig am 2. Februar haben Vertreter polnischer Zivil - und Militärbehörden Reden ge­halten, welche unverhüllte Drohungen gegenDanzig und O st Preußen enthalten und einen militärischen lleberfall in nahe Aussicht stellen. II. a. hat der Vertreter des kommandierenden Generals in Thorn erklärt, daß er eher nach Königsberg in Uniform als zum zweiten mal nach Danzig in Zivil kommen werde. Infolge dieser un­erhörten in so herausfordernder Schärfe noch nie gewagten Drohungen und unter dem Eindruck der jüngsten Vorgänge in Memel ist die Stim­mung in der Provinz Ostpreußen außerordent­lich gespannt.

Der Provinzialausschuß hält es für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit derReichs- regierung hierauf zu lenken und zu fordern, dah alle nur denkbaren Mahnahmen zum Schuhe des bedrängten Ostens getroffen werden. Die Reichsregierung kann sich darauf verlassen, dah die Ostmärker eingedenk ihrer Pflichten, die Heimat bis zum Aeuhersten verteidigen werden."

Ein Kuratorium der Hindenburg-Ausschüsse. Berlin, 20. Februar. (WTB.) Die S) a u p h geschäftsstclle der Hindenburgaus- schüsse teilt folgendes mit: Es hat sich ein Ku­ratorium der Hindenburgausfchüsse gebildet, dem folgende Persönlichkeiten angehören:

Öberpräsident a. D. von Batocki (Königsberg i. Pr.); Franz Behrens (Berlin), Vorsitzender des Verbandes ländlicher Arbeitnehmer; Robert Bosch (Stuttgart); Geheimrat Duisberg (Le­verkusen); General der Infanterie a. D v. Eisen­hart-Rothe (Berlin); Forstrat a. D. E sche­r'ich (München); Landrat a. D. G ereke; Ober­bürgermeister Dr. Sa hm (Berlin); Oberst a. D. von S e i s s e r (München); Reichsgerichtspräsident a. D. Simons (Berlin); Graf Westarp (Ber­lin); Freiher von Wilmowsky-Macien- tal; Generalmajor a. D. von Winterfeldt (Berlin). *

Wie weiter verlautet, werde in den allernächsten Tagen ein Aufruf für die Wahi Hinden­burgs erscheinen, durch den zahlreiche Persönlich­keiten aus den Kreisen der Wählerschaft von 1 9 2 5 zum Ausdruck bringen würden, daß sie nach wie vor zu Hindenburg stünden und daß dessen Ausstellung keineswegs eine Angelegenheit der schwarzroten Par­teien sei. Der Aufruf werde ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit Unterschriften aus allen Teilen des Landes tragen, die Graf Westarp gesammelt hat, namentlich auch von höheren Offizieren und führenden Männern des geistigen und wirtschaftlichen Lebens, die es drin­gend gewünscht und begrüßt hätten, Gelegenheit zur Stellungnahme für die Wahl Hindenburgs zu er­halten.

Dorsch-Wölfersheim tritt aus dem Reichslandbund aus.

Scharfe Äriht an Kalkreuths Stellung­nahme gegen Hlndenb'.rg.

Der Reichstagsabgeordnete Dorsch-Wöl­fersheim wendet sich mit einer Zuschrift an die Oeffentlichkeit, in der es u. a. heißt:

Ich erkläre hiermit meinen Austritt aus dem Hessischen Landbund. Rach dem Beschluß, daß der Hessische Landbund in Zukunft politisch neutral sein soll, hat der Land­bund meiner Ansicht nach seinen Zweck ver­loren.

Wenn ich gleichzeitig aus dem Reichs­landbund austrete, so wurde ich zu diesem Schritt gezwungen durch die Einstellung des Prä­sidiums des Reichslandbundes gegen die Wie­derwahl Hindenburgs. Wenn das Prä­sidium und der Vorstand des Reichslandbundes glaubten in dieser Schicksalsfrage des deutschen Volkes für alle Landbundmitglieder sprechen zu können, dann werden sie sich täuschen. Wer war es, der im Weltkrieg Deutschland, besonders den deutschen Osten, vor der Knute der Kosaken rettete? Wer war es, der in der Rachkriegszeit, als alles wankte und brach, auf seinem Posten blieb und uns vor Anarchie und Bürgerkrieg bewahrte: Hinden­burg, Deutschlands größter Sohn der Gegen­wart! Wo waren da die lautesten Rufer der sogenannten Rationalen Opposition?

Auch noch ein anderer Grund ist es, der mich zum Austritt aus dem Reichslandbund zwingt. Mir scheint, dah die Leitung des Reichs­landbundes mit vier Präsidenten und drei hoch­bezahlten, auf Lebenszeit angestellten, Direktoren für die verarmte Landwirtschaft zu kostspielig ist."

Oer Vorsitzende

der Deutschen Adelsgenoffenschast.

Königsberg, 20. Febr. (TU.) Der Adels­marschall von Derg-Markienen ist als Vorsitzender der Deutschen Adelsgenossenschaft zurückgetreten und hat folgende Erklärung abgegeben:Ich hatte einen Aufruf für die Wiederwahl des Feldmarschalls von Hindenburg erlassen. Ich habe dies damals getan in dem Glauben, daß, selbst wenn die da­mals geführten Verhandlungen über ein Rechts-

Das neue Kabinett Tardieu in Frankreich.

Oie alten Leute unter stärkerer Führung. Verschärfte Spannungen zwischen Rechts und Links.

Paris, 21.Febr. (TU.) Die vergeblichen Be­mühungen p a i n l e v e s , ein lebensfähiges Kabi­nett zu bilden, haben endgültig den Beweis geliefert, daß bei der augenblicklichen Zusammensetzung der Kammer weder eine große Koalition, noch ein sogenanntesKabinett der Verständigung" möglich ist. Da zweifellos auch jede andere Kombination scheitern muhte, schien Tardieu die einzige Person- lichkeit zu sein, die im Augenblick eine Regierung zustande bringen konnte, deren Lebensfähigkeit bis zu den Wahlen gesichert ist. Tardieu, der auch dies­mal wieder ganz besonders geschickt manöveriect hat und den auch die Verantwortung für das Scheitern der Bemühungen painleves trifft, hat denn auch den Auftrag zur Bildung des Kabinetts angenom­men und es ist ihm in der Rächt zum Sonntag gelungen, eine Regierung zu bilden, die sich folgen­dermaßen zusammenseßt:

Rlinislerpräsidium und Auswärtiges: Tardieu. Justizministerium: Reynaud.

Inneres: IN a h i eu.

Finanzen: Flandin.

Rationale Verteidigung: Pie tri.

Oeffentlicher Unterricht: Mario R o u ft a n. Pensionen: Lhampetier de Ribes.

Arbeit: Laval.

Gesundheitspflege: B l a i s o t.

Oeffentliche Arbeiten und Verkehr: G u e r n i e r. Landwirtschaft: Dr. Chauveau.

handel und Post: R o l l i n.

Kolonien: de Chappedelaine. .

Das Kabinett zählt sieben Mitglieder weniger als das vorausgegangene Kabinett. Das Budgetministerium ist mit dem Finanzministerium, das Ministerium für Handelsmarine und handels- luftfahrt mit dem Ministerium für öffentliche Ar­beiten, das Post- und Tclegraphenminiftecium mit dem Ministerium für handel wieder vereinigt worden. Reu geschaffen wurde das Ministe­rium für Rationale Verteidigung, das die bisherigen Ministerien für heereswesen, Kriegs­marine und Militärluftfahrt vereinigt. Das neue Kabinett tritt am Dienstag vor das Par­lament. Tardieu beabsichtigt, am Mittwoch nach Genf abzureifen, um die Führung der fran­zösischen Delegation auf der Abrüstungskonferenz wieder zu übernehmen.

Die Aufnahmen in der presse.

Paris, 21. Febr. (WTB.) Das Kabinett Tardieu wird von der Presse der Mehrheit und von den großen Rachrichtenblättern mit Freu­den begrüßt. Ein Teil der linksstehenden Presse nimmt das Ministerium Tardieu mit Re­signation auf. Einige radikale Blätter, sowie vor allem auch der sozialistischePopulaire" erklären jedoch, daß es sich um ein Kampfkabinett handele, und daß die Mehrheit des Se­nats dieses Ministerium als Herausfor­derung deuten müsse. Der Kampf der Oppo­sition gegen das Kabinett gehe fort.Temps" schreibt, man werde zugeben, daß der Sturz des Kabinetts Laval keine anderen Folgen haben konnte als die Bildung eines Kabinetts Tardieu. Das Ministerium Tardieu werde wahrscheinlich bei denen keine Gnade finden, die hartnäckig gegen das Kabinett Laval gestimmt haben. Aber man könne nichtsdestoweniger voraussehen, daß es der Opposition an ausreichenden Vorwänden fehlen werde, um das Kabinett Tardieu zu be­kämpfen. Das Volk, das dieses Ministe­rium erwartet habe, werde es nur nach seinen Werken beurteilen, und die Stunde des Urteils sei nahe.

Iournal des Debats" schreibt, der Senat habe, als er das Kabinett Laval stürzte, eine absurde Initiative ergriffen. Er habe dafür gesorgt, daß Frankreich ohne irgendwelchen Grund acht Tage verloren hat. Werde Frankreich, schließt das Blatt, in Zukunft von einer internationa­listischen Partei beherrscht werden, die zugun­sten Deutschlands die Liquid ierung desKrieges beende, oder werde Frankreich eine nationale Politik haben, die im Rahmen des Möglichen die FehlerderVer- gangenheit wieder gutmache? Tardieu. habe jetzt eine große Aufgabe übernommen, näm­lich Frankreich vor den Wahlen aufzuklären.

Der linksstehendeS o i r" schreibt, Tardieu habe ein Ministerium gebildet, das noch weiter rechts stehe als das voraufgegangene. Er habe seinen Traum verwirklicht dadurch, daß er Briand seinen Platz am Quai d'Orsay nahm. Das Ministerium sei ein Tardieu-Mini- sterium von Kopf bis zu Fuß; fraglich sei nur, was der Senat dazu sagen werde.I n - transigeant" schreibt, die logische Lö­sung habe obgesiegt.Ami du Peuple" schreibt, der Wert der neuen Regierung werde in der Energie zu erkennen sein, mit der der Ministerpräsident sich der Abrüstung Frankreichs widersetzen werde.

Die Schlacht um Schanghai.

Schwere Kämpfe um Kiangwan. Neuer japanischer Angriff auf Tschapei steht bevor.

Schanghai, 22. Febr. (WTB. Funkspruch. Acuter.) Die japanische Offensive geht stetig vor­wärts. Im rechten Kampfabschnitt nördlich des Dorfes K i a n g w a n rückt die japanische In­fanterie mit Hilfe von künstlichen Rauchschleiern und unterstützt durch Bombenflugzeuge und Ar­tilleriefeuer vor, um von Rorden her auf T a t s ch a n g einzuschwenken. Um den Besitz des Dorfes Kiangwan, wo chinesische Maschinen­gewehre in den Häusern liegen, wird noch

Karte von Schanghai und den Wusung-Forts, auf die jetzt der Generalangriff der Japaner begonnen hat.

-Wv: KIANG5U

ARSENAL

verzweifelt gekämpft. Bei W u s u n g herrscht im wesentlichen Ruhe, ebenso bei T f ch a - pe i. Cs wird aber erwartet, daß die Iapaner heute nachmittag an der Tschapei-Front einen großen Angriff unternehmen werden.

In Tokio rechnet man mit mehrtägiger Dauer der Kämpfe. Es wird erklärt, dah die Operationen, durch die die 19. chinesische Armee

20 Kilomc ter zurückgedrängt werden soll, eine Woche bis zehn Tage in Anspruch nehmen werde. Dann sollen die japanischen Trup­pen sich längs der besetzten Linie in der Ver­teidigung halten, bis die Verhältnisse eine Zu­rückziehung der Truppen rechtfertigen lassen oder bis eine Vereinbarung über eine neutrale Zone abgeschlossen ist.

Das deutsche Generalkonsulat in Schanghai hat eine Bekanntmachung veröffentlicht, wonach sich al(e deutschen Staatsangehörigen un­ter Mitnahme des notwendigsten Ge­päcks im deutschen Gemeindehause zu versammeln hätten, falls eine Räumung be­stimmter Stadtteile oder gar eine Räumung der ganzen internationalen Konzession notwendig werde. Eine unmittelbare Gefahr für die Bewoh­ner der internationalen Riederlassung würde erst entstehen, wenn die Iapaner nach einem Durchbruch bei Kiangwan gegen die bei Tschapei verschanzten Chinesen Vorstößen wür­den, da dann die Riederlassung in d i e j a p a - nische Feuerlrnie kommen müßte.

Gespannteste Aufmerksamkeit rn England.

London, 21.Febr. (TU.) In London brachten die Zeitungen Sonderausgaben heraus mit den neuesten Ereignissen aus der Schlacht von Schanghai. Im Auswärtigen Amt waren die ganze Nacht über Beamte geblieben, um den Er­eignissen zu folgen. Auch Im Kriegsmini st e° rium und in der Admiralität haben Offiziere der Operationsabteilungen Nachtwache gehabt. Die englischen Schiffe vor Schanghai haben Anweisung, erhalten, sich für den Fall einer Räu­mung von Schanghai zur Anbordnah nie von Frauen und Kindern und nötigenfalls auch von Männern sofort zur Verfügung zu stellen Der Schanghai - Ausschuß des englischen Kabinetts hat beschlossen, an der strengsten Neutralität Englands festzuhalten, aber alle Maßnahmen zu treffen, um den Schutz der eng. lischen Staatsbürger und des englischen Eigentums von Schanghai zu sichern. Der Ausschuß steht unter der Leitung von Baldwin. Ihm gehören außer dem Kriegsminister und den maßgebenden Persön­lichkeiten der Admiralität auch der Schatzkanzler, so­wie der Staatssekretär für die Dominions und der Staatssekretär für Indien an.

kabinett sich zerschlagen würden, der Feldmar­schall keinesfalls gegen die Rechts­parteien die Kandidatur annehmen würde. Ieht haben die Verhältnisse gewissermaßen gegen mich entschieden und infolgedessen habe ichdieseKon sequenzaezogen. Ich halte den Zustand, der durch die Annahme der Kandi­datur durch den Feldmarschall gegen rechts erfolgt ist. für sehr unglücklich."

Minister Dietrich zur Lage.

Steuer- und wirtschaftspolitische Maß­nahmen.

Berlin, 21. Febr. (TU.) Auf einer Tagung des Gesamtvorstandes der Deutschen Staatspar­tei bezeichnete es Reichsfinanzminister Dietrich als das A und das O der deutschen Politik den Millionen Arbeitslosen wieder Arbeit zu geben und die 3,3 Milliarden nach Möglichkeit nutz­

bringend zu verwenden, die wir jetzt jährlich für die Arbeitslosenunterstützung zahlen müßten. In finanzieller Hinsicht habe sich besonders bei den indirekten Steuern ein Rotstand er­geben. Rachdem gewisse Fehler bei der Tabak- steuer beseitigt seien, seien die Zigarren und Zigaretten wieder ein gutes Steuerobjekt gewor­den. Sehr viel ernster aber sei die Lage b e i D i e r und Branntwein. Es müsse damit gerechnet werden, daß die Biererzeugung von 55 auf 30 Millionen Hektoliter sinke und daß der Brannt­weinverbrauch auf unter ein Fünftel des früheren Verbrauches heruntergehe. Die R e k o n - struktion der Großbanken solle in einer Welse geschehen, die die Gewähr dafür biete, daß die Banken in Zukunft ihre große volkswirtschaft­liche Aufgabe erfüllen könnten. Die Verteue­rung der Butter durch den neuen Zoll sei vom Standpunkt des Verbrauchers aus gewiß be­dauerlich, aber doch müsse auf der anderen Seite

etwas für die bäuerliche Veredelungs­wirtschaft geschehen. Bei den Handelspolitik scheu Erörterungen müsse bedacht werden, daß sich in allen Ländern das Bestreben nach Abgren­zung und Einengung zeige. Wie Deutsch­land bei einer solchen Politik noch Repara­tionszahlungen leisten solle, bleibe un­erfindlich. Wenn die Konferenz von Lausanne einen Sinn habe, so werde sich zeigen, daß d i e Gläubigermächte planmäßig unsere i Zahlungsunfähigkeit herbeigeführt hätten. Die Tributfrage sei heute weniger eine Geldfrage als eine psychologische Angelegenheit. Daß wir nach dem l.Iuli nicht zahlen könnten, darüber seien sich doch die Gelehrten einig. Wenn man auf der Reparationskonferenz den Krieg als endgültig abgerechnet bezeichnen könnte, so würde eine Erleichterung durch alle Völker gehen und es würde dann mit neuem Mut daran gearbeitet werden, aus dem allge­meinen Sumpf herauszukommen.

In einer Entschließung wird begrüßt, daß Reichspräsident v. Hindenburg die Volkskandidatur für die neue Reichspräsidenten- / Wahl angenommen hat. Die Deutsche Staats- l Partei betrachte es als selbstverständlich, daß alle Kräfte des freiheitlich natio- nalen Bürgertums für den Sieg der Volks- < kandidatur im ersten Wahlgang"emgeseht werden« !

Biersteuer und Bierpreis.

Am 1. April Biersteuerscnkung.

Droht em Bicrstreik? >

Berlin, 20. Febr. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Die Verordnung über die Bierpreissenkung bleibt bestehen und wird durchgeführt, und zwar nach Maßgabe der vom Preiskommissar erlassenen Crgänzungsver- ordnung, wonach die örtlichen Behörden Härten ausgleichen können. Die Deichsregierung hält jedoch die Inangriffnahme des Getränke­best euerungssh st ems für nötig, denn die Finanz la^e erfordert es, daß das Bier unter allen Umständen das aufbringt, was bisher in den Haushalten dafür angeseht war. Diese Ansätze würden aber nicht erreicht wer­den, wenn die Besteuerung in ihrer bisheri- ! gen Höhe, die übrigens bei der gegenwärtigen i Kaufkraftlage der Bevölkerung auch wirtschaftlich und steuerlich nachteilige Wirkungen für das Gastwirtsgewerbe, die Brauereien und die mit dem Braugewerbe zusammenhängenden Gewerbe hat, jetzt bestehen bliebtz. Aus diesem Grunde ist spätestens zum 1. April 1 932 eine ent­sprechende Biersteuersenkung in Aussicht genommen, die dann auch eine weitere Sen- j tung des Bierpreises ermöglicht.

Nachdem die am Samstag im Reichsfinanz­ministerium und im Reichsmirtschaftsministerium geführten Verhandlungen über die von den Gastwirtsorganisationen geforderte Ge­tränkesteuerermäßigung ergebnislos »er­laufen waren, wurde nach einer Meldung der leie- graphen-Union am Sonntagvormittag in einer Ver­sammlung von Vertrauensleuten sämtlicher Gast- wirtsoerbände erneut die Lage beraten. Mit einer Mehrheit von 75 v. H. wurde beschlossen, den B i e r- streikamDonnerstagfrühbeginnenzn lassen, wenn die Verhandlungen, die noch mit dem Preiskommissar geführt werden sollen, ebenfalls zu keinem Ergebnis führen würden. Dieser Beschluß würde für das Gastwirtsgewerbe i m ganzen Reich gelten.

Aus aller Wett.

Goethe-Feier in Wien.

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Die in Oesterreich zum 100. Todestag Goethes geplanten Feiern wurden mit einer Veran­staltung der Wiener älniversität im großen Festsaal der Hochschule in überaus wür­diger Weise vor einem erlesenen Publikum ein­geleitet. Die Vertreter von Staat und Gemeinde, der deutsche Gesandte Dr. Rieth und andere Mit­glieder des Diplomatischen Korps sowie weitere Ehrengäste nahmen in den vorderen Dankreihen Platz. Rach dem feierlichen Einzug des Senats brachte der akademische Orchesterverein die Eg- mont-Ouvertüre zum Vortrag. Als die weihe­vollen Klänge verhallt waren, bestieg der Rektor der Universität Professor Dr. M a r e s ch das Po­dium zu einer eindrucksvollen Rede. Professor Wilhelm Klitsch trug eine Reihe von Ge­dichten vor, worauf Professor Dr. Radler, der im vorigen Herbst aus Königsberg nach Wien berufen wurde, den Festvortrag überGoethe am Wendepunkt zweier Iahrhunderte" hielt. Den Abschluß der Feier bildete die Faustsymphonie von Liszt.

Glückwünsche des Reichspräsidenten zur Washington-Feier.

Anläßlich des 2 0 0. Geburtstages von George Washington hat der Herr Reichs­präsident an den Präsidenten Hoover nachstehendes Telegramm gerichtet:Zur Feier des 2v0. Geburlvtages Ihres großen Rational­helden gestatte ich mir, Ihnen, Herr Präsident, und der ganzen amerikanischen Ration zugleich im Ramen der Reich-sregierung und des deutschen Volkes die herzlichsten Glückwünsche auszuspre­chen. George Washington, der seinen Volks­genossen in Krieg und Frieden ein vorbildlicher Führer war, gehört zu den Unsterbllchen der Weltgeschichte. Möchte dieses Iabr des Gedächtnisses an George Washington dessen kraftvolle Hand das junge amerikanische Staatsschiff in schwerster Zeit sicher durch alle Klippen hindurchsteuerte, zum Beginn einer Aera neuen wirtschaftlichen Auf­stiegs für das amerikanische Volk und die ganze Welt werden.

gez. Reichspräsident v. Hindenburg?

300 000 Mark gezogen.

3n der heutigen Ziehung der Preußisch-Süd-i! deutschen Klassenlotterie wurde vormittags d a ?| Los 7 1 275 mit 300000 Mark gezogen. Diese«. D! Los wird in der ersten Abteilung in Achtellosen inl Lübeck und in der zweiten Abteilung ebenfalls inll Achtellosen in Hessen gespielt.

75 Jahre Norddeutscher Lloyd.

Anläßlich des 75jährigen Bestehens des Nord« deutschen Lloyd wies vor Mitgliedern des Vorstand des und vor der gefamten Angestelltenschaft General-^! direktor Glaessel in einer Ansprache darauf hin« I daß der Lloyd sein Jubiläum unter schwierig! gen Verhältnissen feiere. Auch in Sufunffli werde man auf äußerste Sparsamkeit be--il dacht fein müssen. So, wie die Verhältnisse in beeil Schiffahrt heute lägen, müsse man an der Verwirf!

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