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(82. Jahrgang
Montag, 22. ßebruar 1952
ir)d)etnt täqltd), auher Senntag» und feiertags. Feilagen : Die Illustrierte fr.irfcener Familienblätter fern al tm Bild - Die Scholle
gionats Bejngspreis: rtt 4 Beilagen NM. 1.95 . »ne Illustrierte , 1 80 uftellgebühr.. , -.25 Nsch bei Nichterscheinen :* einzelnen Nummern 71 folge höherer Gewalt.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. BerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wiltz. Lange: für Feuilleton Dr H.THnriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen.
Volkstraueriag in der Reichshauptstadt.
Der Reichspräsident wohnt der Feier im Reichstag bei.
3erHn. 21. Febr (T&TB.) Die ®cbent- t ie r de - Dolk-bunbes Deu tfche ciegAgrdberfürforge, an welcher Reichspräsident r>. Hindenburg und
-rtrcter fast aller Reichs-, Staats- und Aom- i nalbebSrden teilnahmen, sand auch in diesem »re wieder im Reichstag statt. Der graste Saal
ui schwarz drapiert. 3n der Witte hinter dem L'identenplatz. der mit Blumen geschmückt war,
i icn die fünf Areuze, daS Wahrzeichen deS fkSbundes. empor. Daneben leuchteten zu bei-
! t Seiten riesige Aerzen. Silberne Aränze hoben :>, strahlend im Lichterschein, von dem schwarzen , tergrunb ab.
Pünktlich um 12 Uhr betrat Reichspräst- i nt »Hindenburg die Ghrenloge, begleitet i Staatssekretär Dr. Weistner und seinem
1 >sutanten Oberst v Hindenburg. Gr nahm ! dem ReichSwehrminister Dr.Drocner, dem »HStagvizeprälidenten v. Aardorff, dem '?• der Heeresleitung General v. Hammer- . t n und dem Chef der Warineleitung Abmiral >eder Platz, begrübt von der sich erhebenden rnge. Aus den RegierungSplähen sah man thskanzler Dr. Brüning, die Minister ch i e l e. Dr. Joel und Treviranus, die natssekrctäre Pü nder und Zweige r t.
erbürgermeifkr Lahm, Vertreter der Geist-
1 teil und der Hochschulen.
Oie Gedenkrede des Feldpropstes.
Musikvorträge leiteten über zu der Ansprache - evangelischen Feld propsteS deS HeereS > der Marine D. Schlegel, der u. a. auS- !'ttc: .Deutsche AriegSgräbersürsorge bleibt zcn der Zahl und Lage der Graber ein Dienst Unermestlichen und Unerreichbaren. Dem -rendigen Geist unserer Toten - siand eS eines IahreS über der Freitreppe
Reichstages, von der aus wir eine Gedenk- ■r der AriegSereignisse begingen. Damals legte r e r st e R e i ch S pr ä s i d e n t einen Lorbeer- nz an dem Sargophag nieder. Er tat eS mit ■inen. DaS Geheimnis dieser Erschütterung ver- 1 uns ein Zwiegespräch Bei Beginn seines ites bat ihn einer: .Ich lege Ihnen Deutsch- inb anS Herz", und er antwortete: »Ich habe : ei Söhne für Deutschland geop- . rt.“
Z^lkStrauertag, lästt zwei inhaltsschwere Worte ilcuchten: Opfer und Deutschland. Was Ariege zu deutschem Schicksal zusammengesügt cd, daS wollen wir zu dieser unserer Zeit ir RachkriegeS und des kränkelnden Friedens iit scheiden: Opfer und Vaterland.
Die Gedenkfeier im Plenarsaal des Reichstages.
Bäume wollen wir sein, die über den Gräbern blühen und Frucht bringen. Opfer und Vaterland — ein freier Deutscher kennt kein kaltes Müssen: Deutschland must leben, und wenn wir sterben müssen!“
Nach dumpfem Trommelwirbel spielte die Musik, während die Fahnen sich senkten und Tausende Männer und Frauen sich im stillen Gedenken von ihren Plätzen erhoben, die erste Strophe des Liedes: „Ich hott' einen .Mamcrabcn". Der gemein some Gesang des Deutschlandliedes bildete den Aus- klang der Feierstunde.
Vor dem Reichstag.
Schon lange vor Beginn und während der Feier hatten sich vor dem Reichstag trotz der bitteren
Kälte mehrere laufend Personen uni das Bismarckdenkmal gruppiert, um den Rcichspräsiden- ten zu begrüben. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, die Freitreppe zum Platz der Republik hinabzuschrciten, verliest der Reichspräsident diesmal durch das Spalier der Studenten das Reichs- tagsgebäude durch ein Seitenportal. Er begab sich unter den begeisterten Hochrufen der begeisterten Menge zu Fuh Zu der vor dem Hauptportal ausgestellten Ehrenwache, die aus der 4. Wachtkom- panic des Regiments 14 bestand, und schritt, begleitet von dem Reichswehrminister Dr. G r o e n e r, dem Chef der Heeresleitung und den vorgesetzten Offizieren die Front ab. Unter abermaligen lebhaften Ovationen der. Zuschauer kehrte der Reichspräsident nach seinem Palais zurück.
>8 Todesopfer unserer deutschen Brüder ist ijcftrbmt in da- geschichtliche Leben unseres ?L!c». AuS unzähligen Zeugnissen, die mit i! besiegelt sind, erkennen wir: das hehre jt war ihnen das Vaterland. Heimatsinn in < Opfertat umgefeht — so haben wir die Ver- iperung des deutschen Geistes erlebt. Tatsäch- t hat die deutsche Geschichte eine Zeit erlebt, ter die Deutschen vorbehaltlos einig jetn, es hat einmal Deutschland Millionen irr Söhne herausgestellt, die innerlich iriegäfröitoilligc g*c blieben sind und n Dennochglauden und des Vaterlandes Gebot It bedingungslosen 'Beseht übernommen haben
k>rs ihrer Areuze aber ist Mahnung und e r i ch t s ü r unsere Zeit. Vergossene- Blut t'erer deutschen Brüder ringt um eine heilige ufunft, um heilige Erneuerung, in tiefster bcut- K'T Seele- Wir Ucbcrlebenöen wollen mehr it n a l S der Schatten unserer Toten:
Oer Memelkonsliki erneut vor dem Völkerbundsrat.
ColbanS Bericht. — Litauen sperrt sich. — Oie Signatarmächte der Memelkonvention werden klagen vor dem Haager Gerichtshof.
G c n s, 20. Febr. (WTB.) Der V ä l k e r b u n d s- rat trat zur Entgegennahme des von dem nor- wegifchcn Delegierten ttolban erstatteten Berichts über den Rechtsbruch im Memelgebiet zusammen Colbans Bericht ist in 8 Punkte gegliedert. Rach Darstellung des Streitfalls hcistt cs dann:
4. Der Hal Hot mit Befriedigung die Versicherung der litauifchen Regierung zur Kenntnis genommen, dost sic gewillt ist, alle
internationalen Verpflichtungen, die sich auf das Memelgebiet beziehen, auf da« peinlichste zu beachten und ein Direktorium gemäst den Anweisungen des Statuts zu bilden.
5. Trotzdem erfordert in kürzester ^eit die an- normale Lage, die gegenwärtig im Memelge- biet herrscht, schleunige Maßnahmen, um eine Verschärfung zu vermeiden.
6. 3n der Tat besteht die Notwendigkeit, e i n Direktorium einzusehen, dos sich des ver-
ab. Hinter
von Hindenburg schreitet nach der Feier im Reichstag die Front der Ehrenkompanie dem Reichspräsidenten der Reichswehr Minister Groencr und Gteneral von Hammerstetn
Ecguorch der Etzq der geeiestaMn*
trauen» des Landtags erfreut. Diefes Direktorium mühte sich unverzüglich dem Landtag oorstellen. ver Hat ist ängstlich besorgt, zu sehen, dah im Memelgebiet die normale Ausübung des Statuts wieder her gestellt wird.
7. Diese unverzüglichen Mahnahmen präjudizieren nicht die Hechtmähigkeit der Abberufung Böttchers. Heber diese Frage könnte man sich nicht äufjern, ohne dah vorher die Frage der Berechtigung des Gouverneurs, das Direktorium abzuberufen, behandelt würde. Hnd wenn dies anerkannt würde, so mühte dann noch geprüft werden, ob d i e H m st ö n de die Ausübung dieses Hechtes rechtfertigen.
S. Um diese beiden Fragen zu entscheiden, hatte ich daran gedacht, dem Rate empfehlen zu sollen, den Haager Gerichtshof wegen eines Gutachtens anzurufen. Gleichwohl zögere ich, dem Haie vorzuschlagen, ein Gutachten des Ge- richtshoses durch Mehrheitsbeschluh einzuholen, und wenn die Einstimmigkeit nicht erzielt werden sollte, so ziehe ich vor, mich darauf zu beschränken, daran zu erinnern, dah die 5ignatarmäd)fe der Memelkouven- t io n die Möglichkeit haben, unter sich die Fragen zu behandeln.
Oer litauische Außenminister Zaunius erklärte, er nehme den Bericht an mit Aus »ahme der Punkts 5 und 6. Diese Punkte \
feien durch die in Punkt 4 erwähnten litauischen Zusicherungen über die gewissenhafte Einhaltung aller internationalen Verpflichtungen ii b e r f I ü f • f i g. Auherdem gingen sie offenbar Über die Be f u g n i f f e des Rats hinaus. Zounius deutele an, dah die litauische Regierung die Auslösung des M e m e l l a n d t a g s in Erwägung ziehe, angesichts gewisser Elemente des Landtags, die u n • ter ausländischem EinfIuh die Bemühun- gen zur Bildung eines neuen Direktoriums zu vereiteln suchten.
Staatssekretär v. Bülow betonte, dah die Memelfrage ein Gefahrenpunkt in Europa geworden sei. Seit 192ß sei Litauen ein fast ständiger Gast am Ratstisch. Deutsäi land habe an der {trage deshalb ein besonderes Interesse, weil das Memelgebiet an der deutschen Grenze liege und seine Bevölkerung 700 Jahre lang zu Deutschland gehört habe, lieber den deutschen Charakter der Bevölkerung sei kein Zweifel und nicht ohne Grund hätten die alliierten Mächte dem Memelgebiet im Jahre 1924 besondere Garantien für die Erhaltung feiner Kultur gegeben. Seit 1927 stehe das Memelgebiet unter Kriegsrecht. In unerhörter Weise werde die Bevölkerung an der Ausübung ihrer Grundrechte gehindert. Die Autonomie fei eineIllufion geworden.
Der Bericht erkennt den Ernst der Situation im Memelgebiet und die Dringlichkeit der Abhilfe an. Üchec die Rechtsfrage hätte, wie der Bericht sagt, ein Gutachten deS Haager Gerichtshofes eingeholt werden sollen. Die litauische Regierung Hot jetzt ihre Zustimmung hierzu verweigert. Diele Weigerung Litauens steht mit jedem Rechtsempfinden in Widerspruch. Sollte infolge wirklicher ober vermeintlicher Mängel des Statut- der Rat außer stände fein, die Aufgabe zu erfüllen, die ihm da- Statut zuweist? Wehr noch, sollte er auherstande fein, eine Aufaabe zu erfüllen, die die Weltöffentlichkeit von ihm erwartet?
Ls Hal keinen Zweck, dah wir uns über den Ernst der Lage täuschen. Ls ist dem Berichterstatter, unterstühl von den hervorragendsten Juristen der Signalarmächte, offensichtlich nicht gelungen, der Sache Herr zu werden, und da» ist nicht seine Schuld. Ich warne dringend davor, sich mit einem solchen versagen des Völkerbundsmechanismus und des Memelstatuts abzufinden. Ls wäre für den Völkerbund saft ebenso niederschmetternd wie für die Bevölkerung, die durch das Memelslalut geschützt werden soll. Ls würde bedeuten, dah die Memelländer so gut wie rechtlos der Willkür einer ihnen nicht wohl gesinnten Obrigkeit ausgesetzt werden. Die vier alliierten Hauptmächte, deren Unterschriften dieses unzulängliche Memelslalut decken, haben eine schwere Verantwortung auf s i ch geladen. Ich wende mich an sie mit der Bitte, dah sie der Verantwortung Rechnung tragen und von den Rechten gegenüber Litauen Gebrauch machen, die sie sich in Artikel 17 Absatz 2 Vorbehalten haben. Sie haben die Möglichkeit, den Fall alsbald vor den Internationalen Gerichtshof im Haag zu ziehen, von dieser Möglichkeit bitte ich Sie, Gebrauch zu machen. Litauen wird nicht umhin können, sich dem Spruch des höchsten internationalen Gerichtshofes der Welt zu fügen.
Der peinliche Eindruck, den die Ausführungen des litauischen Auhenministers gemacht hatten, fand seinen Widerhall in den Ausführungen der Vertreter der Signatarmächte der Memelkonvention. Der Vertreter Grohbritanniens, Lord Londonderrh, gab seinem Bedauern Ausdruck, dah der litauische Auhenminister den Vorschlag, beim Haager Gerichtshof ein Gutachten über die Frage einzuholen, nicht angenommen habe. Er werde nicht verfehlen, seiner Regierung von der Anregung Aenntnis zu geben, dah bic Signatarmächte sich mit ber Angelegenheit befassen möchten. Der Vertreter Italiens, P i - lotti, unb ber Vertreter Japans, Sato, schlossen sich ben Ausführungen des englischen Delegierten an, ebenso der Ratspräsident Paul- B o n c o u r. der anregte, dah Litauen es bei ber Aufnahme seiner Vorbehalte gegen bie Punkte 5 unb 6 indasProtokoll betoenben lasse, damit ber Bericht als einstimmig angenommen gelten könne. Zaunius stimmte b i cf er Anregung zu. worauf ber Ratspräsident die einstimmige Annahme der Entschliehung Eolbans feftftellen konnte.
Das Ergebnis der Verhandlungen des Dölker- bundsrates über die Memelfrage kann dahin zu- sammengesabt werden, dah die Entscheidung, ob die Rechtslrage nunmehr von ben vier Hnter;eid)- ner ft aalen des Memelabkommens vor ben H a a g e r Gerichtshof gebracht wirb unb ba- mit ein offizielles Alageversahren gegen Litauen vor diesem Gerichtshof beginnt, jetzt in ben Händen ber vier Llnterzeichner- ftaaten bes Memelabkommens liegt. Da bic litauische Regierung bisher sich üoer alle internationalen Verpflichtungen unb Bestimmungen des Memelabkommens hinweggefeAt tzat, deAchl


