Aus der vrovinzialhaupMadi.
Gemeinsames Tragen
schafft gemeinsames Vertrauen.
Don v. Winterfeldt-Menlin, Präsident des Deutschen Dote Kreuzes.
Wir erleben in der Winterhilfe der frei-« Wohlfahrtspflege heute eine Opferbewegung, die real bewertet hohen Segen stiftet, die ihren tieferen Sinn aber erst durch di« bewußte soziale Schicksalsgemeinschaft unseres Volkes gewinnt, me in ihr zum Ausdruck kommt. Aus allen Schichten und gerade aus denen, die selber kaum noch etwas entbehren können, gehen die Spenden ein. In den Vereinen des Roten Kreuzes herrscht eine wahre Hingabe an die Arbeit für die Winter- h.lfe, die von allen als eine Aufgabe betrachtet wird. Dabei ist diese Arbeit des Sammelns, Ordnens und Verteilens meist mit unendlichen Mühen und nicht immer mit Dank verbunden. Aber sie wird hingebungsvoll verrichtet, vor allem von unserer Jugend. Dieses.gemeinsame Tragen der Aotbürde schafft gemein- samesVertrauen. Unsichtbar, aber im Tiefsten wirksam, ist mit jeder Spende für die Winterhilfe diese wertvollste Gabe verbunden.
Tag der Wintersonnenwende.
Am 21. Dezember wandert unsere Erde durch den Punkt der Ekliptik, der Markstein ist für die Wintersonnenwende. Der nördliche Polarkreis fällt völlig in die Schattenseite, und auf der nördlichen Halbkugel liegt von den Parallelkreisen das kleinere Stück innerhalb der Licht- Grenze. Hier ist darum der kürzeste Tag und die längste Rächt, und am Rordpol beginnt die zweite Hälfte der sechmonatigen Winternacht. Die Zeit der Wintersonnenwende gib schon unseren Llraltvordern Gelegenheit zum Festefeiern, die nicht immer Mit der Sonnenwende zusammenfielen. Abweichend von den Tatsächlichkeiten glaubte das deutsche Landvolk zum Teil, daß die Sonnenwende auf St. Luzia fiele (25. Dezember nach dem Iulianischen, der 13. Dezember nach dem heutigen Kalender).
Im Geltungsbereich des griechisch-orthodoxen Kalenders tr,-tt die Wintersonnenwende tatsächlich am 9. Dezember ein, während das Landvolk auch heute noch dort teilweise der Meinung ist, daß dies am 12. Dezember, an St. Spiridion, der Fall sei. Diesem Volksglauben entsprang eine Reihe von Volkssprüchen, die sich in die Jetztzeit hinübergerettet haben. Auffallend allerdings ist die Tatsache, daß die römische Kirche auf den Winterfonnenwendtag als den kürzesten Tag des Iahres das Fest des „fpätgläubigen Apostels Thomas" gelegt hat, das übrigens auch am 21. Dezember in der brandenburgisch-preußischen Landeskirche als Feiertag erster Klasse gehalten wurde. Zutreffend ist darum der Volksvers: „Albanus (21. Öuri) hat den längsten Tag, Sankt Thomas die längste Rächt vermag: Benediktus (21. März) und Thekla macht (23. September) den Tag so lang als gleich die Rächt." Auch der nori italien s' e Spruch trifft den Ragel auf den Kopf: „St. Thomas kehrt den Tag um." Auf den 21. Dezember ist der in Deutschland und der in Holland bekannte Preisspruch gemünet: „Gefriert es am kürzesten Tag, fällt das Korn im Preise. Ist das Wetter gelind, steigt der Preis geschwind."
Pornotizen.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Weihnach smärchen „A'chenbeödel", sechs Bilder mit Gesang und Tanz, von Görner, wird unter Karl Volcks Spielleitung heute 15.45 stlhr zu Märchenpreisen Wiede.halt. Ende 18.15 Llhr. — Die Schlager- op«rette „Peppina" von Robert Stolz gelangt heute 23 stlhc als 11. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement zum letztenmal zur Aufführung. Spielleitung: Paul Wrede. Opcrettenpreise. Ende 22.33 Uhr. — Freitag bleibt das Theater geschlossen. — Die Weihnachis'eiertage über bietet der Spielplan eine unterhaltsame Abwechslung. Dem ernsteren Charakter des 1. Feiertages entsprechend kommt am Sonntag, 25. Dezember, das deutsche Fcontstück „Die endlose Straße" von Graff und Hintze unter der Spielleitung des Intendanten als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen zur Aufführung. Spieldauer von 18.33 bis 21.30 ilfjr. Eine durchaus heitere Rote trägt der Spielplan für den zweiten Feiertag. Den Kindern ist mit einer Wiederholung des in neuer Inszenierung und Ausstattung unter Karl Volcks Spielleitung angeführten Weihnachtsmärchens „Aschenbrödel" der Rachmittag Vorbehalten. M'^ kal sche Leitung Walter M oehl, Tänze, Kii ter und Cirls des Dalletts unter Führung des B... e.tmeisters C. Bä ulke. Spieldauer von 15 bis 17.33 stlhr. Für den Abend zeigt der Spielplan die Erstaufführung der Operette „Im weißen Röhl" an. Als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen außer Abonnement. Unter Heinrich Hubs Spielleitung rollt der zu einer Overettenrevue von Hans Müller völlig frei bearbeitete gle'chnamige Schwank von Kadelburg und Blumenthal ab, wäh.end Kapellmeister M o e h l die Mu i. Ralph Benatzkys außlingen läßt und Ballettmeister E. Bä ulke mit seinen Cirls und neben der choreographischen Leitung mit Frau Anni Bäulke in Solotanzeinlagen mitwirkt.
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** Evangelische P fa r r p e r s o n a l i e. Durch das Landeskirchenamt wurde Pfarrassistent Philipp Engel zu Offenbach a. M. zum Pfarrverwalter der evangelischen Psarrstelle M Wingershausen (Dekanat Schotten) ernannt. Mit dem Vikariat der evangelischen Psarrstelle zu Heuchelheim (Dekanat Gießen) wurde Pfarrer Ludwig Weisel zu Wa.lertheim beauftragt.
** E i n Wunscy der Gastyausange- stellten. Von der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten wird uns geschrieben: Trotzdem der Reichstag im Jahre 1930 auf «ine Eingabe des Bundes der Hotel-, Restaurant- und Cafeange- stellten (christliche Gewerkschaft) hin einen Gesetzentwurf der damaligen Regierung auf frühzeitigeren Eintritt der Polizeistunde am Weihnachtsheiligenabend zugestimmt hatte, ist eine reichsgesetzliche Regelung nicht zustande gekommen. Diele Gaststätteninhiber schließen von sich aus am Heiligen Abend frühzeitiger als sonst ihr« Betriebe. Der Bund als Vertretung der Gasthausangestellten richtet an das Gastbauspublikum die Bitte, am Heiligen Abend die Gaststätten möglichst rechtzeitig zu verlassen, damit es den in Arbeit stehenden Angestellten möglich gemacht wird, wenigstens einige Stunden des Weihnachtsfestes im Kreise ihrer Familien verleben zu können.
Hindenburg wirbt für die Winterhilfe.
#33.
Hände zu öffnen. Die Spenden, die der I Bezirken, bzw. Orten, in denen sie gesammelt sind Sammlung an Lebensmitteln, Kleidung, Heiz- und werden hier unter die Hilfsbedürftigen verteilt, material und Geld zufließen, verbleiben in den | Jeder gebe nach besten Kräften!
Mit Hindenburg wünschen wir, daß fein Wort Brücken von Mensch zu Mensch schlagen und helfen möge, zu Weihnachten Herzen und
** Die Nacheichung in Gießen. Die in | zweijähriger Wiederkehr gesetzlich vorgeschriebene Nacheichüng der im eichpflichtigen Derkehr befindlichen Meßgeräte (das sind Längen- und Flüssigkeitsmaße, Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohlmaße, Gewichte und transportable Handelswaagen bis ausschließlich 3000 Kilogramm) soll in der Stadt Gießen im Jahre 1933 wie folgt durchgcführt werden. Für die Einlieferung der Gegenstände beim Eichamt Gießen sind folgende Zeiten festgesetzt: 1. Bezirk vom 9 bis 11. Januar, 2. Bezirk vom 12. bis 14. Januar, 3. Bezirk vom 16. bis 20. Januar, 4. Bezirk vom 6. bis 11 Februar, 5. Bezirk vom 13. bis 18. Februar, 6. Bezirk vom 20. bis 25. Februar. Jeder Besitzer eichpflichtiger Gegenstände, soweit er namhaft gemacht worden ist, erhält durch das Eichamt eine Aufforderung zur Nacheichung worin Tag und Tageszeit der Einlieferung angegeben ist. Die Einhaltung des Cichtermins ist zur raschen Abwicklung der Eichgeschäfte dringend erforderlich. Interessenten, die keine Aufforderung erhalten, sind ebenfalls verpflichtet, ihre eichpflichtigen Gegenstände zum obengenannten Zeitpunkte zur Nacheichüng vorzulcgen. Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß i ie Neigungswaagen am Standort der Waage geeicht werden. Diese Eichung ist besonders zu beantragen. Der Nacheichung folgt in angemessenem Abstande die polizeiliche Maß- und Gewichtsrevifion.
Förster und Genoffen bleiben in Hast.
WER. Frankfurt a.M., 20.Dez. 3n der Sache Förster und Genossen hat die Strafkammer auf Grund mündlicher Verhandlungen über die Hast die Haftentlafsungsgefuchr der Angeschuldigten Förster, Iäger und Deller zurückgewiesen, da dringender Tatverdacht gegen Förster wegen Mordes und Raubes und gegen Jäger und Beller wegen Mittäterschaft fortbesteht. In der Kutschermordaffäre befindet sich bekanntlich seit Anfang dieses Monats noch «in vierter Angeschuldigter in Unter- fuchungsyaft, für den eine Haftprüfung nach dem Gesetz noch nicht stattzusinden hatte.
Buntes Allerlei.
Moderner Schiffsmeide-O:enst.
Mit der Verbesserung der Seefahrt ist auch der Ausbau des, Me.dewesens fortgeschritten und hat besonders bei uns in der Elb-Mündung eine reiche Ausgestaltung erfahren, über die R. Peters in der Leipziger „Illustrirten Zeitung" berichtet. Es ist für die Hamburger Reeder von Wichtigkeit, zu wissen, wann ein von ihnen erwartetes Schiff Cuxhaven passiert, damit sie sich die Ankunft in Hamburg ausrechnen und danach die nötigen Anordnungen treffen können. Diese Schiffsmeldungen werden von der Marine-Rachrichten-Station in Cuxhaven besorgt. Hier erhebt sich 21 Mewr hoch über dem Meeresspiegel ein Wachtraum, in dem ständig zwei „Signa gaste" Ausschau hal.e.i. ^,ede Schiffs-Bewegung wird genau ausgezeichnet, und dann gehen die Schi,,slisten mit den näheren Angaben sofort durch einen modernen elektrischen Fernschreiber an den Schiffsmeldedienst nach Hamburg: dieser wieder gibt die Rachrichten telephonisch an die Reedereien, Echiffsmak.er und Zeitungen weiter, die bei ihm abonniert sind. Manchmal ist die Feststellung des Schiffsnam-ens bei Rebel oder sonstigem Unwetter sehr schwer. Der erfahrene Signalist erkennt aber die regelmäßig passierenden Schiffe schon an den ungefähren Umrissen der Bauart und des Rachts an der Lichter- Führung. Bei Anfallsmeldungen muß besonders rasch gearbeitet werden. Während der eine Signalgast die Bergungs-Reedereien telephonisch an- ruft, brüllt der andere die Kund« dem unmittelbar neben der Signalstelle liegenden Dergungsdamp- fer zu, der Dann sofort dem gefährdeten Schiff zu Hilf« eilt. Die Marine-Rachrichtenstelle gibt nicht nur Meldungen, sondern vermittelt auch Anordnungen, die die Reeder ihren Schiffen zugehen lassen. Am Tage wird die Order dem vorüberfahrenden Schiff durch Hissen eines internationalen Signals oder durch Flaggen-Winkspruch bekannt- gemacht, des nachts mutz die Morse-Lampe diese Arbeit versehen, und wenn das angerufene Schiff nicht antwortet, wird seine Aufmerksamkeit durch einen grellen Scheinwerferstrahl erregt. Die Si- gnalisten müssen sodann die Wettermeldungen, die für die Schiffahrt so wichtig sind, an die Seewarte in Hamburg weiterleiten. Auch Sturm-
Signale haben sie zu geben und den Semaphor zu bedienen. Alle vier Stunden wird von ihnen Ltr neue Wetterbericht und die Vorhersage in den „Wetterkasten" gehängt, der bei den Schiffern viel Beachtung findet. Will der Reeder fein Schiff schon in der Elbmündung umbeordern oder von dort Meldung des Eintreffens bekommen, so gibt ihm das Feuerschiff „Elbel" ein sog. „Semaphor", S'in Rad-io-Telegramm mit kleinen Gebühren. Eine groß« Rolle spielt schließlich noch für das Meldewesen in der Schiffahrt die neue, in der Rähe von Cuxhaven errichtete Küstenfunkstelle „Elbe-Weser-Radio".
Eine arabische Melba.
Am Himmel des musikalischen Orients ist ein Stern aufgegangen, der das Entzücken der arabischen Welt erregt. Eine Sängerin, die allgemein die „arabische Melba" genannt wird, erntet jetzt in Bagdad den begeisterten Beifall der musikoer- ständigen Kreise. Die 26jährige Dame, die Um Kalthum heißt, ist ein Stimmphänomen ersten Ranges, singt aber in einem Stil, der von dem europäischer Gesangsschulen sehr verschieden ist. Es ist im Wesentlichen ein Naturgesang, der seinen hinreißenden Zauber durch die außerordentlichen Stimmittel, den großen Umfang und Wohllaut des Organs erhält. Sie tritt mit einer eigenen Musikkapelle auf und erhält für jede Vorstellung das für orientalische Verhältnisse sehr hohe Honorar von 2500 Mark. Ihr Programm dauert mit Unterbrechungen drei volle Stunden. Da sie nur orientalische Musik zu Gehör bringt, so ist die Beurteilung für den Europäer recht schwierig, denn die harmonischen Gesetze sind andersartig, und vieles, das das Entzücken des einheimischen Publikums hervorruft, erscheint dem Fremden seltsam. Bei ihren Konzerten ist stets die beste Gesellschaft von Bagdad versammelt, und die hohen Beamten in europäischer Tracht vereinigen sich in ihrem Beifall mit Beduinenhäuptlingen in wallendem Burnus, die herbeigeeilt sind, um diesem Wundergesang zu lauschen. Der Rus der „arabischen Melba" ist näm ich weithin gedrungen, von Marokko bis frad) Mittelasien: überall sind die Grammophonplatten mit ihren Gesangsvorträgen verbreitet und werden sogar in der Wüste gespielt. Ihr persönliches Auf- ttreten gilt überall als das größte musikalische Ereignis, das der Orient heute zu bieten vermag.
Oie „beschattete" Tante.
Wenn kleine Iungen schon eifrig Detektiv- geschichten lesen und die hier gewonnenen Erfahrungen ins Leben übertragen, so kann das zu bedenklichen Folgen führen. Das zeigt ein Scheidungsprozeß, der jetzt in Sofia verhandelt wird. Der Held bet kleinen Geschichte, ein neunjähriger Knabe, war zu seinem Onkel und seiner Tante in di« Provinz geschickt worden, um dort di« Serien zu verbringen. Der Onkel lehrte ihn den Gebrauch seiner photographischen Kamera, damit er sich auf diese Weise die Zeit vertreiben könne. Der kleine Reffe, der bereits allerlei, über die Taten berühmter Detektiv« gelesen hatte, beobachtet« die Umwelt mit geschärften Blicken, und es entging ihm daher nicht, daß seine Tante sich besonders gern in der C-e'elischaft eines jungen Arztes aushielt, der nebenan wohnte. Unterdessen mußte der Onkel in Geschäften verreisen, und der Refse fand seinen Hauptspaß baÄi, die Tante und den Doktor zu „beschatten", wie er dies in den Geschichten von seinem Lieblingshelden Sherlock Holmes als Pflicht eines braven Detektivs gelesen hatte. Dabei führte er die Kamera des Onkels mit sich und photographierte di« Tante und den Arzt verschiedene Male in Situationen, in denen diese das am wenigsten erwarteten. Einmal knipste er sie im Wipfel eines Baumes versteckt, unter dem sie in zärtlichstem Beisammensein saßen: ein anderes Mal hielt er sie von einem Schrank aus, in dem er sich verborgen hatte, auf der Platte fest. Roch bevor er Zeit gehabt hatte, feine Filme zu entwickeln, kehrte der Onkel zurück, und der Junge fuhr ab, da die Ferien zu Ende waren. Den Apparat ließ er in einem Ofen zurück. Als nun die kalte Witterung einsetzte und das Mädchen den Ofen heizen wollte, fand es die Kamera und brachte sie dem Onkel, der sehr erfreut war, seinen Apparat wiederzubekommen. Er machte sich gleich an die Entwicklung der noch darin befindlichen Filme, aber als er sah, was auf ihnen sich feinen Blicken darbot, da stürzte er, kochend vor Wut, mit den Photographien spornstreichs zum Anwalt, und bei der eingereichten Scheidungsklage dürfte die Tätigkeit des kleinen Ref- fen der „beschatteten" Tante höchst unwillkommen sein.
' Oie Wölfe sind los!
Auch in Europa ist die winterliche Wolfsplage noch nicht ausgerottet.
Kaum hat der Winter mit den ersten strengen Frösten seinen Einzug gehalten, so bringt schon die Schreckenskunde von lieber fällen der Wölfe auf menschliche Siedlungen aus Gegenden, wo man diese Plage ausgestorben glaubt, zu uns. „Die Wölfe sind los!" Dieser Angstschrei gellt durch so manche Gegenden Europas auch heute noch. Wölfe werden im Winter verwegener als sie es sonst sind. In den schneebedeckten Steppen Osteuropas scheint der Wind, der ungehemmt über sie dahinfegt, die grauen schleichenden Gestalten gleichsam aus ihren Schlupfwinkeln, wo sie lauerten, hervorzutreten.
Auch heute noch ist Rußland durch die Wölfe geplagt und gefährdet. Je härter der Winter, desto stärker wütet der Hunger unter den Wölfen, desto verzweifelter ihre Angriffe und größer die Zahl ihrer Opfer. Im härtesten Winter von 1875 kamen allein 160 Menschen durch Wölfe ums Leben. Jedem Russen ist der Haß gegen Wölfe eingeboren, und er vertilgt sie ohne Gnade seit altersher. Es gibt die verschiedensten Methoden, der Wölfe habhaft zu werden. So bindet man ein totes Schwein an einen Schlitten und während das Pferd im Galopp dahinjagt, lockt der Geruck) des im Schnee dahinschleifenden Schweins alle Wölfe aus der Nähe auf die Spur. Auf diese Weise kann man bann vom Schlitten aus in den dichten Haufen schießen, der blind vor Gier ist.
Erst im letzten Winter überfielen Wölfe in den Karpathen einen haltenden Zug und versuchten in die Abteile zu dringen. Es gab ein heftiges Feuergefecht. In den Tälern der Karpathen scheinen die Wölfe noch ihren letzten verzweifelten Widerstand der Zivilisation entgegenzusetzen. In Rudeln ziehen sie des Nachts die Abhänge der Berge hinunter, überspringen die Umzäunungen der Gehöfte und
rauben Schafe und Rinder in der ganzen Umgebung. Im letzten Winter griffen zwe Wölfe dicht bei einem Dorf namens Viso einen Ziegenhirten mit seiner vier Jahr alten Tochter an. Während der Mann sich gegen den einen Wolf wehrte, zerriß der andere die kleine Tochter. Es war im selben Winter, da hoher Schnee die Eisenbahngleise in Südserbien verbarg, als zwei Soldaten, die vom Urlaub in die Kaserne zurückkehrten und der Eisenbahnstrecke folgen wollten, sich verirrten und tief in der Nacht von Wölfen angegriffen wurden. Flinten hatten sie nicht, doch sie kämpften mit den Bajonetten um ihr Leben: es ge.ang ihnen, drei Wölfe niederzustrecken, doch als der eine Mann stolperte und der andere sich zu ihm hinab beugte, sprangen ihn Wölfe von hinten an, und auch er .fiel in den Schnee. Am folgenden Morgen sand man nur noch ihre Uniformen, die Knochen der unglücklichen Soldaten und die drei von ihnen getöteten Wölfe am Schauplatz des Kampfes vor.
In den Schneewüsten von Nord-Ksnada sind dis Wölfe besonders gefürchtet. Gerade in den letzten Tagen kamen Nachrichten von ihrem Auftauchen in der Nähe von Städten. In manchen Gegenden gibt es auch Scharen von wildernden Hunden. Dach stets jagen diese getrennt von den Wölfen. Heutzutage ist die Wolfsplage dort, wie Jäger und Pelz- tierfanger berichten, noch im Zunehmen. Aber auch in England hausten noch vor weniger als zweihundert Jahren Wolfsruoel in den Wäldern um Windsor und bedrängten die Bevölkerung so, daß viele Leute ihre Häuser auf Pfählen errichteten, um den Wolfen das Eindringen zu erschweren. Das Schottische Hochland war der Schauplatz langer und erbitterter Kricgsführung der Bauern gegen Wolfs- scharen.


