Ausgabe 
21.12.1932 Frühausgabe
 
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Reichsgericht ^Präsidenten Dr. Bumke die Ent­scheidung dahin verkündet, daß den Anträgen der Kirche im wesentlichen stattgegeben wo den ist. Der Staat muß also für eine Reihe von Ein­künften. die die Kirche nicht mehr hat. Ersah leisten. Er muh zu den Besoldungen der Pfarrer und Kirchenbeamten Zu­flüsse leisten, und er muß außerdem i n Höhe von fünf Millionen Mark nach- zahlen, was er bisher zu zahlen verweigert hat.

Schreckliches Flugzeugunglück bei pars.

Zwei Tote und IS schwerverletzte.

P a r i s . 20. De;. (IM.) Lin f ch w e r e s F l u g- Zeugunglück, das bis zur Stunde zwei Toke und 19 Schwerverletzte forderte, ereignete sich um die Mittagszeit in Anlony, einem kleinen Ort unweit Paris. Ein Militärjagdstugzeug stürzte aus bisher unbekannter Ursache auf ein haus, wobei der Venzinbehälter e x p l o - dierte und das Gebäude und der Apparat in flammen gerieten. Der Insasse des Flugzeuges verbrannte bei lebendigem Leibe, während 19 Bewohner des Houses zum Teil schwere Verletzungen erlitten.

Bei dem zweiten Todesopfer handelt es sich um eine Jrau, die mit ihren beiden Enkelkindern das Hous bewohnte. Als das Flugzeug auf das Dach stürzte, flüchtete sie sofort mit den beiden Kindern.

Sie kehrte jedoch kur; darauf noch einmal in das brennende Geiäude zurück, um ihre Wertsachen zu retten. Alien Anschein nach ist sie dabei durch den starken Rauch betäubt worden und darauf eben­falls verbrannt.

Zu dem ilngtücf werden noch folgende Einzel­heiten mitgeteilt:

Gegen 11 Uhr wurden die Einwohner von Antonh auf ein Flugzeug aufmerksam, das sehr niedrig über den Häusern kreiste und den Eindruck erweckte, als ob der Führer die Maschine nicht mehr in der Gewalt habe. Rach- d^m das Flugzeug mehrere Male um einige Meter abgesacrt war. aber immer wieder auf- gefangen werden konnte, stürmte es plötzlich un­ter furchtbarem Getöse auf dasDach eines Hauses. Anmittelbar danach stieg eine Stichflamme gen Himmel. Der Brennstoff ergoß sich über das Wohnhaus, das bald nur noch ein einiges Flammenmeer bildete. Die Feuerwehr von Antony ers iien wenige Minuten später an der Unglücksstelle, konnte aber nicht verhindern, daß der Insasse des Apparates b e i lebendigem Leibe verbrannte. Das Dach des Hauses war unter dem Gewicht des Flugzeuges ein gestürzt und hatte die Ein­wohner unter den Trümmern begraben. Mit vieler Mühe gelang es der Feuerwehr, in das brennende Haus vowudringen und zehn Ein­wohner zu bergen. Die Bewohner haben zum Teil schwere Brandwunden erlitten. Innenmini­ster Chautemps hat sich sofort an die Un­glücksstelle begeben, wo er persönlich die Unter« suchung leitet. Weiter wird noch bekannt, daß

führen und damit die Rotwendigkeit der Beteili­gung und Erziehung der zukünftigen Akademiker m einem allgemeinen Bolksdienst dokumentieren re n..

D/e GeschW ordnungsänderung im preußischen Landtag nicht versaffangswldna.

Leipzig, 20. Dez. (WTB. Funkfpruch.) 3n oer auf Feststellung der verfassungswidrigkeit der vom letzten Landtag vorgeno.nmenen Aende- rung des § 20 der Geschäftsordnung durch den preußischen Landtag gerichteten verfas- sungsrechlnchen Klage der nationatsozia- l i st i s ch e n Fraktion des preußischen Land­tags gegen den Preußischen Landtag wurde vom Vorsitzenden des Staatsgerichtshoss, Reichsge­richtspräsident Dr. V u m k e, folgende Entscheidung verkündet: Die Anträge werden zurückgewie- s e n. Durch die Acnderung der Geschäftsord­nung r*ir, wie erinnerlich, festgelegt worden, daß der Ministerpräsident nur noch mit absoluter Mehrheit gewählt werden kann.

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3n der Begründung zu der Entscheidung des Staa^-gewchtshofes führte der Vorsitzende etwa aus: Die '21 ngriffe, die die Antragstellerin gegen die Verfassungrmäßigfeit der Umgestaltung der Ministerpräsidentenwahl erhebt, können nicht als begründet anerfann/ werden. Die getroffene Neur.g.'lung findet in der Verfassung selbst ihre Rechtfertigung. Mit ihr hat der Landtag nur von einem ihm ausdrücklich in der Ver­fassung eingeräumten Recht Gebrauch g e m acht. Der Ausschluß der Stichwahl ist auch nicht mit sonstigen Verfassungsoorschriften unverein­bar. Der Antragstellerin ist freilich zuzugeben, daß die Nichtzulassung einer Sti chwahl d i e Bildung einer neuen Regierung erschwert. Die Antragsteller in verweist darauf, daß der alte Land­tag noch vor Ablauf seiner Wahlzeit den § 20 ge­ändert habe, nur um Den Uebengang der Regieru. g auf die 9darionalfozialistifche Partei zu verhin­dern, von der schon damals vorauszusehen ge­wesen sei, daß sie aus der Neuwahl als stärkste Partei in den Landtag zurückkehren werde. Daß das Ziel des Beschlusses des alten Landtags gewesen ist, die Uebernahme oder Regierung durch die NSDAP. zu erschweren, läßt sich nicht ver­kennen. Bei der Beurteilung der Rechtslage darf indessen nicht außer acht gelassen werden, daß der neue Landtg die Umgestaltung der Geschäftsord­nung inzwischen gebilligt hat. Seine Mehr­heit hat es wiederum abgelehnt, für die Wahl des Ministerpräsidenten eine Ausnahme von Artikel 22, Absatz 1, der Preußischen Verfassung zu machen. Den Beweggründen der Mehrheit, die den Beschluß vom 12. April gefaßt hat, kommt daher keine entscheidende Bedeutung mehr zu. Wesentlich ist aber weiter, daß der strittige Beschluß keine Ausschaltung einer Ver­fassungsoorschrift bewirkt hat. Die Wahl eines Ministerpräsidenten ist mit Beseitigung der Stichwahl zwar erschwert worden, möglich ist sie aber gleichwohl geblieben. Die Aenderung der Be­stimmung bedeutet ledige ch daß die Parteien g e z w u n g e n werden, sich zu verständigen. Der Zwang, diesen Wcg der Verständigung auch künftig bei der Regierungsbildung zu beschreiten, ist in Preußen durch die Abschaffung der Stichwahl zwar verstärkt worden, aber nicht in uner­träglichem Maß e. hiernach mußten die An- ttäge zurückgewiesen werden.

Die Aeimdnmig derReichssendung".

Was wird aus dem apolitischen ORundfunP?

Bei der Reichsrundfunkgesellschaft hatte unser Berliner Mitarbeiter eine inter­essante Unterredung über die Reugestal­tung des Reichsrundfunks.

Mit dem 1. Januar beginnt auch für den deut­schen Rundfunk ein ganz neuer Zeitabschnitt. Die bekannteDeutsche Welle" verschwindet, die bisher tagsüber das Reich mit Eiaenferidun- gen von Borträgen und schwerer Musik versorgte. Auch derDe u t s ch l a n d se n d e r", der von Königswusterhausen aus am Abend die besten deutschen Sendeprogramme als Relaissender für das ganze Reich übernahm, behält seine Form nicht bei. DerDeutschlandsender", der vorn 1. Januar ab in Tätigkeit tritt, hat sowohl am Tage wie abends ein eigenesProgramm, wird nur gelegentlich andere Sendungen üoer- nehmen. Der bisherige Intendant der deutschen Welle, Professor S ch u b o h , wird auch der Leiter des neuen Deutschlandsenders sein. Der Aufgabenkreis der neuen Sendung jedoch wird wesentlich umgestaltet und erweitert. Zugleich wird das Gesamtprogramm durch ein Zusammen- schrumpfen der Vorträge, durch eine Erweiterung des musikalischen Teils, unterhaltender und reiz­voller als bisher.

In politischen Kreisen interessiert vor allem die Frage, was politisch am Rundfunk ge­ändert wird. Hierüber kann folgendes mitgeteilt werden: Im Rahmen des Deutschlandsender- Programms hat dieReichssendung' sozusagen alsStunde der D e i ch s r e g i e r u n g" einen besonderen Platz. Jedoch wird glaubhaft versichert, daß die Reichsregierung ihren Einfluß auf den Rundfunk eher einzudämmen als zu betonen beabsichtige. Der Intendant erhält auch gegenüber derReichssendung" eine sehr starke Unabhängigkeit und ist sogar in der Lage, Wünsche des Reichskommissars in bezug auf politische Sendungen innerhalb der Stunde der Reichsr^gierung zurückzuweisen. An­dererseits hat er sehr wohl die Möglichkeit, alle , möglichen politischen Weltanschauungen zur Dis- I

kussion im Rundfunk heranzuziehen, und dies wird auch in dem Maße geschehen, in dem sich das Taktgefühl und der Sinn für Objektivität der Diskussionsredner vermehrt. Die aktuellen politischen Aussprachen auf derDeut­schen Welle" sind seit einiger Zeit unterbrochen worden. Man wird sie zugleich mit dem neuen Deutschlandsender wieder aufnehmen. Es hat sich gezeigt, daß im Inland wie im Aus­land diese Politik im Rundfunk, soweit sie s a ch - l i ch betrieben wurde, ein außerordentlich starkes Echo gezeitigt hat.

DieDeu^che Welle" war bisher durch ein sehr starres Schema gehemmt. Sie sandte eine ganze Reihe von Vorträgen hintereinander, die sich in der Art nicht einmal allzu sehr unter­schieden. Dazu kam, daß ein beträchtlicher Teil der Verträge beruflich ober wissenschaftlich sehr spezialisiert und nur auf einen kleinen Teil der Hörer zugeschnitten war. Das alles wird sich letzt grundlegend ändern. Es sollen nur noch verschiedenartige, die Allgemein­heit interessierende Vorträge in gewissem Ab­stand gesandt werden, dazwischen liegt das neue Musikprogramm, das ebenfalls auf einen großen Hörer.reis eingestellt ist, ohne dabei an Riveau zu verlieren. Die Aufgabe des Deutsch- landsenders, kulturpolitisch zu wirken, will man nicht abbauen, sondern verstärken. Es sei keine Frage, so meint man im Rundfunkhaus, daß für das gebildete Bürgertum die Lande s- sender vielfach noch nicht genug böten. Ge­rade hier müsse der Deutfchlandsender jetzt ein­sehen, um gerade der gebildeten Ober­schicht unse.es Belkes das Kulturgut des Rund­funks n.cht verloren gehen zu lassen. Die Wer­bung für den Gemein,chaftsemvfang des Rund- funkvregramms. die ParolePflegt deutsche Hausmusik" gehören kultur­politisch in dieses Programm. Und ganz beson­ders gelten diese kulturpolitischen Ziele für die Millionen von Auslanddeutschen, für die gerade der Deutschlandsender die Brücke zur Hei­mat ist.

Oer sächsische Staat zur Entschadigungszahkung an die Evangelische Landeskirche verurteilt.

Leipzig. 20.Dez. (TU.) In der Klage der evangelischen Landeskirche Sachsens gegen das Land Sachsen wegen Zahlung von EnUchädigung an die Kirche hat der S t a a t s g e r i ch t s h o f für das Deutsche Reich unter dem Vorsitz des

der Absturz des Flugzeuges im Anschluß an eine sogenannteTodesschleife" erfolgte, die der Flieger in etwa 200 Meter Höhe ausgeführt hatte.

Aus oder Welt.

Reue Ladenplünderungeu in Berlin.

In Berlin kam es auch am Dienstag wieder an zwei Stellen zuPlünderungenvonLa- dengeschästen. Ho erschienen in einem Kon­fektionsgeschäft in Schöneberg 15 junge Burschen, von denen zwei die Inhaber mit Pistolen be­drohten. Die übrigen suchten sich inzwischen Män­tel und Anzüge aus. Die Täter entkamen unter Mitnahme von 10 Mänteln und etwa 15 Anzü­gen. Im Rorden der Stadt erschienen nach Ein­bruch der Dunkelheit mehrere junge Burschen vor einer Gänseaasschlachterei. Sie schnitten die vor den Schaufenstern hängenden Gänse ab. Die Köpfe liehen sie hängen. Insgesamt wurden 26 Ganse gestohlen. Auch hier entkamen die Täter unerkannt. Infolge der täglichen Ladenplünde­rungen sind nunmehr vom Polizeipräsidenten neue Maßnahmen getroffen worden. Zur Förderung der Aufklärung jeder einzelnen in der Zeit vom 21- ms 24. d. M. in Berlin etwa noch Vorkommen» den Plünderung eines Lebensmittelgeschäftes wird eine Belohnung von je 303 Mark ausgesetzt.

Die Zweite Fahrt desFliegenden Hamburgers".

Der neue Schnelltriebwagen der Reichs­bahn, der sogenannteFliegende Hamburger", hat

Dienstag, um 8 Uhr, feine zweite Ver­such s f a h r t nach Hamburg angetreten. Auch an v.Mer Fahrt nahmen nur Fachleute teil. Der schnell trieb wag en ist nach program.näßigem Fahrt­oerlauf um 10.21 Uhr, also eine Minute vor der , ^planmäßigen Zeit auf Dem Hamburger Haupt­bahnhof eingetragen. Der Wagen wurde nach kur­zem Aufenthalt in Hamburg wieder nach dem Al­tonaer Hauptbahnhof weitergeleitet.

Ein aufsehenerregender Prozeß in Beuchen.

Die Große Strafkammer des Landgerichts Beu- then fällte nach achttägger Verhandlung das Urteil m dem Prozeß wegen ces Einsturzunglücks beim Neubau «des Beuthener Hallenfchw mmda'des, bei dem am 23. Oktober 1929 fünf Arbeiter ge­tötet und acht verletzt worden waren. Der Architekt L e f ch i n f ki, Der im Auftrage der Bau- firma Walter, von der die während des Baues eingestürzte Betondecke ausgeführt wurde, als Bau­führer tätig war, wurde zu 3000 Mark Geldstrafe wegen Vergehens gegen §330 StGB, verurteilt, an Deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle 30 Tage Haft treten. Der Bauunternehmer Dipl.-Jng. Wal- t e r und Der Betonpolier T h o ma l la wurden freigesprochen, ebenso Der Architekt Gem- t c ro und Der Bauführer Naupert von der Firma Hirt, die Die Maurerarbeiten au:führte, sowie Magistratsbaurat Wolff und Bauführer S ch i n b e 11 e f vom Städtischen Bauamt Beuthen. Der Staatsanwalt hatte gegen Leschinski anderthalb Jahre Gefängnis, gegen Walter ein Jahr und gegen Thomalla neun Monate Gefängnis beantragt. 2>er Prozeß hat weit über Oberfchlefien hinaus, be­sonders in Den Kreisen des Baugewerbes, größte Beachtung gefunden.

Grippewelle in USA.

Rach Mitteilung des Gesundheitsamtes der Vereinigten Staaten hat sich die Grippe­welle, die sich von der pazifischen Küste her ausgebreitet hat, in den südlichen Staaten zu einer schweren Epidemie entwicke t. Alllin in einer Woche sind in 89 Städten nicht weniger als 807 Personen an Grippe und darauf zurück- xuführende Lungenentzündung gestorben. In den Staaten des Ostens und des mittleren Westens klingt die Evedim'e dagegen jetzt ab.

Rekordernte in Argentinien.

Aach Ansicht des Landwirlschaftsministeriums in Buenos Aires hat Argentinien die größte Ernte an Hafer, Ger st e und Roggen zu erwarten, die das Land je'gehabt hat.

nuten den

itronenfal- . Die Ad-

Wir pflanzen einen Weihnachiswatd.

Brief aus Tuskulum.

Don Dr. Gustav W. Eberlein, :Rom.

Tuskulum, im Dezember.

Ueber dem Monte Cavo hing ein mabonnen= blauer Himmel, ich deutete in Die Ferne, wo Die Mündung des Tibers tu erkennen war, so über alle Maßen leuchtete das Meer, Die Zypressen, stehst du, treten in Den Schatten zurück. Dienerin­nen Der schaumgeborenen Göttin ist je eine Schönheit größer gewesen, sag, wo ist die Ewig­keit, wenn nicht in Tuslulums heiliger Sonne? Und preisend wies man Arm von Aufgang bis Untergang.

eine einzige verschneite Tanne!" Das war das Echo. Es stand ein seltsamer Glanz in ihren zluaen.

Und die Abendglocken, die nun einfielen, mußten ihren Gedanken Vorschub leisten, denn Die Glocken in Italien bimmeln, Die deutschen aber läuten. Anita sah jetzt gotische Dome, unter den Schwib­bögen eilten vermummte Menschen dahin und hat­ten alle Arme voll, Kindernasen quetschten sich an einem Schaufenster platt, hinter Dem eine Eisen­bahn lief, das fach sie, sie kaufte auch mit ein, Aeich chußte sie um Die Ecke biegen, wo die Christbaume einen kleinen Wald bildeten, das war unausbleiblich

Ich möchte einen Wald zu Weihnachten haben. Einen deutschen Tannenwald!"

Anita, sagte ich, wir sitzen unter Pinien, das sind exotische Pflanzen hier, Die Christbaume, Du meift es man muß sie im Topf kaufen - werden JT'L/r u un' .natürlich, noch jede römische Weih- nacht haben wir unseren Lichterbaum gehabt ich" wünsche mir aber einen ganzen Wald

Wir saßen unter den Pinien und sch, letzten Nebenblättern $u, Die wie erste Zi ter unsicher durchs Molaratal gaukelten. tilu= ventssonne strahlt auf dieser begnadeten Höhe mit jenem überwachen Glanz, der zuweilen in Men- Ichenaugen steht, und wenn man es praktisch aus- Drutfen will, kann man feftftellen, daß sick/s gut in Hemdärmeln sitzen läßt. Da war es, daß Anita unvermitteit sagte:

Ich ich gäbe Deinen ganzen Pinienwald für eine einzige verschneite Tanne!"

Das war die Heimat, Die sprach. Eine Sprache, die beredt ist wie Engelszungen und wie die Stimme Der Glocken keiner Antwort harrt. Es ist die gewaltigste Sprache, die in der Fremde ge­sprochen wird.

, Du hast Dir einen Pelz gewünscht, liebe Anita, einen geschorenen Breitschwanz, wenn ich nicht irre, oder einen silbergrauen Persianer

Einen Pelz? Habe ich das? Was soll ich in -Lusfulum mit einem Pelz? Ein geschorener Per­sianer oder ein Nerz, Das war es übrigens, der ist Dorf) nur ach, überhaupt, ein Pelz wärmt nur außen, und ich ich"

Du frierst innen"

3a, das ist so in der Adventszeit ... in Der dremDe, wenn man an DeutfchlanD Denkt ... man

jnnnen Aber wo kriegen wir einen WalD her?

Als wir kürzlich durch die Abruzzen fuhren, meinte sie, und Der Glanz ihrer Augen ging in einen schon beglückten feuchten Schimmer über, Daae lie einen gesehen, einen richtigen Deutschen -lannenroalb, minDestens hundert Bäume waren es.

Habe ich auch bemerkt. Waren Fichten, manns­hoch, vielleicht zwanzig. Nein, beharrt sie, minde- stens achtzig. Dreißig! gebe ich nach. Sechs Dutzend! Darunter tue sie es einfach nicht. Dinge gibt es, bei denen unsere Sehnsucht wie ein Vergrößerung^ fen5 roir^ fallen es sechs Dutzend gewesen

*

Am gleichen Abend noch ging die Bestellung ab, nach Piftoja, Der ApenninenstaDt, von Der eigentlich das Wort Pistole kommt. Sechs Dutzend alben di natale, richtige Weihnachtsbäume, jawohl, und tüchtige Wurzelballen müßten sie haben.

Die Pinien werden sich wundern. Aber was gehen uns an Weihnachten die Pinien an? Eine einzige beschneite Tanne

Das Bild stand nun durchsichtig in der Luft, ein Eisenbahnzug ratterte hindurch, Dann sah man Nahaufnahme ein breites Fenster im Abteil unD Tannenzweige, die dagegen wedelten, und es schneite, und der Schnee legte sich auf die Nadeln, und von der Seite her mußte Licht einsallen bie Wintersonne, nein, eine tropfende und duftende Kerze und es klingelte von gläsernen Giocken und es roch nach Aepfeln, die Backen hatten wie ein durchfrorener, die Nase ans Schaufenster quetschender deutscher Junge...

Uad eines Tages kam der alte Bauer gelaufen und meldete atemlos, auf der Station in Frascati fei ein Waggon eingelaufen mit verrückten Bäu­men, niemand habe so etwas noch gesehen, die Leute ständen herum und es sei zu befürchten, daß sie die Maulsperre bekämen.

Ja, und dann karrten wir sie nach Tuskulum und schleppten sie unter Den PinienwolD, und ich zog einen Plan aus Der Tasche, aus Dem kleine Quadrate ;u sehen waren, die eigentlich keine Quadrate wa- I ren, weil Die Bäumeim Verband" gesetzt werden I sollten, wie es sich für einen ordentlichen deutschen '

Tannenwald gehört. Es sind übrigens Fichten, sagte ich. Aber es hängen Tannenzapfen daran, beharrte Anita. Es sind verrückte Bäume, zuckte der Bauer die Achseln, und die Abruzzesen, Die Erdarbeiter, Die einen Meter tief, einen Meter breit, einen Meter lang Die Löcher gruben, kamen mit Den Winzern in Streit, weil sie behaupteten, aus Erfahrung zu wissen, daß man die Früchte nicht essen könne. So Dumm werde Der Signore hoch nicht sein, wehrten sich die andern für mich, und ertraglose Nadelbäume pflanzen, Dann doch lieber gleich Pinien. Die Pinott, Das sind die Kerne m den Pinienzapfen, schmecken nämlich ausgezeich­net und werden anstelle der Nüsse für Weihnachts­schleckereien benützt.

Und ob er Früchte trägt, ein solcher Wald utschen Lichterbäumen! Auf der Zunae schm

Verwundert lassen die hundertjährigen Pinien ihre langen Nadeln in Die grüne Chioma rieseln 'Die grünen Locken von Tuskulum, wie Toto die Seltsamkeit taufte. Toto ist ein junger, Derber Zauer, aber «erhebt. Da wird jeder zum Dichter, u; n rC bu"teJ&änber herumschlingen, meinte y?n, and Anita gab ihr einen blitzenden ftorb voll: Lametta. Das ist zwar ein italienisches Bort, aber im Lande selber so unbekannt wie der italienische Salat Er heißt hier russischer Salat. Anita hatte zwei Korbe voll Engelshaar und in einem Dritten 6X72 = 432 Kerzen. Und während sie aufsteckte erzählte sie von deutschen Weihnachts­sitten und tat viel Eis und Schnee und Rauhreif dazu. Orazidla, o gewiß, sie konnte das verstehen, war nicht auch einmal in Rom Schnee gelegen? Diana >m Schnee heißt daher die große Kirche auf dem Esquilin.

M.iu uu a urua/ie tragt, em |oiO)er Wald aus deutschen Lichterbäumen! Auf der Zunge schmecken sie wohl nicht, aber Da Drinnen, da zergehen sie es ist ganz ähnlich wie die Geschichte mit dem Pelz.

4:4 Meter Abstand, zwölf Reihen breit und sechs Reihen tief, das gibt, Unregelmäßigkeiten und eine Waldwiese müssen auch hinein, eine Waldfläche von sagen wir rund 20 Are. Also gerate ein Morgen rechnete sich Anita aus, ein Tagwerk Wald! Dinge gibt es, bei denen unsere Sehnsucht als Vergröße­rungsglas wirkt.

Gestern, sagte der alte Bauer bedächtig und mit« , ? Hfla) Westen, gestern war es Dort maisgelb, als die Sonne unterging kann leicht sein, daß die Wolken über Dem Monte Cavo, sie kleben ver­dächtig fest, Schnee bringen.

.?>^den das Wunder erleben, wußte Anita mit Bestimmtheit, hier oben in Tuskulum! Warum lallte mir euer alter Cicero mein schönes Weih­nachtsgeschenk nicht gönnen? Cicero,) ja. Er hat wahrscheinlich gar nicht daran gedacht, daß einmal ein deutscher Weihnachtswald auf seinem Lieblings- gute wachsen würde.

Eine Spinne im Kampf mri Ührzeiqern.

Die sprichwörtliche Geduld und Zähigkeit der Spinne im Weben ihres Retzes offenbart sich jetzt in dem merkwürdigen Kampf, den eines dieser Tiere auf dem Zifferblatt einer Ahr zu Barberton im Staate Ohio ausficht. Es ist eine schwarze Spinne, die sich seit Tagen bemüht, das Ziffer­blatt einer Ahr im Haus eines Mister Thomp­son mit ihren feinen Fäden zu überziehen. Wie ein Reuhorker Blatt darüber berichtet, begann sie vor 17 Tagen, nachdem sie hinter das Glas auf die Oberfläche der Ahr gelrochrn war, mit ihrem Werk und benutzte zunächst den Stunden­zeiger als Ausgangspunkt, von dem aus sie einen ihrer Fäden bis zu dem Minutenzeiger zog: von dvrt aus wurde dann das Reh angelegt. Aber dieser Sieg der Spinne dauerte nuv-kurze Zeit, denn der Minutenzeiger rückte rücksichtslos vor­wärts und schüttelte den Faden ab, der zerriß. T-ie Spinne aber ließ sich dadurch nicht abschrecken. Wieder zog sie ihre Fäden vom Stunden- nach dem Minutenzeiger, und immer wieder wurde das Gewebe zerstört durch das rasche Forteilen des großen Zeigers. Tie beiden Zeiger sind jetzt über und über mit zerrissenen Fäden bedeckt. Die Spinne arbeitet rastlos fort, und die Familie Thompson empfängt viele Defucher, die dieses selt­same Schauspiel betrachten. Der Besitzer der Ahr, -der von der Leistung des Tieres begeistert ist' denkt daran, den Gang der Ahr zum Stehen zu bringen, damit die Spinne in Ruhe ihr Rev an dieser merkwürdigen Stelle vollenden kann. "

Zeitschriften.

. Alschewistische ZersehunzsarbeiL ist eine durchaus a.tuvlle poli,tifche Gefahr. E:.ne um- faxende Darlegung des Sachverhalts gibt das Dezemberheft der Süddeutschen Monats­hefte,Bürgerkrieg droht!" aus der Feder von Ernst Drahn (Berlin). In einem aullchlußre.chem Cingangskaviiel beleuchtet Drahn (-^st^llung der Sozialdemokraiie zur revo- htticmacen Aktion. Das Hauptkapitel gilt den Kamfrsorigainisationen der Kommunisten, Len Wandlungen, die sie im Laufe des Jahrzehnts mac^ öaben, und den von chnen durch- gefuhvtcn Aktionen. Wie weit diese kommunisti- fckMi Aktionen Duldung oder Förderung er­fahren, zeigen weitere Kapitel. So weist das in diesem Heft beigebrachte dokumcntarif'che Ma­terial den Zusammenhang zwischen den in ihrer wahrem Bedeutung nur feiten gewürdigten Atten- tateni, Terrorakten und Aufstandsaktionen nach, m den letzten Jahren das Gefüge des deut- Ichen Staates in zunehmendem Maße erschüttert haben.