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Seiner Hände Werk Vornan von Klothilde von Siegmann-Siein. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 21 Sortierung Nachdruck verboten
Jlit biesen Worten hatte sie sich in einen entfernteren Sessel gesetzt und ganz ruhig und gleichmütig über irgend etwas zu plaudern an» gefangen.
2llS er ein andermal davon sprach, daß der Termin der Hochzeit sobald als möglich angesetzt werden sollte, da antwortete sie kühl:
„Dor Ablauf des Trauerjahres ist an eine Heirat nicht zu denken. Erstens einmal habe ich es mit der Che gar nicht so eilig — und zweitens würde es pietätlos gegen meinen verstorbenen Stiefvater sein, wollten wir vor Ende des Trauerjahres an eine Heirat denken."
Axel Ivarsen hatte sich nur mühsam beherrscht. Tie kühle Abweisung durch Hiltrud verletzte seine Eitelkeit aufs tiefste. Er war nicht gewohnt, daß die Frauen ihm widersprachen, oder seine Liebkosungen abwehrten. Diese hochmütigeDeutsche war die erste, die sich so benahm, abgesehen von dem kleinen Tippmädel, dem man den Schlag ja aber noch einmal heimzahlen würde. Hier aber mußte er vorsichtig sein, den Ergebenen und Rücksichtsvollen spielen, sollte ihm nicht alles verlorengehen. Aber er wstrde es ihr heimzahlen.
Menn sie erst seine Frau war, würde man ja sehen, nach wessen Willen die Ehe ging — vielleicht würde sie ihm noch einmal nachlaufen, um seine Zärtlichkeiten betteln, die sie jetzt mit diesem Prinzessinnenhochmut abwehrte.
Wie gut, daß er mit Lona noch nicht gebrochen hatte! Er beschloß, sie in den nächsten Tagen zu besuchen, eine Geschäftsreise ließ sich ja leicht vorschützen. Zwar war sie reichlich anspruchsvoll geworden, die gute Lona, und seine Mittel schmolzen zusammen. Das Werk, an dem er noch beteiligt war, da oben in Aorwegen, arbeitete schlecht und schlechter. Wenn man nicht bald einen großen Coup machte, war es aus mit der Herrlichkeit.
Er hatte gehofft, Hiltrud zu einer früheren Heirat zu bestimmen. Wenn er sie erst einmal sicher hatte, konnte er über ihr Dermögen verfügen — und die Bezüge aus dem Bremerwerk ganz anders für sich verwenden. Aber sie war nicht umzustimmen — das wußte er nun. Etwas boshaft versetzte er:
»Ich bewundere deine Pietät, Hiltrud, der du unser Glück opferst. Ich habe nie gewußt, daß dein verstorbener Stiefvater dir so viel bedeutet hat."
»Das habe ich selbst nicht gewußt", gab Hiltrud ernst zur Antwort. »Solange er lebte, habe ich mich gar nicht viel bemüht, sein Wesen zu verstehen. Aber seitdem er tot ist. mutz ich mehr und mehr an ihn denken und daran, ddß wir ihm vielleicht mehr hätten sein können, wenn wir uns mehr bemüht hätten, seine Liebe zu erwerben."
Sie unterbrach sich, denn sie sah, daß ihr Der- lobter mit einem gelangweilten Gesicht hinaussah in den Herbstabend und offenbar mit seinen Gedanken anderswo wellte.
»Entschuldige, wenn ich dich mit meinen Privatangelegenheiten langweile", meinte sie etwas scharf.
Axel fuhr zusammen.
„Aber ich bitte dich, Hiltrud", erwiderte er hastig. »Du weitzt doch, datz alles, was in dir vorgeht, mir wichtig und teuer ist. Du bist seit einiger Zeit so gereizt — man kann es dir'trotz aller Liebe niemals rechtmachen — und das bekümmert mich aufrichtig. Es ist gerade so, als liebtest du mich nicht mehr."
Er sah sie schmerzvoll an — und unwillkürlich wurde Hiltrud rot. 3a, das war es: er hatte es ausgesprochen. Sie liebte ihn nicht mehr, das heißt, sie hatte ihn nie geliebt. Was sie zu dem Jawort getrieben, das war ja nur ihr unseliger Trotz gewesen, ihr Wunsch, dem anderen zu zeigen, daß sie sich nichts aus ihm gemacht — und daß sie jeden Mann haben konnte, den sie wollte. 3n ihrer Verzweiflung waren ihr die Schmeicheleien des schönen und eleganten Mannes ein süßes Gift gewesen, das ihr Herz betäubte, ihr Vergessen schenkte. Sie war erwacht — und hatte erkannt, daß sie nichts an ihren Verlobten band. Seine Schönheit schien ihr schal, seine Liebenswürdigkeit phrasenhaft und unecht — auch an seinem Charakter begann sie immer mehr auszusetzen. Lind je mehr sie aus ihrem Rausch erwachte, um so unerbittlicher stand die Liebe zu Olaf vor ihr. Nächte um Nächte verweinte sie in ihrem kühlen Mädchenzimmer.
Aber eine Entlobung mit all ihren Folgen war für Hiltrud unbenibar. Dor allem aber war die Bindung an Axel Ivarsen die Schuhwehr auch gegen ihre eigenen sehnsüchtigen Gedanken, die immer wieder zu jenem anderen flohen, der sie verschmähte.
Aber man mußte sich zusammennehmen, man
durfte sein eigenes Unglück den Verlobten nicht entgelten lassen. So zwang sich denn Hiltrud immer wieder zu jener gleichmütigen Freundlichkeit — mehr aber konnte sie nicht — es ging über ihre Kräfte.
_ Hätte sie geahnt, daß Axel ein so frevelhaftes Spiel mit ihr und Mutter spielte, vielleicht hätte sie doch die Kraft gehabt, sich zu lösen. Aber sie ahnte ja nicht, wem sie sich in der Derzweiflung ihrer verschmähten Liebe in die Hände gegeben.
Axels Herz war von Wut und Ingrimm erfüllt. Nichts ging so, wie er es wollte. Die norwegischen Motorenwerke konnten sich nur noch wenige Monate halten. Die Aufträge gingen immer mehr zurück. Alles konzentrierte sich hier auf das Bremerwerk. Wenn es nicht bald gelang, neue Modelle herauszubringen, war es mit den norwegischen Motorenwerken aus. Es war ja ganz schön, hier als Schwiegersohn der reichen Frau Kommerzienrat Bremer zu leben: aber endlich wollte man doch einmal hier heraus — dieses Süßholzraspeln war nichts für Ivarsen: er sehnte sich nach der Grohstadt, nach dem Leben, das er gewohnt war — und von dem man hier nichts ahnte.
Siebzehntes.Kapitel.
Eines Morgens ging der Betriebsingenieur Moeller mit einem Briefe herüber zum Bremer- schloß. Frau Melanie, in einem eleganten Hauskleid aus schwarzer Seide, saß mit ihrem Schwiegersohn beim Frühstück. Hiltrud war noch nicht erschienen. Axel saß behaglich in einer seidenverschnürten, dunkelblauen, gesteppten Seidenjacke da, die seine brünette Schönheit noch hob, und strich sich sein Brot mit Honig. Diese Frühstücksstunden waren das Angenehmste am ganzen Tage. Der Kaffee duftete, das Gebäck, das die Mamsell auf Wunsch der Kommerzienrätin täglich in anderer Form für den verwöhnten Schwiegersohn zu baden hatte, lag locker geschichtet in dem silbernen Kuchenkorbe, der Tisch mit sej^iem zierlichen Gerät aus Porzellan und Silber, den Schüsselchen mit dem zartrosa Schinken, den Eiern in den kleinen Bechern, der frischen Butter — alles atmete Behaglichkeit und Sorglosigkeit.
Heute war Ivarsen besonders gutgelaunt. Er hatte wieder einmal eine seiner kleinen Spritzfahrten in die nahegelegene Grohstadt vor, wo ihn Lona erwartete. Da konnte man sich wieder einmal schadlos halten für diese Familienidylle hier. Man mußte vorsichtig sein, denn allmählich, trotz des Trauerjahres mit seiner Zurückgezogenheit, hatten sich Freunde und Bekannte des
Bremerschen Hauses eingefunden, die in dem stets gastlichen Hause freundlichen Willkomm fanden. Man war ja auch neugierig auf den Schwiegersohn.
Frau Melanie hätte am liebsten gleich wieder einen großen gesellschaftlichen Verkehr angefangen. Aber Hiltrud hatte sehr bestimmt wider« sprachen. So hatte man mit Axel auch nur bei den nächsten Freunden Besuch gemacht, die alle von der gewandten, liebenswürdigen Art des jungen Norwegers entzückt waren. — Aber um so vorsichtiger mußte Axel fein. Nun, man richtete es eben so ein, daß er und Lona nie zusammen gesehen wurden...
Da klopfte es. Das Mädchen meldete den Betriebsingenieur.
„Mas heißt denn das?" fragte Frau Melanie unmutig. „Hier, in der'Privatwohnung — und um diese Zeit? Warum meldet sich der Mann denn nicht im Büro bei dir, Axel, wenn er was will?"
»Verzeih', Mama, ich habe drüben angesagt, daß ich heute verreise: vielleicht ist es etwas Öliges — also gestatte!" — und er winkte dem Stubenmädchen, den Wartenden eintreten zu lassen.
Der Detriebsingenieur begrüßte die Frau seines verstorbenen Chefs mit einer tiefen Verbeugung — eine zweite Verbeugung galt Axel.
»Also, Herr Moeller, was bringen Sie denn Schönes?" fragte Axel. Moeller antwortete ihm nicht direkt, sondern wandte sich an Frau Melanie.
„Gnädige Frau", sagte er, „hier habe ich einen Vries von Herrn Kurt — von HerBn Bremer", verbesserte er sich schnell, als eine Llnmutsfalte über Frau Melanies Gesicht ging; „er fragt an ob wir in unseren Werkstätten Versuche mit dem Vau einer neuen Dämpfungsvorrichtung beim Schiffsmotor machen wollen, zu denen er die Zeichnungen ausgearbeitet hat?
„Ich habe Ihnen schon mehrmals gesagt, Herr Moeller, daß alle geschäftlichen Entscheidungen meinem Schwiegersohn vorgelegt werden sollen" wies Frau Melanie Moeller scharf zurecht: eine heftige Röte stieg dem alten Angestellten in die Stirn, aber ehe er noch etwas erwidern konnte, fuhr Frau Melanie fort:
„'Bitte, lieber Axel, prüfe du die Sache: auf keinen Fall dürfen aber die Bremerwerke mit kostspieligen Versuchen belastet werden, nur weil Kurt es so gefällt. Dazu haben wir das Geld wirklich nicht."
______ lFortsehuna folgt.)
Im Namen der Hinterbliebenen:
Bertha Kehr, geb. Wieher, Königsberg (Ostpreußen) Käthe Eichhorn, Gießen, Weserstraße 3.
Bitte von Beileidsbesuchen abzusehen.
8198 D
Die Trauerfeier findet statt, Dienstag, den 22. November, nachmittags */23 Uhr, in der Neuen Friedhofskapelle.
Samstag früh verschied nach kurzem, schweren Leiden unsere Hebe Kollegin
Fräulein Johanna Kehr.
Zwangsversteigerung.
An der Gerichtsstelle werden am 6. De- zember, 10 Uhr, versteigert: Wohnhaus Lahnhofstraße 7 in Gladenbach mit Hof, Hausgarten, Fabrikgebäude (Zigarren- fabrik jetzt Schule) und Autohallen, 17,08 Ar, ferner Garten an der Gießener kratze, 6,17 Ar (Fabrikant Karl Krieb und Marie Krieb). 8192D
Amtsgericht Gladenbach.
Wim Weide»
in Oberhessen und Hessen-Nassau nut ein-
X t Gelegenheit geboten, sich an ^tanflefcbener§it,na(8gtibeöütoburte AU beteiligen. Schnstl. Angebote U6850nn2bhPnCl(WCV^bnren Mittel unter uoööJ an den Gießener Anzeiger.
Statt jeder besonderen Anzeige.
Am 19. November starb nach kurzem schweren Leiden meine teure Tochter, unsere geliebte Schwester, Schwägerin, Nichte und Freundin
Fräulein Hanna Kehr.
Tief bewegt beklagen wir ihren allzu frühen, unerwarteten Heimgang. Vornehm gesinnt schlicht, freundlich, hilfbereit, ganz in ihrem Beruf aufgehend, den Kindern in mütterlicher Liebe zugetan, so hat sie fünfundzwanzig Jahre hindurch in unserer Schule segensreich gewirkt und gewaltet, so wird sie in unser aller Gedächtnis unvergeßlich weiter leben.
• Ehre ihrem Andenken!
Gießen, 24. November 1932.
Das Kollegium der Schillerschule.
8199 D
Evano.Frauenverein
Versammlung der Gießener und oberhess. Frauenvereine Donnerstag, den 24.Nov., nachm. 21/,Uhr. Caf6 Leib, Walltorstr.36. Vortrag von Pfarrer Rieber, Offenbach: ,,„D Der moderne Mensch gebunden imUnglauben
General-Vertreter för Weine. Weinbrände u. Liköre (Markenware) geg. hohe Prov. gesucht.
Weingut Harbach
Burgbrandbrennerei und -Likör-Fabrik Bacharach am Rhein. MwV
Alten-Buseck. den 20. November 1932.
RiasD
Die Beerdigung findet Dienstag, 22. Nov., nachmittags 21/, Uhr statt.
Heute morgen gegen 9 Uhr entschlief sanft und unerwartet meine liebe rrau und treue Lebensgefährtin, unsere treusorgende Mutter Schwiegermutter und Großmutter
Frau Kathrine Seuling
geb. Becker
Im Alter von 67 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
L. E. Seuling, Küfer.
Georg Schröbel, Oberamtsgehilfe s. X
8200 D
8ieoD
Bezug durch dfe Eisenhandlungen!
Für die überaus großen Aufmerksamkeiten durch Gratulationen, Älumenspenden und Geschenken zu meinem 75. Geburtstage sage ich allen meinen besten Dank
„Es regnet
BUDERUS MM OFEN
Reichsverband Deulscherfonkünsl.'er und Musiklehrer e.f, Ortsgruppe GieOen.
Am Tage der Hausmusik (Cäcilientag)
D2e^?.a°u' P* Äov®mber 1932, abends 8 Dhr pünktlich, Im großen HBrsaal der Universität Hausmusik
Werke von Händel, Dittersdorf, Beethoven, Schubert u.a.
Programme 50 Pf., Schüler 30 Pf. rberech- tigen zum Eintritt) bei Ernst Cha Hier und am Saaleingang.___________8142Ö
Am 20. November verschied nach kurzem schweren Leiden im 78. Lebensjahre mein lieber Mann, unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Samuel Baum
aus seinem arbeitsreichen Leben.
Im Namen der Trauerndem
Jeanette Baum, geb. Levi
Wieseck (Gießener Str. 3), Kerpen, Altona, Gießen, Apolda, den 21. November 1932.
Die Beerdigung findet statt: Dienstag, den 22. November, nachm, 3Uhr, vom Trauerhause aus.
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u.R.D. Baumeister.
Dienstag. 22. Nov.. nbbß.SV« Ubr pünktlich, Goetheschule, Westanlage,
1. Bortrag über Einheitsbewerlung Vollzähl.Erscheinen erwarten dringend sieiD die Vorstände.
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zusammen geschätzt 38776 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, Zur Einsicht ausgehängt.
Gießen, den 7. November 1932.
3. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgerichtsvorsteher.
Bekanntmachung.
Der vom Rat durchberatenc Voranschlag unserer Gemeinde für das Rech- nungsjahr 1932 liegt vom Dienstag, dem 22 November 1932, ab eine Woche lang Bürgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll oorgebracht werden.
Die Erhebung einer Umlage ist be- schlossen worden, wozu auch die Ausmärker beizutrqgen haben. 8197D
Harbach, den 19. November 1932 Hessische Bürgermeisterei Harbach. _____ Schomber.
| Landwirt sucht 1000-2000 man auf 1. Äyvothek. Schriftl. Ang. unt. 06838 an d. G. A.
Stadttheater
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