Ausgabe 
20.10.1932 Frühausgabe
 
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Auskehr in Genf.

Die Dölkerbundsoersammlung, das Genfer Weltparlament der Regierungen hat seine dreizehnte Tagung sang, und klanglos ge» schlossen. Vor leeren BänkenJo sagen die Genfer Berichte. Die Herren amLac fieman" nehmen sich offenoar selbst nicht mehr ganz ernst. Man müßte meinen, daß in solchen Wochen, wo die bevoll­mächtigten Minister und Vertreter von über vierzig Staaten versammelt sind, das Interesse der Welt- Öffentlichkeit vor allen anderen politischen Ereig- nissen so gut wie abgelenkt und einzig nach dieser Richtung konzentriert wäre. Man müßte beinahe annehmen, daß anderswo in der Welt in solchen Wochen überhaupt keine Politik gemacht werden könnte. Das Gegenteil trifft zu. In allen Haupt- städten und zwischen allen Hauptstädten drängen Spannungen nach ihrer Losung, reifen historisch bedeutsame Entscheidungen heran, und an Gens hätte mancher wohl überhaupt nicht mehr gedacht, wenn er nicht durch die Tatsache der Schlußtagung wieder darauf aufmerksam gemacht worden wäre, daß jetzt vier Wochen lang ein Gremium getagt hat, von dem sich optimistische Träumer wohl ein­mal vorgestellt yaben mögen, daß aus seinem Schoße einmal so etwas wie eine Regierung der Regie­rungen, ein überstaatliches Weltkabi­nett heroorgehen könnte.

Es lohnt sich kaum, auf die vier Wochen dieser Tagung zurückzublicken. Es ist nichts geschehen, was in den Annalen der Geschichte zu verzeichnen ist. Richt einmal Reden sind gehalten worden, deren .Mang länger als einen Tag im Ohre blieb. Die Tenöre und Heldenbaritone der Genfer Glanzzeit sind dahingegangen oder als Staatsmänner ausae- icyaltet. Stresemann und Briand sind nicht mehr. Chamberlain konnte diesmal nur in einer Konferenz am Rande des Völkerbundes so etwas wie eine Slatiftenrolle spielen. Herrn Herriot war es un­möglich gemacht, öffentliche oder vertrauliche Zwie­sprache mit dem deutschen Gegenspieler zu halten. Neurath hat deutlich zu verstehen gegeben, daß er mit diesem Völkerbund nichts zu tun haben will, solange er sich nicht entschlossen und entschieden für die Gleichberechtigung aller seiner Mitglieder ein­setzt. Er hat nicht einmal Herriot die Höflichkeit ( erwiesen, seinergroßen" Völterbundsrede zuzu- 1 hören, die schon darum sinnlos wurde und verpuffen mußte.

Unter, dem Eindruck der Ohnmacht und Bedeu­tungslosigkeit verlief diese Tagung in der Stimmung vollkommener Resignation. Vom Thema, will sagen von Abrüstung, dürfte nicht gesprochen werden. Der Dölkerbundspräsident Po litis hat , nur in seiner Schlußrede ein paar zahme Wen­dungen über die Organisierung des Friedens ein­geschaltet. Politische Entscheidungen sind nicht gefällt worden. Was eine Sensation hätte werden können, die Stellungnahme zum Lytton-Bericht, wurde wie alles im Völkerbund, was irgendwie brenzlich wer­den könnte, auf d i e lange Bank geschoben. Eine Sondertagung im November soll den Streit zwischen China und Japan über die mandschurische Frage schlichten. Sie wird es selbstverständlich nicht tun, sondern auch noch diese Angelegenheit, wie so vieles andere, in einem oder in mehreren Aus­schüssen begraben.

Blieb also dieser Völkerbundstagung im Grunde nur noch die Beschäftigung mit organisatorischen Angelegenheiten. Der Völkerbund hat sich einen ncuenGeneralsekretär bestellt. Es ist na­türlich ein Franzose, dem für zehn (Zähre eine zum Teil unheimliche Macht in die Hand ge­geben wurde. Darüber kann man sich nur zum Teil beruhigen lassen durch die Feststellung, daß der neue Generalsekretär Avenol ein Mann von besonderer Lauterkeit der Gesinnung, von ruhigem sicherem Charakter und von absoluter Treue ge­genüber dem überstaatlichen Gedanken des Völ­kerbundes sei. Wir sehen in ihm und das wer­den wir vielleicht in den nächsten Sahren noch oft peinlich feststellen muffen in erster Linie den Franzosen. Rur der ^tsache, daß die Fran- zosen unbedingt aufihren" Generalsekretär Wert legten, haben wir einen Erfolg unserer Be­mühungen in der Richtung zu verdanken ge­habt. daß die Aemterverteilung in der Genfer Bürokratie mehr als bisher nach Gesichts­punkten der Gerechtigkeit rorgenommen werden soll. 2Hrem" Generalsekretär zuliebe haben sie auf

Gießener Stadttheater.

Ladislaus Fodor:Roulette".

Dieses dreiaktige Lustspiel von Fodor, der uns vor längerer Zeit schon diearme Kirchenmaus" bescherte, spielt, wie der Rame vermuten läßt, in Monte Carlo und ist die Geschichte einet Hochzeitsreise wie noch nie.

Ein neuvermähltes Ehepärchen, Hella und Peter, ist über die Alpen geflogen und im Para­dies der Spieler an der Reviera glatt und zu­nächst noch glücklich gelandet. Während die junge Frau sich zum ersten gemeinsamen Abendessen zurechtmacht, verschwindet ihr Gemahl auf ein halbes Stündchen im Kasino und beginnt, mit wechselndem Glück, die Reisekasse zu verspielen.

Hella? allein gelassen zu ihrem Kummer, sehr hungrig und sehr verliebt, macht mittlerweile durch Zufall die Bekanntschaft einer früheren Freundin ihres Gemahls, Scanne Rose, die den einträglichen Beruf einer großen Kokotte und Mascotte ausübt, und empfängt eine Menge guter und minder guter Belehrungen über das Leben im allgemeinen und in Monte Carlo im besonderen.

Da Peter sich immer tiefer in seine Spiel­leidenschaft verstrickt, ist Hella, um nicht Hungers zu sterben, genötigt, allein den Speisesaal aufzu­suchen, wo sie abermals mit Scanne zusammen­trifft, von einem Kellner angeschmachtet wird und schließlich aus Trotz und Verzweiflung be­schließt. auf eigene Faust und aus persönlicher Initiative eine Herrenbekanntschaft zu machen. (Merkwürdige Hochzeitsreise.)

Sie macht auch eine, in Gestalt eines sehr seriös anmutenden Herrn mit grauen Schläfen, namens Marcell, und kann natürlich nicht wissen, daß dies ebenfalls ein guter Freund ihres treu­losen Gemahls ist. Marcell. der manche Ent­täuschungen hinter sich hat, vermutet seinerseits alles andere als eine Dame vor sich zu haben zumal Hella sich zunächst in Gesellschaft von Scanne befand. Natürlich gibt es lauter Miß­verständnisse, da Hella ihre Rolle begreiflicher­weise nicht gerade mit Routine spielt. Marcell, um eine Enttäuschung reicher und dennoch ver­

einen der französischen Direktoren, und zwar den politisch wichtigeren, den Direktor der Sn- formationdabteiilung, verzichtet und sich mit bem Grundsatz einverstanden erklärt, daß künftig kein Staat durch mehr als zwei hohe Beamte im Se­kretariat vertreten fein soll.

Muh man beim Ziehen die es sazits auch noch daran erinnern, daß der Gedanke der nicht ständigen Ratsihe neuer'.'.ch dadurch üer- stjl'cht worden ist, daß den Polen ihr Sitz noch einmcvl auf drei Sabre bestätigt wurde. Auch an dieser Stelle müT'en wir uns als die Betro­genen Vorkommen. Wenn es nicht bald zu einer Anerkennung unserer Gleichberechtigung kommt, wie lange wollen wir dann überhaupt noch in Genf bleiben?

Arbeitsbeschaffung

für 280 Millionen Mark.

Das Reichsbahnprogramm finanziert.

Berlin, 19. Oft. (WTB.) Die Reichs - b a h n hat nunmehr die Verhandlungen über die FinanzierungihrenArbeitsbeschaf- fungsvrogramms b o n 2 8 0 Millionen Mark beendet. Dieses Programm beruht darauf, daß der Reichsbahn rund 180 Millionen Mark Steuergut'cheine aus der Beförderungssteuer zur Verfügung stehen, und daß für weitere 100 Mil­lionen Mark ihr eigener Kredit eingespannt werden soll.

Bei der Finanzierung ist davon ausgegangen, daß die Steuergutscheine nicht an bte Börse gebracht werden sollen. Dieses Vorgehen er­scheint aus marktpolitischen Gründen erwünscht. Vor allem wird aber dadurch gewährleistet, daß die volle Summe auch wirklich der Arbeits­beschaffung zugute kommt. Die Zwischemeit bis zur Fälligkeit der Steuergutscheine wird über­brückt werden mit Hilfe der am 8. Oktober 1932 neu errichteten Reichsbahn-Deschaffungs-G.m.b.H. kRDG ). Diese wurde von der Deutschen Der- kehrskreditbank mit einem Kapital von 10 Mil­lionen Mark gegründet, auf das sofort 25 Pro­zent eingezahll wurden.

Bei Fälligkeit von Zahlungen würden die tieferer und Unternehmer Wechsel auf die RBG ziehen, die von dieser akzeptiert und von der Derkehrskreditbank sofort diskontiert wer­den, so daß dem Unternehmer ober tieferer alsbald der Rechnungsbetrag ausgezahlt wird.

Der Wechselaussteller muß sich verpflichten, auf Anforderung der RBG. jeweils die ausgestellten Wechsel zu prolongieren, bis die Steuergutscheine flüssig gemacht werden förinen. Die Verkehrskre­ditbank verwertet die eingehenden Wechsel nach Maßgabe der bestehenden Möglichkeiten, gegebe­nenfalls durch Diskontierung bei der Reichsbank, die sich zur Hereinnahme dieser Wechsel bereit­erklärt hat. Außerdem kommt für die Geld­beschaffung die Lombardierung von Steuergutschei­nen in Betracht.

lieber das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsbahn bis zum Betrage von 180 Millionen Mark ist die Öffentlichkeit bereits unterrichtet. Der darüber hinausgehende Betrag ist in erster Linie zum Einbau der aus früheren untz noch lau­fenden Bestellungen herrührenden Oberbau- und sonstigen Stoffe bestimmt; auch sollen neben eini­gen zusätzlichen Beschaffungen weitere Aufwen­dungen für die dringend notwendigen kleineren Arbeiten der Unterhaltung und Erneuerung der baulichen und maschinellen Anlagen, sowie ge­wisse Ausführungen der Reubaurechnung damit gedeckt werden. Mit den Einzelheiten wird sich der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn­gesellschaft gelegentlich seiner Rovembertagung zu beschäftigen haben.

Sächsischer Landtag gegen die Verfaffnngsresorm.

Dresden, 19. Ott (WTD.) DerSächsische Landtag hat heute im Zusammenhang mit einer sozialdemokratischen Anfrage über die Stel­lungnahme der sächsischen Regierung zur Frage der Reichsreform beschlossen, die sächsische Regierung zu beauftragen, gegen verfas --

liebt, verabschiedet sich, nachdem er Hella eine große Danknote aufgenötigt hat.

Sm Kasino ist es inzwischen drunter und drüber gegangen. Peter hat alleS verloren, trifft Hella, die ihn vergeblich zur Abreise zu bewegen sucht, nimmt, nach mehr als flüchtiger Empörung, be­denkenlos auch das Geld, das feine Frau von Marcell erhielt ... und sprengt wahrhaftig da­mit die Dank. Marcell hat sich inzwischen von seinem Srrtum überzeugt, und als Peter mit einem unheimlichen Haufen gewonnenen Geldes zurückkommt, hat Hella mit Marcell ihre zweite Hochzeitsreise eben angetreten.

Diese pikante Angelegenheit wurde vom Spiel­leiter Karl Hehler in einer glatt eingespielten Aufführung mit gerechter Verteilung von Tempo und Pausen serviert. Die Regie war um die Wiedergabe der eigentümlichen Atmosphäre des weltberühmten Schau- und Spielplatzes mit Ge­schick bemüht, hätte aber allerlei unnötige Deut­lichkeiten des Dialogs für unseren Geschmack gut und gern streichen können. Bühnenbildner L ö f f - l e r hatte einen originellen Bühnenrahmen in den Rationalfarben von Monte Carlo, rouge et noir, und einige elegante und farbenprächtige Snte- rieurs geschaffen.

Fräulein Liesel Deling spielte die verlas­sene, enttäuschte und betrübte junge Frau Hella mit viel natürlichem Charme und liebenswürdiger Raivität am hübschesten in der Souperszene des Mittelaktes.

Herr Ggge-mann gab den Peter, anfangs als luftigen und erfreulich normalen Hochzeits­reisenden, später einen immer hoffnungsloser von der rollenden Roulettekugel besessenen, rückfäl­ligen und unheilbaren Kasinostammgast.

Frau Koch machte mit erfrischender Offen­herzigkeit und Geläufigkeit die drollig kauder­welschende Scanne Rose; Herr Hauer in den angenehmen Formen eines Herrn von Welt den Marcell; Herr Kühne den wahrhaft roman­tischen Oberkellner Gaston. Fräulein Wie- lander und Herr Hamel hatten in einer Episode einen kleinen Sonderapplaus.

Der Besuch hätte besser sein können. Lebhafter Beifall. hth.

sungswidrige Pläne der Reichsregierung schärfsten Protest einzulegen und im Reichsrat

gegen alle oerfassungsändernden Gesetzentwürfe zu stimmen. Für den Antrag stimmten außer den Sozialdemokraten die Kommunisten, die Ra- tionalfozialisten und die Demokraten. Der De» schlutz erfolgte gegen a usdrückliche Dor- stellungendersächsischenRegierung. Ministerpräsident S ch i e ck hatte im Landtag betont, daß die Kundgebungen der Reichsregie- rung zur Reichsreform ein erfreuliches Be­kenntnis zum föderativen Gedanken gebracht hätten, dem hoffentlich die entsprechen­den Taten folgen mürben. Auf feine Anfrage sei ihm von maßgebender Stelle erklärt worden.

daß die Reichsregierung selbst noch keine fest- umriffenen Pläne habe. Für eine Stellungnahme der sächsischen Regierung sei deshalb bisher keine auch nur einigermaßen sichere Grundlage vorhanden.Sch würdige durchaus die Tatsache", fuhr der Ministerpräsident fort,dah ein Umbau des Weimarer Derfassungswerkes nur dann tun­lich ist und dauerhaft, wenn er von der Zustim­mung einer überwiegenden Mehrheit des deut­schen Volkes getragen ist. Wenn der Verfassungs- reformenttourf im Reichsrat beraten wird, wird die sächf.Regierung das ganz gewiß nicht aus dem Auge lassen. DerVersuch, der Landesregierung eine derartig ungewöhneliche Bindung aufzuerlegen, müßte die Wirksamkeit ihres Auftretens im Reichsrat zum Rachteil des Landes empfindlich beeinträchtigen."

Aus aller Welt.

Goethe-Feier in Argentinien.

Unter dem Protektorat der Universität fand in Buenos Aires die von der Deutsch-Argentinischen Kulturgeselllchaft veranstaltete offizielle argen- tinische Goethe-Feier statt. Der Staats­präsident S u ft o , die Mitglieder des Kabinetts, rotoie zahlreiche Vertreter von Kunst und Wisten- schaft nahmen an der Feier teil. Die Festreden hielten der bekannte Romanist Professor V o ß - l e r von der Universität München und der ar­gentinische Schriftsteller Leopolds L u g o n e s. Der deutsche Gesandte Dr. v. Keller über­reichte dem Präsidenten der Kulturgesellschaft, Dr. Ricardo, zum Schluß der Feier die Goethe-Medaille.

Goethe-Medaillen für herriot, Valery und Gide.

Aus Anlaß der Goethe feier ist, wie man sich erinnert, drei Franzosen die Goethe-Me­daille verliehen worden, nämlich dem Minister­präsidenten Herriot, dem Dichter und Mitglied der französischen Akademie Paul D a I 6 r n und dem bekannten Schriftsteller Andre Gide. Botschafter v. Hoesch wird dieser Tage vor dem Abschieds­frühstück, das Ministerpräsident Herriot zu seinen Ehren gibt, dem französischen Ministerpräsidenten die Medaille überreichen, während der deutsche Ge­schäftsträger, Botschaftsrat Dr. F o r ft e r, Valery und Gide ihre Medaillen in den nächsten Tagen überreichen wird.

Graf Zeppelin" wieder in Friedrichshafen.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist nach feiner Rückfahrt von Pernarnbuco unter Führung von Dr. Eckener in Friedrichshafen glatt g e - landet. An Bord befanden sich 14 Passagiere.

Trebilsch-Lincoln aus Belgien auvgewiesen.

Der bekannte internationale Abenteurer Tre- bitsch - Lincoln ist dieser Tage in Brüs­sel verhaftet und aus Belgien a u s ge­wiesen worden. Er ist mit dem Zuge nach Köln abgereift. Trebisch traf vor einigen Tagen in Brüssel ein und nahm als buddhistischer Mönch unter dem Ramen Chao Kung in einem Hotel Wohnung. Sein Reisepaß war von den chinesi­schen Behörden in Schanghai ausgestellt. Gr wurde ausgewiesen, weil er von dem dortigen belgischen Konsul zwar einen Durchreisepaß, aber kein Aufenthaltsvisum für Belgien erhalten hatte. Rach dem Ausweisungsbefehl wurde ihm noch eine Wahlzeit in einem vegetarischen Restaurant gestattet, die er unter Aufsicht zweier Polizei­beamter einnahm.

Razzia im Dortmunder Unruheviertel.

Sm Zusammenhang mit der in den letzten Tagen erfolgten Schießerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten führte die Dortmunder Schutzpolizei eine Durchsuchund der Häuseroiertel durch, in denen die Schießerei stattgefunden hat. Es wurden zwei Personen wegen dringenden Tat­verdachts verhaftet. Gefunden wurden u. a. drei Schußwaffen, vier Dolche und verschiedene Schlagwerkzeuge.

254 000 Zlotys unterschlagen.

Der Oberschichtmeister Pietsch und der Rech­nungsführer B u d e 11, die auf dem Kattowitzer Bergwerk beschäftigt sind, wurden verhaftet.

weil sie im Laufe von 12 Jahren 254000 Zloty unterschlagen haben sollen.

Darlchnsschwindler verhaftet.

Der Snhaber eines Finanzierungsbürvs im Bahnhofsviertel von München, der eine Dar- lehensvcrmittlung betrieb, hat sich der Poli­zei gestellt und gestanden, Betrügereien in Hohe von 60 000 Mark verübt zu haben. Die polizeilichen Erhebungen haben die Richtigkeit der Selbstbeschuldigung ergeben. Die Geldgeber sind fast durchweg ärmere Leute und SnflationS- gefchädigte. Die Opfer haben zum größten Teil ihre letzten Sparpfennige verloren. Der Betrüger wurde dem Gericht übergeben.

Grubenunglück bei Saarbrücken. Zwei Tote, drei Schwerverletzte.

Auf der Grude Göttelborn im Fifchbachtal bei Saarbrücken wurden drei Bergleute verschüttet. Sie konnten sofort befreit werden, jedoch haben alle drei schwere Verletzungen erlitten. Einer der Verunglückten ist bald daraus gestorben. Auf der Schachtanlage Bertrand wurde ein Berg­mann tödlich und ein weiterer Bergmann schwer verletzt.

Drei weitere Todesopfer des Grubenunglücks bei Aachen.

Das Grubenunglück auf der ZecheSofia Sacoba" hat im Laufe der letzten Tage drei wei­tere Todesopfer' gefordert. Sm Linnicher" Krankenhaus ist der Bergmann M a e tz e n an den Folgen der schweren Verbrennungen gestorben. Kurz darauf starben auch der Bergmann B e h n e r und der Bergmann D i g n a s. Leider muß damit gerechnet werden, daß die Zahl der Todesopfer noch weiter wächst. Bei den drei Schwerverletzten, die sich noch im Linnicher Krankenhaus befinden, ist der Zustand nach wie vor sehr e r n ft, wäh­rend es den gasvergifteten Bergleuten im Hardenberger Krankenhaus den Umständen entfpre- chend gut geht.

Eisenbahnunfall. Zwei Tote, neun verletzte.

Am Kleinbahnübergang Passendorf der Halle- Hettstedter-Eisenbahn stieß dieser Tage ein Per- f d n c n 3 ug mit einem Kraftomnibus zusammen. Der Besitzer des Autobusses wurde auf der Stelle getötet, ein Fahrgast tödlich verletzt. Fünf Personen erlitten sehr schwere und vier leichtere Verletzungen. Die Schranken am Bahnübergang waren außer Betrieb, da sie durch einen Sturm stark beschädigt worden waren. Die Sicherung des Ueberganges erfolgte durch Winken mit einer roten Flagge. Wenig später ist auch der 55 Jahre alte Lokomotivführer Otto Parthier, der durch ausströmenden Dampf und Kesselwasser schwer verbrüht worden mar, im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Bergrutsch an der Mosel.

Wie aus Trier gemeldet wird, rutschten dieser Tage auf der Strecke Dann-Wittlich zwi­schen den Stationen Daun und Schalkenmehren, mittelbar vor dem Schalkenmehrener Tunnel, etwa 1500 bis 2000 Kubikmeter Bo - denmasse auf den Bahnkörper. Die Aufräumungsarbeiten werden mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen. Der Personenverkehr wird durch LImsteigen aufrechterhalten.

Die Dame mit der gestreiften Katze

Von Victor Auburtin.

Sn dem Abteil sitzen wir üblichen . cht oder zehn Personen, pie mittags in die Stadt fahren um die Theaterplätze zu besorgen, oder um Geld von der Bank zu holen, oder -so etwas Aehnliches.

Die meisten lesen in ihren Zeitungen. Die ande­ren blicken mit jener hochmütigen Herablassung drein, die ein Zeichen guter Erziehung ist. Der Herr mit der Tiefquart und dem Tiroler Hut macht ein Gesicht, als wolle er uns allen, der Reihe nach, eine herunterhauen; der muß aus einem besonders vor­nehmen Hause sein.

Da betritt die Dame mit der gestreiften Katze das Abteil, und mit einem Schlage ändert sich die ganze Lage.

Die Dame mit der gestreiften Katze ist ein Fräu­lein, das offenbar an einem Wohnungsumzug be­teiligt ist und die Aufgabe übernommen hat, die Hauskatze in unauffälliger Weife in das neue Heim zu befördern. Zu diesem Behuf hat sie die gestreifte Katze in einen Pompadour gesteckt, so daß die Katze sich nicht bewegen und nicht entkommen kann, son­dern nur ihr Kops freibleibt und an den Begeben­heiten Anteil hat.

Es muß gesagt werden, daß die Katze sich in dieser schwierigen Lage vorzüglich benimmt. Sie ist offenbar noch nie auf der Dahn gefahren, und man könnte erwarten, daß sie Furcht empfindet vor den heftigen Geräuschen und Erschütterungen oder vor dem Phantom eines vordeibrausenden Zuges; aber nichts dergleichen, sie betrachtet alles mit ruhiger Aufmerksamkeit und kein Ruf des Schreckens oder Erstaunens kommt über ihre Lippen.

Was dagegen uns Fahrgäste anbetrifft, fo sind wir mit dem Auftreten der Katze andere Menschen geworden.

Der Herr mit der Tiefquart und dem Tiroler Hut hat plötzlich vergessen, aus welch vornehmem Hause er stammt, und lacht die Katze vergnügt an. Eine dicke Dame, welche Brillantohrringe trägt, wackelt heimlich mit dem Finger, um die Aufmerksamkeit der Katze zu erregen oder ihr vielleicht gar ein Lächeln abzugewinnen. Und wir anderen haben unsere Zeitungen finken lassen und betrachten ge­spannt dieses geheimnisvolle und kluge, kleine Ge­sicht. auf dessen Stirn die dunkleren Streifen ein lateinisches M bilden.

Und es ist, als fei mit der Katze etwas von ver­

lorener Einfalt und von Paradiesesturn zu uns hineingekommen; in das Abteil der Bahn.

Laßt uns den Umgang mit Tieren pflegen, Freunde, damit wir unsere unsterbliche Seele nicht verlieren. Zu dem Tiere dürfen wir freundlich und menschlich sein, ohne uns unserer bürgerlichen Würde zu begeben. Dor dem Tiere können wir uns noch schämen; denn das Tier ist besser als wir, wozu ja allerdings meistens nicht viel gehört.

(Erinnerung an bett Grafen Gpee.

Die Mitglieder des englischen Expeditions­korps nach Samoa befinden sich in einer oioften Schuld einem Feinde gegenüber, dem Admiral von S p e e , der der Befehlshaber des deutschen Kreuzergeschwaders im Fernen Osten war", so erklärte kürzlich Oberst Wc Quarrte auf einer Versammlung der Veteranen des Samoa-Krieges, die zu Wellington auf Reuseeland ftat/anb. Das Schicksal der Streitkräfte, die nach Samoa ausgesandt waren." fuhr der Oberst fort, lag eines Tages in der Hand dieses Mannes. Wir tarnen ohne einen Todesfall nach Reuseeland zurück, aber er hätte uns allen ein jähes Ende bereiten können. Wer, dem die Gelegenheit ge­boten war, dem Feind ungeheure Verluste zu­zufügen, würde sich diese haben entgehen lassen?" fragte er weiter.Graf Spee tat es, weil er ein großer Admiral und ein großer Gentleman war. Er lehnte es ab, ein sinn­loses Morden durchzuführen, sondern segelte fort und lieh unS ungeschoren, weil er nicht finden konnte, das irgend ein militärischer Vorteil durch unsere Vernichtung gewonnen würde." Ein an­derer Führer des Expeditionskorps, Oberst Cow­ies, stimmte dem bei und meinte, die Zeit habe ihnen gezeigt, wie sehr sie in vieler Hinsicht den frühreren Feinden dankbar sein müßten. Er er­wähnte einen andern Vorfall, nämlich daS Er­scheinen der deutschen KreuzerScharnhorst" und Gneisenau" vor Apia am Morgen des 14. Sep­tember 1914. Da zwei Kompanien eines austra­lischen Regimentes gerade über die Vallegaro- Brücke marschierten, wäre es den Kreuzern ein Leichtes gewesen, mit ihren weithin tragenden Kanonen unter ihnen ein Blutbad anzurichten. Die beiden Schiffe machten sich auch gefechts­bereit, und das Schicksal der Soldaten schien be­siegelt. Aber dann geschah das Unertoartete. Die beiden Kreuzer drehten bei, kreuzten noch eine Zeitlang an der Küste und wendeten sich bann westwärts, ohne einen Schuß abzugeben.