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20.10.1932 Erstes Blatt
 
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m. 247 Erstes Statt

182. Jahrgang

Donnerstag. 20. Oktober 1932

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Der Wahlkampf am Mittwoch

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Berlin, 20. Oft. (Sil. Funkfpruch.) Außer dem Rededuell zwischen der DRBP. und der RSDAP. in Berlin brachte der Wahlkampf am Mittwoch zahlreiche Wahlkundgebungen im Reiche. Hitler sprach in Massenversammlungen der RSDAP. in Oppeln und Breslau. Er wandte sich scharf gegen die Regierung Popen und ihr Wirtschaftsprogramm. Wenn die Welt heute eine andere Einstellung zum deutschen Bolk ge­wonnen habe, habe Deutschland dies nicht Herrn v. Papen zu verdanken, sondern der national­sozialistischen Bewegung, die das Antlitz Deutsch­lands geändert habe. In einer Wahlkundgebung der RSDAP. in Gleiwih war Gregor Stra.ßer der Hauptredner. Der Landtagspräsident K e r r l sprach in Hannover besonders über die Verhand­lungen der RSDAP. mit dem Zentrum.

Der frühere Reichskanzler Dr. Brüning setzte sich in der Messehalle in Köln besonders mit dem Wirtschaftsprogramm der Regierung Papen auseinander. Wenn man in die Zukunft sehe, so sei gewiß die Möglichkeit einer Besse­rung vorhanden, aber durch manche Maßnahmen der letzten Monate sei die Entwicklung zeitweise aufgehaltcn worden. Wir könnten aus der Wirt­schaftsnot nur herauskommen, wenn der Export aufrecht erhalten, ja, noch mehr gesteigert werde als bisher. Man dürfe aber das durch viele Opfer geschwächte Bolk nicht in dieser Stunde noch reizen mit politischen Experimenten, wie sie die angekündigte Berfassungsreform im jetzi­gen Augenblick darstelle.

In Offenbach sprach Reichskanzler a. D. Dr. Wirth. Man habe ihn, das Zentrum und die Politiker der letzten 14 Iahre immer scharf angegriffen wegen des entschlossenen Kurses der Außenpolitik. Riemand habe jetzt und früher einen anderen Weg weisen können und man habe auch nicht bemerft, daß der schneidige Kurs des Herrn v. Papen in den letzten Wochen unsere Stellung in der Welt verbessert habe. Vielmehr ständen wir heute in der Gefahr einer neuen Isolierung Deutschlands. Es werde oft vergessen, daß die Politik nach einem verlorenen Weltkrieg die Politik eines Leidensweges sei.

Der Führer der Deutschen Dolkspartei, Din-

geldeh, beschäftigte sich in Güttingen beson­ders mit der Wehrfrage. Er hob hervor, für die DVP. sei es eine Herzenssache, daß sie in der! Wehrfrage in voller Geschlossenheit hinter dem Reichswehrminister und dem Reichspräsidenten stehe. Der frühere Reichsfinanzminister Siet«* r i ch bezeichnet in einer staatsparteilichen Wahl­kundgebung in Lübeck die Grundlage des Papen- programms, am Siefpunkt der Krise eine Ankur­belung der Wirtschaft vorzunehmen, als richtig. Gefährlich aber sei die Kontingentierungspolitik, die kein Industrieland sich leisten könne. Der Füh­rer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Dr. Breitscheidt, übte in Hamburg scharfe Kritik an dem Wirtschaftsprogramm der Regie­rung Papen. Er kritisierte besonders die Steuer­gutscheine, deren Sinn sei, die Wirtschaft durch Subvention der kapitalistischen ilnternehmer an­zukurbeln Das sei eine Wirtschaft, bei der das Risiko des Verlustes der Staat trage, während der ilnternehmer den Gewinn einzihe.

Reichsliste und Wahlabkommen der Volkspartei.

Berlin, 19. Oft. (SH.) Der Reichswahlaus­schuß der Deutschen Dolkspartei hat ge­meinsam mit dem Parteivorstand für dieReichs- liste folgende Kandidaten ausgestellt: Rechtsan­walt Eduard Dingeldey, Handelskammersyndikus Dr. Otto Hugo (Bochum), Frau Oberstudiendirek­torin Dr. Elsa Matz, Postdirektor Albrecht Mo- rath, Gärtnereibesitzer Erich Schröder (Krefeld), Direktor Dr. von Stauß, Bergmann Aug. Winne­feld (Wattenscheid). Otto Keinath (Württemberg), Leiter wirtschaftlicher Verbände. Das technische Wahlabkommen zur Sicherung der R e st st i m m e n der Deutschen Volkspartei ist durch eine Abmachung zwischen der Deutschnatio­nalen Volkspartei und der Volkspartei in der bis­herigen Form erneuert worden. Das Abkom­men sieht vor, daß die Reststimmen der Volks­partei der deutschnationalen Reichsliste zugeführt werden, wofür der Volkspartei auf der Reichsliste der Deutsch nationalen acht Sitze zugesi­chert werden.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i. 2^llh.Kümmel sämtlich in Bietzen.

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Daily Herald" berichtet aus Paris, der Plan einer Diermächtekonferenz könne als endgül­tig gescheitert betrachtet werden. Sie werde weder in London noch in Genf, noch anderswo stattfinden. Es bleibe also jetzt nichts weiter übrig, als die Tagung des Völkerbundsrats am 14. Rovember abzuwarten, wo Hen­derson von neuem Gelegenheit haben werde, mit den Deutschen in Fühlung zm treten. Dis dahin werde übrigens der Herriot-Plan be­kannt sein, und Henderson werde in der Lage sein, ihn mit den Deutschen zu erörtern. Der Plan Herriots werde die Lage beträchtlich er­leichtern, denn auf dem Gebiet der Abrüstung gehe er beinahe ebensoweit wie Hoovers Plan. Daily Mail" dagegen glaubt z'u wissen, daß Herriot sich mit Lausanne als Konferenzplatz einverstanden erklären würde, vorausgesetzt, daß Polen, Belgien und die Tschechoslo- w a k e i ebenfalls zur Entsendung von Delegierten eingelaöen werden würden.Morning Post" schreibt, es scheine jetzt, daß die Abrüstungskon­ferenz ihre Arbeiten wieder aufnehmen werd«, ohne daß bis auf weiteres neue Bemühungen erfolgen, Deutschland zur Konferenz zurückzubrin­gen. Wahrscheinlich werde von den anderen Mäch­ten ein Plan qualitativer Abrüstung ausgearbei­tet werden mit dem Ziel, der deutschen Forde­rung nach gleicher Rechtsstellung Genüge zu tun.

Daily Selegraph" ist der Ansicht, daß zwei Wege in Frage kämen, um über den toten Punkt in der Abrüstungsfrage hinwegzukommen.

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Berlin, 19. Oft. (SH.) In derReuen Welt" in der Hasenheide fand am Mittwochabend die vom Verband Groß-Berlin der DRVP. ein- berusene öffentliche Wahlversammlung statt, in der der von den Rationalsozialisten angeregte Redekampf" zwischen den Deutschnationalen, Abg. Steuer und Schmidt (Hannover) einerseits und dem Berliner Gauleiter der RSDAP., Dr. Goebbels, andererseits stattfinden sollte. Cs herrschte ein geradezu lebensgefähr­licher Andrang. Bei Saaleröffnung um 19 Hhr setzte einwahrer Sturm auf dasLo- k a l ein, der von starken Polizeikräften in meh­reren Ketten nur mühsam eingedämmt werden konnte. Wiederholt kam es zu erregten Auftrit­ten zwischen den Einlaßbegehrenden und der Polizei.

Dem Aussprache-Redner Goebbels waren von den Veranstaltern 200 Freikarten für Mitglieder seiner Partei zur Verfügung gestellt. Die dar­über hinaus verfügbaern Plätze, etwa 3000, waren bei der DRDP. in wenigen Sagen restlos ver­griffen. Hnter den nationalsozialistischen Der- sammlungsbesuchern fiel eine zusammenhängend fitzende Abteilung von SA. - Leuten in Hniform auf, die die SA.-Führer beim Be­treten des Saales mitHeil!"-Rufen begrüßte. Der Abgeordnete Schmidt (Hannover), der von den Deutschnationalen als Hauptredner ausersehen war, erschien in der Hniform der Kampfgemein­schaft junger Deutschnationaler und wurde stür­misch gefeiert. Außer Dr. Goebbels erschienen von den Rationalsozialisten auch Graf Holl­dorf und andere.

Schmidt-Hannover spricht für die Deutschnationalen.

Das Thema der Versammlung lautete: Rie wie­der Parteienstaat! Der erste deutschnationale Red- ner Sch m i d t (Hannover) erklärte einleitend, daß der Wahlkampf wie stets gegen die Linke und gegen d i e Dolschewisierung des Vaterlandes gehe. Die Frage sei. wer sich Daran beteilige. Er kritisierte dann den mit Hilfe der Rationalsoziallsten zustandegekommenen Be­schluß des Auswärtigen Ausschusses, der der außenpolitischen Offensive der Reichsregierung um die Gleichberechtigung Deutschlands den Wert ab­spreche. Allein dieser tief traurige Vorgang recht- fertige die Forderung: Rie wieder Par­teien st aat! Hnter größtem Beifall Betonte Schmidt (Hannover) dann den ausschlaggebenden Anteil der Deutschnationalen am Kampfe ge­gen Boung- und Dawesplan. Ein großer Seil derjenigen, die damals den Dawesplan be­fürworteten, trage heute das Braune Hemd. Der unglückliche Hitlerputsch des Iahres 1923 habe die nationale Angriffsbewegung um Iahre zurück­geworfen. Fast jeder Satz des Redners wurde von Beifallsstürmen ausgenommen. Die anerken­nenden Worte Schmidts für Hitler als Organi­sator lösten wieder stürmisches Händeklatschen der Rationalsozialisten aus. Eingehender kam der deutschnationale Redner auf die H a r z b u r g e r Verhandlungen und die politischen Ereignisse nach Harzburg zu sprechen.

Die Sorge von Millionen gründete sich darauf, daß, während die prächtige Jungmannschast der Rationalsozialisten gegen den roten Mord­terror vorgehe, die Führer der Partei im Parlament kommunistische Anträge unterstützen. Als Schmidt-Hannover den natio­nalsozialistischen Vorwurf zurückwies, daß d i e Deutschnationalen seit 1918 g e - schlafen hätten, gab es bei den Rational­sozialisten ironisches Händeklatschen und Zustim- mungsrufe. Der Redner erwiderte in großer Erregung:haben Sie denn gar kein Gefühl dafür, wie Sie damit Männer beleidigen, die jahrelang an der Front gestanden haben? Mo war 1918 d ie national­sozialistische Partei?" Die Riesenfront der parlamentarischen und außerparlamenta­rischen Kräfte von Harzburg hätte eine ste­tige nationale Reichsregierung schaffen und erhalten können. Hitler habe es stattdessen vorgezogen, hinter dem Rücken des Stahlhelms und der Deutschnationalen mit den Mittelparteien zu verhandeln, mit dem Ziel, einet Kabinettsbildung mit Geßler als Reichs­kanzler und Brüning als Außenminister.

An Dr. Goebbels richtete der deutschnationale Redner die Frage, ob er die Erklärung eines natio­nalsozialistischen AbgeordnetenUnser Feind steht recht s!" billige und ob er es billige, daß in Eisenach von Berliner Nationalsozialisten die schwarzweißrote Fahne von der deutsch- nationalen Geschäftsstelle heruntergerissen nn b durcy die Gosse gezerrt wurde. (Stür- niische Pfui-Rufe der deustchnationalen Versamm­lungsteilnehmer.) Schnitt. schloß mit einer ein­dringlichen Mahnung zur nationalen Einigkeit. Die ganze Versammlung, Deutschnationale sowohl wie Nationalsozialisten sangen gemeinsam das Zlaggenlied.

Dr. Goebbels antwortet.

Dr. Goebbels, der mit stürmischen Heilrufen non den Nationalsozialisten begrüßt wurde, bezeich- n>(te es als tragisch, daß heute in Deutschland zwei nationale Parteien miteinander zu fechten hätten. Auch die Nationalsozialisten

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London. 19. Ott. (SH.) Das englische Ka­binett erörterte die Frage der Viermächtekonfe­renz. Es ist noch nichts darüber veröffentlicht worden, ob eine Entscheidung getroffen worden ist. Es wurde jedoch, wie man hört, festgestellt, daß bisher deutscherseits noch kein Rach­geben im Widerstände gegen Genf bemerkbar sei und daß der französische Minister­präsident Herriot in seiner Hnterredung mit Lord Syrrell an Gens fest gehalten habe. Mgn ist sich darüber klar, daß die in den letzten Sagen auf dem gütlichen diplomatischen Wege gesührten Verhandlungen keine neuen Ansätze zu einer weiteren Entwicklung gebracht haben. Cs ist in Regierungskreisen erwogen worden, welche Gefahren sich aus dem Richtzu- st an de komm en der Viermächtekonferenz er­geben könnten und man ist anscheinend zu der Ansicht gekommen, daß diese weniger ernst zu nehmen seien als ursprünglich angenommen wurde. Es wäre jedoch verfehlt, hieraus schließen zu wollen, daß die englische Regierung den Konfe­renzgedanken völlig aufgegeben hat. Die 'Be­sprechungen zwischen London und Berlin sind zur Zeit zum Stillstand ge­kommen. Offensichtlich warten Londoner Kreise auf Anzeichen darüber, ob sich der Vorschlag ver­lohnen würde, den Rahmen der Konferenz aus­zudehnen, wenn dadurch eine Einigung über einen anderen Zusammenkunstsort als Genf ermög­licht würde.

Mselwlen um die Viemiächiekonserellz

Nur noch geringe Aussicht für ihr Zustandekommen.

Gaalschlacht in Pommern.

S t 0 l p, 19. Oft. (SH.) Die Deutschnationale Volkspartei veranstaltete hier am Mittwoch eine Wahlkundgebung, in der Rittergutsbesitzer von Kleist- Schmenzin sprach. Zahlreiche Rational­sozialisten versuchten, den Redner durch Zwischen­rufe zu stören. Der Vortrag konnte jedoch zu Ende geführt werden. Als einziger Diskussions­redner richtete der nationalsozialistische Land­tagsabgeordnete C z i 0 r n i ck-Stettin heftige An­griffe gegen die Deutschnationalen. Als dann Kleist einen Ausspruch Hitlers vom Rovember 1923:Morgen haben wir in Deutschland die Monarchie oder ich bin tot erwähnte, kam es zu einem allgemeinen Sumult. Die Rational­sozialisten versuchten, die Versammlung zu spren­gen, während der deutschnationale Saalschutz dies zu verhindern suchte. Es entstand eine blu­tige Saalschlacht, wobei eine größere An­zahl Personen verletzt wurde. Der nationalsozia­listische Landtagsabgeordnete Cziornick warf eine Selterswasserflasche gegen den Vorstandstisch. Die Rationalsozialisten versuchten sodann, die Sri* büne zu stürm em Mehrere Rationalsozialisten, darunter auch der Abgeordnete Cziornick, wurden verhaftet. Die Versammlung wurde von der Polizei aufgelöst.

pelle darauf das Deutschlandlied spielte, erhob sich der ganze Saal und sang geschlossen :Deutschland, Deutschland über alles". Darauf trat sofort wieder Ruhe ein. Landtagsabgeordneter Steuer konnte nach dem Zwischenfall seine Rede, wenn auch unter immer wiederholten Zwischenrufen der National­sozialisten fortsetzen. Um 23.30 Uhr sprach noch ein­mal Dr. Goebbels. Als Abg. Schmidt-Han­nover das Schlußwort erhielt, fetzten die lärmenden Zwischenrufe der Nationalsozialisten erneut ein und nahmen derartigen Umfang an, daß der Redner nicht sprechen konnte. Die Nationalsozialisten riefen Deutschland erwache!" und stimmten abermals das Horst-Wessel-Lied an. Wieder spielte die Kapelle das Deutschlandlied und bei diesen Klängen sang die ganze Versammlung einschließlich der National­sozialisten wieder mit. Um die Nationalsozialisten zu beruhigen, erhielt dann Dr. Goebbels nochmals das Wort. Dr. Goebbels erklärte, daß die Natio­nalsozialisten das Schlußwort ruhig anhören wür­den, sofern es loyal sei, dagegen nicht, wenn etwa der Führer der NSDAP, beleidigt würde. In seinem Schlußwort, das nur unter ziemlicher Un­ruhe gehalten werden konnte, mahnte Schmidt-Han­nover erneut zur Einigkeit.

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wüßten nicht, was sie dagegen einwenden sollten, daß der Parlamentarismus liquidiert werde. Mei­stens sei man gegen die Mehrheit, wenn man keine Hoffnung habe, die Mehrheit zu gewinnen. Die Nationalsozialisten hätten sich im Verlaufe der Jahre manchmal von Personen trennen müssen. Sie hätten sich aber niemals von der Sache entfernt. (Stürmischer Beifall.) Das Programm von 1919 gelte auch heute uneingeschränkt. Die Na­tionalsozialisten hätten zwar taktische Umwege ge­macht, aber immer ihr Ziel, die Macht zu er­obern, im Auge behalten, um damit dem Natio­nalsozialismus zum Durchbruch zu verhelfen. Auch der Hitlerputsch sei ein Versuch der Machtergreifung gewesen. Dr. Goebbels erklärte bann, er könne die Behauptung, die Nationalsozialisten wollten den Reichspräsidenten absetzen, auf das schärf st e dementieren. Wenn von seiner Partei kommu- nistische Anträge unterstützt würden, so geschehe das nicht im Hinblick auf die Antragsteller, sondern i m Hinblick auf den Zweck des Antrages. Dr. Goebbels nahm dann sehr scharf gegen die Ge­samtpolitik des Kabinetts von Papen Stellung, ins­besondere gegen di e Notverordnungen, die als in unerträglichem Maße unsozial bezeich­net werden müßten und die dadurch den Bolsche­wismus nur förderten. Daher bekämpften auch die Kommunisten das Kabinett Popen nicht, sondern begrüßten es als den Schrittmacher für eine bol­schewistische Politik.

Zur Erörterung stehe das bisherige verhalten der DRVP., deren Anhänger 1918 zwar Mon­archisten gewesen seien, aber nicht den Mut ge­funden hätten, sich vor den Monarchen zu stellen. Die Rationalsozialisten hätten nicht mit dem Zentrum verhandelt, um das Parlament zu retten, sondern um die Rechte des Volkes, die nun einmal in dem Parlament zum Ausdruck kämen, zu verteidigen gegen eine Regierung, die nicht den mindesten An­hang im Volke habe. Früher habe man die Rationalsozialisten zur Legalität ge­zwungen, weil die Illegalität gefährlich ge­worden wäre, und heute wolle man sie zur Illegalität zwingen, weil die Macht­ergreifung auf dem legalem Dege zu einer Gefahr zu werden drohe. Mit Recht habe Hitler erklärt, daß es nicht ausschlaggebend sei, ob er am 13. August an die Macht komme, sondern daß es darauf ankomme, ob er weiterhin in der Lage sei, sein Programm durchzu­führen. Riemais hätten die Rationalsozia­listen in den Verhandlungen mit dem Zentrum auf ihre Programmpunkte verzichtet oder dem Zentrum die Führung des Kabinetts zu­gestanden.

Es treffe schon zu, daß in den Verhandlungen für Dr. Goebbels die Leitung eines Ministe­riums für Propaganda, Volksei^iehung, K iltur und öffentliche Massenbeeinflussung in Aussicht genommen sei, Harzburg sei ein Miß­erfolg gewesen, denn die nationalen Bünde würden sich niemals am grünen Tisch einigen, sondern erst dann, wenn sich eine Bewegung als d i e große Führerin durchgeseht habe. Die Rationalsozialisten bedienten sich kei­neswegs des Klassenkampfes und sie wünschten weder den von links noch aber den von rechts. Wie könne man verlangen, daß sich der Führer der RSDAP. als Vizekanzler hinter Papen stelle? Wenn Papen mit seiner Politik Schiff­bruch erleide, so ziehe er sich zurück und die Ra­tion werde nicht erschüttert. Erleide aber Hitler Schiffbruch, erklärte Dr. Goebbels unter stürmischem Beifall, s0 verlören in Deutschland 14 Millionen Deutsche ihre letzte Hoffnung. Der Einsatz könne nur gewagt werden, wenn die Sicherheit bestehe, daß er zum Erfolg führe. Für eine christliche Politik würden sich die Rational­sozialisten nicht einen Kanzler nehmen, der drei­zehn Iahre lang mit dem sozialdemokratischen Internationalismus zusammengegangen sei, son­dern einen, der bewiesen habe, daß er dafür auch sein Haupt zu Markte zu tragen bereit sei. Dr. Goebbels schloß unter Hinweis auf den bis­herigen Kampf des Rationalsozialismus mit einem begeisterten Bekenntnis zu Hitler, von dem sich die Partei niemals trennen lassen werde. Er habe dem Programm die Treue gehalten und die Partei werde ihm auch in Zukunft, zunächst am 6. Rovember, ihre Treue beweisen. Der Red­ner schloß mit dem Rufe: W e g mit dem Bruderkampf im nationalen Lager, aber weg auch mit den Parteien und her mit dem Rationalsozialismus. In das Heil seiner Schlußworte stimmten die anwesenden Ra- tionalsozialisten begeistert ein.

Schluß der Debatte.

Steuer als zweiter Diskuis oneredner.

Als nach dem Abg. Dr. Goebbels als zweiter deutschnationaler Redner der preußische Landtags­abgeordnete Steuer das Wort nahm, und gleich am Anfang feiner Rede sagte, er fordere den Abg. Dr Goebbels auf, neben die Kriegsstammrolle des Abg. Schmidt seine Stammrolle zu legen gab es im Saale eine erhebliche Unruhe. Die Nationalsozialisten riefen: Deutschland erwache! Es kam zu mehrfachen Zusammenrottungen im Saal so daß der Saalschutz eingreifen mußte. Die Nationalsozialisten stimmten das Horst-Wessel-Lied an, die Kapelle spielte einen Marsch. Als die Ka-

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