m. 247 Erstes Statt
182. Jahrgang
Donnerstag. 20. Oktober 1932
DasRededuellztvjschenDr.GvebbelsunddenDeiiWnaüonalen
Der Wahlkampf am Mittwoch
932
1 Dnchchlmd (rang jn oer- amaßnahmev
rfn europäijdjen . '• nbgejdiloflentn Leihällnjsse auf Absatz an tech- •
Jartol 1932 wie- Lirzeichen (aßen ch unwesentliche, -ließen.
,oon Leuna Lonntn im Jahre Rohöllieferungcn 1 hinter den Er- genügende Men- mirbeitung zur bi^wmiüion
Darktes kralle m Betracht n Teilhaber der riervcrfahren der Staaten zu oer- einichaft ßhar- hatte weiterhin, t Berkaufsschwie- leiteren Lerfchör- Lahmen in Derben betreffenden m Zeit des Bor-
Berlin, 20. Oft. (Sil. Funkfpruch.) Außer dem Rededuell zwischen der DRBP. und der RSDAP. in Berlin brachte der Wahlkampf am Mittwoch zahlreiche Wahlkundgebungen im Reiche. Hitler sprach in Massenversammlungen der RSDAP. in Oppeln und Breslau. Er wandte sich scharf gegen die Regierung Popen und ihr Wirtschaftsprogramm. Wenn die Welt heute eine andere Einstellung zum deutschen Bolk gewonnen habe, habe Deutschland dies nicht Herrn v. Papen zu verdanken, sondern der nationalsozialistischen Bewegung, die das Antlitz Deutschlands geändert habe. In einer Wahlkundgebung der RSDAP. in Gleiwih war Gregor Stra.ßer der Hauptredner. Der Landtagspräsident K e r r l sprach in Hannover besonders über die Verhandlungen der RSDAP. mit dem Zentrum.
Der frühere Reichskanzler Dr. Brüning setzte sich in der Messehalle in Köln besonders mit dem Wirtschaftsprogramm der Regierung Papen auseinander. Wenn man in die Zukunft sehe, so sei gewiß die Möglichkeit einer Besserung vorhanden, aber durch manche Maßnahmen der letzten Monate sei die Entwicklung zeitweise aufgehaltcn worden. Wir könnten aus der Wirtschaftsnot nur herauskommen, wenn der Export aufrecht erhalten, ja, noch mehr gesteigert werde als bisher. Man dürfe aber das durch viele Opfer geschwächte Bolk nicht in dieser Stunde noch reizen mit politischen Experimenten, wie sie die angekündigte Berfassungsreform im jetzigen Augenblick darstelle.
In Offenbach sprach Reichskanzler a. D. Dr. Wirth. Man habe ihn, das Zentrum und die Politiker der letzten 14 Iahre immer scharf angegriffen wegen des entschlossenen Kurses der Außenpolitik. Riemand habe jetzt und früher einen anderen Weg weisen können und man habe auch nicht bemerft, daß der schneidige Kurs des Herrn v. Papen in den letzten Wochen unsere Stellung in der Welt verbessert habe. Vielmehr ständen wir heute in der Gefahr einer neuen Isolierung Deutschlands. Es werde oft vergessen, daß die Politik nach einem verlorenen Weltkrieg die Politik eines Leidensweges sei.
Der Führer der Deutschen Dolkspartei, Din-
geldeh, beschäftigte sich in Güttingen besonders mit der Wehrfrage. Er hob hervor, für die DVP. sei es eine Herzenssache, daß sie in der! Wehrfrage in voller Geschlossenheit hinter dem Reichswehrminister und dem Reichspräsidenten stehe. Der frühere Reichsfinanzminister Siet«* r i ch bezeichnet in einer staatsparteilichen Wahlkundgebung in Lübeck die Grundlage des Papen- programms, am Siefpunkt der Krise eine Ankurbelung der Wirtschaft vorzunehmen, als richtig. Gefährlich aber sei die Kontingentierungspolitik, die kein Industrieland sich leisten könne. Der Führer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Dr. Breitscheidt, übte in Hamburg scharfe Kritik an dem Wirtschaftsprogramm der Regierung Papen. Er kritisierte besonders die Steuergutscheine, deren Sinn sei, die Wirtschaft durch Subvention der kapitalistischen ilnternehmer anzukurbeln Das sei eine Wirtschaft, bei der das Risiko des Verlustes der Staat trage, während der ilnternehmer den Gewinn einzihe.
Reichsliste und Wahlabkommen der Volkspartei.
Berlin, 19. Oft. (SH.) Der Reichswahlausschuß der Deutschen Dolkspartei hat gemeinsam mit dem Parteivorstand für dieReichs- liste folgende Kandidaten ausgestellt: Rechtsanwalt Eduard Dingeldey, Handelskammersyndikus Dr. Otto Hugo (Bochum), Frau Oberstudiendirektorin Dr. Elsa Matz, Postdirektor Albrecht Mo- rath, Gärtnereibesitzer Erich Schröder (Krefeld), Direktor Dr. von Stauß, Bergmann Aug. Winnefeld (Wattenscheid). Otto Keinath (Württemberg), Leiter wirtschaftlicher Verbände. Das technische Wahlabkommen zur Sicherung der R e st st i m m e n der Deutschen Volkspartei ist durch eine Abmachung zwischen der Deutschnationalen Volkspartei und der Volkspartei in der bisherigen Form erneuert worden. Das Abkommen sieht vor, daß die Reststimmen der Volkspartei der deutschnationalen Reichsliste zugeführt werden, wofür der Volkspartei auf der Reichsliste der Deutsch nationalen acht Sitze zugesichert werden.
Wtion,
S”Ö!fag * -n tie
52,05 12,«5
3,00 169,72 71,67 73,97 73,47 11,27 0,902 4,277 $1,61 21,595 16-55 01,38 34,53 82-13 0,98 0,296 5,606 12,98
(hui a.m
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. 2^llh.Kümmel sämtlich in Bietzen.
6,144 M
J.057
73.Ö 73,S 14L s 54,49 21,555 16,fl 11-8 Ni 61.97 0,979 0,294
S
9
19 47 01
50 36
'u .15
gst “feiten ®t.
»ogen leicht toten im
Al^er. 3m
tot die 192?« 7 to 3 Pro- lc,kuft mittag KwlÄhe von
6,5, Ast. ’w^anl 61,75. ühcnstah!645), VinDteum 44 50
^'Sarben 3.25, Lahmey«
Tö 5I.£ 73-* 14,25 16'2 169,69
91,64 r?46 it 01-3$
„Daily Herald" berichtet aus Paris, der Plan einer Diermächtekonferenz könne als endgültig gescheitert betrachtet werden. Sie werde weder in London noch in Genf, noch anderswo stattfinden. Es bleibe also jetzt nichts weiter übrig, als die Tagung des Völkerbundsrats am 14. Rovember abzuwarten, wo Henderson von neuem Gelegenheit haben werde, mit den Deutschen in Fühlung zm treten. Dis dahin werde übrigens der Herriot-Plan bekannt sein, und Henderson werde in der Lage sein, ihn mit den Deutschen zu erörtern. Der Plan Herriots werde die Lage beträchtlich erleichtern, denn auf dem Gebiet der Abrüstung gehe er beinahe ebensoweit wie Hoovers Plan. „Daily Mail" dagegen glaubt z'u wissen, daß Herriot sich mit Lausanne als Konferenzplatz einverstanden erklären würde, vorausgesetzt, daß Polen, Belgien und die Tschechoslo- w a k e i ebenfalls zur Entsendung von Delegierten eingelaöen werden würden. „Morning Post" schreibt, es scheine jetzt, daß die Abrüstungskonferenz ihre Arbeiten wieder aufnehmen werd«, ohne daß bis auf weiteres neue Bemühungen erfolgen, Deutschland zur Konferenz zurückzubringen. Wahrscheinlich werde von den anderen Mächten ein Plan qualitativer Abrüstung ausgearbeitet werden mit dem Ziel, der deutschen Forderung nach gleicher Rechtsstellung Genüge zu tun.
„Daily Selegraph" ist der Ansicht, daß zwei Wege in Frage kämen, um über den toten Punkt in der Abrüstungsfrage hinwegzukommen.
-mt Weige- rgleid) mit hem Seigers. eW' und W 'eidegescha.ft Absatz wie im ’ Siportnwfllity1 rt. Die Svßen- leinung, wodurch erben.
Berlin, 19. Oft. (SH.) In der „Reuen Welt" in der Hasenheide fand am Mittwochabend die vom Verband Groß-Berlin der DRVP. ein- berusene öffentliche Wahlversammlung statt, in der der von den Rationalsozialisten angeregte „Redekampf" zwischen den Deutschnationalen, Abg. Steuer und Schmidt (Hannover) einerseits und dem Berliner Gauleiter der RSDAP., Dr. Goebbels, andererseits stattfinden sollte. Cs herrschte ein geradezu lebensgefährlicher Andrang. Bei Saaleröffnung um 19 Hhr setzte einwahrer Sturm auf dasLo- k a l ein, der von starken Polizeikräften in mehreren Ketten nur mühsam eingedämmt werden konnte. Wiederholt kam es zu erregten Auftritten zwischen den Einlaßbegehrenden und der Polizei.
Dem Aussprache-Redner Goebbels waren von den Veranstaltern 200 Freikarten für Mitglieder seiner Partei zur Verfügung gestellt. Die darüber hinaus verfügbaern Plätze, etwa 3000, waren bei der DRDP. in wenigen Sagen restlos vergriffen. Hnter den nationalsozialistischen Der- sammlungsbesuchern fiel eine zusammenhängend fitzende Abteilung von SA. - Leuten in Hniform auf, die die SA.-Führer beim Betreten des Saales mit „Heil!"-Rufen begrüßte. Der Abgeordnete Schmidt (Hannover), der von den Deutschnationalen als Hauptredner ausersehen war, erschien in der Hniform der Kampfgemeinschaft junger Deutschnationaler und wurde stürmisch gefeiert. Außer Dr. Goebbels erschienen von den Rationalsozialisten auch Graf Holldorf und andere.
Schmidt-Hannover spricht für die Deutschnationalen.
Das Thema der Versammlung lautete: Rie wieder Parteienstaat! Der erste deutschnationale Red- ner Sch m i d t (Hannover) erklärte einleitend, daß der Wahlkampf wie stets gegen die Linke und gegen d i e Dolschewisierung des Vaterlandes gehe. Die Frage sei. wer sich Daran beteilige. Er kritisierte dann den mit Hilfe der Rationalsoziallsten zustandegekommenen Beschluß des Auswärtigen Ausschusses, der der außenpolitischen Offensive der Reichsregierung um die Gleichberechtigung Deutschlands den Wert abspreche. Allein dieser tief traurige Vorgang recht- fertige die Forderung: Rie wieder Parteien st aat! Hnter größtem Beifall Betonte Schmidt (Hannover) dann den ausschlaggebenden Anteil der Deutschnationalen am Kampfe gegen Boung- und Dawesplan. Ein großer Seil derjenigen, die damals den Dawesplan befürworteten, trage heute das Braune Hemd. Der unglückliche Hitlerputsch des Iahres 1923 habe die nationale Angriffsbewegung um Iahre zurückgeworfen. Fast jeder Satz des Redners wurde von Beifallsstürmen ausgenommen. Die anerkennenden Worte Schmidts für Hitler als Organisator lösten wieder stürmisches Händeklatschen der Rationalsozialisten aus. Eingehender kam der deutschnationale Redner auf die H a r z b u r g e r Verhandlungen und die politischen Ereignisse nach Harzburg zu sprechen.
Die Sorge von Millionen gründete sich darauf, daß, während die prächtige Jungmannschast der Rationalsozialisten gegen den roten Mordterror vorgehe, die Führer der Partei im Parlament kommunistische Anträge unterstützen. Als Schmidt-Hannover den nationalsozialistischen Vorwurf zurückwies, daß d i e Deutschnationalen seit 1918 g e - schlafen hätten, gab es bei den Rationalsozialisten ironisches Händeklatschen und Zustim- mungsrufe. Der Redner erwiderte in großer Erregung: „haben Sie denn gar kein Gefühl dafür, wie Sie damit Männer beleidigen, die jahrelang an der Front gestanden haben? Mo war 1918 d ie nationalsozialistische Partei?" Die Riesenfront der parlamentarischen und außerparlamentarischen Kräfte von Harzburg hätte eine stetige nationale Reichsregierung schaffen und erhalten können. Hitler habe es stattdessen vorgezogen, hinter dem Rücken des Stahlhelms und der Deutschnationalen mit den Mittelparteien zu verhandeln, mit dem Ziel, einet Kabinettsbildung mit Geßler als Reichskanzler und Brüning als Außenminister.
An Dr. Goebbels richtete der deutschnationale Redner die Frage, ob er die Erklärung eines nationalsozialistischen Abgeordneten „Unser Feind steht recht s!" billige und ob er es billige, daß in Eisenach von Berliner Nationalsozialisten die schwarzweißrote Fahne von der deutsch- nationalen Geschäftsstelle heruntergerissen nn b durcy die Gosse gezerrt wurde. (Stür- niische Pfui-Rufe der deustchnationalen Versammlungsteilnehmer.) Schnitt. schloß mit einer eindringlichen Mahnung zur nationalen Einigkeit. Die ganze Versammlung, Deutschnationale sowohl wie Nationalsozialisten sangen gemeinsam das Zlaggenlied.
Dr. Goebbels antwortet.
Dr. Goebbels, der mit stürmischen Heilrufen non den Nationalsozialisten begrüßt wurde, bezeich- n>(te es als tragisch, daß heute in Deutschland zwei nationale Parteien miteinander zu fechten hätten. Auch die Nationalsozialisten
»5
2'1
kn.
UV,®1- Of.
TÄ
London. 19. Ott. (SH.) Das englische Kabinett erörterte die Frage der Viermächtekonferenz. Es ist noch nichts darüber veröffentlicht worden, ob eine Entscheidung getroffen worden ist. Es wurde jedoch, wie man hört, festgestellt, daß bisher deutscherseits noch kein Rachgeben im Widerstände gegen Genf bemerkbar sei und daß der französische Ministerpräsident Herriot in seiner Hnterredung mit Lord Syrrell an Gens fest gehalten habe. Mgn ist sich darüber klar, daß die in den letzten Sagen auf dem gütlichen diplomatischen Wege gesührten Verhandlungen keine neuen Ansätze zu einer weiteren Entwicklung gebracht haben. Cs ist in Regierungskreisen erwogen worden, welche Gefahren sich aus dem Richtzu- st an de komm en der Viermächtekonferenz ergeben könnten und man ist anscheinend zu der Ansicht gekommen, daß diese weniger ernst zu nehmen seien als ursprünglich angenommen wurde. Es wäre jedoch verfehlt, hieraus schließen zu wollen, daß die englische Regierung den Konferenzgedanken völlig aufgegeben hat. Die 'Besprechungen zwischen London und Berlin sind zur Zeit zum Stillstand gekommen. Offensichtlich warten Londoner Kreise auf Anzeichen darüber, ob sich der Vorschlag verlohnen würde, den Rahmen der Konferenz auszudehnen, wenn dadurch eine Einigung über einen anderen Zusammenkunstsort als Genf ermöglicht würde.
Mselwlen um die Viemiächiekonserellz
Nur noch geringe Aussicht für ihr Zustandekommen.
Gaalschlacht in Pommern.
S t 0 l p, 19. Oft. (SH.) Die Deutschnationale Volkspartei veranstaltete hier am Mittwoch eine Wahlkundgebung, in der Rittergutsbesitzer von Kleist- Schmenzin sprach. Zahlreiche Rationalsozialisten versuchten, den Redner durch Zwischenrufe zu stören. Der Vortrag konnte jedoch zu Ende geführt werden. Als einziger Diskussionsredner richtete der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete C z i 0 r n i ck-Stettin heftige Angriffe gegen die Deutschnationalen. Als dann Kleist einen Ausspruch Hitlers vom Rovember 1923: „Morgen haben wir in Deutschland die Monarchie oder ich bin tot“ erwähnte, kam es zu einem allgemeinen Sumult. Die Rationalsozialisten versuchten, die Versammlung zu sprengen, während der deutschnationale Saalschutz dies zu verhindern suchte. Es entstand eine blutige Saalschlacht, wobei eine größere Anzahl Personen verletzt wurde. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Cziornick warf eine Selterswasserflasche gegen den Vorstandstisch. Die Rationalsozialisten versuchten sodann, die Sri* büne zu stürm em Mehrere Rationalsozialisten, darunter auch der Abgeordnete Cziornick, wurden verhaftet. Die Versammlung wurde von der Polizei aufgelöst.
pelle darauf das Deutschlandlied spielte, erhob sich der ganze Saal und sang geschlossen :„Deutschland, Deutschland über alles". Darauf trat sofort wieder Ruhe ein. Landtagsabgeordneter Steuer konnte nach dem Zwischenfall seine Rede, wenn auch unter immer wiederholten Zwischenrufen der Nationalsozialisten fortsetzen. Um 23.30 Uhr sprach noch einmal Dr. Goebbels. Als Abg. Schmidt-Hannover das Schlußwort erhielt, fetzten die lärmenden Zwischenrufe der Nationalsozialisten erneut ein und nahmen derartigen Umfang an, daß der Redner nicht sprechen konnte. Die Nationalsozialisten riefen „Deutschland erwache!" und stimmten abermals das Horst-Wessel-Lied an. Wieder spielte die Kapelle das Deutschlandlied und bei diesen Klängen sang die ganze Versammlung einschließlich der Nationalsozialisten wieder mit. Um die Nationalsozialisten zu beruhigen, erhielt dann Dr. Goebbels nochmals das Wort. Dr. Goebbels erklärte, daß die Nationalsozialisten das Schlußwort ruhig anhören würden, sofern es loyal sei, dagegen nicht, wenn etwa der Führer der NSDAP, beleidigt würde. In seinem Schlußwort, das nur unter ziemlicher Unruhe gehalten werden konnte, mahnte Schmidt-Hannover erneut zur Einigkeit.
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, öernsprechanschliisse
unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
poftschclikonto: Frankfurt am Main 11686.
wüßten nicht, was sie dagegen einwenden sollten, daß der Parlamentarismus liquidiert werde. Meistens sei man gegen die Mehrheit, wenn man keine Hoffnung habe, die Mehrheit zu gewinnen. Die Nationalsozialisten hätten sich im Verlaufe der Jahre manchmal von Personen trennen müssen. Sie hätten sich aber niemals von der Sache entfernt. (Stürmischer Beifall.) Das Programm von 1919 gelte auch heute uneingeschränkt. Die Nationalsozialisten hätten zwar taktische Umwege gemacht, aber immer ihr Ziel, die Macht zu erobern, im Auge behalten, um damit dem Nationalsozialismus zum Durchbruch zu verhelfen. Auch der Hitlerputsch sei ein Versuch der Machtergreifung gewesen. Dr. Goebbels erklärte bann, er könne die Behauptung, die Nationalsozialisten wollten den Reichspräsidenten absetzen, auf das schärf st e dementieren. Wenn von seiner Partei kommu- nistische Anträge unterstützt würden, so geschehe das nicht im Hinblick auf die Antragsteller, sondern i m Hinblick auf den Zweck des Antrages. Dr. Goebbels nahm dann sehr scharf gegen die Gesamtpolitik des Kabinetts von Papen Stellung, insbesondere gegen di e Notverordnungen, die als in unerträglichem Maße unsozial bezeichnet werden müßten und die dadurch den Bolschewismus nur förderten. Daher bekämpften auch die Kommunisten das Kabinett Popen nicht, sondern begrüßten es als den Schrittmacher für eine bolschewistische Politik.
Zur Erörterung stehe das bisherige verhalten der DRVP., deren Anhänger 1918 zwar Monarchisten gewesen seien, aber nicht den Mut gefunden hätten, sich vor den Monarchen zu stellen. Die Rationalsozialisten hätten nicht mit dem Zentrum verhandelt, um das Parlament zu retten, sondern um die Rechte des Volkes, die nun einmal in dem Parlament zum Ausdruck kämen, zu verteidigen gegen eine Regierung, die nicht den mindesten Anhang im Volke habe. Früher habe man die Rationalsozialisten zur Legalität gezwungen, weil die Illegalität gefährlich geworden wäre, und heute wolle man sie zur Illegalität zwingen, weil die Machtergreifung auf dem legalem Dege zu einer Gefahr zu werden drohe. Mit Recht habe Hitler erklärt, daß es nicht ausschlaggebend sei, ob er am 13. August an die Macht komme, sondern daß es darauf ankomme, ob er weiterhin in der Lage sei, sein Programm durchzuführen. Riemais hätten die Rationalsozialisten in den Verhandlungen mit dem Zentrum auf ihre Programmpunkte verzichtet oder dem Zentrum die Führung des Kabinetts zugestanden.
Es treffe schon zu, daß in den Verhandlungen für Dr. Goebbels die Leitung eines Ministeriums für Propaganda, Volksei^iehung, K iltur und öffentliche Massenbeeinflussung in Aussicht genommen sei, Harzburg sei ein Mißerfolg gewesen, denn die nationalen Bünde würden sich niemals am grünen Tisch einigen, sondern erst dann, wenn sich eine Bewegung als d i e große Führerin durchgeseht habe. Die Rationalsozialisten bedienten sich keineswegs des Klassenkampfes und sie wünschten weder den von links noch aber den von rechts. Wie könne man verlangen, daß sich der Führer der RSDAP. als Vizekanzler hinter Papen stelle? Wenn Papen mit seiner Politik Schiffbruch erleide, so ziehe er sich zurück und die Ration werde nicht erschüttert. Erleide aber Hitler Schiffbruch, erklärte Dr. Goebbels unter stürmischem Beifall, s0 verlören in Deutschland 14 Millionen Deutsche ihre letzte Hoffnung. Der Einsatz könne nur gewagt werden, wenn die Sicherheit bestehe, daß er zum Erfolg führe. Für eine christliche Politik würden sich die Rationalsozialisten nicht einen Kanzler nehmen, der dreizehn Iahre lang mit dem sozialdemokratischen Internationalismus zusammengegangen sei, sondern einen, der bewiesen habe, daß er dafür auch sein Haupt zu Markte zu tragen bereit sei. Dr. Goebbels schloß unter Hinweis auf den bisherigen Kampf des Rationalsozialismus mit einem begeisterten Bekenntnis zu Hitler, von dem sich die Partei niemals trennen lassen werde. Er habe dem Programm die Treue gehalten und die Partei werde ihm auch in Zukunft, zunächst am 6. Rovember, ihre Treue beweisen. Der Redner schloß mit dem Rufe: W e g mit dem Bruderkampf im nationalen Lager, aber weg auch mit den Parteien und her mit dem Rationalsozialismus. In das Heil seiner Schlußworte stimmten die anwesenden Ra- tionalsozialisten begeistert ein.
Schluß der Debatte.
Steuer als zweiter Diskuis oneredner.
Als nach dem Abg. Dr. Goebbels als zweiter deutschnationaler Redner der preußische Landtagsabgeordnete Steuer das Wort nahm, und gleich am Anfang feiner Rede sagte, er fordere den Abg. Dr Goebbels auf, neben die Kriegsstammrolle des Abg. Schmidt seine Stammrolle zu legen gab es im Saale eine erhebliche Unruhe. Die Nationalsozialisten riefen: Deutschland erwache! Es kam zu mehrfachen Zusammenrottungen im Saal so daß der Saalschutz eingreifen mußte. Die Nationalsozialisten stimmten das Horst-Wessel-Lied an, die Kapelle spielte einen Marsch. Als die Ka-
GietzenerAiizeigek
General-Anzeiger für Oberheflen
Drrd und Verlag: Vrühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Zteindruckerei K. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: ZchuMaße 7.


