Ausgabe 
20.9.1932 Erstes Blatt
 
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Die Leipziger Wiläumsfeier des Gustav-Adols-Vereins. - / ......

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Die große Feier vor dem Völkerschlacht-Denkmal in Leipzig.

Ser Tod des Danziger Dölkerbundskommiffars.

Danzig, 19. Sept. (END.) Der Tod des Döllerbundskommissars Graf Gravina hat in Danzig große Bestürzung hervorgerufen. Liefe Trauer erfüllt die gesamte Bevölkerung, vor allem diejenigen, die Gelegenheit hatten, mit Graf Gravina in persönliche Beziehung zu treten und ihn als Diplomaten wegen des Taktes und der Objektivität schätzen zu lernen, mit der er sich seiner schwierigen Aufgaben zu entledigen wußte. Sn politischer Beziehung bedeutet der Tod des Grafen Gra- vina für Danzig insofern einen schweren Schlag, als die Regelung der schwebenden Danzig-Polni­schen Streitfragen durch den Bölkerbund jetzt möglicherweise eine Verzögerung erfährt.

Auch in Berliner Blättern kommt das auf­richtige Bedauern über den Tod des Danziger Bölkerbundskommissars zum Ausdruck. Die ob­jektive Haltung des Verstorbenen, der vielfach polnische Llebergriffe abgewehrt hat, wird von al­len gewürdigt. Der Lokalanzeiger nennt Graf Gravina einen außerordentlich geschickten Diplomaten. Er habe sich auf seinem schweren Danziger Posten stets größter Neutralität be­fleißigt. Viele Entscheidungen seien zugunsten Danzigs ausgefallen. Die D A Z. bezeichnet Graf Gravina als den ersten internationalen Beamten in Danzig, der sich in vollem ihn* fange bemüht«, seine Pflichten nicht nur auf Grund der engen, kalten Genfer Anweisungen, sondern auseinem warmen Herzen her­aus zu erfüllen. Dieses menschliche Verständnis für Danzigs Lage, gepaart mit einer fast vi­sionären Erkenntnis der großen Probleme des bedrohten deutschen Ostens, waren es, die den Ilugen und feinsinnigen Staatsmann trotz seiner

strengen Unparteilichkeit der maßlosen Propa­ganda der Polen aussetzte, die seine letzten Le­benslage vergiftet hat. Das Blatt betont dann weiter, daß für den deutschen Vertreter im Völkerbundsrat nun die Pflicht erwachse, nach­drücklich dafür Sorge zu tragen, daß das Erbe Gravinas in gute und zuverlässige Hände gelegt werde. Die Richtschnur für die Wahl des künftigen Dölkerbundskommissars müsse das Bestreben sein, an die gefährliche Ecke im Osten eine Persönlichkeit zu entsenden, die im Falle eines Konfliktes genug guten Willen, Klug­heit und Autorität besitzt, um ihre verantwor­tungsvolle internationale Aufgabe zu erfüllen.

Trauer in Rom.

Rom, 20. Sept. (TU. Funkspruch.) Der Tod des Grafen Gravina wurde in Rom in den spä­ten Nachtstunden bekannt und rief in politischen Kreisen der Hauptstadt t i e f st e s Bedauern hervor. Man hatte bis zuletzt gehofft, daß die plötzliche Erkrankung des im besten Mannesal­ter Stehenden noch eine Wendung zum Besseren nehmen werde. Die italienische Regierung sah in ihm einen ihrer fähig st en und geach­tet st en Diplomaten. Man wußte die eben­so taktvolle Art, in der er sein besonders schwie­riges Amt als Völkerbundskommissar Danzig verwaltete, sehr zu schätzen. Deshalb war er auch, obwohl sein Name in letzter Zeit verschiedentlich in Verbindung mit der Besetzung wichtiger Bot­schafterposten genannt wurde, immer wieder in Danzig belassen worden. Es wird nicht leicht sein, diesen Diplomaten, der Fähigkeit und Vertrauen in gleichem Maße besaß, zu ersehen.

Die Schrumpfung der höheren Schule.

Wie die Pressezentrale des Deutschen Philo- logen-Derbandes mitteilt, sind in allen Klassen der höheren Schulen die Abgänge dauernd im Steigen, und es ist so, daß man heute eine starke Deflation, ja Schrumpfung der höheren Schule fest stellen muh.Gegenüber 1931, also in einem Sahre hat sich die Schülerzahl der höheren Schule um 47 000 verringert." Der Deutsche Phi- lologenverband hat schon 1927 auf die drohende Gefahr der ileberfüllung hingewiesen und Gegen­mahregeln verlangt. Schon 1927 heißt es im Deutschen Philologen-Blatt":Die ilnterrichts- behörde würde der Sache einen grohen Dienst er­weisen, wenn sie jetzt, wo es noch Zeit ist, regu­lierend eingriffe und den Direktoren und Lehrer­kollegien einschärfte, dah es ihre Pflicht ist, der Schule den Massenandrang von Unberufenen, Un­geeigneten endlich energisch vom Leibe zu halten." Sn dieser und ähnlicher Form wurde immer wie­der eine schärfere Auslese, eine Ueberleitung Un­geeigneter auf andere Schulen oder ins praktische Leben vertreten. Vergebens wies der Philologen­verband darauf hin, dah nur der Mangel an Lebensraum die Sugend auf die höhere Schule, auf die Universität bringe und dort festhalte, dah nur Arbeitsbeschaffung Abhilfe bringen könne: er wurde nicht gehört. So leitete er beim selbst Schritte ein, um mit Hilfe seiner Organisation die Abiturienten in praktischen Berufen unter­zubringen, Schritte, die dann endlich auch vom Srmenministerium in einer Konferenz mit Wirt­schafts- und anderen Verbänden aber ohne den Deutschen Philologenverband!! als richtig an­erkannt und mit dem Philologenverband zusam­men gegangen wurden. Setzt heißt das Problem nicht mehr: Wie kann der Zugang zur höheren Schule gehemmt werden?, die Schrumpfung ist in vollem Gange heute gilt es die Frage zu lösen: Wie kann den jetzt in den oberen Klassen auf der höheren Schule Befindlichen, wie kann den Abiturienten, den Studenten und den Sung- akademikern geholfen werden? Was an Vorschlä­gen besonders vom Studentenwerk gemacht worden ist bringt feine wirkliche Hilfe. Prak­tisches Arbeitsjahr und Ausbau des ersten Stu­dienjahres nach Art derColleges verlängern die Ausbildung um zwei Sahre, schieben die Ent­scheidung hinaus, aber Lebensraum bringen sie nicht. Wo soll der Abiturient praktisch arbeiten, wenn in der Wirtschaft Millionen arbeitslos sind?"

Aus affet Welt.

Gandhi weigert sich, das Gefängnis zu verlassen.

Gandhi hat die Bedingungen, die die Regierung für seine Freilassung aeftellt hat, a b g e l e h n t und weigert sich, seine Zelle zu verlassen. Die Regiseung

beabsichtigt aber nicht, ihn zum Verlassen des Ge­fängnisses zu zwingen. Er hat Vertreter der ver­schiedenen Klassen der Hindus empfangen, darunter auch welche der Parias. Heute wollte Gandhi mit dem Hungerstreik beginnen, aber es ist noch nicht bekannt, ob er heute morgen wirklich jede Nahrung abgelehnt hat.

von der deutschen Himalaja-Expedition.

Das Rosenheimer Mitglied der deutschen H i - malaja-Expedition, Dr. Hugo Ham­berge r, der Cxpeditionsarzt, befindet sich nach einer zuverlässigen Mitteilung auf der Heimreise. Dr. Hamberger wird dieser Tage in Genua eintreffen, wo ihn seine Gattin erwartet. Auch die übrigen Expeditionsmitglieder haben die Rückreise nach Deutschland angetreten.

Wirbelsturm auf den Dahama-Snseln. 14 Tote, viele Verwundete.

Beim englischen Kolonialministerium ist ein amtlicher Bericht des Gouverneurs der Bahama- Snseln über den Wirbelsturm eingegangen, der die Snselgruppe vor kurzem heimsuchte. Auf der Snsel Aleaco, wo der Sturm eine noch nie dagewesene Geschwindigkeit erreichte, wurde die Stadt Green Turtle Cay vollkommen und die Stadt Hopetown teilweise zerstört. Ferner wurden die Ortschaft Bluff Point und zwei andere Siedlungen vernichtet. Die Zahl der Todesopfer beträgt 14. die der Verwun­de t e n 60 bis 70.

Sechs neue Fälle von spinaler Kinderlähmung in Breslau.

Sm Laufe der vergangenen Woche sind in Breslau sechs neue Fälle von spinaler Kinderlähmung zur Anzeige gebracht worden. Eine Frau im Alter von 23 Sahren ist der Krankheit erlegen.

Rätselhafter Tod auf der Jagd.

Wie aus Bad Tölz gemeldet wird, hatte sich der Wirt Länderer aus Winkeg bei Leng­gries vor acht Tagen in seinem Revier auf die Sagt) begeben. Da er nicht zurückgekehrt war, wurde das Gebiet abgesucht und Länderer in einem fremden Revier tot aufgefunden. Er war an einem Oberschenkelschuß verblutet. Sagdgewehr und Feldstecher fehlten. Sn der Nähe lagen zwei Hüte, wie sie in der Gegend getragen werden. Der Tod dürfte schon vor mehreren Tagen ein­getreten sein. Eine Untersuchung ist im Gange.

Zwei Schulkinder überfahren und gelötet.

Auf dem Kirchenweg zwischen Burgfarrnbach und Oberfürberg bei Fürth hängten sich dieser Tage auf dem Heimweg befindliche Schulkinder an den Anhänger eines mit Steinen beladenen Lastkraftwagens. Einige setzten sich sogar auf die Derbindungsstange zwischen Kraftwagen und An­hänger. Dabei kamen ein sechsjähriger Knabe und I1 ein gleichaltriges Mädchen zu Fall, gerieten un­ter die Räder des Anhängers und wurden a u f der Stelle getötet.

Aus der Provinzialhauptstadl.

Gießen, den 20. September 1932.

Oer alte Friedhof als park.

Bekanntlich besteht das Projekt den vor 30 Sahren als allgemeinen Begräbnisplatz ge­schlossenen alten Friedhof zum Park umzuwan- beln. Seit den Zeiten Philipps des Großmüti­gen hat der Friedhof als Ruhestätte der verstor­benen Gießener Bürger gedient, nachdem man damals den Friedhof in Selters aufgehoben hatte. Es finden seither auf dem alten Friedhof nur noch Bestattungen in Erbbegräbnissen statt, welche von Sahr zu Sahr seltener werden.

Sn den letzten Wochen hat man auf dem ältesten Teil des Friedhofs die ältesten Gräber und deren Grabmale, welche vernachlässigt waren, weil sich niemand um deren Erhaltung kümmerte, beseitigt. Die zermürchten Reste der Epitaphien hat man in die Erde gebettet und die verfalle­nen Grabhügel eingeebnet. Cs handelt sich da­bei um Hunderte von Bestattungen, welche vor 60 bis 100 Sahren vorgenommen wurden. Grab­steine, welche einen gewissen künstlerischen Wert haben, ließ man stehen und richtete sie, wo es nötig war, wieder grabe. Erbbegräbnisse, die noch gepflegt werden, ließ man dagegen unangerührt, alte verkrüppelte Bäume und verwildertes Strauchwerk wurden entfernt. So ist auf dem Friedhof am Nahrungsberg eine parkartige An­lage entstanden, man hat dort Luft und Licht geschaffen, dabei aber den Charakter des Fried­hofs durchaus gewahrt. Sm kommenden Früh­jahr soll auf den jetzt öden Stellen, wo die Grä­ber waren, Gras eingesät werden, um saubere Rasenflächen zu schassen. Cs werben an geeig­neten Stellen Ruhebänke Aufstellung finden, um besonders älteren Bürgern Gelegenheit zu geben, in der schönen und durch die noch gepflegten Erb­begräbnisse Gießener Familien interessanten Parkanlage die Stille und Ruhe zu genießen.

Gießener Wochcrrmarttprclse.

* Gießen, 20. Sept. Cs kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt: Kochbutter 100, Süßrahm­butter 130, Landbutter 130, Matte 2530 Pf. das Pfund, Käse 510, Eier 910 Pf. das Stück,

Wirsing 78, Weißkraut 57, Rotkraut 810, Gelbe Rüben 810, Rote Rüben 810, Spinat 15, Römischkohl 8, Llnterkohlrabi 56, Tomaten 15, Zwiebeln 810, Kürbis 56, Pilze 2530, Kar­toffeln 3,5 Pf. das Pfd., Kartoffeln per Zentner 3 Mk., Frühäpfel 1525, Falläpfel 5-6, Dirnen 1020, Dörrobst 3035, Zwetschen 810, Pfir­siche 3040, Brombeeren 2025, Preihelbeeren 30, Honig 4045, Sünge Hähne 7080, Suppen­hühner 6080 Pf. das Pfd., Tauben 5060, Blu­menkohl 3060, Salat 8-10, Salatgurken 10 bis 20, Endivien 1015, Ober-Kohlrabi 58, Lauch 5-10, Rettich 1012, Sellerie 1025 Pf. das Stück, Radieschen 10 Pf. das Bund.

Bornotizen.

Tageskalender f ü r Dienstag: Cafe Leib, 20 Llhr, Cxperimental-Lichtbild-Dor* trag über Astrologie. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Madame hat Ausgang".

** Festnahmen. Der PolizeilWricht meldet: Dieser Tage wurde in einem hiesigen Uebernach- lungslokal der 21jährige Konzertsänger Gottfried B. aus Herbesthal auf Grund eines Ausschreibens fest- genommen. Da B. und auch sein Begleiter, der 24jähripe Bergmann Josef O. aus Niederschelder- Hütte im Besitze von fast neuen blauen Mänteln waren, die nicht zu ihrem sonstigen Aeußeren paß­ten, wurden sofort Erhebungen über den Erwerb derselben angestellt. Die von beiden gemachten An­gaben stellten sich alsbald als unwahr heraus und es konnte ermittelt werden, daß sie die Mäntel aus zwei höheren Schulen in Siegen entwendet hatten. B. hat sich weiter noch wegen Diebstahls eines yrö- feeren Geldbetrages, den er zusammen mit einer Kellnerin aus einer Wirtschaft ifn Lampertheim ent­wendet hatte, zu verantworten. Beide wurden dem Amtsgericht zugeführt und kamen in Untersuchungs­haft. Am gestrigen Montag wurde ein 19jähriger Pole, Eduard Michalak, wegen Betrugs, da er als blinder Passagier die Eisenbahn benutzte, fest­genommen Da er auch nicht im Besitze eines Passes und sonstiger Ausweispapiere war, hat er sich auch noch wegen Pafevergehens zu verantworten. Micha­lak wurde ebenfalls dem Amtsgericht zugeführt.

Reform der perfonentarife der Reichsbahn

Zeitgemäße Anregungen der Industrie- und Handelskammer Darmstadt.

Unter diesem Titel hat die Snbuftrie- und Handelskammer Darmstadt der Öffentlichkeit eine Denkschrift übergeben, die sich mit dem in hohem Grade aktuellen Problem eingehend befaßt. Der Zweck der Darlegungen ist weniger, abschließende Vorschläge zu bringen als vielmehr das Problem auf breitester Grund­lage zur Aussprache zu stellen. Die Reichs­bahn wird eine baldige Revision der je länger je mehr übersetzten Personentarife um so weni- ?er weiter hinausschieben können, als befannt- ich zum 30. Oktober 1932 di« Gültigkeit der Sommerurlaubskarte zu Ende geht.

Es wird nicht angängig sein, die Auflockerung der Tarife auch weiterhin in Gestalt vorüber­gehender Ermäßigungen vorzunehmen, vielmehr drängen die Verhältnisse dazu, eine allgemeine Verbilligung eintreten zu lassen.

Hierbei ist in erster Reihe an die überhöhten Dartarise zu denken, die dem Preisstand bereits seit geraumer Zeit nicht mehr entsprechen. Die Denkschrift weist nach, daß die Kilometersähe um 30 v.H. über dem Lebenshaltungs­index liegen, wenn man annimmt, daß zur Zeit des Snkrafttretens der Tarife diese als dem Sndex entsprechend angesehen wurden. Weiter stellt die Denkschrift die Wiedereinfüh­rung der Rückfahrkarte zur Erörterung, deren Befürworter an Zahl stark in Zu­nahme begriffen fei. Die Rückfahrkarte schließt für die Reichsbahn den wesentlichen Vorteil in sich, daß der Reisende gleichzeitig für Hin- und Rückweg an die Schiene gebunden und nicht in die Lag« verseht wird, für die Rückfahrt ein anderes Beförderungsmittel zu benützen. Die Denkschrift neigt dazu, zu empfehlen, eine Er­mäßigung der Kilometersätze für die einfache Fahrt um 15 v. H. und einen weiteren Rabatt für die Rückfahrkarte von 12 v. H. vorzuschlagen. Hierbei wird einer Verminderung der Spanne zwischen 3. und 2. Klasse das Wort geredet, um eine Auswanderung in die so stark notleidende Polsterklasse zu bewerkstelligen. Was die Er­hebung von Zuschlägen für Schnell- und Eil- züge anlangt, so wird empfohlen, die Eilzüge, wenn nicht eine völlig« Freigabe erfolgen könne, lediglich mit einer einheitlichen Schutzgebühr von etwa 25 Pfennig zu belasten, um eine allzu starke Belastung der Züge durch Reisende auf kürzeste Entfernungen hintanzuhalten. Hinsichtlich der Schncllzugszuschläge spricht sich die Arbeit für gleichhohe Zuschläge in der 3. und 2. Klasse aus, ebenfalls um die Auswanderung in die 2. Klasse zu fördern.

Der zweite Teil der Veröffentlichung weist auf die besonders schwere Gefahr hin, welche der Zeitpunkt des Wiederanstiegs der Konjunktur für die Reichsbahn in sich berge, insofern,

als zahlreiche vielreisende bann versucht sein würben, sich burch Anschaffung eines Kraft- wagens bauernb von ber Schiene abzuwenden.

Die Denkschrift erklärt in dieser Beziehung, von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwick­lung des Eisenbahnverkehrs werde es fein, in­wieweit es gelinge, den Vielreisenden dauernd an die Schiene zu fesseln. Sn dieser Beziehung wer­den zunächst einzeln« Vorschläge hinsichtlich der Reh- und Bezirkskarten gemacht. Wei­ter wird mit Nachdruck dargelegt, daß diese Ein­richtung nicht genügend sei, um die erforderliche Freizügigkeit zu gewährleisten. Vielmehr sei es nottoenbig, den immer wieder laut werdenden dringenden Wünschen weitester Kundenkreise, na» mentlich des großen Heeres der reisenden Kauf­leute, auf

Einführung des kilomelerheftes

endlich zu entsprechen. Die befürchteten Schwie­rigkeiten ließen sich bei geeigneter Gestaltung durchaus beheben. Auch der früher bereits ge­machte Vorschlag der Halbkarte, d. h. eines Fahrtausweises, der ein Zwischending zwischen Generalabonnement und Cinzelfahrkarte dar- stellt, wird wiederholt zur Erörterung gestellt. Die Halbkarte ist so gedacht, daß der Vielreisende zu einem festen Tarifsatz (entweder 50 Mark für den Monat oder 400 Mark für das Sahr) für einen bestimmten Zeitraum einen auf seine Per­son lautenden, mit Lichtbild versehenen Ausweis erwirbt, der ihn berechtigt, während der Gül­tigkeitsdauer auf allen Strecken der Reichsbahn sämtliche Züge in beliebiger Wagenklasse zum je­weils halben Fahrpreis zu benützen. Schließlich wird in der Denkschrift erneut auf die Notwen­digkeit hingewiesen,

zwischen Einzettarif unb Gesellschaftsfahrtentarif ein Mittelding inzusügen in Gestalt ber

Gruppenfahrkarte.

Hiernach sollen vier Reisende jeweils auf 3V2 Fahrkarten, sechs Reisende auf 5 Fahrkarten, acht Reifende auf 6'/r Fahrkarten abgefertigt werden können.

Abschließend stellt die Denkschrift fest, daß der Ablauf der Gültigkeit der Sommerurlaubskarte zu baldiger Entscheidung dränge, die im Sinne einer starken Verkehrsbelebung der Reichs­bahn um so weniger schwer fallen dürste, als unser führendes Derkehrsuntemehmen wesent­lich« Entlastungen durch Wegfall der Re­parationsleistungen und durch die in der letzten Notverordnung verfügten besonders erfreu­lichen Erleichterungen hinsichtlich der Deförde- rungssteuer erfahre.

Die eingehenden Darlegungen klingen in den Appell aus, auf breiter Grundlage in einen Meinungsaustausch über das so dringlich« wie wichtige Problem und die besten Möglichkeiten seiner Lösung einzutreten.

Ein Butzbacher Händler tödlich verunglückt.

Butzbach, 20. Sept. Aus Wiesbaden wird gemeldet: Aus der Llmgehungsstratze in Erben­heim (bei Wiesbaden) ereignete sich gestern abend einschwererVerkehrsunfall. Der Händ­ler Taver Z i ck aus Butzbach fuhr mit seinem Motorrad gegen die Kühlerspihe eines aus Frank­furt kommenden Wiesbadener Personenautos. Zick flog mit dem Kops heftig gegen den Kühler und erlitt dabei einen schweren Schädel- bruch, der seinen sofortigenTod zur Folge hatte. Die Leich« wurde beschlagnahmt. Nach den polizeilichen Ermittlungen soll der Motorradfah­rer die vorschriftsmäßige Straßenseite eingehal­ten haben.

Wettervoraussage.

Durch den Vorschub der Kaltluft sind die Temperaturen in Mittel- und Norddeutschland wesentlich zurückgegangen. Dabei ist aber das Barometer über dem Festland kräftig angestiegen.

so das) die sich abflachende und weiter nordöstlich abziehende Skandinavienstörung nicht mehr zur Geltung kommt. Vielmehr wird jetzt die sich von Nordwesten nach Südosten erstreckende Hochdruckbrücke in Erscheinung treten und in den nächsten Tagen schönes Herbstwetter bringen. Aach Frühnebelbildung wird es tagsüber viel­fach ausheitem und die Luftwärme nimmt infolge der Sonnenstrahlung wieder etwas zu.

Aussichten für Mittwoch: Aushei. temö und zeitweise auch bewölkt, noch kühl, doch tagsüber etwas wärmer, trocken.

Aussichten für Donnerstag: Stel­lenweise Frühnebel, tagsüber zum größten Teil aufheiterndes und wieder wärmeres Wetter.

Lufttemperaturen am 19. September: mittags 21,5 Grad Celsius, abends 16,4 Grad; am 20. September: morgens 13 Grad. Maximum 22 Grad, Minimum 12,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. September: abends 19,2 Grad; am 20. Septem­ber: morgens 16,1 Grad Celsius. Niederschläge 0,2 mm. Sonnenscheindauer 4% Stunden.

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