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20.9.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 221 Erstes Blati

182. Jahrgang

Dienstag. 20. September 1952

MtzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmd und Verlag: vrühl'fche llniver^rüts-vuch- unö Steinöruderei R. Lange in Gießen. 5chriftlettnng und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7.

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Chefredakteur-

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen.

Erschein» täglich, autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat,-Bezugspreis:

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Frankfurt am Main 11686.

Die Reichsregiening und der Wahlkamps.

Auf falschem Weg.

Es ist die erstaunliche und seltene Tatsache zu verzeichnen, das) sich eine bedeutsame außenpoli­tische Kundgebung der englischen Regierung i m Gegensatz z u der überwiegenden Meinung der englischen Oeffentlich- keit stellt. Ganz abgesehen von den diploma­tischen Eingezogenheiten der überreichten Rote, die mit Entschiedenheit Zurückweisung verdienen, ist dieser neue Schritt in der Rüstungsfrage auch von den Gesichtspunkten der englischen Politik schwer zu begreifen. Die grundsätzliche Anerken­nung der deutschen Wehrfreiheit bei zeit­licher Beschränkung durch eine Verpflichtung, die zunächst eine tatsächliche Aufrüstung ausschließen würde hätte den angelsächsischen Mächten ein wertvolles Druckmittel gegen den französischen Ilebermilitorismus und gegen die zähe «Sabotage der Abrüstung gegeben. Das Ziel, das den Eng­ländern in Wirklichkeit vorschwebt, ist nach den Erfahrungen von 13 Jahren nicht aus den Wegen zu erreichen, die die englische Rote weist.

Glaubt denn die englische Regierung im Ernst noch an die Erfolgsmöglichkeit der Abrüstungs­konferenz, um deren Rettung man sich jetzt so eifrig bemüht? Jedenfalls zeigt sich nun schon mit aller Deutlichkeit das Eine, dah die deutsche Ankündigung des Austritts zu der lleberlegung auf der anderen Seite führen muhte, dah irgend etwas für uns getan werden muh. Tiber mit Versprechungen und faulen Kompromissen können wir uns nicht weiter absinden lassen. Es muh schon dabei bleiben, was die deutsche Regierung - gesagt hat: ohne grundsätzliche Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung und Wehrfreiheit kommt eine deutsche Mitarbeit an den Ab- rüstungsverhandlungen nicht mehr in Frage, eben, weil ohne diese Anerkennung die weitere Arbeit sinnlos und ohne Hoffnung auf durchgreifenden Erfolg ist.

Wenn die englische Rote in aufreizend schul­meisterlichem Ton die Frage stellt, ob die deutsche Forderung zu diesem Zeitpunkt angebracht war, so kann die Antwort nur lauten, dah sie eigent­lich niemals zeitgemäher war. Wenn die Hoffnung begründet ist, dah die Weltwirtschaft nun bald vom tiefsten Punkt der Krise den Weg der Erholung beschreiten wird, so muh gerade tit diesem Augenblick und mit möglichster Beschleunigung der grohe politische Gegensatz ausgeraum t werden, der als entscheidendes , Moment der politischen Unsicherheit den Weg der weltwirtschaftlichen Erholung dauernd be­schatten würde.

Ganz und gar nicht anerkennen können wir es, wenn in der englischen Rote in unnatürlicher Weise ein Zusammenhang zwischen den Repara­tionen und dem Rüstungsthema konstruiert wird. Welche Konzessionen sind denn Deutschland gewährt worden auher denen, auf die es recht­lichen Anspruch hatte? Hat nicht Macdonald selbst wiederholt völlige Streichung der Repa­rationen gefordert, weil die Tribute die ganze Weltwirtschaft an den Rand des Ruins gebracht haben? Dah Deutschland trotz der in der ganzen Welt verbreiteten Ansicht von der Rotwendigkeit einer völligen Streichung der Tribute neue L a st e n auf sich genommen hat, war eine Kon­zession nicht der Gläubigerstaaten an Deutschland, sondern umgekehrt. Außerdem kann die Vereini­gung einer Frage des Rechts nicht den morali­schen Anspruch geben, einen Verzicht auf einem anderen Gebiete zu fordern.

Unannehmbar ist vor allem für Deutschland je­ner Passus der englischen Rote, in dem erklärt wird, dah das bisherige Versagen der Alliierten bei der Abrüstung bic bindende Kraft des Teiles V des Versailler Vertrags mit seinen einseitigen Abrüstungsbestimmunaen nicht beseitige. Bei der Ausstellung dieser These dürfte Frankreich sehr aktiv mitgewirkt haben. Rur Frankreich hat es bisher vermocht, fundamentale Rechtsgrundsähe in Versailler Rechtsgrundsähe umzubiegen. Frank­reich kann sich von der irrigen Auffassung nicht befreien, dah das Recht, das ewig ist, dem Ver­sailler Vertragsrecht untergeordnet bleiben müsse, einem Zweckräht, das in der Siegerpsychose der Rachkriegsmonate gegen den Willen Wilsons und . Lloyd Georges geschaffen wurde, wenn der letz­tere auch erst heute den Mut zum rückhaltlosen Eingeständnis gefunden hat.

3m Versailler Vertrag haben die Alliierten die 1 Verpflichtung zur Abrüstung nach dem Vorbild der erzwungenen deutschen Abrüstung übernommen. Diese Verpflichtung haben sie nicht erfüllt, sondern sind in Verzug gekommen. Das gesteht England auch ein. Setzt sich aber ein 1 Vertragspartner dem andern gegenüber in Ver­zug. dann wird der Vertrag nichtig und ent­hebt auch den anderen seiner Ver­pflichtungen. Die Leistungen des Vertrags sollten Zug um Zug geschehen. Deutschland ' muhte beginnen und hat erfüllt. Die Alliierten aber haben nicht erfüllt und damit Deutschland freie Hand gegeben. Daran ist nicht zu deuteln, solange Menschen auf dem Rechtsboden stehen. Es wäre von England eine direkte Verletzung des Versailler Vertrags, wenn es sich dieser Auf­fassung entgegenstellt, denn es nimmt ihm da­mit den Charakter eines Vertrages, der darin liegt, dah er wie jeder andere Vertrag nach all­gemeinen Rechtsgrundsätzen ausgelegt werden j kann. Tatsächlich scheint England die Absicht zu haben, die klaren Abrüstungsbestimmungen des Artikels V des Versailler Vertrages durch eine mehr als spitzfindige Auslegung unwirksam machen zu wollen. Damit würde es aber der Sache einen schlechten Dienst erweisen uni> vor allem der ihm zugefallenen Rolle als Vermittler empfindlich schaden, denn der Makler darf nicht i in so einseitiger Weise Partei ergreifen.

0er 6. November zum Wahltag bestimmt.

Tank des Reichskanzlers für vielseitige Zustimmung zum Rcgierunc.sprogramm.

B e r l i n , 20. Sep. (IDIB. Junffprudj.) Reichs­präsident von Hindenburg hat durch Ver­ordnung vom heutigen Tage bestimmt, dah d i e Neuwahl des Reichstags am 6. Novem­ber 19 3 2 staltfmdet.

Von der Reichskanzlei wird ferner mitgeteitt: Dem Reichskanzler sind aus Aniah des durch Rund­funk verbreiteten Regierungsprogramms eine so ungemein grohe Anzahl von Zustim­mung s e r k r u n g e n aus allen Teilen des Landes zugegangen, dah er sich zu feinem Bedauern außerstande sieht, sie alle persönlich zu beantworten. Er übermittelt daher auf diesem Wege seinen herzlichen Dank allen denen, die sich in der Rot des Vaterlandes mit heihem Herzen a l s Kämpfer in d i e Reihen der FrontTU i k Hindenburg für Deutschlands Er­neuerung" stellen.

0ie Kabinettssitzung.

Wirtschaftsfragcn. Der Bayernbesuch. Ein Wahlaufruf.

Berlin, 20. Sept. (IU.) Das Relchskabl- nett Hal sich am Montagnachmittag, wie angekün­digt, mit der Kontingentierungsfrage, der 3 l n 9 f t a g c und weiteren hilfsmahnahmen für die Landwirtschaft beschäftigt. Beschlüsse wurden nicht gesaht.

Berlin. 19. Sept. (TU.) DieTägliche R u n d s ch a u"f die feit kurzem in den Besitz des Tat"-Kreises übergegangen ist, schreibt zu der eng­lischen Erklärung zur Gleichberechtigungsfrage u. a.: Es besteht ohne Zweifel die Möglichkeit, daß Frank­reich angesichts der unerwarteten englischen Unter­stützung uns vor den Völkerbundsrat zu zitieren versuchen wird, wenn wir nicht reumütig an den gemeinsamen Adrüstungstisch zurückkehren. Bei Macdonalds Einstellung, wie sic sich in der Sonntags-Erklärung dokumentiert, darf es nicht von vornherein als ausgeschlossen gelten, daß England sich einer derartigen Aktion an sch ließt. Sollte etwas Derartiges auch nur in Aussicht stehen, so gibt es darauf nur eine einzige Antwort: Deutschland muß dann sofort seinen Austritt aus dem Völkerbünde anmelden und inner­halb der zweijährigen Frist bis zum Wirksamwerden der Austrittserklärung sein Desinteressement an allen Arbeiten des Bundes erklären wie das aus anderen und weit weniger wichtigen Anlässen Spanien und Brasilien zeitweise getan haben. Wenn neben Frank­reich auch England sich auf den Boden des zweierlei

Späte Erkenntnis.

DerBerliner Börsen-Courier" veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen englischen Ministerpräsiden­ten Lloyd George, der bekanntlich einer der Urheber des Versailler Vertrages ist. Lloyd George schreibt u. a.:

Vier Männer sind in erster Linie für die Ab­fassung des Vertrages von Versailles verantwort­lich, der den größten Krieg der menschlichen Ge­schichte beendigte: Herr Clemcnceau, Präsi­dent Wilson, Herr Orlando und ich. Als die deutschen Delegierten ihre natürlichen Beden­ken vorbrachten, diese dasVaterland" zu völliger Hilflosigkeit inmitten einer waffenstarrenden Welt verurteilenden Bedingungen anzunehmen, schrieb ihnen Herr Elemenceau auf das Ersuchen sei­ner Kollegen hin einen Brief, in dem den Deutschen zugesichert wurde, daß die deutsche Ent­waffnung als ein Vorspiel einer generellen Herabsetzung der R ü st u n - a e n zu gelten habe. Diese Zusage kommt auch in dem Vertrag über den Völkerbund zum Ausdruck, Sie ist von allen Unterzeichnern d e s Versailler Vertrages angenommen und durch ihre Parlamente ratifiziert worden.

Als einer der beiden Hebedebenben nehme ich keinen Ansioh, mir die deutsche Auf­fassung zu eigen z u machen, die dahin geht, dah die Siegernationen schamlos die Treue in der Rüstungsfrage ge- brachen haben. Die deutsche Revolte gegen diesen Treubruch ist nicht eine plötzliche Aus- Wirkung der nationalen Leidenschaften, ange­facht durch skrupellose Agitatoren oder tückische

3n den fiabinettsäeratungen haben, wie derBer­liner Börfen-dourier" mitteilt, auch die Bespre­chungen eine Rolle gespielt, die der bayerische Mi­nisterpräsident Dr. Held und Staatsrat Schüs­se r am vormittag mit dem Reichskanzler hatten. Bei den Verhandlungen mit den beiden Herren habe sich das Bestreben gezeigt, nach Möglichkeit in ab­sehbarer Zeit mit der Reichsregierung ; u einer Verständigung z u gelangen. Ls werde sowohl seitens maßgebender Stellen der Reichsregierung wie auch aus bayerischen Kreisen versichert, dah die Aussprache einen durchaus harmonischen verlaus genommen habe. Die Reichsregierung insbesondere sehe mit Inter- elfe den weiteren Mahnahmen entgegen, die mög­licherweise von Bayern im R e i ch s r a I zur In­angriffnahme der Reichsresorm ergriffen wür­den. Die Unterhaltung papens mit den bayerischen Vertretern hätten ebenso die Zustimmung der Reichsregierung gefunden, wie feine Aussprache mit den Präsidenten des Preußischen Landtages, K e r r t, gelegentlich dessen Vortrages beim Reichspräsi­denten.

Börsenzeitung" undDAZ." berichten weiter, dah die Reichsregierung in ihrer gestrigen Kabi- nctlssitzung die Veröffentlichung eines Wahlaufrufes beschlossen habe, der die offi­zielle Stellungnahme im Wahlkampf enthalten und noch einmal die Gründe umreihen soll, aus denen heraus die Reichsregierung den Lntschluh zur Reichstagsauflösung und zur Ausschreibung von Reuwahlen fahle. Der Aufruf werde ferner die Mahnung an die Parteien richten, den Wahlkampf mit größter Zurückhaltung und unter Wah­rung von Ordnung und Ruhe zu führen. Rur unter dieser Voraussetzung sei ein plan­mäßiger Ablaus der Wahlen gewährleistet.

Rechtes ernsthaft stellen zu sollen meint, verliert die ganze Völkerbundsinstitution für Deutschland den letzten, wahrscheinlich nicht mehr großen Rest von Interesse. Stellt man dabei in Rechnung, daß außer Amerika und Rußland, die dem Bunde nie­mals angehört haben, Japan mit dem Gedanken des Austritts sehr lebhaft umgeht und M u s s o - l i n i erst vor wenigen Tagen angekündigt hat, daß er Italiens Stellung zu Gens einer sehr ernsthaften Prüfung unterziehen müsse, so würden wir uns keineswegs in einer völligen Isolie­rung befinden, wenn wir im Kampfe um unser Recht diesen Schritt tun müssen. Macdonald versucht, uns damit einzuschüchtern, daß er von unserem Wohlverhalten in derAbrüstungsfrage die Möglichkeit der Krisenüberwindung abhängig machen möchte. Es mag in Deutschland heute noch Kreise geben, die sich von derartigen Drohungen beeinflussen lassen. Daß die Regierung zu ihnen gehört, können wir nicht annehmen, denn ein Nachgeben auf diesem Gebiet würde eine nicht zu überbrückende Kluft zwi- schen der Regierung und der Masse der national empfindenden Bevölkerung aufreißen.

Militaristen. Die Staatsmänner desVater­lands" haben 13 Jahre hindurch einen Grad von Geduld, Rachsicht und Zurückhaltungzgezeigt, die des großen Volkes wert ist, das sie vertraten. Diese ganze Zeit über wurde die Fessel, welche sie in einer Stunde vernichtender Riederlage auf sich nah­men, unablässig gegen Deutschland und feine Verbündeten angewendet, während die ande­ren Vertragspartner sich hoffärtig wei­ten, über die Erfüllung des sie angehenden Teils der Vereinbarungen auch nur z u dis­kutieren.

Eine einfache Aufzählung der Elementartatsachen des europäischen Rüstungsstandes führt zu einer vollständigen Rechtfertigung der deut­schen Haltung. Die Zahlen, die ich jetzt anführe, sind bisher noch nicht veröffentlicht worden. Frank­reich hat eine aktive Armee von einer Friedens­stärke von über 500 000 Mann: feine ausgebil­deten Reserven belaufen sich auf ungefähr fünf Millionen Mann. Die notwendige Ausrüstung für diese Millionen ist bis zum Ueberfluß in den Lä­gern. Die Tschechoslowakei mit einer Be­völkerung von 14,7 Millionen Menschen hat eine aktive Friedensarmee von 135 OOO Mann. Ihre Reserven an ausgebildeten Kräften erreichen 850 OOO Mann. Wie verhält es sich nun mit der Aus- rüstung der deutschen Armee? Die Tschechoslowakei hat 8500 Maschinengewehre; Deutschland darf nach dem Versailler Vertrag 2200 haben. Die Tschechoslowakei hat 840 leichte Geschütze, Deutschland sind 294 zugestanden. Die Tschechoslowakei hat 456 mittelschwere und schwere Geschütze; Deutschland darf die Höchstzahl von 17

haben. Die Tschechoslowakei hat ungefähr 40 Tanks, Deutschland darf keine haben. Nehmen wir einen anderen Nachbarn Deutschlands: Polen. Seine Friedensarmee beträgt 247 832 Mann. Seine Reserven an ausgebildeten Mannschaften, die im Kriegsfall verfügbar sind, beziffern sich auf 1 874 OOO Mann. Die Zahl feiner Maschinengewehre ist 10 400, die der transportablen leichten Geschütze 1515, die der mittleren und schweren Geschütze 360. Polen verfügt über 70 Tanks.

Französisches Geld Hal diese kleineren Mächte in den Stand gesetzt, ihre Armeen mit diesen machtvollen Waffen auszuftatten. Es war die Politik Frankreichs, Deutschland rundum mit einer Mauer scharfer Speere zu umgeben. Deutschland liegt machtlos und hingestreckl, umgeben von feindlichen Mächten, kleinen und großen, die bis an die Zähne be­waffnet sind, und die mit ihrer mächtigen Ar­tillerie, deren Einheiten alle in der Richtung Deutschland zielen, das hilflos gegen eine s o überwältigende Gewalt ist. keine selbstbewußte Ration kann eine solche Erniedri­gung erdulden.

0ie Konferenz von Sirefa.

WelchcHtlfe yalLüdosleuropa zn erwarten -

S t r e s a , 19. Sept. (TU.) Der Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen und Vorschläge des Finanzausschusses der Konferenz von Sirefa, der in seiner ersten von dem Belgier van Zeeland auf- gestellten Fassung auf schärfsten Widerspruch der Schuldnerstaaten gestoßen war, ist in einer neuen von einem Sonderausschuß bearbeiteten Fassung fertiggestellt worden. Eine einheitliche Grundlage ist nicht gesunden. Zur Behebung der Finanzkrise der südosteuropäischen Staaten schlägt der Bericht innere und äußere Hilfsmaßnahmen vor. In das Gebiet solcher inneren Maßnahmen fallen in der Hauptsache Deslationspolitik und Ausgleich der Haushalte. An äuße­ren Maßnahmen empfiehlt er eine möglichst indi­viduelle Schuldenregelung zwischen Gläu­biger und Schuldner sowie Beseitigung der Handelshindern isse. Darüber hinaus wird die Schaffung eines Währungsftützungs- fonds empfohlen, über dessen Ausbau und Der- waltungsart die Verhandlungen jedoch noch nicht abgeschlossen sind. Voraussichtlich soll aber die BIZ. hier in irgendeiner Form eingeschaltet werden.

Die Schaffung eines Fonds ist auch der einzige über schon bekannte Empfehlungen hinausgehende Gedanke des Berichts des Wirtschaftsaus­schusses, dessen vom österreichischen Delegierten Schüller ausgearbeiteter Bericht einstimmig ange­nommen wurde.

Der Schwerpunkt des Berichtes liegt in dem Konventionsentwurf, der einen Qtgrar* fonds von 75 Mill. Schweizerfranks zur Reva- lorisation des Getreides vorsieht. Diese Reva- lorisation, die auf Grund des Exportes der Agrarländer während der letzten drei Jahre festgesetzt worden ist, soll 16 Mill. Doppelzentner Weizen, 15 Mill. Dz. Futtergerste, 13.5 Mill. Dz. Mais umfassen. Für die zweite Kategorie, an der Deutschland nicht beteiligt ist, werden folgende Quantitäten festgesetzt: 4,9 Mill. Tz. Roggen, 3 Mill. Dz. Brauerei- g e r st e, 1 Mill. Tz. Hafer. Die Revalori- sationsprämien betragen 2 Schweizerfranken pro Dz. für den Weizen und je 1,50 Schweizerfranken für die anderen Getreidearten. Als G e g en- lei st u n g der Agrarländer werden eine liberale Handelspolitik und möglichst weitgehende kom­merzielle Erleichterungen für die Geberstaaten gewünscht. Der Konventionsentwurf erwähnt ferner, daß die Rechte der meistbegünstigten Staaten durch diese Gegenleistungen in keiner Weise beeinträchtigt werden.

Deutschland hat diesem Konventionsent­wurf seine Zustimmung geben können, weil er ausdrücklich betont, daß für Deutschland keinerlei finanzielle Beitragslei­stungen, auf die es auf Grund seiner eigenen Lage keinesfalls eingehen könnte, in Betracht kommen. Deutschlands Beitrag besteht in durch zweiseitige Verträge gewährten Präferenzen für Weizen, Futtergerste und Mais, und zwar ausschließlich für die vier notleidenden südosteuropäischen Agrar st aaten.

Schwere kommunistische Llnruhen in Birkenhead.

London, 19. Sept. (WTB.) Seit 48 Stunden herrscht in Birkenhead schwerer Terror. Heute früh tarn es wieder zu kommunistischen Unruhen. Obgleich die Polizei durch 100 Mann verstärkt wor­den war. sammelten sich um 6 Uhr große Menschen- mengen an, plünderten d i e Geschäfte und schlugen Fensterscheiben ein. Gegen die Polizei wur­den Flaschen und Ziegelsteine geschleudert, so daß sie mit dem Knüppel Vorgehen mußte. Neun Poli­zisten wurden schwer verletzt. Die ganze Nacht hin­durch hatte die Polizei mit Kraftwagen. Motor­rädern und Fahrrädern die Straßen abpatrouiUiert. 44 Personen, darunter einer der kommunistischen Rädelsführer, sind verhaftet worden. Gegen 8 Uhr war die Ruhe zum größten Teil wiederher- gestellt. Die Straßen in dem Unruhezentrum bieten ein Bild der Verwüstung und sind mit Glas­scherben und Auslagegegenständen übersät. 20 Po­lizisten zu Fuß und 12 zu Pferd trafen aus Liver­pool in Birkenhead ein. Tausende von Men­schen füllten die Straßen und wurden dauernd von der Polizei in Bewegung gehallen. Die Demonstra­tionen hallen ihren Ursprung in Arbeitslosen^ 1 unruhen gehabt.

Deutschland und der Völkerbund.

Soll Deutschland unter Druck gesetzt werden ? Die Antwort wäre der Austritt.

Gleiches Recht für Deutschland.

Lloyd George gegen den Hüstungswahnsinn von Versailles.