Mittwoch, 2). Juli 1952
Wietzener Anzeiger (wenerai-Anzelger für Gderhessen)
Ur. 168 Zweites Blatt
Kür den Bücheriisch.
Wir und das Theater.
- Unter dem Titel „W i r u n d d a s T h e a t e r" ist im Verlag F. Bruckmann AG. m München ein Schaulpielerbildbuch erschienen: herausgegeben von Walter Firner mit einer kritischen Einleitung von Herbert Ihering und mit vierzig Porträtstudien in Kupfertiefdruck nach Onginalaufnahmen von Firner. — (183) — Das knappe Vorwort des Herausgebers formuliert Sinn und Ziel dieses Werkes mit folgenden Sätzen: „In einer Zeit, in der die Notwendigkeit des Theaters so umstritten ist, in der von der Zukunst der Schaubühne mit voreiligem und unproduktivem Pessimismus gesprochen wird, erscheint es berechtigt, die Schauspieler selbst als die Träger des Theaters zu persönlicher Stellungnahme zu veranlassen. — Ihre Aeuße- rungen sollen die Versäumnisse mit aufdecken Helsen, die eine Bühnenkultur verhindert haben, und Möglichkeiten andeuten für die Erneuerung des Theaters. Ihre Gesichter sollen ein Beglaubigungs- schreiben ihrer Persönlichkeit sein." Wir gestehen, daß uns das Buch in allen Teilen gut gefällt, und wir Glauben auch, daß es für feine werberische Mission nicht ungeeignet ist: allerdings ist kaum zu übersehen, daß die Sätze des Vorwortes nicht ganz unproblematisch erscheinen, und daß die ganze Anlage des Buches den Beschauer und Leser ein wenig an die unveraltete Mahnung Goethes erinnert, die da lautet: „Bilde Künstler! Rede nicht!" Wenn die Schauspieler Träger des Theaters sind, so wird eine entscheidende Erneuerung dieses Theaters immer nur von der gestaltenden Kraft seiner Träger, nicht von ihrer theoretischen Stellungnahme ausgehen können. Die ist an sich Fall für Fall lesenswert: mindestens interessant. Die Elite der deutschen Schauspieler hat das Wort. Dreißig unserer Besten — unter ihnen Bassermann, Dorsch, Forster, George, höflich, Iannings, Kayßler, Krauß, Kortner, Pallen- bera, Straub und Veidt — äußern sich zum Thema: sie sprechen sowohl von sich wie vom Theater, teils unverbindlich, teils anspruchsvoll, teils witzig, teils ernsthaft: so viel Temperamente, so viel Meinungen. Unter einen Hut kann man sie nicht bringen; und beredter als das geschriebene Wort ist doch das lebendige Bildnis, das den Text begleitet. Lauter technisch ausgezeichnete, auch meist sehr charakteristische Porträtstudien. — Der einleitende Aufsatz des einflußreichen Berliner Kritikers Herbert Ihering über „Die großen Schauspieler" ist eine kluge und vielfältig orientierende Betrachtung der gegenwärtigen Situation des deutschen Theaters und seiner Träger — im Brennpunkt Berlin. —y—
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— Ludwig Fulda: Der neue Ha- rem. Komödie in drei Akten (6 Bildern). Mit einem Geleitwort von Eduard Stucken und einem Bildnis des Dichters. In Düttenumschlag 2 50 Mark. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung. Rachfolger, Stuttgart und Berlin. — (120) — Im Mittelpunkt der Komodie steht die Gestalt des Dr. Konstantin Lebius, der ein moderner Don Quichotte ist: ein Don Quichotte der Moral der mit ethischem Ernst seine absurden Ideen über den Wert der Polygamie in unserer so realen Welt in die Wirklichkeit umzüsetzen sucht. Wre er ein großes Kind, ein reiner Tor, hierbei am Ewig-Weiblichen und an der Amwelt Schiffbruch leidet, um schließlich in den Hafen der bestehenden Eheform heimzukehren, das ist mit Witz und Ironie gezeichnet. Ein formschönes Geleitwort hat Eduard Stucken dem Buch des Freundes als Festgruß zum 70. Geburtstag vorangeseht.
Deutsche Erzähler.
Josef Friedrich Perkonig: Mensch wie du und ich. Boman. 564 ©eiten 8". Drosch. 5,60 Mk., kart. 6,60 Mk., Leinen 8 50 Mk. I. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig- — (94.) — Dieses Buch erzählt von russischen und österreichischen Menschen, es berichtet von ihren Freuden und von ihren Leiden, es verdammt den Krieg und preist das Heldentum, es verkündigt die ewigen Rechte des Menschlichen im Menschen. Indem es seltsame Schicksale zu ihrem noch seltsameren Ende führt und über Schauplätze der Landschaft: Russenlager. Bauern- erde Gebirge. Schlachtfront, über Schauplatze des Herzens: Heimweh, Todesfurcht, Lebensgier hingeht, weitet es sich zu einem Sinnbilde des Lebens überhaupt. Von Dingen des Krieges handelnd, ist es doch fein Kriegsbuch im eigentlichen Sinne. Es hat feinen anderen Ehrgeiz, als zu erzählen und dabei die Wahrheit zu berichten. Ein bemerfenswertes Dokument jüngster Vergangenheit aus dem literarischen Oesterreich.
— Rudolph Stratz: Der Dauer in der Au. Roman. 285 Seiten. Geh. 3,20 Mark, Ganzl. 5 Mk., Halbleder 7 Mark. Verlag Scherl, Berlin. — (122) — In Stratz' neuem Roman finden wir die oberbayerischen Dauern, in deren Mitte der Verfasser seit mehr als entern Vtertet- jahrhundert als Gutsbesitzer am Chiemsee lebt, nicht durch die Drille des Städters oder des Ro- mantikers gesehen, sondern wie sie sind, Mit Mem urwüchsigen Temperament und aller schlichten Kraft ihres Wesens. Wir lernen das Leben dieser Dauern kennen, das sich längst nicht mehr als ländliche Idylle unberührt von der Zeit in ewig gleicher Wiederkehr abspielt, sondern in den wirtschaftlichen Kampf der Gegenwart verstrickt ist. Alte Tradition und Forderungen einer neuen Zeit, bäuerisches Aristokratentum und wirtschaftlicher Zwang geben genug Stoff zu Konflikten, und der junge Erbe des verschuldeten Dauernhofes in der Au bekommt sie fast bis zur Vernichtung zu kosten.
— Ludwig Diehl: Suso. Der Roman eines deutschen Seelenmenschen. 71. bis 82. Tausend. Verlag Strecker & Schröder. Stuttgart. Oicuc billige Ausgabe 3,75 Mark. — (187) — Das Duch erzählt uns von dem berühmten Gottesgelehrten und Mystiker, dem Konstanzer Dominikanerprior Heinrich Suso. Dieser hat als -Mönch durch strengste Askese seine Seele zu höchsten Zielen reif machen wollen, nach langer Krankheit offenbart sich ihm die Schönheit der Ratur, und trotz seines Mönchtums blüht ihm das Hochgefühl einer reinen, in höchster Geistigkeit sich ergefrenben Liebe zu einem jungen Mädchen, der Dominikanerin Elsbeth Stagel. Aus dieser Seelen- freundschast heraus erwächst ihm jene geistige Vollendung. die ihm die großen Erkenntnisse der Ver- bindung des Irdischen mit dem Ewigen bietet. Die Personen des Romans und ihre Seelenregun- gen hat Diehl mit klarer Strichsührung gezeichnet.
— Manfred Hausmann: „Lainpioon küßt Mädchen und kleine Dirken". Abenteuer eines Wanderers. Duchausstattung Professor Hans Meid. Berlin. Wohlfeile Ausgabe. in Leinen gebunden. 2,85 Mk. Carl Schünemann, Verlag, "Bremen. (166.) — Manfred Hausmanns erster großer Roman „Lampioon fufjt Mädchen und kleine Dirken", Abenteuer eines Wanderers, lenkte bei feinem Erscheinen durch die überraschende Raturnähe. die Zartheit der Empfindung und den bezwingenden Zauber der Sprache mit einem Schlage die Augen der literarischen Oeffentlichleit auf sich. Die jetzt herausgebrachte „Wohlfeile Ausgabe" dieses Werkes wird ihm zweifellos noch zahlreiche neue Freunde zuführen, ist doch ihr Aeußeres durch Professor Hans Meids gleichgeartete künstlerische Leistung dem Inhalt aufs vortrefflichste angc- paht. Zartblauer Himmel über einer norddeutschen Landschaft, darinnen eine Straße, von jungen Dirken begrenzt, auf der „Lampioon" vergnügt seines Weges zieht, das ist das Motiv der gesamten Duchausstattung.
— W. E. Süskind: Mary und ihr Knecht. Roman. 222 Seiten. Leinen 4,80 Mk. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, "Berlin. — (100.) — Was ist stärker, Herkunft oder Geschlecht? Gibt es zwischen Menschen von verschiedenem Lebensgefühl die Möglichkeit eines aufrichtigen Zusammenlebens? Hält "Begierde, hält
Sympathie und Liebe stand, wenn die Intimität | der Körper und der Seelen den Zwiespalt auf» rührt, der zwischen Geburt und Geburt steht und jedem der Liebenden eine andere Beschaffenheit verleiht 2 Diese Fragen entwickelt Süskind lebendig und Überlegen in der Geschichte von Mary und ihrem Knecht. Er gibt das Bild einer Frau von heute. Um ihr Schicksal sind zwei. Männer gestellt, der Knecht und der Fremde: die Figuren rühren und berühren sich, ohne doch ihre vorgesetzten Dahnen verlassen zu können. Unb eben damit erfüllen sie alle bret ihre Aufgabe.
— Werner Scheff: Lores Verwandlung. Roman. 244 Seiten. Geh. 2,70 Mark, Ganz!. 4,50 Mk. Verlag Scherl, Berlin. — (102) — Die Geschichte des bescheidenen Fräulein Hilgenfeld, die in einer verträumten Kleinstadt als billige Schneiderin mit einer alten Tante zurückgezogen lebt, und die von dem geliebten Mann aus der vertranken Umgebung herausgerissen und mitgenommen wird in das tosende Leben Berlins. Er heiratet sie. wie sie glaubt, aus reiner Liebe: doch als sie erfährt, daß sie gar nicht so arm ist, daß sie Erbin eines Tonfilm-Patentes und deshalb geheiratet wurde, da gibt» ihr die Enttäuschung die Kraft sich loszulösen. Ihr Weiteres Schicksal nimmt sie selbst in die Hand und entwickelt sich zu einer selbstsicheren und ziel- bewußten Dame der arohen Welt, die auch noch ihr Lebensglück findet.
Politif und Geschichte.
— Friedrich August Ludwig von der Marwitz: Preußischer Adel. Herausgegeben von Dr. Friedrich Schinkel. Verlag W. G. Korn, Breslau. Kartoniert 3,75 RM. — (125) — Friedrich August Ludwig von der Marwitz, Mitkämpfer und zugleich leidenschaftlichster Gegner der preußischen Reformer Stein und Hardenberg, ist eine der voli- tisch bedeutendsten Gestalten, die der preußische Adel hervorgebracht hat. Die Bedeutung des Marwitzschen Preußentums liegt begründet in seinem Gegensatz zu der liberal-kapitalistischen Entwicklung, die — eingeleitet von Hardenberg — ihren Höhepunkt in den Jahrzehnten nach der Bismarckschen Reichsgründung and. Die Unbedingtheit, mit der Marwitz an den Standeswerten des preußischen Adels festhielt, ver- chloß ihm die Möglichkeit, auf seine Zeit zu wirken, wie später Bismarck gewirkt hat. Aber gerade diese Kompromißlosigkeit des Marwitzschen Denkens und Fühlens ermöglichte es, daß hier die Standeswerte des preußischen Adels in einer Reinheit verkörpert wurden, die in der deutschen Geschichte kein zweites Beispiel hat. ,
— Bismarck gründet bas Reich. Don Werner Deumelburg. Verlag Gerharb Stalling, Oldenburg i. O. (Kartoniert 4,50 Mk., Ganzleinen 5,80 Mk.) — (82.) — Werner Den- melburg zeigt Bismarcks Kampf, um uns reif zu machen für den unsrigen. Man wird erkennen, unter welchen Zuckungen und Krämpfen, nach wieviel vergeblichen Anläufen, unter wieviel Verzweiflung und tödlicher Gefahr er und das Werk aus Ohnmacht und Unterlegenheit heraufwuchsen. Beklommen und überrascht begreifen wir, wie fein Geist mit den gleichen Fragen rang, bie uns heute bebrängen. Die Forberung des übergeordneten Begriffes des Staates an sich, das Aufgehen in dem tieferen Grundsatz Staat und Ration, der leidensvolle 'Weg der Erkenntnis von einem zum andern und die Ucbertragung der gewonnenen Erkenntnis auf die Politik - das ist bet Weg, "den uns in biesem Buche ber wachsende, kämpfende, leidende und siegende Bismarck weist, ein Trost und ein Ansporn zugleich.
— JenseitsberGroß Mächte. Ergänzungs- banb zur Neubearbeitung der Großmächte Rudolf Kjellöns. Unter Mitwirkung erster Sachkenner herausgegeben von Professor Dr. Karl Haushofer. Mit 100 Kartenskizzen und graphischen Darstellungen. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Geb. 13,50 Reichsmark. — (123) — Das geopolitische Weltbild, zu dem Rudolf Kjellän in seinem berühmten Werk „Die Großmächte vor und nach dem Weltkriege" die Grundlage gelegt hatte, wird mit dem vorliegenden Buch zu einem organischen Gesamtbild des gesamten räumlich erfaßbaren politischen Lebens ergänzt. Das Werk Kjellsns hatte die Lebensfragen der Großmächte nach raumpolitischen Gesichtspunkten dargelegt und aus ihren Lebensnotwendigkeiten die kom
mende Weltkrise gefolgert. Der vorliegende Ergan- zungsband führt das Vermächtnis Kjellsns in beffen Werk sich bereits Ansätze zu einer solchen Gestaltung finben in seinem Sinne weiter. Währenb er in ben Großmächten bie Herren ber Gegenwart geschilbert hatte, ist bie oorlicgenbe Darstellung ben Großmächten ber Vergangenheit — Spanien unb Portugal, Skanbinavien unb Holland — ben sonstigen Klein- unb Mittelstaaten sowie ben kommenben übernationalen Organisationen gcroibmet. Besonbers würben die Linien herausgearbeitet, die aus der Vergangenheit in die Zukunft führen: übervölkifche Bildungen, zum Teil uralt, haben erst in der Nachkriegszeit Geltung gewonnen, und die Ideen eines Paneuropa, Panasien, Panamerika, panafrikanifche Zukunftsträume der panpazifische Gedanken- und Machtkreise scheinen in die Zukunft zu weisen. Der Text wird durch zahlreiche ausgezeichnete Kartenskizzen und graphische Darstellungen erläutert. Jedem an der Zukunft seines Volkes Interessierten, jedem aufmerf- famen Zeitungsleser wird das Buch eine Fülle von Aufschlüssen vermitteln und Ausblicke auf die kommenden .weltpolitischen Auseinandersetzungen eröffnen.
— Professor Friedrich Grimm: „Das deutsche Rein. Schluß mit der Reparation. Ein letzter AppelL“ Kartoniert 1.80 Mk. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. (118.) — Es gibt heute niemanden in Deutschland, dem es nicht klar wäre, daß es für Deutschland in der Frage der Reparationen nur einen Standpunkt geben kann: hartes, unerschütterliches Rein — völlige Streichung. Aber Deutschland muh auch wissen, daß es auch das Recht auf seiner Seite hat, selbst auf Grund des Vertrages von Versailles überhaupt nichts mehr zahlen zu müssen. Dieses neue Duch Professor Grimms, einem der besten Kenner internationalen Rechtes, der sich übrigens auch als deutscher Verteidiger vor französischen Kriegsgerichten an der Ruhr und am Rhein einen ausgezeichneten Namen gemacht hat, trägt Punkt für Punkt die Argumente zusammen, die wir der hysterischen Gier denjenigen unserer Gegner, die noch immer Reparationen von uns verlangen, entgegensetzen müssen. Erschütternd macht es Grimm in seinem Buch deutlich, daß der Leidensweg der deutschen Reparationen ein verzweifelter Kampf war, in dem es dem Gegner gelungen ist, aus dem deutschen Volke Summen herauszupressen, die bei weitem das übertreffen, was man als Grundlage für eine Wiedergutmachung der Kriegs» schädcn ursprünglich vorgesehen hatte und was dem tatsächlich durch den Krieg verursachten Schaden bei unferen Gegnern entspricht. Wir werden nichts mehr zahlen, weil wir schon viel zu viel bezahlt haben!
Psychologie uni» Pädagogik.
— Einführung in bie Psychologie. Von Professor Abolf D y r o f f. 26. bis 30. Tausend. 142 Seiten. Gebunoen 1,80 RM. Sammlung Wissenschaft unb Bildung. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (153) — In lebendiger Darstellung, die ihre Beispiele aus dem täglichen Leben, aus Literatur, Musik unb Kunst heranzieht, macht ber Verfasser vertraut mit ber psychologischen Erfassung ber Sinnen- weit unb bes Vorstellungslebens. Was über bie normalen Vorgänge ber (Erinnerung, bes Gebächtnisses, des Lernens bekannt ist, wirb hier mit sachlicher Kritik an falschen Auffassungen vorgetragen. (Ein- gehenb behanbelt werben bie Vorgänge bes Denkens unb Sprechens unb bie psychologisch wichtige Er- faffling bes Gefühls- unb Trieblebens. Ein letzter Kreis psychologischer Erscheinungen, in besten Mittel- punkt ber Wille unb die Willensfreiheit stehen, ist umgrenzt von bem Wollen, Können, Müssen, Dürfen unb Sollen. . „
— Bildungs- unb E r z i e h u n g s - Geschichte. Von Professor Dr. Richarb Muller-
r e i e n f e l s. Bank» I: Bis zum Ausgang ber An- tite 159 Seiten. Gebunben 1,80 RM. Panb II: Vom Mittelalter bis zum Ausaang ber Aufklärung. 146 Seiten Gebunben 1,80 RM. oammlung Wissenschaft unb Bilbung. Quelle & Meyer in Leipzig. — (152) — Müller-Freienfels beschränkt sich nicht auf eine alles Wesentliche prägnant tjerausarbeitenbe Darstellung ber päbagogischen Theorie unb Praris, vielmehr stellt er biefe im Rahmen ber gesamten Kulturentwicklung bar unb zeigt, welchen Einfluß Religion unb Sitte, Kunst unb Wissenschaft, Recht unb Kultur von alters» her auf bie Volkserziehung unb Menschenforschung nusqcübt haben. Er bezieht auch bie ägyptische, babylonische unb iranische Erziehung ein, bie ebenfalls unsere Päbagogen beeinflußt haben. Damit geht dieses kleine Werk über viele umfangreiche Lehrbücher hinaus, ,zumal auch bie indische unb chinesische Erziehung vergleichsweise herangezogen fmb. Ein
solcher Reichtum bes Inhalts war möglich burch geschickte Auswahl wirklich bebeutenber unb auch in ber Gegenwart noch beachtenswerter Erziehungstatsachen aus ber Bilbungsgeschichte vom Altertum bis zur 'Aufklärung. Das Werk zeigt in straffem Ausbau bie Periobik ber Erziehungsgeschichte in vielfach neuem Lichte; es arbeitet vor allem bie Typen päba- gogifcher Zielsetzung unb Praxis heraus, beren Kenntnis erst bas Verftänbnis für bie Vergangenheit er- schließt.
— Iugenderinncrungen von Jan L i g t h a r t. Aus dem Holländischen übertragen von Dr. Wilhelm Hcnß. Pädagogik des Auslandes, herausgegeben im Auftrag des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht von Professor Dr. P. Petersen, Jena, Dd. 4. Verlag Sy Döhlaus Rachf.. Weimar. — (117.) — Drosch 8 Mk, Ganzleinen 9,80 Mk. Die Pädagogik des vollen Lebens, eine Auswahl pädagogischer Aufsätze aus den Werken des „holländischen Pestalozzi Jan Ligthart (Dand Hl der Sammlung), hat überall dankbare Zustimmung und Degeisterung gefunden. Allgemein ist die Betonung der schlichten Größe und Bedeutung dieses Mannes und feiner Pädagogik nach Form und Inhalt. Mensch und Werk treten noch deutlicher vor unser Auge in der vorliegenden vollständigen Uebersetzung seiner Iugenderinnerungen. Wenn es die Wissenschaft des Erziehers ist, das Kind als Kind kennenzulernen, dann darf dieses Werk mit gutem Recht als wissenschaftliches Werk angesprochen werden. Die Quellen, deren sich Ligthart bei dieser feiner Wissenschaft bedient, sind Erinnerung und Erfahrung. Darum wird das Duch als lindes- und jugendpsychologifches Werk den Fachpsychologen ebenso wie den Pädagogen und Lehrer interessieren und wird dem Junglehrer und m pädagogischen Arbeitsgemeinschaften wertvolle Anregung gehen.
Reisen und Abenteuer.
— Richard Katz. Ernte. Des Bummels um die Welt zweite Folge. Verlag Allstein. Berlin. Preis: broschiert 4 Rkk., in Ganzleinen 6 Mk. — (116.) — Die „Ernte" ist daS fünfte Buch von Richard Katz. Diesmal zieht Katz einen großen Kreis vom Balkan über .Kleinasien, den Sudan nach Ceylon, Indien, die Südsee, Amerika, Cuba und Madeira heimwärts bis Prag, in die immer geliebte Heimatstadt. Don den Kolonialproblemen der Weltmächte bis zu den- kleinen Sorgen eines Perlensiscbers, von den Ananasplantagen bis zur waffenstarrenden Feste Oahu, von der Weisheit griechischer Mönche bis zu dem Schicksal eines kleinen Dergponys, von den "Bojaren des Orients bis zu den Wasserreitern Hawais tut sich das Panorama der Welt vor uns auf. Diese zweite Folge des „Bummels um die Welt" ist ist iiicht weniger bunt und fimterbunt als die erste, sie ist genau so unterhaltend, unausdringlich belehrend, Sehnsucht weckend, und sie ist mit dein gleichen verantwortungsbewußten Ernst und mit der gleichen Heiterkeit geschrieben wie alle ferne früheren Dücher.
— "Bei roten und weihen Abenteurern in Kanada. Don Armin O. Huber. Mit 8 Bildern nach Zeichnungen des Verfassers. Kart. 3,60 Mk., Leinenband 4,80 Rkk. Verlag von Strecker & Schröder in Stuttgart. — (198 ) — In den Vereinigten Staaten gibt es, feit die großen Düffelherden vertilgt, die Prärien in Kornfelder verwandelt und die Reste der Indianerstämme in engen Reservationen zusammengepfercht wurden, kein „Wildwest" mehr — Trapper und Scout, Cowboy und Goldsucher sind zu Filmhelden geworden, und ein Stück urwüchsiger Romantik scheint auf immer dahin $u fein. Mit Freude wird jeder, der damit eine heimliche Sehnsucht begrub, in dem Buche alles wiederfinden, was er längst verschollen glaubte: tollkühne Fahrten im schwanken Rindenkanu durch tosende Stromschnellen, Schneestürme auf vereisten Seen, Iagdabenteuer mit Grizzlybär, Elch und Moschusochsen, Begegnungen mit ungeheuren Karibuherden, die über die „öden Gründe" am großen Sklavenfee stampfen, Verbrecherjagden und Erlebnisse mit jagenden und fischenden Indianerstämmen.
Neue Kriegsbücher.
— Langemarck. Ein Vermächtnis. Worte von Josef Magnus Wehner, am 10. Juli 1932, zur Stunde, der Uebernahme bes Gefallenen-Friebhofs in Langemarck burch bie Deutsche Stubentenschaft, gesprochen an allen beutschen Hochschulen, oerbunben mit Briefen Gefallener. — 79 Seiten. Geb. 80 Pfg. Albert Langen, Georg Müller, München 1932. — (204.) — In biefen Tagen, ba man weithin in Deutschland ber bei Langemarck Gefallenen in Stolz unb Trauer gebucht hat, erschien biefes kleine Buch, bas ein Vermächtnis sein soll jener Toten von 1914 -an die Lebenden unb an bie kommenden Generationen. Es ist den deutschen Studenten geweiht unb wirb eingeleitet von der Gedenkrede Joses Magnus Wehners, des Dichters der „Sieben vor Verdun"; die schöne und ernste Ansprache klingt aus in bie Worte:
„Pflanzt bie Säulen bes Reichs In bie Verwesung ber Welt!"
Daran schließt sich eine Auswahl ber bekannten, von Professor Dr. Philipp Witkop herausgegebenen Sammlung „Kriegsbriefe gefallener Studenten" an: ein kleiner Chor längst verstummter Stimmen, aber ein über das schmucklose Grob hinaus lebendiges Bekenntnis jener bamals jungen Generation. Man soll diese Briefe besitzen und lesen, denn sie gehören zu den gültigen und bleibenden deutschen Dokumenten aus dem großen Kriege. —
— Das Gesicht der Westfront. Ein Kriegsdokument und Erinnerungsbuch. Von Ernst Dollbehr. Kricgsmaler im Großen Hauptquartier Herausgegeben von Dr. Otto KorfeS, Archivrat im Reichsarchiv unter Mitwirkung von Kronprinz Wilhelm, Generaloberst v Einem, General der Infanterie v. Eberhardt. Generalmajor Hesse, General der Infanterie v. Hutier, General der Artillerie Kraft v. Dellmensingen, General der Infanterie v Mudra, Admiral von Schröder, General der Infanterie Sixt v. Armin General der Infanterie v. Stronh. Mit einem Geleitwort von Generalfeldmarschall v. Hindenburg Mit 26 Tafeln in Vierfarbendruck und 80 Abbildungen im Text, zum Teil in Vierfarbendruck. Das Werk erscheint in sieben monatlichen Lieferungen zum Preise von je 4 Mk. und kostet nach Abschluß gebunden 32 Ml. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H. Potsdam. (129?) - Ein unschätzbares Dokument für jeden Mitkämpfer und ebenso für jedermann, ber ben Krieg bisher nur vom Hörensagen kannte. Ieht sieht er bie Westfront, weiß jetzt, was der Begriff „Damenweg", „Aisne-Grund"', „Verdun". „Champagne". „Somme", „Flandern" bedeutet. Denn diese farbigen Tafeln, diese vielen, genau detaillierten Skizzen und sonstigen Kriegsbilder sind während der Kampfhandlungen gemalt, und der Künstler, Ernst Vollbehr, hat im Kampfflugzeug und Fesselballon oder in dem vordersten ®räben oft genug sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diese Originaltreuen Bilder zu schaffen. Da das geplante Kriegsmuseum dem Versailler Vertrag zum Opfer fiel, lag Vollbehrs gewaltiges Werk jahrelang ungenützt auf dem Speicher und wird erst jetzt zum erstenmal in Buchform der Oeffentlichkeit zugänglich gemocht. Wenn man diese Bilder betrachtet, dazu diese mit wissenschaftlicher Treue ausgesührten Orientierungd- skizzen und sonstigen Kriegsdarstellungen, dann begreift man. daß hier für jeden Frontkämpfer endlich das lang ersehnte Erinnerungsbuch geschaffen ist. Lind wieviel wird dieses Werk auch ber jungen Generation zu saaen hoben, die die „Pflicht der Erinnerung" in sich verspürt und wenigstens in Wort und Bild teilhaben will an den Schicksalsjahren unseres Volkes! Daß dieses dokumentarische Material zugleich ein geschichtliches Quellen- und Studienwerk von kaum zu überschätzender Bedeutung ist, leuchtet nach bem Gesagten ohne weiteres ein und wird noch im besonderen durch den Texteil bestätigt, der in konzentrierten Kapiteln von der Hand unterer Heerführer die Kriegsgeschichte der einzelnen Frontabschnitte bietet-


