Nr. 45 Drittes Blatt
Oiefiener Anzeiger tiveneral-Anzelger für (Dbertfeflem
Samstag, 20. Z-'brua' 1952
Jtanonoieu
3n einer Stadt ist au- den KricgSjahren ein Ragel-Standblld als Zeichen de- Opfcdinne» der Heimat erhalten An feinem Godel findet sich diese- Wort: „Loh Wanderer tönen die Sorten der Liebe, es rufen um Hilse die Opfer der Schlachten und wo- Du auch Ipcnbcft, D u bleibft in der Schuld" — Täglich schreiten > Tausende Wcnichen an diesem Denkmal vorüber, wteviele mögen unter ihnen sein, die auch an diesem Dort schon vorübergehen? Gewiß, eini* mbere Ze't ift oefv-m-"
WANDERER VERWEILE IN ANDACHT UND KÜNDE ZU HAUSE WIE WIR ALS
rC^IN T.REUE IZUR HEIMAT
(Bcöemflcin für die deutschen Gefallenen auf Dem Soldaten Friedhof in Montdidier (Frankreich).
sehen, und der grobe Krieg liegt eigentlich schon so weit, neue Aufgaben, neue Sorgen sind erstanden und da- Leben ist hart, aber, und an diesem „aber" der Gefallenen löscht keiner auch nur einen Buchstaben „D u b l e i b st in der Schuld". — Da- ist ein Aus an jedermann und diesen Ruf in jedermann immer erneut zum wachen, verpflichtenden Bewußtsein zu bringen, ist der tiefste Sinn de- jährlichen BolkStraucrtagcs für die Toten des Weltkriege-.
In diesem Jahre gibt dieser hehre Gedenktag eine eigenartige Perspektive zu den Genfer Abrüstung-Verhandlungen. Zwischen dem Weltkrieg und dem jetzigen Ringen um einen irgendwie ersehnten Welt-Frieden spannt sich die dämmernde Erkenntnis der ganzen Grosze und zerstörenden Furchtbarkeit eines Krieges, wie der letzte einer war Run haben in Genf alle vertretenen Völker eine einzigartige Gelegenheit, einen Teil der groben moralifchen Schuld an die Gefallenen dieses groben Kampfes abzutragen. Denn die Gefallenen sind für den Frieden in den Tod gegangen, so zeigen sie uns auch heute die Ausgabe, für den Frieden zu arbeiten. Möchte viel Geist von solcher Erkenntnis die Verhandlungen in Gens beherrschen.
Deutschland trägt schwer die Last des verlorenen Krieges. Das Mab dieser Last ist riefen-
Von Geld und Lebe.
Roman von Greie von Saß.
Copyright by IRmrttn Feuchtwangrr, Hall«
17. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Vor Ladenschlust nahm dann der Geschäftsführer. der sich plötzlich darauf befann, dab Helene Schadow für die Firma eine wertvolle Kraft gewesen, Gelegenheit, ihr ein paar ermutigende Worte zu sagen.
„Sie werden die Kündigung doch nicht schwer nehmen. Fräulein Schodow? Sie finden doch jeden Aiigenblick eine andere Anstellung — bei Ihrem Aussehen, Ihrent Wuchs. Sehen Sie sich nur beizeiten uml Es muh ja nicht in der Pelzbranche fein."
Helene erwiderte kühl, daß sie keine Sorge Darum habe.
Er öffnete die Tür vor ihr. Sie trat auf die Strohe, atmete tief und befreit auf. Es war ein warmer Maiabend. Helene entfchloh sich, den Heimweg zu Fuh zu machen. Sie muhte über den Fahrdamm. wartete das Vorüberfahren eines Autos ab. In dem Augenblick trat ein Herr neben sie. zog grühend feinen Hut. Sie dachte nicht daran, daß der Gruft ihr gelten konnte, und überschritt den Fahrdamm. Auf der anderen Straßenseite angelangt, bemerkte sie. dah der Herr ihr gefolgt war Er grühte noch einmal. Indem er seinen Hut tief vor ihr zog. trat er in respektvoller Haltung auf sie zu.
.Gnädiges Fräulein verzeihen, da ft ich mir die Freiheit nehme, Sie hier auf der Strohe anzureden." Ä
Run erst erkannte ihn Helene. Es war der Käufer des Hermelinfchols. Sie streifte ihn mit einem kühl fragenden Blick. Er sieht nicht aus wie einer, der ein Abenteuer sucht, stellte sie im stillen fest, ilnö dennoch fragte sie in un« geduldigem Ton. was er von ihr wünschte? Richt einen Moment blieb sie stehen. Sie ging weiter und der Herr neben ihr her.
„Gnädiges Fräulein, ich wollte mir erlauben. Ihnen einen Vorschlag zu machen, der Sie gewih interessieren wird."
Sie wuhte nicht, was das sein mühte, das jetzt imstande wäre, ihr Interelle zu erwecken. Der Herr an ihrer Seite sprach weiter:
.Gnädiges Fräulein, es ist fast unmöglich. Ihnen hier auf der Straße meinen Vorschlag zu unterbreiten. Wenn ich mir erlauben Dürfte, Sie einzuladen, mit mir in ein Restaurant oder Gase zu kommen. Es würde mir die Sache, die ich vorhabe, wesenllich erleichtern. — — Rein. Sie wünschen das nicht? Ich begreife — Sie kennen mich nicht. Sie gestatten, daß ich mich Ihnen vorstelle: 'Doktor Hahn. 5ilmregi[fcui/
gtob ruhl aut Dielen schwachen Schultern, llnb wenn Rot einigen kann, so kann sie doch aud) trennen In Tcui'dland hat die Rot getrennt, schon streiten die Brüder Da kommt wieder der Dolk-trauertag und mahnt ..Du bist in der Schuld!" Deutscher, denke daran, auf welchem Platze du auch stehst, deine toten Krieger starben unter Preisgabe ihres eigensten Lebens, um daS Gemeinsame zu retten da- Vaterland
..Sie führten da- Schwert. Sei Du Ihrer wert!"
Das kann nur heißen. am VoU-trouertag geloben, über Perfon und Partei da- größere Ziel sehen und hierfür Dienst tun Deutschland
Die telegraphische Berichterstattung über die Vorgänge in Ehina droht unsere ganzen Zeitbegrisfe über den Haufen zu werfen. Fast jeder Leser wird die Erfahrung gemacht haben, dah die Meldungen, die er liest, mit feiner eigenen Uhr kaum in Einklang zu bringen sind. Wieso das kommt? Wir merken eben hier, dah die Uhrzeit, mit der wir rechnen, nur ein relativer Bear i f s ist. Den Ameri. kanern, die ja in ihren Meldungen febr stark auf Europa angewiesen sind, ist das längst in Fleisch und Blut ubergegangen UnS aber, die wir aus dem Osten verhältnismäßig wenig hören, ist danach etwas ganz Reue- Wir müllen uns eben nur klar machen, daß die Zeiteintei ung ei es jeden Ortes von der Sonne abhängig ift und dah die Sonne nun einmal im Osten früher auf. geht als im Westen. Das bedeutet praktisch, dah in Schanghai fast acht Stunden frühe r M i 11 a g ist al- bei unS. während in R e u- ho rk etwa sechs Stunden später die Mittag-glocken läuten als in Europa Ein bekannter Historiker pflegte im Kolleg feine Hörer
damit zu überraschen, daß er ihnen oorrechnete. wenn zur Zeit der Türkenkriege bereit- das Telephon bestanden hätte, bann würden die Reu. Dörfer von dem Au tauchen der Türken vor Wien früher erfahren haben, al- die Türken tatsächlich da waren. Eine ähnliche Erfahrung können wir eigentlich jetzt jeden Tag machen Wenn die Japaner die Forts von Rauling um 4 Uhr nachmittags beschießen, dann ist es in Europa erst 8 Uhr früh Es wäre also durchaus denkbar, dah die entsprechende telegraphische Meldung früh genug zu uns gelangt. um bereit- in den Mittags- jcitungen zu erf Heinen. Der Deutsche würde also um ein Uhr mittag- lesen können, wa- nachmittag- um vier Uhr geschehen ist. die Zeitung würde sich fo zu einer Art vorwört-gerichteten Propheten entwickeln. Wir müllen uns eben darüber klar Werdern dah darin ein Trugschluß liegt, daß zwischen der Uhrzeit und der absoluten Zeit ein Untcrfhicb besteht, der ja auch in der Praxis dazu geführt hat. daß auf dem 180 Längengrade, also auf der andern Hälfte ocr Weltkugel eine Da tu m-grenze geschaffen wurde, um die verschiedenen Kalenderdifferenzen untereinander auSzugleichen. Diese Datums- grenze. die nicht genau zum 180. Längengrade Der- läuft, sondern nautisch und wirtschaftlich bestimmt ist, zwingt Schiffe, die von Westen nach Osten fahren, einen Tag doppelt zu zählen, Schiffe dagegen, die von Osten nach Westen fahren, einen Tag au-fallenzu lassen. Dabei wird der Terminkalender notdürftig aufrechterhalten, weil fonft auf einer Reife um die Erde ein voller Tag gewonnen werden würde, ebenso wie ein Flieger. dellen Flugzeug die Umdrehungsgefchwindig- feit der Erde um die Sonne übertrifft, theoretisch in die Vergangenheit hineinfliegen würde. Aber das ändert nun einmal nichts daran, dah alles zeitliche Geschehen von der menschlichen Einrichtung der Uhr und des Kalenders unabhängig ist.
LandwirWast und Genossenschaften.
Vortragskursus über landw. Genoffenschastswesen an der Landesuniversität.
Der 6. DortragSkursu« über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen in Gießen, zu dem da- Land- wirtfchastliche Institut der Landesuniversität Diehen, der Verband der Hessischen landwirtschaftlichen Genoffenschaflen in Darmstadt und der Ländliche GenosfenschastSverband, Raisseisen, in Frankfurt a. M. eingeladen hatten, sand eine sehr rege Beteiligung
Als Vertreter des Rektors der Universität begrüßte der geschästsführende Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts, Prof. Dr. S e f f o u s. die Kursteilnehmer, zugleich auch im Ramen der Veranstalter. Er betonte die Rotwendigkeit, stets wieder für die Stärkung und Verbreitung des genossenschaftlichen Gedankens und für tatträf» tige Selbsthilfe zu werben.
AIS erster Redner sprach Pros. Dr. Mom - bert, Gießen, über
„Weltkrise und Landwirtschaft".
Der Vortragende ging von den Ursachen der Weltkrise aus. Diese nahm ihren Ausgangspunkt von Deutschland, wo im Jahre 1929 die sremd- ländischen Kredite abnahmen, die Kapitalflucht einsehte und eine Vertrauens- utfb Deflationskrise um sich griff. Diese Entwicklung wurde verstärkt, als vom Frühjahr 1931 ab der deutschen Wirtschast gewaltige Mengen fremden Kapitals entzogen wurden. Die Krise, die in den Vereinigten Staaten ausbrach, beruhte dagegen auf einer mit Epekulation-ausschreitungen verbundenen Ueberproduktion. Die Folge war ein gewaltiger Preiszusammenbruch, unter dem auch die
Landwirtschaft schwer zu leiden hat. Mit diesem Preisniedergang wichtiger Roh- und Agrarstosse in den Uebcrseeländern ging deren Kaufkraft für europäische Induftrieprodukte fehr stark zurück, wodurch eine weitere Verschärfung der europäischen Wirtschaftskrise eintrat. Rach der gleichen Richtung hin waren die starken Goldzuflüsse nach Frankreich toirffam, die zur Folge hatten, daß damit vor allem in England und Deutschland daS Kreditvolumen eingeschränkt werden muhte. Rur nach der wirtschastlichen Seite hin kann man heute mit allem Vorbehalt gewisse Tendenzen erkennen, die vielleicht aus eine günstige Entwicklung hinwirken können. Sie liegen in einer Rückkehr der gehamsterten Beträge zu den Sparkassen und in einer gewissen Verflüssigung des deutschen Geldmarktes. '2lod> wichtiger find jedoch die Pläne, die augenblicklich in den Vereinigten Staaten dazu dienen sollen, das Kreditvolumen zu erweitern. Wenn dieser Versuch gelingt, dann werden auch die Preise allgemein an^icbcn. Ein günstiger Einfluß aifl die Lage der deutschen Landwirtschaft wäre die Folg.-.
Den zweiten Vortrag hielt Oberregierung-rat Morne weg, Darmstadt, über:
„Organisatorische Maßnahmen im Hinblick und auf Grund deS ReichSmllchgeseheS".
Er führte u. a. aus: Es gibt wohl kaum ein Gebiet des landwirtschaftlichen Warenabsatzes, auf dem eine größere Verworrenheit und ein unwirtschaftlicheres Absahsystern herrscht, als auf dem Frischmilchmarkt. Preise, wie sie in zahl-
Helene dachte flüchtig: Was mag er nur wollen? Seine Begleitung war ihr unsäglich lästig.
Doktor Hahn fragte, ob sie Interelle für den Film habe?
-Richt gerade sehr großes", gestand sie.
Er sah sie an. überrascht, ein wenig zweifelnd.
„Das soll ich Ihnen glauben? Rein, das können Sie nicht von mir verlangen. Es gibt ja in ganz Berlin nicht eine junge hübsche Dame, die nicht Filmdarstellerin werden mochte."
Sie antwortete nicht, dachte: Wozu höre ich mir den Unsinn an?
Doktor Hahn rückte mit seinem Vorschlag heraus.
„Gnädiges Fräulein. Sie sollten zum Film gehen. Ich bin überzeugt davon, Sie würden Karriere machen. Sie haben das Zeug dazu, Begeisterung zu entflammen, hinzureihen."
Sie sah ihn mit einem matten Lächeln an und sagte
„Ich habe nicht die Absicht, Herr Doktor."
Heber Doktor Hahns hageres, bartlose- Gesicht glitt ein Lächeln.
.Verzeihung, daß ich widerspreche. Jede Frau will das. Es ift ja die Aufgabe der Frau, zu gefallen, Freude zu geben — die eine fo, die andere so. Ratürlich lann nicht jede zum Film. Sie konnten es. Eie sind geschaffen dazu. Als ich Sie heute sah. stellte ich Eie gleich vor den Kurbelkasten. Herrlich — herrlich mühte das sein, dachte ich mir habet.
Ich habe nämlich demnächst ein Filmdrama auf die Leinwand zu bringen. Dies Drama wird fich die Welt erobern, und zwar auf Grund dieser Erkenntnis: Daß das Volk im tief ft en Grunde seine- Seins eine unstillbare Sehnsucht nach Reinheit und Haren Seelen hat. Die Heldin des Dramas: ein Mädchen, das um seiner Unschuld willen leibet Dies Wesen — hauchzart, mit einer in Keuschheit bewahrten Seele — müßten Sie wundervoll verkörpern können. Hätten Sie nicht Luft, gnädiges Fräulein? Reizt Sie diese Aufgabe nicht? — Sagen Sie. Ja. Doktor, ich will versuchen. sie zu lösen."
„Wie könnte ich das? Ich habe ja keine Spur von Talent"
„Doch - doch! Sie haben ein großes Talent Es ift Ihnen nur noch nicht zum Bewußtsein gekommen. Ich bilde es aus. Geben Sie mir die Möglichkeit dazu!"
„Ihr Vorschlag ift gewiß gut gemeint. Herr Doktor, aber ich kann ihn nicht annehmen." Sie blieb ftehen. „Haben Sic Dank für Ihr Interesse. Auf Wiedersehen!"
Eie wollte gehen. Er legte mit beschwörender Gebärde seine Hand auf ihren Arm.
„Gnädiges Fräulein, ich bitte Sie, das kann doch nicht Ihr letztes Wort in dieser Sache fein? Eie ahnen wohl nicht, was Sie von sich weisen:
Die Möglichkeit, Ruhm und Reichtum zu erlangen?“
Ein ungewolltes, ironisches Lächeln glitt über Helenes Antlitz. Doktor Hahns Gesicht hatte sich im Eifer des Gefechts gerötet, seine großen schwarzen Augen hatten auf einmal einen finsteren Ausdruck.
.Sie belächeln das. was ich Ihnen sage, und doch ist cs so. Sie können sich darauf verlassen, daß ich Sie lanciere. In absehbarer Zeit sind Sie unter unseren bedeutenden Filmdarstellerinnen eine der beliebtesten. Sie werden ein Vermögen verdienen."
Ein Vermögen verdienen! Diese Derheihung weckte nun doch ihr Interesse.
»Ich will es mir überlegen, Herr Doktor — da- muß ich doch?"
.Ja. selbstverständlich. Ich gebe Ihnen meine Karte, llnb bitte Sie, mir innerhalb einer Woche Bescheib zukommen zu lassen."
Sie nahm bic Visitenkarte, bie er ihr reichte.
.Ihren Ramen weih ich nicht, gnäbiges Fräulein. Wenn Sie ihn mir nicht nennen wollen, bann könnten wir vielleicht ein Kennwort ver- abreben?“
„Richt nötig!“ Sie nannte ihm ihren Ramen.
Als sie bic Treppe zu ihrer Wohnung hinauf- stieg, blieb sie vor der Tönniesschen Entreetur unentschlollen stehen. Sie überlegte, ob fic nicht einfach klingeln sollte und Eva. die gewiß öffnen würde, sagen, daß sie Hans-Achim sprechen müsse.
Aber wenn nicht Eva, sondern die Geheim- rätin die Tür offnen würde? Rein, sie wollte es doch lieber sein lassen. Hans-Achim könnte es nicht recht fein. Eie würde gut aufpassen, vielleicht, dah sie ihn noch heute sah.
Und wenn nicht — morgen würde sie ihn bestimmt sehen.
HanS-Achim blieb für Helene in den nächsten Tagen unsichtbar. Eie geriet darüber von Tag zu Tag mehr in Unruhe, denn sie brannte darauf, ihm fagen zu können. Sieh, dies unglaubliche Glück bietet sich uns!
Indessen vermied Achim es absichtlich, Helene zu begegnen, obgleich er voll sehnsüchtigen Verlangens nach ihr war.
Helene bewohnte das Zimmer, das sich über dem seinen befand. Es geschah zuweilen, daß er durch feine Zimmerdecke hindurch ihren leichten Schritt horte. Das war schon früher so.
Und wie oft hatte dieses huschende 2Iuf und Rieder den Wunsch in ihm erweckt, Helene noch einmal zu sehen, obgleich er kurz vorher mit ihr zusammen gewesen war.
Um dies zu ermöglichen, hatte man miteinander ein Zeichen verabredet. Hans-Achim muhte an die Decke Hopfen. Für diesen Zweck hatte er einen langen Geöirgsstock in sein Zimmer gestellt. Trat er auf einen Stuhl, so tonnte er mit
reichen Produktion-gebicteii gezahlt werden, müssen zum oölligcn Zusammenbruch unserer Milch» wirtschaft fuhren Es muß versucht werden, nach Möglichkeit Zusammen chlusic der Erzeuger und der Verarbeiter von Milch auf freiwilliger Grundlage zustande zu bringen Es empfiehlt fich. bereite zufammengeschloffene Gruppen in einen Zusammen chluß cinzuglicdern Ale Rcchteform für einen ZwangSzufammenlchluß kommt die Form der eingetragenen Genoffenfchaft nicht in Frage. Der Zwangscharakter widerspricht zwar dem Wefcn der Selbstverwaltung im Genossenschaftswesen, mit einem ausschließlich freiwilligen Zusammenschluß wird aus die Dauer aber wohl kaum etwas erreicht werden Aus diesem Grunde ist der § 38 des Reichsmilchgesetze- geschaffen worden, der bei verständnisvoller Anwendung Ordnung auf dem Frifchmilchmarkt zu fchaffen ermöglicht und der Landwirtschaft zu einer auskömmlichen Rente au- dem Kuhstall verhelfen kann.
„Der gegenwärtige Stand der gcnvffenschast» lichen Vieh- und Eierverwe tung in Ober» Hessen und Rassau"
war das Thema deS solgenden Vortrag- von LandwirtschaftSlchrcr Frech, Darmstadt. Die ersten Vi<bverwertungegenosscnschasten in Rassau wurden 1929 gegründet, in der Provinz Ober- beffen 1930 In beiden Provinzen bestehen b»S heute insgesamt 25 Vlehverwertungsgenosfen- schäften mit rund 5000 Landwirten als Mitgliedern AuS Oberhcffcn wurde au-fchlicßlich der Frankfurter Viehhof befchickt. Der Zufamrncn- fchluß in solchen Genossenschaften läßt Preise erreichen, die den Rotierungcn deS Frankfurter Vichhoses entsprechen und macht unabhängig vom Handel und von der Zeit der Diehablieserung: die Genossenschaft nimmt jederzeit das Vieh ab. Die Ausnutzung der allerdings erst zweijährigen Erfahrungcii wird den Mitgliedern noch großen Ruhen bringen können. Die Eiervcrwcrtuna in firanfiurt a M eröffnete im Juni 1929 ihren Betrieb AuS Obcrheffen schloffen sich ihr 37 Örtliche und Bezirksgenossenschaften an; außerdem wurden noch sechs selbständige Eierverwcr- tungsgenossenschasten ins Leben gerufen. Von den durch die Zentrale Frankfurt a. M. verwerteten Eiern stammen 70 Prozent von norddeutschen Eierzcntralen und nur 30 Prozent andern rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet Da« Streben muh fein, die genossenschaftliche Eierverwertung so billig wie möglich zu gestalten, um den Erzeugern höhere Gewinne zuweisen zu können.
Im w iteren Derlau'c der T gung sprach Ober» Deterinärrat Dr. Roßkops, Gieheii. über:
„ReichSmilchgeseh und Luberkulosetilgung-» versahren".
Das RcichSmi'chgcsetz schützt die Milch al- wichtigstes landwirtschaftliches Rutzungsprodukt vor weiterer Entwertung auf dem Weg der Standardisierung, das Luberkulosetilgung-verfah- ren schützt die deutsche Rinderzucht vor ihrem schlimmsten Feind, der Tuberkulose. Mit beiden Gesetzen soll ein ErhaltungSschuh deS ländlichen Teils des Rationalvermögens erreicht werden. 2m Reichsmilchgesetz hat der Gesetzgeber eine Anzahl von Krankheiten des RindeS ausgcsührt. mit denen die Milch nach Herkunft und Bcschas- senheit nicht tn Zusammenhang stehen darf Darüber hinan- ist zwingend gefordert, daß die Betriebe, die Vorzugs- und Markenmilch herstellen. dem staatlich anerkannten freiwilligen Tuberku- losetilgungsverfahrcn angeschlossen sind. Diele- Verfahren ist in Hessen leit dem 1. August 1931 eingeführt. ES gehören ihm jetzt schon eine große Anzahl von Beständen an. Die Vorteile de- Verfahrens für die angefchloffencn Betriebe liegen in der wirksamen Erfassung der offenen Hilfe des Gebirgsstockes die Decke erreichen. Kaum war daS geschehen, klappte die Schadowfche Korridortür und Helene huschte die Treppe hinunter. HanS-Achim folgte ihr und auf der Straße traf man sich. Dann machten Sie einen abendlichen Gang durch die stille Straße und genossen da- Rebeneinanderherschrciten
Das durfte nun nicht mehr sein. Der Gebirgsstock stand noch immer hinter dem Kleiderschrank, aber Han- Achim dachte nicht daran, ihn hervor- zubvlen, wenn der huschende Schrill über ihm war.
Er setzte sich in feinen Schreibtifchfcfsel, barg sein Gesicht in seine Hände, lauschte auf jeden Schritt, der über ihm vernehmbar war und stöhnte wie einer, der von Schmerzen gepeinigt wird.
Es gibt Menschen, die ein Talent haben, fich das Leben schwerzumachen. zu denen gehörte Hans-Achim Tönnies Es siel ihm auch schwer, entscheidende Entschlüsse zu fassen. Sollte er aller Wirrnis und aller Rot, in die er verstrickt war, dadurch ein Ende bereiten, daß er Rose Münch- meycr heiratete? Sie wartete auf ihn - - wartete feit einer Woche tagtäglich auf seinen Besuch, den er ihr versprochen halle.
Fast hätte er sein Versprechen vergessen Durch Eva wurde er daran erinnert. Sic erzählte ihm eine- Abends:
„Heute ist Rose Münchmeher bei uns gewesen. Sie hat im Auftrage ihres Vater- Mama cin- gclaben, ein paar Sommerwochen mit ihnen an der Lee zu verleben. Mama wollte ablehnen. Aber ich habe ihr so lange zugeredet. bi- sic schließlich zusagte Mama hat eine Erholung fo sehr nötig. Weiht du. wir dürfen die Beziehungen zu Münchmeyers nicht lockern. Ihre Freundschaft ist doch sehr wertvoll für uns. Wir sind ihnen auch verpflichtet, weil Herr Münchmeher »dir die Anstellung gegeben hat. Meinst du nichts
3m Laufe des AbendS kam Elli Taube zu Eva, um ihr etwas sehr IntercffanteS mitzu- teilen. HanS-Achim war zugegen.
„Was sagen Sie dazu: Lene geht zum Film?" Eva war starr vor Staunen.
„Wie ist sie daraus gekommen?"
„Ja, wie? Wir waren über ihren Entschluß auch baff- Ein Herr, der sie im Geschäft gesehen hat, überredete sie dazu. Er ist Filmregisseur. Will fic ausbildcn. Prophezeit chr eine große Zukunft. 3m Juni geht dieser Herr nach Hollywood. Lene wird mit ihm gehen'
..Mit einem Herrn, den sie nur flüchtig kennt?" Eva schüllelte den Kopf, sand Helene DchadowS Entschluß ungeheuerlich. Sie sah Hans-Achirn nach, der das Zimmer verließ. Sie fühlte ihm nach, daß ihm das Gehörte sehr naheging. Elli sagte:
„Lene hat verständigerweise die Beziehungen zu Achim gelöst, da sie doch zu nichts führen tonnen."
l Fortsetzung folgt)


