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B. mebrf. Sieter furnriftifl. Io- fortgeludit.grtiriit- lidic Cilangebole unter 0371 an den Giehener Anzeiger,.

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Nr. 16 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch, 2J. Januar 1952

Jugend und Hochschule.

Bekämpfung der akademischen Berufsnot.

3n Berlin wird gegenwärtig eure Zentralstelle gebildet, die sich zur besonderen Ausgabe stellt, der akademischen BerusSnot Abhilfe zu schassen. Ls bedars keiner längeren AuSiührungen von der Bot, die die Uebersüllung der akademi­schen Beruse mit sich gebracht hat oder der schwe­ren Gefahren. die dem kulturellen Leben Deutsch­lands damit drohen. Die Ursachen für die Heber- süllung sind mannigfach Tiefgreifende Wandlun­gen in der Struktur deS kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Leben- haben stattgefunden. gestei­gerte Bildungsbedürfnisse. h.here An oiderungen an die Vorbildung, zunehmende äleberschätzung akademischer Bildung und die Unmöglichkeit des Unterkommen- in anderen Berusen haben insbe- sondere den Zustrom zu den Hochschulen bewirkt. Da- überspannte Berechtigung-Wesen hat diese Entwicklung weiter gesördert. Man wird selbsi bei einer Besserung der Wirtschaftslage keines­falls auf eine baldige oder gar völlige Beseitigung der BerusSnot hoffen dürfen.

AuS dieser Erkenntnis ergibt sich die Frage nach Mahnahmen, die geeignet sind, zur Min­derung der Rot der Akademiker beizutragen. Man wird von zwei Gesichtspunkten au-gehen müssen. Einmal muh der Zustrom zu den akade­mischen Berufen eingedämmt werden. Zum anderen kommt eS darauf an, den jungen Menschen, die ihr Studium gerade abgeschlossen haben oder in Kürze abschließen werden, zu Hel­sen. Hinsichtlich der Uebersüllung der Hochschulen wird man zu einer scharfen AuSlese nach Begabung, Leistung und Eharakter bereits auf der höheren Schule kommen müssen. Daneben sind durch Zwischeirprüfungen und am Eingänge der einzelnen .Oberseminare" die wahrs Hein.ich Ge­eignetsten auszuwählen. Die Einführung eines nunicrus clausus dürste wegen der unsicheren Dc- darssseststellung der einze.nen Berufe und infolge anderer Bedenken zu keinem brauchbaren Ergeb­nis führen. Droh der Erkenntnis der großen Ee- sahren ist eS bisher nicht gelungen, die Ucberfül- lung der Hochschulen einzuschränken. Baldige Maßnahmen sind aber unumgänglich.

Zu den, anderen Gesichtspunkt, wie den vielen Jungakademikern in ihrer Beru 6not ge­holfen werden kann,, ist aus drri Möglichkeiten hinzuwei en. Erstens: Beschaffung vonAr- b c 11 mit Berd enstmöglia.keit ^wc tens: Ciruich- tung von Kursen zur beruflichen Fort­bildung otcr 11 m f d) u I u n g. Drit cns Aus­bau einer besonderen Akademikerfürsorge.

Will man den Akademikern Arbeit verschaffen, so soll man zunächst versuchen, ihnen Betätigung in ihrem Beru'e zu ermöglichen. Das bedingt eine Vcrbcslerung der heutigen Einrichtunen ter Stellenvermittlung LZ fehlt d r Ilebcr- b(id über das Angebot sowohl von Arbeitsstellen als auch von Arbeitslräftcn. da weder die öffent- HJ en Arbeitsnachweise, noch die Stelle-.vermitt- lungcn der Berulsverbände die Mehrzehl der An­gebote erlas en. Da aber häufig die vorhandene Arbeit ni ;t ausreichen wird, einen Akademiker voll anzuslcllen. w rd man auch der Bermittlung von gelegentlicher Arbeit und Heiniarbeit beson­dere Beachtung zuwencen müssen.

Beben den erwähnten Mahnahmen. die eine besfere Verteilung der vorhandenen Arb:it aus der Grundlage der Beru Soorstilduni bezwecken, wird versucht w r en muffen, Ak dcmiker auch in Berufszweigen, die ihnen bisher nicht offen- standen, unterzubringen: d b. die Versuche der Bedarfswcckung für Akademiker ver- b cnen ern ha le Unterstützung. W.it.-r kann man der Berussnot dadurch begegnen daß mit Hille der produktiven Erwerbslosensü.sorge ..gei­stige A o t st a n d s a r b e i t e n' durchgcsührt werden. Diese Arbeiten k nnen körperlicher wie gc ftiger Ratur sein. Jnsae'ondere fan en stall­st fäx Erst bangen Ct nen von Bibl oth e usw. jungen Akademieen eine Ze Lang Bescyä ligung

und geringen Derdienst verschaffen Auch gehört hierher die Beschäftigung in Arbeitslagern. Beben der Beschaffung von Arbeit mit Derdienstmeglich- keit ist die E i n r i ch t u n g v o n K u r s e n . die der beruflichen Fortbildung und der Umschulung für den Uebergang in verwandte Berufszweige dienen, von großer Wicht gkeit. Äonhctc Ansätze sind auf dem Gebiet der technischen Berufe be­reit- vorhanden. Die geistige Akademilerhilse wird sich aber auch daraus erftreden müllen, den er­werbslosen Akademikern einen verb l taten Besuch von Theatern, Konzerten und öffentlichen Dor- trägen, sowie den verbilligten Bezug von Zeit­schriften und Büchern zu ermöglichen. Schließlich

follen noch die Fürsorgemahnahmen er­wähnt werden, die sich auf Bermittlung von bil­ligen Speisungen, Kleidung und Wohnung be­ziehen. Es genügen hier kurze Andeutungen. Die Fürsorgemaßnahmen können und sollen sich aber auf den KreiS der wirklich Bedürftigen beschränken.

Alle diese Mahnahmen, die geeignet sind, der furchtbaren BerusSnot der Akademiker einiger- masten zu begegnen, sind sehr zu begrüben und es ist nur zu wünschen, dast einer schnellen und intensiven Durchführung der Akademilcrhille keine unnötigen bürokratischen Schwierigkeiten bereitet werden

Als Werkstudent nach Liberia.

Wagehalsige Expedition eines jungen deutschen Zoologen.

Don Egon Larsen

Dem Mutigen gehört die Welt daS beweist, allen Krisen zum Trotz, der junge Berliner Stu­dent Otto SchulA-Kampfhenkell

Inmitten eifrigster Beisevorbercitungen trifft man den 21 jährigen Zoologen in seinem provisori­schen Hauptquartier, von dem aus der Vorstoß bi- ins Innere der afrikanischen Begerrepublik Liberia unternommen werden soll. Der grobe blonde Junge, dem man aus den ersten Blick Energie und Unternehmungsgeist ansieht, erzählt die romantische Dorgeschichte seiner bevorstehen­den Beise in die Tropen

In Wien und Freiburg im Dreisgau habe ich Zoologie studiert. Aber niemals haben mir die Wissenschaft chen QBäher daS zu geben ver­mocht. waS ich mir ersehnte: die unmittelbare Berührung mit der Batur dort, wo sie am wildesten, am sremdesten und am interessantesten ist Der Wunsch nach Beisen und Abenteuern liest mir keine Buhe Die ersten drei Semester, die ich in Freiburg studierte, fern von meinen Eltern, liest ich nicht verstreichen, ohne einen ersparten Pfennig meines Monatswechsels auf den anderen zu legen. Es war nicht ganz einfach, manchmal war Schmalhans Küchenmeister aber es gelang mir bis zum Frühjahr 1930. eine ganz hüblche Summe zusammenzubringen.

Mit Rucksack und Decke als einziger Reise- auSrüftung zog ich los. Meine Eltern hatten keine Ahnung von meinen Plänen: ich schrieb ihnen nur, dast ich nach Oberitalien in die Ferien fahren wollte. Tatsächlich bummelte ich aber als zoologischer Dagabund durch Italien, ohne selbst eine Ahnung zu haben, wohin mich meine Beise noch führen sollte: allerdings hatte ich mir vorsichtshalber das Visum nach Algier besorgt.

In Sizilien, das ich ins Blaue hinein durch­streifte. fand sich eine Gelegenheit, billig nach Bordafrika hinüberzukommen eine recht merk­würdige Gelegenheit, nämlich auf einem italieni­schen EträflingSdampfer. Cs war ein Transport von fünfzig Schwerve.brechcrn, alles M tgl eher der Maffia, die nach einer Strafkolonie gebracht wurden Cs waren sämtlich Räuber und Mörder, und ein wenig unheimlich war die Geschichte schon für einen neunzehnjährigen Deutschen, als einziger Passagier mitzufahren. Die Sträflinge waren paarweise aneinandergekettet und wurden von dreißig Karabinieri bewacht: in der Rächt wurden sie mit dem Arm an den Dettpsosten gefettet.

Durch Tunis kam ich in die Sahara. Ich be­suchte eine Reihe von Oasen, teils mit der Eisen­bahn. teils auf Kamelen und Lastautos Hier begann mich nun auch der w.ssenschastliche Ehrgeiz zu packen: in den Oasen fand ich sehr interessante Reptilienformen. Damals fastte ich den ersten Gedanken an eine gründlichere Wiederholung meiner Afrikareise

211$ ich wieder in Deutschland eintraf die ganze Reise hatte nur sieben Wochen gedauert,

brachte ich drei schwere Kisten mit. gefüllt mit seltenen Reptilien. Ich verlauste sie an zoolo­gische Handlungen, und man sagte mir, es be­stünde immer Interesse für derartigeWare", ich solle doch noch einmal hinunterfahren. Ins­besondere gebe es in Liberia noch viel zoologisch unentdecktes Gebiet.

Das liest ich mir nicht zweimal sagen Den ganzen Sommer diese« Jahres benützte ich dazu, um eine Expedition nach Liberia auf die Beine zu bringen. Bach austerordentlichen Anstrengun­gen und vielen Fehlschlägen ist es mir nun ge­lungen.

Liberia ist ein souveräner Staat. 1861 von den aus Amerika rückgewanderten ehemaligen Heger- sklaven gegründet Cs sind zum grosten Teil gebildete und kulturell hochstehende Menschen, die sich v n hr n Etammesbrü ern im übrigen A ri.as stark unterscheiden Wenige Kilometer hinter der Küste aber beginnt ursprünglichstes, unberühmtes Afrika. Großtiere sind zwar wenig zu finden, dafür aber eine Reihe westafrikanifcher Haus­tiere. Bashornvögel. Zwergfluhpferd. Antilopen­arten: besonders interessieren mich die rotköpfi- gen Perlh hner und eine sehr seltene Cidechsenart mit stachligem Schwanz

2In dieser zoologischen Ausbeute wird der Berliner Zoo in erster Linie beteiligt sein: so ist auch die hauptsächlichste materielle Dor- bedingung für meine Expedition erfüllt. Ich verspreche mir einen auch wissenschaftlich guten Erfolg: denn Liberia ist bisher noch kaum nach seiner Fauna durchgesorscht worden. Ich werde photographieren und Schmalfilme aufnehmen.

Mein einziger Reisebegleiter wird, auster ein­geborenen Trägern und Dolmetschern, ein Farmersohn aus Eüdwestafrika sein, der nur ein Jahr älter ist als ich. Damit dürsten wir einen Rekord aufstellen: den Rekord der jüngsten Cxpeditionsforscher! Für mich bedeutet die Reise einen Teil des Studiums, und ich verspreche mir von dieser Werkstudenten-Arbeit mehr als von einer Reihe von Universitätssemestern.

Der deutsche Generalkonsul in Liberia, mit dem ich kürzlich auf seinem Berliner Heimaturlaub sprach, hat mir jede Unterstützung zugesichert Die Reise in das Innere Liberias, wo es noch keine Eisenbahn und keine Strastenbahn gibt, werden wir mit Trägerkarawanen und in Kanus unter­nehmen. Die Dauer unserer Expedition ist vor­aussichtlich ein halbes Jahr."

..Und dann werden Eie gcwist die Ausmerksam- keit der ganzen naturwissenschaftlichen Welt er­rungen haben, Herr Schulz-Kampshenkel?"

Das wage ich noch nicht zu hoffen. Aber es ist heutzutage schon so, dast man eine besondere Leistung vollbringen must, vorwärtszukommen. Cs ist traurig, aber unabänderlich, dast ein junger Akademiker, noch dazu ein Zoologe, kaum Aus­sicht hat, eine Existenz zu finden, wenn es ihm nicht gelingt, das Interesse der Mitwelt zu erwecken."

Ium Gedächtnis Georg Kerschensteiners.

Don : r. ät'u uff Messer, o ö profefiot der Philosophie an der Universität Gießen.

Don München kommt die Kunde, dast dort am 15. Januar Georg Kerfchen st einer gewor­ben ist. Er war der angesehenste, er war zugleich der populärste, der beliebteste u.iter unseren Pä­dagogen. Es ist. als ob unsere Lehrer chast durch seinen Tod verwaist sei. QBer ihn aus Dersamm- lungen sprechen Hörle, wer es miterlebte, wie er grdste Kongresse leitete, der hatte den Eindruck, dast er die Autorität eine- DaterS genost, aber emeS TatcrS, der durch innere Lebendigkeit und Juae. dllchkeit die meisten der Jüngeren noch über­traf.

Kerschensteiner wurde am 29. Juli 1854 in München geboren als zwölftes unter dreizehn Kindern. Der Tater, Kaufmann, hatte damals alles verloren, was er sich in einem langen Leben erworben hatte. Die immer heitere, rührige, unendlich sorgsame Mutter war die Ernährerin der Famille geworden. Er erzähll von ihr in seiner herrlichen Selbstbiographie'): ..Sie hatte als Kind einer Drauersfamilie und teilweise er­zogen tm Institut der Englischen Fräulein zu Bvmphenburg bessere Tage gesehen. Aber als die Tot über die Familie hereinbrach, war ihr keine Arbeit zu niedrig, kein Weg zu weit, keine Last zu mühsam, um Brot zu schaffen für den ihr anvertrauten Familienkreis, ja selbst noch für andere, die da mühselig und belaßen zu ihr kamen. Gütig, immer heiter, fromm entschlossen, das waren ihre Eigenschaften. Ich segne ihr An­denken." Wer Kerschensteiner persönlich gekannt hat. der weih, dast die Güte. Heiterkeit, Fröm­migkeit und Tüchtigkeit der Mutter auf ihn über­gegangen waren

Er wird zunächst Bolksschullehrer. 2Iber nicht lange steht er in der Praxis, da regt sich in ihm ..das Gefühl namenloser Unwissenheit" und der Hunger nach Erk»-zntnis. Er bereitet sich nun auf bas Gymnasium vor. wird in die Unterprima ausgenommen und bezieht 1877 die Universität.

') Leipzig, Terlag Meiner 1926.

Ton 1883 bis 1895 war er Gymnasiallehrer in Nürnberg. Schweinfurt und München. Die stillen W.rkungen. die dort von seiner Persönlichkeit in immer weitere Kreise drangen, bewirkten, dast er 1595 einst mm g zum Stadtschulrat von Münchrn gewählt wurde. Als solcher hat er bis 1919 gewirkt: er hat eine grvstartige oraani- satorische Wirksamkeit entfaltet, die dem Mün­chener DolkSschul- und Fortblldungsschulwesen eine vorbildliche Bedeutung über die Grenzen Dcu schlands hinaus verschaffte. Seit seiner Pen- fionierung hat er als Honorar-Professor der Pädagogik der Universität München angehört.

Die groste Wendung, die sich in unterer Pä­dagogik vollzogen hat vom Ideal der harmonisch ausgebildeten Cinzelper'önlichkeit zum Staats­bürger und von der mehr theoretischen Ein­stellung der L-rn- und Wissensschule zur A r - beits schule hat in Kerschensteiner einen ihrer Hauptführer Der Sinn der Arbeitsschu'e ist nach ihm. . mit einem Minimum von Wissensstoff ein Maximum von Fertigkeiten. Fähigkeiten und Arbeitsfreude im D e-ste ftaaSbürqcr'idjer Ee- finnunq auetulolcn " <Seine Schritt über Die staatt bürgerlich* E ; hang" ist in 9 A ll ge 1927. die über den . Begriff der Arbeitsschule" in 7. Auf­lage 1928 erschienen.)

Aber die Hingabe des einzelnen an den Staat bedeutet ihm nicht Tery.djt auf das Ideal der sittlichen Selbständigkeit, der Autonomie" im Sinne Kants, die Liebe zum eigenen Tolk ver­bindet dieser kerndeullche Mensch mit freiester Aufgeschlossenheit für Anregungen vom Aus­land. die Schätzung der praktischen, vor allem der beruflichen Tüchtigkeit mindert nicht, sondern steigert seine tiefe Sehnsucht nach theoretischer und zuoberst nach philosophischer Klärung.

Als ich ihn im Jahre 1912 in München per­sönlich kennenlernte, da hatte er den Tag über einen groben Kongreß geleitet, und als ich bann noch am Abend in engerem Kreise mit ihm zu­sammen war. da ließ er noch um Mitternacht über neueste philosophische Erscheinungen sich Auf­schluß geben mit der frischen Aufnahmefähigkeit eines wissensdurstigen Studenten. Wie für ihn der Weg zum Menschentum, zur Humanität, führte durch Bewährung in Beruf und politischem Leben, sv strebte er zur Theorie, allo zur wissen,- schaftlichen und philosophischen Pädagogik, aus

reichster und fruchtbarster pädagogischer Wirk­samkeit heraus. Eine umfassendeTheorie der Bildung" (2. Auflage 1928) ist sein letztes großes Werk gewesen.

Immer vorwärts und aufwärts strebend, aber fern jedem umstürzenden Radikalismus. vielseitig und doch ein geschlossener Charakter, lebens­freudig und diesseitig und dabei demütig mensch­licher Endlichkeit bewußt und das Unendliche fromm ahnend so steht er vor uns als ein Doll nensch im Stile Goethes.

Eine Hochschule für deutsche Bauern. T loß Itttnst in am Bodet sce,

Bach dem Dorbild der dänischen Bauern-Hoch- schulen wird auf Schloß Jttenstein am Bodensee eine Hochschule für deutsche Dauern eingerichtet, d e binnen kurzem ihrer Bestimmung übergeben werden wird. Die geistigen Tät?r d.s Institutes sind der frühere Lan.w.rticha t.minister Dr Hermes und der Führer des Badischen Bauernvereins Dr. S ch w ö r c r , zwll verant­wortungsbewußte Männer, die erkannt haben, daß di eZeitkrise nur mit Taten, nicht mit Worten überwunden werden fann.

Die Dorbildung d:r deullchen Bauem^u'end lür ihren Beruf hat sich im Derlaus der letzten hundert Jahre nur unwesentlich verändert. Die geistige Entw.cklung der Heranwachsenden Bauerngenera- tion hielt mit der Entwicklung der technisck^n und wissensch.s lichen Produkt ons i e.hoden nicht über­all Schritt. Die vollkommene Beherrschung aller neuzeitlichen Arbeits- und Produktionsmittel ist eines der Ziele der 3ttenboner Hochschule. Eine zweite, nicht unwichtigere Aufgabe von Ittendorf stellt die Hebung desbäuerischenStan- desbewuh tseinsdar. Die Derantwortlichen von Ittendorf sehen eine ihrer vornehmsten Aus- gaben barin, das Ctanbeäle :ut ein ih.e. Hörer SU heben, der Bauernjugend durch eine gründ­liche Einführung in die Geschichte ihres Standes die großen 23erdienfte des Dauern um Deutschland und das Deutschtum aufzuzeigen. Das Wort .Dauer" soll wieder zum Ehrenname toerben, den Sklaven seines Dodens will man zum Herrn fei-

Freiwilliger Arbeitsdienst in der Schweiz.

Don fanb. chem. Werner Rnauff, Gießen.

Der freiwillige Arbeitsdienst, der erst im vori­gen Jahr bei uns e>»geführt wurde, ist in der Schweiz feil langem bekannt Schon feit fünf Jah­ren ruft der .Derband der schweizerischen Stu­dentenschaften'^ jeden Sommer die akademische Jugend auf. bedrängten Gemeinden bei der Durchführung notwendiger Tauarbciten zu hel­fen. au deren Finanzierung die Tüttel der Ge­meinde nicht au-reichen. Jeder, der sich zur Teilnahme an einer Arbeitskolonie meldet, ist verpflichtet, drei Wochen unentgeltlich au arbei­ten; es werden ihm zwei kostenlose Bahnfahrten auf Schweizer Gebiet, freie- Schlafen und Ver­pflegung gewährt, außerdem bat er noch Ver­günstigungen auf den umliegenden Hutten und Bergbahnen. Gearbeitet wird von 5 bi- 13 älhr mit cinftünbiger Pause zum Morgenellen, der Bachmittag ist in der Regel dienstfrei. Die Teil­nehmer sind nicht nur Studenten im engem Sinn, sondern auch 'Dau- und Sekundarschüler. gelegent­lich auch junge Kausleute. An Rationen sind außer der Schweiz Deutschland, England. Frank­reich. Holland. Italien, Polen. Oesterreich. Un­garn und die baltischen Randstaaten immer ver­treten. gelegentlich sieht man auch Perser, Tür­ken, (Bulgaren und auch Vertreter überseeischer Länder. Von den Ausländern sind die 'Deut­schen am zahlreichsten. Amtssprachen sind Schwy­zerdütsch. Französisch und Hochdeutsch. Die Ar­beiten. die natürlich keine großen technischen Kent, iisse voraussetzen dürfen, stehen unter der Leitung eines einheimischen Bauführer- und werden von Zeit zu Zeit von einem kantonalen Äulturmgenicur kontrolliert. Meistens wurden die Arbeitskolonien beim Straßenbau verwendet, sie wurden aber auch schon zweimal mit Erfolg bei Baturkatastrophen eingesetzt. Die Werkzeuge, so­wie die Strohsäcke und Decken werden von der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt, die Küche wird von Studentinnen besorgt, die unter der Leitung einer erfahrenen Köchin stehen. Die Finanzierung übernimmt in erster Linie der Schweizer Dund, Kanton und Gemeinde geben nur kleinere Zuschüsse. Entspricht zwar der Ar­beitseffekt eine- Studenten nur zu 40 bis 80 Pro­zent dem eines DerusSarbeiterS, so springt doch für die unterstützte Gemeinde ein erheblicher Ge­winn heraus. Für den Studenten sind die zwei Wochen Arbeit in der Höhenluft eine prächtige Erholung, sie wecken in ihm das Verständnis für das Tergbauerntum, dem Grundelement des Schweizer Dolkes, unb bieten ihm Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit den Arbeitskameraden der verschiedensten Rationen.

Hochschulnachrichten.

Der berühmte Göttinger Mathematiker Ge­heimrat Prof. Dr. phil., Dr. math. h. c., Dr phil. h. c., Dr. med. h. c., Dr. rer. nat. h. c., Dr. Inq e. h. David Hilbert begeht am 23. Januar feinen 7 0. Geburtstag. Geboren zu Königsberg i.Pr. begann Hilbert seine akademische Laufbahn 1886 als Privatdozent in seiner Baterstadt, wurde dort Extra­ordinarius und 1893 Ordinarius und siedelte 1 >-f»5 als Nachfolger von Pros. Heinrich Weber nach Güt­tingen über. Berufungen u. a. nach Berlin und Bern hat der Gelehrte abgelehnt. Den Akademien der Wif- senschaften in Berlin, München, Wien und Budapest gehört Geheimrat Hilbert als Mitglied an. Er ist Bitter des Ordens pour le mSrite für Wissenschaften und Künste. Die Technische Hochschule in Danzig er­nannte ihn zum Ehrendoktorin bewundernder An­erkennung feiner genialen Forschungen auf allen Gebieten der Mathematik und der mathematischen Logik, durch welche er der Wissenschaft neue Bahnen gewiesen und eine neue Blüte der Mathematik in Deutschland heroorgerusen hat".

ner Scholle umformen. Der Landjugend soll in Ittendorf inS D:wußtsein gehämmert we d n. daß sie die kräftigste Stühe des Reiches ist, das Fun­dament der deutschen Unabhängigkeit von der Welt.

Das Arbeitsjahr der ersten deutschen "Bauern- Hochschule wird zwei Semester von je vier Monate Dauer umfassen. 3m Winter steht das Institut den Jungbauem offen, im Sommer den D.uern- töchterrr. Au g-nommen wird die Landjugend aller deutschen Gaue, der DZuch von mindestens zwei Kursen einer anerkannten land­wirtschaftlichen Schule geh irt zur Au'nahmebed n- gung. Für die nächste Zeit ist die Frequenz auf je 30 Semester Teilnehmer bcfl;ranft, ein um ang- reicher Ausbau der Schule bubet aber wohl nur eine Frage der Zeit. Die Arbeits- und Wohn- räume befinden sich allesamt auf Sch Ittendorf, bas derTerein Dabische Dauemschu'e" für d e Verwirklichung seiner Hochichu p'äne erw rb. Das Schloß erhebt sich au« einem der reizvollsten Flecken der deutschen Erde, seine Bewohner sehen über das Schwäbische Meer hinweg bis weit in die österreichische und schweizerische Alpenwelt hinein.

Der Unterrichtsplan umschließt a'Ie für die kulturelle Hebung und den geistigen Fortschritt der Bauernjugend wichtigen Gebiete Gleichgro­ßer Wert wie auf die praktische Vervolllommnung der Hörer wird auf ihre geistige Entwicklung ge­legt. So umrafji der Plan neben Wirtschatts- und Genossenschafts.'ehre, Zucht- und P lamenfunbe. Buchführung und Wirtlchas s eozrapyie auch Vorlesungen über Technik, Physik, Vollswirtschast, Geschichte, Staats- und Gemcindebürgerkunde. Die Dauernstudentinnen werden außerdem noch mit Säuglingspflege. Erziehungölehrc, Wohl­fahrtspflege. sowie S)iufc und Garter.wi.ttscha 13- kunde bekanntgemacht. Die Freizeit füllen Spiel und Tanz, Sport unb Aus'lüge aus: die ständige Gemeinschaft soll eine fröhliche, aber nicht an­spruchsvolle Geselligkeit auslösen.

Cs ist zu hoffen, daß die Dauern-Hoch- schule aus Schloß Ittendorf zur Vorläufern einer Reihe gleichartiger Institute wird. Ihre Stoff» nung könnte den Auftakt zu einem wichtigen Ka­pitel in der Kulturgeschichte des deutschen Bauern­standes bilden. W. P.