»MWMAM!"
Vornan von (5ert Trothb^rg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Syaüe.
18. Fortsetzung. Nachdruck verboten I
Vater Dandorff beobachtete die Sache eine ganze Weile. Hatte er sich erst über das „Ge- muffel", wie er sich im Innern respektwidrig ausdrückte. geärgert, war es ihm jetzt angenehm. Die beiden Windbeutel bekamen seine Tochter und sein Geld noch lange nicht. Es war also gut so, wenn Vilma die gleiche Ansicht hegte, denn bei einer Meinungsverschiedenheit mit Frau und Tochter hätte er schließlich ja doch den kürzeren gezogen. Seine' Frau stellte sich ja doch immer auf die Seite der Tochter, und solchen Kampftruppen gegenüber hatte Papa Dandorff immer noch das Feld geräumt.
Als Vilma plötzlich eine Zigarette verlangte, waren ihre beiden Verehrer selig. Hnb dann sprach sie auch mit ihnen. Schließlich wurde noch eine sehr nette Unterhaltung daraus, und Papa Dandorff, der sich schon auf ein zeitiges Rach- hausegehen gefreut hatte, sah sich enttäuscht.
Vilma hotte ihre Taktik geändert. Sie sagte sich, daß in dieser Stimmung höchstens ein baldiger Aufbruch unvermeidlich sein würde. Sie könnte dann nicht wissen, wie lange Doktor Ansbrück dort oben blieb. Vielleicht hatte sie sogar noch die Genugtuung, daß sein Geschäftsfreund ihn herunterbegleitete.
Also hatte Vilma plötzlich Appetit auf Sekt und ein feines, kleines Diner zu vieren.
Vater Dandorff war mit dieser Lösung aber nun auch sehr zufrieden, und er lud die beiden Herren ein, seiner Tochter und ihm noch ein wenig Gesellschaft zu leisten. Die hatten von Dilmas Deobachtungsposten keine Ahnung und bezogen dieses ganze Wohlwollen nur auf sich.
Als Papa Dandorff gerade mit seiner Tochter anstieß, zuckte sie zusammen.
Durch die Halle schritt Mia Sollvern, die berühmte Filmschauspielerin.
Wohnte sie hier im Hotel, und erwartete Doktor Ansbrück sie etwa?
Vilma lachte laut und herzlich. Aber ihr Vater wußte doch ganz genau, daß es ein gekünsteltes Lachen war, das ihr nicht aus dem Herzen kam. Doch die beiden jungen Männer lachten entzückt.
Vilma dachte entsetzt:
Ich bin ja wahnsinnig. Ansbrück ist stets nur kühl und höflich zu mir gewesen. Wie kann ich mich so kopfüber in ihn verlieben? Dennoch — wenn er eines Tages frei wäre! Wenn das Gerücht Wahrheit würde!
Vilma plauderte bezaubernd, wenn sie wollte. Hnb jetzt wollte sie. Jetzt wollte sie noch nicht von hier fort. Sie wollte noch möglichst lange hierbleiben. Es war jetzt ja alles gleich, ob Mama sich daheim um Gatten und Tochter ängstigte. Sie war auf der linken Seite gelähmt und konnte nirgends mehr mit hin.
Daheim aber umsorgte sie die Ihren, als sei sie noch immer die gesunde Frau von ehemals. Sie ließ sich im Rollstuhl durch das ganze Schloß fahren und war immer dort, wo man sie nicht vermutete. Während sonst Vilma an solchen Abenden, an denen sie mit dem Vater allein zur Stadt fuhr, an die Mutter dachte und darauf bedacht war, sie nicht zu lange warten zu lassen, spielte das jetzt in ihren Gedanken gar keine Rolle mehr.
Sie wußte nur. daß sie alles dransetzen wollte, daß man noch recht lange hier in dieser Ecke verblieb.
Da Vater Dandorff jetzt seine Lieblingsmarke trinken konnte, hatte er auch kein großes Interesse mehr daran, vorzeitig aufzubrechen, und so blieb man eben.
Oben in dem großen Zimmer saßen sich Mistreß Harrison und Doktor Ansbrück gegenüber.
Ansbrück erzählte rückhaltlos alles. Und ihr verschwieg er auch nicht, daß er Aenne Ohlen liebe.
Ein wehmütiges Lächeln stand in dem Gesicht der Frau.
Run konnte Aenne nicht ihr Töchterchen werden, denn nun würde sie dem Manne ihrer Liebe folgen, sobald er kam und sie holte.
Dies war bestimmt die beste Lösung. Dennoch dachte Mistreß Harrison daran, wie schön es fein könnte, wenn Aenne einsam und verlassen wäre. Dann hätte sie sie mitgenommen. Dieser Traum von einer süßen, blonden Tochter, die sie plötzlich drüben all ihren Bekannten und Freunden hatte vorstellen wollen, dieser Traum war nun zerronnen, noch ehe er richtig geträumt werden konnte. Es ließ sich nichts ändern daran. Siegerin Liebe feierte wieder einmal Triumphe.
„Es ist mir nicht leicht gefallen, Sie zu täuschen, Mistreß Harrison. Aber es blieb mir ja nichts anderes übrig. Mir lag so viel daran, daß die Verträge so schnell als möglich unterzeichnet wurden."
Sie nickte ihm zu: dann reichte sie ihm den Tee, schob fürsorglich eine silberne Platte mit den belegten Droten näher zu ihm heran.
„Dedienen Sie sich, Herr Doktor. Diese.heutige Aussprache ist auch nur zwischen uns. Mein Mann wird nun überhaupt nichts davon erfahren. Wozu die überflüssigen Erörterungen? Sollten wir uns noch einmal im Leben begegnen, wird die kleine blonde Aenne bis dahin ja doch Ihre Frau geworden fein.“
Er beugte sich über die feine Hand der gütigen Frau, die die Angelegenheit mit klugem Dlick übersah und großzügig genug war, sich mit den Tatsachen abzufinden. John Harrison schien in solchen Dingen anders zu sein. Das hatte seine Gemahlin flüchtig angedeutet.
„Leider kann man gar nichts tun.“
Mistreß Harrison sagte es leise, ein bißchen bedauernd.
Es war auch häßlich. Ansbrücks Ehe war voll- ständig zerstört durch den unerhörten Leichtsinn der Frau. Dennoch besaß sie vor der Welt noch Rechte, die es unangebracht fein ließen, irgendwie die gütige Vermittlerin zwischen zwei Menschen, die sich liebten, zu spielen. Im Gegenteil, für diese Vermittlung, mochte sie noch so ehrenhaft gemeint sein, hätte die Welt, ja vielleicht gar das Gesetz, einen sehr häßlichen Ramen gefunden.
Also war man eben machtlos!
Aber sie konnte dem Mädelchen Gutes tun. Und dann hatte sie auch den ernsten, schönen Mann ins Herz geschlossen, der da, ohne das geringste dazu zu tun, in solche Kämpfe gestürzt worden war.
Weil es seiner Frau zu gut gegangen war!
Weil sie im plötzlich ihr zu Füßen liegenden Reichtum sich nicht mehr glücklich fühlte, sondern nach aufregenden Abenteuern verlangte!
Was für eine Frau war denn das?
Was für Frauen waren das überhaupt, die derart Ehre und Pflicht vergaßen?
Und um sie durfte ein anderes Glück nicht erblühen? Richt eher, als bis ein zermürbender Prozeß in Szene gesetzt worden war? Doch wozu deuteln und grübeln? Gegen das Gesetz lehnte man sich umsonst auf. Alles mußte abgewartet werden.
„Und — ich meine, haben Sie bereits etwas unternommen?“ fragte Mistreß Harrison nach einer Weile.
„Doch! Der Tod meines Schwiegervaters wand mir zunächst die Waffe aus der Hand. Und nun glaubt man wahrscheinlich in der Familie meiner Frau, man könnte es doch noch einrenken. Ich
glaube aber, meine Frau weiß am besten, daß danach all dem Geschehenen ausgeschlossen ist. Die sind der einzige Mensch, Mistreh Harrison, mit dem ich offen über alles gesprochen habe. Die Verwandten meiner Frau wissen nicht, was meine Frau sich zuschulden kommen lieh, und sie sollen und dürfen es auch nicht erfahren. Sie — hätte sonst auch diese Stühe noch verloren. Ich weiß ja, wie zum Deispiel mein Schwager Polzenhagen über solche Sachen denkt. Dei ihm aber hält sich meine Frau jetzt auf, und ich muh Sorge tragen, daß ihr dieses schützende Dach nicht auch noch verlorengeht. Also bin ich gezwungen, so schonend wie nur irgcknd möglich gegen meine Frau auch beim Gericht vorzugehen. Ich bin bereit, einen Teil der Schuld auf mich zu nehmen. Vielleicht bin ich auch wirklich nicht ganz schuldlos. Sie hat meine schwerblütige, zuweilen schroffe Art eben auch gehaßt, und sie wäre mit einem leichtsinnigen Menschen vielleicht glücklicher gewesen. Wer kann das hinterher wohl sagen, wie es hätte sein müssen, wenn es gut sein sollte. Ich weiß nur eins: Daß ich-in diese'Ehe niemals zurückgehe!“ -ü
Mistreß Harrison sagte I^ife:
..Das Glück wird bestimmt mit jenem kleinen schönen Mädel zu Ihnen kommen^- ich bin davon überzeugt.“
Sie plauderten noch ein Weilchen und überhörten es, daß die Tür ging und John Harrison höchlichst erstaunt auf die zwei Menschen blickte.
Da sah seine Gemahlin auf. Ein lichtes Rot stieg ihr in die Stirn: dann stand sie schnell auf, und auch Doktor Ansbrück erhob sich.
Mistreß Harrison nahm die Hand ihreS Mannes.
„So, da bist du also! Ich habe mir einen Kavalier bestellt, und nun kommst du!"
„Ja, nun komme ich. Weiht du. Alice, wie du jung warst, hast du so^etwas nicht getan. Auf deine alten Tage wirst du mich noch in einen Zweikampf jagen.“
Sie lachte herzlich.
„Rein, im Ernst. Ich wollte nämlich wirklich noch ein bihchen mit Herrn Doktor Ansbrück plaudern. Leider konnte feine Gemahlin nicht mitkommen: sie ist bei Verwandten.
John Harrison wiegte bedauernd den Kopf.
„Das ist sehr schade. Ich hätte Ihrer entzückenden Frau gern die Hand geküßt. Run, das läßt sich gelegentlich nachholen. Ich begreife Sie übrigens nicht, Herr Doktor, solch wunderschöne kleine Frau läht man nicht allein. Rein, man läßt sie bestimmt nicht'allein." (Forts, folgt.)
Nachruf
August Krauß, Lieh
der bei uns seit 1925 beschäftigt war.
Lieh, den 19. Mai 1932.
steigern, und zwar:
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3901 D
Hof.
3114D
Jul. Wellhöfer
Telephon 2313.
Wir bedauern sehr den frühen Heimgang dieses braven, gewissenhaften, tüchtigen Mitarbeiters und werden demselben stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
Am 17. d. M. verschied infolge eines bedauerlichen Unglücksfalles unser Chauffeur
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, besonders Herrn Pfarrer Sattler für die trostreichen Worte, saßen wir auf diesem Weße unseren innißsten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
| Gras-Versteigerung der Stadt Gießen.
Die Stadt Giehen läßt Montag, den 23., Dienstag, den 24., und Mittwoch, den 25. Mai 1932, folgende Grasnutzungen für das ganze Jahr öffentlich meistbietend oer-
3919 D
Brauerei Ihring-Melchior Kommanditgesellschaft, Lieh
Elise Hanitsch.
Wieseck, den 19. Mai 1932.
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1 „ 7-bl-Kl. - 2,54 „
Schriftliche Angebote müssen bis zum
Donnerstag, dem 26. Mai 1932, mittags 12 Ahr, auf der Bürgermeisterei, nach Klassen einzeln, abgegeben sein, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben und die Angebote geöffnet werden. 39130
Bürgermeisterei. Mey e r.
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Montag, den 23. Mai 1932, vormittags 9^Uhr (Zusammenkunft an der Rodheimer Straße beim Stadt. Schlacht- Hos), die frühere Ockelsche und Haubachsche Wiese an der Rodheimer Straße in drei Abteilungen, anschließend die frühere Ho- spitalwiese auf der Hohleich in zehn Abteilungen und die städtischen Feldwege und Gräben usw. im Neustadter Feld.
Dienstag, den 24. Mai 1932, vormittags 9 Uhr (Zusammenkunft in der Hammstraße an der Wiescckbrücke), die Grasnutzung non den Wieseckböschungen von der Hammstraße bis zur Lahn, die Böschungen an den Klaranlagen, verschiedene Klee- und Grasstücke am Leihgester- ner, Aul- und Erdkauter-, Schisfenbcrger- inb Heegstrauchsweg sowie sämtliche Feldoege und Gräben zwischen Lahn und sicher Straße.
Mittwoch, den 25. Mai 1932, vormittags 9 Uhr (Zusammenkunft in der Licher Straße bei der Wirtschaft „Zur Stadt Lich"), die Grasnutzung von den Schneisen und Mähplatten der städtischen Waldungen, ferner zwei Grasstücke an der Licher Straße, fünf an der Sandgrube bei der Liebigshöhe und eins an der Alten Marburger Straße sowie drei Grasstücke an der Ederstraße, weiterhin sämtliche Feldwege und Gräben zwischen Licher Straße und Lahn.
Gießen, den 17. Mai 1932.
Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Dr. Rosenberg.
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung ß, wurde am 12. Mai 1932 bei der Firma Westerwälder Tiefbohr- und Jndustric- gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen. Die Firma ist erloschen. 38990
Gießen, den 14. Mai 1932.
Hessisches Amtsgericht.
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