Ausgabe 
18.11.1932 Frühausgabe
 
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weder auf die deutsche Politik noch im allgemeinen die europäischen Angelegenheiten eine entscheidende Rückwirkung haben.A m i du P e u p l e" schreibt, es sei erwiesen, daß die Zusammensetzung des neuen Reichstags nicht die von der Regierung gewünschte Konzentration erlaube. Es sei daher zweifelhaft, ob Reichspräsident von Hindenburg das gelingen werde, was dem Reichskanzler, der sein Vertrauen hatte, mißlungen sei. Man scheine sich in Deutschland nicht die aeringsten Gedanken darüber zu machen, obgleich sich die politischen Parteien darüber klar seien, daß ein Mißerfolg der jetzt beginnenden Verhandlungen die Auslösung des Reichstags und die Einführung der Dikta­tur herbeiführen würde.

polen bereitet die Zioly-Zahlung bei der Danziger Eisenbahn vor.

Danzig, 17. Roo. (TU.) Am Donnerstag traf aus Warschau ein höherer Beamter des polnischen Verkehrsministeriums in Danzig ein. der die Vor­bereitungen für die Durchführung der Zloty-Zahlungen an die Danziger Eisenbahnkassen treffen soll. Dem Verneh­men nach sollen 4 2 Wechselkassen auf den Bahnhöfen des Danziger Freistaatgebietes eingerich­tet werden, bei denen das Danziger Publikum sich dieDanzigerGuldenwährunginZloty zum Zwecke des Fabrkartenkaufs ein» wechseln kann. Da vokauszusehen ist, daß diese Maßnahme, die am 1. Dezember d. I. in Kraft treten soll, einen ungeheurenEntrüstungssturm und Unwillen des Danziger Reise­publikums hervorrpfen wird, der sich in erster Linie gegen die polnischen Wechsel- taffen richten würde, sollen diese Wechselkassen mit Deutsch-Danziger Eisenbahn-Be­amten besetzt werden, die von den Polen dem hier verbliebenen Direktionsbureau entnommen werden.

Eine Riederlage der Regierung Ziehm.

Das Ermächtiguugkgesctz aufgehoben.

Danzig, 17. Nov. (TU.) Der HauplauS- schuß des Danziger Dolkstages hat am Don- nerstagmittag mit den Stimmen der Na­tion a l s oz i a l i ft e n, Sozialdemokra­ten und Kommunisten auf Antrag der Na­tionalsozialisten gegen die Stimmen der Regie­rungsparteien die Aufhebung des am 28. Juni 1932 beschlösset« n Ermächtigungsgesetzes für die gegenwärtige Regierung, das bis zum August 1933 Geltung haben sollte, beschlossen. Es dürfte somit keinem Zweifel unterliegen, daß die Aufhebung des Ermächtigungsgesetzes auch durch das Plenum des Danziger Dolkstages unmittelbar bevorsteht, da Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten über zusam­men 39 von 72 Stimmen verfügen. Infolge der Entziehung des Ermächtigungsgesetzes müßten in Zukunft wiederum alle Gesetzesvorlagen, die bis­her auf dem Derordnungswege erlassen wurden, vom Danziger Volkstag beschlossen werden.

Die Sicherung der Arbeits- disziplin in Sowjetrußland.

2R o s kau, 17. Nov. (WTB.) Das gestern ver­öffentlichte Dekret der Sowjctregierung, welches eine eintägige unentsch u l digte Ar- beitsverfäumnis mit sofortiger Ent- l a s s u n g bestraft, hat, wie diePrciwda" an­kündigt, weitreichende Folgen. Das System der Lebensmittelkarten und Bezugs­scheine wird grundsätzlich geändert. In mehr als 200 der größten Fabrikbetriebe werden die bis­her dort unterhaltenen sogenannten geschlossenen Der teilungs stellen für Lebensmittel und Gcbrauchswaren, die bisher konsum- vereinsartig aufgezogen waren, geschlossen. Ihre Magazine, Warenvorräte und das gesamte Inventar werden den Fabriksverwaltun­gen übergeben werden. Soweit die bisherigen Derteilungsstcllen fortbestehen bleiben, werden sie gleichfalls den Fabriksverwaltungen unterstellt Die Ausweisbücher für Arbeiter und deren Familien- Mitglieder werden künftig durch die Betriebs- lei tu ngen aus gegeben. Die Karten sind auf den Namen ausgestellt und verlieren sofort ihre Gültigkeit, wenn die Inhaber entlassen werden. Schon am 15. November hatte diePrawda" in einem parteiamtlichen Artikel Klage darüber geführt, daß der Uebelstand der sog. Tekutschest", d. h. der Fluktuation der Arbeitskräfte von Betrieb zu Betrieb, überhand nehme. Dieses Nomadenleben hatte diePrawda" in dem erwähn» ten Artikel damit erklärt, daß sich die Arbeiter bald in diesem Betrieb Schuhwerk, bald in jenem Klei- düng oder Lebensmittel verschaffen wollten. Als Parallelerscheinung dazu wurde das unentschuldigte Fernbleiben von der Arbeitsstätte angeführt, das beispielsweise in den Kohlenbezirken auf 13 bis 16 Tage pro Kopf und Jahr ge» stiegen ist. DiePrawda" erklärt heute, die Siche- rung Der Arbeitsdisziplin gegenüber solchen Erschei­nungen verlange eine Verbindung aufklärender er- zteherischer Arbeit mit Methoden wirtschaft- lichen Drucks.

Steuer Konflikt

an der Universität Breslau.

Breslau, 17. Nov. (TU.) Nachdem es schon vor einiger Zeit zu Störungen in der Vorlesung des Prof. Cohn gekommen war, gelang es trotz der von den Unioersitätsbehörden und der Polizei ge­troffenen Sicherheitsmaßnahmen einigen Etüden- ten, in den Hörsaal einzudringen, in dem Professor Coljn seine Vorlesung hielt. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf ein Student fo erheblich verletzt wurde, daß er -in ein Kranken­haus eingeliefert werden mußte. Auch setzten Stä- rungsversuche vor der Universität und auf den Korridoren ein, so daß der Rektor die Univer­sität räumen ließ und die Vorlesungen *m Hauptgebäude ab tagte. Der Dekan oer Rechts» und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Breslau, Prof. Dr. Waldecker hat im Zusammenhang mit den Vorfällen, die sich an ,d«r Universität ereigneten, die Dekanats- fl e f d) a f t e a bgegeben und um minifte« m»len Schutz gebeten. Am Schwarzen -o^lt dev Universität veröffentlichte Prof. Waldecker x-nJL- arun9, der er seinen Schritt mit Brr- oachiigungen begründet, die in einem redaktionellen tlufiaö emes Breslauer Blattes gegen chn gerichtet worden jeten.

Oie Handgranatenanschläge in Schleswig-Holstein.

Altona, 17. Nov. (WTB.) 3m Sprengstoff- Prozeß wegen der Handgranaten- anschläge in Schleswig-Holstein in der Nacht nach der Wahl am 31.3uli wurden gegen den angeilagten nationalsozialistischen Re.chstagsabgeordneten und Standartenführer Paul Moder acht Jahre Zuchthaus, ge^e.r den Zollwachtme'.ster Plähn. der heute vormittag in einer Sitzungspause des Prozesses aus dem Ger.cht.gebäude floh und noch n'cht gefaßt werden konnte, 61/. 3ahre Zuchthaus beantragt. Gegen G r e z e s ch und Strathmann lautete der Antrag auf je sechs Iahre Zuchthaus, gegen 17 weitere Angeklagte wurden je fünf Jahre Zuchthaus beantragt. Für acht Angeklagte wurde Freispruch beantragt. Außer dem Zollwacht- meister Plähn sind, nachdem in der heutigen Verhandlung vom Gericht die Sicheryeitsbaft gegen mehie.e Angeklagte beschlossen worden war. noch der 35jährige Kaufmann Blaubach und der 32jährige Lagerist Heinrich Korbarg ent­flohen.

Aus aller Welt.

KreuzerKarlsruhe" in Neuyork.

Generalkonsul Dr. K i e p veranstaltete zu Ehren der Offiziere des Kreuzers a r I 8 r u p e ein Essen, zu dem der Bürgermeister von Neutzork sowie die Spitzen der Marine- und Militärstellen erschienen waren. Admiral Byrd sandte ein sehr herzlich gehaltenes Begrüß ungstelegramm, in dem der Besuch der ^Karlsruhe" als eine hervor­ragende Tat der Völkerverständigung und als eine Geste der Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bezeichnet wird. Zum Abschied gab der Kommandant an Bord der »Karlsruhe" einen Empfang, bei dem herzlich ge­haltene Ansprachen zwischen dem Kommandanten und den Vertretern der Bundesarmee und der Marine der Stadt Neuyork ausgetauscht wurden. Kommandant W a ß n e r dankte in einer Botschaft an die Bevölkerung von Neuyork für die herz­liche Aufnahme, die die Besatzung derKarls­ruhe" gefunden hat.

Lin Opfer der polnischen Spionagepsychose.

3m Preußisch-Stargarder Gefängnis versuchte der kürzlich in Gdingen wegen angeblicher Spionage für Deutschland zu zwei 3ahren Gefängnis verurteilte reichsdeut­sche Dersicherungsbearnte Scheil Selbstmord zu verüben, indem er 18 Aspirin- tablettcn verschluckte und sich die Pulsadern auf­schnitt. Sofortige ärztliche Hilfe konnte ihn jedoch retten. Darauf trat der Häftling in den Hun­gerstreik und nahm zehn Tage keine Nahrung zu sich, so daß ihm schließlich gewaltsam Nah­rung zugeführt wurde. Scheil ist offenbar unschuldig verurteilt worden, denn er hat nur sein zu einer Kaserne umgewandcltes Vaterhaus in Neustadt auf einer Durchfahrt durch den Korridor nach Ostpreußen photographiert.

Deutscher Student in Tirol tödlich abgestürzt.

Beim Abstieg vom Kleinen Salstein stürzte, wie aus Innsbruck gemeldet wird, der 23 Iahre alte Studierende der Medizin Stadtbäumer aus Münster i. W. am SüLhang des Berges ab. Seine vier Kameraden konnten nur noch seine Leiche auffinden, die in einem schwer zugäng­lichen Gebiet lag. Sie wurde von einer Ber- gungsexpedition zu Tage gebracht.

hauseinsiur; in Palermo. Jünf Tote, fünf Schwerverletzte.

In Palermo ereignete sich ein schweres Unglück. Ein altes Haus stürme teilweise ein und begrub die Einwohner unter den Trümmern. Fünf Personen wurden getötet und fünf verletzt.

Amerikanischer Allmmagnat mit dem Jlug^eug abgestürzt.

Das FlugzeugSpirit of Fun" des amerikanischen Filmmagnaten Arthur Loew, angeblich der schnellste Eindecker der Welt, ist a b g e st ü r z t. Der Pilot wurde getötet, Arthur Loew und sein Rechtsanwalt schwer verletzt. Loew hatte einen Flug von Australien nach Südafrika in kür­zester Zeit zurückgelegt. Er wollte nach Beendigung seiner Geschäfte in Kapstadt einen Rekordflug nach England antreten. Loew ist Vizepräsident der Loews Incorporated, die den Metro-Goldwyn» Konzern kontrolliert.

Aus Der Provinzialhaupifiadi.

Gießen, den 18. November 1932.

Herbst im Garten.

Dor wenigen Tagen riß noch der stürmische Westwind die Blätter hastig vom Baum, als könne er nicht erwarten, daß bald der Winter komme. Heute fällt Blatt auf Blatt sachte und wiegend zur Erde. Absch'ed des Herbstes. Iu- belnde Freude der Kinder, im raschelnden Laube spielen zu können, all die lustigen Herbstspiele, die jedes Iahr wiederkehren. Freudevolles Er­leben all derer, die die Natur lieben und die wissen, daß nach dem Winter wieder ein leuchten­der Frühling sein wird.

Diele Bäume stehen schon kahl und zeigen die charakterist'sche Eigenart ihrer ewig wechselnden Formen. H.elt sich in diesem Iahre das Laub an sich schon langer als in anderen Iahren, so halten Hainbuchen und Eichen mit leuchtenden Farben immer noch aus. Die Lärchen leuchten am meisten, ehe ihre Nadeln zur Erde schweben, um einen goldenen Teppich auf grünem Grunde zu weben. Wenn dazu noch die Sonne scheint, zeigt der Herbst sein schönstes Gesicht. Wir wollen nicht traurig sein, wenn all das Grün um uns her an Baum und Strauch versinkt, wir wollen vielmehr den Herbst erleben in seiner ganzen Schönheit.

Auch der Garten bekommt eine ganz eigene Art. Unser suchendes Auge sieht ihn auf einmal ganz anders, als im üppigen Sommer, voll Farbenreichtum und leuchtender Kraft. H?rb, ganz herb ist der Garten geworden. Die Farben sind zarter und stiller. Uns sind sie wertvoller, weil es die letzten im Grün der Gartenräume sind. Auch der Rasen ist dunkler, als im Keimen des Frühjahres. Alles ist anders und darob nicht minder schön. Der Flieder ist voll üppiger Blütenknospen, denen auch der stärkste Frost nicht schaden kann. Die schöne Weigelie Eva Rathke, die dunkelrote, zeigt den anmutigen Wuchs ihrer Zwe'ge. die leicht sich zur Erde neigen.

Es ist ja kein Sterben in der Natur, es ist nur Schlaf und Kräftesammeln, ist nur Ruhe, die dem neuen Au.bru dient. Da blühen auch noch einzelne Verbenen, Ringelblumen, Astern und Stiefmütter­chen, und auch das Laternenblümchen will nicht vergessen fein. Und wo der erste Frost den Dah­lien nichts geschadet hat, da blühen noch einige Arten in vollendeter Schönheit auf. Die Ritter­sporne blühen mit kleineren Rispen zum zweiten­mal in reinem Blau. Die herbstliche Cimicifuga, die Silberkerze, neigt ihre feinen Weißen Dlüten- rispen zu den letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Herbstes. Die Birken sind voller ©olb; zum weißen schlanken Wuchs ihres Stammes ein Herr- ucher Kontrast. Ihnen darf man immer wieder oa« Wort reden, da sie von vielen Laubbäumen der zarteste und schönste ist. Einige Rosen können in der milden Luft noch bis zur Vollblüte gelan­gen. Die Hecken sind noch grün, nur die Hain­buchen haben rötlich-gelbes Laub. Die Hage­butten der Parkrosen leuchten rot, ebenso die Fruchte verschiedenster Ziersträucher, wie Ko- toneaster, Sanddorn und viele andere. Tiefgolden glänzt das Laub des Gingo biloba, glänzend und verschwenderisch in seiner Pracht.

Leise sinkt der Abend hernieder, verwischt, das Blühen und Leuchten von Garten und Land­schaft zum träumenden, schlafenden Bilde der Dacht. G. S. G.

Vornotizen.

Tages kokender für Freitag. Stadt­theater: 20 bis 22 Uhr,Sechs Personen suchen einen Autor". Oberhessischer Kunstverein, Turm­haus am Brandplatz: 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule: 20 Uhr, Iohannessaal, Familienabend. Lichtspielbaus, Bahnhofstraße:Der blonde Traum". Astoria-Licytspiele, Seltersweg:Lord Aldini, der Schrecken der Verbrecher" undDie Sünde der Lissy Kraft".

.Der weiße Tod im Himalaya." Himalaya-Expeditionen rücken wieder in den Mittelpunkt deS Interesses. Man rüstet bereits -pi neuem Ansturm auf die höchsten Berge unserer Erde. Aber die vergangenen Expeditionen sind noch nicht vergessen. So wird man am Sonntag sucht versäumen, den Kulturfilm anzusehen, der uu Lichtspielhaus zur Aufführung gelangt Der

Film bringt Bilder von der Expedition des Professors Dr. D y h r e n s u r t h. der ja in Gie­ßen kein Unbekannter mehr ist, nachdem er im Rahmen eines Lichtbilderi ortragrs in der Ge­sellschaft für Erd- und Döckerlunde schon einen Abriß seines Erlebens, ein Bild von den Stra­pazen und riesigen Leistungen der Expeditions­teilnehmer entworfen hat und die Schönheit die­ser gigantischen Dergwelt lebendig werden ließ. Alles wird man nun im lebendigen Filmbild zu sehen bekommen, der noch eindrucksvoller, als es das starre Lichtbild tun Fann, das oft grnug hochdramatische Erlebnis einer solchen Ex- ped-.tion vor Augen führen wird. Daß man auch hervorragende Landschaftsbilder von der Reise durch Indien, von den Kamm- und Paßwande- rungen, vom Aufstieg zu den Bergriesen von über 7000 Meter sehen wird, ist eine Selbstver­ständlichkeit. Näheres über die Kulturfilmvor­stellung ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.

Hauptmann a. D. Erich Freund in Gießen. Das Institut für Leibesübungen der Universität veranstaltet am Dienstag, 22. Nov., um 20.15 Uhr im großen Saale des Studenten­hauses, Leihgesterner Weg, einen alpinen Licht- bildervortrag, in dem der bekannte Alpinist und Bergführer Hauptmann a. D. Erich F reun d- Galtür überDie Eiswelt der Bernina" sprechen wird. Der Vortragende ist der Gießener Oeffent- lichkeil bereits durch seine Tätigkeit als alpiner Führer der Gießener Studenten und durch seinen Silvretta-Vortrag im vergangenen Jahre bekannt. Da mit einem sehr starken Besuche zu rechnen ist, empfiehlt es sich, von der Gelegenheit des Karten- Vorverkaufes Gebrauch zu machen. (Näheres siehe Anzeige.)

*

** Von der Kraft po st linie Gießen Hochelheim. Seit Mittwoch werden auf der Nachmittagsfahrt nach Gießen (ab Hochelheim 13.06) die Orte Klein-Rechtenbach und Groß-Rechtenbach wieder angcfahren.

** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. November verstarben in Gießen: Am 4.: Hugo Hellwig, Kaufmann, 48 Iahre, Goethestraße 27; 6.: Auguste Hermann geb. Haase, Witwe, 72 Iahre, Ebelstraße 12; 7.: Auguste Nick geb. Wallenfals, Witwe, 90 Iahre, Liebigstraße 24; 9.: Minna Voigt geb. Stohr. Witwe, 80 Iahre, Löberstraße 1; 11.: August Drckorch Büchsenmacher und Kreisfeuerwehrin­spektor, 76 Iahre, Schanzenstraße 8; Sonja Schwalm, 6 Iahre, Ludwigstraße 59; 12.: Georg Eisenacher, Heizer, 59 Iahre, Steinstratze 65, 15.: Wilhelm Bernhard, Gärtner, 61 Iahre, Frankfurter Straße 110; Georg Heinrich Kreie, Kandidat der Medizin, 32 Iahre, Licher Str. 29.

Oberheffen.

3n d!e Transmission gekommen und schwer verletzt.

* Gambach, 18. Nov. Gestern gegen 18 Uhr kam der Sohn des Mühlenbesihers Reimer Hierselbst im väterlichen Betrieb in dieTrans- chission der Wühle. Dem bedauernswerten lungen Manne wurde von dem Getriebe der linke Arm abgerissen, ferner erlitt er Verletzungen am Kopfe und an den Bei nen. Die Freiwillige Sanitätskolonne von Gießen verbrachte den Verunglückten nach dem Krankenhaus in Rieder-Weisel.

Landkreis Gießen.

4= Daubringen, 17. Nov. Bei der Treib- I a g b in der hiesigen Gemarkung, die von dem ^agdpächter Fabrikant Rinn von Gießen abge­halten wurde, kamen 49 Hasen und 6 Fasanen zur strecke. Das Rehwild wurde geschont, da es nur auf dem Anstand erlegt werden soll. Die Jagdbeute ist wesentlich niedriger, als in vergangenen Jahren.

U Aodh« im a. d. Horloff, 17. Nov. Dieser fanb in der Wirtschaft »Zum Felsenkeller" die Generalversammlung deS Männerge- langvereinS .Sängerkranz" statt. Der 1. Vorsitzende, Ludwig Becker, erstattete den Iahresbericht. In ehrenden Worten gedachte er des verstorbenen Ehrenmitgliedes, Rechner Otto H o f man n I. Anschließend erfolgte die Rech­nungsablage durch den Rechner Hermann Ra­

ge l. Die Rechnung schloß in Einnahme mit 291,97 Mark, in Ausgabe mit 246,32 Mark ab, so daß ein Ueberschuß von 45,65 Mark verbleibt. Das Vereins vermögen beträgt am Ende des Geschäfts­jahres 2165,81 Mark. An Stelle der ausge­schiedenen Vorstandsmitgliedes Otto Kröll IV, wurde Georg Kröll, an Stelle des Schrift­führers Adolf Hofmann Maurermeister Ru­dolf Kröll neu gewählt.

Kreis Vüdingen.

Nidda, 17. Nov. Kürzlich hat der Unterricht für das Winterhalbjahr in den beiden hiesigen Fach- schulen seinen Anfang genommen. In Anbetracht der ungünstigen wirtschaftlichen Derhältnisie kann man mit dem Besuch der Anstalten zufrieden sein. Die Gewerbeschule (Tagesschule) wird von 17 Schülern besucht. In die landwirtschaftliche Schule traten 19 Schüler neu ein, die landwirt» schaftliche Haushaltungsschule besuchen 18 Mädchen. Bei der Abnahme der Schülerzahl ist der Geburtenrückgang während der Kriegsjahre zu be­rücksichtigen.

Kreis Schotten.

v. Schotten, 17. Nov. Die oberste Motorrad- sportbehvrde hat für die Abhaltung des nächstjäh­rigen großen RennensRund um Schot­te n" den 5. I u n i 1 9 3 3 (zweiten Pfingstfeierkag) festgesetzt. Am dritten Pfingstfeiertag schließt sich der altherkömmliche große Prämiierungsmarkt an. Der Verein für Handel und Gewerbe wird in Verbindung mit der Stadt an die Ausgestaltung einer WochePfingsten in Schotten" Heran­gehen.

§ Ulrichstein, 17. Nov, Der hiesige Zweig- verein des Evangel. Bundes veranstaltete am Dienstag im Grohschen Saal einen Ge­meindeabend. Pfarrer D. Fritsch-Rupperts- burg sprach über die Notwendigkeit der evangelischen Bundesarbeit in unserer Zeit. Zurückgreifend auf Luther, sein Lebenswerk und seinen Kampf für das biblisch-reformatorische Christentum ließ der Redner die Zuhörer die kraftvolle Eigenart unseres evangelischen Glaubens machtvoll empfinden, für den vor 300 Jahren der tapfere, edle Schweden- tönig Gustav Adolf kämpfte und starb. Auch heute heißt es, auf der Wacht stehen für unseren Glauben und ihn schirmen gegen die schweren Angriffe von vielen Seiten. Der fesselnde, aus reicher Kenntnis und Lebenserfahrung quellende Dortrag war um- rahmt von zwei geeigneten Musikstücken, die die Kapelle Dauvert mit gewohnter Meisterschaft vortrug. Der Ortsgeistliche brachte den Dank der Versammlung zum Ausdruck und zeigte sodann einen Lutherfilm, von D. Blankmeister ver­faßt, der einen tiefen Einblick in das Leben und Wirken des Reformators gewährte.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 17. Nov. Gestern vormittag entstand durch die Explosion eines Spiri­tuskochers in dem Hause der Firma H. Heinz ein Zimmerbrand, der nicht unbedeutenden Schaden anrichtete. Sämtliche Vorhänge im Zimmer sind verbrannt, sowie die Fensterrahmen, der Fuß­boden und mehrere Möbelstücke stark in Mitleiden­schaft gezogen worden. Nur durch das rasche Zu­greifen der Hausbewohner konnte der Brand ver­hältnismäßig schnell gelöscht und noch größerer Schaden verhütet werden, so daß auch ein (Ein­greifen der Feuerwehr nicht mehr notwendig war.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

WSN. Wetzlar, 17. Nov. Ein etwa 20* jähriges Mädchen aus dem benachbarten Kreisort Donbaden Hatte sich eine kleine Verletzung am Arm zugezogen, die es nicht be­achtete. Nach einigen Tagen schwoll der Arm infolge Blutvergiftung stark an. Der Arzt ordnete sofort die Überführung ins Krankenhaus an. Hier mußte der Arm amputiert werden. Nach zwei Tagen furchtbaren Leidens war das Mädchen t o t.

<5 Dorlar, 17. Nov. In einer der letzten Nächte ist bei einem hiesigen Kaufmann ein Einbruchs- dieb stahl ausgeführt worden. Der Dieb hat ein Kellerfenster, dessen Glasscheibe einige Tage vorher von Kindern eingeworfen worden war, durch Auf­schieben des Verschlußriegels geöffnet, ist in den Keller eingestiegen und hat aus dem Lager des Kaufmanns Nahrungs- und Genußmittel im Werte von etwa 35 Mark gestohlen. Der Rückweg ist durch das Kellerfenster roic^r angetreten worden. Die polizeilichen NachforschMtgen sind noch nicht ab» geschlossen.

(Sin Protest des Darmstädter Gtadtrats.

Gegen d e Verlegung von Ncichsbch rden.

WSN. Darmstadt, 17. Nov. 3n der heutigen Stadtratss itzung wurde einstimmig eine Entschließung ge'aßt, in der eS heißt:

Sie geplante Verleg ung der Oberpost­direktion Darmstadt und des Lan­desfinanzamts Darmstadt würde eine ungeheure wirtschaftliche Schädi­gung der Stadt Darmstadt bedeuten. Diesen Schalk: kann eine Stadt wie Darmstadt, die durch den Verlust der Residenz und Garnison und die Verarmung ihres zahlreichen Rentnerstandes schwerer als jeoe andere Stadt in Mitleidenschaft gezogen worben ist, nicht ertragen, ohne daß ihre Lebensgrundlage zerstört wird. Ebensowenig kann es als zweckmäßig und berechttgt anerkannt wer­den, Reichsoberbehörden nach und nach in einzelnen bevor^ugtenGroßstädtenzu vereinigen Der Stadtrat legt gegen eine Derwal- tungsreform, die den überkommenen Be­sitz- und Rechts st and und damit das Le­bensrecht einer schwer um ihr Dasein ringenden Mittelstadt mißachtet, schärfste Verwah- r u n g ein und erwartet von der Reichsregierung, daß die verheißene Achtung der Eigen- ßaatlichkeit der Länder nicht dchtzurch illusorisch wird, daß man dem Lande Hessen die aus feiner Eigenstaatlichkeit erwachsenen und mit vieler organisch verbundenen Reichsoberbehörden wegninunt. Von der hessischen Regierung darf erwartet werden, daß sie sich dieser das ganze Hessenland schwer schädigenden Maßnahme m i t aller Entschiedenheit widersetzt und chren ganzen Einfluß aufbietet, um eine der Stadt Darmstadt abträgliche Entscheidung abzuwenden."

Polizei im Ttadtrat.

Q^ei der Beratung von kommunistischen Winterhilfeanträgen kam es zu Tu. multszenen, an denen sich auch ein Teil bet Galeriebesucher beteiligte. Bei den Ausführungen