Ausgabe 
18.6.1932 Erstes Blatt
 
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Ur. Hl Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Samstag, 18. Juni 1952

Vereine

Nachdruck verboten I

13 Fortsetzung.

Radio-Ueberttag.'

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olonnadet

geg. eriie Zidirrir. W leiben flciua; pmien Dünltlidi ec. >m voraus. Scbrif- Angebot, uni. A7- fl.ö.ßiefulnwiiit:.

Außenpolitische Umschau.

Don 10t. Cito Voeysch, o. o. pro,. Der Geschichte an Der Unmerfifdt Serlin.

Die Lausanner Konferenz ist besser, die bisherige derartige Zusammenkünfte vorbereitet war. den. und wir erkennen selbstverständlich den (Eifer Macdonalds und den entschiedenen Willen (Eng. lands in der Dichtung einer absoluten Streb chung der Reparationen gern an. Bon allen Sei. ten klingt es ja auch, daß nun auch formell und uneingeschränkt mit den Reparationen Schluß ge- macht werden mässe. Aber die bekannten Hinder­nisse sind und bleiben da!

Elisabeth

erobert sich das Glück

Vornan von Margarete Ankelmann

Copyright by M. Feuchttvanger, Halle.

Was soll denn diesespar compensalion" heißen? Entgegenkommen in der Schuldenfrage gegen deut­sches Entgegenkommen in Donausragen? Das sind aber doch olles unausgegorene Ideen? Was scststcht. ist: daß die Schuldenzahlungen Frankreichs u. (Eng­lands an Amerika erst am 15. Deymber d. I. wie- der fällig werden. Wenn sie also wollen, können sie zunächst einmal aus Reparationszahlungen Deutsch- lands verzichten, ohne selbst in die Tasche zu greisen Im übrigen brauchen wir zu diesen gequälten Ver­handlungen um Endlösung oder Moratorium nichts weiter zu sagen. Ein Fortschritt wäre es natürlich, wenn aus Europa eine formelle Erklärung an die Adresse Amerikas erfolgte, d. h. von den europäi­schen Gläubigern Deutschlands, daß sie mit den Re­parationszahlungen Schluß in (i d) en wollen. Da am 15. Juni der republikanische Parteikonvent angefangcn hat und am 27. Juni der demokratische folgt beide in Chikago. so kommt ja nun auch bald etwas Klarheit in die amerikanische Situation.

Wird diese auch von einer anderen Seite Her­kommen, die ebenso wichtig ist, nämlich von der Seiteder Währung, genauer gesagt der Frage des Festhaltens am Goldstandard? Soeben ist der endgültige Bericht der Goldkommission des Völkerbundes erschienen, der sich unbedingt für die Wiederherstellung der Goldwährung aus­spricht mit den bekannten Bedingungen: freier Warenaustausch, Lösung der Kriegsschuldfrage, Bud- getgleichdcwichl Eine Minderheit der Delegation hat sich dabei dahin ausgesprochen, daß die Hauptursache für die Preisgabe oder Gefährdung der Goldwäh rung in der schlechten Verteilung der Goldreserven bestehe, und fordert eine inter*

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Samstag, 1S.b.3i .

20.00 Uhr:.

Snfammenhiiin Zum Andres.

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Neuntes Kapitel.

Seit jenem Opernabcnd hatte Elisabeth Lothar von Gckcrtsburg nicht wieder zu Gesicht bekom­men. Die Wochen waren vergangen.

Gemütlich lebten die beiden Frauen zusammen. Sie beide verstanden sich von Lag zu Tag besser, waren fast immer einer Meinung. Sogar in der Hinsicht, daß es viel schöner war ohne Herrn von Eckertsburg und daß es gut war, daß er für einige Zeit hatte verreisen müssen.

Dor seiner Neise noch hatte er ein Theater- abonncmcnt besorgt für die Oper, von dem beide Damen häufig Gebrauch machten.

Elisabeth arbeitete fleißig. Ihre gesangliche Kunst machte ebensolche Fortschritte wie ihr schau­spielerisches Können. Das ganze Konservatorium war voll von ihrem großen Talent. Sie galt als die Musterschülerin der Opernschule: im Februar sollte sie zum ersten Male öffentlich auftreten, bei einem Opernabend des Konservatoriums.

Sie strahlte vor Gluck, als sie Frau Schelmer diese Botschaft brachte.

Elisabeth hatte sich auch mit einigen Gefährten der Opernschule angcfrcundet. lebenslustigen jun­gen Menschen, mit denen sie ab und zu zusam­menkam. ,

Da war Traute Steiner, ein funsundzwanzig- jähriges, hübsches Mädchen, schwarzlockig, braun- äugig voll Temperament und Nasse. Sie war Elisabeth die sympathischste ihrer Gefährtinnen. Traute Steiner hatte ihr Studium fast abg^ schlossen, war von der nächsten Saison ab nach Wiesbaden engagiert, zuerst mit ganz kleinem Gehalt.

Traute hatte von Anfang an Elisabeth lieb­gewonnen. Sic hatte zuerst Besuch bei ihr gemacht und war von Frau Schelmer sehr herzlich aus­genommen worden. Man hatte einen reizenden Abend verlebt, und Frau Schelmer hatte vcr- sprechen müssen, bald mit Elisabeth zu Steiners zu kommen.

Frau Steiner war die Witwe eines Arztes, eine lebhafte, temperamentvolle «yrau. das^lrditd ihrer Tochter Frau Steiner und <yrau schelmer fühlten sich vom ersten Augenblick an zueinander hingezogen, und da auch die beiden Mädchen voll­kommen harmonierten, war man bald einig, (cv- haftcn Verkehr miteinander zu pflegen.

ES war ein großer Genuß, den Stimmen der

Auch 5)erriot begreift, daß die Zeit für den alten starren französischen Standpunkt vorbei ist, daß man eben aus Deutschland nichts mehr bekommt, vielleicht begreift er den Hintergedanken noch nicht zur Genüge, daß nämlich, wenn die endgültige Rege- lung nicht kommt, die Gläubiger Deutschlands im Auslände immer mehr in die Gefahr geraten ihr kurz, und langfristig angelegtes Geld zu verlie- re n. Aber vor der Möglichkeit der formellen Strei- chung steht die bekannte »Ablehnung aus Ame­rika, steht die Tatsache, daß auch Frankreich jetzt die Formalverpflichtung über die Zahluna der ge- stundeten Schulden vollzogen hat (am 10. Juni) und daß Frankreich wie England von 1932 an aus ihren Schuldenoerträgen mit Amerika nur noch ein Teil­moratorium für sich beanspruchen können

In den Besprechungen der letzten Wochen hak man nun nach Zwischen, und Kompromiß, löfungen gesucht, wie: herabgesetzte Schlußzoh- lung Deutschlands oder ein sehr langfristiges Mora­torium. Damit hat Macdonald den reichlich unbe­stimmten Gedanken einer politischen Verständigung, einer neuen Friedensbeteuerung (der wievielten?), eines europäischen Friedensabkommens verbunden, und Herriol Hal den mystischen Satz ge­prägt, daß Frankreich bereit sei, in Lausannejeden Plan zu besprechen ober jeden Schritt

chritt zu unterneh­men, der zum Ausgleich eine größere Festigkeit der Welt oder eine größere Versöhnung im Frieden herbeiführen würde."

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nationale Zusammenarbeit der Hauptgoldtänder zur Wiederherstellung der Preise und der Währungen. Ja, das wissen wir ja nun glücklich alle! Dagegen ober steh«, daß bie(e internationale Zuiammenarbeii einfach nicht vorwärts kommt, daß der Kamps um Gold und Devisen in den odjulbnerlänbern, dar­unter auch Deutschland, immer zweifelhafter und daß die Strömung in den Vereinigten Staaten immer stärker wird, den Goldstandard zu verlassen, weil ein Staat mit diesem Riesengebict und diesen Mög­lichkeiten wirtschaftlicher Selbstgenügsamkeit sich schließlich auch eine Inflation leisten kann.

Immer hoher steigen die Wasser, und da wird nun so unzureichend und zögernd an einem Brenn­punkt gearbeitet: in Oe st erreich zanken sich die Gläubiger mit der Bundesregierung um Bundcshaf- tung und Verpflichtungen Oesterreichs, es werden sogar gefährliche Anregungen laut, der Ausland- entroertung des Schillings im Innern Rechnung zu tragen durch einmalige Devalvation und Neustabili­sierung auf einem andern Goldstandard. Das heißt, daß, während die Auslandverpflichtungen natürlich auf Dollar lauten, der Gläubiger also gesichert wäre, der Ocsterreicher den ganzen Bankzusammenbruch noch einmal auf feinem Rücken ausgetragen sehen sollte! Hilfloser und egoistischer kann eigentlich eineHilfsaktion" und die ihr zugrunde liegende Aus sassung der Gläubiger nicht fein. Da kann man sich nicht wundern, wenn in der Welt die Meinung zu- nimmt, der Goldstandard fei eben nicht mehr aus- rechtzuerhalten und damit auch nicht das kapita­listische System im bisherigen Sinne

Wichtige Nebenoorgänge seien nur kurz verzeich­net. Der Senat I r l a n d s hat de Valera in der Ab­schaffung des Eides auf den König zugestimmt, aber verlangt, daß dieses Gesetz nicht sofort in Kraft trete Inzwischen hat unter Vermittlung des Königs und des Thronfolgers das englische Kabinett mit de Va­lero angetnüpft und dieser war sogar in London Eine Einigung ist aber nicht zustande gekommen Nun war am 14. die Jahresrate der Landablösungs- Idjiilb fällig, deren Zahlung de Valero eingestellt hat Der Streit wird sich nun im wesentlichen noch Ottawa verlegen und vielleicht in die großen Fragen der Reichszollbestrebungen überhaupt einmünden. Am 7. Juni hat d i e S ch w e i z noch oieljohrigem Kampf einen Sieg im fog. Zonen st reit davongetra- gen. Frankreich muh die zollfreien Zonen seines Staatsgebietes um Genf herum wieder Herstellen für die Schweiz ein großer Erfolg, für Europa im ganzen ohne Bedeutung. Im Memelgebiet sind sich (Ernennung des neuen Gouverneurs, Zusammen- tritt des Landtags, Bildung eines rein deutschen Direktoriums und Beginn des im Haag anhängig gemachten Memelprozesies gefolgt. Litauen hat eine 'Niederlage nach der anderen einftecken müssen und zieht hoffentlich nun die Lehre daraus, die Memel- frage verständig zu behandeln.

Wenig beachtet hat man es, daß ei n türkischer Besuch in Moskau war und mit ebensoviel Pomp der italienisch-türkische Freund- schaftsvertrag in Rom verlängert und gefeiert worden ist. Die Linie ist nicht unwichtig, im beson­deren und im allgemeinen: Rom-Angora-Moskau, unter dem Gesichtspunkte der Rohstosslieferung und der politischen Orientierung! Ebenso gehört in das Kapitel der Machtbeziehungen da s polnisch französische Verhältnis, das berührt wird durch die Kritik der französischen Linken an der (Erneuerung des französisch polnischen Militärbünd­nisses und die Weigerung Frankreichs, Polen für feine Gdinger Bahn das fehlende Geld des Zweiten Abschnittes zur Verfügung zu stellen. Indes glauben wir nicht, daß Frankreich irgendwie geneigt ist, von dem polnischen Bündnis abzugehen, in dem es ein Symbol für die Ordnung von Versailles sieht.

Die französische auswärtige Politik bleibt nach wie vor auch unter Herriot und mit seinen Formeln starr: Sicherheit, Reparation, Heilig- feit der Verträge ... Wir glauben auch nicht daran.

beiden Mädchen zu lauschen, die wunderbar zu­sammenklangen.

Zuweilen gesellte sich als Dritte im Bunde Helene Franke hinzu. Sie war die Tochter eines reichen Fabrikanten, studierte Musik nur zu ihrem Vergnügen. Sie war groß, ziemlich mager, asch­blond und fast häßlich. Das, was an ihr entzückte, war ihre herrliche Altstimme.

Helene Franke war eines jener bedauernswer- ten Geschöpfe, die unter dem Reichtum ihres Elternhauses leiden. Verzogen bis über die Maßen, umgeben von jedem erdenklichen Luxus, sehnte sie sich nach einem Manne, der sie um ihrer selbst willen liebte und immer wieder mußte sie die traurige Erfahrung machen, daß cs nur ihr Reichtum war, der die Männer zu ihr führte. Diese Ersahrung hatte sie früh reif werden lassen.

Sie urteilte abfällig über alle Menschen, kriti­sierte verächtlich alle Männer. Aber sie war eine gute Kamerun.

Frau Steiner unb Frau Schelmer mochten Helene Franke nicht besonders gut leiden. Helene Franke war ihnen zu schwerblütig, glich im Ver- hältnis zu den anderen beiden Mädchen mehr einer dreißigjährigen Frau: ihr fehlten die Schwungkraft und die Belebtheit der Jugend.

Weil Elisabeth sich indes zu Helene hingezogen fühlte, Mitleid mit ihr hatte, wurde das ernste Mädel häufig zu den gemütlichen Abenden zu- gezogen, und die beiden Frauen fügten sich Elisabeths Wunsch. ,

Elisabeths erstes Weihnachtssest in der Fremde war vorüber. Frau Schelmer hatte einen wunder­schönen Baum geschmückt, liebevoll Geschenke für ihren Schützling ausgesucht. Auch Elisabeth hatte ihrer «Pflegemutter einige Kleinigkeiten beschert, und es wurde ein harmonischer und geruhsamer Abend, verklärt von dem Gedanken an die tote Muttcr. Lothar von Eckertsburg hatte nichts von sich hören lasten.

Silvester feierte man zusammen mit Frau Stei­ner und Traute. Man war außerordentlich ver­gnügt. Elisabeth hatte Frau Schelmer ihr Bild geschenkt, worüber diese so entzückt war. daß sie dem Mädchen einen Kuß gab und ihr vorschlug, von nun an gegenseitig du zu sagen. 3n fröh­licher Laune wurde Brüderschaft getrunken.

Eckertsburg hatte zu Neujahr einige Zeilen an Elisabeth geschrieben, ihr alles Glück gewünscht und sie gebeten, sich immer an ihn zu wenden, wenn sie ihn brauche.

Mit ihrem alten Professor hatte Elisabeth Weihnächte- und Neujahrsgrüße getauscht. Sie hielt den guten, alten Mann immer aus dem lausenden über ihre Fortschritte: wußte sie doch, daß er das größte Intereste an ihrer Zukunst hatte.

Zwei Tage nach Neujahr kam noch ein Paket für Elisabeth. Sie öffnete e3; ein Ausdruck des

er ist ein an­

ständiger Mensch. Aber ich weiß auch, daß seine

freue mich für

(Fortsetzung folgt)

An oft unerträglich ist, und ich dich, daß du deine Ruhe hast.

Ich verstehe feine Haltung dir gegenüber nicht recht. Er weiß doch sonst so gut mit Frauen um- zugchen, kann lehr nett sein. Du bist doch ein so reizendes Geschöpf: ich möchte wissen, warum er nicht liebenswür^ ger zu dir ist."

..Ach Gott. Tante, er ist halt mein MLzen, und er will mir zeigen, daß er nichts anderes sein will."

Ach. du meinst, er will eine Respektsperson für dich sein? Ja. weißt du. Kindchen, den Lothar kennen wir beide nicht ilnö das ist es. warum ich mich immer ärgere. Man kommt sich verraten und verkauft vor. ihm gegenüber.

Elisabeth muhte lachen.

..Nun lachst du mich auch noch aus. Elisabeth. Willst ihn vielleicht noch in Schuh nehmen?'

Nein. Tante, das will ich gar nicht. Aber es ist besser, wir lassen dies Thema fallen. Ich darf nicht vergessen, daß ich ihm viel Dank schulde.

Jetzt muh ich an den Flügel, tüchtig üben. In vierzehn Tagen 'chon ist der Overnabend. Du glaubst nicht, Tante, wie ich mich darauf freue. Aber alle find schon aufgeregt und haben mächtig Lampen lieber."

Du nicht, Elisabeth?"

Ach. ich weih nicht recht Eigentlich nicht Ich freue mich so, einmal spielen zu können. Ein

vollständig durchnäßt werden, daß sie vorläufig un­brauchbar sind. Außerdem sind unsere Kreuzer nur

einige Zeit los", sagte Frau Schelmer.Ich habe ihn gern, den Lothar, ich weiß,

mit Nachdruck.

Worum denn?" fragte der Politiker mit plötzlich neu erwachender Furcht,ich denke der Kamps ist zu Ende."

Der Offizier lächelte Ihm zu.Das kleine Dor- postengeplönkel ist vorüber: da haben Sie recht aber ich müßte die strategischen Fähigkeiten der Herren Japaner doch sehr unterschätzen, wenn wir nicht innerhalb der allernächsten Zeit mit der feind­lichen Flotte selbst einen Zusammenstoß erleben Die gegnerischen Luftstreitkräfte haben ihre Arbeit getan uns ausgesucht, in Kämpfe verwickelt und geschwächt und aufgehalten. Ich wette hundert gegen

bißchen aufgeregt, fa, das bin ich vielleicht: aber nur deshalb, weil ich den Abend kaum erwarten kann. Doch daß ich bange bin oder Herzklopfen habe, das könnte ich nicht sagen.

Am meisten Angst haben unsere männlichen Kollegen. Kammersänger Perlberg ist ganz ver­zweifelt und sagt immer, die Herren sollten sich ein Beispiel nehmen an dem Mut des schwachen Geschlechts.

Wundervoll wird Traube sein. Sie singt die Elektra herrlich."

Schon saß Elisabeth am Klavier, spielte einige Takte aus der Straußschen Oper. Dann fiel ihre Stimme ein; sie hatte die Partie der EhrysotherniS zu singen. Elektras Schwester. Elisabeth fang mit Eifer und Hingabe. Frau Schelmer hörte ihr andächtig zu.

Anfang Februar fand der Opern abend statt, an dem sich die jungen Sänger und Sängerinnen zum ersten Male der großen Oessentlichkeit fän» gerisch und darstellerisch vorstellten.

Man spielte Richard Strauß' OperElektra". Die Aufführung war gut besucht. Die Elektra fang Traute Steiner, die eine Generalprobe ihres Könnens abzulegen hatte, ehe sie nach Wies­baden ging. Auch die Darsteller der Klytämnestra und des Orest hatten ihre Engagement-; beide gingen schon Ende des Monats nach München.

Es war seltsam mit Elisabeth. Alle hatten sie bewundert, daß sie bis -um letzten Augenblick surchtlos blieb, nicht einmal von dem Lampen- ficber der übrigen angesteckt wurde.

Nur ein unmerkliches Zittern hatte sie befallen, als sie hergerichtet und geschminkt wurde, ein Zittern der Erwartung und der Freude. Es prickelte ihr in den Fingerspitzen, als sie jetzt im griechischen Gewand hinter der Bühne stand.

Der ganze Kulissenzauber drang auf sie ein: der Geruch der bemalten Leinwand, das hastige Hin und Her der Beleuchter unö Bühnenarbeiter, die gedämpften Befehle der Regisseure und In­spizienten. Dazwischen pendelten die Aufführen­den, die plarllos herumliefen, leise ihre Stimmen Probten und fast gereizt antworteten, wenn man sie etwas fragte.

Elisabeth lehnte still und reglos in einer Ecke und nahm mit großen, glänzenden Augen all das Neue in sich auf. das sich ihr heute bot. Dann, als der erste Gongschlag ertönte, tat ihr Herz einen heftigen Schlag.

Gespannt, Hcbemb wartete sie auf ihr Stich­wort. Wie im Traume hörte sie den Wechsel­gesang der schwatzenden Mägde, vernahm sie Elektras Soloszene.

Jäh schoß Elisabeth ein Schreck durch den Körper. Gleich würde sie drankommen. Perlberg stand neben ihr, sah ihre plötzliche Erregung.

.Ruhig. Fräulein Psilipp. Nicht nervös wer­den 1"

Entzückens kam über ihre Lippen. Ein kleines Bild lag vor ihr, das ihr Vaterhaus darstellte. Eckertsburg hatte es für sie malen (offen. Es bekam seinen Platz über Elisabeths Bett.

Mitte Januar tauchte Eckertsburg plötzlich in Leipzig auf. Elisabeth wollte ihm für da- Bild danken, streckte ihm die Hand entgegen. Er machte fein hochmütigstes Gesicht, tat, als ob er die Hand nicht sah.

Als er gegangen war, brach Elisabeth in Tränen aus. Es gelang Frau Schelmer nur schwer, sie zu beruhigen.

Bei seinem Besuch am nächsten Tage war Elisabeth nicht anwesend. Frau Schelmer machte ihrem Ncssen die bittersten Vorwürfe über sein seltsames Verhalten. Eckertsburg antwortete nichts, ging fort.

Zwei Tage lieh er sich nicht sehen: am dritten Tage erschien er, um sich zu verabschieden. Elisa­beth war nicht zu Hause, und als sie zurückkam, lag ein großes Bund herrlicher Tulpen für sie da und ein kleines Pakctchen. Es enthielt ein Etui mit einem schmalen, goldenen Armband. Zur Versöhnung" stand auf der Visitenkarte, sonst kein Wort.

Eckertsburg war wieder toeggereift, auf sein Stamm gut nach Westfalen.

Gottlob, Elisabeth, jetzt sind wir ihn für

daß Herriot. obwohl er sich offenbar jetzt des bc kannten eigentlichen langjährigen Träger» der fran­zösischen Außenpolitik. Philipp Berthelot», entledigt hat eine neue oorwärtstreidende Formel finden Ubr werden d.e beiden der angekündigten am wird. (Er, und noch mehr die außenpolitisch ge- «schulteren und klügeren Routiniers der französischen Außenpolitik um ihn herum werden wohl vielmehr im Augenblick in Lausanne daraus achten, ob sich nicht wiederum ein französisch englisches Gejchasi auf Ä o ft e n der anderen, also vor allem

Deutschlands, machen ließe! Denn sie wissen, daß England in seiner komplizierten und oielfahtgen Beanspruchung auf der Welt zu einer eigenen starken europailchen Aufbaupolitik weder fähig noch c.gent- sich auch willen» ist

Wenn -man heute jagt, England habe den Schlüssel zur Lage in der Hand, jo ist da» sicher eine lieber- treibung Aber natürlich soll die deutsche Politik alle» benutzen, was der im Grunde willige und einsichtige Macdonald in Lausanne anbahnt und anstrebt!

ür die Aufnahme je eines Flugzeugs eingerichtet: ie find keine schwimmenden Flugplätze. Und gerade ctzt würde ein Luftaufklärungsdienst von größtem Nutzen für uns fein", fchlyß der Offizier feine Rede

IV.

Oie Schlacht.

Endlich hatte sich der Politiker so weit von seinem Schrecken erholt, daß er imstande war Aus­schau zu halten. Die Fahrt des Schisses war so ver­mindert worden, daß es fast stillzuslehen schien. In- folgedessen Hatte auch der atemraubende Gegenwind nachgelassen. Hinten am Horizont lagen dunkle Rauchwolken. In geringer (Entfernung lag der eine der großen Kreuzer, der bisher auf gleicher Höhe mit dem Flaggschiff gewesen war, bewegungslos und stark zur Seite geneigt. Aus der aus dem Wasser ragenden Seite rann ein halbes Dutzend schäumender Bäche: die Schiffspumpcn schienen mit höchster Anstrengung zu arbeiten. Die Geschütze waren nach Möglichkeit nach der oberen Seite her- umgcworfcn, um das Gleichgewicht wiedcrherzu- stellen. Mehrere Zerstörer dampften langsam um den beschädigten Kreuzer, von dessen Kommando­brücke ununterbrochen Lichlsianale abgegeben wurden

In etwas größerer (Entfernung lag einer der leichten Kreuzer ebenfalls bewegungslos mit weit in das Wasser gesenktem Bug, während noch ein anderer in einer dunklen Wolke von Rauch und weißem Dampf, die Mittschiffs entströmten, den Blicken beinahe gänzlich entzogen war. (Er war von mehreren wohlgezielten Bomben getroffen worden. Eine davon hatte wohl den Weg in den Maschinen­raum gefunden, so wenigstens informierte ihn der Offizier.

Das merkwürdige Flugzeugmutterfchiff war gänz­lich verschwunden.

Durch Torpedos in den Grund gebohrt", klärte ihn der Offizier auf.Dieser Verlust ist stanz befon- ders unangenehm, wir haben noch eine Menge brauchbarer Flugzeuge übrig behalten, die jetzt keine Unterkunft mehr haben. Beim Versuche, sie an Bord zu nehmen, werden die meisten zerschellen oder |o

eins, daß der Feind in unmittelbarer Nähe ist, um uns den Rest zu geben!"

Ungläubig betrachtete der Politiker den Sprecher.

Aber das muh doch der Admiral auch wissen! Warum bleibt er denn an Ort und Stelle und weicht der Gefahr nicht aus?"

(Er weiß es ebenso gut wie wir alle, aber Sie werden ihm doch nicht etwa zutrauen, daß er feine halbe Flotte im Stich läßt: das kann und darf er höchstens tun, wenn es zum Schlimmsten kommt, und auch bann tut er es noch nicht, wie ich ihn kenne "

Der Politiker fuchte mit angstvollen Blicken den Horizont ab; er hatte zwar keine Ahnung, au» wel- cher Richtung der Feind zu erwarten war, und vorläufig war auch noch nichts zu entdecken. Er fah nur die eigenen Schiffe, sieben an der Zahl, drei davon schwer beschädigt, und die Zerstörer, die das Geschwader zum Schutz gegen etwaige Unterseeboote umkreisten. Hoch oben in den Lüften schwebten einige Flugzeuge, aber da sich niemand um sie tümmene, waren cs wohl die eigenen. So verging eine Viertel­stunde.

Da oben hat einer etwas bemerkt", rief der Offi­zier plötzlich aus.sehen Sie, er gibt uns Signale"

Wiederum begann der bunte Reigen gegebener und erwiderter Flaggensignale an den Mafien Wie­derum entströmten den Schornsteinen dunkle Rauch- massen, selbst von den beschädigten Schiffen der Politiker bemerkte, daß die Schlagseite des großen Kreuzers wesentlich geringer war; es kam Bewegung in die Flotte. Gefechtsordnuna wurde eingenommen und auf Befehl des Flaggschiffs ein neuer Kurs ein- geschlagen Die Sonne befand sich nicht mehr in ihrem Rücken, sie hatten sich nach Süden gewandt.

Von unten wurde gemeldet:Fliegermelduna: Vier feindliche Kreuzer von der Kakoklafse, vierzig Meilen Ostsüdost, Kurs auf Südwest, und vier Schlachtkreuzer der Kongoklasse 15 Meilen, 2% Strich von Steuerbord achtern, Äurs auf Süd "

Der Offizier wiederholte die Meldung und gab den zweiten Teil durch ein anderes Sprachrohr weiter. Dem aufwärts gerichteten Blick des Offiziers fol­gend, gewahrte der Politiker zwei lange metallene Arme, die sich langsam bewegten: es war der Ent­fernungsmesser.

Was bedeutet denn das 2% Strich Backbord achtern?"

Na, hinken links: wie ich mir gedacht habe, sie verfolgen uns!" Seine Züge wurden ernst. Er hielt die schmalen Lippen fest aufeinandergepreßt. Können wir denn nicht entschlüpfen?"

Der Offizier zuckte die Achseln:Ohne den vor- angegangenen Luftkompf von vorhin wäre es viel­leicht möglich gewesen, da wir normalerweise .30 Kno- ten zurücklegen können, wahrend die feindlichen Schlachtkreuzer eine Geschwindigkeit von 27 Knoten nicht überschreiten können Aber im Augenblick brin­gen wir es höchstens auf 20 Knoten; es sei denn.

Seeschlacht im Chinesischen Meer!

Ein spannendes Zukunftsbild von kommenden Kriegen um den (Milten Ozean. Don Z. Dritten Austin.