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Vornan von 3 Gchneider-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Sie zog das Seidentüchlein heraus und ging dreist an ihm vorüber. Er sah auf, grüßte und stand tm nächsten Augenblicke auf den Füßen. »Gehört das wohl Ihnen?" fragte sie naiv und liest ihren Fund im Winde flattern.

Ein rascher Blick nach der Iackettaschc über­zeugte ihn, daß es sein Eigentum war. »Es ist sehr liebenswürdig, gnädige« Fräulein, cs mir ^^Was^Äomm« ich als Finderlohn?" sprach sie, ohne eine Miene au verziehen

Ein dunkles Not lief sein Gesicht hinaus und färbte ihm sogar die Schläfen. .Ich überlasse die Entscheidung Ihnen selbst, gnädiges Fräulein."

»Dann leisten Sie mir ein bißchen Gesell­schaft", befahl sie, ließ sich ins Gras gleiten und machte eine ermunternde Bewegung. Er streckte sich aber nicht mehr auS,'klappte daS Buch zu und saß mit aufgezogenen Änicn neben ihr »Finden Sie nicht, dast die Sonntage hier auf Necklinhausen gräßlich langweilig sind?" nahm sie daS Gespräch wieder auf.

»Nicht im mindesten, gnädige« Fräulein." ^abcn Sie überhaupt nie Langeweile?" »Nein! Zumal heute nicht", setzte er rasch ^ic wandte da« Gesicht nach ihm und sah das flüchtige Lächeln, welche- um seinen Mund spielte. Etwas wie Zorn überkam sie. So ein Duckmäuser! Tat, als gäbe es überhaupt kein weibliche« Wesen für ihn und machte einem dann Elogen. Da« sollte er büßen. »Sie sind wohl gezwungen, mal auf ein Gut oder so etwas Aehnuches cinzuhciraten. nicht?" sagte sie kalt­blütig.

Sie erschrak, al« er ihr ganz langsam da« Ge­sicht zuwandte, da» keinen Tropfen Blutes mehr auf den Wangen trug. »Ich gehe nicht darauf aus, mich an Erbtöchter oder derlei heranzu- schleichcn, Fräulein von Recklinhaufen.2rage auch keinerlei Verlangen, Besitz in meine Hände zu bringen, um so mein Leben in die Bahn be­quemen Genießen« zu lenken. Solange ich Kraft in mir fühle, werde ich arbeiten! Lind wenn ich einmal verbraucht bin" er machte eine gleichmütige Geste mit der Linken »Sie werden gerufen, gnädiges Fräulein!"

Er stand auf und bot ihr die Hand, um ihr behilflich zu sein, aber sie sah darüber hinweg, nickte ihm flüchtig zu und ging nach der Rich­tung. au« welcher Lenore« Stimme gekommen war. Ehe sie den Garten verließ, konnte sie sich'« nicht versagen, noch einmal zurückzuschauen. Mal-

now lag im Grase und hatte, wie es schien, den Kopf in die Arme gewühlt.

Ihr Herz klopfte schuldbewußt. Hatte er es wirklich so schwer genommen? Sollte sie noch einmal zu ihm gehen und ihm sagen: .Verzeihen Sie, Herr Malnow. aber c« war in der Tat nicht auf Die gemünzt gewesen. Seien Sie wieder gut!" Aber ein gewisser Trotz in ihr überwog. Sie lief der Schwester entgegen und hakte den Arm in den Lenore«. .Weiht du schon? -- Wir haben Besuch bekommen. Sin Herr Gradnit). Er ist der Mama cntgegengc- Sangcn. -- Was hast du denn, Lenore? - Mm wttes willen, was hast du denn? Herr Mal- noto!" gellte es durch den Garten.

Er kam eilig und bemühte sich um Lenore, die mit versagenden Füßen gegen einen Apfel­baum lehnt. »Es ist nur die übergroße Schwüle", sagte sie mit verzerrten Lippen. »Suse, wenn mir einmal ein bißchen schwach ist, das ist doch noch kein Grund, gleich so über die Maßen ver­stört zu fein." Sie suchte sich auszurichten und war dankbar, daß Malnow sie so behutsam unter­faßte und nach der Bank geleitete, die ganz in kühlem Schatten lag.

»Ich bringe Ihnen jetzt eine kleine Erfrischung auS der Küche", sagte er teilnehmend.

Aber Suse war schon davon. Mit fliegenden! Haar jagte sie über den Nasen und schluckte an ihren Tränen, die ihr immer und immer wieder in die Kehle stiegen. Auf dem Nückweg ver­schüttete sie einen Teil der Fleischbrühe, die sie aus der Küche geholt hatte, und achtete gar nicht darauf, daß Margret hinter ihr hergelaufen kam.

»Sei doch nicht so kopflos", schalt diese ärger­lich. »Wegen so einem bißchen Mebclfcit stirbt man doch nicht. Was soll denn Malnow bei Lenore? Daß du auch solchen Blödsinn machst! Du hättest doch geradesogut mich rufen können."

»Er war am nächsten!" stammelte Suse und hatte Mühe, den Nest der Brühe noch bis zur Dank zu bringen.

Dieter kam ihr einige Schritte entgegen und sah an ihr vorüber, al« er ihr die Tasse abnahm. Die wollte ihm ein gutes Wort sagen, aber hinter ihr kam Margret und diese brauchte nicht zu wissen, daß Malnow ihr etwa« zu verzeihen hatte.

..Ich danke Ihnen!" hörte sie die Schwester kühl und von oben herab zu ihm sprechen. »Wir benötigen Sie nicht mehr. Lenore, trink jetzt! Es wird dir sicher gut tun!"

Malnow« Verneigung war so kühl gemessen, wie Margret« Worte.

Solch ein Idiot!" erregte sich die junge Dok­torin.Dann soll er nicht dienen gehen, wenn er wie ein Fürst behandelt sein will?

Suse erwog angstvoll, ob er es nicht gehört haben konnte. Es schien nicht der Fall zu fein, denn er ging gelassen nach dem Platz, auf welchem

er zuvor gelegen hatte, nahm sein Buch auf und schritt den Oekonomiegebäuden zu.

Ein häßlicher Mistklang war plötzlich in den Sonntagsfrieden gekommen, und Suse dünkte es, als wäre die Langeweile, über die sie zuvor ge­klagt hatte, tausendmal leichter zu ertragen ge­wesen. al« da« Gestühl der Schuld. daS sie ieftt für sich und Margret trug. Schweigsam fetzte sie sich neben die Schwester auf die Dank und nahm deren Hände zwischen ihre warmen, fest pul­sierenden. »Gehl's wieder besser?" bettelte sie zu Lenores bleichem Gesicht auf.

»Ganz gut schon wieder. Kleines."

»Ich werde dich hednach einmal ganz gründlich untersuchen", sprach die Aelteste und zählte die Pulsschläge an der linken Hand der Schwester. »Da« bangt alles noch mit der Geschichte um Swensen zusammen. Denk doch nicht immer an den Lassen. Der ist jetzt verheiratet! Basta! Wenns dich erleichtert, wünsch ihm Hals- und Beinbruch, aber i;i natura, sonst gilt « für Leute seines Schlages auch noch als TaliSman."

»Laß sie doch in Nuhel" schalt Suse erbost, begegnete dem etwas hochmütigen Lächeln der Aettesten und wurde brennend tot. Mit einem baftigen ..ich komme gleich wieder!" lief fie über die Wiesen dem Hause zu.

Margrets Blick folgte ihr amüsiert. Es war wohl Zeit, daß man der Mama nahelegte. Sorge zu tragen, daß Dieter Malnow fein Domizil wechselte.

AIS Frau von Recklinhausen an Gradnitz' Seite ihr Heim betrat, wiegte sie sich in dem Gedanken: Niemand ahnt etwas! Niemand weiß, warum er gekommen ist. Sie stellte ihn ihren Töchtern vor und sah dabei nur nach Suse, die ihm im­pulsiv die Hand entgegenstreckte.

Also nicht wahr, ich habe recht gehabt! Der Weg ist gar nicht zu verfehlen. Wo haben Die denn Mama getroffen? In der Kirche noch? Was hast du denn so Dringliche« zu beten?" wandte sie sich lachend an die Mutter.Margret ist glücklich durch« Examen. Lenore und ich sind auch so ziemlich gut geraten. Die Ernte ist unter Dachl Ich wüßte nicht, was du da noch so Be­sonderes auf dem Herzen hättest."

Suse!" mahnte Frau von Necklinhausen und war doch dankbar, daß ihre Iüngste mit einem Scherz die Bangigkeit der ersten Minuten durch- brach.

Gradnitz ergriff die Gelegenheit und begann ein lebhaftes Wortgeplänkel mit der blonden Necklin^muserin. Gr gab sich mit 2lbsicht bald bei dieser, bald bei jener Behauptung eine Blöße, was auch Margret aus ihrer Neserve herauS- lockte. Nur Lenore blieb still und warf, wenn fie sich unbeachtet wußte, einen Blick nach der Mutter, die mit einem Lächeln in ihren Stuhl zurückgelehnt saß und die Augen auf Gradnitz gerichtet hielt.

Es war unrecht von mir. daß ich den Bries an jenem Abend gelesen habe, al« ich noch auf ihrem Schreibtisch zu tun batte, erwog Lenore und hatte das Gefühl. Verwerfliche« getan zu haben Nun vermochte sie bem Gast nicht mit der Mnbesangenheit entgegenzutreten, wie es die Schwestern taten. Sie malte sich au«, was Margret sagen würde, wenn sie wüßte, welche« der Zweck seinesSchiebe# war. Mnd Suse! Die Kleine würde wohl sofort ihren Koffer packen und mit dem nächsten Zuge in die Welt fahren. Sie hörte deren Weinen und den Ausbruch wilden Schmer­zes. wenn sic erfuhr, daß die Mutter an der Seite vieles Mannes ein zweite« Glück für sich erhoffte.

Die Mama würde wohl warten müffen, bi« ihre Iüngste versorgt war. An mich braucht sie nicht zu denken, überlegte sie. Ich finde meinen Weg allein, auch wenn er durch Gestrüpp und Dornen geht.

Es würde kaum etwa« anderes für sie geben al« sich für immer zu bescheiden. Der Betrug, den Swensen an ihr verübt hatte, war wie Naud- reif in das Blühen ihrer Iugend gefallen. Wie ein Hagelschauer war dieses Fürchterliche über sie bingegangen. Mnd all ihr Bemühen, darüber hinwegzuloinmen und endlich einmal zu vergessen, war vergeblich.

Sie erschrak, als Suse plötzlich aufsprang und in die Hände klatschte.Ich frage ihn. Mama! Gott, das kann ihm doch gleich sein!" sagte sie lachend,ob er nur den ganzen Tag faul im Garten draußen liegt, oder uns nach Eglofstein hinüberfährt. Soll ich. Herr Gradnitz?"

Sie war schon aus dem Zimmer und Lenore erfuhr erst auf eine Frage, daß man einen Aus­flug mit dem Wagen machen wolle. Malnow sollte kutschieren, da niemand sonst zu Hause wäre. Dettermann und die beiden Knechte hätten einen freien Nachmittag für heute zugesagt be­kommen.

Wo steckt er denn nur?" ärgerte sich Suse. Sie suchte zuerst im Garten nach ihm und klopfte dann sogar an der Türe seines Zimmer«, das ebenerdig im Anbau de« Herrenhauses lag. Es erfolgte kein Herein. Zu dumm, wenn er fortgegangen wäre Nafchfüßig lief fie noch ein­mal durch den Garten, ein Stück die Wiese hinab, wo der Fluß mit raschem Wellenschlag den Weg in« Tal nahm.

Im Schatten einer Grle lagen feine Kleider. Er hält feine Sachen sorglicher in Ordnung al« ich, dachte fie. als sie sah. wie sauber er alle« übereinandergelegt hatte. Den Strom hinab ge­wahrte sie jetzt seinen dunklen Kops treiben und biß sich auf die Mnterlippe. um sich durch ihr Lachen nicht zu verraten. Sie nahm alle« aus und trug es eine Strecke weiter nach abwärts. Wie weit wollte er denn eigentlich noch schwim­men? Sie lief belustigt hinter ihm drein und rief ihn dann beim Namen.

(Fortsetzung folgt.)

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---, .2153 A

Bekanntmachung.

In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 15. März 1932 bei der Firma Vulterhaus Rheingold. Gesellschaft mit be­schränkter fjaflung In Gießen, folgendes eingetragen: Die Gesellschaft ist durch Bc- schloß der Gesellschafter vom 29. Dezember 1931 aufgelöst. Liquidator ist Rcvisions- beamter Hans Rebscher. Darmstadt.

Gießen, den 17. Marz 1932. 2147V

Hessisches Amtsgericht.

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