Direktor Mattern (Gießen), Architekt Wertes (Mainz), Direktor Raih (Groß-Gerau) und Direk- tor W i l l a n d (Darmstadt).
Oberbeffen.
Landkreis Gictzen.
OO Klein-Linden, 16. Febr. Der Kirchen- vorstand und die Kirchengemeindevertretung beschäftigten sich in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Voranschlag unserer evangelischen Gemeinde für 1 9 3 2. Die Gesamteinnahmen sind auf 7489,50 Mark veranschlagt, die ordentlichen Ausgaben belaufen sich auf 6237 Mark, an außer- ordentlichen Ausgaben sind 700 Mark als Kapitalabtrag und 500 Mark als Pfarrhausbaufonds vorgesehen. Die Kirchensteuer für 1932 konnte gegen das Vorfahr um 700 Mark herabgesetzt werden. Da eine gleiche Summe schon im Jahre 1931 gekürzt wurde, so beläuft sich die Kirchensteuersenkung inner- l>olb zweier Jahre auf 1400 Mark = 25 o. f). der Kirchensteuer. — Aus der Statistik unserer evangelischen Gemeinde ist zu berichten, daß die Zahl ihrer Mitglieder sich auf 1905 beläuft. 66 Houptgoitesdienste waren durchschnittlich von 133 Männern, 165 Frauen und 26 Kindern besucht (1930: 122 Männer, 142 Frauen, 26 Kinder). Der Gesamtbesuch der Hauptgottesdienste belief sich auf rund 21 400 Personen. Weiter wurden zehn Nebengottesdienste und 41 Kindergottesdienste gehalten. Am heiligen Abendmahl beteiligten sich 1858 Personen, davon 857 Männer und 1001 Frauen. Die Statistik verzeichnet u. a. weiterhin 13 Trauungen, 11 Geburten und 24 Konfirmanden. An mildtätigen Gaben wurden insgesamt 814 Mark aufgebracht.
U Grohen-Linden. 16. Febr. Am SamS- tag hielt der Kurzschriftverein Grohen- Linden seine Jahreshauptversammlung. Aus dem Geschäftsbericht, den der erste Vorsitzende, Reichsbahnassistent G ü m b e l. erstattete, war eine rege Vereinstätigkeit festzustellen. Die llebungsabende fanden regelmäßig statt. Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene wurden und werden noch abgehalten. An dem Bezirkswett- schreiben in Friedberg haben einige Mitglieder mit gutem Erfolg teilgenommen. Die Jahresrechnung wies einen günstigen Stand der Kasse auf, dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Dei der Vorstandswahl wurde der seitherige Vorstand einstimmig wiedergewählt.
4 Langd, 16. Febr. Der hiesige Krieger- verein hielt dieser Tage seine Generalversammlung. Aach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden wurde der toten Kameraden deS letzten Jahres und der Gefallenen gedacht. Der Beitrag wurde von 3 ML auf 2,40 ML herabgesetzt. Der zum Kriegerverein als Schuhabteilung übergetretene Schützende rein hat sowohl die Mitgliederzahl als auch das Vermögen des Vereins vermehrt. Die Rechnungsablage zeigte einen ansehnlichen Aeberschuß.
Kreis Büdingen.
og Ortenberg. 16. Febr. Am' 19. Februar sind es fünfzig Jahre, daß die Freiwillige Feuerwehr in unserem Städtchen besteht. Die Gründung erfolgte damals unter Bürgermeister Roth. Die Kommandan e.r waren Gerichtsvollzieher Vehberger, Kaufmann Albert S 5 h n g e, Kaufmann Friedrich Lenz jun. und für kurze Zeit Schlossermeister Friedrich Becker. Am 21. Februar soll eine den Verhältnissen angepahte schlichte Feier im „Darmstädter Hof" abgehalten werden. Bei dieser Gelegenheit wird eine Ehrung 2er beiden einzigen noch lebenden Gründer, der Ehrenmitglieder Carl Suhl und Otto Grom, stattfinden, und zwar wird die Verleihung des Ehrenkreuzes durch den Landesverband der Hessischen Freiwilligen Feuerwehren erfolgen. Dor der Feier ist Kirchgang. Eine Sitzung des Verbandes der Freiwilligen Feuerwehren desKrei- ses Büdingen findet am gleichen Tage im Gasthaus D i l l e m u t h statt. Die offizielle Ju-
Von Geld und Liebe.
Vornan von Grete von Sah.
Copyright by Martin Fevchtwanger, Hall«
15 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie setzte eine wichtige Miene auf.
.Sie werden staunen, was ich mir für einen Kreis geschaffen habe!"
„Ich?" fragte er gedehnt.
Sie nickte.
,3a, es ist doch ganz selbstverständlich, daß Sie auch kommen werden.''
Er schüttelte langsam den Kopf.
.Leider ganz unmöglich — ich habe eine Verabredung für heute abend."
.Mit Freunden?"
„3a, mit Freunden!" log er.
Gr hatte vor. Helene vom Geschäft abzuholen. Sie erwartete ihn.
Rose begehrte auf: .Das gibt es ja gar nicht! 'Das heißt Freunde!"
Er lächelte.
.Herren, mit denen ich befreundet bin."
„Unsinn! Außer mit mir sind Sie mit niemand befreundet. 3ch dulde keine andere Freundschaft neben mir."
„3ft da» nicht ein bißchen gewalttätig?"
„Vielleicht ja! Aber so bin ich nun mal. Damit muffen Die sich abfinden. Also Sie kommen? ilm fünf Uhr — ja? 11 nb nun will ich Sie auch gleich daraus vorbereiten, wen Die bei mir treffen werden. Da ist ein Pianist: Frank Hasse, ein gottbegnadeter Künstler. Ich lernte ihn bei 3nc Stevenson kennen, meiner ehemaligen Gesellschafterin: die hat einen großen und sehr interessanten Freundschaftskreis. Man kommt gern zu chr. weil sie hochgebildet und hervorragend musikalisch ist. Sie werden Sie auch heute kennenlernen. 3a — und dann werden Sie Baron Stendhal treffen und den Maler Costa Andree."
„Das wird ja aber eine regelrechte Herrengesellschaft". bemerkte er lächelnd.
„Run — wenn schon! Aber es ist gar nicht so. 3na Stevenson wird noch eine von ihren vielen Freundinnen mitbringen — ich weih allerdings nicht, welche. Es ist mir auch ganz gleich. Ich hätte am liebsten Evi gebeten, zu kommen: aber sie hätte meine Ditte gewiß abgeschlagen. Der Trauer wegen geht sie ja noch nicht aus — nun ja, das verstehe ich."
„3ch befinde mich in der gleichen Stimmung wie meine Schwester", sagte Hans-Achim und sah Rose ernst an.
„Run ja! 2lber ein Mann ist doch nicht so empfindsam wie eine Frau. Und schließlich kann man mit gutem Gewissen eine Stunde Zerstreuung genießen, auch wenn man Trauer hat. Ich
Buntes
Ein Prinz als Bühnenmaler.
Ein Mitglied der in Schweden herrschenden Dynastie Bernadotte ist gegenwärtig beschäftigt, die Dekorationen für die Aufführung eines neuen Dramas zu malen, dessen Held fein Vorfahr, der Begründer der Dynastie, ist und das „Der erste Bernadotte" heißt. Der Verfasser ist ein begabter junger schwedischer Dramatiker Herbert Grevenius. dec das Lebensschicksal des französischen Generals Bernadotte, der als Karl Johann XIV. den schwedischen Thron bestieg, gestaltet hat. Der junge Bühnenmaler ist Prinz Sigwart, Herzog von llpland, der zweite Sohn des Kronprinzen Gustav Adolf. Die künstlerische Begabung ist in diesem Geschlecht nicht selten. Ein Großonkel Prinz Sigwarts, Prinz Eugen von Schweden, ist Maler, fein Onkel. Prinz Wilhelm, ein bekannter Romanschriftsteller.
Eine $rou hält vier Männer gefangen.
Donna Carmela, ein streitbares Weib und Mutter von fünf Kindern, hatte ihren Ehegatten dazu veranlaßt, ihre bescheidene Hütte im blühenden Bellagio zu verlassen und sich in einer dunklen Vorstadtstraße Mailands niederzulassen. In der Hoffnung auf reichliche Einnahmen hatte das Ehepaar dort mit Hilfe eines Vermittlers einen Gemüse- und Fruchtladen erworben, für den es alle seine Ersparnisse — 7000 Lire in bar und 3000 Lire in Wechseln — auf den Tisch gelegt hatte. Der frühere Besitzer hatte ihnen nämlich versichert, daß der Gemüseladen eine wahre Goldgrube sei. Als es sich aber zeigte, daß dik Wirklichkeit diesen Versicherungen keineswegs entsprach, begann Donna Carmela, sich nach ihrer Hütte in Bellagio zurückzusehnen. Sie wandte sich an den Vermittler und an den früheren Ladenbesitzer mit dem Ansinnen, sie wolle ihr Geld wiederhaben, denn sie fühle sich betrogen. In Begleitung zweier Freunde begaben sich die ahnungslosen Männer in den Gemüse-
biläurnsfeier findet später im Laufe Les Jahres statt und wird mit dem Kreisfeuerwehrtag verbunden.
Kreis Schotten.
Schotten, 16. Febr. 3n der Bezirks- lehrerkonferenz am Samstag gedachte der Obmann, Lehrer Blei, Schotten, des frühen Heimganges des Lehrers Ludwig Fuhr zu Rudingshain. Die Versammlung ehrte das Gedenken an den entschlafenen Kollegen. Hierauf sprach der Schriftführer des Hessischen Landeslehrervereins. Lehrer Horn, Darmstadt, über die Wirtschafts-, beamten- und schulpolitischen Verhältnisse im Reich unter besonderer Berücksichtigung der Lage Hessens. Der Redner schloß mit dec ernsten Mahnung, mehr denn je fest und vertrauend zur Organisation zu stehen. Eine lebhafte Aussprache folgte der mit starkem Beifall aufgenommenen Rede.
§ Feldkrücken, 17. Febr. Bei der Bürger- meist erwähl am Sonntag wurde der seitherige Bürgermeister, Gastwirt Louis Kaiser, mit einer Mehrheit von 18 Stimmer wiedergewählt. Er erhielt 94 Stimmen, der Gegenkandidat, Schuh- machermeister Jakob Rühl, 76 Stimmen.
)—( Ruppertsburg. 16. Febr. Die 50. ordentliche Generalversammlung unseres Män- nergesangvereins, die unter dem Vorsitz von Wilh. Port stattfand, nahm einen schönen Verlauf. Dem Jahresbericht war zu entnehmen, daß der Verein zur Zeit 33 ordentliche und 87 außerordentliche Mitglieder zählt. Die Rechnungsablage durch den langjährigen Rechner Wilh. Lehr II. ergab einen Kassenbestand von 100 Mk. und ein Darvermögen von 557 Mk. Die Beiträge wurden auf vierteljährlich 40 bzw. 60 Pf. her
lade Sie ja auch nicht zu einem Ball ein, sondern zum Tee in kleinem Kreise. Wenn Die wünschen, werde ich dafür sorgen, daß nicht einmal musiziert wird."
An seinen Schreibtisch zurückgekehrt, sann er nach. Was würde nun werden? Würde er sich dazu durchringen Helene aufzugeben, um Rose au heiraten? Helene auf geben? Hieß das nicht, bas Letzte, 'Beste verlieren?
Er seufzte tief auf, schloß für einen Augenblick die Augen, Herrgott, sollte es denn ?;ar keinen anderen Ausweg geben? — Vieleicht! — Aber wie ihn finden? Er sah keine Möglichkeit. Wenn ihm nicht ein glücklicher Zufall zu Hilfe kam, dann — er atmete tief und schwer auf —, dann muß ich mein Schicksal auf mich nehmen. Ich habe es selbst verschuldet, sagte er sich, aber dadurch wird das' Unglück nicht leichter zu ertragen sein.
Um fünf llhr ging er nach Hause. Diesmal öffnete ihm die Mutter die Tür, was sonst Gva tat. Sie flüsterte ihm zu: „Eva hat Besuch — komm mit in mein Zimmer!"
„Fahrenkrug ist bei Eva", sagte die Mutter, als die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte. „Cr wird Cva fragen, ob sie seine Frau werden will. Ich sprach ihn vorher."
3n Hans-Achim zuckte der Gedanke auf: Von Evas Antwort wird es abhängen, ob er mir hilft. — Vielleicht kommt jetzt die Rettung — vielleicht?
„Was wird Eva ihm antworten?" fragte er.
Die Mutter zuckte mit den Schultern, sah auf ihre Hände, die in ihrem Schoß lagen.
„Ich habe den Eindruck, daß Eva nicht gerade viel für ihn übrig hat", sagte Hans-Achim.
Die Mutter hob den Blick zu ihm. In ihren «rohen sprechenden Augen war ein schmerzvoller Ausdruck.
„Sie liebt ihn nicht — aber ob sie feinen Antrag zurückweisen wird...?" Wieder hob sie die schmalen Schultern. „Ich glaube es kaum! Es ist doch eine gute Versorgung, die er ihr bietet — ich sagte dir das schon vor einigen Tagen."
„3a, eine gute Versorgung."
„Allerdings verlangt das Leben, dgs sie an seiner Seite haben würde, Selbstverleugnung — ob sie sich das klarmacht? Ich hatte gar keine -Zeit, mit ihr darüber zu sprechen — alles kam so rasch und unvermutet."
Sie atmete tief auf.
„3n mir ist ein so wunderliches Gemisch von Gefühlen", gestand sie danach. „Einerseits wünsche ich. daß Cva sich entschließen möchte, und dann sage ich mir doch wieder: es wäre traurig. Eva hat noch so gar nichts von ihrer 3ugenb und ihrem Leben gehabt."
HanS-Achim seufzte tief auf. Die Unruhe in
Allerlei.
laden, wo es eine lebhafte Auseinandersetzung gab. Als ihre Vorwurfe und Forderungen nichts fruchteten, griff Donna Carmela zu wirksameren Mitteln: sie ohrfeigte ihre Widersacher, warf ihnen ihre schweren Holzschuhe an den Kopf, riegelte die Tür ab und stellte sich davor, mit einem mächtigen Küchenmesser bewaffnet. Richt eher wollte sie ihre hilflosen Gefangenen freigeben, als bis sie ihr Geld wiedersähe. 3n solcher Rot ersann der schlaue Vermittler eine List: unter dem Versprechen, die verlangten Wechsel holen zu wollen, bewog er Donna Carmela, ihn „für -ein paar Minuten" herauszulassen. Er lief geradeswegs zur Polize'wache und ho te E .sah. Die Polizeiagenten fanden die übrigen drei Männer noch immer in der Gefangenschaft des streitbaren Weibes, das standhaft das große Messer schwang. Der Ueberrnacht aber gelang es schließlich, sie zu entwaffnen und unter der Anklage gewaltsamer Freiheitsberaubung abzuführen.
Drei Krrioffeln für 1400 Francs.
Ein Rekordpreis für Kartoffeln wurde kürzlich unfreiwilligermaßen von einem Ladenbesiher in Paris bezahlt. Der Mann, der ein Geschäft in der Rue Louis Blanc führt, wurde telephonisch von einem Herrn angerufen, der den Rarnen eines seiner besten Kunden nannte. Der An- rufende bat um eine Gefälligkeit: er habe in einer bekannten Lederwarenhandlung in der Rue de la Bo^tie einen Einkauf gemacht und das Paket zu seiner Bequemlichkeit nach dem Laden in der Rue Louis Blanc schicken lassen: der Besitzer möchte doch die Rechnung bezahlen und das Paket aufheben, bis er es abhole. Dieser alte Schwindeltrick wirkte auch diesmal. Das Paket wurde abgegeben und die ordnungsmäßig ausgestellte Rechnung mit 1400 Franks bezahlt. Aber als im Laufe des Tages das Paket nicht abgeholt wurde, da schöpfte das Opfer doch Verdacht, öffnete es und sand darin drei sorgsam in Deidenpapier eingewickelte Kartoffeln.
abgeseht. Die seitherigen Vorstandsmitglieder Friedrich Diehl III. und Karl Konrad wählte man einstimmig wieder. — Ein gewaltiger Preissturz machte sich bei der jüngsten Holzversteigerung bemerkbar. 1 Raummeter Duchenscheit, das vor drei Wochen 7,50 Mk. kostete, wurde jetzt nur noch mit 5,50 Mk. bezahlt.
t. Wohnfeld. 16. Febr. 3n der Generalversammlung des hiesigen Krieger- und Schützenvereins erstattete, nach kurzer Begrüßung der Mitglieder durch den Vorsitzenden, der Rechner des Vereins den Kassenbericht. Die Kasse wurde in Ordnung befunden und dem Rechner Entlastung erteilt. 3m weiteren Verlaufe der Versammlung wurde beschlossen, dem verstorbenen Ehrenmitglied, dem Vogelsberger Heimatdichter Peter Fuchs, einen Gedenkstein (der an seinem Geburtshaufe angebracht werden soll) zu widmen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
# Atzbach, 15. Febr. 3n der jüngsten Sitzung dec Gemeindevertretung stand zunächst die im Zusammenlegungsverfahren neu projektierte Wegeanlage auf der Tagesordnung. Gemeinderatsmitglied Koch hatte den Antrag gestellt, die Gemeinde gegenüber den anderen Beteiligten für das Wegenetz zu 1 Prozent Geländemehrleistung heranzuzichen. Es stellt sich nach längerer Aussprache heraus, daß infolge Schwierigkeiten die Mehrbelastung der Gemeinde nicht angängig ist. Einstimmig beschloß die Vertretung, einem Vorschlag des Bürgermeisters
ihm wuchs von Minute zu Minute.
Was würde werden? Das Warten wurde unerträglich. Er sah auf seine Uhr.
„Du hast vor. auszugehen?" fragte die Mutter.
„3ch hatte es vor — aber jetzt kann doch nicht die Rede davon sein."
„Warum nicht? So geh doch! Evas Entschluß erfährst du noch immer früh genug."
Er sah sie unschlüssig an. „Rein, ich will doch lieber hierbleiben."
Die angstvolle Spannung in ihm hielt ihn hier fest. Mochte Helene mal vergebens warten. Er würde sie am nächsten Morgen sprechen. Dann wußte er auch davon, wie alles werden würde.
Er würde sich auch einmal richtig mit ihr aus- sprechen müssen — sie muhte auch endlich klar sehen...
Eva trat ein, sagte, als wäre das weiter gar nichts:
„Ich habe ihn fortgeschickt!"
Mutter und Bruder starrten sie an, als hätte sie etwas Anbegreifliches begangen — etwas, das nie mehr gutzumachen war. Aber keiner von ihnen sagte ein Wort.
Eva fühlte die Enttäuschung, die sie ihnen bereitet hatte, war ein wenig bedrückt davon.
„Schließe das Fenster, Eva!" bat die Mutter, die fröstelnd ihre schmalen Schultern zusammen- zog. Eva schloß schweigend das Fenster. Sie verlieh dann daS Zimmer, um das Abendessen zu bereiten.
„Run wird er mir die Zimmer auf kündigen", sagte Ottilie, „und seine Töchter wird er nicht weiter von Eva unterrichten lassen. Daß man in so bedeutungsvollen Augenblicken an Unbedeutendes denken kann!"
„Für uns ist das vielleicht nicht unbedeutend." Rebenan deckte Eva den Tisch. Man hörte ihren leichten Schritt, das leise Klappern von Tellern. Und bald danach sah man sich am Tische gegenüber.
Ein lastendes Schweigen herrschte zwischen den am Tische Sitzenden.
Eva atmete befreit auf, als die Mutter sich vom Stuhl erhob und sich auch gleich darauf zurückzog.
Run hatte sie Gelegenheit, mit Hans-Achim zu sprechen. Sie wußte von der Sache mit Gisevius. Fahrenkrug hatte mit ihr davon gesprochen. Totgeschwiegen konnte sie nicht werden. Aber sie wollte HanS-Achim nicht gleich damit überfallen. Sie deckte den Tisch ab, trug das Geschirr in die Küche und kam dann ins Zimmer zurück.
Hans-Achim sah die Schwester an. Sie schwieg. Endlich sagte fie hart:
„Du hast auf seine Hilfe gerechnet. HanS-Achim — er hat eS mir gesagt — auch, daß er dir unbedingt geholfen hätte, wenn ich ihn nicht fortschicken toürbel"
entsprechend, nach Abschluß deS Zusammenlegungsverfahrens den WegenutzungSerlöS besonders zu verwalten und ihn ausschließlich für die Unterhaltung der Gemeindewege zu verwenden. — Die Vertretung nahm Kenntnis von einer Regierungsverfügung über den evtl. Zusammenschluß der Gemeinden Atz- bach und Kinzenbach zu einem ®efamt* schulverband. Die Bildung eines Gesamtschulverbandes soll die Ersparnis einer Lehrer st eile bezwecken. — Zu der am Schluß bekanntgegebenen Aufstellung über die Verteilung von Staatsmitteln für die Volksschullasten innerhalb dcs Amtsbezirks Aybach-Launsbach kam die Vertretung zu dem Entschluß, daß die Gemeinde Atzbach zu u n g ü n - st i g bedacht worden sei und die Verteilung daher nicht als richtig anerkannt werden könne.
Kreis Biedenkopf.
T Wa ldgirmes , 16. Febr. Bei der gestrigen Rutzholzversteigerung waren die Preise gegen voriges Jahr sehr niedrig: sie stellten sich wie folgt: Eichenschnittstämme pro Festmeter 10 bis 17 Mark, Fichtenstämme 10 bis 13 Mark, Kiefernstamme 9 bis 11 Mark, je zwei Meter Eich-m- scheitholz 12 bis 17 Mark, Rollscheit (2 Meter lang) 10 bis 12 Mark, Fichtenstangen 1. Klasse 1,20 bis 1,50 Mark, 2. Klasse 0,80 bis 1,00 Mark. *■ -—
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter vieler Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Maulwurfskrieg!
Die Ortsschelle verkündet in einigen Orten deS Kreises Gießen den Krieg gegen einen unserer nützlichsten Insektenfresser unter den Säugetieren: den Maulwurf. Wenn Behörden diesen Vernichtungskrieg veranlassen, muh ich ihm hier entschieden widersprechen. Mein Wohnsitz ist auf dem Lande, und ich darf wohl behaupten, daß ich Feld und Wald und das Tierleben kenne. 3m Selbe verschwindet jede Hecke, die Schuh und Brutstätte für Singvögel, Hühner und Fasanen bietet. Mit Absicht nenne ich hier auch Hühner und Fasanen: auch sie vernichten Unmengen schädlicher Insekten. Als Gegenleistung steckt man im Frühjahr Hecke und Wegrand an und überliefert manches Leben den Flammen. Würdig schließt sich hier das Vorgehen gegen den Maulwurf an. 3ch glaube nicht, daß der schwarze Gräber sich so vermehrt hat, daß Belohnungen für seine Vernichtung nötig sind: im Gegenteil ist die Arbeit des Maulwurfs im Felde begründet durch die Menge Ungeziefer, die durch den milden Winter veranlaßt wird, an der Erdoberfläche zu leben; hier ist Jagdrevier und Deute, daß der Boden dabei nach oben kommt, ist kein Schaden: außerdem sind die Hügel leicht zu verebnen. Wwzu also Vernichtung? Einmal ist es die Mäuseplage, das andere Mal dec Maulwurf, der Dauernmüh und Arbeit vernichtet. Wer trägt die Schuld? Vielfach der Dauer selbst. Wird nicht im Cigenjagdbezirk, genannt Scheuern, jeder Kauz und jede Schleiereule mit dem Flobert herunter» geknallt, hat man nicht einen Vernichtungskrieg gegen die Tagraubvögel veranlaßt. Hier wäre für die Behörden etwas schärfer zuzufassen, um manchem Besitzer die so beliebte „Spatzenflinte" zu verleiden. Es fehlt gerade, daß den „Raturfreunden", sprich Jagdschädlingen, in Feld und Wald ihr Tun und Treiben unter dem Deckmantel des Maulwurffangens belohnt wird.
Schützt den Maulwurf und er wird eS euch danken, Schaden zu bringen liegt nicht in seiner Absicht. Ein nasses Frühjahr mit starken Regenfäl- len vernichtet viele. Ausgleich schafft die Ratur immer, tritt das Gegenteil ein, so suche der Mensch, die Krone der Schöpfung, die Schuld bei sich. Gr.—R.
3it Hans-Achirns Gesicht schoß eine heiße Blut- tvelle, die abfloh und eine tödliche Blässe hinterließ. Empörung über Fahrenkrugs Verrat. — Scham über sich selbst brannten in ihm. Hnb dabei war ihm zumute, als verließe ihn alle Kraft, als müsse er jeden Augenblick vor lauter Hilflosigkeit zusammenbrechen. Es war ein Durcheinander von Gefühlen, das ihn für einen Augenblick wirr und elend machte.
Eva sprach weiter:
„Achim, ich stand dieser Sache ganz ahnungslos gegenüber; ganz tlar übersehe ich sie auch jetzt nicht — ich weiß nur, daß GiseviuS eine Forderung von zwanzigtausend Mark an dich bat. Du wirst mir einmal sagen, tote daS zu- sarnmenhängt. Jetzt nicht, HanS-Achim — ein andermal! Lind wenn ich dir helfen kann, HanS» Achim, dann tue ich es mit tausend Freuden."
Ohr Blick ruhte auf seinem Gesicht, das ettoaS Gequältes hatte. Seine Lippen waren blaß.
„Du denkst vielleicht, daß ich eben die einzige Möglichkeit, dir zu helfen, von der Hand gewiesen habe. 3a, Hans-Achim, das muhte ich! Man kann ja schließlich nicht fein Leben für Geld hinwerfen. Siehst du das ein?“
Er vermochte nicht zu antworten, nickte nur. „Wir werden einen anderen Ausweg finden. Sicher, Hans-Achint! Hab' nur Zuversicht!"
Ihre Stimme Hang plötzlich weich, ergriff ihn. Er spürte ein Würgen in der Kehle und ein Brennen in den Augen und bemühte sich, das Zucken seiner Mundwinkel zu verbergen.
Impulsiv nahm cr Evas Hand und preßte seine Lippen darauf.
„Hab' Dank, Eva!"
Sie streichelte seinen Arm...
Die Rächt verbrachte er schlaflos. Er rang mit einem Entschluß. Als der Morgen kam, war dieser noch immer nicht gefaßt.
Hans-Achim staunte über sich selbst. Was bin ich doch für ein schlapper Kerl!
Er stand vor dem Spiegel und rasierte sich. Reugierig betrachtete er fein eigenes Gesicht. Das war scharf geschnitten, hatte Züge, die auf Energie schließen ließen. Keiner hätte es für das Gesicht eines Schwächlings gehallen.
Ja, bin ich denn wirklich ein Schwächling? Die Frage stieg in ihm auf. Weil ich nicht so einfach über ein Menschenleben hinweggehen kann? Weil ich mich nicht dazu entschließen kann, der Lene zu sagen: „Du, jetzt müssen wir Abschied nehmen — unser Traum von Liebe und Glück ist ausgeträumt. Ich muß heiraten, muß eine reiche Partie machen, um mich zu arrangieren."
Halb acht Uhr war eS. O je, die höchste Zeit! Jetzt ging Helene. Wenn er sie treffen wollte, mußte cr sich beeilen.
(Fortsetzung folgt)


