Einzelbild herunterladen

Nr. 41 Zweites Blatt

Donnerstag, 18. Februar 1952

Siebener Anzeiger (Senerai-Anzelger für Gderheffen)

Hedwig CouechS-Mahler SS ^ahre alt

Schriftstellerin Frau Hedwig Eourfh,

Die

eie

cblieBlich Sonntag

itilm

die bi- 1940 ab-ubaucnde HauSzin-stcucr be­reit- früher ubgcbaut werden könne, und bafi an deren Stelle eine TRictcaumftcuer trete, wodurch dann diejenigen Hauseigentümer, die ihre Hauszin-steuer abgelöst hätten, benach­teiligt seien, werden von der Reichsregierung mit allem Nachdruck al- gänzlich unbegründet hingestellt.

Mahler begeht am 18. Februar ihren 65. @e- burt-tag. eie hat etwa 150 Romane geschrieben, die m einer Gesamtauflage non 22 Millionen Exemplaren nerdreitet sind.

D. Meusel ch mit einem iehV?,,lth enOeuhchmi ie hrt*i htrtttl

tertverein

ar 1932,1930 Uhr

-htes Konzert

h #

Passion

femesvary.

rein, verstärkt durch Mit- reim; der Gießener Or 'höheren Lehranstalten, Heb. Blaß.

tnth Arndt, Maxflelll.

;el: J oh. Nebel in g. - ioline: Wilb. Schattier

- bei Ernst Challier enkarten EM. 1.- nur im

Bitter und im neuen

IH7D

MNNMUMMM

jbrol!

! kleiner Lec^55*

naden

ffungfe». "envartpf ^n" rühmt an- auchte.~WnF" .diese dische 555$ W

-n Schwierig. lach l$ährit

empor, die mit weißem Gischt au- Prall und Gcgenprall zerschäumen. Die Gewalt der Strö­mung ist minutenlang in Aufruhr, und peitscht, zu Widerstand und Wehr aufgebäumt, ihren Grimm gegen die Ufer hin. Die auf- ünd nicder» gezerrten Drückenkähne knirschen und knarren an ihren Ankerketten und Tauen. Die Fischer- nachen schaukeln wie Kinderwiegen.

Dennoch sind die Fischer jetzt abgestoßen und arbeiten sich in wilder Berg- und Talfahrt durch den Wellengang an das letzte der fünf ge­schleppten Kohlenschiffe heran. Es zieht einen Aachen hinter sich her. in den die Wellen schlagen An ihn flohen die Fischer ihr Doot und einer klettert kühn in den Anhänger. 3m Au hat er Kette und Tau befeftigt. und cm Zweiter von den drei Dootsinfasfen steigt noch zu ihm über So lassen sie sich bequem eine Stunde lang stromauf fahren zu ihren Fang­revieren im Altrhein.

Rußlands zweiter Fünfjahresplan

Asien sott ein neues Europa werden.

Don unserem X.-Derichterftatter.

, u. U018;

chen". Dr. med. Eharlotte Zfchocke zeigt in ihrem Artikel .Schlecht verwahrte Arzneien bedrohen Gesundheit und Leben des Kinde-", wie gefähr­lich eS ist, wenn Eltern Arzneislaschen, Flaschen mit Säuren, Putzmitteln usw. in unverschlossenen Schränken stehen lassen. Aecht aufschlußreich ist die Gegenüberstellung eines falschen und eincs richtigen Speisezettels für das kleine Kind Das Heft bringt auch eine Preisfrage, die besonder- die Mutter des Aeugeborenen interessieren dürfte. Don der Erziehung des Sohne- erzählt Elisabeth Goldsmith in ihrem Artikel .Der schwierige Herr Sohn". Die Zeitschrift bringt, besonder- für junge Mütter, stets eine Menge von praktisch erprobten und brauchbaren Ratschlägen und An­regungen.

?agi

der Wildnis ier und ngeln Afrikas-

itexpreß pannenderSensations. J wilden Wert®»

Brat-. Geleeheringe-

kl«i-D1Sen ..

(onsumverE,n*

Regierung und Handwerkskammer 'Darmstadt 17. Febr. Der Hessische Mini­ster de- Innern (Arbeit und W.rtfchaft) antwortet auf eine Anfrage des Abg. Schreiber über die Geschäftsführung der Hess Hand­werkskammer und der Handwerkerverein i- gung folgendes: .Der Regierung ist bekannt, duft aus Handwerkerkreisen Dorwür c gegen den Do> - stand der Hessischen HandwerkSlammer und dr Handwerkervereimgung wegen angeblich pllichtwi» drigcr Verwendung von staatlicherscits dem Handwerk zur Verfügung gestellten Mitteln er­hoben waren. Die erhobenen Vorwürfe und An­fragen von Interessenten sind in der letzten (40 ) Hauptversammlung vom Vorstand der Hand­werkskammer als unbegründet aufgeklärt worden. Aach dem Ergebnis dieser Verhandlungen lag für bie Regierung kein Anian zum Einschreiten vor.. Die Regierung ist stets be­reit. über die Verwendung der ReichSinittel füc die Ahein-Ruhrhilfe und die sogen. Westhilse auf Verlangen dem Landtag Auskunft zu erteilen.** HeffHandwerker'Zentralqenossenschast

MSN. D a r m ft a b t, 17 Febr. Unter Aufsicht dos Amtsgerichts Darmstadt fand heute die Fort­setzung der 27. ordentlichen Generalversammlung der Hessischen Handwerker - Zentralge­nossenschaft Darmstadt statt. 'Von der außerordentlich stark besuchten Versammlung mur- den sämtliche Punkte der Tagesordnung (Bestäti­gung des Remsionsberichte», Genehmigung der Jah­resbilanz. Entlastung von Vorstand und Aufsichts­rat, Herabsetzung des Grundkapitals von 500 ÖOO auf 250 000 Mark und entsprechende Satzungsände­rungen) einstimmig genehmigt. Sämtliche Anwesen- den traten einmütig für die Erhaltung des Institutes ein, das dem hessischen Handwerker­stand in den langen Jahren seines Bestehens schon wertvolle Dienste geleistet hat und das jesit und in den bevorstehenden schweren Zeiten als Ärebitftelle besonders notwendig ist. In den Aufsichtsrat wur­den für die aus^eschiedenen Mitglieder neu- bzip. wiedergewählt: Schreinermeister Frölich (Groß- Zimmern), Lchreinerinelfter H a u b a ch (Gießen),

Rhein-Miniaturen.

Don Peter Bauer

Der Strom ist stark zusammenaefchrumpft. Liegt schmal in feinem Bett wie ein Abgemagerter. Das schräg geschichtete Ufergestein ist wert aus dem Wasser gewachsen. Man sieht deutlich an dem lehmfarbenen Dclag der roten Sandsteine, wie hoch die Wogen sonst spülten, da er noch breit und kraftgcschwellt von Regcnmasscn und Schnee- schmelzen übcrzuschäumen drohte.

In den Duchten bilden sich eanbbantc. Hier atmet der Strom mit sanftem Wellenschlag Aus seinem Auf und Aieder bleiben immer schmale Striche von Kieseln und mittigen Kornern auf den Sandsäumen sitzen, die such nach und nach xu neuen, weiter ins Wasser ragenden Schichten auswachsen. Es ist ein Spiel von Flut und Ebbe im Kleinsten. Zwar schwemmen kerne Mu­scheln und Seepferdchen an. über häufig ftndet der Pslanxensreund zwilchen Schillstuckchcn und Deidenblättern die eigenartigen züchte der Wassernuß angetrieben, die wegen ihrer öeltcn- heit als Aaturdenkmal geschützt sind und wegen ihrer schwarzen Farbe und ihrer vier stachl ge Zipscl im Volksmund Teuselskople Alflen

Die Luft riecht nach Teer UeberaN glanzen die srischgesirichenen Lastkähne und Doote wie lackiert Zwei radfahrende Wanderburschen haben ihre Vehikel ans Ufer gelegt und reparieren, auf Steinblöden sitzend, ihre Ersatzstrumpfe Em­sig und ernst werden Radel und Faden geführt Mit wenig ®cfd)id zwar, aber mit viel

Die geöffneten Koffer neben ihnen verraten ihre ganze Habseligkeiten. Zwei Taschentücher . mit Rheinwasser ausgewaschen, zum -"vanen auf dem Gestein ausgebreitet. Es ist gut, oav die Sonne die Mittagsstunden schon sowarm: zu vergolden weis). Einer der Strurnpsflicker ptent vergnügt vor sich hin: .Wenn du einmal dem Herz verschenkst. . ."

Zwischen den Tragkähnen der Landungs­brüden pendeln die angefetteten

bald von der Strömung, bald von ihren <xe cm gegängelt, her und hin. Ein paar tunge sicher kommen mit Fanggeraten über ^ne^r Anllg - brüden und besteigen cm Doot, ^dfahrtberert sind ihre Dlicke auf einen langen

gerichtet, der sich mit dickem Qualm und schwerem Ma ch neng stampf fl.-.ft ufwärts muht. .Yrnter bem breiten, mächtig schau'dndcn Raddampfer wogen die aufgeworfenen Wasser zu hohen Hammen

Weiter oberhalb am Ufer sind zwei Fischer­boote angclommen. Aur eines ist mit drei Mann besetzt. Das andere ist gar kein Fahrboot der üblichen Art. vielmehr, wie sich erst aus der Aähe feststellen läßt, ein Fifchgefangnis. Der ganze mittlere Teil des Aachens wird von einem sitzhohen. die volle Dreitc einnehmenden Kasten ausgcfüllt. der mit verschieden großen Deckeln abteilungsweile abzuschließen ist. Darin find Die gefangenen Fische bereits sortiert untergebracht. Die Locher an den Seiten des Kastens sorgen dafür, daß die zappelnde Deute Wasser genug hat. am Leben zu bleiben. ... *

Die Fischer besestigen die Kahne an kleinen Cßoicn, und waten mit ihren Wasserstiefeln, deren Rohren bis an die Hüften reichen, ans Land. Eine Frau und zwei Jungen sind mit einem Handkarren angekommen, auf dem zwei Holz- bottichc stehen Sie verhandelt mit den Männern, scheint sie bereits früher erwartet zu haben.

Der eine, offenbar ihr Gatte, watet noch einmal hinüber und holt aus dem Fifchgefängnis ein Aetz voll Karpfen. Sie schlagen vergebens mit Fwsfen und Schwänzen und schnellen die blitzen­den Leiber übereinander. Die Maschen, die sie zu einem Klumpen zusammenballen, sind zu eng und stark.

Die Frau öffnet den einen Dottich. aber da gleitet jäh und geschmeidig ein Aal heraus. Eie stößt ihn zurück und schlägt den Deckel zu. In den andern Zuber allo kommen die Karpfen. Sie werden wie Sand oder Steine hineingeschüttet. Es wird ihnen nicht wehtun, denke ich.

Oer hundertjährige Federhalter.

Der Federhalter, dieser alltägliche Gcbrauchs- gegenftanb. ohne den wir uns das Schreiben gar nicht vorstellen können, ist doch noch verhältnis­mäßig jung; er soll erst in diesem Jahre feinen 100. Geburtstag feiern, wie in dem ungarischen Dlatt .Pesti Hirlap" behauptet wird Hier wird an die Erfindung der Stahlfeder ums Jahr 1830 erinnert. Diese neue Schreibmethode wollte sich aber nicht recht einbürgern, da die Federn schwer­fällig und teuer waren, und so blieb denn das Publikum im allgemeinen bei dem altgewohnten Federkiel. Als aber im Jahre 1832 die ersten hölzernen Federhalter in den Handel gebracht wurden, die die Einführung einer viel kleineren, billigeren und handlicheren Stahlfeder ermöglich­ten. da begann eigentlich erst der Siegeszug der modernen Schreibfeder. b*r auf diese Weise mit dem Federhalter aufs innigste verknüpft ist. Der Hebergang zu der neuen Art von Schreibfedern kam so plötzlich, daß die Fabrikanten und Händ­ler mit großen Deständen von allen Federkielen sitzen blieben Sie hätten einen bedeutenden Scha­den erlitten, wenn nicht ein findiger Geist, dessen Aame leider nach der Angabe des .Pesti Hirlap" der Aachwelt nicht erhalten worden ist. auf den klugen Gedanken gekommen wäre, die unverkauf­ten Federkiele als Zahnstocher auf den Markt ju bringen. So fanden fie doch noch Absatz. Es ist übrigens interessant, daß der Füllfederhalter, in dem wir die modernste Entwicklung des Schreib­gerätes erblicken, tatsächlich viel älter ist als die Stahlfeder Im 17. und 18 Jahrhundert werden zahlreiche Erfindungen erwähnt, bei denen Tinte in ein Rohr gefüllt wurde und beim Schreiben in die Feder floß. Aber diese alten Füllfederhal­ter waren nur Kuriositäten, die keinen praktischen Wert hatten. Ein wirklich brauchbarer Füllfeder­halter konnte erst gefunden werden, als man die mit Iridium gehärtete Goldfeder dazu ver­wendete.

die Düker des ersten unverhohlen von den Sow» jetmenfchen gefordert haben. Der Derbrauch der Devölkerung an Dutt er. Fleisch, Ge­müse, Milch und Textilien ist fchon 1933 auf das Doppelte, 1935 auf da- Vierfache des heutigen. Konsums pro Kopf festgesetzt und soll in den spä­teren Jahren weiterhin steigen. Hand in Hand damit geht auch eine Erweiterung der .leichten", d. h. der Konsuminduftrie. Der Arbeiter toll sich von nun ab satt essen und warm anziehen können, und der Dauer soll nicht mehr zur Kollektivierung gedrängt werden, da im neuen Plan bemerken*- werterweise von der angestrebten Vollkollektivie­rung nicht mehr die Rede ist. Man will den Dauern sogar in die Klasse deS Industriearbei­ter- einreihen - das heißt, er soll der Dorteile dieser Klasse teilhaftig werden, aber muß nunmehr auch im Sinne des proletarischen Arbeiters poli­tisch unverdächtig und ergeben fein.

Die Durchführung dieser Deslerung ist aber letz­ten Endes von der Erreichung de- Hauptziel-, der Erweiterung der Rohstossbasi'S. ab­hängig Wenn in den letzten beiden Jahren der Geltungsdauer de- ersten Plans schon mit dem Ausbau des Ural-KuSnezk-Kombinats begonnen worden ist. so soll die Grundlage der sowjetrussischen Rohstosfgewinnung nach dem neuen Plan nach geographisch noch entfernteren Gegenden verleg! werden. Das Zentrum der bis­herigen Produktion war das Donezgebiet. Obwohl feine Vorräte noch längst nicht erschöpft find, hat man schon im Rahmen des ersten Pla­nes mit der Errichtung von Werken riesiaen Aus­maßes im Ural und im westsibirischen Kohlenge­biet von Kusnezk begonnen, wobei entsprechend dem Grundzug des WirtschaftsaufbauS der Sow­jets militärische Gesichtspunkte für diese Derschiebung der Industriezentren maßge­bend toaren. Im neuen Plan ist zwar nicht mehr von Kriegsgefahr die Rede und auch weltrevolu­tionäre Rücksichten werden nur in den Zeitungs­kommentaren angeführt um so offensichtlicher treten diese Zusammenhänge aber angesichts der gegenwärtigen Ercignisfe in Asien in den Vor» dergrund Der neue Fünfjahresplan enthält das gigantische Projekt, das asiatische und daS arktische Rußland zu erschließen.

Es soll die Errichtung neuer großer Industrie­zentren vor sich gehen und die Vorarbeiten am Kombinat von Karaganda, von Kounrad und am Angara-Fluß sind bereits in Angriff genommen. Das ganze Gebiet des nördlichen Ural bis zum Eismeer und des nordwestlichen Sibirien foll der Produktion erschlossen werden. Man hat errechnet, daß der Ienissej, wenn dessen Wasserkräfte plan­voll ausgenutzt werden. Elektrizität liefern kann, die der Produktion des Dnjcprostroj, des Ric- senkraftwerkes, auf daS alle Sowjetrussen stolz sind, um ein Vielfaches übertrifft. Zahlreiche Er- peditionen. die laufend in den letzten Jahren, von der Leningrader Akademie der Wiffenschaften ausgerüstet, in Westfibirien und in Zentralasien Untersuchungen anstellten, haben die schon dem zaristischen Rußland bekannten Angaben über die schier unerschöpflichen Reichtümer an Ratur- schähen noch erweitert. Disher war hauptsächlich nur die G o 1 d - u n d S i I b e r g e w i n n u n g im Altai-Gebirge und die Kohlenförderung im Kusnezk in Angriff genommen, während in Turkestan die ersten Ansätze zu einer Intensi­vierung des Daumwollanbaues ge­macht wurden. Zu einer planmäßigen Ausbeu­tung der Dodenschätze West- und Zentralasiens, die jede Zarenregicrung von Witte bis Kokow­zew beschäftigte, aber wegen der technischen Zu­rückgebliebenheit des Lande- und der enormen Summen, die dazu benötigt wurden, nicht durch­geführt werden konnte, kam es bis heute nicht.

Run will die Sowjctrcgicrung diele- gigantische Projekt in Angriff nehmen, von dem ein Sow­jetblatt in diesen Tagen schrieb, daß es bei seinem Gelingen Asien in ein neues Europa verwandeln würde.

Die Aufgabe ist grandios. Die Elektrizitätv- quellen und die Kohlen- und Erzlager sollen je­weilig die Zentralen bilden, um die herum In­dustriestädte erbaut werden sollen, während ein weiterer breiter Gürtel von heutigen Steppen ober Wäldern landwirtschaftlich urbar ge­macht werden foll. Velonder- bestechend ist der Plan der SlektrizitätsgewinnungMan erinnerte sich in Moskau in dielen Tagen der Leninfeicr mit belonbcrcr Dorliebe feines alten Wortes Elektrizität plus Sowjet­macht gleich Sozialismus. Hnb in den kühnen Träumen der Plänelchmiebe in der Staats- plunkommillion sieht man schon die Kraftwerke an den Rändern de- nördlichen Eismeere- er­stehen. Durch eine Erhöhung der Siromspannung hofft man. billigen ilebcrlanbftrom zu erzeugen, so daß halb Asten bis nach Turkestan hinunter von dem Strom der sibirischen Flüsse gespeist wer­den konnte. Und hier verliert man sich wieder nur allzu gern in Zahlen, wenn man ausrechnet, daß Rußlands Elektrizitätsproduktion im Jahre 1940 auf 70 Millionen Kilowattstunden erhöht und damit die Amerika- um- Doppelte überholt wer­den soll.

Schon mit der Schäftung der T u r k - S i b. der großen turkestanisch-libirilchen Eisenbahn, ver­folgte man das Ziel, Den Kampf um die Erringung der Vormachtstellung zunächst auf dem asiatischen Kontinent zu beginnen. Mit dem neuen Plan rückt Eurasienind n Mitlelfu kt sow ei ich r Zukunftsausgaben. Technische Wiffenschaften im Dunde mit den Methoden eines sozialistischen Staatskapitalismus liefern die Waffen für diesen Kampf. Während man gegen Europa vom Angriff zur Verteidigung ubergegangen ist und der neue Plan hier hauptsächlich die Sicherung des jetzi­gen Desitzstandes erstrebt, gebt man in Asien zum Angriss über Es ist ossensichtlich. daß ein in­dustrialisiertes turkestano-sibirisches Land, da- eigene Daumwollc, eigene Kohlen und Erze und eine nach staatskapitalistischen Prinzipien hoch­entwickelte Landwirtschaft besitzt, einen starken Anziehungspunkt auf d ie großen asiatifchenVölker ausüben muß. Wenn die zur Zeit unter der Sowjetherrschaft stehenden Ge­biete Asiens dem Verkehr erschlossen sein werden, wird schon ein großer Schritt zu diesem Ziel getan fein. So utopisch diese Aufgabenstellung heute noch anmutet man denke an das Leninwort .Für den bolschewistischen Sieg spricht der Umstand. daß Rußland. Ehina und Indien zusammen die über­große Mehrheit der Devölkerung ausmachen."

Die Ablösung der HauSzinssteuer

Der Reichsminister der Finanzen hat mit Zu­stimmung des Reichsrates soeben die Durch­führungsbestimmungen über die Ablösung der Hauszinssteuer erlassen. Durch Verordnung des Reichspräsidenten ist die Ablösung für dicHaus- zinssteuer zum dreifachen Iahresbetrag bis zum 30. September 1932 zulässig. Die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1932 noch fällig gc- tooi b:ncn Hauszinssteuerbeträge lönnen zur Hälfte auf den Adloiungsbctrag angerech- n e t werden. Der Eigentümer, der zum Zwecke der Ablösung ein Darlehen aufnimmt, soll für dieses Darlehen eine Hypothek mit Vorrang vor allen anderen eingetragenen Rechten nicht nur zugunsten eines Kreditinstitutes, sondern auch zugunsten eines privaten Gläubigers ein­tragen lassen können. Der Ablösungsbetrag soll bei Ermittlung des steuerpflichti­gen Einkommens abgezogen werden können, das soll auch entsprechend sür die Ge­werbesteuer gelten. Grundstücke, für die die Hauszinssteuer abgelöst ist. dürfen zu keinen höhe­ren Grundstcuerfätzen herangezogen werden als nicht abgelöste Grundstücke. Defürchtungen, daß

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau. Febr. 1932.

,Am achten Todestag Lenin- wurde mit beson­derer Feierlichkeit der Entwurf Molotow- und Kuibyschews für den zweiten Fünfjahresplan bc- lanntgegeben und auf dem folgenden Parteikon­greß verabfchiedet. Auf den ersten Dlick ist auch er nur ein neues zukunftsmusikalisches Meisterstück der Dolschewiften, dennoch enthält er schon das leifc geflüsterte Eingeständnis, daß dem rosenroten Moskauer Optimismus aus den Zeiten der Ent- flehung deS ersten Plans durch die harten wirt- chastlichen Tatsachen Grenzen gesetzt wor­den sind. Er baut auf dem Fundament weiter, das durch den ersten Plan errichtet wurde Nicht aus den Sollzisfern der StaatS- plankommifsion. sondern auf den Haben­zahlen. die unter Derücksichtigung aller stören­den und hemmenden Faktoren wirklich erreicht Wurden. Er wartet zwar auch noch mit gewalti­gen Investierung-- und mit imponierenden Pro- vuktionszisfem auf und auch ihm ist anzumerken, daß die Grunderfrcudc und die Daulust der ersten Slanperiode noch nicht völlig überwunden ist.

ber er ist tron allem ein realerer Plan all* lein Vorgänger Denn verschiedene der offensicht­lichen Lücken deS ersten sind im zweiten Plan ge­stopft worden. Fehler wurden anerkannt und sollen gutgemacht werden. Dor allem die Denachteili- gung, die .das regierte Objekt", wie die Iswestija denSowietbürgcr kürzlich nannte, im ersten Plan ersuhr, soll aufhören. Don jetzt ab foll der Kollektivmensch nicht mehr zugunsten einer politischen Idee benachteiligt werden. Das Können des Sowjetingenieurs und -technikers ver­sagt. dem Arbeiter droht physische Erschöpfung, dem Dauern sitzt das eigene Hemd näher am Leibe als der Rock des Staates das sind die drei psychologischen Lehren des ersten Plan-, und ihnen versucht man, in der zweiten Pjatiletka Rechnung zu tragen.

Drei Grundfähe zeichnet der neue Plan auf: Devorzugung der Warcngualität auf Kosten de- übertriebenen Produktion-tempos. Deruhigung des Arbeiters und Erhöhung der Arbeitsergiebig­keit durch Deseitigung des ErfchöpfungSzustandes. d. h. durch Hebung des Lebensstandards der De­völkerung, und schließlich eine gründliche ilmlagc- rung der Rohstoffe gewinnenden Industriezentren. Der Schlachtruf ü r b i e Qualität!" ist die natürliche Schlußfolgerung aus der bitteren Erfahrung, die die Sowjets machen mußten, al- die Sucht nach einer Rckordproduktion zwangsläu­fig zur Unwirtschaftlichkeit führte. Was nützen den großen Staatsgütern zehn Mähdrescher, wenn sie in zwei Jahren verbraucht sind, während ein guter deutscher oder amerikanischer Mähdrescher eine Lebensdauer von zehn Jahren aufweist? Was nützt eine Unzahl großer Werke, wenn der or­ganische Zusammenhang fehlt, wenn ihre Produk­tion sich zu 6b v. H als Ausfchußwarc erweist und in ihnen eine io schreiende Unwirtschaftlichkeit herrscht, daß die Kosten in keinem Verhältnis zum Ergebnis stehen? In diesem Kampf für die Quali­tät soll z D. die Gußeisenproduktion 1937, also am Ende des zweiten Planes, nicht mehr 60 Mil­lionen Tonnen betragen, wie die bisherigen Orientierungspläne vorsahen, sondern nur noch 22 Millionen. Das erregt Atoar Aufsehen, aber ! dieses vernünftige Zurückfehen auf ein wirtschaftlich mögliches Maß beweist, daß die Verfasser der neuen Pjatiletka nüchtern gemäßigt und vorsichtig vorgegangen sind. Man hat nunmehr erfahren, was man seinen Kräften zumuten kann, und das hervorstechendste Merkmal ist. daß dieser zweite Plan nicht mehr auf Grund jenes .Hungerkredits" zustandekommen soll, den

Zeitschriften.

.Mutter und Kind". Zeitschrift für Ernährung. Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. H Viertel). (3 Hefte» 1.65 Mk. einschl. Poicko. - Das Fe­bruarheft enthält eine Fülle interessanter und lehrreicherBeiträge. Lehrreich nicht nur für Müt­ter von Säuglingen, fondern auch für Mütter von Kleinkindern. Dr. Vollmer schreibt über .Ernäh­rungsfehler beim Reugeborenen und Frühgebore­nen", Anyta Schellbach aber .Daby lernt fpre-

Sochschulnachrichten.

Professor Dr. Erich Hans Kaden an der Uni­versität Genf hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für bürgerliches Recht an der Universität Mün - fter erhalten. Kadens Spezialgebiet ist römische» Recht und vergleichendes Zivilrecht. Geboren 1898 zu Hochheim a. M., besuchte er dos Gymnasium in Wiesbaden und studierte Red-tswissenfchasten in Gießen, Freiburg und Leipzig bei Eger, Lenel, Partsch und Mitteis. Zunächst als Referendar in Hessen und Preußen tätig, war er später wissen- fchaitlicher Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt in Berlin, erwarb in Gießen den Doktorgrad, bestand in Darmstadt die Assessorprüfung und bekleidete Assistentenstellen bei Prof. Partsch in Bonn und Berlin, später bei Pros. Eger in Gießen. Im Som­mer 1924 habilitierte sich Kaden in Heidelberg für römisches und bürgerliches Recht mit einer Schrift Das Privatrecht des Friedensvertrags" und folgte dann einem Rui als Ertraordinarivs für vergleichen­des Zivilrecht nach Genf, wo er im Sommer 1931 zum Ordinarius für römisches Recht ernannt wurde. Born Herderinftitut in Riga eingeladen, hielt Stäben dort im Herbst 1927 Vorträge über Rectztsver- gleichung. Der Gelehrte ist Mitarbeiter am Rechts­oergleichenden Handwörterbuch für das Zivil- und Handelsrecht des In- und Auslandes (Verlag F. Bahlen, Berlin), ferner Miwrbeiter der .^ivilgescy« der Gegenwart"', herausgegeben von Heinsheimer, Wolff, Kaden, Muk.

Amtlich wird die Ernennung des o. Professors Dr. Harald Fuchs von der Universität Kö­nigsberg zum ordentlichen Professor der la­teinischen Sprache und Literatur an der Uni­versitätBafel als Rachfolger von Kurt Latte be (tätigt.

i no flk* ^ijer-Dose jjk. .......... Pfund pf. i/ Pfund 60 , i pfund»^.

rware) " pfund ^p(.

pfuad* P(.

Pfundv

1327 C