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Aus der Provi'nzi'alhauptstadt.
Deutsche Gärten.
Lin Vortrag von Professor Dr. Küster.
Die hiesige Loge .Hassia" vom Deutschen Guttemplerorden hatte für Mittwoch zu einem Licht- biLder-Vortrag eingeladen, der gut besucht war. Nachdem der Vorsitzende mit wenigen Worten auf das Wollen des Guttemplerordens h ngewicsen hatte, begann der Vortragende, Unioersitäteprofessor Dr. Küster, seine Führung durch die deutschen Gärten in den Zeiten des 15. und 16. Jahrhunderts, aus denen keine Monumente überliefert sind und nur Gemälde, Stiche, Holzschnitte usw. belehren (Himmelsgärt.ein in Frankfurt a. TL, Stiche des Meisters N. 2. Breviarium Grimani). Gärten von ausgesprochener Individualität schuf das Zeitalter der deutschen Renaissance (,.Der schöne Garten", heute Grollenhöfchen der Residenz zu München, die längst verschwundene Eremitage der Marburg zu München, das ehemalige Lusychloß in Stuttgart). Hervorragende Gartenbauherren waren Wallenstein (Tilschin, Prag) und Moritz von Nassau (Kleve). Von allen diesen Gärten ist nichts, oder fast nichts mehr erhalten.
Der Vortragende wandte sich sodann der ausführlichen Behandlung derjenigen Gärten zu, die das große Vorbild Ludwigs XIV an den Höfen weltlicher und geistlicher Fürsten entstehen ließ, und jenen, die aus ita ienischen Anregungen entstanden. Die Gärten von Hannover (Herrenhausen — aus- | gesprochen französische Arbeit), von Kassel (Wil- helmshöhe — ausgesprochen italienischer Stil) und ’ von München (Schleißheim und Nymphenburg) zog der Redner in den Kreis seiner Betrachtungen. Der । Rhein zeigte an Gärten nicht so viel, wie man es bei dem Machtumfang <ber dortigen Fürsten und bei der Gunst des Klimas erwartet hätte. Der Vortragende behandelte die Gärten von Brühl und Bonn, die noch erhalten sind und die Favorite von i Mainz, mit der die Franzosen 1792 ein Gartenbau- Kunstwerk von einzigartiger Bedeutung zerstört | haben.
In Karlsruhe ist der Fall verwirklicht, daß mitten im Walde Schloß und Garten angelegt und zum Bildungsmittelpunkt einer Großstadt wurden. Der 1 Schloßgarten von Würzburg be.'ommt feine Eigenart durch seine Anlage auf dem zackig umrissenen Festungsaclände. Eingehend behandelte der Redner das Lustschloß, das die Würzburger Bischöfe sich in Veitshöchheim bauen ließen (Gartenplastik des deutschen Rokokos. Wien erlebte erst nach Beseiti- : gung der Türkengefahr seine neue große Bauperiode. Die Gärten zeigen stark italienischen Einfluß (Belvedere des Prinzen Eugen, Schönbrunn). Weiterhin hörte man von Dresdener Schöpfungen und der hochentwickelten Gartenkunst aus der Zeit August des Starken; ferner von Schwetzingen und , Berlin (Sanssouci Friedrichs des Großen). Kürzere Behandlung erfuhren die Gärten des landschaftlichen Stils: Umstilisierung älterer architektonischer Gärten- und Neuschöpfungen (Schönbusch bei Aschaffenburg, Gärten von Weimar, Wörlitz, Fürst Pückler- ■ Muskau).
Die heutige' Zeit, der der Vortragende besonders lebhaftes Interesse an der Gartenkunst nachrühmte, hat namentlich, eine hochentwickelte Friedhofs-Gartenkunst geschaffen, die wohl am sichtbarsten in den A"lagen der Hamburger und Münchener Friedhöfe ihren Ausdruck findet.
Zahlreiche Lichtbilder veranschaulichten den Vortrag, De Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall twfgenommen.
Oberhessifcher Kunstverein.
Dom Oberhessischen Kunstvcrein wird uns geschrieben: Am Sonntag. 13. Tezemeer, ist die Ausstellung ..Jahresschau Oberstes ss>'er Kunst" zum letzten Male geöffnet. Die Verlosung der ausge- * setzten Gewinne für die Mitglieder des Kunstver
eins hat stattgefunden. Es sind 23 Gewinne von mehr als 500 Mark verteilt worden. Die Gewinne selbst und die genaue Liste der Empfänger liegen Sonntag in der Ausstellung zur Einsicht auf.
Der Verkauf von Arbeiten ter Künstler hat in diesem Jahre ein günstigeres Ergebnis gehabt, als im vorigen Jahre. Wahrend auf der Weihnachtsausstellung 1931 Arbeiten im Gesamtwerte von etwas mehr als 1000 Mark verkauft wurden, konnten bisher bei der diesjährigen Kunstlerhilse Arbeiten im Gesamtwerte von über 13-0 Mark c^b- gesetzt werden. Es sei denn, daß dieses vorläufige Ergebnis sich nicht noch verbessert dadurch, daß die Mitglieder und Freunde des Vereins, die sich bisher verhältnismäßig wenig an den An- kaufen beteiligt haben, sich doch noch entschließen sollten, diese oder jene Arbeit zu erwerben.
Spenden für die Winternothilfe.
Don der Geschäftsstelle der Gießener Winternothilfe werden uns folgende neue Spenden mitgeteilt:
Gebr. D ä r, Bettenfabrik, Marktstr. 29, einen Posten Textilwaren.
Theodor Loos, Kirchenplatz 13, einen Posten Textilwaren als 2. Date.
^Weitere Spenden werden mit Dank angenommen.
Vornottzcn.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Sonntag, 15 Uhr, zum ersten Mal in dieser Spielzeit unser diesjähr.ges Weihnachtsmärchen: „Aschenbrödel" oder „Der gläserne Pantoffel", ein Märchenspiel mit Gesang und Tanz in sechs Bildern von C. A. (Börner; Spielleitung dieser in neuer Inszenierung und Ausstattung gespielten Weihnachtsgefch.chte hat Karl V o l ck. Ende 17.30 Uhr. Besondere Märchenpreise. 19 Uhr außer Abonnement zu ermäß glen Preisen als Fremdenvovstellung das deutsche Kriegsstück: „Die endlose Straße", ein Frontstück von Graff und Hintze; Spielleitung der Intendant. Ende gegen 22 Uhr. Wegen des zeitigen Endes der Vorstellung werden vor allem die auswärtigen Besucher auf diese Vorstellung aufmerksam gemacht. — Zum letzten Male kommt am Dienstag, 20. Dezember, als 12. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Grillparzers Lustspiel „Weh' dem, der lügt" unter Karl Heys ers Regie zur Aufführung. Von 20 bis 22.15 Uhr. Gewöhnliche Preise. — Eine Wiederholung des Weihnachtsmärchens findet am Mittwoch, 21. Dezember, statt. Von 15.45 bis 18.15 Uhr „Aschenbrödel", Spielleitung Karl V o l ck. Märchenpreise. Die Schlageroperette „Peppina" von Robert Stolz wird am Mittwoch als 11. Vorstellung der Mittwoch-Abonnenten zum letzten Mal aufgeführt. Spielleitung Paul Wrede. Operetten- pre.se. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. — Freitag, 23. und Samstag. 24. Dezember, bleibt das Theater geschlossen. Dem ernsten Charakter des ersten Feiertages entsprechend, sieht der Spielplan für die Weihnachtstage am Sonntag, 25. Dezember, eine Aufführung des Frontstückes „Die endlose Straße" vor. Außer Abonnement, ermäßigte Preise, Fremdenvorstellung. Spieldauer von 18.30 bis 21.30 Uhr. Für den zweiten Feiertag, Montag, 26. Dezember, 15 Uhr in neuer Inszenierung und Ausstattung das Weihnachtsmärchen „Aschenbrä- M", Spielleitung Karl V o l ck. Ende 17.30 Uhr. Zum ersten Mal findet um 19 Uhr als Fremden Vorstellung außer Abonnement zu ermäßigten Operettenpreisen die Aufführung „5m weißen Rößl" statt. Die Operette wurde von Hans Müller frei nach dem gleichnamigen Schwank von Blumenthal und Kadelburg umgearbeitet, mit Gesangs- texten von Ralph Gilbert und, einer originellen, melodiösen Musik von Ralph Benatzky ausgcstattet. Spielleitung hat Heinrich Hub. Ende 22 Ühr.
Rundfunkprogramm.
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Sonntag, 18. Dezember.
6.15 Uhr: Don Hamburg: Hafenkon^rrt. 8.30: , Morgenfeier. Veranstaltet von der freireligiösen 'Gemeinde Offenbach a. M. 9.33: Stunde des Chor- igesangs. 11: „Weihnachtsgespräch". Don Wally sD-aumarm und O. W. Studtmann. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung: Kantate von Fohann Sebastian Dach. 12: Schlohplatz Stuttgart: Mittaaskonzert l. 13: Mittagskonzert II. 14.10: Stunde des Landes. 15: Stunde der Jugend. 16: Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kurovche- sters. 18: „Aus dem Buch Hiob", vorgelesen von Hugo Firmbach. 18.25: "Vergnügliches Zwischenspiel. 18.45: „Die heilige Dacht und die Tiere". Ein Weihnachtsspiel ton Rudolf Dillinger. 19.40: Konzert. 23.45: Von Wien: Reichssendung: Heimat Oesterreich Wien. 22: Das Märchen von der Rachtigall. Ein Melodram von Arnold Winter- nih. 22.45 bis 24: Wien: Abendkonzert des Orchesters 3ofef Holzer.
Montag, 19. Dezember.
7.20 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonxert l auf Schallplatlen. 13.30: Mittagskonzert II. 15.20: „Mutter Erde", Vortrag von Derta Schröder. 17: Freiburg: Selten gehörte Weihnachtsmusik. 18.25: Vortrag. 18.50: Engli- scher Sprachunterricht. 19.2 : We hr.achls atgeber für den Dück>ermarkt. Von der Literarischen Abteilung. 19.35: Konzert des Rundfunk-Orchesters. 21.20: Die Jagd nach dem Gold des Kapitän Kid. Eine abenteuerli che Geschichte von Rud. Schneider- Schelde, (4. Test). 22.45 bis 21: Kammermusik.
Dienstag, 20. Dezember.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert l. 13.30: Mittagskonzert II. 1523 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17: Rachmittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.25: Zeitfragen. 18.53: ..Serben und Deutsche — "Beziehungen zwischen Völkern", Vortrog von Dr. Hermann Wendel. 19.20: „Wer ist es ?" Literarisches Rätsel. Aufgegcben von Wolfgang Wehrauch. 19/5: Ilse Faber spricht über ihr Duch: „Herr Poehl- I mann reist ". 20:' Von Derlin: Konzert der Ver- liner Philharmoniker. 21: Kleine Liebe in der großen Stadt. Hörspiel von Hans Ricklisch und Lothar Weiß. 22: Konzert auf Schallplatten. 22.45 bis 24: Rachtmusik. Alte Tänze der Tanzkapelle der Stuttgarter Philharmoniker.
Mittwoch, 21. Dezember.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.20 bis 10.50: Musikalische Kinderspiele. 12: Mittagskonzert I des Rundfunk-Orchesters. 13.30: Mittagskonzert Ii auf Schallplatten. 15.15 bis 16.15: Stunde der Jugend. 17: Rachmittagskonzert. Kapelle des Jos. Schwarzschen Orchesters. 18.25:
»Der faustische Mensch". Vortrag von Dr. Eugen Türster. 18.50: Zeitfunk. 19 23: „Meihnachtsrat- geber für den Büchermarkt"'. Von der Literarischen Abteilung. 19.25: Operettenkonzert des Rundfunk-Orchesters. 21: Timon von Athen. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Shakespeare. 22.45 bis 24: Rachtmusik.
Donnerstag, 22. Dezember.
7.20 Uhr: Frühkonzert erwerbsloser Derufs- musiker. 12: Mittagskonzert l erwerbsloser De- rrlfsmusiker. 13.30: Mittagskonzert II. 15.30 bis 16.30 (M bis 16): Stunde der Jugend. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: „Die akademische Terufs- not", Vortrag von Dr. Reinhold Schairer. 18.50: „Derufsständische Selbstverwaltung", Vortrag von Dr. Fritz Meskc. 19.20: „Reues aus aller Welt". Don Professor Dr. Waller Bchrmann. 19.20: Ernst junger spricht über sein Buch. 19.45: „Wer ist es?" Literarisches Rätsel. Aufgee.eben von Wolfgang Weyrauch. 23: Von Königsberg: Aus Dan- W Vergangenheit. Hörbild. 23.30: Klavierübung, 3- Teil. Von Johann Sebastian Bach.
Freitag, 23. Dezember.
7 20 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Greiners Großgaststätten im Hindenburgbau: Mittagskonzert I der Kapelle Edith Heinemann. 13.30: Mittagswnzert II auf Schallvlatten. 17: Nachmit- tagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.50: Aerzte- «ortrag: „Frostschäden und ihre Verhütung". 19.30: Mannheim: Christnacht. Ein deutsches Weihnackts- liederspiel, von Jos. Haas. 20.45: Unbekanntes Europa II. Die Napoleoninseln: Korsika und Elba. Zuiammengestellt von Josef Eberle und Karl Kosten. 21.30: K aviermusik. Gespielt von Hubert Giesen. 22.45 b.s 24: Don Berlin: Nachtmusik.
Samstag, 24. Dezember.
7.20 Uhr: Orgelkonzert. 12: Mittagskonzert I. 13.30 bis 14 40: Mittagskonzert II. 14 20: Priefter- leminar Fulda: Weihnachtsfeierstunde im Bischöflichen Priesterseminar zu Fulda. 15: Stunde der Jugend. 16: Weihnachtschöre (Schallplattenkonzert). 16 30: Zur Be'cherung. Konzert des Rundfunk- Orchesters. 18: Weihnachtslieder. 18.30: Weihnachten in den Alpen. Von Anton Maria Top.tz. 19: „Heilige Nacht". Von Ludwig Thoma. Sprecher: Ben Spanier. 20: Vom amerikanischen Rundfunk: Uebertragung aus Bethlehem. 20.15: Zwei Weih- nachts-Ehöre. Weihnachts-Oratorium. 21: Deutschlands Weihnachtsglocken. 21.45: Konzert. 22 30: Orgelkonzert. 23: Weihnachten eines Sonderlings. Don Erwin Guido Ko.benheyer. 23.30: Dillingen: Kuhreigen. Ein alter Weihnachtsbrauch in Dillingen im Schwarzwald. 22.45: Aus Amerika: Deutsche Weihnachten im Ausland. 24: Weingarten: Um Mitternach in der Klosterkirche zu Weingarten.
** E i n Siebzigjähriger. Am heutigen Samstag kann Herr F.anz Rentmeister, Asterweg 25 wohnhaft, bei guter Gesundheit seinen 70. Geburtstag begehen.
** Besuchszeiten in den Museen. Das Oberhessische Museum im Alten Schloß, das Dölker- mufeum, sowie die städtische Gemäldesammlung und das Kriegsmuseum im Neuen Schloß sind am Sonntag zw schen 11 und 13 Uhr geöffnet.
R i n. e r m a rk t i r G . e h e n. A,r nä hsten Dienstag findet in Gießen Rindv'.ehmarkt statt.
** SterbefälleinGiehen. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember: 2.: Anna Steinhaus, geb. Schmidt, Witwe, 60 Jahre, Frankfurter Straße 177; 3.: Felix Dut- kiewicz, technischer Direktor, 34 Jahre, Körner
straße 8; Georg Fuchs, Steuer assi st ent, 49 Jahre, Licbigstraße 101; Anna Martiny, geb. Bicrel- haupt, Witwe, 52 (Zähre, Schillerstraße 11; 7.; Joseph Reitbcrger, Mehgergeselle, 41 (Zahrc, Grabenstraße 10; 8.: Karl Scharmann, Derwal- tungsobersekrctär, 29 Jahre, Am Kugelberg 14; 9.: Pauline Christ, geb. Golz, Witwe, 69 Jahre, Ostanlagr 12; 11.: Christiane Driske, ohne Beruf, 82 Jahre, Wetzlarer Weg 11; 13.: Margaret- Wehrheim, geb. Stahl, Witwe, 78 Jahre, Stcin- strahe 51; Franziska Tippel, ohne Beruf, 66 Jahre, Ederstrahe 2; 14.: Katharina Roth, geb. Mandler, Witwe, 85 Jahre, Druchstrahe 8; 15.: Ludwig Kraft, Bahnhofsverwalter t R., 81 Jahre, Bleichstraße 25; Adolf Kallmann, Zollaufseher t R., 83 Jahre, Bahnhofstraße 29.
Das moderne Theater als Spiegel der Kulturgeschichte.
Vortrag des Intendanten Or.prasch in der Gießener Hochschulgesellschast.
Auf Einladung der Gießener Hochschul- gesell schäft hielt Intendant Dr. Pro sch gestern abend im Studentenhaus einen Dortrag über das Thema „Da s moderne Theater als Spiegel der Kulturgefchichte". Im Namen der Hochschulgesellschaft hieß zuvor Provinzialdirektor Graef die Erschienenen herzlich willkommen und betonte, daß er gerade im Jahre des Stadttheater-Jubiläums einen stärkeren Besuch und ein allgemeineres Interesse für das Thema des Abends erwartet habe; er dankte dann dem Vortragenden und bat ihn, das Wort zu ergreifen.
Intendant Dr. Prasch führte ungefähr folgendes aus: Keine Kunst ist so zeitverbunden wie das Theater. Das wird zumal in unserer Gegenwart besonders ^deutlich. Die latente Krisis des deutschen Theaters und in der deutschen Dramatik ist durch den Krieg nur beschieunigt worden. Das Theater vor dem Kriege konnte als vollendeter Ausdruck der wilhelminischen Aera gelten. Die rasende politische Entwicklung der letzten vierzehn Jahre hat nicht nur den lauten Umsturz, sondern auch einen inneren Umbruch in Ständen und Familien mit sich gebracht. In unserer raschlebigen Zeit ist die Dichtkunst dem beschleunigten Wandel der Erscheinungen gefolgt; doch blieb die Entwicklung vorwiegend geistig und verstandesmäßig; im Scelischen ist die Kluft zwischen den Jahrtausenden zum Händereichen schmal. Aber nur im Seelischen prägen sich Ewigkeitswerte aus. Zieht man die künstlerische Bilanz der letzten vierzehn Jahre, so ist zu sagen, daß nur die Architektur bisher als Stil den Ausdruck der Zeit konsequent verwirklicht hat. Die Dramatik hat einen Rekord an Quantität ciufzuweisen, ist aber sonst woit im Rückstand geblieben. Kaum einer der deutschen Dramatiker hatte b-en Zusammenhang mit seiner Zeit gefunden. Das letzte^sahrzehnt hat eine Fülle von Stoffen zutage gefördert. Es entstand der Typus des fuge nannten Ze:tstücks.»„Krankheit der Jugend" und „Revolte im Erziehungshaus" sind charakteristische Be-ispiele dafür. Es galt als mutig, gewagte Themen auf die Bühne zu bringen. Aber es war bald kein Wagnis mehr, sondern nur noch Konjunktur. Mangel an Erfindung und Phantasie sollte durch Gesinnung und Reklame ersetzt werden. Die Affären um Bruckner (Taggerll Sind- balb und Sampel sind symptomatisch. Unsere Zeit fordert klare Wege und Ziele; aber welche Wirrnis herrschte im Drama, welche Verwirrung der Stilbegriffe. Don den Fvrtissimo-Stücken des Expressionismus (Bronnen, Stramm) führte die Entwick
lung zur Neuen Sachlichkeit und zum Zeittheater. Die Probleme werde^ aktuMsiert und politisiert; Partei, Gesinnung, Tendenz und Kampfansage beherrschen die Bühne. Die Stoffe liegen sozusagen in der Luft; aber das Sensationsbedürfnis ist bald von der Gesinnung nicht mehr zu unterscheiden. Piscator, Wolf und Brecht sind einige der typischsten Vertreter dieser Richtung. Die Mehrzahl der Autoren kommt nicht aus innerer Notwendigkeit an den Stoff heran. Das Zeittheater wird reines Geschäftstheater. Das gleiche Thema wird fast gleichzeitig von mehreren Schriftstellern dramatisiert (Crede, Rehfisch, Wolf: gegen den Paragraphen 218; Bruno Frank, von Arx, Möller: Geschichte des schweizerischen Generals Suter). Aber ein Stück aus der Zeit wird erst bann wichtig, wenn d e Entzündung des Schriftstellers an seinem Stoff sich um- setzt in Wort, Gestalt und Atmosphäre. Erst durch die dichterische Vision wird der aktuelle Stoffe gültig und wahrhaft existent. Denken wir an Beispiele klassischer und nachklassischer Epochen: „Kabale und Liebe", „Dantons Tod", „Die Weber" — welch ein Abstand nicht nur im Können, sondern auch in der Gesinnung vom heutigen Drama. Aus den Erfolgen ist leicht zu sehen, welche Stücke das Publikum bejaht und zu sehen wünscht. (Als Beispiele: „Die andere Seite", „Grabmal des unbekannten Soldaten", „Hauptmann von Köpenick", „Die endlose Straße".) Der Kernpunkt des Theaterproblems: die Bühne muß zur Heimstätte aller geistig Wachen gemacht werden. Das Theater ist Spiegel der Zeit und moralische Anstalt im tiefsten Sinne des Wortes von Aischylos bis zur Gegenwart. Alle Kunst, auch die des Theaters, ist organisch, nie loszulösen von der allgemeinen Kultur, sondern völlig von ihr abhängrg und bedingt. —
Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Prooinzialdirektor Graef dankte dem Redner herzlich im Namen aller Anwesenden und wies in einem kurzen Schlußwort darauf hin, daß es heute, nach so vielen und 'schweren Verlusten, um die Erhaltung unserer Kultur gehe. Ein Intendant habe es nicht leicht, den Ausgleich zwischen Dualität und Publikumsgeschmack zu finden. Das Gießener Theater habe in den letzten vier Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen. Der Stadt Gießen sei zu wünschen, daß sie bei der Besetzung des Intendantenpostens stets eine so glückliche Hand habe wie bei der Berufung des Intendanten Dr. Prasch.
Geschichten aus aller Welt.
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Tommy und der Schn .rrbart.
(g) London.
Dem König Georg von England sehen seine Soldaten, insbesondere die seiner Garde, nicht martialisch genug aus. Weil sie, die Offiziere mit einbegriffen, glatt rasiert umherlausen. Rur unter den englischen Generälen gibt es noch einige wenige. die einen kräftigen, mannhaften Schnurrbart besitzen, — alles andere aber ist um dis Mundpartie völlig kahl.
Der König hat daher, wenn auch nicht den Befehl erlassen, so doch seinem Wunsche unmißverständlichen Ausdruck gegeben, daß seine „horse- guardsK den natürlichen männlichen Zierrat, den mir die Willkür beseitigt hat, wieder wachsen lassen, damit sie sozusagen vom Scheitel bis zur Sohle einen kriegerischen Eindruck machen. Der König hat dieser Versügung handschriftlich hinzugefügt: „Ich hoffe, daß mein Wunsch in der kürzestmöglichen Zeit erfüllt wird, und daß die Soldaten meiner übrigen Regimenter diesem Dorbilde ihrer Kameraden von der Garde bald Nachfolgen werden!
Den Soldaten Seiner Majestät wird deirmach nichts anderes übrigbleiben, als sich jetzt wieder die Haare unter der Rase wachsen zu lassen. Mit höchster Spannung jedoch wartet man in englischen militärischen Kreisen, und darüber hinaus auch innerhalb der zivilistischen Menschheit, wie sich der Prinz von Wales zu diesem Wunsche seines Herrn Vaters verhalten wird, — der Prinz von Wales, der bisher der unbestrittene Lehrer und Meister für alles das gewesen ist, was mit männlicher Kleidung, Haltung, Borttracht usw. zu tun hat. Wird er sich das „Schnurrbart-Äktat" gefallen lassen?
Ein unheimliches Datum.
v. G. PariL.
Jährlich am 5. Dezember findet vor der Kirche des Heiligen Ricolas von Port eine Prozession statt, die die vor fast 703 Jahren erfolgte wunderbare Errettung des Herrn von Rechicourt aus den Händen der Araber feiert. Cs geschah damals, wie die Legende erzählt, daß besagter Kreuzritter von den Ungläubigen in einem dunklen Verlieh an Ketten gelegt wurde, nachdem er trotz tapferer Gegenwehr der Uebermacht erlegen war. Herr von Rechicourt sandte aus dieser verzweifelten Lage eine inbrünstige Bitte an den Schutzheiligen seiner Heimat. Und der Heilige Ricolas erschien und befreite den Ritter. Die Legende besagt, daß er de>7 Herrn des Hauses von Linange durch die Luft bis vor die Tore seiner Kirche in Port beförderte. Diese wundersame Begebenheit wird nun Jahr für Jahr feierlich begangen. Aber seit drei Jahren ist die Prozession mit eigenartigen Vorgängen verknüpft. 1930 fiel der Glöckner, der sich anschickte, die Gläubigen von fern und nah zur Feier zu rufen, vom Glockenturm und brach sich das Genick. 3m darauffolgenden Jahr wurde
ein goldener Arm und der wertvolle Schmuck des Heiligen Ricolas, die am 5. Dezember 1S05 auf geheimnisvolle Weise gestohlen worden waren, wieder unbemerkt dem Eigentümer zurückgegeben. Und in diesem Jahre brach der älteste Chorherr der ehrwürdigen Kirche tot zusammen, als sich die Prozession in Bewegung setzen wollte. Alt und jung sucht vergeblich nach einer Deutung dieser seltsamen Verkoppelung verhängnisvoller Ereignisse.
Erziehung.
w. — Reuhvrk.
„8 West 42, Straße... Ueberfall!"
Das Telephon des Polizeireviers flog nieder auf die Gabel. Anweisungen — Lichtsignale — und eine knappe Minute später sauste der Ueber- fallwagen nach der Stelle, an der ihn eine hohe, schrille Stimme eben gerufen hatte.
Mit entsicherten Revolvern sprangen die Männer die Stufen hinauf...
„Polizei... öffnen Sie... im Ramen des Gesetzes ..."
Krachend flog die schwere Tür auf...
Welcher Anblick bot sich den unerschrockenen Männern der Reuyorker Polizei?
Cs waren lauter abgebrühte Burschen, diese sechs Mann. Sie waren, alle sechs, abgehärtet durch unzählige Verfolgungsjagden über die Dächer der Wolkenkratzer...
... die sie. alle sechs, in ebenso unzähligen Detektivschmökern in ihren freien Dienststunden sich zu Gemüte geführt hatten.
Also, wenn ich bitten darf, — was erblickten sie?
In der geräumigen Halle eines wohlhabenden Wohnhauses kauerte ein kleiner Junge auf den» Teppich. Sein Ohr befand sich in der linken Hand einer gefährlich dreinblickenden, aber sonst elegant gekleideten Frau — augenscheinlich seiner Mutter.
Diese Frau sagte gerade: „Warte nur, du Schlingel." Der kleine Junge heulte nur vor sich hin.
Als aber die sechs harten Männer vom lieber«= fallkomrnando vor ihm standen, ging ein Ruck durch den jungen Mann. Er stand auf (ober hatte feine Mutter ihn an seinem Ohr in die Höhe gezogen?) — wies mit der einen Hand aus die Polizisten, machte der erbosten Dame mit der anderen eine lange Rase und sprach — relativ gefaßt:
„Siehst du, Mama... die hier habe ich hergerufen, weil du mir eine Ohrfeige gegeben hast. Wenn du dich noch einmal an mir vergreifst, werde ich die Feuerwehr alarmieren..
Schlaff sank der Arm der Dame herunter. Entgeistert standen die mit allen Wassern gewaschenen sechs Polizisten, als der junge Mann zu ihnen sprach: „Dielen Dank... gehen Sie bitte noch nicht fort. In Daters Bibliothek steht eine Nasche guter Whisky. Dielleicht nehmen Sie einen Schluck...?"


