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17.12.1932 Erstes Blatt
 
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Samstag, 17. Dezember 1952

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ur. 297 Drittes Blatt

Den Tennis-Tisch habe, ein richtige, kleine Gesell- . schäft mit hochgebildetem Gespräch gar nicht mehr möglich ist. Früher war das anders. Da kamen ja I

Deutschlands Tierwelt vor 25 Millionen Zähren.

Schätze von höchster wissenschaftlicher Bedeutung sind von dem Direktor des Eeologisch-Paläontho- log'.schen Instituts der Universität Halle, Pro­fessor Dr. Johannes Weigelt. in der Braun­kohle des Geisel-Tales, dessen sumpfige Brederung westlich von Merseburg liegt, entdeckt worden. Einen genauen Lleberblick über diese Funde gibt der Gelehrte nun in der Frankfurter Wochen­schriftDie Llmschau". Bisher war in den Braun- kohlen-Lagern noch nie eine Spur tierischen Le­bens entlockt worden, denn die Knochen wurden durch die hier vorhandenen Humin-Säuren zer­stört. lieber das reiche Leben, das in den Wäl­dern und Steppen jener Epoche vor 25 Millionen Jahren geherrscht, war ein Schleier gebreitet, der undurchdringlich schien und eine große Lucke in unserer Kenntnis vergangener Erdzertalter ließ. Durch ein Zusammentreffen von einer gan­zen Reihe günstiger Umstände ist aber in der

Umherkriechen und verlorene Bälle wieder suchen ist der sportlich anstrengendste Teil des Tischtennis. Das Spielen selber macht bloß Spatz.

Es macht soviel Spaß, daß bei mir, seitdem ich

Ebenso niederdrückend ist die Lage im süd­slawischen Anteil des Burgenlandes, um Füchselsdorf. Wohl haben die Serben in ihrem Staat eine Lehrerbildungsanstalt und einige höhere Schulen gestattet, aber nur ganz im Osten nahe Belgrad. Das Hunderte von Kilometer entfernte Füchselsdorf an der deutsch-österreichischen Grenze hat davon gar keinen Nutzen. Hier ist Slowenisie- runaTrumpf. Keine deutschen Aufschristen, kein deutsches Schulwesen, keine deutschen Vereine; wie eine Dampfwalze erstickt das Slowenentum jede Regung deutschen Eigenlebens und wird es so lange tun, bis entweder wie heute im entdeutschten Krain nichts Nennenswertes mehr zu entdeut- schen ist oder das Binnendeutschtum endlich vom Bruderzwist läßt und seine Kraft geschlossen nach außen verwendet.

Einen erfreulichen Eindruck macht dagegen der österreichische Anteil des Burgenlandes mit der Hauptstadt E i s e n st a d t. Obgleich durch die unglückliche Grenzziehung mit dem Verlust von Oedenburg und Eisenburg fast alles verloren ging, was zu ordnungsmäßiger Verwaltung gehörte, hat burgenländische und innerösterreichische Tatkraft ohne viel Aufhebens erstaunliche Aufbau­arbeit geleitet. Das Land erhielt deutsches Schulwesen, deutsche Selbstverwaltung, gute Stra­ßen, sanitäre Hilfe und wie wichtig ist das für deutsches Land und Volk eine zu Herz und Kopf sprechende deutsche Heimatkunde. Die reiz­volle Landschaft mit ihrem allmählichen Wechsel von Steppeneinsamkeit, periodisch verschwindendem Neu­siedler See samt seinem Vogelparadies, Badeleben und Weingartenkranz bis zum burgengeschmückten Bergwald macht nicht minder als die prachtvollen deutschen Menschen beider Bekenntnisse in ihrer Duldsamkeit, Gastfreundschaft, aber auch tatbereiter Volkstreue jedem ausgeschlossenen Besucher das be­freite Burgenland zu einem Erlebnis. Wird das deutsche Volk diesen geistigen, seelischen und wirt­schaftlichen Gewinn ausnutzen? Wird es endlich mit sich selbst ins Reine kommen, um den Brüdern und Schwestern hinter den gegenwärtigen Grenzen zu helfen?

Bildnis einer Kurie.

Der Spaten eines der Arbeiter, die jetzt bei der Ausgrabung der Agora, des alten Marktp.atzes von Athen, beschäftigt sind, stieß auf einen Gegenstand, der wie ein Klumpen Schmutz ausfah, aber sofort die Aufmerksamkeit des Leiters der Grabungen, des amerikanischen Professors T. Leslie S he ar, er­reget«. Nachdem das wenig einladende Paket mit größter Sorgfalt geborgen und gesäubert war, stellte

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Eisenstadt (Burgenland), Dezember 1932.

Die verzweifelte Lage des Deutschtums vor den Toren des Reiches zeigt sich besonders anschaulich i m 5 ü b o ft e n , roo im Raume zwischen Pregburg in der Slowakei und dem südslawisch gewordenen Füchselsdorf imUebermurgebiet" feit den Pariser Borortsdiktaten das deutsche Land auf vier ver­schiedene Staaten aufgeteilt ist, nämlich auf den tschechischen Staat, auf Deutschösterreich, Ungarn und Südstawien. Im Vertrauen auf Wilsons Wort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker hatte das bodenständige Deutschtum 1918 die Freiheit der vier früher ungarischen Gespannschaften Preßburg, Wieselburg, Oedenburg und Eisenburg mit den csleichnamigen Hauptorten verkündet, wollte es als Vierburgenland" im Rahmen D e u t s ch ö st e r- r e i ch sh eimkehrend ins Rei ch". Allein die Friedensdiktate bestimmten es anders. Zu Oester­reich kam wohl ein Mittelstück alsBurgenland" stellt es den einzigen Gewinn des Deutschtums aus dem Westkrieg dar, jedoch an allen Ecken und Enden wurde es grausam zugestutzt. Keine einzige der vier genannten Städte wurden österreichisch! Das aste deutsche Preßburg machten die Tschechen zur Hauptstadt der tschcchenfeindlichen Slowakei. W i e f e I b u r g und Eisenburg blieben bei Un­garn und unterstehen seitdem der ganzen Schwere des Magyarisierungsbrucks. Der Südzipfel des Landes um Füchselsdorf wurde von südslawischen Truppen annektiert und dadurch unter ähnlichen Druck gebracht wie das benachbarte unglückliche untersteirische Dreieck Seebergscsttel Rann an der Save Radkersburg. Die natürliche Hauptstadt des Burgenlandes Oedenburg sollte nach dem Diktat von St. Germain entsprechend seinem eigenen Wunsche österreichisch werden. Allein der verstorbene Bundeskanzler Seipel ließ sich zu einem Kompromiß" bewegen, wonach eine Volks­abstimmung unter magyarischer Besatzung statt­finden sollte. So konnten die Magyaren teils die Urnen mit deutschen Stimmen für Oesterreich zer­stören, teils soviel Stimmen für Ungarn hineist- werfen, daß stellenweise mehr Ungarnstimmen her­auskamen als Stimmberechtigte da waren: das weithin bekannteVerbrechen von Oedenburg". Die Sieger" behaupteten indessen, es habe eine ord­nungsmäßige Abstimmungmit nur kleinen Zwi­schenfällen" stattgefunden und sprachen Oedenburg wieder Ungarn zu. Seitdem gehen die Zickzackgrenzen wieder kreuz und quer durch das deutsche Land.

Zehn Jahre sind feit jenen Tagen der Gewalt ver­flossen, Jahre mühevoller Aufbausorgen im befreiten Gebietsteile, Jahre unerhörter Entdeutschung hinten den Grenzen. Wie hat sich das ausgewirkt? Ist vom Deutschtum noch Nennenswertes übrig? Die Antwort sollte eine eingehende Studienreise bringen, von der wenigstens einige Streiflichter wiedergegeben seien.

Preßburg.Bratislawa" nennen es die Tschechen ebenso leidenschaftlich, wie die Magyaren Pofzony" sagen Also Preßburg-Bratislawa-Po- szony hat wirtschaftlich einen beachtlichen Auf­schwung genommen. Die Tschechen haben weder den Druck ihrer französischen Verbündeten noch su­detendeutsche Steuergelder gescheut, um etwas ganz Großes aufzubauen. Bis in das Teschener Schlesien am Fuße der Beskiden hinein erstrecken sich ihre Maßnahmen, um Preßburg als Hafen und Ausfalls- tor gegenüber Wien zu bevorzugen. Der Erfolg hat ihnen teilweise recht gegeben; Preßburg hat heute stärkeren Schiffsverkehr als die hart ringende öster­reichische Bundeshauptstadt. Auch sonst ist die wirt­schaftliche Lage nicht gar so trostlos wie im übrigen Europa. Es gibt in Preßburg und der Slowakei deutsche Sch ulen verschiedener Grade sowie ein bescheidenes, aber gesundes deutsches Vereinswesen. Wenn die Tschechen in den sudetendeutschen Gebieten nur einen Teil jener Staatsweisheit aufwenden wollten, die sie aus naheliegenden Gründen an­gesichts'der magyarischen Volks- und Staatsgrenze in Preßburg aufbringen, fo würde Mitteleuropa schneller gesunden.

des Pudels Kern zu suchen ist. Aus derDreme klingt wie ein einziger Vorwurf das Wort Ita­lien. Dic-ser Umstand ist um so auffallender, als nicht nur dieBreme", sondern die gesamte süd­slawische Presse drei Jahre lang wie ein Grab über Italien geschwiegen haste. Den Blästern war cs seit Beginn des Belgrader Regimes nicht gestattet, die früher so beliebte Polemik mit dem Nachbar jen­seits der Adria fort.zusetzen. Das Regime, das sich hauptsächlich mit der Ordnung der innerpolitischen Angelegenheiten befaßte, wollte dadurch seine Po­litik keinen überraschenden Belastungen durch Zwi­schenfälle aussetzen. Doch es -erwies sich, daß das System des Schweigens jetzt nicht mehr möglich ist und so Hingt Denn aus derBreme" der lang­unterdrückte Ruf steigender Gefahr. Daß die Gefahr um so größer ist, je weniger konsolidiert die i n'n e r p o 1 i t i f d) e n Beziehu ngen sind, sagt das Blatt zwar nicht, allein die Spannung zwischen Agram und Belgrad kann nicht umgangen werden, sie ist für die Erklärung der Dringlichkeit des ganzen Problemes entscheidend. Die K u n D - gedungen in Dalmatien, bie zum Teil von italienischen und z. T. von südslawischen 'Die: io na« listen hervorgerufen würben nnb mit dem Sturme auf zwei Konsulate in Zara und in Bari geendet hatten, wären ansonsten nicht so gefährlich. So aber gleichen bie Demonstrationen einem Feuer, das ein Pulverfaß umzüngelt. Die eigentliche Sorge Belgrads betrifft jedoch revolutionäre E r - ei g nif fe, die man im Frühjahre erwartet und die mit Hilfe Italiens in die Wege geleitet werden sollen. Auch hier spielt das nicht geklärte Verhältnis zwischen Serben und Kroaten sowie die verdächtig passive Haltung Frankreichs, von dem anscheinend feine Hilfe zu erhoffen ist, die größte Rolle.

Goden wir ganz einfach die südslawische Auf« fassung von der Drohenden Gefahr" wieder: Die bereits erwähnte halbamtlicheVreme" schreibt am 8. Dezember u. a. folgendes: Noch nie ^gab es in Italien eine stärkere Propaganda gegen Südslawien als heute. Noch nie verkündete der Faschismus feine Forderungen gegen Belgrad offener als jetzt. Der Führer der südslawischen Emigranten Pa we­it tsch steht in enger Fühlung mit den Vertrauens­leuten Mussolinis, von denen er zur Durch­führung seiner Absichten die nötigen Summen er­hält. Pawelitsch wirbt poftenlofe südslawische Arbei­ter in Belgien und Frankreich an und reiht sie i n sein Triester Bataillon ein. Es handelt sich mit um Litauer, Dalmatiner und Herzegowiner (also in der Hauptsache um Kroaten). Er hat bis jetzt 70 Leute beisammen, die in einer Triester Kaserne untergebracht sind. Er will in den nächsten Wochen den Stand auf 1000 erhöhen. Seine Leute werden in Triest von faschistischen Instruktoren einexerziert und besonders im Gebrauch von Feuerwaffen und Handgranaten unterrichtet. Die Abteilung wird von der Außenwelt streng abgeschlos­sen gehallen. Im Frühjahre sollen dann mazedo­nische Revolutionäre an ihre Spitze gestellt werden, um ein wirkungsvolles Vorgehen zu sichern. Für bie italienische Hilfe stimmte Pawelitsch ber faschisti­schen Forderung zu, daß Dalmatien in den Besitz Italiens übergehe...

Es kann derzeit nicht kontrolliert werden, wie weit diese Darstellung zutrifft. Allein in Belgrad nimmt man bie Gefahr im Bewußtsein der eigenen Schwäche und mit Rücksicht auf die ungewisse Hal­tung Frankreichs ernst. Daher ist dieVreme" vor aUun bemüht, den Nachweis zu erbringen, daß alle Streiche", bie Mussolini gegen Südslawien plane, Keulenschläge für Paris seien, mit benen er eineunausweichliche Abrechnung" vorhabe, bie er aber erst bann werde durchführen können, wenn zuvor der französische Flankenschutz, nämlich Süd­slawien, lahmgelegt fei.

Daten für Sonntag, 18.Dezember

1737: der Geigenbauer Antonio Stradivari in Cremena gestorben; 1786: Karl Maria von Weber in Eutin geboren; 1803: der Dichter Johann Gottfried von Herder in Weimar gestor­ben; 1844: der Volkswirt Lujo Brentano in Aschaffenburg geboren; 1863: Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand von Oester: eich-Sste in Graz geboren; 1923: Umsturz in Griechen­land.

Traurig sieht es im wieder ungarisch gewordenen Oedenburg aus. Wohl bemüht sich die magtja- rische Obrigkeit offiziell um Korrektheit und gestattet hier und da an zweiter Stelle auch eine deutsche Auf­schrift. Aber wer schärfer sieht, spürt auf Schritt und Tritt den magyarischen Druck. Dieses Volk das fo Bedeutendes geleistet hat, und das bei feinen reichen Anlagen auch künftig Großes voll­bringen könnte, wenn es nach außen und innen frei wo c, verzehrt oft feine besten Kräfte in leiden­schaftlichem Kampf gegen die^deutsche Minderheit in den eigenen eng gewordenen Staatsgrenzen. Obgleich bie Stabt auf mehr als brei Seiten von befreitem, österreichischem Gebiet umgeben ist, wo jeher in seiner Sprache leben, arbeiten unb seine Kinber unterrichten lassen kann, gefällt Ungarn sich in Debenburg in einer einseitigen Magyarifierung. Es ist tragisch, bies festzuftellen. Aber basbeutsche Schulwesen" ist ein Hohn auf diesen Namen, da meist nur wenige Stunden in der Woche etwas deutsch nebenher getrieben wird, im übrigen aber die Kinder nicht einmal auf dem Schulwege untereinander deutsch sprechen dürfen. Dom Geiste des deutschen Hundertmillionenvolkes bekommen sie in der schule keine Spur, sogar ein gewißer Boykott bedroht den, der neben der Treue zum ungarischen Staat volksdeutsch zu emp­finden wagt. Das öffentliche Leben mit feinen vie­len Uniformen, mit prunkhafter Aufmachung und allen Lockungen und Belohnungen für Ueberläufer zum Magyarentum läßt in diesen Krisenzeiten manche dem Druck von oben erliegen, allein der Kern ber Bevölkerung ist bis heute noch rüden ft eif geblieben unb wehrt sich bagegen, sein Recht auf Däterart unb Muttersprache um ein Linsengericht herzugeben. Unb basselbe gilt für bie anberen deutschen Städte des Burgenlandes, bie bei Ungarn verbleiben mußten, für Wieselburg, Güns, St. Gottharb ufw.

es sich als eine Terrakotta-Platte bar, auf der eine rotharige, blauäugige Frauenfigar, von aufrecht- stehenden Schlangen eingerahmt, mit hocherhobenen Armen zu sehen war. Die Archäologen glauben, in diesem etwa um 800 v. Ehr. entstandenen Kunst­werk eines ber frühesten Porträts einer Furie zu erkennen, einer jener Rachegöttinnen, bie in ber klassischen Mythologie eine so wichtige Rolle ge­spielt haben.Die Platte unb andere Gegenstände, bie mit ihr zusammen gefunben wurden", berichtet . Professor Shear,waren von anderswoher nach dieser Stelle gebracht und hier fortgeroorfen wor­den. Die Fundstätte liegt in der Nähe des nörd­lichen Abhanges des Hügels des Areopags. Wir wissen, daß ein Tempel der Rachegöttinnen sich an der Nordseite dieses Hügels befand, und es ist mög­lich, daß bie Platte für dieses Heiligtum gestiftet wurde unb eine ber Furien barstellt." Die Grie­chen nannten diese Verfolgerinnen der Verbrecher, in denen das böse Gewissen verkörpert war, ur­sprünglich Erinyen; sie dürften aus dem urallen Seelenglauben entstanden sein und stellten die See­len Derer dar, denen ein Unrecht auf Erden gesche­hen ist und die nun die Schuldigen martern, um an ihnen Rache zu nehmen. Als Wesen ber Unterwelt wurden sie mit allen Grauen der Hölle ausgestattet und zu schlangentragenben Dämonen gemacht. Sie sind bekanntlich aufs engste mit ber, Orestes-Sage verknüpft, benn sie verfolgen den Sohn, der den Mord des Vaters Agamemnon an der Mutter rächte und damtt einen Frevel gegen die sittliche Ordnung beging. Aus dem düsteren Spuk primi­tiven Aberglaubens wurden diese Gestalten durch die verklärende Dichtung zu ernsten, segnenden Gotthellcn umgewandelt, die in denEumeniden" des Aeschylos auftreten. Aus denWütenden" wer­den dieWohlgesinnten", die im athenischen Kull sehr verehrt wurden. Wenn es sich auf der jetzt ge­fundenen Darstellung um die Gestalt einer Furie handelt. Dann ist sie jedenfalls noch ganz erfüllt von der grausigen Vorstellung des Rachedämons, wenngleich sich bereits eine majestätischere unb feierlichere Auffassung bemerkbar macht. Die Schlangen, die ihr beigegeben sind, weisen auf bei? griechischen Seelenglauoen hin, ba in ber Schlange sich die Seele bes Toten verkörperte. Es ist aber auch möglich, baß auf der Terrakotta-Tafel eine Schlangengöttin bargestellt ist, ähnlich ber, die auf Kreta angebetet wurde und von ber Bilbwerke er»

I halten sind.

Tischtennis

Von Hans Siemsen.

Alle Rechte im Rowohll-Derlag, Berlin.

Ein richtiger Tischtennis-Tisch muß zwei Meter und fünfundsiebzig Zentimeter lang fern. Dann muß an jedem Ende jeder Spieler noch mindestens je zwei und einen halben MeterSpielraum' haben, bas sind fast acht Meter. Und nicht jeder hat em Acht-Meter-Zimmer. Nun kann man zwar auch auf andern Tischen Tischtennis spielen. Ich kenne ein Ehepaar, das spielt auf einem Diplomaten--vchreib- tisch. Aber was ist das schon für ein Tischtennis, das man da spielen kann? Darauf sehen wir echten Tischtennis-Tischbesitzer mitieiDig herunter.

Ich habe nun nicht etwa eine Acht-Z:mrner- ober Acht-Meter-Zirnmer-Wohnung, aber ich habe em Zehn-Meter-Atelier. Und darin steht ein echter, fast drei Meter langer Tischtennis-Tisch.Ach, eie spie­len Tischtennis?" ist daher die ungemein intelligent Frage fast aller Leute, die mal zu. mir zu Besuch kommen. Und meine ebenso intelligente Antwort lautet:Ja, ich spiele Tischtennis."

Nun gibt es Leute, die trotz ihrer Intelligenz sehr liebenswürdig sind. Die sagen bann:Richtiges Ten­nis spiel' ich sehr gern. Aber Tischtennis?' (Nein, sie sagen nichtTischtennis", sie sagenPing- Pong".)Aber Ping-Pang?" sagen sie,das ist doch kein oport!" Und ich antworte dann ebenso liebens­würdig:Sport ist es vielleicht nicht, aber es macht Spaß. Unb außerdem kann ich mir hier in meiner Wohnung einen Tennisplatz aus Grasboden ober Beton nicht gut anlegen " Unb bann sind wir fünf Minuten böse miteinanber.

- Langer bauert das Bösesein nicht, denn inzwi­schen Hecken sie angefangen zu spielen. Anfangs wol­len sie esnur mal versuchen", aber bald sind sie mittendrin, und - schon hat sich bie Gesellschaft in zwei Parteien gespalten: die einen spielen Tisch­tennis und die anderen kriechen unter das Sofa, den Bücherschrank und den Schreibtisch und suchen die verlorenen Bälle wieder. Dieses Unter-den-Mödel-

Bei kühler Betrachtung der Lage scheint die Ein­berufung einer außerordentlichen Konferenz nur zu Demonstrationszwecken ein allzu durchsichtiges Spiel zu sein. Die Welt wäre gegen einen Derartigen Bluff von Anfang an viel zu mißtrauisch, als daß er gelingen könnte. Anderseits gibt es bestimmte Tatsachen, Die Die dringenden Besorgnisse rechtfer­tigen. Da ist vor allem die Ha lt u n g Frank­reichs zu erwähnen, das in der jüngsten Zeit Den Beweis erbrachte, seine Bundesgenossen rücksichts­los im Stiche lassen zu können. Eine Erkennt- nis, die für bie Kleine Entente unter allen Umstän­den niederschmetteryd sein mußte. Die bessarabische Frage ist heute zwar nicht aktuell, aber es gibt auch andere Mitglieder der Kleinen Entente, die mit Problemen belastet sind, die jeden Tag brennend werden können und deren Lösung ohne das ganze Gewicht der französischen Hilfe ausgeschlossen er­scheint. Da ist z. B. « üdslawien mtt seinem Gegensatz zu Italien. Es hätte der Reden Herriots und der Anbiederungsversuche der fran­zösischen Presse an Rom gar nicht bedurft, um Bel­grad in Bestürzung zu versetzen. Die Kaltstellung Rumäniens wäre den Südslawen auch so schwer aui die Nerven gegangen. Da aber Frankreich an Rumänien wenig interessiert und über Südslawien derzeit sogar sehr verärgert ist, hat keiner dieser Staaten die Hoffnung, in Sonderverhanblungen mit Paris erfolgreich cckschn eiben xu können.

Wenn die Belgrader Verhandlungen auch von dichten Schleiern verhängt sein werden unb kein Wort vorn grünen Tische in die Öffentlichkeit drin­gen dürste, braucht man doch nur die halbamtliche Vreme" zur Hand zu nehmen, um zu wissen, wo Braunkohle des mittleren Geisel-Täles die ver­nichtende Wirkung der Säuren ausgeschaltet wor­den; durch Erdfälle und Senkungen waren hier riesige Tierfallen entstanden, durch die eine außerordentliche Fülle von Lebewesen aller Art aufgespeichert wurde. Infolge dieses Glücksfalles ist es dem Gelehrten gelungen, gewaltige ßeichen- felder aufzudecken und diese einzigartigen Funde zu bergen. Auf einer Fläche von etwa 200 Qua­dratmeter wurden über 1400 Wirbeltierreste ent­deckt, nachdem früher schon eine 150 Quadratmeter grohe Stelle 220 Fische, 86 Molche, 10 Frösche, 22 Schlangen, 2 Schildkröten, Eidechsen, Krokodile usw. geliefert hatte. Die Bergung erfolgte mit Hilfe eines ganz neuen, sehr umständlichen Ver­fahrens, durch das es u. a. sogar gelang, den Nachweis von Pflanzen- und Blutfa.bstHfen zu erbringen. Tropische Insekten haben noch ihre buntschillernden Farben bewahrt. Reste der Kör­perbedeckung, Haut, Haare, Federn, Hornschup» pen lind bei Fröschen, Reptilien, Vögeln urck> Säugetieren erhalten. Der Fund mancher neuen Tierarten spricht für ein feuchtwarmes Klima. Die häufigen Knochenfische, die langschwänzigen Amphibien, die reichen Eidechsenformen berei­chern unsere Kenntnis der vorgeschichtlichen Fauna, die in Deutschland vor 25 Millionen Jahren lebte. Viele ganz neue Formen finden sich darunter, ebenso unter den Säugetieren, die durch Beuteltiere, Fledermäuse, Halbaffen, Pri­mitive Paar- und Unpaarhufer vertreten srnd. Ein früher Vorläufer des Schweines wurde m 13 Epemvlaren geborgen, ebenso ein Vorläufer des Pferdes. Besonders wertvoll sind die Heber- gangsformen zwischen Insektenfressern und primi­tiven Halbaffen. Ein ganzer Stab von Spezial» forschern ist mit der Bearbeitung der äunbe beschäftigt, die uns eine ganz neue Welt vor­geschichtlichen Lebens erschließen.

Zündstoff an der Adria.

Generalversammlung der Kleinen Entente. Sott parier im Stich gelassen.

Von unserem AOC.»Serid)terftatier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Belgrad, Mitte Dezember 1932.

Auf Betreiben Südslawiens wurde für den 16. De­zember in Belgrad eine außerordentliche Konfe­renz der Außenminister der Kleinen Entente einberufen. Wenn auch in der amtlichen Begründung dieses Beschlusses nur die Beratung allgemeiner Fragen angegeben wird, so kann doch kein Zweifel darüber vorliegen, daß die Konferenz mit konkreten und großen Ereignissen zusammen­hängt. Bisher wurden nur ein einzigesmal die drei Außenminister zu einer Sonbertagung emberufen, und bas war bamals, als König Karl in einem Flugzeug inUngarngelanbet unb ben Marsch auf Bubapest anzutreten im Begriffe war. In einem Augenblick höchster Gefahr für bie Nachfolgestaaten waren also bie Außenminister ber Tschechoslowakei, Rumäniens und Südslawiens an ben grünen Tisch gestürzt, bereit, bie Unterschriften unter die Mobili­sierungsbefehle von ihren Staatsoberhäuptern zu verlangen. Diesmal genügt es, darauf hinzuweifen, daß die Einberufung von südslawischer Seite verlangt wurde. Demzufolge werden auch südslawische Sorgen im Mittelpunkte ber Er­örterungen stehen, wenn auch Rumänen und die Tschechoslowakei so manche Befürchtungen auf eigene Rechnung vorbringen dürfen. Man darf je­doch bei all diesen Dingen die Möglichkeit, daß es sich nur um eine berechnete Kundgebung handelt, nicht ganz außer Acht lassen. Jeder Staat hat heute das größte Interesse, sich als schwer bedroht hinzu­stellen, um in Der Abrüftungssrage so billig als möglich wegzukommen. _______________.

hochgebildete, geistig Durchaus rege, um nicht zu sagen hochstehende, sehr prominente Leute' von Kunst, Theater, Literatur und sogar Politiker zu mir, und mir haben uns fein unterhalten über Max Reinhardt, über Schmellng unb James Joyoe, über Negrrevuen unb Kommunismus, und immer waren welcheDafür" und welcheDagegen", unb wenn wir nicht roeiter wußten. Dann halfen mir uns mit Grammophon unb Kognak. Das hab' ich nun alles nicht mehr nötig. Bei mir kriechen Die prominente­sten Leute unter Dem Sofa herum unb suchen Ti'ch- tennis-Bälle, unb Max Reinhardt und Schmeling stehen gänzlich unbeachtet und übellaunig in Der Ecke und müssen ohne unsere kritischen Ratschläge fertig werden.

Mit der Bildung und Den seinen Gesprächen ist es vorbei. Tischtennis wirkt nichtgesellschaftsbil- benD" Der Sport beDroht Den Geist, unb der Drei Meter lange Tennis-Tisch beherrscht mein Atelier. Aber er hat einen Vorzug vor anderen Tischen: man kann ihn zusammenklappen unb an bie Wanb stellen. Unb bann ist roieber Platz für Max Rein­hardt unb andere feine Leute, die nicht gern unterm Sofa Herumkriechen. Aber zu meinem Bedauern muß ich feftfteüen: sehr viel feine Leute scheinen nicht bei mir zu verkehren. Meine Leute spielen Tischtennis unb kriechen unters Sofa.

Kreuz und quer durch Jeuifch-Südost

Von unserem Or. ^.-Berichterstatter.