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17.12.1932 Erstes Blatt
 
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bald träten ihm andere zuvorgekommen.

Die beiden Junggesellen hausten einsam aus dem Schloßgut, und sie waten die ersten, die morgens den Tagebau betraten, und die letzten, die ihn abends verließen. Unermüdlich waren sie in ihrer Arbeit.

Sie hatten Glück gehabt bei der Wahl ihrer Beamten und Arbeiter. Sie konnten sich ebenso auf den Berghauptmann verlassen wie auf die Dcrgassessoren und Dauinspektoren.

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Ueberall, wohin man sah, blühte und strahlte die Ratur in w edererwachender Frühlingspracht.

Durch den Forst zog der Geruch des frischen Maigrüns, und in der sonnendurchträniten Luft, die über den Lannen lag, schwirrte es von un­zähligen kleinen Insekten, die sich der warmen Lüfte erfreuten.

Der Kuckuck schrie von weitem, der Specht klopfte knatrend an irgendeinen Baum, und Waldvögel hüpften von Ast zu Ast, um ihren Jungen Futter zu bringen.

Aber dann, wenn man erst ein Stück durch den Wald gegangen war, war nichts mehr da von märchenhafter Stille und Waldeszauber. Dort, auf der großen, weiten Fläche wurden un- barmherzig die großen Tannen gefällt, bis nahe an das Vorwerk heran.

Eine kleine Eisenbahn stampfte schon fleißig auf dem schmalen Gleis hin und her, und einige hundert Meter weiter begann man schon mit dem Ausbaggern des Tagebaues.

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Der Derghauptmann, Direktor Dlümler, war ein im Bergbau erfahrener Praktiker und dazu ein offener und ehrlicher Mensch. Es dauerte nicht lange, bis er mit ins Schloß zog. Er war aucy unverheiratet und hatte bald mit Gustav Richter und Theobald Fischer gute Freundschaft ge- schlossen.

Theobald Fischer erwies sich als glänzender Kaufmann: seine Rechnungs- und Derwaltungs- bücher konnten sich sehen lassen. Sein Vater hätte seine reine Freude gehabt, wenn er seinen Sohn in dieser seiner neuen Beschäftigung hätte sehen können.

Theobald selbst war keineswegs gut auf seinen Vater zu sprechen. Es ärgerte ihn außerordentlich, daß er sich nicht um den ausgerissenen Sohn zu kümmern schien und kein Sterbenswörtchen von sich hören ließ.

Dabei hatte August in Theobalds Auftrag dem Alten schreiben müssen, daß Theobald sich auf Löbbau befand.Damit er sich keine unnützen Sorgen zu machen braucht", wie Theobald neben­bei äußerte.

Es war eigentlich nicht zu begreifen, daß der Vater sich nicht meldete. Die Geschichte ging Theo­bald näher, als er sich anmerken ließ, Und wenn er nicht durch die enorme Arbeit abgelenkt wor­den wäre, würde er wahrscheinlich schon längst reumütig zurückgekehrt sein.

Das alles überdachte er jetzt, als er auf seinem Rade in den lachenden Sonnentag Hineinsuhr. Er hatte weiter nichts an als ein kurzärmeliaes, Weißes Hemd und eine Hose, der Hitze wegen, die sich seit einigen Tagen eingestellt hatte.

Er wollte in ein benachbartes Dorf, zu dem Rittergutsbesitzer von Löwen. Er kam in Augusts Auftrag, der heute nicht abkömmlich war. Löwen hatte viel Futter und Getreide zu verkaufen. Auf Löbbau war man auf den Ankauf von Getreide angewiesen, seitdem ein Teil der Felder ver­schüttet war.

Die Sonne brannte heute gehörig auf den Rücken: dabei war es erst kurz vor zehn Uhr. Auf dem Heimwege würde es erst recht unerträg­lich sein.

Theobald war der Besuch, den er zu machen hatte, nicht sonderlich angenehm. Dieser Herr von Löwen sollte ein Sonderling sein, m t dem nicht leicht zu verhandeln war. Ra, schließlich würde er schon mit ihm zu Rande kommen.

Dort die große Mauer, die schien das Ritter­gut abzuschließen.

Theobald Fischer stieg vom Rad, schritt durch das geöffnete Tor.

Gackernde Hühner, schnatternde Gänse liefen durcheinander: ein Hund lag vor der Hunde­hütte und blinzelte faul und träge in die Sonne. Als er Theobald sah, hob er den Kopf, fing leise zu knurren an.

(Fortsetzung foW.)

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hatten. Die Schloßherrin, die einer adligen Fa­milie entstammte, hatte es für unter ihrer Würde gehalten, sich um die Dorsleute zu kümmern, und ihr Mann war so in ihrem Banne, daß er von sich aus nichts an diesem Umstand änderte.

Man war um so angenehmer überrascht, als der junge Doktor Richter sich jetzt als loyaler, umgänglicher und fürsorglicher Mann entpuppte, der sich viel im Dorfe sehen ließ und der für jeden etwas übrig hatte. Man konnte über alles mit ihm ein offenes Wort reden, und er ließ auch die Ansichten der anderen gelten.

Er schien alles daranzusetzen, seine Scholle zu retten. Man war willens, ihm dabei so gut wie möglich zu helfen. Selbst in den umliegenden Dörfern gab man sich Mühe, August Richter nach Möglichkeit au unterstützen.

Es ließ sich nicht umgehen, einige der zum Gut gehörenden Wiesen und Felder zu opfern: man brauchte sie zur Aufnahme der Haldem

Trotzdem hatte das Dörfchen Löbbau nichts von seinem anmutigen Reiz eingebüßt. Seine schöne, waldige Umgebung war erhalten geb.ieben.

Das eigentliche Kohlengebiet lag etwa sechs Kilometer von Löbbau entfernt.

August Richter wollte unter keinen Umständen den ganzen Wald vernichten. Es tat ihm leid genug, wenn die schönen, stolzen Bäume unter den Aexten der Holzhauer fallen mußten: aber dort, wo es nicht mehr unbedingt nötig war, mutzten die Aexte Haltmachen.

Seine Gläubiger hatten mit einem Schlage eine andere Haltung eingenommen. Sie bedrängten ihn nicht mehr, hatten auf einmal viel Zeit, brauchten plötzlich das Geld nicht mehr so drin­gend. Es könne ruhig stehenbleiben, boten sie ihm an, es sei ja sicher genug. Bis versteckt und allmählich die Anfragen einliefen, ob man sich nicht an dem Unternehmen beteiligen rönne.

Theobald Fischer legte sofort einen Riegel vor.

Richt einen einzigen Menschen nehmen wir mit auf, Gustl" bestimmte er.Wir werden es allein schaffen brauchen niemand anders. Pass auf, es wird nicht einmal allzulange dauern, bis wir schuldenfrei dastehen und außerdem noch die Kassen voll Geld haben."

Beide Freunde waren als Besitzer der Grube

Die ersten Tage kamen unzählige Bettelbriefe. Magdalene gab und gab, bis Mutter Hahn ein energisches Veto einlcgte. So könnte es nicht weitergehen, sonst sei das Geld schnell alle.

Magdalene hörte auf den Rat der verständigen Frau, und sie beide überlegten, was nun ge­schehen sollte. Es stand für Magda'ene fest, datz sie nicht h'.crbleiben würde. Zunächst also würde sie nach Berlin gehen.

Aber allein in der großen Stadt? Das war gar nicht nach Magdalenes Geschmack. Sie be­stürmte Frau Hahn, mit ihr zu gehen und für die erste Zeit bei ihr zu bleiben. Später, wenn Magdalene erst Anschluß gefunden hatte, mochte sie wieder in ihr gewohntes Milieu zurückkehren, wenn es ihr woanders nicht gefallen würde.

Es war Mutter Hahns Herzenswunsch, eine Pension zu errichten. Bisher hatte es ihr an den nötigen Mitteln gefehlt, diesen Plan durchzu- führcn. Trotz ihres energischen Widerspruchs wollte Magdalene ihr das Geld geben, wenn sie nicht bei ihr in der großen Stadt bleiben wollte.

Zunächst aber sollte es nach Berlin gehen. Eifrig wurde gepackt und alles vorbereitet. Mut­ter Hahn hatte alle Hände voll zu tun, und Magdalene half dabei, wenn sie auch vor Auf­regung alles verkehrt machte.

Endlich war man fertig geworden; die Reise konnte nun losgehen.

eingetragen worden. August hatte darauf g< drungen, daß Theobald Mitinhaber wurde. Ihi allein verdankte er ja diesen Fund. Ohne Theo-

Der Pächter Steingruber war nach dem Schloß- gut übergesiedelt und hatte dort die Stelle des Verwalters übernommen; im Vorwerk war die Verwaltung des Draunkohlenwerkes installiert worden.

Die Untersuchungen hatten es bestätigt: unter dem Löbbauschen Walde zog sich ein mächtiges Braunkohlenlager hin, dessen Ausbeute reichen Gewinn bringen würde. Die Lager begannen, den genauen Messungen zufolge, schon acht Meter unter der Erde und zogen sich hinunter bis zu dreißig Meter.

Es hatte nicht einmal allzulange gedauert, bis die Formalitäten erledigt waren und Doktor August Fischer die amtliche Bestätigung in Hän­den hatte, daß ihm auf seinem Grund und Boden das Bergwerkseigentum verliehen worden war, was gleichbedeutend war mit der Genehmigung, das Braunkohlenlager auszubeuten.

Von diesem Augenblick an begann auf Löbbau eine fieberhafte Tätigkeit. Man fällte zunächst die Bäume und verkaufte das Holz. Von dem Erlös des Holzes wurden die ersten Anschaffun­gen angezahlt.

Theobald Fischer war in seinem Element und erwies sich geradezu als Retter. Er besuchte per­sönlich die großen Eisen- und Maschinenfirmen und erreichte es durch seine Bürgschaft, daß man dem neuen Unternehmen die notwendigen Bagger- Pumpen, Rohrleitungen und alle übrigen Ma­schinen auf Kredit lieferte, ebenso die Loren für die Kleinbahn.

Schnell hatte sich das Bild um das Schloßgut Löbbau verändert. 2ns Dorf Löbbau waren Ar­beiter, Maschinisten, Holzfäl er eingezogen, denen bald Beamte und Bergleute folgten.

So gut es ging, brachte man die Leute unter, indem man zunächst Baracken baute. Sobald^ das Unternehmen im Gange war, würde man Häuser bauen.

Soweit die Leute nicht in den Häusern des Dorfes Unterkunft gefunden hatten, wurden sie auf dem Schloßgut be öftigt. Frau Mertens nahm widerspruchslos und freudig alle Arbeit auf sich.

Das kleine Dörfchen hatte plötzlich einen un­erwarteten Aufschwung genommen. Fast in jedem Häuschen waren ein oder zwei Untermieter unter­gebracht. Der einzige Gasthof des Dorfes hatte soviel zu tun wie nie zuvor. Dort nahmen die Beamten ihre regelmäßigen Mahlzeiten ein.

Es kam Geld unter die Leute. Einer profitierte vorn anderen, und die Stimmung für den jungen Schloßherrn war völlig umgeschlagen. Man lobte und pries ihn in allen Tonarten; man bezeugte ihm, daß er aus ganz anderem Holz geschnitzt war als seine vornehmen Eltern.

Man hatte August Richter hier früher wenig zu sehen bekommen und ihn ebenso beurteilt wie seine ziemlich hochmütigen Eltern, die mit den Bewohnern des Dorfes nichts zu tun gehabt

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