Ausgabe 
17.11.1932 Erstes Blatt
 
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Seiner Hände Werk

von

wenn sie ins

ihm besichtigt.

:rm kamen und

sein, Herr", sagte er

be- eine eine

L-enl Prokuristen wie dem Detriebsingenieur war es immer wie ein Schlag, v"'wn 1,0 5nÄ Privatkontor des verstorbenen He, den glatten, geschmeidigen Fremden da sitzen sahen, gegen den die beiden alten Werksange­stellten eine instinktive Abneigung hatten. Und als ob er diese Abneigung dieser alten treuen Beamten spürte: Axel Jvarsen legte nach den ersten Wvchen seine geschmeidige Liebenswürdig, leit mehr und mehr ob. Ein brutaler, herrischer Vorgesetzter kam zum Vsrscheiir

Als Prokurist Degener .ich einmal den Ton des jungen Herrn energisch verbat, da hatte der ihn mit seinen eigentümlich grünlichen Augen von oben bis unten

Sie sollten vorsichtig sein, Herr , sagte er höhnisch:in dem Testament steht zwar, daß die Firma Sie nicht entlassen darf, aber es steht kein Wort darin, daß Sie nicht pensioniert werden dürfen. Och habe von meiner Schwiegermutter Vollmachten, das wissen Sie ganz genau. Je mehr Sie daran denken und je mehr Sie sich danach richten, um so besser für Sie! Wer hier nicht für mich ist, der ist gegen mich und den werde ich zu entfernen wissen. Vielleicht überlegen Sie sich das und teilen es auch den anderen An­gestellten mit. Ich habe so manchen im Verdacht, dah er zu gern gegen die neue Leitung arbeiten

der Kalkulation annulliert wurde? Dah zugleich in ausländischen Fachzeitschriften, die Degener aufmerksam verfolgte, die Rachricht von der Be­stellung der Motoren bei einer norwegischen Firma zu finden war.

Man sollte ihn nicht für dumm halten. Er hatte auch so seine Beziehungen. Es war doch ein auffälliges Zusammentreffen, dah die Motoren­fabrik, die einst Jvarsens Vater gehört hatte, auf einmal wieder florierte.

Einmal versuchte Degener, bei Frau Melanie etwas davon verlauten zu lassen. Aber sie sah ihn mit einem so kühl verwunderten Vltck an, dah er spürte: Hier war nichts zu errerchen. Man muhte weiter aushalten, sehen, und wenn es zu schlimm wurde, den jungen Herrn benach­richtigen. Freilich, was konnte der dagegen tun? Wenn er volljährig gewesen wäre: aber bis da» hin konnte hier alles in Grund und Boden ge- wirtschaftet sein. Und so mochte er auch den jungen Herrn nicht beunruhigen, wenn er doch nicht helfen konnte.

mochte."

Mit zusammengebissenen Zähnen war der alte Prokurist hinausgegangen. Die einzige Antwort, die man auf solche Unverschämtheit dieses herem- a:schneiten Menschen hätte geben können, wäre die Kündigung gewesen. Aber wo wollte man jetzt in diesen schweren Zeiten hin? Und davon abg'sehen er hatte es dem armen verstorbenen Herrn versprochen, hier auszuhalten um Kurts willen.

Das war jetzt notrger denn je. Der alte, Herr hatte sein Testament nicht mehr so ändern können.

Es war kurz nach Kurts Abreise, alS Ercka das Reifezeugnis von der Handelsschule erhielt. Gleich am nächsten Tage meldete sie sich ber dem Prokuristen des Bremerwerks.

Run, Erika, was bringst du mir Schönes?" fragte dieser, wohlgefällig auf das blühende junge Mädchen blickend, das unter seinen Augen heran­gewachsen war.

Der Prokurist Degener hatte so seinen stimmten Verdacht. Wie kam es denn, dah Bestellung eines griechischen Millionärs auf Ausrüstung seiner Luxusjacht mit den neuen Motorenmodellen der Dremerwerke alsbald nach

Die Bäume 'im Park trugen leuchtend rotes Laub. Die ersten Herbstfäden schwangen durch die stille blaue Luft: die letzten Rosen aus dem Garten von Bremerschloh atmeten den schwer­mütigen Duft der letzten Blüte, die Astern und Dahlien prunkten in grellen und gleihenden Far­ben in der matter werdenden Sonne.

Der Herr vom Bremerwerk war nun schon viele Wochen tot. Und im Werk hatte sich vieles ge­ändert. Axel Jvarsen hatte es mehr und mehr verstanden, sich an Stelle des Kommerzienrats zu setzen, und Frau Melanie sowie Hans Egon, die keine Ahnung von den Geschäften hatten und auch keine Lust, sich damit zu befassen, ließen Axel nur zu gern gewähren.

Längst hatte er die Gewohnheit angenommen, viele Stunden drüben im Arbeitszimmer des Kommerzienrats zu arbeiten, die Post durchzu­sehen, Geschäfte zu leiten und zu bestimmen.

Und fragwürdige Gestalten tauchten auf, wie die jenes Rorwegers, den der Betriebsingenieur damals bei der Regatta in K... bestimmt ge­sehen hatte. Richts war sicher vor den spähenden Augen dieses Fremden mit dem stechenden Blick und dem grellen Lachen. Jvarsen führte ihn in sämtliche Fabrikationsräume und Werkstätten, und selbst die Zeichenräume mit den streng ge­heim gehaltenen Motorenentwürfen wurden

dah man ihm und seinem Jungen das Dremer- werk nicht ruinierte. Um so mehr war es jetzt notig, auszuhalten.

Denn dah hier alles nicht mehr so sauber und korrekt zuging wie zu den Zeiten des alten Herrn, das war sicher. Reue Geschäftsverbindungen wur­den angeknüpft, über die Axel Jvarsen nicht einmal den Prokuristen informierte. Briefe kamen und gingen, die niemand außer Jvarsen zu Gesicht bekam, denn viele dieser Schreiben wur­den von dem neuen Herrn selbst geschrieben und befördert.

Kauf deutsche Waren! - Dein Beitrag zum Wiederaufbau.

Don Dr. August Küster.

Woche" als wirkungsvolle Aktion der Selbsthilfe der deutschen Berufsstände zu einer willkommenen Entlastung der handelspolitischen Regierungsaus­gaben beitragen. Wenn das deutsche Volk selbst auf Grund nationaler D sziplin und besserer Ein­sicht in die Zusammenhänge der deutschen Volks­wirtschaft der deutschen Ware den Vor­zug gibt, kann keine fremde Regierung uns dar­aus einen Strick drehen. Schließlich ist es ja das gute Recht jedes Volkes, das nationale Derant- wortungsbewuhtsein seiner Staatsbürger für die eigene Wirtschaft auf ein Höchstmaß zu entwickeln. Es kann nur mit Bedauern festgestellt werden, daß uns andere Länder in dieser Beziehung weit voraus sind. Es wäre Scheinheiligkeit, wollten uns derartige Länder verübeln, was sie uns selbst in geradezu vorbildlicher Weise vorge­lebt haben. Deutsche Jndustrievertreter haben ge­rade in der letzten Zeit immer wieder davon be­richten müssen, daß die deutsche Ware im Aus­land mit dem Bemerken-zurückgewlefen wurde, daß ein eigenes inländisches Erzeugnis zur Ver­fügung stände und se l b ft Dc r ft ä n ö 11$ Hr- gezogen werde. Auch höhere Preise und duali» tätsmängel sind dabei häufig kein Hindernis. Bei fast allen Jndustriesirmen und Jndustrieverban- den häufen sich die Akten, die von derartigen Vor- gängen, sei es aus England, Holland, Italien, Schweden oder Dänemark usw. Meldung machen. In diesem Lichte gesehen ist die Werbung für den Absatz der deutschen Ware nichts anderes als eine Gegenwehr, die wir selbstverständlich mit allem Rachdruck zu führen haben.

Gleich neben diesen Auslandsberichten liegen leider sehr häufig die Meldungen, die beweisen, daß manchmal in Deutschland auch heute noch in unverantwortlicher Weise selbst dann das ausländische Produkt gekauft wird, wenn Wa­ren gleicher Güte und gleicher Preis­würdigkeit von deutschen Firmen an­geboten werden. Man braucht hier mir an Haushaltsmaschinen, Rasierklingen, elektrotech­nische Erzeugnisse, Tuche und andere Produkte der Textilindustrie, an Farben, Papierwaren und Kohle zu erinnern, um damit Waren zu nennen, bei deren Absatz die deutsche Industrie durch die Unbedachtsamkeit des deutschen Käufers fortlau­fend schwere Schädigungen erleidet. Anscheinend hat die Arbeitslosigkeit, die unser dichtbesiedel­tes Industriegebiet in besonders erschütternder Weise heimgesucht hat, das soziale Verantwor­tungsgefühl derer, die noch kaufen können, immer noch nicht in genügendem Ausmaße wachgerüttelt. Bei dem außerordentlich niedrigen Deschäfti- gungsstand der meisten deutschen Industriezweige sollte jeder Auftrag, der in Deutsch­land befriedigend ausgeführt werden kann, auch unter allen Umständen im Lande bleiben. Heute fallen schon kleinste Summen, besonders wenn sie durch gleichgerichtetes Verhalten Vie­ler verstärkt werden, entscheidend ins Gewicht. Wer mithelfen will, das Gespenst der Arbeits­losigkeit und des Zusammenbruches in Landwirt­schaft, Industrie und Handel zu bannen, muß mit dazu beitragen, daß jeder, auch der kleinste Betrag, den et ausgibt, nach Möglichkeit i m Kreislauf der deutschen Wirtschaft b l e i b t und damit anderen Dollzgenofsen zu Ar­beit und Brot verhilft.

Nur Qualität bei der Bekleidung!

Der Spätherbst und die ersten Nachtfröste ernt, nern daran, daß es jetzt höchste Zeit ist, sich mit warmer Winterkleidung zu versehen. In den ßa gern und Schaufenstern der Bekleidungsgeschäste sieht man Ware in allen Preislagen ausgestellt, die den Konsumenten zum Kaufen anregen sollen. Diele haben in den letzten Jahren die Anschaffung man­cher Bekleidungsstücke immer wieder hinausgescho-

lassen sollte. Das tut sie auch nicht. Die Buren- farmer bekommen dauernd sogenannte Kredite, oie ursprünglich aus den Ueberschüssen herrührten, die Südwest unter deutscher Verwaltung erwirt­schaften tonnte. Diese Kredite, die nie zurückgezahlt und verzinst werden, sind längst zu (Belöge* schenken geworden, und auf diese Weise erhält man das Burenelement wirtschaftlich am Le­ben. Das überaus starke Deutschtum in Südwest muß bei einer derartigen Politik aber zugrunde gehen. Und da fragt sich dann der deutsche Farmer voll Verzweiflung, ob denn das deutsche Mutterlands gar nichts für ihn tun könnte und ob man sich in Deutschland denn nicht^darübcr klar ist, daß Südwest beinahe die einzige Siedlung in den Kolonicügebieten ist, in der das Deutsch- tum als geschlossenes Ganzes auftritt.

Man ist sich statürlich völlig klar darüber, daß das verarmte Deutschland mit Geld nicht Helsen kann. Auch hier hat man Öen Glauben an Öen DölkerbunÖ verloren unö erhofft von deutschen Bor­stößen vor dem Bölkerbundsrat nichts. Hier hofft man vielmehr, daß Deutschland endlich einmal er­kennt, Öaß die Handelspolitik auch als Schußwaffe für Öas Auslands-Deutsch­tum eingesetzt werden kann. Deutschland ist doch auch heute noch ein bedeutender internationa-

ler Markt, an dem auch die Union interessiert ist. Und da ließe sich vielleicht auf dem Umweg über handelspolitische Verträge auch eine Erleichterung der wirtschaftlichen Lage der Deutschen in Südwest erreichen. In den Nachkriegsjahren Hal sich in Deutschland eine andere Auffassung von dem Reich der Deutschen durchgefetzt. Danach ist nicht nur der berechtigt, von Deutschland Schutz zu erwarten, der innerhalb der Reichsgrenzen wohnt, sondern das gesamte Ausland deutschtum, all die vielen Siedlungen rm Auslande, in denen deutsch gesprochen und gedacht wird, sie alle sehen im Reich ihren Hort und ihre Zuflucht. Deutschland hat gewiß viel für das Au-landdeutschtum jenseits der Grenzen, vor allem im Osten des Reichs, getan. Wann aber wird Deutschland sich seiner Söhne anneßmen, die deutsche Kolonialpolitik treiben, eine Kolonialpolitik, die auf weite Sicht gedacht ist? Das Unrecht der Friedensoerträge wird erst dann gesühnt sein, wenn man Deutschland auch wieder das Recht auf Kolonien zuerkennt. Und da sollte es doch auch im deutschen Interesse liegen, deutsche Maffensiedlungen, die sich in Öen Kolonialgebieten erhallen haben, zu stützen, zumal wenn es sich um SieÖlungen handelt, öie, wie in Südwest, immerhin auch einen recht bedeutenden politischen Einfluß haben.

15 v. H. ihrer Gesamterzeugung veranschlagen. Es wäre ein Wahnsinn, ausschließlich diese 15 v.H. im Auge zu haben und dabei die viel wichtigere Größe von 85 v. H. au übersehen. Die deutsche Han­delspolitik hat in den vergangenen Jahren zum Teil diesen Fehler gemacht und manchmal in un­gesunder Weise den Gedanken der Ausfuhrsteige- rung um jeden Preis zu verwirklichen versucht. Die Folgen dieser Politik sehen wir heute in der Schwäche des deutschen inneren Marktes, die auch vom Standpunkt der In­dustrie außerordentliche Gefahren in sich trägt. Selbstverständlich wäre es falsch, aus dieser Tat­sache nun die Folgerung zu ziehen und etwa in den entgegengesetzten Fehler der völligen Ver­nachlässigung unserer Ausfuhr zu verfallen, auf die ein rohstoffarmes Land wie Deutschland schon im Interesse der Bezahlung der notwendigen Er­gänzungseinfuhren gar nicht verzichten kann. Es muß unter allen Umständen gemeinsames Ge­dankengut aller Wirtschaftsgruppen sein, den besten Kunden, den deutschen inneren Markt, bevorzugt zu pflegen und zu kräftigen. Hier gibt es grundsätzlich auch keinen Gegensatz zwischen Landwirtschast und Industrie und es ist daher auch kein Zufall, daß auch die Industrie trotz der Bedeutung, die der Ausfuhrmarkt für sie immer behalten wird, die Wiederaufrichtung des inneren Marktes und insbesondere auch der Landwirtschaft schon seit langem als wichtigste Aufgabe der deutschen Wirtschaft herausgefteNt hat. Es ist ein dringendes Gebot der Stunde, daß Landwirtschaft und Industrie sich auch in der praktischen Beratung der Regierung bei den ge­genwärtigen handelspolitischen Re.ormmasinah- men auf einer gemeinsamen Linie finden.

Es erscheint zweckmäßig, auf diese handelspoliti­schen Sorgen und Schwierigkeiten zu verweisen, obwohl dieDeutsche Woche", deren Bedeu­tung diese Betrachtung gelten soll, sich mit voller Berechtigung aus dem handelspolitischen Streit der Gegenwart heraushält, denn gerade infolge dieser Zurückhaltung kann und sollte dieDeutsche

Ich wollte fragen, Herr Degener, ob,ich auf eine Einstellung hier im Werk hoffen dürfte ich habe nun ausgelernt", sagte Erika bescheiden.

Der Prokurist machte ein unbehagliches Ge­sicht.Ja. mein Kindchen, wenn es nach mir ginge, stellte ich dich sofort ein. Ich kenne dich ja, und ich habe von dem Direktor der Handels­schule allerhaich Rettes über dich gehört nun, du brauchst ja nicht rot zu werden: wenn einer was kann, dann braucht er sich deffen nicht za schämen. Ja. aber ich entscheide da nicht mehr allein, ich muß erst dem Schwiegersohn der gnä­digen Frau die Sache vortragen. Wart mal einen Augenblick, Kind! Ich muß sowieso noch ein paar Akten hinübertragen, da kann ich gleich mal fragen."

In unruhiger Erwartung ging Erika in dem Wartezimmer der Personalabteilung auf und ab. Sie kannte Hiltruds Verlobten nur vom Sehen, aber sie hatte die Abneigung Kurts vom ersten Augenblick an geteilt. Und wenn sie dem neuen Leiter auf dem Werkshofe einmal begegnete, lag in seinem musternden Blick immer ein so freches Irschen, daß es ihr glühend heiß in die Stirn stieg. Aber wenn man Arbeit suchte, durfte man nicht empfindlich sein: sie würde ja mit diesem Herrn nichts weiter zu tun haben.

Endlich kam der Prokurist wieder.

Du sollst mal zu Herrn Jvarsen hereinkom­men, Kind. Er will zur Probe diktieren, nimm hier das Stenogrammheft mit! Er drückte ihr Heft und Bleistift in die Hand.

Erika ging über den Hof bis zu dem Lluer- gebäude, in dem das Privatkontor des Werke- sich befand. Sie klopfte zaghaft an die Tür, Hinte» der sonst der Kommerzienrat Bremer immer ge< sessen. Ein lautesHerein!" ertönte, und null stand sie dem Schwiegersöhne Frau Melanie- gegenüber.

Axel Jvarsen faß zurückgelehnt in dem großen Schreibtischsessel und seine grünlichen -äugen musterten mit lächelnder Eindringlichkeit Erika von Kopf bis Fuß. so daß sie in tiefer DerlMi- heit errötete und den Kopf senkte. Ein häßliches Lächeln glomm um die Mundwinkel des Manne-, als er mm lässig sagte:

,Mso Sie bewerben sich um eine Stellung hier im Werk, Fräulein--Fräulein Schmitt.

Also schön, setzen Sie sich dorthin. Wollen mal sehen, was Sie können."

Langsam erhob er sich und trat näher, dicht an Erika heran, die jetzt an dem kleinen Schreib­maschinentische faß, auf das Diktat wartend. Sie fühlte die Rähe des Mannes wie körperlich ein Schauer der Angst jagte durch sie hin: und nun fern auch schon die Stimme des Mannes an sie herangekrochen, wie ein böse lauerndes Tier.

(Fortsetzung folgt)

Roman von Klothilde von Stegmann-Stein.

Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale) 18 Fortsetzung 'Jladjörud verboten.

Und sie, nach dem ersten scheuen Zurückweichen, beugte sich wie in einem holden-Lraum rhm ent- oegen; ihre Lippen öffneten sich durstend unter seinem Kusse, tranken die erste Zärtlichkeit eines Mannes mit selbstvergessener .Seligkeit.

Kurt fühlte, wie heiße Glut ißn durchstromte ein Rausch überfiel ihn, heißer und wilder druckte er das zitternde Mädchen mr sich- Mer nun ein Ruck ging durch seine Gestalt ftraffte er sich, leise löste er sich von denLichPenderGe- liebten einen zarten Kuß druckte er in ihr duftendes Haar, auf ihre zarte, noch so kindliche ^Run müssen wir Abschied nehmen, kleine Erika", sagte er mit Innigkeit, »nun bist du meine Braut, mein Alles auf der Well Wirst du auf mich warten, Erika, auch wenn es lange dauert, bis wir uns zueinander bekennen dürfen?

Und wenn ich bis ans Ende des Lebens war­ten sollte, mein Kurt", flüsterte sie und sah mit einem frommen und gläubigen Vlick zu ihm auf. Da beugte er sich und küßte die kleine ver­arbeitete Mädchenhand, die sich ihm erschreckt entzog. .

Dann gingen sie zurück. Er brachte sie bis an das Tor, das die Fabrik von der dunklen Straße trennte. Sie spräche" kein Wort mehr, nichts von Abschied, nichts t>u. der Zukunft und ihrer Un­gewißheit. Sie gingen Hand in Hand, fühlten den gleichen Takt ihres Blutes wie den gleichen Takt chrer Schritte: sie wußten, nichts konnte sie trennen. Sie küßten sich auch nicht mehr zum Abschied: zu viel Keuschheit war noch in den Empfindungen dieser beiden jungen Menschen, als öaß sie diese Abschiedsstunde durch zuviel Glut hätten trüben mögen.

Sie sahen sich nur noch einmal still in die Rügen, ihre Hände faßten sich noch einmal zu einem festen und gelobenden Truch dann, ehe der Schmerz der Trennung sie überwältigen konnte, nickte Kurt der Geliebten noch einmal zu unb war gleich darauf im Dunkel des Abends verschwunden. =

Erika stand noch an die Mauer ihres Häuschens gelehnt und hörte auf die festen Schritte des Geliebten, die sich mehr und mehr entfernten. Sie legte die Hände tote zum Gebet gefaltet auf die Brust: ihr Gesicht sah mit einem ent­rückten Ausdruck in die Ferne, als sähe sie in der Dunkelheit ein helles, tröstendes Lichtstrahlen.

In Deutschland werden gegenwärtig lebhafte und manchmal recht erbitterte Aussprachen dar­über geführt, bis zu welchem Grade wir uns durch Regierungsmaßnahmen gegen den preis- und ab- sahdrückenden Wettbewerb der ausländischen Waren auf dem eigenen Markt wehren dürfen. Es ist in der Tat eine der schwierigsten Aufgaben der deutschen Wirtschaftspolitik, in dieser Frage zu Lösungen zu kommen, die das wünschenswerte Höchstmaß an Leistungsfähigkeit und innerer ge­sunder Ausgeglichenheit der deutschen Wirtschaft sicherstellen. Vorteile und Rachteile sind m man­chen Fällen nur außerordentlich schwer zu über­sehen. Der hohe Zollschutz eines Zwerges der deutschen Erzeugung kann häufig den Rachteil haben, daß andere deutsche Erzeugnisse schwere Schädigungen ihres Absatzes erleiden. Gerade die deutsche Industrie, die in wesentlichen Teilen ihres Absatzes von der Aufnahmefähigkeit und Willig­keit des Weltmarktes abhängig ist, kann mit vol­ler Berechtigung verlangen, daß die handelspoli­tischen Schutzmaßnahmen aufs Sorgfältigste tm Hinblick auf die zu erwartenden Rückwirkun­gen auf ihren Auslandabsah geprüft teerten. Die­ser Grundsatz verdient heute um so mehr Beach­tung, als gerade in der Zeit des wirtschaftlichen Ried'erganges sich der Auslandabsatz für wichtige Industriezweige als verhältnismäßig widerstands­fähig erwiesen hat. .

Es wäre aber trotzdem falsch, die Industrie ohne weiteres in allen Fällen auf der Seite der Export­fanatiker zu vermuten, die das Heil für dje Zu­kunft der deutschen Wirtschaft in merftoürbiqer Verkennung der entscheidenden Grundlagen der wirtschaftlichen Lebens m glich ketten unseres Vater­landes au s schließ li ch auf dem Weltmarkt suchen. Mögen auch in einzelnen Industriezweigen die Verhältnisse anders liegen: für die Gesamtheit der deutschen Industrie bleibt es eine unbezwei­felbare Tatsache, daß ihr eigen11iches und erstes Absatzfeld der innere Markt ist Für normale Zeiten kann man den Ausland­absatz der deutschen Industrie etwa mit rund

Notzeit in Südwest.

Von unserem H. C.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Der nachfolgende Artikel ist besonders im Hinblick auf das handelspolitische Entgegen­kommen wichtig, das Deuffchland der süd­afrikanischen Union kürzlich gezeigt hat, um ihr die Durchführung der Ottawa-Vertrage zu ermöglichen. Die.Schriftleltung.

Windhuk, Oktober 1932.

Notzeit in südwest. Der deutsche Farmer in der ehemals deutschen Kolonie Sudwestasnka weiß sehr wohl, daß er wenig Widerhall im Mutterland öamit inöet, wenn er einfach von Öen schweren wirt- chaftlichen Nöten redet, unter denen zur Zeit ganz Südwest leidet. Man sollte sich aber m Deutsch- anb darüber klar sein, öaß, wenn ein Farmer m Süöwest über Not redet, diese Not dann auch sehr groß sein muß. Die schwierigen Verhältnisse gerade in dieser Kolonie haben es mit sich gebracht, daß öie Menschen hart werden und das Klagen verlernt haben. Dürrejahre, Heuschrecken und sonstige unvor- gesehene Nackenschläge haben häufig genug den wirtschaftlichen Gewinn vieler Jahre mit einem Schlage vernichtet. Das ist aber nichts gegen das, was sich nunmehr seit Jahren in Sudwest abspielt, seit dem Zeitpunkt, da man dieses Stuck deutscher Erde ber Südafrikanischen U nio n aLs Mandatsland übereignete. Mit diesem Moment kam das burische Beamtenheer nach sud° west, bemächtigte sich hier der Verwaltung und führte ein Regiment, das mit allen Zeichen deffen behaftet war, was man in Deutschland v^rtei- buchbeamtentum nennt. Nur daß es sich hier nicht um die Vertreter einer Partei handelt, sondern um Buren, die das Mutterland auf bequeme Art abgeschoben hat. Siefen Leuten ist Sudwest ausaeliesert worden und sie können es als ihr Ber- dienst buchen, daß diese Kolonie, die früher als ein­zige deutsche Kolonie bereits in der Lage mar, jüi) selbst zu erhalten, heute in ®runb unb fboiTen gewirtschaftet ist.

sie buchen es sich als Verdienst und das mit Recht. Die Südafrikanische Union geht zweifellos darauf aus, Süöwest so oerelenöen $u laßen, baß -kein anderer Staat mehr Interesse an diesem Man­datsgebiet hat und es so billig ber Südafrikanischen Union einverleibt werden kann. Diesem poli­tischen Ziel werden alle Maßnahmen, gleichgültig ob wirtschafllicher, kultureller oder politischer Art, unter­geordnet. Schon die Tatsache, daß man Sudwest eine Zollunion mit Südafrika auf- gezwungen hat, mußte zum Rum dieses Lan­desführen. Süöwest ist in der Hauptsache auf Lieh- zücht angewiesen und findet für diese ferne Erzeug­nisse in Südafrika feinen Markt. Hier braudj man keine Erzeugnisse aus Südwest, dafür aber benutzt man dieses Mairdatsgebiet als Abladeplatz für süd­afrikanische Erzeugnisse. Nicht genug .damtt, daß man auf dem Umwege über die Zollunion ^udwest wirtschaftlich an Südafrika ungegliedert hat, betrag tet Südafrika dieses Gebiet, wenn es ihm paßt, auch wieder als Zollausland. Um fernen Absatz zu er­höhen, zahlt die Union für verschiedene .Erzeugmsie Ausfuhrprämien, auch wenn sie in bas eigene Man­datsgebiet exportiert werben. Und schließlich muß auch d'e Tarifpolitik der Eisenbahn dazu herhalten, Südwest wirtschaftllch totzumachen. Die Frachten werden hier künstlich so hoch gehalten, baß der Farmer in Südwest sein Vieh kaum m die Union, sein einziges Absatzgebiet, verfrachten kann.

Diese Schilderung mag für den Reichsdeutschen zunächst etwas unglaubhaft klingen, denn man weiß doch, baß auch zahlreiche Buren tn Sudwest an­gesiedelt sind unb wird sich kaum denken können baß die Südafrikanische Union auch ihre eigenen Staats­angehörigen wissentlich wirtschaftlich zugrunde gehen