Ausgabe 
17.9.1932 Frühausgabe
 
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Kr.2(9 Kvühaussade

(82. Jahrgang

Samstag, ,.Z. September (952

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Biegen.

Oer europäische Kunde.

Don Prof. Dr. Hermann Levy, Berlin.

In der ganzen Nachkriegszeit, besonders aber in den Zeiten der sogenanntenprosperity von 1925/29, hat man in den USA. den amerika­nischen Beziehungen zur europäischen Wirtschaft eine, fast möchte man sagen, sekun­däre Beachtung geschenkt. Der Blick war auf das Eindringen der Union in andre und zwar nicht- europäische Uebersee Märkte gerichtet, man wollte sich in Südamerika, in Indien, Süd­afrika, vor allem aber auch im Fernen Osten, in Japan und China festsetzen und dort den Europäern den Rang streitig machen. Das Geschäst mit Europc^ wurde von den Amerikanern eigentlich als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, die sich von selbst weiterentwickelte, dagegen wurde jeder Erfolg auf den andern Gebieten als besonderer Sieg amerika­nischer Ausfuhren gepriesen, eine Ausfuhr, die be­kanntlich reichlich mit amerikanischem Gelbe und Golde gepeppclt worden war, denn die Anleihen, welche die Union in der ersten Nachkriegszeit jenen, nicht-europäischen Ländern gewährt hatte, sollten dazu dienen, diese Länder den Wünschen der Ame­rikaner nach Konzessionen, Monopolen, Staatsauf­trägen usw. gefügiger zu machen.

Jetzt in der Zeit verschärfter Krisis sängt man in der Union an, die Verteilung des amerikanischen Welthandels van etwas andern Gesichtspunkten aus zu betrachten.» Die Aktivität der amerikanisä-en Handelsbilanz ist erheblich zurückgegangen, von 841 Millionen Dollars im Jahre 1929 auf 369 Millio­nen im Jahre 1931. Man muß sich jetzt in der Union überlegen, welchen internationalen Wirt­schaftsgebieten die meiste Beachtung zu schenken ist, wenn man den Ausfuhrüberschuß wieder steigern will, und da hat sich die erstaunliche Tatsache er­geben, daß wirklich bedeutsame Gebiete, mit denen der Handel der Union aktiv ist, die also für die USA. a l s Ausfuhrüberschußgebicte in Frage kommen, in er st er Linie Europa und Kanada sind! Während nach den neuesten Be­rechnungen des amerikanischen Handelsministeriums im Jahre 1931 der Handel der USA. mit dem Fer­nen Osten um 153 Millionen Dollars, derjenige mit Lateinamerika um sogar 20) Millionen Dollars pas­siv gewesen ist, zeigte der Handel mit Europa ein Plus von 547, derjenige mit Nordamerika ein solches von 127 Millionen Dollars. Mit andern Worten: wenn überhaupt die amerikanische Handelsbilanz h?ute noch ein Saldo zugunsten der Union aufweist, so ist es deshalb, weil der Handel mit Europa und Kanada das Minus der Einsuhrüberschußgebiete der Handelsbilanz ausgleicht.

Aber nach ein zweiter wichtiger Punkt erhellt aus derGeographie" der amerikanischen Handelsbilanz. Es zeigt sich nämlich, wie geringfügig, absolut ge­nommen, die Bedeutung der nicht-europäischen Wirt­schaftsgebiete für die Union ist. Die zwei einzigen größeren Geb.ete, die außer Europa und Kanada der Union einen Ausfuhrüberschuß ermöglichen, sind Afrika und A u st r a l i e n. Das eine Gebiet mit einem Plus van 27. das andre mit Einern solchen von 22 Millionen Dollars für die USA. Was be­deuten diese geringfügigen Summen gegenüber den fast an 700 Millionen Dollars streifenden Plus des Handels der Union mit Europa und Kanada! Man dürfe jetzt wohl in Amerika erkennen, wie übereilig es war,'sich mit den kleinen Erfolgen amerikanischer Geschäftsleute in Kapstadt oder Melbourne zu brü­ten und in ihnen schon eine Art vonEnteuro- jäificrung" der amerikanischen Handelsbilanz zu ehen. Denn ganz abgesehen davon, daß diesezu- ätzlichen" Erfolge amerikanischer Ausfuhr in gar keinem Verhältnis zu dem Grundstock des amerika­nischen Exports nach Europa standen, find sie auch überraschend schnell wieder zurückgewichen, als die verschärfte Weltwirtschaftskrisis einsetzte. Die Aus­fuhr im amerikanischen Handel mit Australien z. B. ist gegenüber 1925 um 61 o. H., die nach Südame­rika um 53 v. H. zurückgegangen, diejenige nach Europa nur um 35 v. H.In keinem Jahre seit 1925 ist der Anteil unsrer Ausfuhren nach Europa im Rahmen unsrer Gesamtausfuhr so groß gewesen wie im Jahre 1931", schreibt der amtliche amerika­nische Bericht über die Zahlungsbilanz.

Freilich bleibt eins zu bedenken: wenn auch der prozentuale Rückgang der amerikanischen Ausfuhren nach Europa geringer war als nach andern Ge­bieten, so sind'absolut genommen die Ausfuhrver­luste Amerikas hier am bedeutend st en, eben weil die Ausfuhr nach Europa immer noch den überwiegenden Schwerpunkt des amerikanischen Ausfuhrgeschäftes überhaupt ausmacht. Das darf nicht übersehen werden. Allein nach England ist die amerikanische Ausfuhr im Jahre 1931 um über 500 Millionen Dollars geringer gewesen als im Jahre 1929, die Ausfuhr nach dem Deutschen Reichs um 240 Millionen Dollars! Solchen Ziffern gegenüber kann keine Ausfuhr der Union nach nicht-euro­päischen Gebieten auch nur einen annähernden Ersatz bieten.

Vielmehr muß es jetzt Amerikas dringlichste Auf­gabe fein, den Blick von den verlockenden Zielen südamerikanifcher oder fernöstlicher Ausfuhrexpan­sionen wieder auf das eigentliche Stammgebiet des Amerikageschäftes: auf Europa zu lenken. Dies um so mehr, als das zweitwichtigste Gebiet der aktiven amerikanischen Handelsbilaiiz, Kanada, mög­licherweise durch die Beschlüsse der Konferenz von Ottawa seine Abwehr gegenüber dem Eindringen amerikanischer Erzeugnisse verstärken wird. Denn wenn England auf dieser Konferenz über­haupt zu praktischen Erfolgen kommen will, d:e nicht auf eine Belastung feiner Verbraucher, sondern auf eine Förderung seiner Industrie-Ausfuhr hin- auslaufen sollen, so wird es darauf sehen müssen, durch Vorzugsbehandlung auf dem kanadischen Markte den scharfen Wettbewerb des frachtgünstig

Das Landwirtschastsprogramm der Reichöregierung

Ergänzung des Wirschastsplans nach der agrarpotitifchen Gelte hin. Heute beginnt die Kabinettsberatung.

Berlin, 16. Sept (111.) Wie dieTelegraphen- Union von zuständiger Stelle erfährt, wird über verlauf und Ergebnis der für Samstag angefeßten Beratungen des Reichskabinetts über den zweiten Teil des Wirtfchafts- plane keinerlei Mitteilung ausgegeben werden. Die vielfachen Andeutungen über die voraussichtliche Entscheidung bet Reichsregierung werden als Kom­binationen bezeichnet Es handelt sich, wie auch aus der am Donnerstag erfolgten Fühlungnahme des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers mit dem Präsidenten des deutschen Landwirtfchastsrates Dr. Brandes hervorgcht, vorwiegend um die landwirtschaftlichen Fragen, nachdem die besonderen Jndustriesragen schon durch die am 6. September in Kraft getretene umfangreiche Zoll­novelle und im übrigen im ersten Teil des Wirt- fchaslsplans geklärt waren. Für diese Ergänzung des Wirtschaftsplans hatte der Reichskanzler in sei­ner letzten Rundfunkrede bereits den Fragenbereich der Linsuhrkontingentierung, Zins­senkung und Steuersenkung angekündigt Rach Mitteilung derLandwirtschaftlichen Wochen­schau" ist damit zu rechnen, daß darüber hinaus grundsätzliche landwirtschaftliche Fragen gelöst wer­den, so die Sicherung des Genossen- schaftskredits und die Reuorganisation der preußischen Zentralgenossen­schaf t s k a s s e. Für die Durchführung spielt auch die vom Reichskanzler unter Hinweis auf den Plan der Landgemeinden erwähnte erweiterte Ar­beitsbeschaffung auf dem Lande eine Rolle, wobei allerdings nach der gleichen Quelle im Einvernehmen mit allen maßgebenden landwirt­schaftlichen Körperschaften gewagte Finan­zierungsexperimente abgelehnt wer­den. Wie weiter von zuständiger Stelle erklärt wird, wird der Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft, Freiherr von Braun, am 26. Sep­tember auf der Vollversammlung des bayerischen Landwirtschastsrates in München in einer Rede, die auch auf sämtliche deutschen Sender übertragen wird, das Landwirtschaftsprogramm der Reichs­regierung verkünden.

Industrie gegen Kontingentierung der Einfuhr

Berlin, 16. Sept. (CNB.) In einem Brief des geschäftssührenden Vorsitzenden des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Geheimrats Kastl, an den Reichskanzler in der Frage der Kontingente, wird u. a. ausgeführt:

Die deutsche Industrie begrüßt das von der Reichsregierung begonnene Reformwerk mit größten Hoffnungen, da es geeignet ist, der pri­vaten Initiative endlich wieder die Möglich­keit freier Entfaltung zu geben. Dem Leitgedanken der Rcichsregierung widersprechen aber Kontin­gentierungsmaßnahmen, da ihnen not­wendigerweise außenhandelsmonopolistische Tenden­zen inncwohnen. Der Landwirtschaft selbst kann mit Kontingenticrungsmaßnahmen eine wirksame Hilfe deshalb nicht gebracht werden, weil die zu erwar­tenden Gegenmaßnahmen des Auslan­des gegen die deutsche Ausfuhr zu unmittelbaren Schädigungen der deutschen Industrie führen müß­ten. Die Adnehmerfchaft der deutschen

Landwirtschaft würde damit in ihrer Kaufkraft erneut geschwächt. Der durch die Verminderung der Kaufkraft der Bevölkerung eintretende unmittelbare Schaden für die Landwirt­schaft wird aber erheblich größer fein, als die Vorteile, die sich die Landwirtschaft aus einer Begrenzung der Einfuhr verspricht. Aus der ernsten Sorge, daß das sonst so begrüßenswerte Reform­werk schwerster Gefährdung ausgesetzt wird, bittet der Reichsverband der deutschen Industrie die Reichsregierung, ihren Beschluß, zu Kontingentie­rungsmaßnahmen überzugehen, einer nochmaligen Prüfung unter Würdigung der auf dem Spiel stehenden ©efamtintereffen zu unterziehen."

Oie Förderung der Hausreparainren.

Berlin, 16. Sept. (Sil.) Wie der Parla­mentsdienst der Telegraphen-älnion erfährt, dürf­ten in der nächsten Zeit Bestimmungen veröffent­licht werden, die die Berteilung der Mit­tel aus dem 5 0 - M i l l i o ne n f o n d s für Hausrc par tfturen, der in der neuen Not­verordnung vorgesehen ist, regeln. Es besteht die Möglichkeit, daß der beabsichtigte Zuschuß von 20 v. Sy zu dem Kostenaufwand für die Re­paraturen überschritten wird. Bon ver­schiedenen Seiten ist eine Erhöhung angeregt wor­den, um einen größeren Anreiz zu schaffen. Es verlautet weiter, daß die Hauseigentümer, die große Wohnungen aufteilen und ver­

kleinern, bjto. gewerbliche Räume für Wohnzwecke instand sehen lassen, 50 v. Sy der dafür aufgewendcten Reparaturkosten aus dem 50-Millionenfonds zurückerhalten sol­len. Allerdings soll dabei die Summe von 600 Mk. nicht überschritten werden. Wie wir hören, soll der Termin für die Ausführungen derjenigen Hausreparaturen, denen Zuschuß gewährt werden kann, der 1. Juni 1932 sein. Reparaturen, die vorher c^usgeführt worden sind, sollen nicht unter die Bestimmungen fallen.

Eine Amortisationskaffe für Banken.

Frankfurt a. M.. 16. Sept. (ERD.) Wie dieFrankfurter Zeitung" mitteilt, soll im Zuge der Bemühungen um eine Ankurbelung der deut­schen Wirtschaft jetzt eine weitreichende Aktion vorgenommen werden, bei der man d i e kom­mende Bilanzaufstellung der Dan­ken und die Rückgewinnung ihrer Li­quidität erleichtern will, um ihnen da­durch mehr Spielraum für die G eWäh­rung von Krediten an die übrige Wirtschaft zu verschaffen. Rach den Infor­mationen des Blattes steht die Gründung einer Amortisationskasse bevor, welche eingefrorene Forderungen der Ban- k e n und bei Sanierung anfallende Aktienpakete übernehmen soll. Dabei sollen sich Colddiskontbank, Akzeptbank und Dank für deutsche Jndustrieobligationen mit Kapital beteiligen, und die Reichsbank soll einen Rück­halt für die Finanzierung gewähren.

Die westdeutschen Handelskammern

zum

irtschastsprogramm.

Warnung vor weiterer Skepsis und unfruchtbarer Kritik.

Essen, 16. Sept. (LU.) Der Zweckver- band der Industrie- und Handels- k a rn rn e r n B och u m , D o r t m u n d, Essen, und M ü n st e r hat zu dem Wirtschaftspro­gramm der Reichsregierung, wir es in der Äot- vecordnung des Reichspräsidenten zur Verrneh-- rung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit nie­dergelegt ist, folgendermaßen Stellung genommen: Das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung stellt einen groß angelegten Versuch dar, durch starkes Eingreifen der Staatsgewalt die privatwirtschaftliche Initiative wieder zu entfachen und eine Kon­junkturwende herbeizuführen. Ein solches Eingreifen der Staatsgewalt war seit langemzurbitterstenRotwendigkeit geworden. Es ist auf eine Art durchgeführt worden, die in ihren Grundlinien durchaus als mutig, klug und erf o l g versp r ech end anzusehen ist. Deshalb ist auch zum ersten Male wieder seit Jahren ein starkes Maß von 03er trauen in die Wirtschaft eingekehrt. Man glaubt noch einmal an die Möglichkeit einer Ret­tung der deutschen Bollswirtschafl. Wenn dieses Bertrauen erneut durch wirtschaftswidrige Vor­gänge vernichtet würde, käme dies einer Kata­strophe gleich. Die Hauptsache an der neuen Rot­verordnung scheint uns im Augenblick zu sein, Laß nach jahrelangem Zögern und Ueberlegen jetzt endlich und anscheinend noch dazu in einem konjunkturell günstigen Augenblick

eine positive T a t wirklich gewagt worden ist. Angesichts dieser wichtigen Tatsache ist es nachträglich gänzlich unwichtig, ob der staatliche Eingriff etwa auch in ande­rer Form möglich gewesen wäre. Es wäre verhängnisvoll, wollte man, wie es viel­fach noch geschieht, weiter in schlaff ma - chenderSkepsis immer nur auf die nicht ab­zuleugnende Wagnisseite des großangeleg­ten Versuches blicken oder in der K r i t i k an Einzelheiten sich erschöpfen. Das deutsche Schicksal hängt davon ab, daß, nachdem einmal die Karte der neuen Rotverordnung ausgespielt worden ist, nunmehr das deutsche Volk, insbeson­dere das Unternehmertum ihre ganzen Energien daran setzen, in dem Sinne dieser Rotverordnung auch wirklich zu handeln, damit das Gemeinsame, die endliche Wiederbelebung der Wirtschaft, erreicht wird. Dem Unternehmertum obliegt als wichtigste Aufgabe die Lurch die Steuergutscheine geschaffenen Mög­lichkeiten einer erweiterten Auftrags­erteilung, soweit es immer angeht, in die Tat umzusetzen und jede Chance zur Mehrbeschäftigung von Arbeitern zu benutzen. Wir sind überzeugt, daß das deutsche Unternehmertum dies unter Hintansetzung jeden Eigennutzes freudig tun wird, denn ihm steht das Schicksalhafte desAugen- b l i ck s und die Verantwortung eines Leden vor der Ration klar vor Augen."

gelegenen kanadifchen Nachbars, der USA., zu überwinden. Also auch von diesem Gesichtspunkte aus würde dann ein weiterer heute noch vorhande­ner Großkunde der Union an Bedeutung gegenüber europäischen Kunden zurücktreten. Bedenkt man schließlich noch, daß die starken Rückgänge amerika­nischer Ausfuhren nach nicht-europäischen Gebieten, etwa Argentinien, Brasilien, Australien, zu einem großen Teil auf indirekter Weise dadurch mitbedingt sind, daß die geschwächte Kaufkraft Eu­ropas für überseeische Rohstoffe die Krisis in jenen überseeischen Gebieten mitoerursacht und ^da­mit wieder deren Kaufkraft gegenüber den USA. geschwächt hat, so wird man nicht umhin können, dasGeschäft mit Europa" in feiner vollen Trag­weite für die Union zu erkennen. Und da heute die USA. auf ein gut Teil ihrer bisherigen Zinftn- eingänge verzichten müssen, andrerseits immer noch gewaltige Summen alljährlich durch amerikanische Reisende ins Ausland wandern im Jahre 1931 allein 570 Millionen Dollars, also viel mehr als der gesamte Ausfuhrüberschuß, der 369 Millionen Dol­lars betrug so wird die Verbesserung des Außen­handel-Status der Union immer zwingender, wenn sich die Zahlungsbilanz derselben nicht weiter ver­schlechtern soll. Für Europa würde dann die Zeit gekommen sein, wo es endlich wieder alsKunde" jein Gewicht gegenüber den USA. in die Wagschale werfen kann.

Um die Schiachisteuer in Hessen.

Darmstadt, 16. Sept. (WSN.) Wegen der Ge­staltung der hessischen Schlachtsteuer haben bereits zweimal im Finanzministerium Besprechungen zwischen Vertretern des Ministeriums und Vertre­tern der Metzgerschaft und der Landwirtschaft start­

gefunden. Es wurde nun angenommen, daß die Schlachtsteuer, von der sich das Finanzministerium eine jährliche Einnahme von 2,5 Mil­lionen Mark errechnete, am 1. Oktober i n enger Anlehnung an d i e preußische, die ja jetzt durch Staffelungen einige Aenderungen er­fahren hat, zur Einführung gelangen würde. Es scheint aber nun, daß durch die Absicht, in Hessen wieder Neuwahlen herbeizuführen, die Schlacht­steuerfrage wieder vertagt worden ist, so daß sie vermutlich erst dann wieder akut wird, wenn die Frage der Landtagsauflösung entschieden ist.

Gpardiktat in Gera.

Ein Saaislommiffar übernimmt die Ltadtverwaln ng.

Gera, 16. Sept. (CRD.) Der vorn thüringi­schen Staatsministerium für Gera eingesetzte Staatskommissar Dr. Jahn hat eine um­fassende Reorganisation der städti­schen Verwaltung in Gera mit 85000 Ein­wohnern, der größten Stadt Les Landes Thüringen, vorgenommen. Künftig liegt die Führung der ge­samten städtischen Verwaltung in seinen Händen. Oberbürgermeister Arnold sowie eine Anzahl Etadträte und Beigeordnete sind beurlaubt worden. Auch Versetzungen in den Warlestand sind in Erwägung gezogen. Die gesamte Stadt­verwaltung führt künftig der Staatskommissar zu­sammen mit dem Bürgermeister und einem Stabt» Oberbaurat. Der Staatskommissar begründet seine Maßnahme mit der außerordentlich hohen Verschuldung der Stadt. Der Fehl­betrag beläuft sich zur Zeit noch auf 1,25 Mil­

lionen Mk., die G e s a m t s ch u l d der Stadt je­doch auf weit über 12 Millionen, von denen 2 Millionen kurzfristige Schulden seien. Gera könne sich bei dieser Verschuldung eine so groß aufgezogene Stadtverwaltung wie bisher nicht mehrleisten. Der Stadt­rat müsse um 10 Köpfe verkleinert werden, die Verwaltung noch um 50 bis 70 Köpfe über die bereits eingesparten 130 hinaus. Das Wirt­schaftsamt der Stadt sei aufzulösen und eines Ta­ges werde wohl die Stadt auch die Gasanstalt nicht mehr halten können.

Der Hauptausschuß des Stadtrates hat gegen diese Anordnungen des Staatsbeaus- tragten schärf st en Protest erhoben. Einer Abordnung des Hauptausschusses, in der alle Fraktionen vertreten waren, erklärte Staats­minister S a u k e l, er denke unter keinen Um­ständen, daran, die Maßnahmen aufzuheben, die Etaatskommissar Dr. Jahn in Gera angeordnet habe, weil in der Geraer Stadtverwaltung e i n aufgeblähter Derwaltungsapparat vorherrscht habe. Staatskommissar Dr. Jahn be­sitze sein volles und unbeschränktes Vertrauen. Dasselbe Vertrauen übertrage er auch auf den sozialdemokratischen zweiten Bürgermeister Dr. Barth, der sich im übrigen bereit erklärt habe, endlich mit aufzuräumen".

Im Geraer Stadtrat besteht eine Links­mehrheit. und zwar stehen 18 Sozialdemo­kraten und Kommunisten 16 Bürgerlichen gegen­über. Auch die Bürgerlichen stehen mit Aus­nahme einer Gruppe von drei Stadtverordneten, die der Volkspartei nahestehen, auf Seiten des bisherigen Oberbürgermeisters.