Ausgabe 
16.12.1932 Erstes Blatt
 
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llnb bah bei einer Lleberfülle der Vorräte, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann! Roch immer liegt in Amerika der Jahresverbrauch der Welt an Getreide und Baumwolle als über­schüssiger Vorrat einmagaziniert, noch immer mehr als das halbe Gold der Welt und doch Lohnt sich bei etwa 60 v. H. aller landwirtschaft­licher Betriebe der Anbau der Produkte nicht mehr und die Banken schwimmen so im Geld, daß sie froh sind, wenn sie zwei Prozent erzielen. Dabei ist die Arbeitslosenziffer gegenüber dem Vorjahr zweifellos um mehr als anderthalb Millionen gestiegen, so dah jetzt schätzungsweise zwischen 12 und 15 Millionen in Amerika feiern. Daß die Landwirtschaft mit über 12 Milliarden Dollar verschuldet ist, und unter der Zinsenlast immer mehr erliegt, daß der Staat ein offenes Defizit von rund 1,2 Milliarden hat, zudem wahrscheinlich noch weitere 300 Millionen im nächsten Jahr dazu kommen (zusammen rund sechs Milliarden Mark!) und daß seit 1930 die Staats­schulden um 4,4 Milliarden zugenommen haben, d. h. um rund 10 Milliarden im Jahr, also fast ebensoviel, wie Deutschland in einem Jahre aus- gi-bt) das beleuchtet nur eine Lage, die ebenso undurchsichtig wie wenig aussichtsreich ist.

Man sollte also meinen, das; angesichts dieser bekannten Tatsache, um so mehr der Anlast ge­geben sein sollte, schnell ein Rettungsprogramm auszuarbeiten und zu irgenlweichen Entschei­dungen zu kommen. Aber dazu müstte Hoover eben in der Lage sein, sich mit dem Kongreß zu verständigen. Das aber ist ganz ausgeschlossen. Die persönliche Animosität Hoovers gegen die parlamentarischen Routiniers, die jeder Europäer versteht, der hier hinter das Getriebe sehen kann, die fast zu persönlichem Hast gesteigerte Feind­schaft vieler demokratischer Führer gegen Hoo­ver, die jetzt schon sich bemerkbar machende Unentschlossenheit Roosevelts, der ja aber auch seinen eigenen ßeuten nichts zu sagen hat, bevor er nicht im Amte ist, schaffen eine Atmosphäre des Mihtrauens und der Lähmung, m der die kleineren Geister stets geneigt sind, dem Gegner zu zeigen, was eine Harke" ist, während die Klügeren die Hände in den Schoß legen und hoffen, dast we­nigstens in den nächsten Monaten nichts passiert.

Mit Besorgnis sieht aber der ausländische Beobachter, wie sich auch hier die Massen radikalisieren. Der Kommunimus, eine bis dahin in Amerika fast aussichtslose Angelegenheit, gewinnt mit jeder Woche mehr Anhänger, wie das die Demonstrationen in den grasten Städten einwandfrei beweisen. Jetzt marschiert hier auch »schon eineHungermarschkolonne" nach Washing­ton unter kommunistischer Führung natürlich, älnd das Schlimme ist, das Publikum findet kaum mehr etwas dabei. Selbst angesehene Blätter stellen fest, dast es sich bei den Demonstranten im Grunde um vernünftige Leute handele, ünb Hoover warnte in seiner Kongrehbotschaft be- reiits vor staatskapitaliistischen Experimenten, vor der Verstaatlichung der Banken! Das Erbe, das Roosevelt antreten wird, ist jedenfalls so schwer, wie noch kaum je das eines Präsidenten der USA. trotz einer Fast-Zweidrittel-Mehrheit der Demokraten im Kongrest!

Englands Oelkonfiikt mit Persien.

London, 15. Dez. (DU.) Der Sonderbericht­erstatter derDaily Mai?' in Mahommerah an der persischen Grenze meldet, dast der Be­fehlshaber des englischen Flug­zeuggeschwaders in Basra nach Bahrein am Persischen Golf geflogen sei, um dort mit dem Oberbefehlshaber des ost indischen Geschwaders, Vizeadmiral Dumüar-Rasmith an Bord des englischen KreuzersHawkins" Be­sprechungen abzuhalten. Der Berichterstatter glaubt, dast die Deiprechung mit dem englisch- persischen Oelstreit im Zusammenhang stehe. Er meldet ferner, dast mehrere englische Fliegeroffiziere den Befehl erhaltenn hätten, di« KNKMM

Vornan von Margarete Antelmann.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 7 Fomeyung Nachdruck verboten

Ich werde Sie auf jeden Fall begleiten. Fräu­lein Winter. Man kann nie wissen: so ein junges Mädel wie leicht kann eine Schiebung ge­macht werden."

Lieber, guter Herr Fischer. Wie reizend Sie sind!"

Tann stellte sie sich in Positur:

Also hört, meine lieben Kolleginnen und Kol­legen! Heute wird gefeiert! Ich lade Sie alle ein!"

Fräulein Winter! Sie fangen ja gut an! Teutobert Fischer erhob warnend den Finger. Ich an Ihrer Stelle würde lieber warten, bis ich das Geld in der Hand hätte, ehe ich mit meinen Einladungen so freigebig wäre."

Mein Gott! Hoffentlich bekomme ich das Geld gleich. Ich besitze keinen Pfennig mehr! Alles ist für das Los draufgegangen. Aber wir werden ja sehen."

Es dauerte wirklich einige Tage, bis alle Formalitäten geregelt waren und bis Magda­lene das erste Geld von der Bank abheben konnte. Eine Stunde später erschien sie im Betrieb.

Also, es ist so weit. Ich habe mein Geld! Un­geheuer viel Geld! Heute muh hier bald Feier­abend gemacht werden! Heute abend lade ich euch ein. Auch Hippolyt must mitlommen. Wenn er auch manchmal recht ekelhaft zu mir war jetzt soll alles vergessen sein."

Tann ging sie zu Teutobert Fischer inS Privat­kontor.

»Herr Fischer! Ich habe das viele Geld be­kommen. Und jetzt will ich Ihnen noch danken, dast Sie immer so nett zu mir waren. Und wollen Sie mir nicht die Freude machen, heute abend mitzukommen?"

Mich müssen Sie aus dem Spiel lassen, Kind, fo_ gern ich auch an Ihrer Freude teilnebmen wurde. Aber ich bin gegenwärtig gar nicht in der Stimmung, Feste zu feiern. Ich würde Sie alle nur stören.

Und, Fräulein Magdalene, eines möchte ich Ihnen noch sagen: Lassen Sie sich durch das viele Geld nicht blenden: seien Sie vor allen Lingen vernünftig! Werfen Sie es nicht zum Fenster hinaus! Selbst so viel Geld könnte sonst schnell einmal ein Ende nehmen.

^"d dann wenn Sie irgendwann einmal einen Freund brauchen oder einen Berater, ver­sessen Sie nicht, dast ich immer für Sie da bin."

»Ich danke Ihnen, Herr Fischer. Und ich weist, dast ich einen Freund an Ihnen habe."

Einladungen zu einem Ball des englischen Klubs in Mahommerah abzulehnen, um sich im Falle eines Konflikts nicht auf persischem Boden zu befinden.

Revolution in Honduras.

Tegucigalpa, 15. Dez. (WTB.) Aufstän­dische bemächtigten sich des Hafens von A m a - p a la, wo General Reina sich zum Präsi­denten erklärt hat. Die Revolutionäre ver­suchten zur Geldbeschaffung zwangsweise Zoll­erhebungen. Die Regierung von Honduras ist der Revolution gegenüber machtlos: sie hat den Hafen von Amapala geschlossen. Die fremden Gesandtschaften haben Maßnahmen zum Schuhe ihrer Staatsangehörigen ergriffen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 15. Dez. (WHP.) Im Finanz­ausschuß wurde ein nationalsozialistischer Antrag auf Aufhebung von Mietpfändungen behandelt, der in folgender Fassung gegen die So­zialdemokraten bei Stimmenthaltung des Zentrums Annahme fand:Die Regierung wird ersucht, unverzüglich bei der Reichsregierung eine Neu­regelung der Steuervoll st reckung dahin zu erwirken, daß Miet Pfändungen wegen Steuer­rückständen dann aufzuhcben sind, wenn die Miet- bcträge zur Abwendung einer Zwangsversteigerung für die Zahlung geschuldeter Zinsen benötigt wer­den." Der Gemeinschaftsantrag der DVP, des Landvolkes, der Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen. auch bedürftigen Mietern in Neubauwohnungen Mietzuschüsse aus der Sondergebäudesteuer zu gewähren, wurde für eine weitere Ausschußsitzung zurückgestellt, weU man erst einen gangbaren Weg in Beratung mit der Regierung finden will. Einstimmige An­nahme fand der nationalsozialistische Antrag, bei der Reichsregierung die Aufhebung der Salz- steuer zu fordern.

Oer Thüringische Landtag beschließt ein Schächtgesetz.

Weimar, 15 Dez. (WTB.) Der Landtag mm Thüringen hat nach mehrstündiger Debatte das von der Regierung eirgebrachde Lierschutzgesetz in namentlicher Abstimmung mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Deutschnationalen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kom­munisten und bei Enthaltung des Vertreters der Deutschen Dolkspartei angenommen. Den Kernpunkt des Gesetzes bildet das Verbot des betäubungslosen Schlachtens (Schäch. t e n). Don den Gegnern des Gesetzes wurden außer wirtschaftlichen auch politische und rechtliche Bedenken ins Treffen geführt. Don den Rednern der nationalsozial stischen Fraktion wurde der Vorwurf, daß das Gesetz antisemitische Tendenzen verfolge, zurückgewiesen.

Tumult im Berliner Rathaus.

^Berlin, 15. Dez. (END.) In der Berliner Stadtverordnetenversammlung kam es zu unbe­schreiblichen Tumults zenen. Bei den Ausführungen eines kommunistischen Stadtverord­neten wurde plötzlich die Tür zum Sitzungssaal aufgerissen und etwa 25 Frauen drangen unterlautemGeschreiindenSitzungs- saal. Sie stießen Rufe aus wie: Wir sind die Frauen der erwerbslosen Arbeiterschaft! Wir ver­langen Brot, Winterkleidung und Kohlen für un­tere Kinder! usw. Die Frauen kletterten aus die Rednertribüne, füllten die Magistratebänke, be­schimpften die nichtkommunistischen Stadtverord- neten und schrien auf die Bürgermeister ein; diese versuchten gemeinsam mit dem Stadtverordneten- Vorsteher, die Frauen zu beruhigen, aber vergeb­lich. Die Frauen schrien immer aufs neue nach Brot und Kleidung für ihre Kinder und erklärten, den Saal nicht eher verlassen zu wollen, als ihnen

Draußen war die wehmütige Stimmung schnell vergessen.

Also, Kinder, heute abend um acht Llhr im Hotel Stadt Rom. Macht euch alle so fein wie möglich."

Wie ein Wirbelwind war sie draußen.

Magdalene winkte einem vorübersahrenden Auto und lieh sich ins Hotel »Stadt Rom fahren, dem ersten Hotel der Stadt.

Jetzt würde es anfangen, das Leben, von dem Magdalene immer geträumt hatte! Jetzt endlich hatte sie es in der Hand! Jetzt wollte sie die Wünschelrute gebrauchen, die ihr den Weg zu allen Schönheiten öffnen würde.

Sie gebot dem Chauffeur, vor dem Hotel zu warten.

Etwas verblüfft besah sich der Portier das junge Mädchen in dem einfachen, etwas abge­tragenen Strahenkoftüm, das nach dem Direktor verlangte oder dem Geschäftsführer.

Wenige Minuten später stand ein eleganter und gepflegter Herr vor Magdalene. Würdevoll hörte er ihrem Anliegen zu. Kritisch musterte er sie, als sie den großen Auftrag erteilte. Diese Kleine da bestellte kurzerhand ein großes Abend­essen für so viele Personen, mit allen möglichen Schikanen das sah eigentlich ziemlich unglaub­würdig aus...?

Gnädiges Fräulein, darf ich Sie darauf auf­merksam machen, daß Sie sich im ersten Hotel der Stadt befinben. Darf ich Ihnen vielleicht eines der einfacheren empfehlen, in denen Sie auch vorzüglich bedient werden?"

Wenn ich zu Ihnen komme, mein Herr, dann wünsche ich auch bei Ihnen bedient zu werden!" unterbrach ihn Magdalene sehr von oben herab. »Den Preis müssen Sie meine Sache sein l en. Vielleicht machen Sie mir gleich einen Ko ten- Vvranschlag, damit ich Ihnen eine Anzahlung geben kann.

Lch begreife übrigens, dah Sie Referenzen haben wollen. Vielleicht wenden Sie sich an Die Firma Teutobert Fischer. Herr Fischer selbst wird Ihnen zur Verfügung fielen."

Aber, meine Gnädigste..

Der Direktor wollte protestieren. Magdalene unterbrach ihn von neuem, bat ihn um Vorschläge.

Aach einer halben Stunde verließ Magdalene das Hotel, begleitet von den tiefen Bücklingen des Direktors und der anderen Hotelangestellten.

Der Chauffeur, der sich schon Gedanken gemacht hatte über seinen verschwundenen Fahrgast und den indischen angeschwollenen Fahrpreis, sah diese ehrfurchtsvollen Bücklinge und war be­ruhigt. Wenn der Direktor vonStadt Rom sich Derart selbst bemühte, mußte an diesem ärm­lich gekleideten Mädchen schon was dran fein. Da brauchte er um sein Geld keine Angst zu haben.

Er wunderte sich nicht mehr, als ihm befohlen wurde, zum teuersten Modesalon der Stadt zu

die Erfüllung dieser Forderungen zugesagt sei. In­zwischen war ein Kommando der Schutz­polizei in den Dorraum des Sitzungssaales ge­rufen worden. Die Frauen wurden darauf auf­merksam gemacht, daß sie von der Polizei entfernt werden müßten, wenn sie nicht den Saal ver­ließen. Dem Zureden mehrerer Stadtverordneter gelang es schließlich, die Frauen zum Verlassen des Saales zu bewegen.

Plünderung von Lebensmittelgeschäften in Hamburg.

Hamburg, 15. Dez. (TU.) Am Mittwochabend ist es in mehreren Stadtteilen Hamburgs zu P l ü n- derunaen von Lebensmittelgeschäften durch Kommunisten gekommen. Der Polizei- bericht meldet darüber folgendes:

Gegen 19 Uhr wurden die Scheiben einer Schlachterei in der Eimsbütteier Chaussee zertrüm­mert. Bei den Tätern handelt es sich um eine größere Anzahl jüngerer Leute, die kommuni­stische Abzeichen trugen. Sie raubten etwa 30 Schinken und für rund 2 00 Mark Wurstwaren. In einer Schlächterei in der Flotowstraße raubten etwa 15 Männer, die gleichfalls kommunistische Abzeichen trugen, L e - bensmittel im Werte von 100 Mark. Weiter wurden in der Spaldingstraße und in der Weidestraße Wur ft waren und Butter aus Lebensmittelgeschäften geraubt. Am Neuen Stein­weg konnten Kriminalbeamte zwei Männer fest­nehmen, die gerade im Begriff waren, die Schei­ben eines Lebensmittelgesäftlftes einzuschlagen. Die Kriminalpolizei hat eine eingehende Untersuchung darüber eingeleitet, ob es sich um planmäßig betriebene Laden Plünderungen handelt.

Schärfere Ueberwachung der Preisverzeichnisse.

Berlin, 15. Dez. (CRB.) Der Reichs- kommissarfürPreisüberwachung hat in einem Rundschreiben die obersten Landes­behörden ersucht, die Befolgung von Vorschriften über den Preisverzeichniszwang für gewisse Wa­ren und handwerkliche Leistungen schärfer zu überwachen und gegebenenfalls Geldstrafen zu verhängen. Er begründet diese Maßnahme damit, dast die Bevölkerung in diesem Jahre mit einer gegenüber den Vorjahren noch er­heblich mehr geschwächten Kaufkraft in den Winter trete und dast es daher im In­teresse der Derbraucherschaft der Sicherung des Absatzes und der Gesamtwirtschaft unbedingt vermieden totben Je, eine Steigerung der Preise zuzulassen, die nicht durch eine etwaige Erhöhung der Weltrohstoff­preise oder der inländischen Agrar­preise bedingt sei.

Schern will seine eigene Amnestie

München, 15. Dez. (TU.) Der Bayerische Land- tag verhandelte am Donnerstag über die Anträge der Kommunisten und Nationalsozialisten über die Amnestiefrage. Im nationalsozialistischen Antrag wird die Regierung ersucht, den im Reichsrat zu den Beschlüssen des Reichstages in der Amne­stie frage eingelegten Einspruch zurück- zuziehen; wenn keine Reichsamnestie zustande- tarne, solle in Bayern Straffreiheit für politische Straftaten, bei denen Menschenleben nicht zu Scha­den gekommen seien, gewährt werden, ebenso für Vergehen aus wirtschaftlicher Not.

Ministerpräsident Dr. Held führte aus, er sei nicht i<i der Lage, den Einspruch im Reichs­rat zurückzuziehen, weil er das vor seinem Gewissen nicht verantworten könne. In der Abstimmung wurde der nationalsozialistische Antrag ange­nommen. Für diesen Antrag stimmten außer den Nationalsozialisten auch die Sozialdemokraten und die Kommunisten.

3m Derfa,sungsausschuß hatte der Leiter des bayerischen Justizministeriums, Staatsrat Dpan- genberger, erklärt, dah nach der Reichsverfassung

fahren. Die Kleine schien allerhand springen zu lassen. Ob sie vielleicht das Große Los gewonnen hatte?

Diesmal wartete er beruhigt, als das Fräu­lein im Laden verschwand.

Ziegler & Co. nahmen für sich den Ruf in Anspruch, es mit Eleganz und auch mit Preisen mit den vornehmsten Geschäften der Großstädte aufnehmen zu können.

Begreiflich also, dah man Magdalene Winter nicht viel Beachtung schenkte, als sie in ihrem armseligen Kostümchen durch die Glastür kam. Ein kleines Ladenmädchen vielleicht oder eine Büroangestellte, die irgendeinen Auftrag aus­zurichten hatte.

Eine Verkäuferin fragte sie nachlässig:

Sie wünschen, bitte?

Ich möchte mir verschiedene Kleider aussuchen. Bitte!

Etwas zögernd sagte es die Verkäuferin: sie ging, nachdem sie Magdalene einen der tiefen ©cf fei an geboten hatte, die Direktrice zu holen. Es war besser, sich da nicht in die Resseln zu setzen. Mademoiselle Jeanne würde schon das Richtige tun.

Mademoiselle kam, sah sich Magdalene an und war mit ihrem Urteil fertig. Die Kleine mochte auf irgendeine Weise zu Geld gekommen sein, hatte sich vielleicht einen reichen Freund auf­gegabelt. Jedenfalls würde sie nicht allzuviel verstehen! Man konnte ihr ein paar Ladenhüter andrehen.

Mannequins kamen: hintereinander führten sie ihre Modelle vor.

Aber Fräulein", sagte Magdalene,was lassen Sie mir da für Kleider zeigen?! Das ist doch alles unmodernes Zeug! Ich möchte die besten Sachen sehen, die Sie auf Lager haben.

Mademoiselle Jeanne wunderte sich immer mehr, je länger sie diese junge Dame bediente. Das kleine, schlanke, unscheinbare Persönchen schien es in sich zu haben. Sie wußte genau, was sie wollte, was zu ihrem Typ paßte.

Sie streifte achtlos über die Wunderwerke mo­derner SHneiderkunst hinweg, wenn sie ihr nicht gefielen. Mit einer Handbewegung tat sie diese Modelle ab.

Die in Frage kommenden Modelle ließ sie beiseitelegen, um sie später zu probieren.

Magdalene berauschte sich an den herrlichen Kleidern. Sie kaufte alles, was ihr gefiel; ein Kleid nach dem anderen: Mäntel, Kostüme, Abendkleider. Mit dem Gefühl, sich das alles leisten zu können, ohne sich um den Preis zu kümmern.

Zwei Pelzmäntel kamen dazu: ein weicher, glänzender Persianermantel, mit einem großen Fehkragen, und ein seidenhaariger brauner Foh- lenmantel. Außerdem noch ein Blaufuchs.

das Begnadigungsrecht für Straftaten, die von Ländergerichten abgeurteilt worden seien, aus­schließlich den Ländern zukomme. Bayern habe deshalb grundsätzlich gegen alle Reichsamnestien Stellung genommen. Das neue Amnestiegesetz gehe außerdem inhaltlich weit über das erträgliche Maß hinaus, wodurch sich eine ernste Erschütterung der Rechts­sicherheit der Länder ergebe. Die bayerische Re­gierung beabsichtige, dem Landtage einen Ge­setzentwurf für eine Landesamnestie vorzulegen. Rach Weihnachten würden ferner zahlreiche Einzelbegnadigungen vorge­nommen, die sich nicht auf politische Straftaten beschränken würden, sondern besonders jene Straf­taten berücksichtigen sollen, die aus Rot be­gangen seien.

Oie Reichsminister- erscheinen noch nicht im HauechalisauSschuh.

Berlin, 15. Dez. (TU.) Wie dasD. T. berichtet, hat Reichsfinanzminister GrafSchwe- r i n v. Krosigk dem Vorsitzenden des Haus­haltsausschusses des Reichstags mitgeteilt, daß er sowie der Reichsarbeits- und Reichswirt­schaftsminister zu der am Montag anberaumten Sitzung des Haushaltsausschustes nicht kom­men könnten, um über die Finanzlage Auskunft zu geben, da sich die Haushaltslage mit Rücksicht auf baä Arbeitsbeschaffungsprogramm b i s da­hin noch nicht genügend überblick en lasse. Desgleichen soll der Reichsfinanzminister anheimgestellt haben, die für den 10. Januar kommenden Lahres in Aussicht genommene f i - nanzpolitische Aussprache im Haus­haltsausschuß des Reichstages noch zurück- z u st e l l e n , weil vor der zweiten Januarhälfte der Haushalt für 1933 noch nicht bera* t u n g 3 r e i f sein dürfte.

Kleine politische Nachrichten.

Der Preußische Landtag nahm in seiner Donnerstagsitzung eine große Anzahl Aus,chuß. anträge über Bergwerksfragen, Hochwasserschutz und andere Einzelgebiete an. Die kulturpolitische Debatte wurde auf Freitag vertagt.

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Der Reichsbankpräsident Dr. Luther hat an die Reichsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er e r n ft e B e d en ken darüber äußert, daß durch die im Reichstag beschlossene Amnestie auch so­genannte Devisenschieber dem Richter ent­zogen oder von der bereits'verhängten Strafe be­freit werden könnten.

In Bozen ist Gregor Straßer mit seiner Familie eingetroffen. Straßer selbst begab sich gleich nach Rom und trifft am Samstag wieder in Bozen ein, wo er bis nach Weihnachten bleiben wird.

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In der preußischen Hochschulrektorsn^ konferenz unter dem Vorptz des Reichslorn- missars Professor Dr. Kähler wurden schwe­bende hochschulpolitische Fragen besprochen. Die Besprechung hat ergeben, daß insbesondere die Fragen des zu schaffenden Studentenrech­tes soweit gefördert worden sind, daß sie in absehbarer Zeit einer befriedigenden Lösung ent­gegengeführt werden können.

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Das vereinigte schweizerische Parlament aus Na- tionalrat und Stände rat wählte zum Bundes­präsidenten für das Jahr 1933 den Bundes­rat S ch u l t h e ß. Leiter des Dolkswirtschastsdepar- tements, und zum Vizepräsidenten Bundesrat P i ° l e t, Leiter des Eisenbahn- und Paßdepartements.

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Mexiko hat eine Note an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet, in der es von der zweijährigen Kündigungsfrist vorsorglich Ge­brauch macht, um eoenturil sich wieder vom Völ-

Dann kamen die Hüte varan und die hauchzarte Seidenwäfche.

Eine ganze Ausstattung lag um Magdalene aufgestapelt, als sie endlich fertig war.

Ein entzückendes, dunkelblaues Kostüm zog sie gleich an, dazu die kleidsame, kurzärmel ge Bluse aus weißer Wollspitze, ein kleines blaues Hüt­chen und den Blaufuchs.

An der Kasse leistete sie eine große Anzahlung. Das übrige würde sofort nach Lieferung bezahlt werden.

Tas ganze Personal des Geschäftes dienerte, als Magdalene den Laden verlieh.

Ter Chauffeur machte große Augen, als er feinen veränderten Fahrgast wiedersah. Donner­wetter! Was so ein bißchen Kleidung ausmachte! Wie eine Prinzessin sah das kleine Mädchen jetzt aus.

Magdalene war wie im Säumet", als sie jetzt wieder im Wagen saß. Rur noch die Schuhe haben, dann ging es heim, zu Mutter Hahn.

Magdalene tat es nicht anders, Mutter Hahn mußte abends mittommen, in das vornehme Hotel, das sie noch nie in ihrem Leben betreten hatte.

Sie muhte ihr gutes Schwarzseidenes anziehen, und sah sehr stattlich aus, als sie jetzt neben Magdalene aus dem Wagen stieg.

Magdalene hatte eines der neuen Abendkleider angezogen, ein schmuckloses Weihes Chiffonkleid, das ihre entzückende Figur voll zur Geltung brachte, und das herrlich pahte zu ihrem tief- schwarzen Pagenkopf, der strahlend aus dem hohen Hermelinkragen der schwarzen kurzenSamt- jacke herausschaute.

Wie eine kleine Prinzessin wurde Magdalene vom Hoteldireltor empfangen. Er hatte sich wirk­lich bei Teutobert Fischer erkundigt und erfahren, dah Fräulein Winter sehr reich sei und dah man alle ihre Wünsche ruhig erfüllen konnte.

Raid waren alle in dem blumengeschmückten Raum versammelt. Selbst Hippolyt fehlte nicht und der Stift Heinrich.

Alle starrten wie verzückt auf Magdalene, die ihnen wie eine Märchenfee erschien.

Lange dauerte die Bedrückung nicht. Man sah an der Tafel und lieh sich die aufgetischten Herr­lichkeiten gutschmecken.

Man lieh Magdalenes Glück immer wieder hochleben und begoß es mit feinen Weinen und zuletzt mit dem Sekt, den Magdalene ver­schwenderisch fließen lieh.

Für alle hatte Magdalene Geschenke besorgt; keinen hatte sie vergessen. Dem Kollegen Müller hatte sie ein Kuvert überreicht mit einem Taufend- markschein. Er war die Ursache ihres Glückes, und er brauchte sich nicht zu zieren, das Geld an^unehmen. Er würde das Geld für seine Frau und den neugeborenen kleinen Jungen gut brau­chen können. (Fortsetzung folgt.)