Ausgabe 
16.11.1932 Erstes Blatt
 
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Mittwoch, (b. Novembe 1932

Gichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefienl

Ur. 270 Zweites Blatt

Für den Büchertisch

Alte und neue Gedichte

Politik und Geschichte

der Zeit mitgerissen, selber zum Stürmer wird und schließlich als Opfer seines Kämpfertumes fällt diesen kurzen Inhalt eines Lebens hat Hanns Heinz Ewers, dem Mutter und Schwester des Verstorbenen eine Fülle von Mitteilungen

der beiden Menschen, Lisa und Kolp, sichtbar und haften im Gedächtnis. 0. Th.

Hanns Heinz Ewers: Horst Wes- s e L Ein deutsches Schicksal. Roman. Ganz­leinenband 4,80 Mark, Kartonband 3,30 Mark Verlag der 3- G. Cottaschen Buchhandlung Rach­folger, Stuttgart und Berlin. (326.) Hanns Heinz Ewers' neues Buch handelt vom Leben und Sterben des nationalsozialistischen Sturm­führers Horst Wessel. Wie Wessel aus der be­hüteten Enge des väterlichen Pfarrhauses hin­austritt in das Leben, wie er, von den Stürmen

Auslandskunde.

Dr. Paul Rohrbach: Erwachendes Asien, Erkenntnisse einer Asienreise 1932, mit 30 Bildern. Preis 4,80 Mark. Verlag F. Bruck- mann AG., München. (268) Wer seinerzeit die im Gießener Anzeiger veröffentlichten Reise- berichte Rohrbachs aus vier Erdteilen verfolgt hat, wird mit besonderem Interesse zu diesem Buch greifen, in dem einer der bestgcschulten und grünO- lichsten Kenner des Auslandes die Eindrücke seiner letzten Weltreise mit den Ergebnissen der hiswri- schen Forschung zu einem aufschlußreichen Gesamt­bild des erwachenden Asien zusammengefaßt hat. Indien, China und Japan, jedes verschieden nach seiner historischen Entwicklung wie seinen geopoli­tischen Bedingtheiten, sie alle drei zeigen das gleiche Nebeneinander ältester geschichtlicher und religiöser Tradition und modernster technischer und wirtschaft- licher Einrichtungen. Rohrbach hält sich nicht an der Oberfläche auf, wie die meisten landläufigen Reise­berichte, die den Büchermarkt überschwemmen, seit­dem Indien uns durch die Persönlichkeit Ghandis interessant geworden ist und der Streit um die Mandschurei die Blicke auf den Fernen Osten lenkt. Rohrbach sucht vielmehr den Dingen auf den Grund zu gehen und dem für die großen weltpolitischen Zusammenhänge leider noch immer ungeübten Auge seiner deutschen Landsleute eine klare An- schauung zu geben von den ungeheuren Problemen, , vor die das erwachende Asien mit seinem brodeln­den Kessel unqezähller Völkermassen, widerstreiten- der wirtschaftlicher Interessen und unvergorenen politischen Ideen die Großmächte Europas und Amerikas heute schon stellt. Bücher, wie dieser neue Rohrbach sind Auslandskunde im besten Sinne.

Rolf Brandt: Erlebtes Äfrika. Eine Fahrt von Tanja nach Kairo. Broich. 3;60, Leinen 5,25. Brunnen-Verlag, Willi Bischoff, Berlin SW 68. 132. Für alle Freunde kolo­nialer Literatur ist das Buch lesenswert und aufschlußreich, da nur die wenigsten eine Ahnung davon haben, welch ungeheure Veränderung in Afrika seit 1918 vor sich gegangen ist. Rolf Brandt urteilt selbständig und ist von stereotypen Legenden in seiner Schilderung nicht abhängig. Er erzählt keine Löwengeschichten, keine Hiße­phantasien, keine Küstenstories. Was er erzählt, I ist immer fesselnd, gerade weil es sich von Phan­tastik freihält und ganz gemeinverständlich ist.

Elara Diebig: Menschen unter Zwang. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Preis geb. 4,80 Mk. (282.) Die Dichterin hat für ihren neuen Roman offenbar zum Vorwurf einen Kriminalfoll von erschütternder Tragik genommen, der sich vor einigen Jahren auf einem schlesischen Landsitz in der Rähe Hirschbergs zu­getragen hat. Der Dämon des Geldes beherrscht die uralte Schlohherrin, die es von der einfachen Tempelhoser Bäuerin zur vielfachen Millionärin gebracht hat. Aber ihr eiserner Wille, ihre zähe Arbeitskraft vermag nichts über den schicksalhaften Ablauf des Geschehens. Sie kann den Verfall ihrer Familie nicht aufhalten und nach dem tra­gischen Tode ihrer Llrenkelin, der Erbin all chrer Millionen, sieht sie auch diese in wertlosen Pa- Pierbillionen zerrinnen. Unter dem Dämon des Geldes, der Gier nach Macht und Glück handelt auch der Gutsvcrwalter, der seine starke sug­gestive Begabung dazu mißbraucht, mit Hilse sei­ner ihm blind gefügigen Stieftochter, die reiche Erbin an sich zu fesseln. Aber auch feine Berech­nungen scheitern an der Ohnmacht menschlichen Willens. Leidenschaftliche Eifersucht triumphiert über suggestiven Gehorsam: Das Opfer ist ein seinnerviges Mädchen, das wie ein reiner Tor, die dunklen Zusammenhänge kaum ahnend, zwischen diesen vom Dämon gepeitschten Gestalten steht. Eine geheimnisvoll düstere Stimmung liegt über dem Buch, kein freundliches Licht, kein versöhnend­tröstlicher Schein fällt in diese furchtbare Tragödie der Menschen unter Zwang.

Ger hardDohlmann: Dies ilberne 3 ungfrau. Roman. Gehestet 4 Mk., in Ganz­leinen 6 Mk. Verlag Philipp Reclam jun. Leip­zig. (330) Das Buch ist kein historischer Ro- man, der das Leben der 3ungfrau von Orleans noch einmal erzählt. Es ist der Roman eines Volkes in Rot, eines Landes in Rot, dem das Wunder geschieht und die Retterin geschenkt wird.3ohannas Wesen lebt, ihr Geist geht um. Die Prahlerischen und Selbstsüchtigen wissen nichts von ihr, aber alle Völker, die sich aus Rot und Rächt mühen, erinnern sich ihrer als einer ewigen Verheißung." Aus dieser Vision ist Gerhard Bohlmanns Werk geboren. Die ferne Zeit, die fernen Menschen, die unbegreiflichen Geschehnisse sind atemnahe Gegenwart. Mit der unwiderstehlichen Kraft der echten Erzähler reißt der Dichter in den Dann seines Buches.

Hermann Kesten: Der Scharia- t a n. Roman. 553 Seiten, 8°. Gustav Kiepen­heuer Verlag, Berlin 1932. - (287) - Auf dem Umschlag steht, dieser Roman seiein magischer Spiegel der Welt und die spannendste Chronik des 20.3ahrhunderts". Was für em großarti­ges Buch müßte entstanden fein, wenn der In­halt auch nur zur Hälfte hielte, was der Umschlag verspricht! Wir können das leider nicht finden: wir finden diesen Roman unerfreulich, peinigend und oft peinlich zu lesen. Jedermann weiß, daß wir nichts zu lachen haben, und daß in dieser Welt nicht alles Gold ist, was glänzt: aber wenn das in Romanform ausführlich festgestellt werden mußte, dann hätte es anders gesagt und vor allem besser geschrieben werden müssen: in diesem Buche, dessenwunderbar dichterische Sprache vom Verlag gerühmt wird, häufen sich die ärger­lichsten Merkmale eines miserablen Stils, alnd wenn, wie anderwärts zu lesen war, derSchar­latan" dem skeptischen Idealismus des Autors entsprang, dann ist der 3dealismus hier, wie uns scheint, so sehr zu kurz gekommen, daß nur noch eine ätzende und verletzende Skepsis übrig blieb. Was sind das alles für Menschen, die oa dem Erfolg und der P c&e und demSinn des Le­bens" nachrennen: man kann melancholisch wer­den, wenn man sie reden hört und handeln sieht: und man sträubt sich dagegen, in der Schilderung ihrer trüben und trostlosen Schicksale einen ma­gischen Spiegel der Welt und unseres 3ahrhun- derts zu erkennen. -y-

Edmund H a h n: Lisa wird eine Frau. Roman. 305 Seiten. Deutsche Verlags- Anstalt. Stuttgart, Berlin. (269.) Ein junges Mädchen erlebt zum ersten Male die Liebe, und die körperlichen und seelischen Erschütterungen dieses Erlebnisses bringen sie ganz aus dem Gleichgewicht. Sie sieht ihre Umwelt mit neuen Augen, entdeckt die ältere Schwester, die ihr bisher nichts bedeutete, und muß ein neues Verhältnis zu den vorher so selbstverständlich geliebten Eltern finden. Lisa wird eine Frau, to:e ein Mann sich das so vorstellt. Die meisten Mädchen werden diese erste große Erschütterung wohl mehr in sich verschlossen tragen und nicht wie ein ungebärdiges Böckchen nach allen Seiten um sich stoßen: nur die grenzenlose Langmut aller Beteiligten verhindert, daß Lisa am Schluß von den Eltern und dem Geliebten verlassen dasteht. ßifa muh noch viel erfahren und in sich

Zwei Flieger-Bücher.

HermannKöhl: Bremsklöheweg! Das Lebensbuch eines deutschen Fliegers. 228 S., 8°. Sieben-Stäbe-Verlag, Berlin 1932. (412.) Es ist ein buntes und abenteuerliches Leben, von dem der bekannte deutsche Ozeanflie'er Haupt­mann a. D. Hermann Köhl hier in seiner ehrlichen und unbekümmerten Art berichtet: angefangen Don den ersten ausgesprochenen Mißerfolgen in der Schule und im Kadettenkorps über seine Erleb­nisse als Kriegsflieger. in Gefangenschaft und auf der Flucht durch Frankreich bis zu dem großen Ozeanflug, der seinen Homert in aller Welt be­rühmt gemacht hat. Auch über Köhls unermüd­liche Arbeit an der Entwicklung der Zivilfliegerei wird man mit manchen interessanten Einzelheiten unterrichtet. Richt ein übertriebener Optimismus, aber ein beruhigtes Wissen um die starken Kräfte in unserem Volke machen dieses Lebensbuch eines Fliegers zu einem sympathischen Zeitdokument.

Elly Beinhorn: Ein Mädchen fliegt um die Welt. 224 Seiten, Groß- Oktav mit 64 Tiefdruckbildern. Ganzleinen 6 Mk. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin SW 61. (406) Das ist ein wirklich schönes und aufrich­tiges Buch, so frisch erzählt, ein Reise-Buch in dem Entfernungen keine Rolle mehr spielen. Vor ein paar 3ahrzehnten wäre das ein spannendes CKäcdjen gewesen, zu lesen, wie ein Mädchen allein über den Balkan, Konstantinopel, die Tür­kei Persien und 3ndien fliegt, wie sie den reichen Maharadscha von Repal in ihrem Flugzeug mtt- nimmt zum Himalaya, wie sie über die endlose Wasserwüste und die Zaubereilande der Südsee nach Australien fliegt Dann treffen wir sie wie­der hoch über den Cordilleren in den Wolken über dem ewigen Eis. Das wäre noch für un­sere Väter und Mütter ein schön erdachtes Mär­chen gewesen Daß es keines ist, beweist die mu­tige Fliegerin durch die Fülle erstklassiger Photv- aufnahmen. die das abenteuerliche Buch ihrer ge­fährlichen und heiteren Erlebnisse auf dem Welt­flug schmücken. Einleitend berichtet sie von dem ersten Afrikaflug, den Vorbereitungen, der Zwi­schenlandung im Schwarzwald, dem Flug Über die Wüste, von ihrer einsamen Wüstenwanderung nach Timbuktu und tollen Begebenheiten dort älnd dann gehts zum Flug um die Welt, als fet es ein Wochenendausflug. Das ist ein wirklich schönes und lesenswertes Buch

Westphal die auch im Norden wirkenden politischen Kräfte der Gegenreformation anschaulich zu machen, die unter Johann und Karl IX. Schweden in den Kreis der großen Politik der europäischen Mächte zogen. Damals schon wurden Grundlinien sichtbar, die Gustav Adolf wiederaufnehmen sollte. Er, der Enkel des Gründers der Dynastie, hat schon als Sechzehnjähriger außenpolitisch durch Beilegung des Streits mit Dänemark und Rußland zielbewußt klare Bahn geschaffen und innenpolitisch durch eine Staatsreform im Sinne einer Militärmonarchie sich die starke Waffe geschmiedet, die er brauchte, wenn Schweden in die große Auseinandersetzung mit der römisch-habsburgischen Macht eingreifen wollte Diese Vorgeschichte und schließlich die deutsche Politik Gustav Adolfs als Machtpolitik sind von Westpfahl mit außerordentlicher Klarheit in die großen weltpolitischen Zusammenhänge eingefugt worden. Das ist das große Verdienst dieses Buches, daß es den Staatsmann Gustav Adolf, den Leiter einer national-schwedischen Machtpolitik, ins rechte Licht rückt, ohne seine außerordenlliche Per­sönlichkeit und die großen ideellen Grundlagen seines politischen Handelns irgendwie zu verkleinern.

ElisabetEßlingerrKaiserinEuge- nie und die Politik des zweiten Kai­serreichs. Preis 7,50 Mark. Verlag W. Kohl­hammer, Stuttgart. (234) Erst wenig mehr als zehn Jahre sind vergangen, seitdem in der eng­lischen Verbannung als hohe Neunzigerin eine Frau

reifen lassen, ehe sie eine wirkliche Frau wird. Auch werden die meisten bürgerlichen Familien nicht mit solcher Einsicht über die erste illegale Liebesnacht der behüteten Tochter zur Tages­ordnung übergehen. Der Widerspruch von natu­ralistischer Darstellung wir hätten dem Ver­fasser 'manche physiologischen Rotwendigkeiten, die er sehr ausführlich behandelt, gern geschenkt und modern romantisierender Lebensauffassung wirkt oft peinlich. Ebenso störend ist die Furcht des Verfassers vor kurzen Sähen, die ihn dazu verleitet, mit Kommata zu verbinden, was dem Sinne nach durch Punkte getrennt werden muhte. Wirklich reizend und lebendig sind in diesem Erstlingswerk die Liebesszenen: die am Anfang und die improvisierte kleine Autoreise. Hier werden in wenigen Worten die seelischen Be­ziehungen und die nur ihnen eigentümliche Lage

Deutsche Erzähler.

Hermann Stegemann: Die Her­ren von Höhr. Ein Roman aus dem 3ayr 1792 Deutsche Derlagsanstalt, Stuttgart, Preis geb. 6.25 Mk. (273.) Der Verfasser, durch seine Kriegsberichterstattung für den BernerBund breitesten Kreisen des deutschen Volkes bekannt und sympathisch geworden, verbindet aufs gluck- lieferte künstlerische Gestaltungskraft nut umfassen­dem historischem Wissen. Den Geschichtsschreiber des Rheinlandproblems und der Westgrenze zieht es immer wieder zur Darstellung der deutsch-fran­zösischen Beziehungen, für die vielleicht das in­teressanteste Kapitel die vielfältigen und tiefgrei­fenden Einwirkungen der großen französischen Re- volution auf den deutschen Westen waren. 3n die spannende Episode des ersten Koalitionskrie­ges gegen die junge französische Republik stellt Etegemann die Familiengeschichte eines rheinischen Adelsgeschlechts, ein Ehelchicksal von tragischer Größe, dessen Fäden durch zwei Generationen ver­woben sind mit den großen politischen Ereignissen diesseits und jenseits der Grenze. Das Buch ist aus einem Guß. ein mit großem Schwung ent­worfenes. vielfarbiges Kulturbild dieser schillern­den Zeitenwende. Krasse Gegensätze, wie die schmarotzende Emigrantenwirtschaft der fran­zösischen Aristokratie in den Erzstiften am Rhern und das freiheitstrunkene, aufruhrgepeitschte Pa­ris wird man in der eindrucksvollen Schilderung Stegemagns sobald nicht vergessen. Aber auch Szenen von zarter 3nnigteit hat das Buch, dessen Lektüre ein Gewinn bedeutet.

C. Julius Cäsar: Der Gallische Krieg. Ins Deutsche übertragen unter Berück­sichtigung der neuzeillichen Heeresausdrucke von Prinz Max zu Löwenstein, Rittmeister a. D. Mit 147 Bildern und 16 Karten und Plänen erläutert

Die schönsten deutschen Gedichte. Ein Hausbuch deutscher Lyrik von den Anfängen bis heute. Gesammelt und geordnet von Ludwig Goldscheider und Paul Wie gier. 470 S. Mit 64 Bildern in Kupfertiefdruck. Ganzleinen 2,85. Phaidon-Derlag. Wien. Leipzig. (422.) Dies ist eine Anthologie, die durch feines Ge- hör und innere Geschlossenheit sich auszeichnet. Kompilatorische Deispielsammlungen, mehr oder minder brauchbare Handbücher undBluten­lesen" gab es und gibt es zur Genüge: aber es genügt nicht, schöne (oder auch nur berühmte) Gedichte zu einem bunten Strauß zusammenzu­binden: ausschlaggebend ist die geiftme Run­dung, die Komposition der Auslese. Die Ord­nung ist nicht nach Autoren, sondern nach Stilen durchgeführt: dadurch kommen gewisse bisher ver­nachlässigte Zeitabschnitte, wie Frühbarock oder Rokoko, ganz anders zur Geltung. Auch d:e mo- devne Dichtung ist berücksichtigt: Rilke Mom- bert, Dau<hendey. Heym. Trakl, Werfel Hesse, Schröder, Earossa. Hofmanns dhal. Mell, Bll- linger und viele andere kommen mit schönen und charakteristischen Gedichten zu Wort. Durch die vornehme Ausstattung und durch den Bolts- ausgabempreis ist. das Buch geeignet, als Ge­schenk- und Hausbuch in weite Kreise zu bringen.

Bauer. Peter: Ein Kind ist da. Die frühe Kindheit im Bilde deutscher Dichtung. Mit 23 ganzseitigen Photographien von Erich Rehlaff. Leinen. 5.40 Mk.: Halbleinen 4,40 Wk. 2. Auflage. Pädagogischer Verlag. G. m. b. Sy, Düsseldorf. (338) Run liegt bereits die zweite Auflage dieses köstlichen Buches vor. Sicher­lich wird auch sie gute Aufnahme finden, zumal jetzt eine geschmackvoll hergeri ,t-te, billige Halb­leinenausgabe vovliegt. Ein Kind ist da! Das Glück dieses Erlebnisses findet keinen stärkeren und tieferen Ausdruck als in diesem Buche. Alle Gefühle, die das erwartete und werdende Kind das noch der Knospe im Kelche gleich im Mutterschoße behütet ruht, die Tage der W ege, die ersten drolligen Spiele in der Stube und im Freien, sein glückseliger Schlummer, die ganze frühe Kindheit im Elternhaus bis zum Eintritt in die Schule, im elterlichen Herzen aus- lösen, sind in den Versen von über 70 Dichtern Klang und Bild geworden, haben in ihnen Sinn und Wahrheit gefunden. 23 ganzseitige Photos allerliebster Kinderköpfe schmücken den Band.

Erich Kästner: Gesang zwischen den Stühlen. Gedichte. Mit Vignetten von Erich Ohser. 109 Seiten. Kart. 3,60, Seinen 5,75. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Ber­lin. (353) Es war wohl 3ean Paul, der einmal gesagt hat: die Deutschen versehen ein Epigramm mit einer Vorrede und ein Sonett

mit einem 3nhaltsverzeichnis. 3n Kastners neuem (nun schon dem vierten) Gedichtbande gibt es, was immerhin originell sein dürfte. Gedichte mit Anmerkungen zuin Schluß. Zum Beispiel: Der Ballade liegt ein Pressebericht aus dem 3ah re 1930 zugrunde." Oder:Diese Episode aus dem Privatleben der Wirtschaftskrise be­ruht auf Tatsachen". Oder:Die Zahl der ju­gendlichen Erwerbslosen beträgt mehr als eine Million . OderAn ein Scheusal im Abendkleid":Die Bosheit des Autors scheint unberechtigt. Aber wer den Rücken nicht ge- I sehen hat, kann gar nicht mitreden". Oder Bries an meinen Sohn":Da der Autor, nach dem Erscheinen des Gedichts in einer Zeit­schrift, Briefe von Frauen und Mädchen erhielt, erklärt er, vorsichtig geworden, hiermit: Schrift­liche Angebote dieser Art werden nicht berück­sichtigt". Man mag aus solchen Anmerkungen ersehen, wie schwer es ist. diesem Buche und die­sem Autor gerecht zu werden. Man hat gesagt: Seit Kästner lesen die Leute wieder^ Gedichte" ohne zu bedenken, daß das weder für Kästner I noch fürdie Leute" spricht und jedenfalls zu unheilbaren Mißverständnissen führen kann: man hat sogar das fürchterliche WortGebrauchslyrik" erfunöen, und niemandem fiel es ein, daß von allen zwecklosen Künsten die Lyrik dieunbrauch­barste" sei. äleberhaupt sind von Kästners Ge­dichten die allerwenigsten lyrisch im alten Sinne, der aber unseres Wissens auch heute noch immer nicht völlig außer Kurs ist. Kästners Gedichte sind aus dieser Zeit gegen diese Zeit und die Zeitgenossen. Glossen, Stimmungsbilder, Kri­tik in Versen. Sehr getonnt (Kästner ist eine der erstaunlichsten Formbegabungenl) witzig, poin­tiert, oft mit überraschenden Wendungen und Wortspielen, melancholisch, giftig, boshaft. Wan kann mitunter beim Lesen einen bitteren Ge­schmack auf die Zunge bekommen. 2lber_ man merkt wenn man es nicht in früheren Büchern schon entdeckte, daß dieser Mann, der hier zwischen den Stühlen" und gegen den Strich Auskunft gibt und lärmt, nicht nur gescheit ist, sondern auch ein Herz hat. Das merkt man ganz selten, aber man merkt es. älnd so paradox es klingt man merkt am Ende, daß nicht nur ein kluger, sondern sogar ein dich­terischer Mensch diese Verse geschrieben hat. Einer der seltenen Belege dafür steht auf Seite 59 und heißtEin Beispiel von ewiger Liebe", welches sich übrigens in Hessen ereignet hat. Wenig erfreulich finden wir hingegen die den Text begleitenden Zeichnungen von Ohser, die ein bißchen an George Groß erinnern und auch sonst keine Bereicherung darstellen. -y-

oon Dr. Wilhelm Ament, erschienen in der Samm­lungMeisterwerke der Wettltteratur in deutscher Sprache für Schule und Haus". Preis gebunden 6,00 Mark. Verlag C. C. Buchner, Bamberg. (251) Das ist nicht etwa einer der von den unteren Klassen des Pennals her vertrauten alten Spicker, die unter der Bank von Hand zu Hand gingen und mit ihrer wortgetreuen Uebersetzung manchen aus der Klemme halfen. Prinz Löwenstein hat hier vielmehr den klassischen Rechenschaftsbericht des Feldherrn und Staatsmannes Cäsar über die Unterwerfung Galliens in einer neuen deutschen Uebersetzung vorgelegt, die prägnant und kraftvoll das Charakteristische des -äsarischen Stils trifft Neu ist auch unseres Wissens und außerordentlich instruktiv eine Darstellung des Herausgebers, der selber aktiver Offizier war, der Gliederung und Or­ganisation von Cäsars Heer. Mit großer Liebe sind dazu auch eine Reihe von Skizzen ausgeführt, die die römische Wehrverfassung besonders anschaulich machen. Bemerkenswert ist ferner die bei dem ge­ringen Preis des stattlichen Buches überraschend reichhaltige Ausstattung mit Bildern, Krokis und Kartenskizzen, die sehr forgfältig nach den neuesten archäologischen Forschungen ausgesucht und er­schöpfend erläutert sind. Das schöne Werk, das auf jeder Seite bezeugt, mit wieviel Liebe es durch­gearbeitet und zusammengestellt wurde, wird gewiß auch allen denen hochwillkommen sein, die einst auf der Penne nicht immer mit gleicher Aufmerksamkeit den Heereszügen des Cäsar gefolgt sind.

_ Otto Westphal, Gustav Adolf und die Grundlagen der schwedischen Macht. Hanseatische Derlagsanstalt Hamburg. (344.) Die meisten Bücher, Aufsätze und Reden, die in diesen Tagen das Gedächtnis an den Heldentod des großen Schwedenkönigs auf den Plan gerufen tjat, nehmen Gustav Adolf als singuläre Erschei­nung, als den Retter des deutschen Protestantis­mus,' der fast wie ein deux ex machina, als der Löwe aus Mitternacht", wie er seinen deutschen Zeitgenossen erschien, über das Meer kommt, um auf deutschem Boden seine Heldentaten für die Rettung des evangelischen Glaubens zu vollbringen.

die müden Augen schloß, die im Zettalter unserer Väter und Großeltern im Zenit ihres Ruhmes stand: Eugenie, Kaiserin der Franzosen. Die charakterlich in vielen Farben schillernde Spanierin, die der dritte Napoleon neben sich auf den Thron hob, da eine eheliche Verbindung mit einem legitimen Herr­scherhause schwerlich zu erreichen gewesen märe, hat auch politisch eine wenig durchsichtige, zumeist aber verhängnisvolle Rolle gespielt. Neben dem 'Aben­teurer Bonaparte, der zumal in den letzten Jahren seiner Regierung alle Anzeichen eines inneren und äußeren Verfalls trug, muß die grazile, liebens- würdige Frau voll Charme und Offenheit ein (eit- James Bild abgegeben haben. Es ist wohl begreif­lich, daß die Kaiserin, die anfangs eine Figur auf dem politischen Schachbrett Napoleons, mit zuneh- ut» o...... , menöer Stumpfheit des Kaisers selbst das große

überließen, mit starker Wirkung zusammengefaßt. Spiel in die Hand nahm, das sie allerdings in völliger Unterschätzung Preußens und Verkennung der deutschen Verhältnisse seit 1866 verloren hat. Die Verfasserin des vorliegenden Buches geht dieser Wandlung auf Grund sorgfältigen Quellenstudiums nach und gibt eine umfassende Schilderung der po!- tischen Rolle Eugenies. Die Kaiserin findet eine sach­liche Beurteilung, die nicht in den Fehler mancher deutscher Biographen verfällt, schwarz in schwarz zu malen, wo namentlich menschlich manu; uchtenswerie Züge waren. Stilistisch könnte die fleißige und auf­schlußreiche Arbeit, anscheinend eine Dissertation, flüssiger und gewandter sein.

e I Da ist es gut, daß uns in dem Buche Otto West- '= phals, des Münsteraner Historikers, eine ausgezeich- n nct fundierte und sehr flüssige Darstellung geboten wird, die Gustav Adolf hineinstellt in die geschicht­liche Entwicklung seines Volkes und die großen weltpolitischen Probleme feiner Zett. Der Verfasser schildert die völkischen Grundlagen Schwedens die Christianisierung der skandinavischen Reiche und die frühen sozialen Auseinandersetzungen, die in die Außenpolitik Schwedens so oft eingriffen. Das Dor- brängen der Deutschen in der Blütezeit der Hanse, Schweden unter der Kalmarer Union und die Nie­derwerfung des schwedischen Bauernaufstandes durch den Dänenkönig Christian II. im Stockholmer Blut­bad leiten über zu der glänzenden Schilderung Gustav Wasas, der vorsichttg und weise innenpoli­tisch die Grundlagen legte, auf der ein national ge­festigtes Schweden Außenpolitik mit weit gesteckten Zielen treiben konnte. Besonders fesselnd weiß dann

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Jomilienfeier LiüEerZW von iiam.BonhM Land and Leu e und eigne Erleb' nisse inÄazedoniea 4m Sonntag, 20. M.

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