Deiner Hände Werk
Vornan von Klothilde von GtegmankuE'tein.
Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale)
17 Sortierung. Nachdruck verboten.
Auch Kurt schwieg: eS hatte ja keinen Sinn. Diese Menschen redeten eine andere Sprache, wie er inti) der Vater gesprochen: und dieser glatte, schöne, dunkle Mensch besonders. Man stand allein, ganz allein in der Welt. Rur Erika war ihm geblieben: sie würde er sich nicht nehmen lassen, und sollte er -gegen die ganze Welt kämpfen.
Er lehnte sich in seine Wagenecke zurück. Die altbekannten Felder und Wiesen flogen an ihm vorbei. Nun kamen die ersten Häuser, der Kirchturm grüßte von fern. Wie anders war seine Heimkehr heute als die Abfahrt vor wenigen Wochen! Damals hatte der Vater auf dem Altan des Hauses gestanden, war mit ihm herabgeschritten, die Stufen hinab bis zum Wagen. Run würde er morgen herausgetragen werden, zum letzten Male aus dem Portal von Bremerschloh, hinaus zur Ruhe.
Kurt biß die -Zahne zusammen, er wollte denen da neben sich nicht seine Tränen zeigen — den Fremden!
Das Leichenbegängnis des Kommerzienrats Bremer war eines der glanzvollsten, die man seit langem im Kreise gesehen. Eine unübersehbare Schar folgte dem Sarge: die ganze Stadt gab dem Toten, der eine Zierde des Bürgertums gewesen, das Geleit. Die Regierung hatte Vertreter entsandt und die Zahl der Wagen, die vor dem Friedhof hielten, war unübersehbar.
Kurt war wie in einem schweren Traum befangen. Er konnte es noch immer nicht fassen, daß der geliebte Vater nicht mehr sein sollte. Zeder Winkel in dem großen Schloß sprach von ihm: immer war es ihm. als mühte aus .einer der Türen der Vater heraustreten. So stark lebte sein Geist hier noch überall, daß er dem Sohne allgegenwärtig schien.
Aber als er nach der Beerdigung hinüberging in die Fabrik, als er die Tür zu dem Arbeitszimmer des Vaters mit bebenden Händen nieder- örückte. als er den großen Raum leer und tot daliegen sah, die Schreibtischplatte, die, sonst bedeckt mit Zeichnungen. Briefen, Gcschäftspapie- ren, glatt und aufgeräumt — in diesem Augenblick kam es ihm klar zum Bewußtsein: der Vater war ausgelöscht aus diesem Leben. Rur in Kurts Herzen lebte er noch.
Mit schwankenden Schritten ging er hin zu dem Schreibtisch, setzte sich in den Sessel, in dem er den Vater jahrein, jahraus hatte sitzen sehen, den Kopf über seine Arbeit gÄeugt. Run sah er hier, der Sohn: in einem heihen Wehgefühl beugte er sich mit Stirn und Hand über die Schreibtischplatte. Lange sah er so — und die vergangene Kindheit und Zugendzeit gingen an seinem Geiste vorüber. Wie in lichter Verklärung stand das Bild der Mutter vor ihm und daneben
das Bild des Vaters, wie lebend, gütig, arbeitsam und weise. Ein ernstes Gelöbnis rang sich aus der Tiefe seines Herzens: wert zu sein dieser Mutter und dieses Vaters, das Werk seiner Hände einmal weiterzuführen in seinem Sinne und nach seinem Willen.
Es klopfte an die Tür. Er schrak auf: der alte Prokurist stand in der Türöffnung.
„Sie möchten herüberkommen, Herr Kurt!" Er sah mit einem liebevollen, versorgten Blick auf den jungen Menschen. „Sie werden verlangt: die Herren sind drüben, der Rotar und die anderen, zur Testamentseröffnung."
„Ach. lieber Herr Degener, ich bleibe am liebsten hier. Was soll ich dort — alles ist nicht wichtig vor dem einen, daß der Vater nicht mehr bei uns ist."
„Und doch, es ist wichtig, wichtiger als Sie denken. Don dem Testament wird es abhängen, wie in Zukunft auf dem Dremerwerk gearbeitet und regiert werden wird."
Kurt sah den treuen Mitarbeiter des Vaters erschreckt an: „Es wird doch niemand wagen, irgend etwas zu ändern. Herr Degener? So wie Vater es bestimmt hat, wird es doch weitergehen?"
Degener zuckte resigniert die Achseln. „Das form man nicht wissen. Ja, wenn Sie die Zügel in die Hand bekämen, wenn Sie zu bestimmen hätten, dann wäre es mir um Bremerwerk nicht bange. Aber wenn die da drüben" — er machte eine nicht mißzuverstehende Kopfbewegung hinüber — „die Fabrik in die Hände bekommen, dann mag Gott wissen, wie das endet. Roch will ich Sie nicht ängstlich machen. Der Herr Kommerzienrat hat mir immer gesagt, dah er das Testament so machen wird, dah Sie über das Bremerwerk zu bestimmen hoben. Und so wird es hoffentlich auch geschehen."
Er unterbrach sich, nebenan schrillte das Telephon. Eilig ging Degener hinein. Und Kurt wandte sich gleichfalls zum Gehen.
In dem Arbeitszimmer des verstorbenen Kommerzienrats Bremer auf Bremerschloh war die gesamte Familie versammelt. Frau Melanie saß inmitten ihrer Kinder auf dem breiten Sofa, hinter Hiltrud stand Axel mit seinem glatten, schönen, dunklen Gesicht. An dem runden Tisch sah Justizrat Coswig, der langjährige Rechtsbeistand des Verstorbenen.
Als Kurt hereinkam, hatte er unwillkürlich das Gefühl: Dort sitzt die Familie zusammen, einig — hier stehe ich, allein: keine Gemeinsamkeit war zwischen ihnen.
Erst als der neue Schwager mit einem liebenswürdigen Lächeln auf Kurt zukam und ihn nötigte, neben Hans Egon Platz zu nehmen, S'ng er zögernd hin und lieh sich nieder. Der ustizrat Coswig räusperte sich.
„Ich eröffne also", sagte er mit einer leichten Verbeugung gegen die Witwe, „das Testament Ihres Gatten, gnädige Frau, meines guten alten Freundes."
Spannung lag auf Frau Melanies Zügen, als der Justizrat jetzt zu lesen begann: und auch in
den Augen Axels war eine glitzernde Aufmerksamkeit. während Hans Egon angelegentlich mit der Betrachtung seiner eleganten schwarzen Lackschuhe beschäftigt schien und Hiltrud mit blassem, müdem Gesicht vor sich hinsah.
Aber gleich nach den ersten Worten kam in Frau Melanies Gesicht etwas wie Befriedigung, und sie nickte dem hinter ihr stehenden Schwiegersohn unmerklich zu. Ihre Sorge war unbegründet, der Verstorbene hatte nichts mehr geändert.
Dies war das Testament, das sie kannte. Es beließ Frau Melanie einen großen Teil des erheblichen Privatvermögens. Weiter sicherte es ihr einen großen Teil der Einkünfte aus der Fabrik und auch das Bestimmungsrecht über die Geschäftsführung, allerdings nur bis zur Volljährigkeit Kurts.
Mit erreichter Volljährigkeit trat Kurt als Leiter ins Bremerwerk ein. Bedingung für alle Erben war. den Prokuristen und den Betriebsingenieur auf ihren Posten zu belassen.
Darm kamen noch verschiedene Bestimmungen geringfügiger Art. aber Frau Melanie hörte sie nicht mehr. Sie wußte, daß sie gesiegt hatte: ihr Gatte hatte das Testament nicht mehr umgestohen.
Kurt sah den triumphierenden Ausdruck in den Augen der Stiefmutter, sah das befriedigte, satte Lächeln Hans Egons. In dem Gesicht Jvarsens waren die Mundwinkel fest zusammengeschlossen: jetzt, in diesem Augenblick, da er sich unbeobachtet glaubte, hatte es etwas Brutales. Gieriges.
Ein Schauer ging durch Kurt: er fühlte ein unbekanntes Verhängnis herannahen. Was es war. konnte er nicht sagen. Aber eine Angst schlich sich in seine Seele und lieh ihn nicht wieder los.
Es war ein paar Tage später. Die sommerliche Heppigkeit der Welt war von einem Gewitter hinweggenommen worden. Tagelang ging ein zäh fallender Regen hernieder, in dem die leuchtenden Sommerblumen ertranken. Run hatte ein kalter Rvrdost die Regenwolken fortgefegt, die Bäume im Park rauschten klagend: der Fluß ging schwer und grau, aufgewühlt von den Regengüssen und der lö>migen Erde, die er aus den fernen Bergen auf seinen Wellen mit hierhergetragen.
Es war wie Herbst, als Kurt von der Heimat Abschied nahm. Cs war ein Abschiednehmen wie noch nie. Der Vater war ja die Heimat gewesen. Run war alles, alles fremd hier.
Auf Vaters Platz saß dieser glatte, immer liebenswürdige, fremde Mensch, den man nie fassen konnte, der bald ihm. bald der Stiefmutter zum Munde redete, und der doch — Kurt fühlte es in tiefster Seele — falsch war von Kopf bis Fuß.
Da war die Stiefmutter, die. seitdem sie hier die unumschränkte Herrschaft hatte, noch stöber, noch unnahbarer. gegen den Stiefsohn war.
Da war Hans Egon. Seit er die Mutter im Besitz großer Mittel wußte, war er noch fauler geworden und erwog ernstlich, seine Laufbahn auszugeben. um als Grandseigneur sein Leben mit Richtstun, Reisen und Sport auszufüllen.
Es ekelte Kurt an, wenn er sah, tote daS vom Vater so schwer erarbeitete Vermögen fortan nur die Grundlage für Luxus und Trägheit bilden sollte.
Die einzige, die eine wirkliche Trauer zu fühlen schien, war HUtrud. Von der Stiefschwester hatte er es am wenigsten erwartet, aber sie hatte sich sehr verändert. Sie war viel stiller und nach- denklicher geworden, der unerträgliche kindische Hochmut war gedämpft: und oft schien es Kurt, als suchte sie, mit ihm in nähere Fühlung zu kommen.
Aber zu groß war sein Mißtrauen aus den verflossenen Jahren, als dah er Hiltruds schüchternen Versuchen entgegengekommen wäre. Er traute ihr nicht, er traute der ganzen Familie der Stiefmutter nicht. Auch war er selbst viel äix unglücklich und zerrissen, um sich mit anderen Menschen zu beschäftigen, die ihm bisher noch nie etwas Gutes getan.
Vierzehntes Kapitel.
Es war ein kalter, regnerischer Abend, als Kurt von Erika Abschied nahm. Sie hatten sich die ganzen Tage nur flüchtig sehen können, und auch jetzt war Kurt sehr in Eile: gab es doch noch Verschiedenes zu besprechen, ehe er reiste.
Erika stand schon eine Weile und spähte hinter der großen weitschattigen Pappel, die den Eingang zum Fabrikhose flankierte, nach dem Schloß aus. Endlich hörte sie Schritte und sah nun auch die Gestalt Kurts auf sich zukommen. Wortlos ergriff er ihre Hand und zog das Mädchen ein Stück weiter, den Anlagen zu. die in ihrem regnerischen Dunkel sie vor den neugierigen Blicken schützten.
„Erie", Kurt blieb stehen und sah das Mädchen mit heißen Augen an, „ich gehe nun fort: Warrn ich wiederkomme, weiß ich nicht. Die Heimat ist mir nicht mehr Heimat, seit der Vater fortging. Rur du. lleine Erie, nur bei dir ist nun für mich noch Heimat. Erie, wirst du mich nicht vergessen, auch wenn ich lange nicht komme?"
„Rein, Kurt, ich werde dich nicht vergessen", sagte leise das Mädchen und sah mit vertrauensvollen Blicken in Kurts Antlitz, das ihr jetzt sehr nahe war.
„Erie, wenn dies nicht alles jetzt gekommen wäre, der Tod des Vaters und all die Veränderungen, dann hätte ich noch lange geschwiegen, um dich in deiner Ruhe nicht zu stören. Aber heute muß ich dir sagen: Erie, ich hab' dich lieb — anders lieb als früher! Erie, wirst du auf mich toarten wollen, bis ich dich holen tarnt — als meine liebe, liebe Braut!?"
Unendliche Innigkeit bebte in seiner Stimme. Ein Wehrs und zugleich unendlich süßes Gefühl, das sie noch nie gekannt, ließ Erika erzittern. Eie vermochte nicht zu sprechen. Aber ihr Gesicht wandte sich mit einem so rührenden, selbstvergessenen Ausdruck der Hingabe dem Manne zu. daß Kurt es nicht mißverstehen konnte. Sanft zog er das bebende junge Geschöpf an sich und drückte einen leisen und scheuen Kuh auf die unberührten Mädchenlippen.
(Fortsetzung folgt.)
Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Bernard
Die Beerdigung unseres lieben Kameraden
Wilhelm Bernhardt
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findet Donnerstag, den 17. November, nachmitt. 3 Uhr statt
Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand.
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Gärtnermeister
Wilh. Bernhardt
findet am Donnerstag, den ^.November 1932. nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.Um zahlreiche Bete ligung bittet
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsre Mitglieder von dem Ableben unsreslb. AlterskoUegen
Wilh. Bernhardt
in Kenntnis zu setzen.
Gießen, den 15. November 1932.
Die Beerdigung findet Donnerstag. den 17. November, nachmitt. 3 Ühr statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet so79D der Vorstand.
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im Poatkeller: Familienfeier Lichtbilder-Vortrag von Kam. Bonhard „Land und Leute" und eigne Erlebnisse inNkazedonien Am Sonntag, 20. Nov., (Totensonntag)
10.30 Uhr Zusammen- knnft l.d.narktlaub.
(S. Hess.Kamerad.)
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MOTTO: Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, Schaff Dir ’nen Häuser-Ofen her, dann wird Dlr’s wärmer werden tt!
den Nachbar Huber zu überzeugen. Doch nun weiß er: Er braucht nur zu Häuser zu gehen, und er bekommt den Ofen, den er sucht. Das sagte Onkel Mollig, a’s er wieder In seine warme Stube trat. Vergnügt wischt er sich den Schweiß von der Stirn. Er hatte doch wieder einmal recht gehabt Ein Häuser-Ofen bleibt eben ein Häuser-Ofen.
Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden 6783 A
Schaff Dir nen Häuser-Ofen her, dann wird D«r’s wärmer werden 1
Und wenn es sich darum handelt, Säle oder große Fabrikräume zu heizen, dann erst recht Oenn Häu^r hat alle diese Modelle, die hierfür in Frage kommen und die auch gar nicht teuer sind. Wenn man also die Fabriksäle heizen will oder d.e Schulstuben kalt Har* „Tan cbe!L?Cä e Oken haben muß, auch für diese Räume, dann geht man zu Hauser. Häuser sorgt dafür, daß man auch Im kältesten Winter seine „wärmste“ Freude hat
3. B. HAU SEP, GIESSEN
AM OSWALDSCARTEN


