OerneueLeiierdesBerlinerRundfunks
Dr. Duste, bisher Programmleiter der Reichs- Rundfunkgesellschaft, wurde an Stelle des abberufenen Intendanten Fleck zum kommissarischen Leiter des Berliner Rundfunks ernannt.
Mystik die Hauptrolle spielten, könnten die Nationalsozialisten sich nur durch die absolute Diktatur ihrer Partei durchsetzen. Hitler habe mit seinen Bemühungen Schiffbruch erlitten, und ihm bleibe nur noch die Wahl zwischen einer regulären NktionimPar- lame nt und dem G ew a l t st r eich. Ersteres könne heute nichts Gröhes ergeben, letzteres sei von mehr als zweifelhafter Wirksamkeit. Jedenfalls bleibe das politische Problem in Deutschland nach wie vor im vollen Umfange bestehen, und erst die Stellungnahme der Reichsregierung beim Zusammentritt des Reichstags dürfte Klarheit schaffen.
„Journal des D ö b ä t s" erklärt, man schreibe Hitler kriegerische Steuerungen zu. Aber das alles seien leere Worte. Während er mit seinen Anhängern berate, also das Gegenteil von Handeln tue, habe die Regierung ihre Entscheidungen getroffen und damit alle diejenigen für sich gewonnen, die in Deutschland dem gehorchten, der zu befehlen wisse.
„LibertL" hält die Position der Nationalsozialisten für kompromittiert. Eine offene Revolte würde zum Zusammenbruch führen.
„I o u r n a 1" schreibt: Marschall von Hindenburg gewinnt den ersten Gang. Er hat der Partei zum Siege verhalfen, die die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Rückkehr zur alten Tradition er» strebt. In der Opposition wird Hitler einen erneuten Zustrom aller Unzufriedenen erhalten, wenn es der Regierung nicht gelingt, die Unzufrieden- heit beizulegen. Zweifellos wird man in Frankreich erklären, daß man eine Regierung unterstützen soll, die den Mut hat, den Hitlerleuten den Weg zu verlegen. Aber das nationalsoziali- stische Programm realisieren wollen unter dem Vorwand, den deutschen Rationalismus eindämmen zu wollen, heißt eine seltsame Politik treiben.
„P eupr e" erklärt, man kann s i ch dazu beglückwünschen, daß Reichspräsident von Hindenburg den Führer der Nationalsozialisten die geforderte restlose Leitung der- Staatsangelegenheiten abgeschlagen hat. Aber wer wird sie jetzt behalten? Wahrscheinlich von Popen und von Schleicher, die unter einem normalen parlamentarischen Regime bei der ersten Fühlungnahme mit dem Parlament durch mehr als 500 von insgesamt 600 Stimmen gestürzt werden würden, so daß der alte Marschall, der entschlossen ist, Deutsch- land nicht einer einzigen Partei zu überlassen, es keiner anvertrauen wird oder vielmehr der Mill- tärpartei für die die Wähler ihre Stimmen abzugeben offiziell nicht aufgefordert wurden.
M mW Mel.
Original-Roman von Anny von panhuys.
Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
34 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Melchior Stampfer! sagte laut und deutlich: „Dem Himmel sei Dank!" Dann drückte er seinen schmalen, alten Körper fest in die Ecke des AutoS.
Lil lachte kurz auf. „Das ist der Fluch der Berühmtheit! Als Clowns beim Wanderzirkus Gerhard konnten wir ganz einfach durchbrennen, als wir weg wollten, und weil wir's schlau an- fingen, brachte uns der Direktor noch an den Zug und trug mir sogar den einen Koffer. Aber olä „Fix und Nix" muß man aushalten. Eine Berühmtheit wie „Fix" darf sich nicht Wegdrücken, wenn sie nicht mehr mag."
Der Alte nickte: „Da sind wir wieder bei dem angelangt, was ich am Anfang sagte. Ich meine, der Fall beim Wanderzirkus war ein Ausnahmefall, du weiht, der grobe Johann wollte dich heiraten, sonst aber wiederhole ich dir: Wenn alle Menschen wegen Liebesleid gleich ihre Arbeit und Pflichten hinwerfen würden mit dem Duf: Ich will nicht mehr!, dann wäre die Welt ein großer Müllhausen!"
Lil sagte leise: „Du hast recht, tausendmal recht.
Melchior Stampfer! atmete auf. Wenn Lil sich erst zurechtgeschminkt und ihr Kostüm angezogen hatte, würde sie wieder ganz der famose, kleine Clown „Fix" sein, den das Publikum überall bejubelte.
Der Saal war bis auf den letzten Platz beseht und viele Besucher waren dabei, die Lil gut kannten. Man konnte kaum erwarten, daß di« Nummer „Fix und Nix" an die Reihe kam.
Schließlich war es soweit. Die Musik schwieg. Ein kleines Flugzeug schnurrte auf die Bühne und umkreiste sie. Darauf ritt wie auf einem Pferd ein jungenhaftes Kerlchen mit der komischsten Schminkmaske der Welt, auf einem Kamme blasend. Er steckte den Kamm ein, stand dann auf dem surrenden, schwankenden Flugzeug, hielt sich leicht an der Seilvorrichtung, daran das Flugzeug hing und krähte ins Publikum nach einer originellen Melodie:
„Ich bin der Fix! Fix! Fix!
Das ist der Nix! Nix! Nix!
Wir beide machen dumme Tricks!
Tricks! Tricks!"
-D?un sprang er von seinem stark schwankenden Platz, schrie laut: „Wo ist denn der Nix! Nix!.
Die preußische polizeiverordnuug gegen die Llnsittlichkeit.
Berli n, 13.Slug. (DDZ.) Der bekanntgewordene Text der Polizeiverordnung des Stellver. treters des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, gegen die Llnsittlichkeit hat besonderes Aufsehen auch in Badeorten hervorgerufen, in denen es vielfach üblich ist, daß die Kurgäste im Dadekostüm mit umgehängtem Bademantel von ihrer Wohnung zum Strand und von dort in nahegelegene Lokale zur Einnahme ihrer Mahlzeiten sich begeben. Die Bestimmung, daß es untersagt sei, „in Badekleidung" sich außerhalb des Strandes und der unmittelbar zum Strande gehörigen Lokale auszuhalten, scheint demnach nicht überall klar verständ- l i ch zu sein. Das gilt insbesondere auch deshalb, weil nicht gesagt worden ist, ob die Strand- anzüge und die sportliche Bekleidung mit unter den Begriff „Badekleidung" fallen. Wie das Nachrichtenbüro des DDZ. meldet, ist damit zu rechnen, daß Anfang nächster Woche A u s - führungsbestimmungen zu der Polizeiverordnung ergehen. 3n unterrichteten Kreisen wird dem Nachrichtenbüro noch erklärt, daß ein im Prinzip gleicher Derordnungsentwurf im preußischen Innenministerium bereits vor längerer Zeit ausgearbeitet worden war. Der damalige Innenminister S e v e ring habe es jedoch ab- gelehnt, diese Berordnung zu unterzeichnen. Zugleich fei daran erinnert, daß das Zentrum und die Rechtsparteien im Preußischen Landtag in Anträgen Maßnahmen gegen die Llnsittlichkeit gefordert hatten und daß der preußische Staatsrat erst vor kurzer Zeit einen umfangreichen Beschluß in der gleichen Materie gefaßt hatte, der allerdings ausdrücklich sich auch gegen derartige Ausschreitungen auf literarischem Gebiet wandte. Der Preußische Landtag hat die Möglichkeit, sich mit der jüngsten Polizeiverordnung zu beschäftigen. Ein Mehrheitsbeschluß des Parlaments könnte die Polizeiverordnung aufheben.
polnische Unverschämtheiten in Danzig.
Danzig, 14. Aug. (ERB.) Aus Anlaß des polnischen Legionärtages in Gdingen haben am 14. August von 3.30 bis 10.15 Llhr acht Sonderzüge und ein fahrplanmähiber V-Zug mit polnischen Legionären Danzig passiert. Die Züge waren teilweise von polnischen Militärtransporten, die, wie schon oft, nicht angemeldet waren, beseht. Sllle Züge hatten eine De- schmückung von Tannengrün, Fahnen und Transparenten mit Aufschriften z. B.: „Danzig war und bleibt polnis ch." — „Weg mit Hitler!" — ,.W ehe Preußen, wenn es die Hand nach Pommerellen aus st reckt!". Während des Aufenthaltes auf dem Danziger Hafenbahnhof wurden von den Polen, die zum Teil ihre Abteile verlassen hatten und sich auf dem Bahnsteig aufhielten, polnische Hetz lieber wie z. B. das polnische Rota-Lied, gesungen und ferner auf Geheiß eines in Uniform befind- Uchen Offiziers ein Hoch auf Marschall P i l s u d s k i und das „polnische Danzig" ausgebracht. Auch wurden von einigen Offizieren und Soldaten Säbel, Seitengewehre, sowie Pistolen verbotswidrig mitgeführt. Den Be- amten der Schutzpolizei wurde an verschiedenen Stellen mit Fäusten gedroht und ihnen die Zunge gezeigt.
Oer sterbende Völkerbund.
London. 14. Slug. (WTB.) „Sundah Ex- preß" erklärt im heutigen Leitartikel, derDöl - k e r b u n d liege im Sterben. Anlaß dazu gibt dem Blatt das Gerücht, daß Japan und Italien sich mit der Absicht tragen, aus dem Völ- kerbund auszuscheiden. Eine ähnliche
Einstellung will das Blatt auch bei Deutschland vermuten können, das sich über den Döl- kerbund keinen Illusionen hingebe. Es wisse, so meint das Blatt, daß er nur «in Instrument der französischen Politik sei. Das Blatt schließt mit dem Ruf: „Beendigt den Völkerbund und baut das Reich auf.“
Eine amerikanische Wirtschastskonferenz.
Washington, 14. Slug. (WTB. Funkspruch. Reuter.) Präsident Hoover hat auf den 26. Slugust eine Konferenz von Wirtschaftsführern einberufen, di« zunächst zwar Maßnahmen zur Krisenbekämpfung beraten soll,
deren Einberufung wohl aber auch von wahlpropagandistischen Erwägungen diktiert ist. Industrie-- und Wirtschaftsführer der sämtlichen 12. Fe- deral-Reserve-Dankdistrikte werden vor allem zu erörtern haben, wie man die in den von Hoover am 21. Juli unterzeichneten Gesetz zur DeLmp- fung der Arbeitslosigkeit gegebene Ermächtigung zur Bereitstellung von SKittdn im Gesamtbetrag« von 2,1 Milliarden Dollar auf dem Wege zusätzlicher Kreditschaffung in möglichst zweckentsprechender Weise ausw'krten kann. Auch die Ausdehnung der K r e d i t m v g - lichkeiten f ü r die Landwirtschaft wird Gegenstand der Beratungen sein. Schließlich ivird man auch Über Möglichkeiten der Konsuim- finanzierung sich auseinandersetzen.
Aus aller Welt.
Die hebungsarbeiten an der „Niobe".
Wie die Marinestation der Ostsee in Kiel mitteilt, ist das Wrack des Segelschulschiffes „Ni- o b e", nachdem sämtliche Hebetrossen angebracht worden sind, von dem Hebeschiff angehoben und unterWasser abtransportiert worden. Wegen des schweren Ballastes muhte jedoch das Schiff zwei Seemeilen westlich der Llnfallstelle wieder auf Grund gesetzt werden. Solange der Seegang es erlaubt, wird die Llebersührung des Wracks nach Kiel fortgesetzt.
Neue Erfolge Marconis
auf dem Gebiete der Surzwellenforschung.
Nach einer Mitteilung M a r c o n i s ist es ihm gelungen, mit einer L! l t r a k u r z w e l l e von nur 57 Zentimeter die bemerkenswert große Entfernung von 27 0 Kilometer zu überbrücken. Es glückte nicht nur die Llebermitt- lung funktelegraphischer, sondern auch radiotelephonischer Mitteilungen. Damit ist, wie Marconi feststellt, der Beweis erbracht, daß man sich mit Kurzwellen auf größere Distanzen verständigen kann, als dies infolge der Erdwölbung theoretisch möglich sein sollte.
Deutscher Dampfer in der Galveston-Vai cuf gelaufen.
Der deutsche Dampfer „D i t m a r k ö l" ist wäh» renb eines Orkans in der Einfahrt in die Galve- ston-Bai (Texas) aufgelaufen. Der Dampfer gehört der Hanseatischen Reederei-A.-G., ist im Jahre 1915 gebaut und hat 5088 Bruttoregistertonnen Inhalt.
Versuche mit einem „Abflur;sicherungs"-Flugzeug.
Der französische Erfinder Albert S a u v a n , der ein Flugzeug mit doppelt ineinandergeschachtelter Kabine gebaut hat, durch die di« Gefahren des Absturzes beim Aufprall auf den Erdboden nach seiner Berechnung vollkommen beseitigt werden sollen, hat in den Bergen bei Nizza im Verlauf seiner Versuche einen An- f a l I erlitten und sich den Arm gebrochen Er lieh sich mit seiner Maschine 25 Meter tief abstürzen. Durch einen unglücklichen Zufall kam das Flugzeug schlecht ab und überschlug sich vor dem Aufprall. Die Kabine zersplitterte auf dem Felsgrund, doch bestätigten sich die Voraussetzungen des Erfinders insofern, als er sich ohne jede Hilfe aus den Trümmern befreien konnte. Der anwesende. Arzt stellte einen Bruch des linken Armes fest, was dem Erfinder angesichts seiner sonstigen Llnversehrtheit und des seiner Meinung nach gelungenen Versuches wenig zu bedeuten schien.
versuchter Raubüberfall in Düsseldorf.
Sn ein Wettbureau an det Königsallee In DÜss eldorf trat dieser Tage ein Mann in dem Augenblick ein, als sich der Raum von Besuchern geleert hatte, hielt dem Angestellten am Kassenschalter einen pistolenähnlichen Gegenstand
entgegen und versuchte mit den Worten „H Ln.de hoch!" die auf dem Tisch stehende Geldkassette zu rauben. Als der Räuber sah, daß die Angestellten ihm entgegentreten wollten, ergriff er die Flucht. Er wurde jedoch einge-holt und f e st g e n o m m e n. Es stellte sich heraus, daß der Räuber bei seinem Borhaben eine kurze Pfeife in der Hand hatte, womit er den Eindruck erwecken wollte, als habe er einen Revoltier.
Zwei Sportler vom Blitz erschlagen.
Ein schweres Unglück ereignete sich während einer Sportveranstaltung der Freien Sportverbände Lisppe auf dem städtischen Sportplatz in Lemgo. Der er ste Blitzschlag eines heftigen Gewitters traf in eine Gruppe von Fußballspielern, von denen zwei sofort getötet und sechs erheblich verletzt wurden.
Der „Loburger Schinderhanner" festgenommen.
Der seit mehreren Wochen aus dem Bayreuther Gefängnis entwichen« Einbrecher Jörg Bauer n f a ch s, der sich seit dieser Zeit in der ober- fränkischen Gegend herumtrieb und in verschleißenen Orten Einbrüche, besonders in Leben-S- mittelgeschäfte, verübte, wurde in den letzten Tagen zur Strecke gebracht. Der Kronacher Gendarmerie war es bekannt, daß sich Dauernsaäjs in einem nahegelegenen Wald versteckt hielt. Als man ihn dort aufstöberte, und Bauernsachs ans dem Llnterholz herauskam, schrie ihm der Kori- missar Müller zu: „Hände hoch!" Bauernsachts zog sofort die Pistole. Die Beamten kamen ihin
Zum 60. Geburtstag des Komponisten von Hausegger.
Siegmund von Hausegger, der Komponist sinfonischer Dichtungen und Chorwerke, langjähriger Leiter der Akademie der Tonkunst in München, begeht am 16. August seinen 6 0. Geburtstag.
Nix! Ich hab dich schon vorgestellt, komm." Lind nun kugelte aus dem sich langsam senkenden Flugzeug etwas heraus, was ganz zusammen- gedrückt drin untergebracht gewesen. Es war der Clown Nix.
Fix krähte freudig auf, und dann dauerte es kein« fünf Minuten, da hatte Lil, wie überall, durch ihre Bewegungen, ihre Art zu sprechen, durch den tollen Ansinn, den sie von der Bühne hinunterrief, und ihre fabelhafte Korpergewandt- heit schon vollständig die Gunst des Publikums. Es ging von dem schmalen, jungenhaften Persönchen eine solche Macht aus, daß sie alle, die sich in dem großen Saal befanden, in ihren Bann zog.
Der Clown Nix ergänzt« Fix geschickt und geschmeidig. Niemand hätte geglaubt, daß Nix schon über siebzig Jahr« alt war und daß ihn der Direktor von einem kleinen Wanderzirkus nicht mehr hatte haben wollen. Man lachte über „Fix" und lachte über „Nix", den Schatten des kleinen Hauptclowns. Lachsalve ■ auf Lachsalve brach los, und das Publikum raste laut vor Beifall, als beide auf Steckenpferden abtraten.
Sn einer der mittleren Saalreihen saß Werner Sturm. Es hatte ihn hierher gezogen, er hatte Lil sehen wollen. And nun hatte er sie gesehen. Nicht au vergleichen war das, was sie jetzt bot, mit dem, was sie vor Jahren hier auf der gleichen Bühne in der Wohltätigkeitsvorstellung geleistet. Lil konnte viel, sie verdiente den Beifall, der noch anschwoll, als die beiden Clowns wieder auftauchten und sich tief verneigten.
Sie fangen beim Abmarschieren:
3d) bin der Fix! Fix! Fix!
Das ist der Nix! Nix! Nix!
Wir beide machen dumme Tricks!
Tricks! Tricks!
Die einförmige Melodie, aufreizend durch die dreifache Wiederholung des letzten Zeilenwortes, hämmerte sich den Zuschauern ein. Werner Sturm starrte auf die Bühne, auf die der Beifall des Publikums die Clowns noch einmal zurückgeris-- sen, und er sann: Warum war er eigentlich hier und fühlte sich totunglücklich, weil ihm dieser toll geschminkte kleine Bursche, der sich da oben auf der Bühne eben so blödsinnig verrenkt verbeugte, nicht glaubte und ihn für einen berechnenden Menschen hielt? Warum litt er deshalb? Was kümmerte ihn das possierliche Kerlchen, das hier vor den Leuten, die ihre Plätze bezahlt hatten, albern« Witz« riß, Purzelbäume schlug, allerlei Musikinstrumente malträtierte und wie eine Katze zu klettern verstand?
Ein Narr war er, darüber Schmerz zu empfinden, weil er von einem Allerweltsclown für einen Lügner gehalten wurde. Er erhob sich, das weitere Programm interessierte ihn nicht mehr.
An der Garderobe traf er mit Iustizrctt Stoll
zusammen. Beide Herren reichten sich die Hände und Stoll meinte: „Nach der Nummer möchte ich nichts anderes mehr sehen und mir die Freude verderben. Herrlich war das eben, nicht wahr, Herr Doktor?"
Die dicke Garderobenfrau, die Werner Sturm eben seine Sachen reichte, mischte sich ein: „And wissen Sie auch schon, meine Herren, daß der kleine Clown Fix eine Dame ist? Kaum glaublich, was? Ich habe sie gesehen, als sie vor ein paar Tagen morgens die Bühne ansah und allerlei Anordnungen gab.“
Weil beide Herren sie ansahen, glaubte sie ihnen etwas ganz Neues zu erzählen und fuhr wichtig fort: „Fix ist wirklich eine junge, schöne Dame und sie sieht so fein und vornehm aus wie ’ne Prinzessin. Sie soll sogar von hier, aus Frankfurt, stammen und in der Bockenheimer Landstraße ein Haus haben, wo so viele Leute mit dem großen Portemonnaie daheim sind."
Der Iustizrat staunte: „Kaum zu glauben ist daS!"
Draußen summte er, neben Werner Sturm hergehend:
Ich bin der Fix! Fix! Fix!
Das ist der Nix! Nix! Nix!
Wir beide machen dumme Tricks!
Tricks! Tricks!
Er lachte: „So ein Blech behält man und wich- hge Sachen vergißt man! Aber das ist ja auch der Zweck von dem Blech, man soll's behalten. Auf diese Weise behält man auch ,Fix und Nix. Wollen wir irgendwo zusammen ein Glas Wer trinken, lieber Doktor, ich habe noch gar keine Lust, nach Hause zu gehen."
Werner schwankte flüchtig, dann bejahte er. Ihm graute plötzlich vor seiner stillen Wohnung, vor seinem stillen kleinen Haus in der Lindenstraße, es war gut, wenn er noch ein Stündchen verplauderte. Es kam ja gar nicht darauf an, was man redete, wenn er nur noch nicht allein bleiben brauchte.
And dann sahen si« in einem sehr besuchten Bierrestaurant der Innenstadt und unterhielten sich, wie sich zwei Menschen unterhalten, die sich gut kennen, ohne näher befreundet zu sein. Der Iustizrat sprach nicht mehr von Lil, da er ja toufjte, Werner Sturm war ihr Vetter, war fast ihr Verlobter gewesen, und aus dem Hause seiner Mutter, das SBerner Sturm jetzt gehörte, war Lu eines Tages davongelaufen. Es war besser, Lil nicht meh^x zu erwähnen.
Er sagte: „Ich freue mich, lieber Herr Doktor, daß Sie nun sorglos an Ihr Krankenhaus den- ken können, der reiche Herr Gruber wußte Ihnen 9.ut richtig dafür zu danken, daß Sie ihm die gelahmte Frau wieder frisch und lebensfroh machten."
Aeber QBerner Sturms Gesicht glitt ein heller Schein.
„Ich bin auch herzensfroh, Herr Iustizrat, namentlich, weil ich mich fortan auch viel um armer« Patienten kümmern kann. Die halbe Million macht mich in dieser Beziehung so wundervoll frei, und mein Krankenhaus wird alle notwendigen Hilfsmittel in vollkommenster Ausführung erhalten."
Nach ungefähr einer Stunde brachen die Herren auf. Sie trennten sich nach verschiedenen Richtungen, und Werner Sturm ging langsam heim. Er dacht« daran, daß er neulich mit wenigen Worten Lil hatte beweisen können, wie wenig ihn ihr Geld kümmerte, er hätte nur mit der Schenkung auft rümpfen brauchen, um den Läster - mund des mißtrauischen Menschen zum Schweigen zu bringen, der auch Lil mißtrauisch gemacht. Slber sein Stolz hatte sich gewehrt. Entweder glaubte man ihm oder nicht, es lag ihm nicht, seine Glaubwürdigkeit erst durch Beweise zu erhärten.
Er ging gerade am Schumanntheater vorbei, als die Vorstellung aus war. Kleine Trupps von Leuten tarnen ihm entgegen, viel untergefahte Pärchen dabei, und er hört« es hier und dort abgerissen auf Gingen: Ich bin der Fix! Fix! Fix.'
Sein Schritt ward schneller, er war ja bald zu Hause. Mit einem Male spürt« er Verlangen nach der Stille feines kleinen Hauses.
Er suchte sofort sein Schlafzimmer auf, er wollte zur Ruhe gehen, er brauchte einen klaren Kopf für feine Kranken. Sein Assistenzarzt der feit kurzem bei ihm wohnte, mußte auch schon zur Ruhe gegangen fein.
Er öffnet« das Fenster und ließ die laue Nacht» !“1* -U"d dann vergaß er, daß er cigent- hd) schlafen wollte und holte Lils Bild hervor das er noch immer sorgfältig aufgehoben. Lange |at) er es an.
Aoren dieses feine Geschöpf und der scheckig geschminkte umherwirbelnde Clown „Fix" wirklich em und dieselbe Person?
Bild. „Lil, ich habe dich lieb!" flüsterte er. „And wenn du mich für den ver- !^ensten und gemeinsten Menschen der Welt a? rAc hnbe dich dennoch lieb!"
r ?ohnte laut auf. Was jroar das nur, was in J0m brannte, was ihm das Herz verbrannte? o;°r b^lte er es ertragen können ohne tocnn auch schwer gewesen, über x-us Slucht weggekommen, und er hatte Celia ^urzmann geküßt und sie seine Braut genannt, ept aber, nachdem er Lil wiedergesehen, wußte er. m Jrl s3u war zu groß, er würde nie
mals über das Leid wegkommen, daß ihr Weg und der ferne weit auseinander führten.
(Fortsetzung folgt)
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Mae! Karl,
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Dicht seit heute einigen Jahren g h be;ug aus die Desto wie sie uns letzt in gegentritt, und Mw zu Dergleichen mt । die Worte: „Was sagen, wenn sie die sehen würden mit verwegenen Kleidun Dlick würden sie Dorrenspossen Frai sagen aber würden sehen haben, welche Umgebung zu geben sie mit einem liebel in den alten Augen die gar keine llugei Poesie des Frauenle! Haus" ist deine We was es heißt, in fein« einen. Weiht nicht Mauern deines Heim es ein Heim des Lebe die ihr tragt, und d gar nicht an; Leben Kleidung verankert, a in der Herzenswohn Ob da eine .gute ( Schmutz hineingetrag Stube mit blinkender Gardinen und Levko Und wie sieht es in da verborgen sorgen, Kindes willen den Haupt brüllen läßt; i W mit Selbstsucht ui tzintchr.wir verbunden sind, baro Dlut, und wir hab dah ihr die natürlü verstehen und erfüll' Großeltern sagen..,
Alles was an w nenleben genau so Aeicherlichen, dw »ch zugestuht h den Haussrauenbe je>n Glück in dem : Manne suchen. Dr Erlichen Krastbew' Awere des Wege ou»e müde, die A Sehnsucht nach eine b'e weichen Arme u liebes Mütterchen" unJ7 ist zu f)
Unsere Jugend e S1 gedeih und Der btr über Saat und
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