ür.164 Frübaussabe
182. Jahrgang
Freitag, 15. Juli 1952
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Deutschland und das Gentlemen Agreement.
London veröffentlicht den Brief des Reichskanzlers über die deutsche Stellungnahme.
London, 14. Juli. (WTB.) Das in den heute hier veröffentlichten Dokumenten zur Lausanner Konferenz enthaltene Schreiben des Reichskanzlers bildet die Antwort auf die nach älnterzeichnung der Schlußakte der Konferenz gegenüber der deutschen Delegation erfolgte Mitteilung von dem sogenannten Gentlemen Agreement. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
„Ew. Exzellen;
bestätige ich ergebenst den Empfang des von Ihnen und den Herren Ehefs der französischen, belgischen und italienischen Delegation unterzeichneten Schreibens, das Sie mir heute nach Unterzeichnung des Abkommens von Lausanne haben zugehen lassen.
Die Ihrem Schreiben anliegende Vereinbarung der vier Delegationen vom 2. d. 2H. bezieht sich auf den Fall einer etwaigen 7! i ch t r a t i s i k a t i o n des Abkommens von Lausanne, mithin auf die gleiche Frage, die auch den Geg^istand der Besprechung der Delegationschefs oer sechs einladenden Mächte am 8. d. 7N. abends bildete. Entsprechend der bei dieser Besprechung getroffenen Verabredung habe ich noch am gleichen Abend in der öffentlichen v o l l s i h u n g der Konferenz eine Frage wegen des in Rede stehenden Falles an den Herrn Vorsitzenden gerichtet, die von ihm sofort im Romen der einladenden Gläubigermäch t e beantwortet wurde.
Unter diesen Umständen halte ich mich für berechtigt, davon auszugehen, daß die Angelegenheit für Deutschland durch meine Frage an den Herrn Vorsitzenden der Konferenz und dessen Antwort maßgebend geklärt worden ist.
Mit dem Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ew. Exzellenz ergebener
v. Pape n." *
In diesem Schreiben des Reichskanzlers wird also festgestcllt, daß die deutsche Delegation von dem Agreement erst nach der Unterzeichnung des Lausanner Vertrages in Kenntnis gesetzt worden ist, und daß für Deutschland nichts weiter gilt als die Erklärung des Präsidenten der Lausanner Konferenz, daß
im Falle der Richtratifizierung eine neue Konferenz ftattfinden muß.
Aus dem Briefe ergibt sich auch, daß diese öffentliche Feststellung Macdonalds sogar auf einer A b - spräche beruht, die vorher zwischen den Hauptmächten getroffen' worden ist.
Was im übrigen die Angelegenheit des Gentlemen- Agreements anlangt, so ist der deutsche Standpunkt hierzu bereits am Montagabend nach Bekanntwerden der ersten Meldungen über das Gentlemen Agreement in einer offiziösen Auslassung eindeutig gekennzeichnet worden. Es wurde daran erinnert, daß
Deutschland es „von vornherein und während der ganzen Dauer der Konferenz aufs entschiedenste abgelehnt habe, irgendeine Verbindung zwischen dem Pakt von Lausanne und den interalliierten Schulden gegenüber Amerika herzustellen, oder sich in eine Frontbildung irgendeiner Art gegen die vereinigten Staaten hineinzwingen zu lassen".
An diesem Standpunkte der Reichsregierung hat sich nichts geändert.
Das englische Außenministerium erklärt.
London, 14. Juli. (WTB.) Zu dem englisch- französischen „Vertrauensabkommen" veröffentlicht Downing st reet heute nachmittag folgende Erklärung:
„Im Zusammenhang mit den Berichten, die über die Auslegung der französisch-englischen Erklärung, zu deren Beitritt andere Regierungen eingeladen worden sind, in Umlauf gesetzt wurden, wird betont, daß die Behauptung, diese Erklärung sei auch auf die b r i t i s ch e n S ch u l d en an Amerika anwendbar, jeder Begründung entbehr t. Die Verwendung des Ausdruckes „europäisches Regime" in der Erklärung schließt ausdrücklich jede Frage aus, die nichteuropäische Länder berührt. Der Premierminister hat die Lage autoritativ in seiner Unterhausrede am Dienstagnachmittag dargestellt, als er erklärte: Angesichts der schädlichen Folgen, die sich aus der Auffassung herleiten könnten, daß in Lausanne Europa sich zusammengetan hat, um eine Art Ultimatum an die Vereinigten Staaten zu unterbreiten, will ich es vollkommen klar machen, daß alles, was Lausanne getan hat, dazu diente, die zahlreichen inneren Schwierigkeiten in Europa einzurenken und Vorschlägen zuzustimmen, die die dort vertretenen Nationen für wesentlich und möglich halten.
Sir Simon unterstreicht.
Genf, 14. Juli. (WTB.) Sir John Simon betonte heute nachmittag gegenüber Vertretern der Weltpresse, daß die englisch-französische Erklärung sich lediglich auf Europa beschränke und
nicht in der geringsten Weise auf außereuropäische Fragen, insbesondere auf die Schuldenfrage gegenüber Amerika, Bezug nehme. Der Gedanke, daß es eine Frontbildung gegen Amerika sei, müsse ganz entschieden zurückgewiesen werden. Sie sei gegen keinen dritten Staat gerichtet, sie sei lediglich eine Aufforderung an die europäischen Völker, in der Zukunft Offenheit anstelle der Geheimhaltung in ihren gegenseitigen Beziehungen zu setzen.
Das Gentlemen Agreement zwischen den Gläubigermächten Deutschlands, so wiederholte Simon, habe mit dieser Erklärung nicht das geringste zu tun. Diese Vereinbarung sei eine ganz natürliche Abmachung, wie sie auch im Privatleben zwischen Gläubigern üblich sei.
Zum Schluß erklärt Sir John Simon, daß in Lausanne keinerlei separate Geheimbesprechungen stattgefunden hätten. Es wäre gut, bei künftigen Schwierigkeiten in Eüropa sich zur Anwendung der Lausanner Methode, die so gute Ergebnisse gezeitigt habe, zu entschließen, statt Geheimbeziehungen einzufädeln, die Dritten schaden könnten.
Weitere englische Veröffentlichungen.
London, 14. Juli. (WTB.) Es hat hier großes Aufsehen erregt, daß in Paris bereits heute vormittag der gesamte Wortlaut des „Dertrauensabkommens" zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und Belgien über die Kriegsschulden veröffentlicht worden ist.
Zu der auf der Lausanner Konferenz erzielten Regelung wurden heute nachmittag hier weitere Dokumente veröffentlicht, und zwar:
Erstens: das Protokoll über die Berem» barung vom 2. Juli,
zweitens: die Begleitnote, die an Reichskanzler - "'n Papen mit diesem Protokoll gesandt worden ist,
drittens: das Antwortschreiben des Reichskanzlers vonPapen vom selben Tage auf diese Rote,
viertens: eine Erklärung aus der vierten Plenarsitzung der Lausanner Konferenz vom 8. Juli, auf die in der Antwort des Reichskanzlers von Papen Bezug genommen worden ist,
fünftens: Schreiben des Schahkanzlers an die Finanzminister Frankreichs und Italiens über die französischen und italienischen Schulden an das Bereinigte Königreich,
sechstens: die Erklärung des Staatssekretärs Simon auf der Schlußvlenarsihung der Lausanner Konferenz vom 9. Juli über die Kriegsschulden der eingeladenen Mächte an das Bereinigte Königreich und schließlich
siebentens: die bekannte Erklärung der britischen und der französischen Regierung vom 13. Juli, die die künftige europäische Zusammenarbeit zum Gegenstand hat.
Paris sagt:
Doch feine entente cordiale
Paris, 14. Juli. (WTB.) In parlamentarischen Kreisen Frankreichs zeigt sich heute eine gewisse Neigung, das sogenannte „D e r t r a u e n s" - A b - kommen weniger gefühlsmäßig als realpolitisch zu beurteilen. Die erste Verlautbarung über das Abkommen war vom Gefühl diktiert; denn in der halbamtlichen Meldung befand sich die Erwähnung des Wiederauflebens der entente cordiale, die bei näherer Betrachtung des offiziellen Textes kaum aufrecht erhalten werden kann.
Der einzige realistische Punkt, so meint man hier, ist Punkt 4, der sich auf den Abschluß eines neuen englisch - französischen Handelsvertrages bezieht.
। hier liegt der Prüfstein für die Beziehungen der | beiden Länder nach dem, was hinsichtlich der Dis-
Oer Reichstagswahlkampf.
Aufruf der Fuldaer Bischofskonferenz
Fulda, 14. Juli. (TTl.) Die Mitglieder der Fuldaer Bischofskonferenz erlassen folgenden Aufruf zur Reichstagswahl:
„Die bevorstehenden Wahlen der Abgeordneten zum Deutschen Reichstag sind nicht nur in politischer Hinsicht, sondern auch wegen des Einflusses der gesetzgebenden und Regierungsgewalten auf Förderung und Schutz der religiösen Interessen und Stellung der Kirche im öffentlichen Leben von großer Bedeutung. Das legt allen katholischen Christen die vaterländische Pflicht auf, von ihrem Wahlrechte so Gebrauch zu machen, wie es der Verantwortung des treuen Staatsbürgers und treuen katholischen Christen entspricht.
Wählt Abgeordnete, deren Charakter und erprobte Haltung Zeugnis gibt von ihrem E i n - treten für Frieden und sozialeWohl- fahrt des Volkes, für den Schuh der konfessionellen Schule, der christ - lichen Religion und der katholischen Kirche. Hütet euch vor Agitatoren und Par-, teien, die des Vertrauens der katholischen Kirche nicht würdig sind. Schöpft eure Belehrung aus bewährten katholischen Blättern.
Das ist die Mahnung eurer Bischöfe, die dem politischen Parteienkämpfe den Eintritt in das Heiligtum der Kirche verwehren, aber an Ereignissen, die für Vaterland und Kirche von so tiefer Bedeutung sind, nicht ohne ein Wort der Mahnung vorübergehen wollen."
Abg. Kube über die Stellung der RSDAp.
Schneide m ühl, 14. Juli. (CNB.) In einer nationalsozialistischen Wahlkundgebung polemisierte der Gauleiter und Führer der Landtagsfraktion der NSDAP., Wilhelm Kube, sehr scharf gegen das Zentrum und die SPD. Er betonte, daß heute der Wahlkampf nicht um das Kabinett Papen gehe, sondern um die Abrechnung mit der Politik Brünings im Reiche und der Politik Brauns in Preußen. Das erste Gesetz, das nach der Reichstagswahl geschaffen werde, heiße: Beamte dürfen nicht mehr dem Marxismus angehören. Zwischen SPD. und NSDAP, werde auf legalem Wege eine Auseinandersetzung kommen mit der natürlichen Folge, daß für die SPD. im Dritten kein Platz mehr sei. Die Rechtsprechung müsse unantastbar von jeder politischen Beeinflussung sein. Eine Koalitrons- politik mit dem Zentrum einzugehen, weigere sich die NSDAP, hartnäckig. Zu der Amnestteftaae in Preußen erklärte Kube, daß der Einspruch des Preußischen Staatsrates keine Wirkung haben werde, schon deshalb, weil der Staats rat aus Sparsamkeitsgründen aufge-
l ö ft werde. Weiterhin nahm der Redner Stellung zur Reichspolitik und erklärte, daß die NSDAP, die Außenpolitik von Lausanne ablehne. Mit dem Reichswehrminister v. Schleicher erklärte sich Kube vollständig einverstanden, da defsen Politik, Stärkung des deutschen Wehrwillens, in vollem Einklang mit den Forderungen der Nationalsozialisten stehe. Zu der Frage „Reich und Länder" äußerte sich Kube dahin, daß er der Meinung sei, die Länder müßten gewisse Rechte wahren. Er verwahrte sich aber aufs schärfste gegen Partikular! sierungsbe- ftrebungen. Zum Schluß erklärte der Redner, daß eine Koalitionsregierung nach den Reichstagswahlen unmöglich fein werde.
Propagandaflug
Hitlers durch Deutschland.
München, 14. Juli. (ERB.) Wie der „Völ- kische Beobachter" ankündigt, wird Adolf Hitler morgen im Flugzeug eine Reise durch ganz Deutschland antreten. Er wird in den beiden kommenden Wochen mehr als 50 mal in Wahlvers arnrnlungen sprechen.
Sozialdemokratischer Protest gegen die Reichsregierung.
Berlin, 14. Juli. (TU.) Otto -Leis und Rudolf Breitscheid sandten heute morgen nachstehendes Telegramm an den Reichspräsidenten o. Hindenburg nach Neudeck: „Die Unterzeichneten, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, und Vorsitzender der bisherigen sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, erheben schärfsten Protest gegen d i e Politik der Neichsregierung, die innerhalb von sechs Wochen nicht zuletzt durch ihre Aufhebung des SA.- Verbotes und die Freigabe ihrer Uniform bürgerkriegähnliche Zustände in ganz Deutschland ausgelöst hat.' Die täglich wachsende Zahl von Toten und Schwerverletzten stellt die furchtbarste Anklage gegen eine Politik dar, die bestimmt wird durch offenkundige Begünstigungen gegenüber der verfassungsfeindlichen NSDAP. Die sechswöchige Bilanz des neuen Kurses ist gekennzeichnet durch eine Herabsetzung der Existenzberechtigung der Millionen unter die Hungergrenze, durch eine Verwilderung der politischen Sitten, die vor dem Leben der eigenen Volksgenossen und vor der Ehre wehrloser Frauen nicht Halt macht, durch eine Erschütterung der Reichseinheit und jeder Staatsautorität, wie sie selbst in den schlimmsten Nachkriegsjahren nicht in Erscheinung getreten ist. Das sind die Folgen einer fortgesetzten Begünstigung verfassungsfeindlicher Kräfte, während die Bemühungen verfassungstreuer Länderregierungen, Ordnung und Ruhe aufrechtzuerhalten, durch Maßnahmen der Reichsregierung durchkreuzt werden. Die Fortsetzung des bisherigen Kurses beschwört unabsehbare Gefahren für Reich und Volk herauf. Wir ermahnen vor aller Welt in letzter Stunde zu grundsätzlicher Umkehr."
krimination auf beiden Seiten in den letzten Monaten sich ereignet hat. Es handele sich bei dem englisch-französiichen Abkommen also weder um eine entente cordiale, noch um etwas ähnliches, sondern um einen Akt, um Verhandlungen mit den Regierungen über ihren Friedenswillen anzubahnen und den Wunsch zum Ausdruck zu bringen, durch gemeinsame Verständigung eine Grundlage für eine
europäische Zusammenarbeit
zu finden, ähnlich der, die in dem bekannten Manifest des verstorbenen Außenministers B r i a n d zur Bildung der Europa-Union enthalten war.
Italien tritt bei.
London, 14. Juli. (WTB.) Der italienische Geschäftsträger in London hat dem Foreign Office mitgctcilt, daß seine Regierung sich in voller Liebereinstimmung mit den in der Erklärung vorn 13. Juli dargelegten Gedanken europäischer Zusammenarbeit befindet und sehr gern ihren Beitritt zu der darin vorgeschlagenen Art der Behandlung europäischer Probleme vollzieht.
Linter der LIeberschrist „Ein nützlicher Vorschlag" begrüßt „Giornale d'Jtalia" mit großer Befriedigung die englische Initiative für ein Konsultativabkommen unter den europäischen Staaten. Das Blatt hebt besonders den Passus des amtlichen Reuter-Kommentars hervor, in dem, wenn auch nur als Beispiel, die Revision des Versailler Vertrages angeführt ist.
„Tribuna" spricht den Wunsch aus, daß auch Deutschland dem Abkommen zu- stimme, nachdem die deutsche Delegation mit ähnlichen Vorschlägen nach Lausanne gekommen sei, um sich jene Gleichheit der Prüfung und Beratung in den Hauptfragen zu sichern, die es voll und ganz erreichen wolle. Das Blatt weist auf die Gegensätze in der englischen und der französischen Auslegung hin, die sehr ernst zu nehmen seien.
Deutschland zum Beitritt ausgeforderi.
Berlin, 14. Juli. (TU.) Der Text des am gestrigen Mittwoch im Unterhaus bekanntgegebenen englisch-französischen Abkommens ist dem deutschen Geschäftsträger in London übermittelt worden mit der Ditte der englischen Regierung, dem Abkommen beizutreten.
Ruhige Beurteilung in Amerika.
Washington, 14. Juli. (WTB.) Das Staatsdepartement sieht das Abkommen zwischen England und Frankreich, gegen das die Hearst-Zeitungen von allen Hauptstädten aus als eine neue entente cordiale scharf agitieren und das sie a'd Versuch verurtei'en, Amerika zur Streichung der Kriegsschulden zu zwingeir, bei weitem nicht als das finstere Komplott an, als das es von gewissen „Die- Hards" hier und anderswo Eingestellt werde. Amerika habe Europa seit Jahren ermahnt, sich zu einigen und seine politischen Prpbleme zu bereinigen. Es wäre demnach sowohl inkonsequent, als auch töricht, wenn man diesen endlich erfolgten Schritt zur Beseitigung von Mißtrauen und Zwietracht kritisiere.
Die (Einigung mit Deutschland und die (Einigung zwischen England und Frankreich seien gewaltige und bewundernswerte Leistungen,
die nicht eine feindliche Einheitsfront gegen Amerika zu bedeuten brauchten. Im Gegenteil, die Verständigung zwischen Frankreich und England helfe auch Amerika, indem sie wahrscheinlich Frankreichs Wunsch nach Sicherheit größtenteils befriedige und zu Zugeständnissen in der Rüstungsfrage geneigter mache. HrantteichsSchulden an England
Paris, 14. Juli. (WTB.) Das französische Außenministerium veröffentlicht den Text des Briefes, den der englische Finanzminister Chamberlain an den französischen Finanzminister Germain-Martin bezüglich der französischen Schulden gerichtet hat:
„Englische Delegation auf der Lausanner Konferenz 8. Juli 1932.
Die englische Regierung wäre sehr glücklich gewesen, wenn es möglich gewesen wäre, die Kriegsschulden Frankreichs in einem Gesamtplan der allgemeinen Annullierung der Schulden und Reparationen zu streichen. Die englische Regierung bedauert, unter den gegenwärtigen Am ständen keine definitive Maßnahme zur Abänderung des englisch-französischen Abkommens über die Kriegsschulden ergreifen zu tonnen. Sie ist jedoch damit einverstanden, daß die durch die Erklärung der Mächte vom 16. Juni vorgesehene Zahlungsaussetzung sich auch auf die Annuitäten des französisch-englischen Schuldenabkommens und auf die Bestimmungen des Anhangs 1 zum Haager Abkommen rom 31. August 1929 erstreckt oder bis entschieden fein wird, daß dieses Abkommen nicht ratifiziert wird. Im Falle einer Richtratifi- z i e r u n g des Lausanner Abkommens wird die legale Stellung aller interessierten Regierungen untereinander wieder dieselbe werden, wie sie nach den Bestimmungen des Haager Abkommens vom 20. Januar 1930 und nach dem englisch-französischen S ch u l de n a b komme n bestand. In diesem Falle hatten die englische und die französische Regierung gemeinsam die dadurch de facto geschaffene Lage zu prüfen."


