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fir. 138 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Hiiftrooct), 15. )unt (952
Aus der Welt des Films.
Film und Mode.
Von Jrene Parker
Nur wenige Jahre ist es her, da sagte der Filmregisseur au seiner Hauptdarstellerin, wenn er ihr das Drehbuch des neuen Films überreichte: „Also. Sie brauchen da eine große Abendtoilette, zwei Tee kleider, ein Straßenkostüm, na, und was sonst so dazu gehört." Damit war die Toilettensragc für ihn vollkommen erledigt, und die Wohl der einzelnen Toiletten blieb dem Geschmack und Gefühl der Künstlerin überlassen
Kam dann der Film noch einigen Monaten heraus, so konnte es wohl geschehen, daß die Kostüme veraltet waren oder unkleidsam wirkten oder daß gar ihr Stil nicht zu der dargestelltcn Rolle passen wollte. So trug vielleicht die junge Filmprinzessin auf dem Hofball ein Kleid, das in seiner übertriebenen Eleganz eher in eine Bar oder ein mondänes Tanzlokal gehört hätte. '
Wie anders ist es heute! Die Wechselwirkung zwischen der verseinerten Filmtechnik und dem verwohnten Geschmack des Publikums hat zuwege ge- bracht, daß auch die Modefragc nicht mehr oernach- lässig! wirb.
In langen Regiefitzungen wird darüber lebhaft diskutiert. Produktionsleiter und Realstem- vertan- gen. daß die Toiletten auch noch noch einem Jahr, wenn der Film in der Provinz läuft, modern fein müssen.
Der Kameramann hat ebenfalls ein wichtiges Wort bei der Auswahl der Kleider, besonders ihrem Schnitt und ihrer Farbe, mitzusprechen, hat er doch, wie kaum ein anderer, Gesicht und Gestalt der Schau, spielerin studiert und weiß deshalb genau, welche Stosse für sie gewählt werden müssen, ob ihr IrjP den schmeichelnden Pelz, zarte Federn und sliehende Seide benötigt, ober ob sie ganz schlichte, nur auf .Linie" gestellte Toiletten tragen soll.
Ja, selbst der Architekt hat mitzureden, denn wenn die Heldin in einer hypermodernen Atelierwohnung mit Stahlmöbeln und futuristischen Bildern lebt, wird sie natürlich anders gekleidet sein müssen, als wenn sie ein behagliches Stübchen mit Biedermeier- möbeln und Kanarienoagelkäsig bewohnt
Da nun heute bie Modensrage so wichtig geworden ist, sind in allen Ländern der Well die größeren Filmgesellschaften dazu übergcgangen, Modefach. leutc und Kostümzeichner zu Rate zu ziehen, die cs oerstehen, die Toiletten der Schauspielerinnen den verschiedenen an sie gestellten Forderungen anzu- passen und dabei vor allen Dingen auch der persönlichen Eigenart der betreffenden Künstlerin gerecht zu werden So sind z. D- in dem Erich-Pommer-Ton- film „Der Sieger" bie Toiletten ber Hauptbarstellerin Käthe von Nagy von einem bekannten Berliner Modckünstlcr entworfen worben, ber es vortrefflich verstanden hat, das Wesen ber kapriziösen arnerika- Nischen Millionärstochter, bie gewohnt ist, alle ihre Wünsche erfüllt zu sehen, burch bie Art ber von ihr getragenen Toiletten zu unterstreichen
Ader nicht nur bas, es ist ihm auch gelungen, biese Toiletten dem ureigensten Stil Käthe von Nagys auf bas vorzüglichste anzupassen, so baß ihr interessanter Typ, die rassige und scharmante Eleganz ihrer Per- sönlichkeit. dadurch auf das wirksamste hervorgehoben wird.
Der Pariserin macht es nichts aus, wenn eine andere Frau ein Kleid nach dem gleichen Schnitt und aus dem gleichen Stoff trägt wie sie. Im Gegenteil. sie pflegt sogar recht stolz darauf zu sein, bestätigt cs ihr doch, daß sie einen guten Geschmack besitzt.
Wie stolz könnte jetzt Käthe von Nagy sein, ist doch in mehreren Modegeschästen des Berliner Westens das Kostüm mit dem aparten Kragen zu sehen, dessen Original sie in „Der Sieger“ in den auf der Rennbahn spielenden Szenen trägt.
Wie populär dieses Kostüm der beliebten Künstlerin geworden ist, erweist sich auch daraus, daß mir am ersten warmen Frühlingstage auf dem Kur fürftenbamm gleich zwei Damen begegneten, bie Kleiber nach biefem Schnitt trugen.
Noch auf einem anberen Gebiete scheint Käthe von Nagy ein Mobevorbilb geworben, war sie es boch, die in Deutschlanb bie „Winbstoßsrstur" lancierte, unb zwar burch „Ronny".
Käthe von Nagys Beispiel steht nicht allein ba. Es sei baran erinnert, wie viele Frauen unb Mäbchcn ihre Schwärmerei für Greta Garbo baburch zum Ausbruck bringen, baß sie beren Frisur genau kopieren, unb baß es heute in Berlin unb vielen anberen beutschen Stäbten kaum ein rothaariges
junges Mädchen gibt, bas sich nicht ben Haarschnitt von Dolln Haas zu eigen macht, genau so, wie eine Zeitlang fast jede rothaarige Amerikanerin mit ihrer Frisur bem Sorbilb Clara Bows folgte. Der Ein sluh besten, was uns auf ber weißen Wanb gezeigt wirb, ist heute so groß, baß selbst ber historische Film, ber Kostümfilm, bie Tagesmobe maßgebend zu bestimmen vermag. Den deutlichsten Beweis hierfür bildet der Film „Der Kongreß tanzt“, der bekanntlich zur Zeit des Empire spielt. Dieser Film zeigte den Frauen von heute, wie kleidsam die Mode jener Zeit gewesen ist. Freilich, wer hatte diese graziösen Kleider auch besser zur Geltung bringen können als die zierliche Lilian Harvey, die ja selbst wie ein Nymphenburaer Porzellanfigürchen aus der Zeit um 1815 wirkt. Aber ohne den Kongreß-Film hätten wir kaum Gelegenheit gehabt, uns an den vielen lichten Ballkleidern im Empireschnitt zu erfreuen.
in denen die jungen Mädchen auf den Bällen des vergangenen Wimers den ebenfalls durch den Äon- grcgfilm wieder zu neuem Leben erweckten Walzer tanzten
Daß man heute keiner Frau ein größeres Kompliment machen kann, als wenn man ihre Aehntichkeit mit einer berühmten Filmschauspielerin konstatiert, ist bekannt. Aber ebenso, wie die Frauen das Aussehen der Filmstars beobachten, beginnen sie jetzt, sich die Filme auf Modentips hin anzusehen. Immer häufiger hört man im Kino, wie eine Dame zu ihrer Freundin sagt: „Siehst du. so lass' ich mir mein neues Kleid arbeiten " Unb vielleicht finb auch wir in Deutschlanb bald so weit, daß man, wie es in Amerika schon geschieht, nach ben Kleibern beliebter Filmkünstlerinnen Schnittmuster in ben Hanbel bringt, so daß sich jede Frau ihr Kleid ä la Lilian ober Käthe selbst schneidern kann.
Die Zauberbude des weißen Mnnes.
Besuch in einem afrikanischen Kino.
21m 6nb< einer jener wunderlichen afrikanischen Straßen, die halb wie ein Dors und halb wie ein Lager ausschen steht eine große Wellblechbude, von kleinen Läden eingeschlossen, in denen man billige Lebensmittel au kaufen bekommt und eS
auf daS Programm, das einen uralten Film von Chaplin und ein aufregendes romantisches Drama
nach fauligem Fisch riecht. Die Eingeborenen.nennen dieses Gebäude, das mit grellbunten Bildern an allen Wänden verziert ist, die Zauberbude des weißen Mannes. Es ist das Kino des Ortes, das von zwei unternehmenden Europäern, einem Deutschen und einem Schotten, geleitet wird. Rings um die Tür flaut sich schon lange vor Beginn der Vorstellung eine Masse von Eingeborenen die die Weißen sehen wollen, die sich h> er belustigen. .Wir werden zu unfern Sitzen- hoch- lehnigen harten Stühlen geführt", fo schildert ein Besucher dieses Kino in einer Londoner Wochenschrift. .Die Füße stehen auf bem harten Lehmboden. Ein beredter, überhöflicher amerikanischer Gentleman, tadellos gekleidet, macht uns seine Verbeugung. Die eine Seite des Gebäudes ist den Europäern Vorbehalten. Die Wände sind mit den Fahnen aller Rationen geschmückt, und Windlampen leuchten unter buntfarbigen Schirmen hervor. 2Iuf der andern Seite befindet sich eine Anzahl von Sitzen, die den unseren ähnlich sind. Hier Darf die Elite der afrikanischen Gesellschaft Platz nehmen. Manche der Männer kommen in Frack und weißer Weste andere in kurzen Hosen Die Damen tragen ebenfalls europäische Toiletten. Hinter diesen bevorzugten Plätzen sind die Bänke, auf denen sich die Masse drängt. Regermütter mit schreiend bunten Handtüchern um den Kopf geschlungen. die dicken Leiber in die lustigsten Farben eingehüllt, plappern hier miteinander, während die kleinen Regerle n auf ihrem Rücken hocken, die Arme um den HalS geschlungen. Dazwischen indische Frauen, deren schöne Augen aus dem halb verborgenen Gesicht hervorleuchten. Junge Leute, die eine Art Sportkleidung tragen, pfeifen andern schwarzen Gefährten zu, die nur mit einem Lendenschurz bekleidet sind. Alle harren gespannt
von Valentina verspricht.
Plötzlich verglimmen die Lichter, es wird dunkel. Das Orchester beginnt mit einem ohrenbetäubenden Lärm. 2ln dem Klavier ist höchstens die Hälfte der Roten in Ordnung, die anderen geben nur rauhe Schwirrtöne von sich; der Geiger ist mehr Akrobat als Musiker. Seine Körperverrenkungen erregen die allgemeine Bewunderung, und manchmal kann er aus körperlicher Erschöpfung nicht weiterfpielen, was den europäischen Ohren ein wahres Labsal bedeutet. Das schwarze Publikum begleitet den Lärm der Musik mit Lachen, Schreien und Johlen, daS immer stärker anwächst, je aufregender die Szenen auf der Leinwand werden. Manchmal stürzt ein wild gestikulierender Schwarzer nach der Leinwand vor, um seinen Helden oder seiner Heldin aus drohender Gefahr zu retten, ober er ruft ihnen eine gut gemeinte Warnung zu. Er wird rasch wieder auf feinen Platz befördert von einem schwarzen Riesen, dessen kurze Khakibeinkleidcr und mit Messingknöpfen verzierte Jacke eine Uniform barftellen, und den andern Respekt einflößen. Es ist der Schuhmann, der auf Ordnung zu halten hat. Er versieht sein Amt vortrefflich, bis er, ebenfalls von dem Zauber der Leinwand hingerissen, feine Würde und Verantwortung verliert und in die gellenden Rufe, die Schreckenöschreie und die tiefen Seufzer der anderen einftimmt. 3e Wetter die Vorstellung fortgeht, je wilder der Lärm der bingeriffenen Zuschauer zu dem niedrigen Dach aufsteigt, desto furchtbarer wird die Hitze. Die Luft ist zum Ersticken heiß. Aber niemand denkt daran, vor dem Ende aufzubrechen. Wir sind alle völlig gebannt von den Filmen. Schließlich ist alles vorüber, und wir treten unfern Heimweg zu unfern Dungalos auf dem Hügel an. Rur noch ein schwacher Lichtschimmer steigt unten von der Stadt herauf, und das dumpfe Dröhnen der Trommeln wird schwächer...“
Marlene Dietrichs Weg.
Vom Konservatorium in die Schauspielschule. — Jahre des dingens. — Das erste Zilmengagement.
Von Henriette pahlen.
Immer von neuem finde! bie Presse ber ganzen Welt Anlaß, sich mit unserer berühmt geworbenen Lanbsmännin Marlene Dietrich zu befassen; neuer- binas ist es ein beunruhigender Anlaß, denn sie hat oerschiebene Drohbriefe bekommen, daß es ihrer kleinen Tochter ebenso ergehen werde wie Lind- berghs Kind. Als der erste dieser Briefe eintraf, tat Marlene Dietrich das, was immer als das unbedingt Richtige bezeichnet wird: sie übergab das Schreiben der Polizei unb bat, bie nötigen Schritte zum Schutz ihres Kinbes zu unternehmen. Die Polizei ließ bann an ber Stelle, bie man Marlene Dietrich angegeben hatte, ein Päckchen nieberlegen, so als wäre barin das verlangte Geld enthalten; aber obwohl man den Platz scharf beobachtete, gelang es nicht, irgendeinen
verdächtigen Menschen in ber Nähe wahrzunehmen. Dann traf bald ein zweiter Brief ein, in dem die anfänglich geforderte Summe verdoppelt wurde, weil sie die Polizei benachrichtigt habe. Die arme Frau ist in die größte Aufregung geraten, und mit ihr bemächtigt sich der ganzen Nachbarschaft tiefe (Erregung. Hoffentlich gelingt es, einen fo schweren Schickfalsschlag von ihr unb ihrer Familie abzu- roenben.
Noch vor wenigen Jahren war Marlene Dietrich froh, wenn sie einmal einen lag als Filmstatistin beschäftigt würbe. Dann ging sie nach Hollywoob, verdient fast anderthalb Millionen ijährlich unb >st heute eine der bekanntesten Filmschauspielerinnen ber Welt.
Ihr Pater war preußischer Offizier, unb 'n ihrem Elternhause wurde Marlene in altpreußischcr Strenge erzogen Sie hatte aber eine große Borliebe für Musik unb hegte immer den Wunsch. Geigerin zu werden, sie übte auch in jeder Minute, bie sie irgenb erübrigen konnte Als ber Krieg ausbram, war Marlene neun Jahre alt. Ihr Vater machte ben ganzen Krieg mit. als er zuruckkehrte, kam bie Inflation unb beraubte bie Familie ihres Besitzes Er muhte sich entschließen, ein kleines Geschäft auszu- machen, um seine Familie zu erhalten.
Zu biefem Zeitpunkt faßte Marlene ben Entschluß, durch die Musik ihrerseits zum Unterhalt der Familie beizutragen, und sie besuchte ein Konservatorium .n Berlin, um sich als Konzertgeigerin auszubilden. Dann jedoch traf sie ein schweres Mißgeschick Durch übermäßiges Uebcn zog sie sich eine Entzündung der Nerven des Handgelenks zu. fo daß es aussichtslos für sie war. auf eine Zukunft als Geigerin zu bauen. Marlene Dietrich lagt darüber: „Die Nachricht brach mir fast das Herz. Ich weinte tagelang. Nichts konnte mich trösten. Mir war, als würde ich nie wieder glücklich sein können. Ich konnte mir keinen anderen Beruf für mich denken Aber als ich wiederhergeftcllt war, entschloß ich mich, Schauspielerin zu werden, da ich nicht Geigerin werden konnte. Dieser Entschluß entsetzte meine Mutter und meinen Vater Eine von Losch sollte zur Bühne gehen! Undenkbar! Aber ich überredete sie, da ich natürlich meinen richtigen Namen nicht nennen würde, und ich beschloß, mich Marlene Dietrich zu nennen. Das war vor zehn Jahren. Ich besuchte die Theaterschule von Max Reinhardt in Berlin unb lernte eifrig. Aber nach wenigen Wochen verlor ich bas Selbstvertrauen. Ich dachte, ich würde nie eine gute Schauspielerin sein, und ich konnte es ebensogut gleich aufgeben unb nicht meine Zeit verschwenden. Meine Eltern unb meine Schwester Elisabeth waren, glaube ich, innerlich froh. Aber sic versuchten, mich zu trösten unb spornten mich an, es noch eine Weile zu versuchen. Ich folgte ihrem Rat, obwohl ich mich jebe Nacht in ben Schlaf meinte, unb wie froh bin ich jetzt, baß ich cs nicht aufgab. denn nach wenigen Wochen wurde mir eine kleine Rolle in einer Neueinstudierung von Shakespeares „Zähmung der Widerspenstigen" gegeben. Diese Rolle schenkte mir neue Hoffnung. Noch acht Tage vorher war ich verdrießlich und reizbar gewesen unb hatte nicht essen können. Jetzt tanzte ich durch das Zimmer und umarmte unb küßte jeden, der mir in den Weg kam. Als ich bie Schule verließ, würben mir einige kleine Rollen in verschiebenen Berliner Theatern gegeben. Später ging ich zur Operette. Ich heiratete, ich arbeitete für ben Fttm, unb dann entdeckte mich Joseph von Sternberg."
In dieser kurzen Schilderung ihres Lebens spricht Marlene Dietrich nicht davon, daß Not sie zunächst auf diesen Weg getrieben hat. Sie erwähnt das auch selten, selbst ihren intimsten Freunden gegenüber. Das Geschäft ihres Vaters ging nicht gut, er geriet in Schulden, und eines Tages erfuhr Marlene, daß seine Gläubiger ihn gezwungen hatten, Konkurs anzumelden. Seine Frau und Elisabeth weinten unaufhörlich. ihr Vater war schwer in Sorge. Marlene aber war tatkräftig. Sie tröstete ihre Angehörigen: „Es wird alles gut werden. Ich bitte bie Gläubiger, daß sie warten sollen. Ich zahle bie Schulben von dem Gelbe zurück, bas ich oerbienen werbe." Sie schrieb sich alle Namen unb Abressen ber Gläubiger auf unb machte sich am nächsten Tage in aller Frühe auf den Weg. Der erste erklärte, nicht warten zu können, aber Marlene setzte ihm auscinanber, baß ihr Vater keinerlei Hilfsmittel habe unb baß im Augenblick nichts gezahlt werben könne. Sie aber sei Schauspielerin unb werde jeden Pfennig zurückzahlen. Der Kaufmann ging darauf ein.
Bei anderen bedurfte sie großer Ucberrebungs fünfte, um sie ihrem. Vorschlag geneigt zu machen. Aber enblich erklärten alle sich bereit, zu warten. Nun begann Marlene Dietrich zu arbeiten. Jeden Monat teilte sie ihr Gehalt in zwei Teile, der kleinere Teil wurde für ihren Unterhalt verwandt, während der größere an die Gläubiger des Vaters gezahlt wurde. Schließlich bekam auch der letzte Gläubiger sein Gelb, und Marlene konnte diesen Tag festlich begehen.
In dieser Zeil versuchte sie immer wieder, beim Film ein Engagement zu bekommen, aber sie fand keinen Beifall; nur gelegentlich einmal durste sie al» Statistin mitwirken Als sie einmal in einer Massenszene mitspielte, erschien die Darstellerin einer kleinen Rolle nicht, unb ber Hilfsregisseur Rubolf Sieber bekam ben Auftrag, unter ben vorhanbenen Statt- ftinnen ben passenden Ersatz zu suchen. Ihm fiel Marlene Dietrich auf, und sie bekam die Rolle, die sie mehrere läge beschäftigte. Nicht lange danach
Aus Berliner Theatern.
OreyerS „Vampyr^-Zilm.
Dor Jahren brachte uns ber französische Film- techniker unb Künstler der Leinwanb. Eh. Th. Dreyer, mit feinem ..Scanne d'Arc'-Füm ein Werk, bas, obwohl es ein gewagtes Experiment unb etwas ganz Eigenartiges war. ungeteilten Beifall fand. Wie keiner vor ihm verstand es bieler Regisseur, das Traumhaft-Visionäre fd- mi'ch zu erfassen. Der Bildstreifen war ein großer Anfang, der weitere beachtliche Arbeiten erwarten ließ. Doch haben wir sehr lange ausharren müssen, bis uns das neue Dreyer-Produkt, der .Vampyr -Film, vorgesetzt wurde. Auch hier wieder hat sich der Franzose einen ganz ausgefallenen Stofs gewählt, mit dem er aber w recht das Milieu ..zwischen Traum und Wirklichkeit bearbeiten konnte. Die Handlung entstammt pri- mittvem Dolksaberglauben: ein weiblicher Vampyr treibt aus dem Grabe heraus werter fern Wesen und verfchasit sich mit einigen Schüfen seinen Blutgenuß. Die Hauptfigur, Allan Gray, ein Träumer und Phantast, erlebt drese Geschichte im Traum und kann gleichzeitig die Vernichtung des Vampyrs getreu der Dolkssage herberfuhr^r, indem er ihn durch einen Hagel im Sarg fest- nagelt und an die Erde heftet, wodurch er unschädlich gemacht ist. Es ist einleuchtend daß dieses T^ma keinen Spielsilm im eigentlichen Sinne abgeben kann, dazu ist dieses Werk Dreyers allzu nervös und zu phantastisch ausgefallen. Es ist sicherlich der sensibelst wirkende Frlm^ den dieser Künstler je geschaffen hat, aber ern Slim, der ohne Rücksicht auf Erfolg und Publikums- beifall ein eigenartiges Kunstwerk ist uno tn seiner Art unbedingt einzig dasteht.
Trotzdem Drever dafür bekannt ist. daß er bei der Auswahl seiner Schauspieler den rüs
tigen Typ „auf den ersten Blick" erkennt, sind ihm diesmal einige Fehlbesetzungen unterlaufen, denn fad und ohne Farbe - bleiben die Hauptgestalt des Träumers Julien West und die Ma- donncngestalt der Rena Mandel. Hervorragend unter ben Darstellern der grausige Vogelkovs des Dorfarztes, den ein Freund Dreyers, 3an Heron i m k 0, in echter Maske gibt. Richt zu vergessen Sybille Schmitz, die in jeder Szene groß ist. Reben der Kunst des Regisseurs darf aber auch nicht die Photographie von Rudolph Mate verge'fen werden, die uns Rachtaufnah- men (gegen Licht!) zeigt, die wohl nicht zu übertreffen sind. Der Fehler dieses Kunstwerkes ist der Ton — nicht die Musik von Wolfgang Zeller, die für diesen Fümstofs wie geschaffen ist —, der infolge der schlechten Dialogführung den Stoff lächerlich macht und dadurch das Werk erheblich herabmindert. Die ersten Aufführungen im Ufa-Theater Kurfürftendamm in Berlin zeigten. daß das heutige Publikum sich diele Gruselgeschichten statt mit Kunstsinn mit überbetonter Sachlichkeit angegeben hat. daß also dieser Film nicht die Zustimmung der breiten Waise finden konnte, was gewiß auch Dreyer nicht bezweckte. Vielleicht kann fein nächster Film, ebenfalls eine gespenstische Angelegenheit, „Frankenstein", viele, die heute mit Dreyer noch nicht ganz einig sind, von seiner großen Kunst überzeugen. Und deshalb sind wir der Ufa dankbar für den Mut. daß fte uns auch dieses seltsame Werk Drehers zeigte.
Sin Sänger-Film.
Wer bie Wahl zwischen einer verfilmten Tauber- Operette unb einem jttepura-Film hat — seine „eingenbe Stabt“ ist noch unvergessen — wähle Kiepura unb seinen wahrhaft erfrischenden Film „Das Lieb einer Nacht“, ber in einer lustigen unb vorn Regisseur Anatol Litwak überaus bewegt unb filmisch ausgezeichnet bargestellien Handlung jebe bentbarc Gelegenheit gibt, zu fingen: Kiepura
singt ganze Dpernpartien aus „Rigoletto", „Traoia- ta“ unb „Boheme", er singt italienische Volkssieber, er singt in seinem Auto, er singt in seinem Segelschiff, er singt mit seiner frischen, unverbrauchten Stimme unb spielt mit feiner naturburschcnhaften Herzhaftigkeit, spielt sich selbst, einen berühmten Sänger, ber hier Ferraro heißt, sich von seinem weiblich-teuflischen Impresario (Margo Lion) befreit, auf Abenteuer ausgebt unb dabei in bie Fänge eines Hochstablers (Fritz Schulz) gerät, der für eine Zeit selbst an den Ehren teilnehmen kann, die dem Tenor zugedacht sind, eine Verwechslungs- tomödie, bei ber sich Iba Wust unb Otto Wallburg besonbers auszeichnen. Diese nicht immer originellen, aber sehr flott unb beweglich gebrachten Vornan ge geben sozusagen zwanglos bie Vorwände, Kiepura fingen zu lassen, die musikalische Ausstattung hat Mischa Spaliansky besorgt unb auch den Schlager geliefert, den man bald hören wird: .Heute Nacht ober nie sollst bu mir sagen . . ", unb bie cs jagen soll, ist natürlich bie Geliebte (Magba Sdjnciber), bie burch bas happy end mit Ferraro vereinigt wird, unb die Nacht wirb burch bie herrlichsten Aufnahmen bargestellt, benn bie Handlung spielt zwischen Lugano und Locarno, und die Berge, Städte und Seen liefern bie schönsten landschaftlichen Hintergründe, bie ben Capri-Aufnahmen ber „Singcnben Stabt“ vollkommen ebenbürtig sind.
Sin toller Sinfall.
„Ein toller Einfall" erlebte im Ufa-Palast am Zoo vor einiger Zeit feine Uraufführung unb bewies, daß nicht nur Sommerhitze, sondern auch Winterkälte ein günstiges Klima für solche Eingebungen ist. Jacob Tiebtle besitzt ein Schloß und auch kein Geld Während er nach England reift, wo einer Sage nach noch reiche Geschäfts- freunde wohnen, denen man vielleicht das Schloß und seine Gemäldesammlung verkaufen kann, be- wohm der Neffe Paul, seines Zeichens Kunstmaler,
feiner Herkunft nach Willy Fritsch, mit Birnstiel, seinem Kunsthändler und Mentor das üppige Haus. Die zufällige Frage eines Fremden löst bei Paul Lüders den „tollen Einfall" aus — das Schloß wird im Handumdrehen ein Winterfport- Hotel. Viel Weiblichkeit zieht ein, eine Schar mit Evelyn Miller an der Spitze. Die Tänzerin Anita — von Rojy B a r f o n y mit Beinen unb Mäulchen allerliebst und quirlig getanzt, geschmollt und gelacht — will ihr treulos gewordenes Paulchen wieberhaben, das aber seinerseits Evelyn bis zum Heiraten ernst den Hof macht. Wilhelm Benbow, der als ruhefuchender Kurgast in einem Wirbel von Jazz und Tanz verstört umherirrt, bis er bei Paul Hörbiger, ber feinen niegezahlten Hausknechts- lohn im kühlen Keller „abtrinkt", in ben Zustand gerät, den ber Schlager bes Abenbs melbct:
Heute bin ich gut aufgelegt. Ach, wie bin ich aufgelegt. Heute muß ich einfach luftig fein ...
Die Iagb nach Paul setzt unermüblich bie weiblichen Käste in Bewegung unb gibt Gelegenheit, fchöne Bilder von bayrischen Wintersportplatzen, Eislauf- fünfte und ähnliches zu zeigen. Verwechslung Ma- bei Millers — Dorothe Wieck — ber Tochter bes erhofften Schloßkäufers, mit Evelyn Miller, bcm Girl, schürzen den Knoten, unb es bebarf noch man- ches Regieeinfalls, um ben Tollen Einfall zum happy end zu führen. Aber natürlich gelingt es aufs Beste. Max 21 b a l b e r t 5 bissige Trockenheit hält ben oft etwas jerflatternben Stil zusammen. Willy Fritsch braucht nur zu fein, was er im Leben ist: Charmant und umschwärmt. Ellen Schwannecke gibt als Evelyn Miller einen reizenden Jung-Mädchen Typ, ber sich durch seine frauliche Note von den ewigen Sportmädels wohltuend unterscheidet. Die Regie besorgte Kurt ®er« r o il


