Ausgabe 
13.8.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Wch.

lir

®^(htc. doley leit wi?Ä« ^L^WnfhJ*.

u>*-

'rheit" im ^burgn deutsch^zM ?^chNlch^°t u?srrk »te1*

l*^5Äi8

wbttMtu.

>yern. - ein Zoltt richte.

cd gemeldet: Aus der Oberau nach Ettal c Gesellschaft-« i,ug hinab. Dvnden otet, mehrere ver.

iilounglüi.

sand dieser Tage ein aus der Heimfahrt von ib. Kurz vor Versailles namtes ein Draht- ndstraßc gespannt, um hten. Obwohl vor und nungsiaseln ausgestellt : in voller Fahrt gegen

den Kops vom in neben ihm sitzender ire Verletzungen, mimen zweifelt.

il an der Riviera.

an der Mittelmeerküste inem der großen Hotel­ier Qutnelenbieb* das Wert eines intet' dürste. Als ein xt\6)tr e von einem Spajta1 ne peinliche Entdeckung Ammer ein mit einem

Wer verschwunden den sich u. o. Schmuck- 000 Pfund Ster-

tarier

??U^hm (Ober. 22. Jebruar 1931 den Stuttgart ermordet cngerichtet.

, Smyrna.

at wie aus Etambul ge* der W von Smyrna r zerstört. She W »tonnt

I.2.: Ernst Siumiyjn.

3 Hindus finden wer in den h°he«n haften ur vchsensleisch-' nher durch einen iche Nahrung besteh M ersten Arten zubereilet, it n Malnenb'attes ru"

"'*¥äs

XAr tiiM £ ! unflffbct Chinese

S lee in Ehren- W unb JJ energisch ine von'^r lein1;

Kreta ® a(J ^rtriebe wagt ilw ( dem MS»

<2^05

Ä'-7,i^

S^--Ä

Aus Oer provinzialdauptstavt.

Gießen, den 13. August 1932.

Sin Siebzigjähriger. Seinen 70.Ge­burtstag feiert am 14. August in voller körper- lichec und geistiger Frische der Zolloberwacht, meister i. R. Wilh. Schuck, Kugelberg 61. Er war von 1889 bi« 1920 bei der hiesigen Garni- sonverwaltung tätig, muhte dann bei der Heeres- Verminderung ausscheiden und zur Zollverwal­tung übertreten, wo er noch bi« 1925 in alter Pflichttreue seinen Dienst versah.

Fahrt zum Edersee. Der Omnibusbe'- trieb E. H o o s veranstaltet am morgigen Sonn­tag eine Fahrt zum Edersee, welche die Teilnehmer über Schloß Waldeck und Bad Wildungen nach dem Edersee sührt. Die AuSflugsfahrt verspricht einige genußreiche Stunden, da die Fahrtteilneh­mer in ein landschaftlich bevorzugtes Gebiet ge- sührt werden und als Zielpunkt der Fahrt den großen Stausee kennenlernen. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.

Schreibtischmarder an der Ar- beit. Der Polizeibericht meldet: Bei den Ein­brüchen in die Büroräume der Provinzialdirek­tion, des Reichsbahnbetriebsamtes 1 und des Landwirtschaftlichen Instituts in der Nacht zum Freitag handelt es sich um die .Arbeit" der gleichen Täter. Don den Eindringlingen wurden in den Düroraumen sämtliche Echreibtischschub- laden soweit sie verschlossen waren, erbrochen und nach Geld durchsucht. An den vorhandenen Aktenstücken und sonstigen Papieren hatten die Täter dem Augenschein nach nicht das geringste Interesse, es lag ihnen lediglich an der Er­langung von Geldmitteln. Dabei kamen sie nur teilweise auf ihre Rechnung. In einem Schreib­tisch des Landwirtschaftlichen Instituts fielen ihnen 200 Mk., in der Provinzialdirektion 2 Mk. in die Hände, im Reichsbahnbetriebsamt erbeu­teten sie gar nichts. Insgesamt wurden von den Tätern etwa 25 bis 30 Schreibtische erbrochen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

* Haftentlassungen. Die Untersuchung des großen ^leberfall« auf SA.-Leute bei Hom- berg, über den wir kürzlich berichteten, durch den älntersuchungsrichter beim oberhessischen Landgericht in Gießen hat dahin geführt, daß von den etwa 50 Verhafteten 40 Leute vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, da für die Fortführung der Untersuchung keine Ver­dunkelungsgefahr mehr besteht. Das Verfahren, auch gegen die aus der Haft entlassenen Leute, nimmt seinen Fortgang. Die Angeklagten wer­den sich wegen Landfriedensbruches voraussicht­lich in einigen Wochen vor Gericht zu verant­worten haben.

* Ihren schweren Verletzungen er­legen ist die 25 Jahre alte Agnes Schuh­macher aus Siedlingshausen, Kreis Drilon, die am Donnerstagmittag während der Durchreise aus dem hiesigen Dahnhof von dem einfahrenden Schnellzug Frankfurt a. 1Berlin überfahren wurde. Das bedauernswerte Mädchen, das be­wußtlos in die Klinik eingeliefert worden war, verschied, ohne zum Tewuhtsein zurückgekehrt zu sein.

" Die BezeichnungSparkasse" ge­setzlich geschützt. In einer Verordnung vom Oktober 1931 hatte das Reich vorgeschrieben, daß die Länder Bestimmungen zum Schuh der De- zeichnu 3 .Sparkasse" treffen. Mit dieser den öffentlichen Sparkassen zukommenden Bezeich­nung war früher von anderen Seiten vielfach Miß­brauch getrieben worden, und Einleger waren da­bei zu Schaden gekommen. Die Schuhbestimmun­gen sind bisher erlassen in Württemberg und Bah- cm. Dort dürfen sich also alsSparkasse" nur die öffentlichen Spar- unb Girokassen bezeichnen und solche Institute, denen dies Recht ausdrücklich von der zuständigen Landesbehörde verliehen wird. Auf Zuwiderhandlung gegen diese Vorschriften steht Geldstrafe. Auch für die übrigen Länder ist wohl mit einem baldigen Erlaß der entsprechenden Bestimmungen zu rechnen, die letzten Endes den Zweck verfolgen, die Bevölkerung bei der Anle­gung von Geldern vor Verlusten zu bewahren.

Kriegc^eiwillige 1914.

Söhne Gießens und Oberheffens. Oie ^Schnuffelruifcher."

Erinnerungen eines Kompan.eführerS.

Achtzehn Jahre, ein halbe« Menschenalter, sind seit dem Weltkrieg verflossen. Manchmal glaubt man, es handele sich um einen Traum, so un­wirklich, so grundverschieden von der Gegenwart, so ungreifbar weit zurück liegen die Tage und Stunden dieser Weltkatastrophe. Nimmt man aber einmal und wer tut dies nicht, wenn die Tage von 1914 sich wieder jähren seine Briefe und Aufzeichnungen zur Hand, die damals hastig und stichwortartig niedergeschrieben wurden, und blät­tert in diesen vergilbten Blättern, die schon einen Hauch des historisch Gewordenen an sich haben, dann treten Menschen, Dinge und Ereig­nisse plötzlich lebenswahr und plastisch wieder vor unser Auge, wir stehen wieder mitten drin in dem gewaltigen Geschehen und erleben die Zeit wieder, als wenn sie erst wenige Wochen hinter un« läge.

So kam mir dieser Tage wieder einmal ein ganz unansehnliches Büchlein in die Hand. Die Aufschrift auf dem ganz verwaschenen und ver­blaßten, von Regen, Schnee, flandrischem Schützen­grabendreck und russischem Etraßenschlannn durch­drängten Büchlein ist kaum noch zu lesen. Nur mit Mühe kann man die Worte entziffernT a - schenstammrolle der 3. Komp. 1. Batl. R. I. R. 2 2 2". Mancher würde das Büchlein nur mit den Fingerspitzen anfassen, um sich nicht schmutzig zu machen. Mir aber ist dieses Büchlein ans Herz gewachsen, enthält es doch die Namen aller derer, die damals zum größten Teil als Kriegsfreiwillige mit mir hinauszvgen und die ich alsmeine" Kompanie bezeichnen durfte. Trocken und eintönig reihen sich 232 Namen mit Geburtsort, -datum, Beruf, Eltern, Stand usw. aneinander. Bei weit über der Hälfte steht der Vermerkfreiwillig eingetreten".

von diesen 232 Unteroffizieren und Mann­schaften waren 200 im Alter von 17 bis 23 Jahren.

Alle Berufe waren vertreten: 113 Schüler, Stu­denten, Lehrer, Kaufleute, Beamte, Mechaniker, Techniker, 66 Arbeiter, 30 Handwerker und 23 Landwirte. 171 stammten aus Gießen und Oberhessen, 28 aus Wetzlar und der Lahn­gegend, der Rest aus Westfalen, Thüringen und dem übrigen Deutschland.

Das sind die reinen statistischen Angaben, die man diesem kleinen Büchlein entnehmen kann, die nur ein Bild von der Zusammensetzung geben, nicht aber ein Bild von dem G e i st, der in diesen Reihen herrschte.

Man verspürt allerdings etwas von diesem Geist, wenn man unter den Bemerkungen die Wortegefallen,vermißt",erkrankt",ver­wundet" lieft. Welche Summe von Schmerzen, Elend, Todesangst, Jammer, Trauer und Heldenmut deuten uns diese einfachen Worte an! Hat doch das ganze R.I.R. 222 im Krieg insgesamt 46 Offiziere, 214 Unteroffiziere "nd 2540 Mann durch den Tod verloren. Dazu kommt aber noch die Zahl der Verwundeten und an Krankheit nachträglich Gestorbenen oder in an­dern Verbänden Gefallenen, die man auf das Mei* bis dreifache annohmen kann.

Kriegsfreiwillige 1914 1 Wie Hel­dengestalten aus grauer Vorzeit, von denen uns die Geschichte berichtet, wie Die Reitergeschwader eines Schdlitz und eines Ziethen, wie die Kriegs­freiwilligen von 1813, wie die Düppelstürmer und die Helden von 1866 und 1870/71, so gehören auch die Kriegsfreiwilligen von 1914 der Geschichte an. Sie sind von unserm Fleisch und Blut, und ihre Begeisterung, ihr Pflichtgefühl, ihre Vaterlands- liebe, ihre Taten und ihr heldenmütiges Sterben fordern von denen, die mit ihnen zusammen ge­kämpft haben, ein ehrendes Gedenken, das noch in der Nachwelt leben soll, wie die Taten unserer Vorfahren, an denen wir uns in der eigenen Ju­gend begeistert haben und die in uns zu neuem Leben erwacht sind, als der Sturm in den August- tagen 1914 losbrach

Gerade in unserer Zeit der Zerrissenheit, des Kampfes Aller gegen Alle, der Not, des Elends und der Verzweiflung, deÄ sittlichen Nieder­gangs, in der der Sinn für menschliche Gröhe ver- wren zu gehen scheint, in der bewußt von manchen Seiten alles niedergerisfen wird, woran wir uns begeistert haben, in der das Wort .Vaterland" aus den Herzen der Jugend gerissen werden soll: rst es Pflicht eines jeden Fronttämpfers,

den herrlichen Geist wieder ausleben zu lassen, der in den schwülen Tagen des August 1914 unser Volk und besonders unsere kriegsfrei­willige Jugend durchglühle.

Den wahren Geist dieser Freiwilligen-Regi- menter kann aber nur der erkennen, der mit diesen Scharen hinausziehen und sie draußen führen durfte. Gerade in der ersten Zeit, in der die frei­willigen Verbände noch geschlossen zusammenstan­den, hat sich ihr Geist besonders stark ausgeprägt. Im Mai/Iuni 1915 waren nahezu alle, die mit hinausgezogen waren, gefallen, verwundet, er­krankt, gefangen oder vermißt. Sie machten neuen Scharen Platz, die nicht mehr so gleichgestaltet waren. Die Wiedergenesenen wurden anderen Truppenteilen zugeteilt und verschwanden in der Masse der anderen Verbände.

Wir äleberlebenden müssen deshalb den fal. schen und verzerrten Schilderungen eines Remar­que und den unwahren Darstellungen moderner Filmerzeugnisse entgegen treten und diesen Nach­empfinde rn zurufen: »So, wie Ihr unsere Kriegsfreiwilligen in Wort unh Bild schildert, waren sie nicht, sie standen türm - hoch über den Gestalten, die Ihr der Nachwelt überliefern wollt, Ihr habt nicht unter ihnen gefochten und nicht mit ihnen gelebt, ge­fühlt und geduldet."

Es soll hier nicht geschildert werden, mit wel- chen Schwierigkeiten zu kämpfen war, bis die junge Truppe zusammengeschweiht und zu einer einiger­maßen brauchbaren Feldtruppe erzogen war. Es fehlte an Ausbildungsmannschaften, an erfahre­nen Offizieren, an Ausrüstungsgegenständen, an Waffen und Munition, an Fahrzeugen, Feld- küchen, an Zeit für die Zusammenarbeit mit an­deren Waffen und vielen anderen Dingen. Da aber die Ausbildungszeit in eine Zeit höchster (Be­reifte rung fiel, so fehlte es nicht an dem guten Willen, all dieser Schwierigkeiten Herr zu wer. den. Unmögliches wurde verlangt, um das Mög­liche zu erreichen.

Wer es aber als Offizier ernst nahm mit feinem Beruf, und wer sich der hohen Verantwortung bewußt war, die ihm die Fühcking dieser Herr- lieben Jugend auferlegte, der muhte sich sagen, daß die Gesamtausbildung noch lange nicht auf der gewünschten und notwendigen Höhe stand, der muhte erkennen, daß sich auch die Führer, meist Männer über 40 Jahre, nur schwer in den Dienst hineinfinden konnten, und daß an ihre körperlich« Rüstigkeit Anforderungen gestellt wur­den, denen sie nur zum Teil gewachsen waren. Man war sich klar darüber, daß die Truppe an ruhigen Kampffronten und in der Verteidigung Tüchtiges leisten würde. Ob sie aber schon jetzt im Bewegungskrieg und an den Hauptbrenn­punkten der Schlachtfront ohne weiteres ihren Mann stellen würden, schien zweifelhaft.

Wenn man dann aber wieder die Begeisterung der Jugend auf sich wirken lieft, die in ihrem ganzen Verhalten, in ihren Taten und Worten zutage trat, schwanden die Bedenken, und man sagte sich, daft der stürmische Angriffsgeist und die ungeheure Schwungkraft, die in diesen Ver­bänden steckte, die Mängel der Ausbildung aus- gleichen würden, Und diese Hoffnung hat uns . nicht getäuscht,

auch nicht in einem Augenblick haben unsere Freiwilligen versagt.

Als unser R.I.R. 22 2 in Dischweiler im Regimentsverband zusammengestellt wurde, emp- fanden unsere Freiwilligen es peinlich und als eine gewisse Zurücksetzung gegenüber den aktiven Regimentern, daft wir keine Fahnen be­kommen sollten. Es sah zwar jeder ein, daft na­mentlich im Schühengrabendienst die Fahnen ein Vallast sind, und daft ihre Bewachung der Front Gewehre entzieht, daft die Fahnenwache in der Feldschlacht mehr als andere dem Feuer aus- gesetzt ist, daß auch dasSammeln um die Fahne" bei der Ausdehnung des heutigen Gefechtsfeldes und dem Durcheinanderwirbeln der Verbände nicht mehr, wie früher, möglich ist, aber es fehlte unser jungen Truppe das Symbol, der Mittel- punkt und alles, was sich um den Begriff der Fahne rankt, was gefühlt und nicht gesagt wer- den kann. Wie häufig erklärten mir meine Frei­willigen. daß sie unsere Fahne nicht minder tapf^ verteidigen würden, wie die alten Regi-

Geschichten ans aller Welt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Berühmte Nasen.

(ad) Rom.

Unter dem stimmungsvollen TitelBerühmte Nasen oder: Denaste und Nasenlose" ver­öffentlicht der italienische Historiker Ugo Viviani aus Arezzo ein Buch gelehrten Zeitvertreibs, das sich würdig seinen früheren Werken über berühmte Bucklige und Dickwänste anreiht. Wie andere Leute Bilder. Marken oder verrostete Nägel sammeln, so ist Diviani ein leidenschaft­licher Sammler von Buckeln, Wänsten und Nasen. Heber Geschmäcker ... usw.

Als gründlicher Mann fängt der (Berfaffer mit der Mythologie an und beschäftigt sich mit der Nase Jupiters. Die meisten Nasen, diein die Historie eingegangen sind, waren ansehnlich und kühn geschwungen. Die unumgänglichen Aus­nahmen von der Regel bilden die Kartoffelnase des Sokrates, die Sattelnase des Boccaccio und die durch einen Faustschlag eingedrückte Nase Michelangelos. Ins ABC der Geschichte der Nasen verweist der Dersasser die Nase des Ovid und die Dantes ist doch der 'Begriff der dantesken Nase ebenso Allgemeingut aller Ge­bildeten geworden, wie die kühn geschwungene Echillernase. Unsterblich ist auch die Riesennase des Cyrano de (Bcrgerac (ein maßloses Stück einer Nase", nennt sie ein Zeitgenosse) und die grofte und traurig zum Mund herabgebogene Nase des unglücklichen Tasso.

Wie wir erfahren, hat ein gelehrter Humanist eine Untersuchung geschrieben unter dem Titel: Warum Petrarka es unterlassen hat, die Nase der Laura besonders zu loben, während er doch alle jene Körperteile derselben besungen hat, die man anständigerweise nennen kann." Don gefrönten Häuptern werden genannt König Numa, der seiner hervorstechenden Nase den ZunamenPompilius" verdankte, Karl der Große, die kaiserliche Nase", Franz I., Je roi grand nez" und Ferdinand IV., von seinen Neapolitanern il re Nasone genannt.

Die italienische Sprache verfügt über einen Reichtum von Abwandlungsformen: nasino oder nasetto heißt das Näschen, nasone die große Nase, und nasaccio die mißgestaltete Nase. Da­für haben wir Deutschen aber den berühmten Ausspruch Onkel Bräsigs:Daß du die Nase ins Gesicht behältst!", und die estnische Sprache verfügt über das weife Sprichwort:Erst Nase haben, dann Drille aufsetzenl".

Wer kauft Mata Hans Haus?

- Paris.

In dem Grundstücksanzeiger von Neuilly steht eine kleine Anzeige zu lesen: »Mittelgroßes Haus, englischer Stil, gut erhalten, Buntglasfenster, interessante historische Dergangenheit sofort zu verkaufen. Das Grundamt Neuilly." Und wenn man sich nach diesem mittelgroßen Haus mit der historischen Dergangenheit erkundigt, erfährt man, daß es sich um das Wohnhaus einer der inter­essantesten Frauen des Krieges, um Mata Hari, handelt. Si ewurde als angebliche deutsche Spionin erschossen.

Don diesem ihrem Hause aus verfolgten sie an dem verhängnisvollen Tag die Detektive, als sie das verdächtige Geld an der Bank abholte, das man ihr aus Spanien überwiesen hatte. Sie ging also aus diesem Haus in den Tod.

Das Haus gehört niemandem, da sich keine Er­ben meldeten. Im Laufe der Jahre häuften sich die Grundgebühren derart, daß eines Tages das Haus dem Grundamt gehörte.

Jetzt will man es verkaufen. Es muß Wohl ein Engländer oder ein Amerikaner kommen, der hier das Gruseln lernen will. Man erzählt sich näm­lich, daß man oft nachts hellen Lichtschein durch das Haus streichen sehe. Ein Geist? Ein Gespenst? Nein, ein alter Russe, ein hoher Offizier hat die Stelle als Hauswart übernommen und lebt hier allein seit Jahren. Man sagt, daß er Mata Hari früher gekannt habe und der letzte Liebhaber sei, der hier in ihren Räumen der Erinnerung an Mata Hari lebe.

Anwjpiegel ist Vorschrift!

(g) London.

Dor einem Londoner Gericht hatte sich ein Taxi­chauffeur zu verantworten. Nicht, weil er jeman­den über- oder angefahren hatte, nicht, weil er einen Zusammenstoß mit einem anderen Fuhrwerk herbeigeführt hatte, nicht, weil er zu schnell oder auf der falschen Seite der Straße gefahren war, sondern einzig und allein deshalb, weil ein Po­lizeibeamter in Zivil, der feine Droschke zu einer privaten Fahrt benutzt hatte, festgestellt hatte, daß der Wagen keinen Chauffeurspiegel besaß. And ein solcher Spiegel ist in einer Lohn­droschke, wie der Dichter in der Urteilsbegründung erklärte, eine nicht zu umgehende Notwendigkeit angesichts der Tatsache, daß in der letzten Zeit

auch in England (wie in Berlin) die Berau­bung der Taxichauffeu re überhand ge­nommen hat. Das Fehlen des Spiegels sei für unlautere und verbrecherische Elemente geradezu ein Anreiz zu einem Raubüberfall, der in den meisten Fällen den Behörden nur Mühen und Kosten verursache, ohne jemals aufgeklärt zu werden. Der Spiegel fei demnach eine Notwen­digkeit auch im Älter esse des Staate«, dessen Geldmittel nicht so umsassend seien, daß er sich den Luxus kostspieliger vergeblicher Kriminal­untersuchungen leisten könne. Hnb so muhte der angeklagte Chauffeur eine Geldbuße von zehn Schilling entrichten.

Lie Langlebigen von Panama.

(a) Neuyork.

In der Republik Panama fand vor kurzem die erste Dolkszählung seit 1920 statt. Die Zahl der Bevölkerung flieg in zwölf Jahren von 401 428 auf 467 459 Seelen. Genau 38 Bürger haben ihr hundertstes Lebensjahr überschritten. Der Doyen der Republik ist Herr Luis Cortes mit rund 118 Jähren: dann kommt ein Mütterchen mit 115. Der Dritte im Bunde ist ein Großpapa mit 111; Hundertzehnjährige gibt eS 6, Hundert- achtjährige 5.

Die Zahl der Bürger an der Schwelle des 10. Jahrzehnt«, also zwischen 90 und 100, beträgt so­gar 240.

Man kann den Präsidenten von Panama füglich beglückwünschen zu seinen Untertanen, die sich in einem Lande so gut .halten", von dem fünf Achtel noch gänzlich unkultiviert sich selbst überlassen sind.

Die verzauberte Lchauspielerin.

(avk) Budapest.

Schwarzkünstler sind eine gefährliche Menschen­forte: sie verhexen alle«, was ihnen über den Weg läuft.

Einer der Zauberkönige der Darietöbühnen, Signor Ufertni, gab mit seiner Truppe ein Gast­spiel in Ungarn. In Szegedin schwarzkünstelten die Uferinis im Stadttheater und die Bühnen­künstler wohnten den Ausführungen der Uferini« bei. Die Operettensoubrette wurde eines Abends al« eine Dame aus dem Publikum" auf die Bühne geholt, um bei einigen Experimenten behilflich zu fein.

Die Dorführungen gelangen fo ausgezeichnet, daft nicht nur das kleine Fräulein, sondern auch S.»nor Alfredo Uferini jun., der Kronprinz der Schwarzkünstlerdynastie,verzaubert" wurde. Er hatte sich in die kleine Ungarin verguckt und experimentierte" mit ihr in den nächsten Tagen auch aufterhalb der Dorstellung. Mit dem über­raschenden Ergebnis, daft sich die beiden ver­lobten. Was den jungen Leuten um so höher anzurechnen war, als beide ausschließlich ihre Muttersprache beherrscht hatten. Die Magyarin konnte nur ungarische Zärtlichkeitsworte stam­meln und Uferini lief zu jedem Stelldichein zwangsläufig mit einem ungarischen Wörter­buch. Die Verständigung war trotz alledem aus­gezeichnet. Allerdings legte Herr Uferini sen., das Oberhaupt der Zaubererfamilie, mit unver­fälscht südlichem Temperament sein (Beto ein: Du bist wohl von allen guten Geistern ver­lassen, Fredil Was fällt dir bloft ein, Mensch, eine Ausländerin zu heiraten? Die nicht einmal deutsch versteht! Ree, mein Junge, daS schlag dir nur aus dem Kopf!"

So leicht gab aber Alfred den Kampf nicht auf, er hatte feinen Dickschädel! Und erteilte feiner Auserwählten f eberhaft Unterricht. Einer­seits in der ach fo schweren deutschen Sprache, und auf der anderen Seite in der schwarzen Magie. Rach zwei Wochen war die kleine Puhta- fee so weit, sie meldete sich beim alten Signor Uferini aus Pommern zur Audienz:Dittschön, liebes Herr Direktor, ich können schon fließend Deutsch und sehr gut machen Zauberhexerei. Ick wollen auch fleißig weiterlernen und nicht mehr spielen Operette, nur noch machen changez passez hopp!"

Ach nee, meinte der alte Uferini, .so leicht wie Sie sich das vorstellen, mein liebe« Kind, geht'« nun doch nicht. Was haben Sie denn bis jetzt gelernt?

Dittäh, Herr Uferini, wieviel fein die Uhr?"

Der Oberzauberer griff zur Westentasche und stierte das neueste Weltwunder an, die deutsch- sprechende Dollblutmagyarin, die so erfolgreich von einer Operettensoubrette zur Zauberin avan­cierte, daft sie dem alten Meister seine Taschen­uhr unbemerkt entwenden konnte.

Das war allerhand. Der alteitalienische" Schwarzkünstler aus Pommern lieft sein Herz erweichen, und demnächst steigt die neueste deutsch­ungarische Derbindung für ein Leben. Mutmaß­lich wird der junge Uferini die ungarische Sprache bald einwandfrei beherrschen und feine kleine ?rau mit pommerschein Dialekt deutsch reden: hangez passez hopp!

mentet mit jahrhundertealter Tradition und daß sie unserem Regiment, wenn es dermaleinst im Frieden aufgelöst würde, auch eine Tradition schaffen wollten, die in der Fahne einen sichtbaren Ausdruck finden sollte.Keinem aktiven Regi­ment dürfen wir den Dorrang lassen an Tapfer­keit, Disziplin und Hingabe" hatte unser Oberst Rott einmal zu uns gesagt, und wir hätten auch für unsere Fahne das Gelöbnis gehalten. Er selbst hat fein Gelöbnis mit feinem Heldentod am 4. Februar 1915 in den Karpathen besie­gelt.

Ferner wurde der Mangel einer Regi- mentskape Ile sehr schmerzlich empfunden. Gelder standen hierfür nicht zur Verfügung, aber wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg. Die 3. Kompanie schaffte sich in Dischweiler schon eine eigene Kompaniekapelle an. Sie bestand aus acht Mann, hatte allerdings keine Klarinette, Flügel- und Waldhorn, Trompete und Tuba, Piston und Trommel, sondern nur ein ein­ziges Instrument. Sie hat uns aber nicht weniger Freude gemacht. Dieses Musikkorps entstand am 28. September 1914 in Bischweiler. Meinelangen Kerls" des ersten Zugs wurden mit dem Instru­ment ausgestattet, wir brauchten keine Regiments­erlaubnis, keine Noten, keine Uebungszeit und nicht viel Geld. Auf Grund einer milden Stif­tung wurden acht Mundharmonikas be- schafft und die Kapelle trat in Tätigkeit. Wie herrlich flaigen da die flotten Soldaten- u d Wan­dervogellieder in die frische Morgenluft, und tDckfte Freude und Begeisterung lösten die fröh­lichen Klänge bei allen aus! Dadurch gelangte die 3. Kompanie zu einem gewissen Ruf. Durch die­sesWusikkorps" kam unsere Kompanie auch zu einem Spitznamen, aus den wir alle stolz waren.

Auf Eifässer Ditsch heißt die Mundharmonika Schnuffelrutsch", und

roenn dieSchnuffelrulscher" kamen, da gab e» fröhliche Gesichter und leuchtende Augen.

Es ist mir ein Herzensbedürfnis, dieser acht Schnuffelrutscher", von denen vier der grüne Rasen deckt, in Treue zu gebenfen. Sie haben uns manche schöne und unvergeßliche Stunde bereitet, und wenn uns lleberlebenbe die liebgewordenen Klänge wieder zu Ohren kommen, dann tauchen vor unserem geistigen Auge die acht langen Feld­grauen der 3. Kompanie auf der staubigen Straße nach Oberhofen, im Schützengraben in Äordfrank- reich und auf den Landstraßen Polens wieder auf, da wird es hell in uns, und wir leben noch einmal die Stunden jugendlicher Begeisterung, die uns damals alle beseelten. Die .Schnuffel­rutscher der 3. Kompanie werden niemals ver­gessen werden.

Dank einer Geldsammlung des Offizierkorps und einer Spende des Geh. Rat Heichelheim ge­lang es ohne Inanspruchnahme staatlicher Gelder, in Metz eine Regi men tsmusik von 20 Mann ins Leben zu rufen, die unter der tüchtigen und funftoerftänbigen Leitung des Gießener Wu- siklehrers Kasten am 20. Oktober zum ersten Male ihre Weisen ertönen ließ. Wieviel Freude hat unsunsere" Regimentsmusik gemacht! Auch von diesen 20 Kameraden sind acht gefallen, vier wurden verwundet, einer vermißt und der Rest mußte erkrankt in die Heimat zurückkehren. Erst im Sommer 1915 gelang es dem tüchtigen Regi- mentsmufiker M a n k, eine neue Kapelle aufzu­stellen, die im Derlaus des Krieges auch einmal hier in Gießen ihr Können zeigte.

(Schluß folgt) L. G.