Ausgabe 
12.7.1932 Erstes Blatt
 
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deutschen Orden seit 1922 geforderten allgmei - nen Volksdienstpflicht und der inneren K o l o n i s a t i o n , der Besiedlung des leeren deut­schen Raumes, beschäftigte. Zu dem Aus gang der Lausanner Konferenz wurde folgende Entschließung gefaßt, die dem Herrn Reichs­präsidenten gleichzeitig zugeht:

Die Führer des Jungdeutschen Ordens aüs bei­den Hessen und Waldeck haben mit Erstaunen die Haltung der deutschen Vertretung in Lausanne und das niederschmetternde Ergebnis der Konferenz zur Kenntnis genommen. Alle Berichte lassen darauf schließen, daß dies Er­gebnis durch die Schuld der deutschen Delegation zustande kam, einer Dele­gation, die sich ausdrücklich als die Ver­tretung des nationalen Deutschlands bezeichnete und nun als solche in der prak­tischen Auswirkung ihrer Verhandlungen die an­geblichen Rechtsansprüche der ehemaligen Feind­bundmächte anerkannte! Die in Gießen ver­sammelten Führer des Ordens sehen erwar- tung voll auf den Führer der Nation, für den sie sich seit Jahren eingesetzt haben. Sie können es nicht glauben, daß er dies Ergebnis gut­heißen wird. Sie bitten, daß er dieser Ver­tretung der Nation sein Vertrauen entzieht. Es darf nicht sein, daß die ehemaligen Feindbundmächte das Ergebnis von Lausanne un­widersprochen als eine Anerkennung des Versailler Diktats durch das nationale Deutschland verbuchen!"

Oingeldey wieder Spitzenkandidat der Volkspartei in Hessen.

WSP. Darmstadt, 11. 3uli. Der Landes­ausschuß der Deutschen Dolkspartei des Wahl­kreises Hessen-Darmstadt trat in Frankfurt a. M. zu einer Sitzung zusammen. Er begrüßte es, daß der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei den Beschluß gefaßt hat, daß die DVP. in allen Wahlkreisen selbständige Li st en zur Reichstpgswahl aufstellt und sieht in diesen und in den Abmachungen, die zur Sicherung der Reststimmen geschlossen wurden, die beste Ge­währ dafür, daß auch in schwerster Zeit das nationalliberale Gedankengut zur parlamentari­schen Geltung gebracht wird. Ohne Aussprache und einmütig wurde beschlossen, den bisherigen Spitzenkandidaten, den Parteiführer Dingel- dey, wiederum an die erste Stelle des Wcchlvorschlags zu setzen. An den weiteren Stel­len stehen Bürgermeister Dr. Riepoth - Schlitz und Hausfrau Anna Kloos- Darmstadt: es fol­gen noch 5 weitere Persönlichkeiten aus den verschiedenen Landesteilen und Berufsständen.

Miliiär-ebaiie in der pariser Kammer.

Vertrauensvotum für Herriot.

Paris, 12. Juli. (WTB. Funkspruch.) Zu Beginn der gestrigen Aachtsihung stimmte die Kammer über einen Antrag ab, der die Pe­riode der Ernteurlaube der Solda­ten beschränkt wissen wollte. Dieser Antrag, dem auch die Regierung zustimmte, den aber der Finanzausschuß der Kammer abge­lehnt hatte, wurde schließlich von der Kammer mit 305 gegen 284 Stimmen zurückgwiesen. Der Antrag wurde besonders vom Mbg. Oberst Fabry verteidigt, der erklärte, wenn man sich nicht für eine Ausbildung der Soldaten einsetze, dann organisiere man dasHinschlachten" (diesen Worten klatschten Ministerpräsident Herriot und Kriegsminister Paul-Boncour ostentattv Beifall).

Ministerpräsident Herriot erklärte, wenn es sich nur darum handeln würde, keine Manöver offensiven Charakters abzuhalten, dann würde die Regierung darin keinen Rachteil erblicken, aber es gelte doch jetzt, die einberufenen Reservisten bei den Llebungen aus-

W ItW Ml.

Original-Roman von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.

5 Fortsu Rachdruck verboten!

5. Kapitel.

Die falschen Gedanken der Baronin.

Werner empfing Lil vor der Tür des blauen Zimmers. Er war bereit gewesen, beim ersten verdächtigen Geräusch einzutreten. Er hatte Angst gehabt, Lil würde sich bei dem Besuch im Toten­zimmer zu sehr aufregen. Er wunoerte sich über ihr rasches Wiederkommen und wunderte sich, weil er noch immer keine Träne in ihren Augen sah, um die der Kummer doch so tiefe dunkle Schatten gelegt.

Er nahm ihren Arm.

Komm, mein Lieb, wollen in deines Vaters Arbeitszimmer gehen, dort von ihm sprechen."

Er wünschte, daß sie weinen sollte, ihre Starr­heit gefiel ihm nicht, sie war unnatürlich. Lil ließ sich willig führen. Als sie das Arbeitszimmer be­traten, ging plötzlich eine große Verwandlung in Lil vor. Sie fühlte hier ihres Vaters Rähe mehr als dort, wo man ihn aufgebahrt. Mit großen Augen sah sie sich um. Stand der Vater nicht da drüben am Bücherschrank und suchte ein Buch? Ganz deutlich meinte sie ihn zu sehen. Und ging er jetzt nicht an den Schreibtisch? Schob er nicht ein wenig den Stuhl zurück, um sich zu setzen und saß er nicht jetzt schon da, wie sie ihn so oft sitzen sah, wenn sie bei ihm eingetreten?

Ihre Augen weiteten sich. 3a, da saß er am Schreibtisch genau so wie an dem Tage, als sie ihn bedrängt, ihr doch das Auftreten als Clown in der Wohltätigkeitsvorstellung zu erlauben. Sie hörte wieder seine Abwehr und schließlich seine Erlaubnis: Tue, was du willst, Lil! Spiele Clown oder dummer August so viel du magst und vor wem du magst. Mach ihnen deine Bajazzo­streiche vor, bringe alle zum Lachen.

Deutlich, Wort für Wort, drang es ihr in die Ohren, ihr Vater am Schreibtische hatte es ge­sagt.

Sie starrte auf den Stuhl, und Werner, der wohl merkte, daß hier die Erinnerung an den Vater lebendig wurde, schob ihr einen Sessel zu­recht:Setze dich, Lil", bat er.

Sie winkte ihm, zu schweigen und sagte trau­rig:Run hast du ihn mit deinem Sprechen ver­scheucht. Eben hat er noch dort am Schreibtisch gesessen. Ganz klar und deutlich habe ich ihn gesehen." Sie schluckte heftig.Genau so habe ich ihn gesehen wie damals, als ich ihn quälte, mir das Clownspielen zu erlauben." Sie seufzte.Er erlaubte es mir, wie er mir alles erlaubte, weil

z u b i l d e n, denn das Material werde mo­derner und man müsse auch die Soldaten damit bekannt machen. Cs wär« außerordentlich un­vorsichtig, den Soldaten eines Tages Material in die Hand zu geben, mit dem sie nicht um­zugehen wüßten. Während Frankreich seine Re­servisten «inberufe, gäbe es anderswo Massen, deren Kräfte man nicht so herausstelle, deren politische Macht man aber verkenne.

Der sozialistisch« Abgeordnete Renaudel er­klärte, die Durchführung der Rescrvisteneinberu- fungen gäbe Deutschland nur Argumente in die Hand, das gleiche Heeressystem wie Frankreich zu fordern. Es gebe in Deutsch­land geheime Rüstungen, aber damit würde Frankreich nicht mit offenen Rüstungen fertig. Herriot stellte gegen die von den So­zialisten beantragte Streichung der Kre­dite für die Reservistenübungen auf 1 3ahr die Vertrauensfrage, worauf der sozialistische Antrag mit 360 gegen 179 Stimmen abgelehnt wurde.

Wieder Revolution in Brasilien. Die Südstaaten flehen die Zentral, egierunq in Mio.

Neuyork, 11. Juli. (TU.) Wie aus Rio de Ja­neiro berichtet wird, ist in Brasilien wiederum eine Revolution gegen die Regierung Var - I gas ausgebrochen, die hauptsächlich i n d e n S ü d - staaten Santa Katharina und Sao|

Paulo um sich greift. Die Aufständischen haben ihr Hauptquartier in den Kasernen der Stadt Sao Paulo errichtet, von wo aus der Aufstand geleitet wird. Präsident Vargas hat einen Aufruf an das brasilianische Volk erlassen, in dem er die Bevölke­rung um loyales Verhalten ersucht, um die Revo­lution niederzukämpfen.

In den Staaten Rio Grande do Sul und Minas Gera es find Regierungs­truppen mobilisiert worden, um sie gegen die Auf­ständischen in Sao Paulo einzusetzen. Die sich im Aufstand befindenden Südstaaten fordern die so­fortige Einsetzung einer verfassungs­mäßigen Regierung. Bisher ist der Auf­stand unblutig verlaufen. Der Stadtkommandant von Sao Paulo wurde verhaftet und durch revolutionäre Führer ersetzt. Alle Nacyrichten aus Rio sind einer strengen Zensur unterworfen. Die brasilia- nische Regierung erklärt, daß sie die Lage in der Hand habe. Der Führer der Aufstandsbeweguna jst General Lopez. Die Aufständischen teilen in einer Erklärung mit, daß alle bundesstaatlichen Truppen in Sao Paulo sich der Auf- stondsbewegung angeschlossen hätten. Auch die von der Regierung entsandten Streitkräfte unter dem Oberbefehl von General Vasoncaellos seien zu ihnen über gegangen. Aus dem Staat M a t t o Grosso sind weitere Truppen zur Bekämpfung der Aufständischen abgesandt worden. Die Aufständischen haben den zurückgetretenen bun­desstaatlichen Vermittlungsbeamten de Toledo zum Gouverneur von Sao Paulo ausgerufen.

Aus aller Well.

Oie ltrsache des Ltnglücks auf demSperber".

Ein sechstes Todesopfer.

Vertreter des Polizeipräsidiums, des Ge­werbeaufsichtsamtes, der Kriminalpolizei, des Dampfkessel-äleberwachungsvereins, des Wasser­bauamtes und der Binnenschiffahrts - Aufsichts­genossenschaft haben den Vergnügungsdampfer Sperber", der unter ständiger polizeilicher Be­wachung steht, einer eingehenden D e s i ch t i gung unterzogen. Als A r s a ch e des llnglücks ist nunmehr festgestellt worden, daß die Ver­ankerung des Kessels vermutlich schon vor einiger Zeit gerissen ist. Sechs Bolzen sind nach und nach durchgebrochen, so daß der Kessel bei einem Druck von acht Atmosphären die ursprüngliche Druckfestigkeit betrug 15 Atmosphären in einer Länge von 60 Zentimeter aufgerissen wurde. Der Kessel des Dampfers ist erst im Mai einer amtlichen Prüfung unterzogen worden.

Der Dampfer selbst ist im 3ahre 1899 erbaut. Er hat somit ein Alter von 33 3ahren. Für Spreedampfer gilt das als kein hohes Alter. Es hat im übrigen den Anschein, als ob Materialfehler mit unsachgemäßer Behandlung Hand in Hand gegangen sind. Es wird vermutet, daß der Kessel überheizt, während der Wasserdruck zu gering war. Der Heizer hatte es gemerkt und kaltes Wasser hin- zugelassen. Durch das Eintreten des kalten Was­sers ist die Spannung zu groß geworden und es erfolgte die Explosion.

Die Zahl der Todesopfer der Kessel­explosion auf dem AusflugdampferSperber" hat sich inzwischen auf sechs erhöht. Kurz nach 12 Uhr verstarb im Westend-Krankenhaus Fräu­lein S ch m i d t ch e n aus der Turmstraße 58 an den schweren Verbrühungen. Erfreulicherweise hat sich das Befinden der ebenfalls lebensgefähr­lich verwundeten Frau Friedrich aus der Fruchtstraße 3 etwas gebessert, jedoch ist die Ge­fahr noch keineswegs beseitigt.

Der tschechische SchuhgrotzindustrieUeBata mit seinem Flugzeug tödlich abqestürzt.

Prag, 12. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der be­kannte tschechische Schuhgrohlndustrielle und Millio­när Thomas Bata ist heute früh auf einer Flug­zeugreise nach der Schweiz tödlich verunglückt. Ucber den Hergang liegen bisher nur unvollständige private Mitteilungen vor. Danach ist der Apparat, der gegen 6 Uhr früh gestartet war, noch über Batas Privatflugplah in Otrlkovice aus der höhe von etwa 700 Meter plötzlich abge­stürzt. Der Pilot war auf der Stelle tot. Bata selbst lebte noch, als man ihn aus den Trümmern herausholte. Er starb aber wahrend der Ueberführung ins Krankenhaus, was den Absturz herbeigeführt hat, konnte noch nicht geklärt werden.

Der Tod Batas hat in Prag große Erregung her- vorgerufen. In Prag sind zahlreiche Extrablätter erschienen. Aus diesen ergibt sich noch, daß vor dem Abflug noch verschiedene Wetterflugstationen nach dem Wetterstand befragt und allgemein das beste Flugwetter gemeldet wurde, weshalb trotz dichtem Nebel über dem Flugplatz der Start erfolgte. Bald nach dem Start stürzte dos Flugzeug aus geringer Höhe aus einem Waldrand mit solcher Wucht ab, daß es sich tief in die Erde bohrte und vollkom­men zertrümmert wurde. Der Pilot war so­fort tot, Bata erlitt sehr schwere innere Verletzungen, denen er bald darauf erlag.

Oie Lleberschwemmungen in Güdbayern.

Die W e r t a ch hatte bereits am Samstagnach­mittag infolge der andauernden Regengüsse einen so hohen Wasserstand erreicht, daß sie bei Bießen- hvfen, Ruderatshofen und Altdorf die Wiesen über­schwemmte. Durch den anhaltenden -Regen stieg das Wasser immer höher, so daß das Hochwasser im Innern der Stadt Kaufbeuren bereits eine große Gefahr bedeutete. Besonders stark bedroht

er mich so sehr liebte, weil er alles tat, was ich wünscht«, alles." Sie schluchzte kurz auf.O, hält« er btxfc nein gesagt, hätte er es mir doch verweigert. Vielleicht wäre ich dann gestern zu Hause geblieben und Vati hätte in meiner Gegen­wart das Schreckliche nicht getan. Run mußte man mich erst noch holen zu ihm, als er schon tot war. Von Musik und Lärm mußte man mich wegholen! Und ich kam mit bunten Fetzen auf dem Leib und mit einer scheußlichen langen Pappnase. So schauderhaft aussehend, kam ich zum toten Vati." Sie packte in der Erregung Werners Arm.Äeberlege das einmal, denke einmal dar­über nach: Die Tochter spielt Clown, reißt vor fremden Menschen blöde Witze, verrenkt die Glie­der wie eine tollgewordene Drahtpuppe, schielt zum Erbarmen, schneidet Grimassen, treibt aller­lei Albernheiten, um fremden gleichgültigen Men­schen «in Lachen abzuzwingen, und derweil schlägt sich ihr Vater mit schweren Sorgen herum, weih keinen anderen Ausweg mehr als den Tod." Sie flog am ganzen Leibe.3ch spielte Clown, und zur selben Zeit stahl sich mein Vater aus dem Leben fort. 3ch glaube nicht an eine Geistes­verwirrung. Er war ein klardenkender Kopf, ohne ungewöhnlich wichtigen Grund hat Vati das nicht getan. Aber ich, wie stehe ich nun vor mir selbst da? 3ch trieb Rarrenunfug und nicht die kleinste Ahnung, was inzwischen geschah, störte mich. Schamlos bin ich und schlecht. 3ch schäme mich grenzenlos."

Es war Werner nicht möglich gewesen, die Erregt« auch nur ein einziges Mal zu unter­brechen. Er sah, wie sich unter ihren langen dunklen Wimpern Tranen hervordrängten und langsam über ihre Wangen flössen.

Sie rang die Hände.3ch bin ja nicht teert, weiterzuleben, ich weiß ja vor Scham nicht wo­hin."

Werner hatte wohl gewünscht, Lil möge wei­nen, aber er fand die Tränen, die Lil jetzt weinte, waren keine erlösenden, befreienden Trä­nen. Es waren bittere, brennend« Reuetränen, die ihr unsagbar weh tun muhten.

Er umfing sie zärtlich.

Lil, du übertreibst. Du kannst doch nichts da­für, daß du gerade bei dem Wohltätigkeitsfest mitwirktest, als das Traurig« geschah."

Sie weinte jetzt laut auf.

3ch bin doch schuldig! 3ch hätte nicht auf meinen Wunsch bestehen dürfen, als Vati da­gegen war. Run werde ich immer und immer daran denken müssen, wie das mit mir gewesen, als Vati aus dem Sieben flüchtete. Vor wem oder vor welcher Gefahr, das weih ich ja nicht."

Sie konnte vor Weinen nicht mehr sprechen. Alle Tränen, die bisher so fest in dem tiefen Brunnenschacht ihres Herzens verschlossen ge­wesen, drängten sich jetzt empor. Haltlos, ver­zweifelt wurde das Weinen, und Werner gab

es auf, die arme Lil mit Worten zu trösten. Der Strom der Tränen muhte von selbst ab­ebben, eine andere Hilfe gab es nicht.

Er führte Lil zum Sofa, drückte sie darauf nieder und lieh sie weinen, weinen.

Die Tür sprang auf und die Baronin trat hastig ein, wie hierhergejagt.

Wo seid ihr denn nur? 3ch suche euch schon überall. Es ist ja furchtbar, was ich eben hörte. Frau von Welp war bei mir. Wir sitzen hier gewissermaßen an der Quelle des Skandals und wissen von nichts, während schon ganz Frankfurt weih, warum sich mein Bruder erschossen hat."

Sie achtete in ihrer Erregung gar nicht auf Lil, die mit brennenden, verweinten Augen zu ihr herüberblickte.

Werner legte seiner Mutter die Hand auf die Schulter.

Es ist doch völlig gleich, warum Onkel Eduard sich das Leben nahm, das Traurigste ist und bleibt doch, dah er es tat.

Er wollte verhindern, dah seine Mutter in Gegenwart Lils vielleicht etwas sagte, was Lils Schmerz noch vergrößern konnte. Aber die Ba­ronin war viel zu aufgeregt und kannte keine Rücksicht mehr.Es blieb ihm kaum ein anderes Mittel als der Revolver übrig", stieh sie her­vor,sein ganzes Vermögen hat er verspeku­liert, und man sagt, das Vermögen von anderen Leuten noch dazu. Tausende von Menschen sollen die Dank umlagern und ihr Geld fordern. Die Polizei mußte schon zu Hilfe gerufen werden. Gauner und Betrüger schimpfen die Leute den Toten und

Werner wollte der Mutter das Wort ab­schneiden, aber er kam nicht dazu, denn Lil war jäh aufgesprungen und mit ein paar Sprüngen bei der lebhaft gestikulierenden Frau. Sie hob die Rechte, wie Schweigen gebietend.

Tante Adele, gebrauche die hählichen Worte bitte, nicht noch einmal im Zusammenhänge mit meinem Vati, er verdient sie bestimmt nicht. Es ist möglich, dah er durch schlechte Geschäfte ober falsche Ratgeber fein eigenes Geld verlor, aber das Geld anderer hat er wohl nicht angegriffen. Sollte er es aber getan haben, verdient er auch! noch nicht, dah du, seine Schwester, die Worte .Gauner' und .Betrüger' nachsprichst. 3ch dulde es nicht! Hat jemand Geld durch ihn verloren, so muh man es ihm eben ersehen."

Die Baronin war sehr bläh.3ch wiederholte nur. was ich gehört habe, und ich glaube, dah alles stimmt. Dein Vater muh schon sehr schwer­wiegend« Gründe gehabt haben zu seiner Tat. So leicht hat er sich nicht dazu entschlossen, denn er liebte das Leben. Und wovon soll man den Leuten Geld ersetzen, wenn das eigene Ver­mögen schon zum Teufel ist? Kannst Du mir die Frag« vielleicht beantworten, Lil?"

Werner mischte sich ein.

war die Mechanische Spinnerei und Weberei, ßtf vollständig unter Wasser stand. In vierstündiger Arbeit schaffte die Feuerwehr 300 Kisten mit Baurn- wolle und Baumwollspindeln aus dem nassen Ele­ment. Von der Stadtpfarrkirche wurde Sturm ge­läutet. Am Wertach-Wehr bei Hirschzell hatten die wilden Fluten einen Teil der Wehranlage durchbrochen und fortgerissen. Mit ungeheurer Schnelligkeit drang das Wasser in die Wiesen und schaffte gefahrvolle Situationen. Fieberhaft wurde am Wertach-Wehr an der Errichtung von Not­schutzdämmen gearbeitet. Starke Bäume mußten gefällt und zu Schutzbauten verwendet werden. Unter Aufbietung aller Kraft gelang es, ein weite­res Einbrechen des Wassers zu verhindern. Die Fluten führten starke Baumstämme und Dalken mit sich, die von eingerissenen Brücken und durch­brochenen Dämmen yerrühren. Diele ertrun­kene Tier e, besonders Schweine und Haustiere, sah man im Wasser treiben.

Das katastrophale Hochwasser der Wertack hat auch in Göggingen und Inningen großes Unheil angerichtet. Weite Strecken Landes stehen unter 'Wasser. In Gödlin schießen die Wassermassen durch die Straße, so daß ein Passieren des Ortes teil­weise unmöglich ist. Die an Feldern und Gärten angerichteten Schäden sind außerordentlich groß.

Hochwasserkatastrophe

im Dürttember gischen Oberland.

Die Wolkenbrüche der letzten Tage haben im Württembergischen Oberland Hochwasser- katastrophen zur Folge gehabt. 3n Leut- kirch bildeten sich in den Straßen tiefe Seen. An und in den Häusern wurden große Schäden anaerichtet. Durch die Unterspülung einer Eisen­bahnbrücke und des Bahndammes der Linie 3snhLeutkirch wurde die Zugverbindung unter­brochen. 3n vielen Gegenden des Oberlandes mußten die Straßen wegen Hochwassergefahr ge­sperrt werden. Verschiedentlich wurden Paddel­boote eingesetzt, die den Verkehr aufrechterhielten. 3n Ochsenhausen wurde der Bahnkörper in einer Breite von 6 bis 7 Meter unterspült. Eine Im letzten 3ahr von Ulmer Pionieren erstellte Brücke wurde weggerissen und fortgeschwemmt.

7. Berbanbetag

des Verbandes deutscher evang. Beamfenoereine.

Die Tagung des Verbandes deutscher evang. Be­amtenvereine in B o n n begann mit einer von Pfar­rer Lic. Beckmann- Soest gehaltenen Morgen­andacht. Das Referat des Verbandsvorsitzenden, Pfarrer von derHeydt - Koblenz, behandelte die innere Lage der evang. Beamtenschaft. Der vom Generalsekretär erstattete Jahresbericht zeigte das äußere Wachstum und innere Erstarken des Ver­bandes und seiner Vereine und legte die Pläne künftiger Verbandsarbeit dar. Pfarrer Dungs- Krefeld behandelte die öffentlichen Aufgaben der evang. Beamtenvereine. Der Abend vereinigte die Delegierten mit den Mitgliedern des Bonner Vereins und der evang. Bevölkerung zur Feier des lOjähri» gen Stiftungsfestes des Evang. Beamtenvereins Bonn. Am Sonntagmorgen versammelten sich die Teilnehmer zum Festgottesdienst, den Generalsuper­intendent D. Stoltenhoff- Koblenz hielt, in der Kaiserplatzkirche. Anschließend sand eine vaterlän­dische Kundgebung am Alten Zoll mit einer An­sprache von Pfarrer Haun- Bonn über Ernst Moritz Arndt in seiner Bedeutung für die Gegen­wart statt. In den beiden großen öffentlichen Ver­sammlungen in der Beethooenhalle um 11.30 Uhr sprach über bas ThemaDie Bedeutung der Refor­mation für das deutsche Beamtentum Universitäts-. Professor D. Sorntamm - Gießen und am Nachmittag überDer Kampf des Beamtentums ge­gen die Korruption" Studienrat Ka mph off- Cleve. Pfarrer Dr. Haberkamp- Dortmund be­handelteDie Unabhängigkeit des Beamtentums von den Parteien".

Das Sprengkörperunglück In Bremen.

Zu dem bereits gemeldeten Sprengkörper­unglück in dem westlichen Vorort Grambke ist auf Grund der amtlichen Ermittlungen noch fol-

Wozu das erörtern, Mutter, wir wissen ja noch gar nichts Bestimmtes. Leute, die Geld in einer Bank liegen haben, sind immer gleich aus Rand und Band, wenn ein Gerücht umgeht. Das beweist noch gar nichts! Laß das doch alles, Mutter, Lil ist schon zerbrochen genug, sie darf sich nicht noch mehr aufregen."

Die Baronin schluckte die heftige Antwort, die sie geben wollte, hinunter, denn sie sagte sich, ihr Sohn hatte recht, noch wußte man nichts Sicheres, und falls Lil doch eine reiche Erbin war, wollte sie es lieber nicht ganz mit ihr ver­derben.

Sie klagte:Es hat mir doch entsetzlich weh getan, als mir Frau von Welp die hählichen Worte wiederholte."

Als Augen funkelten sie an.

Du hättest die alte Klatsche, die dich mit der Sensationsmeldung überfallen hat, die Treppe hinunterwerfen müssen. Wenn es einer wagen sollte, in meiner Gegenwart schlecht über den Vater zu sprechen, dann boxe ich ihn in Grund und Boden. Boxen habe ich zum Glück gelernt und habe es gut gelernt."

Der Zorn hatte dem noch vorhin so entsetzlich bleichen Gesicht Farbe gegeben. Werner muhte trotz der traurigen Gelegenheit ein wenig lä­cheln. Es wirkte komisch, Dieses Liliputfigürchen so bitterernst vom Boxen reden zu hören. Aber er traute ihr zu, dah sie mit kräftigen kleinen Fäusten zuschlug.

Die Baronin war einen Schritt zurückgetreten.

Dein Vater hätte dich mädchenhafter erziehen müssen. Wenn der Sport auch jetzt Weibersache ist, so paßt nach meiner Ansicht das Boxen gar nicht zur Frau."

Qlte Verteidigung und um böse Mäuler zum Schweigen zu bringen, ist ein ordentlicher Kinn­haken das einzig Richtige", gab Lil zurück.

3eht schäumt« die Empörung der Baronin doch über.

Soll das eine Anspielung auf mich sein. Lil, dann kann ich nur feststellen, du drückst dich ziem­lich ordinär aus."

Werner nahm ihre Hand.

Aber Mutter, wie darfst du so etwcis denken. Lil würde sich doch nicht erlauben, dich zu meinen."

Das hatte Lil auch wirklich nicht getan. Sie hatte an Frau von Welp und ähnliche Klatsch­schwestern gedacht, denen es Freude bereitete, ihren Mitmenschen unangenehm« Rachrichten zu bringen.

Sie sagte leise und ehrlich:Rein, Tante, an dich habe ich nicht gedacht, verzeih, wenn ich mich falsch ausdrückte." Sie faßte nach ihrem Kopf.

ich ertrage das alles nicht mehr." Sie weint« laut auf:Vati, lieber, guter Vati, hät­test du mich nur mitgenommen, es wäre am besten gewesen!" (Fortsetzung folgt.)

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