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Ur. lil Trittes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessenj

Samstag, 12. März 1952

SirHenbahn GießenWieseck

"Bor emigen Togen konnten wir unfern Lesern von einem iicbeie.niommcn zwischen der Stadt Diesten und Der Leichspost über den betrieb der Araftomnibueunic Stehen IStcled berichten Nach diesem Avkommen hat die Stadt Sieben ihren Einspruch gegen die Araflomnibuifabrtcn öcr Rcichvpost vom Wolltor zum Bahnhof Sie­ben zuruckgezogen, die Re.chspost dagegen Hal sich bereit erklärt, den Araftomnibusvertehr zwi­schen Dieben und Wiescck einzustellen. sobald die Stadt Sieben die elektrische Straßenbahn nach Wieseck in 'Betrieb genommen hat Siele Mit­teilung Hot die Aufmerksamkeit der Bürgerschaft w..der auf dos Straßenbahnprojekt Sieben Wieseck gelenkt. daS bereits in den wahren 1924 und 1928 sowohl in unseren Spalten, wie auch in Verhandlungen der Verwaltungs­organe von Sieben und von Wieseck eine grobe Rolle spielte, damals aber leider nicht zum er­folgreichen Abschluß gebracht werden konnte.

Rach dem Zwischenspiel des ZweckverbandeS Wiefeck Alten-Buseck und der ArastverkehrS- gesellschast ..Hessen" stehen in dieser Frage nun­mehr die Stadt Dieben jmb die ReichSpostver- waltung als alleinige DerhandlungSparl,ner ein­ander gegenüber. Durch daS vorerwähnte Ab­kommen der beiden Behörden ist die Sachlage fut die weitere Behandlung dieser Frage, die vom Diehener Interesse aus nach dem jetzigen Stand der Dinge nicht als besriedigend und endgültig geregelt angesehen werden kann, durchaus klar: die Reichspost kann ihre schweren Arastomnibusse so lange über das Walltor hinaus zum Bahnhos Diesten fahren lassen, bis die Stadl Sieben die Strahenbahn noch Wieseck gebaut Hal; sobald Dieben diese Erweiterung des EtrabenbahnnetzeS dem Verkehr übergibt, ist der gesamte Arast- omnibusverkehr zwischen Siesten und Wiefeck von der ReichSpost einzustellen. AuS dieser Sachlage sollten die Diestener Stadtverwaltung und der Stodtrat die Schlustfolgerung ziehen, so rasch wie möglich die Straßenbahn nach Wieseck zu bauen. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche Gefahren für die Diestener kommunale Finanzwirtschast auS dem jetzigen Abkommen mit der Reichspost entstehen, so must in dieser An­gelegenheit beschleunigtes Handeln zum Schuhe der berechtigten Diestener Interessen beschlossen werden.

Wir wissen uns frei von jeglicher Abneigung gegen den Arastomnibusdienst der ReichSpost, die von hier aus nach mehreren Richtungen hin erfreulicherweise ein gutes Arbeitsfeld besitzt, das auch der Diestener Wirtschaft Vorteile bringt. Wenn aber die Gemcinschastsintcressen unserer Stadt in so erheblicher Weise nachteilig beeinflußt werden, wie es unter dem gegenwärti­gen Abkommen zwischen der ReichSpost und der Stadt hinsichtlich der Wiesecker Verkehrsverbin­dung der Fall ist, so erachten wir es als unfere Aufgabe, auf die Rachteile der gegenwärtigen Regelung eindringlich hinzuweifen und beschleu­nigte Beseitigung der Gefahren zu empfehlen. Die Reichspost kann jetzt auf Grund dieses Ab­kommens ihre schweren Omnibusse der Wiesecker Linie nach einem Fahrplan, dessen Gestaltung ihr allein zusteht, über unse e Diestener Strasten laufen lassen Das, dadurch der Zustand der befahrenen Strasten schon in kurzer Zeit sehr ungünstig fein wird, liegt auf der Hand. Die ReichSpost wird aber weder zur Unterhaltung der Fahr­bahnen. noch zu deren Erneuerung Zuschüsse an die Stadt zahlen, die Lasten aus diesem Schaden ' werden vielmehr d e Diestener Steuerzahler allein zu tragen hoben Es wäre unrichtig, anzunehmen, dost es sich hierbei nur um geringfügige Auf­wendungen handeln würde, die Aoftcn werden

vielmehr eine recht anlehnliche Höhe erreichen. Eine weitere Denachtelligung unserer Stadt be­steht darin, dost unter den ictzigen Verhältnissen die Fahrgäste der Reichspost nicht mehr vom Dalltor ab die Strastenbahn benutzen, sondern mit dem Autobu- weiter in die Stadt und bis zum Bahnhof fahren werden Dadurch wird unserer ohnehm schon als Zu'chustbetrieb arbei­tenden Strastenbahn eine Aonturrenz erwachsen, die sich natürlich juungunften des Strastenbahn- ctati, und damit zum Rachteil der Siebener Steuerzahler auswirken wird, die ja den Zu- schuh für die Strastenbahn oufzubringen haben, wenn man nicht etwa den Betrieb der Slektn-

Willst Du am Sonntag nicht den kurzen Dang zum nächsten Wahllokal tun und mit entscheiden, wer in den nächsten 7 Jahren das Oberhaupt Deines Londes ist? Oder wirst Du einst sagen müssen:Ich habe die wichtige Entscheidung verschlafen?!"

schen ftillegen will. Die Giestener Bürgerschaft kann und darf aber nicht wünschen, den Betrieb der Strahenbahn einzustellen, sondern sie must verlangen, dost man diesem städtischen Unter­nehmen im Interesse der Steuerzahler jede Aon- kurrenz fernhält.

Der Strastenbahnbau nach Wieseck wird nicht nur unserem städtischen Strastenbahnbetrieb zu­gute kommen und die Fahrbahnen unse.er Strasten vor einem schnelleren Verschleiß bewahren, son­dern er wird auch in dieser Rotzeit eine be­sondere Wichtigkeit! eine gute Gelegenheit zur Arbeitsbeschaffung fein. Bei die'em Bau können zahlreiche Leute auf längere Zeit lohnende Beschäftigung finden Reben dieser direkten Ar- beitserschliestuiig wird aber auch durch die Ma­terialbeschaffung eine indirekte Belebung des Wirtschaftslebens erreicht werden. An eine Ver- gröherung des Wagenparks der Elektrischen braucht man nicht zu denken, denn u. W. ist durch die Anschaffung von Strastenbahnwagen vor eini­gen Iahren der Bestand an Beförderungsmitteln der Elektrischen ausreichend genug geworden, um einer erhöhten Frequenz genügen zu können.

Die Finanzierung dieses Erweiterungs­baues dürste auch unter den gegenwärtigen Ver-

MnWtSnmnM

Vornan von J Schnetder.Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.

1. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Um Gottes willen nicht", warnte Suse, als sie sah, dost die Schwester die Börse aus dem Täschchen nahm.Cr ist so empfindlich", verriet sie. als Malnow wieder außer Sichtweite war.

Das auch noch!" kam es ärgerlich.Da habt ihr euch ja was Schönes ausgehalst. Das Emp- sindllchsein, das würde ich ihm abgewöhnen. Mir dürste er nicht kommen damit. Wenn schon, denn schon! Dann soll er keinen Anecht machen, wenn cr die Allüren eines Herrenreiters bat.

..Ich vermute, dah er sehr arm ist ', sagte Suse kleinlaut.

Wahrscheinlich. Es laufen ja jetzt genug herum, die rein ums trockene Brot auf Arbeit gehen. Loht ihm nur nicht zuviel freie Hand, sonst wird er anspruchsvoll. Wie gebt es ügrigens Mama? Ist Lenore endlich fertig mit der dum­men Geschichte? Roch immer nicht? Blödsinnig ist das! Ich bube ihn gestern gesehen.

Den Swensen?" fuhr es Suse heraus.

'Den Swensen. ja! Mit seiner Frau natürlich. Es ist gut. dah Recklinhausen so weit abgelegen ist, sonst wäre Lenore wirklich zu bedauern. An jeder Litfaßsäule prangt sein Btlb. In jedem Aino geistert fein Gesicht über die Leinwand. Die Blätter tun. als gäbe es sonst überhaupt nicmanb mehr zu konterfeien und zu interviewen, als ihn. Und dabei linde ich ihn nicht einmal so gottvoll interessant."

Er ist schön", sagte die Jüngste aus ihren Ge­danken heraus.

..Was ist da schon an dem bißchen Larve? wehrte Margret ab. .Dettcrmann, grüß Sie Gott! Der 2dtc hatte es nun doch der Mühe wert gesunden, von feinem Autschbock herabzu- ricttetn und den Schlag für die beiden Damen offenzuhalten.

Ich gratuliere auch, Fräulein Doktor!" sagte Dettcrmann und breitete die Plüschdeckc über die Anic der Schwestern. Seine kurzsichtigen Augen suchten über die beiden jungen Gesichter hin. Genau wie der selige Herr sind bas Fräulein Margret."

3a. wirklich!" bestätigte Suse lachend.Rimm von Papas Bild den Schnurrbart weg. bann hast du dich. Schade, daß du kein Iunge geworden bist. Du hättest sicher Schwung in die Bude ge­bracht. So bleibt bie^Aarrc alle Augenblicke stecken."

Wofür habt ihr denn das Personal?" er­eiferte sich die Aeltere. .natürlich, wenn man sich einen Herrn Malnow als Verwalter nimmt.

Schweig doch, mahnte Suse, denn der Ge­nannte kam eben aus dem Stationsgebäude, lüf­tete den Hut und schwang sich auf das Pferd, das an den halbverwitterten Zaun des Bahn­hofgartens an die Zügel geknüpft gewesen war.

Die Aeltere kniff die Augen etwas zu, als sie gewahrte, wie ihm die Schwester mit den Blicken folgte. Also, da schien sich ja so manches ereignet zu haben, seit sie nicht mehr auf Recklinhaulen gewesen war. Ob die Mutter wohl einen Schim­mer von Ahnung hatte, baß ihre Iüngste in bie Iahre gekommen war, wo ein hübsches Män- nergesicht gefährlich werden konnte? Sic lächelte, als ihr Suses Blick jetzt so verlegen auszuweichen bestrebt war.

Dieser Herr Malnow hat die gleiche ver­dächtig glatte Fratze wie Lenores Swensen."

Margret wie häßlich, daß du immer gleich das Schlechteste von den Menschen denkst." Suses Wangen standen in brennendem Feuer.Ich

dulde cs nun einmal nicht, baß bu ihn auf bie gleiche Stufe mit bem anderen stellst "

So! Du duldest bas nicht! Weshalb sich benn gleich so creifem, Ainb Gilt er bir wohl etwas?"

Margret!" Der Iungcren war cs. als ßnbe ihr icmanb das Alcib vom Leibe gerissen, daß sic nackt unb unbedeckt ihren Aörpcr zu Schau trug. Woran sie mit ihren siebzehn Iahren kaum zu tasten wagte, das hatte die Aeltere mit un­barmherzigen Händen bioßgeftcllt unb besah sich bas Ganze mit den kühlen, nüchternen Augen eines Politikers.

Der Zusammenhang wirb mir immer klarer", hörte sie bie Schwester sagen.Euer Herr Mal­now hat gewußt, daß auf Recklinhaulen zwei Töchter au freien sind. Sine bessere Gelegenheit, §u Ansehen unb Besitz zu kommen, könnte cs für ihn gar nicht geben Ist es die eine nicht, bann bie anberc. wird cr lich gebucht haben

Zwei Töchter'" schaltete oufc klanglos ein. Und bu? Dich selbst nimmst bu wohl auS, Margret?

Ich selbst? O du gelbgrünes Aücfen bu! Als ob es für mich einen Unterschieb ber Ge­schlechter gäbe! Für mich ist allcS Neutrum."

Suse fror, trotz ber Augusthiyc, die über den Feldern brütete. Sic rückte aber nicht enger gegen die Schwester, wie sie es bet Lenore getan haben würde, sondern kuschelte sich in die Ecke unb hielt bie Wimpern zur Hälfte über die blauen Augen gesenkt. Aamitlcn dufteten süß vom Rain herüber in die Glut ber Mittagssonne Weit übergeneigt unter ber Schwere seiner blutenden Herzen ftanb ber Mohn zwischen bie reifenben Halme gelehnt.

Warum bist bu plötzlich so stumm? zerriß Margrets tiefes Organ den lautlosen Frieden ,Du bist doch siebzehn Iahre. AlcineS, und was ich über diesen Malnow gesagt habe, das war

baltniMcn nicht auf unüberwindliche Schwier« g- c ttn stoßen W.c bc. jed.m Bet u*b. so ist natür­lich auch bei der Elektrischen bet übliche örneue- rungSsonbs rothanben. Diele DetttebSrücklage bad nach gesetzlicher Vorschrift ntcht für andere Aufgaben sondern nur für Zwecke des Be.riebes selbst verwenbet inerbcn. Der Umfang dieser Aapitalrcserve wirb nach unserer AenntniS der Sachlage für bie Durchführung ber Streckenerwei­terung ausreichen Sollte dennoch eine gewisse Aap talaufnahme notwendig werben, so fann inan wohl nicht bezwei'cln. baß für eine derartige Investierung in einen werbenden Betrieb Gelb zu haben wäre. 316 Beispiel hierfür sei nur daran erinnert, baß erst vor einigen lagen bie

unter bem Etufluß bes Reiches auf gemeinnütziger Grundlage arbeitende Deutsche Gefelllchast für öffentliche Arbeiten in Berlin einen Bahnbau auf der Strecke Borna Groß-Bolhcn durch cm Darlehen von rund 1,5 Millionen Mark finanziert hat. um in icner ö^egenb Braunkohlcnfclber er­schließen zu helfen

Wie die ganze Sachlage ber Straßenbahnfrage Gießen Wiefeck sich ,e:il barftcHt. bürste bie Möglichkeit zur Verwirklichung des ProiektS ge­geben sein. Man sollte daher mit starker Ent­schlußkraft an die Sache Herangehen unb ein Werk schaffen, ba# zahlreiche Porteile nach vedchledenen Richtungen hin in sich birgt

JieMlßsllngderheMenSondMbäudesKuer.

Don Sfeuerinspettor Frees, Gießen.

Rach den Rotverordnungen vom 6. Oktober 1931 unb 8. Dezember 1931 ist die Sonberge- b ä u b c ft e u c r ab 1. April 1932 um 20 v. H.. vom 1. April 1935 ab um 25 vH . vom l April 1937 ab um weitere 25 v. H. zu senken unb ab 1. April 1940 nicht mehr zu erheben. Der Senkung ab 1 April 1935 ist der volle Iahresbetrag der Steuer zugrunde zu legen, der für daS Rech­nungsjahr 1932 Geltung hat. ohne 'Berücksich­tigung der niedergeschlagenen, oder erlassenen Beträge.

Der Grundstückseigentümer ist berechtigt, die für bie Zeit vom 1. April 1932 biS zum 31. März 1939 nach vorstehender Lenkungsvorschrist sich ergebenbe öonbcrgebäubcftcucr bis zum 31. März 1934 burch Zahlung eines einmaligen D e - träges ganz ober zum Teil abAmölcn. Bei völliger Ablösung beträgt die Ablösungssumme, soweit sic biS zum 30. September 1932 entrichtet wird, daS Dreifache, soweit sie in der Zeit vom 1. Oktober 1932 bis zum 31. März 1934 entrichtet wird, bas Dreieinhalbfache der vollen rechts­kräftig festgesetzten Iahressteuer. die nach dem Sondergcbäudesteucrgcsctz für das Land und die Gemeinde (den Gcmcinbeverbanbi für das Rechnungsjahr 1932 Geltung Hal Die für bie Zeit bis zur Entrichtung bes Ablöfungsbetrages zu erhebenben öonbergebäubefteuem sind neben Dem Ablö'ungsbctrag zu zahlen. Erfolgt jeboch bie Zahlung ber Ablösungssumme zwischen bem 1. April 1932 unb dem 30. Septemoer 1932. so werben bie für biefe Zeit erhobenen Sondcr- gebäubeftcucrbcträgc zur Hälfte ungerechnet. Wirb Zahlung vor bem 1 April 1932 geleistet, so kommt lebiglid) brr dreifache Iahresbetrag 1932 in Frage Eine Zahlung vor bem 1. April 1932 bietet mithin bie größten Vorteile.

Bei Berechnung der Ablösungssumme finb solche Steuerermäßigungen nicht zu berncksichtigcir, bie auf Grund des Sonbergcbäubcstcucrgcschcs zu er­folgen haben, weil Micträume ohne Verschulden des Eigentümers länger als einen Moment Iccr- stehen, oder die Einziehung ber Mieten dem Eigentümer nach Lage der Sache nicht möglich ist und die Möglichkeit glaubhaft gemacht wirb, ober gewerblich genutzte Räume burb Betricbscin- schränkum en oder ungünstigen Ecschästsgang nicht nur vorübergehend erheblich geringer ausgenutzt werben, als in der Vorkriegszeit. Die übrigen Steuerermäßigungen des S,rndergcbäutesteuer- gefetzes finden bei der Berechnung des Ablösungs- betrages insofern Berücksichtigung, als von dem ermäßigten Iahrcssteuerbetrag 1932 auszu- gehen ist.

Reben einer völligen Ablösung kann auch eine Teilablösung vorgenommen werden. Tci'.ab- lofungcn erstrecken sich auf Bruchteile des Jahres- steuerbetrages und nicht etwa auf einzelne Rech-

boch nur gut gemeint. Ober willst bu bie gleiche Erfahrung machen wie Lenore?"

Olein!r sagte bie Jüngere heftig.Das will ich sicher nicht, Grete. Darauf kannst bu bich verlassen."

ES war bas zweitemal. baß das Gespräch verstummte. Die Augen des Fräulein Doktor wanderten von ber linken nach der rechten Seite des Geländes, ücbcrall herrschte jetzt um die Mittagszeit totenähnliche Stille. Rur ein Heim­chen zirpte unentwegt, und wenn ein Windhauch den heißen Atem der Luft kühlte, hörte man ein Raunen von Halm zu Halm gehen.

Suse fühlte es als eine Erleichterung, als Tessa, die gefleckte Hündin, mit wcitausholcnden Sähen über die Wiesen gejagt kam unb neben ben Pserdcn hertolltc. Die gebräunte Mädchenhanb schob sich in bie weiche, weiße ber Schwester. Sag Lenore nicht, baß du ihn gesehen hast, sic sitzt sonst wieder die ganzen Rächte wach In die Stabt kommt sie jetzt lehr selten unb bis das wicber ber Fall ist, hängt sein Dilb sicher nicht mehr an den Litfaßsäulen."

-Ach. bann hängt eben ein anbereS von ihm irgendwo. Sic treiben ja ben reinsten Götterkult mit ihm Ich möchte keinen Warm haben, ber Allaemeingut der Menge ist."

.Ich dachte, du willst überhaupt keinen haben", fiel Suse mit leichtem Spott ein.

Ratürlich! Ueberhaupt keinen", gab bie Schwester zu.

In bas freie Gclänbc schoben sich plötzlich bunkle Hecken, standen in schwarzen Gruppen unb liefen bann als Raturzaun ein Stück bic Ehaulsee entlang. Eine dicke Staubschicht lagerte auf dem grünen Blattwerk, baß cs beinahe den Eindruck verwitterten Gesteines machte Weitausladende Ahornbäume fpenbeten den ersten Schatten

Beide Schwestern richteten sich unwillkürlich auf, als bic Fenster bes Herrenhauses durch das Laubwerk glänzen

Dettcrmann lenkte den Wagen dicht an bie Rampe, deren Mauerwerk von kleinblättrigem Efeu überzogen war. Frau von Recklinhausen stand unter ber Tür unb kam bem Alten im Ocffncn des Schlages zuvorMein Ainb! Mein liebes, großes Ainb! Latz bir noch einmal Glück wünschen."

Man gewann ben Eindruck, als wäre Margrets Gesicht bisher von einer Schminke übertüncht gewesen. Die großen nachtdunklcn Augen erwach­ten, ber etwas bleiche Munb färbte sich unb ftanb in weicher, hingebenber Rundung. .Ich habe dir so viel au schaffen gemacht in letzter Zeit. Mama. Ich ßoffc bald eine Praxis zu haben, bie mich auf eigene Füße stellt."

Ich hoffe in erster Linie, baß bu dich bei uns erholst . war bie Erwiderung der Mutter. Lenore", rief sie in das Dämmer des Flures, Margret ist da! Aommst bu?

nungSjahre. ober bic Anteile der einzelnen Steuer- gläubiger am Jahres euerbctrag. und auch nicht etwa auf einzelne Gebäudeteile eine- Grundstücks. Für die Ablösung ber öonbergebäubefteuer deS Landes unb der Gemeinden ist das Finanzamt. daS die staatliche Sonbcrgcbäubeftcucr für 1932 zu veranlagen bat. zuständig. Steht der Steuer­satz einer Gemeinde icinc» Gemcinde^rbandesl,ür bas Jahr 1932 zur Zeit der Feststellung ber Ab­lösungssumme luxb nicht fest, fo ist der um 20 Prozent gesenkte Steuersatz 1931 maßgebenb.

Da ber Ablösungssumme ber rechtskräftig fcftgeftcllte Iahresstcuerbctrag jugrunbe zu legen ist. hat alsbald nach Eingang de» Antrags Ver­anlagung zu erfolgen. Zur Beschleunigung des Verfahrcns besteht für den Steuerpflichtigen die Möglichkeit, auf die Einlegung ber gesetzlich zu­lässigen Rechtsmittel gegen ben staatlichen unb ben kommunalen Steuerbescheid durch eine be­sondere schriftliche Erklärung zu verzichten. Rach Rechtskraft der Steuerbescheide für 1932 fiel': bas Finanzamt bie Ablösungssumme enbgültig fest unb teilt sic dem Antragsteller mit. Eine beschleunigte rechtskräftige Veranlagung ber Jahressteuer 1932 wird, mSbcsonbere für Steuer­pflichtige. bic ben AblösungSbctrag bis 31 März 1932 zu zahlen beabsichtigen, nicht immer möglich fein. In diesen Fällen ist bic Gelegenheit ge­geben. bie Ablösungssumme vorläufig mit dem Vorbehalt ber endgültigen Feststellung nach Ein­tritt der Rechtskraft ber Steuerbescheide für 1932 festzusetzen. Rach Zahlung der endgültig feft- gcftclltcn Ablösungssumme wird die abgelöste Sonbcrgcbäubeftcucr, soweit sie veranlagt ist. erlassen unb ber Steuerpflichtige, sowie bic be­teiligte Gemcinbe von bem Erlaß benachrichtigt. Eine Veranlagung für spätere Rechnungsjahre finbet nicht mehr statt

Folgendes Beispiel möge bic Errechnung ber Ablösungssumme nochmals zahlenmäßig erläu­tern:

Der Fricdenswert eines HauscS in der Stabt Gießen beträgt 40 000 Mk. Die normale Son- bersteuer 1931 beläuft sich für ben Staat auf 642,60 Mk .

für bic Stabt unb ben Ar ei 8 auf 308.00

950 60 Mk

War das Grundstück am 31. De­zember 1918 unbelastet, fo ermäßigt sich bic Sonbcrgcbäubeftcucr nach Art. 1 bes Sonbcrgcbäubcftcuergc- sctzeS um 544.80

auf 405.80 Mk.

Die Sonbergebäubcfteucr für 1932

ist um 20 Prozent zu senken 81,20

Jahrcssteuer 1932 324.60 Mk.

Unb als bic Schwestern sich bann gegenüber- ftanben, war cs bic Arltestc, die bai blasse Ge­sicht. aus dem alles Leib ber Erde sprach, zwischen ihre feingliebrigcn Finger nahm unb ce mit zarter Behutsamkeit auf Stirn unb Wangen küßte.

_ Sie ist doch gut, frohlockte es in Suses Innerem. Sie tut nur fo, als ob sie weiß Gott kein Her, im Leide trüge unb nur Gehirn unb Verstand wäre. Aber wenn inan so zart und behutsam mit einem anderen umzugehen wußte,' da konnte man nach außen hin dje kälteste Miene zur Schau tragen, im Inneren brannte doch ein Feuerchen, man mußte cS nur verstehen, sich ein Plätzchen daran zu sichern.

Wo habt ihr daS Gepäck?'' hörte sie dir Mutter fragen.

Das bringt ber Anecht ober Verwalter, ober waS cr sonst ist", bcschied MargretGib ihm ein Trinkgeld für mich, Mama, ich möchte nicht, baß er sich umsonst bemüht hat."

Suses Wangen erglühten mohnsarben.Er hat bicfclbc glatte Fratze wie Swensen". klangen bic Worte ber Schwester in ihr nach. Sie glitt an ben aoberen vorüber und nahm mit ein paar Sprüngen die Treppe, bic zu ihrem Zimmer führte. Cs ist etwas in mir zerschlagen, bachtc sic unb horchte in sich hinein. Etwas, bae noch kaum gereift unb nun im ersten Knospen zerstört war. lieber das Bett geworfen, biß sic bic Zähne in bas weiße Leinen bes AissenS.

Als sic vom Hose heraus seine Stimme hörte, hielt sie sich bie Ohren zu. Sic konnte sie für ben Augenblick nicht ertragen. Sie wollte Malnow vorläufig auch nicht mehr zu sehen bekommen. Das ließ sich ohne weiteres einrichten: sie brauchte nur einfach nicht mehr bahin zu gehen, wo sie wußte, baß er war.

In bem Zimmer nebenan sprach jetzt bie Mutter mit Margret, bic sich den Rciscstaub von Ge­sicht unb Händen wusch. Ich will nicht lauschen, dachte sie unb lag doch reglos, als ein leises Weinen aufklang, das Lenore galt.

.Ich veriuchc alles, fie auf andere Gedanken zu bringen, klagte die Mutter ihrer Aeltesten. Ich habe deshalb auch Malnow in meine Dienste genommen weil ach Margret, versteh mich doch ich würde so glücklich fein, wenn Lenore ihn liebgewänne."

SuseS Herz versagte den Schlag. Der blonde Aopf fiel schwer auf ben weißen Batt st, der ihn mit milder Aühlc umfing. Die Rosen der Tapeten wurden zu feurigen Lochen, in denen blutrotes, groteskes Blattwerk schwamm. Um Gott!-- ist mir denn? Wie denn nur? Die Gar­dinen tanzten als Riesenmöven, deren Flügel weit über die Decke reichten.

(Fortsetzung folgt.)