Darstellung -es Ganzen. einHaupt,vordem die Ehrfurcht sich neigt — die Ehrfurcht, deren unser verwirrtes Staatswesen so bitter bedürftig war. Er waltet in harter, notwendig er folg armer Zeit, mit einer heroischen schweigsamen Geduld, die vielen allzu geduldig ist, und wirkt in stiller Bestimmtheit, die doch in sich ein Stuck Genialität ist, einer Zukunft vor, denen er für sein Dolk im Herzen sicher ist.
Schon jetzt ist die geschichtliche Leistung dieses Mannes, Hindenburgs des Reichspräsidenten, von dem hier allein die Rede war, groß. Der Kampf um unsere nationale Befreiung ist unvollendet und jeder Weg starrt von Schwierigkeiten und Gefahren. Wir müssen voran, m i t Hingabe, GrnstundDesonnenheit: die heißen uns nach Hindenburgs Ramen. Haben andere anderes hinzuzubringen, das ihm etwa fehlt: gut, wenn sie es vermögenl Aber jene Eigenschaften sind unserer Lage die unent- behrlichsten. Der Kampf um unsere innere Ordnung, um Reich und Staat und Gesellschaft, ist ebenso unvollendet, und alle Probleme, außen und innen, hängen schicksalsvoll zusammen. Vorerst ist dieses eine uns ein reicher Gewinn: diese > Sammlung des Gesamtinteresses und der Macht |
in einem Manne, diese Führerschaft des Einen, der der Träger des nationalen Willens ist — nach dem Vorbild der nordamsrikanischen Verfassung und Geschichte.
Cs ist eine Bitte an das Schicksal, daß dieses Gut uns erhalten bleibe, dieses Leben, das er seit so langem seiner Aufgabe opfert, daß diese Hand, solange sie es kann, am Steuer bleibe, lenkend „nach festem Maß", in allem Wogendrange unserer Rot. Er ist unserem gequälten Volke Ehrfurcht und Vertrauen. Ein Schöpfer mag. vollends ein Heiland kann er nicht sein — nur herbe Früchte reifen heute bei uns — aber ein Schirmer und Helfer, ein Ausgleicher und Regierer. Und Regierung über allem anderen braucht dieses verwirrte Deutschland. Aber wir wollen noch etwas von ihm. Sein Dasein ist für unser zerrissenes Vaterland ein Wunder gewesen, von 1914 und von 1925 an. das des 85er5 ist es erst recht. Soll nicht einmal auch uns, dem Volke des Unheils, zu dem wir geworden sind, ein heilsames Wunder zuströmen und verbleiben dürfen? 3n banger Hoffnung ist dieses Wunder seines Lebens und seines Verbleibens an unserer Spitze der heiße und tiefe Wunsch Unzähliger.
Wie ein Amerikaner Deutschland sieht.
Besuch bei den Karl-Zeiß-Werken in Jena. - Deutschlands größtes Llnternehmen der optischen Industrie. — Hat Abb6s System sich bewährt?
Äon H. X Knickerbocker
II.
Copyright 1932 by Rowohlt-Verlag, Berlin.
Die Karl-Zeitz-Werke in Jena heben sich von dem düsteren Hintergrund der allgemeinen Depression im Reich in ebenso scharfem Kontrast ab wie ihre hellstrahlenden Fenster vom Rachthim- mel. Dürfte man Deutschlands Wirtschaftslage nach der der Zeitz-Werke beurteilen, so würde man zu dem Schluß kommen, das Land sei gesund, es habe eine gesicherte Zukunft und seiner Bevölkerung gehe es gut.
Verglichen mit dem nur wenige Stunden entfernten trostlosen Gebiet stillgelegter Fabriken und jammervollen Elends, war das hier buchstäblich eine ganz andere Welt. Eine Welt, die das wirkliche Deutschland zu fein schien — das Deutschland der Ordnung und des Fleißes, der Sauberkeit und des Behagens, der Produktivität und Tüchtigkeit. Eine Welt überdies, deren Ramen man in allen Ländern des Erdballs kennt. Es gibt kaum eine größere Maschinenfabrik in Amerika, die nicht von Zeiß hergestellte Instrumente hatte, und nur wenige Universitäten, Laboratorien und Sternwarten, deren Apparatur nicht mindestens zum Teil aus den Jenaer Werken stammt.
Die optischen und physikalischen Instrumente aber, die von den Zeih-Werken, und die Spezialgläser, welche von dem angeschlossenen Unternehmen, den Schott-Glas-Werken, geliefert werden, können nicht viele Fabriken in der Welt erzeugen. Der Jenenser Konzern ist auch etwas ganz anderes als eine normale Einheit im Wirtschaftsmechanismus Deutschlands. Er ist nicht eine Gesellschaft, sondern eine Stiftung: seine Organisation und sein Aufbau sind etwas Einzigartiges. Aber die Tüchtigkeit und Geschicklichkeit, die Erfindungsgabe und der wissenschaftliche Geist, mit deren Hilfe der Konzern fein jetziges Niveau erreicht und es während der bösesten Wirtschaftskrise der Welt in geradezu unvergleichlicher Weise gehalten hat, sind Eigenschaften die typisch für den Deutschen sind, und denen weder der Krieg noch die Leiden der Rachkriegszeit etwas anhaben konnten. Die Zeiß-Werke liefern für eine Beurteilung der Zukunft Deutschlands wertvolles Material.
Aus den geräumigen Fabriktoren strömten Arbeiter. So wohlhabend aussehende Arbeiter hatte ich in Deutschland noch nicht gesehen. Sie waren gut angezogen, sie schienen gut gestimmt zu fein, und es waren nicht etwa wenige, f ie zählten nach Tausenden. Sie hatten auch allen. Grund, gut gestimmt zu fein. Roch vor sechs Monaten merkten die Arbeiter dieser Fabrik kaum, daß in der Welt etwas von Belang nicht in Ordnung fei. Heute, inmitten des „schwersten Winters", arbeitet das Werk mit 85 v. H. seiner vollen Belegschaft 42 Stunden in der Woche. Seit der Zeit der besten Geschäfte in der Rachkriegsperiode, seit dem Jahre 1929, in dem der Konzern 5900 Menschen beschäftigte, ist die Belegschaft um nicht mehr als 850 Mann, also 15 v. H., auf 5050 reduziert worden, während der Prozentsatz der Erwerbslosigkeit unter den Industriearbeitern im ganzen Reich 40 v. H. beträgt.
Roch mehr jedoch als die Arbeiter, die die Fabrik verließen, unterschieden sich die. die wir im Betrieb sahen, von ihren Kollegen in den ärmeren Distrikten Deutschlands. Die Gesichter hier waren unbekümmert, intelligent, charaktervoll. Mit weihen Schürzen bekleidete Männer sahen reihenweise vor breiten Fenstern und setzten auf sauberen weißen Tüchern Mikroskope zusammen. Andere waren eifrig damit beschäftigt, einen wunderbaren, unglaublich komplizierten Apparat zu prüfen, der verzerrte Flugaufnahmen in topographische Karten umwandelt. Reihe um -Reihe sahen Männer und Frauen da, aufmerksam über Linsen gebeugt, und polierten sie, bis ein geradezu phantastischer Grad von Genauigkeit erreicht war. Ganze Reihen von Poliermaschinen bewegten sich vor und zurück wie exerzierende Kompanien. In den Fenstern standen Topfpflanzen. Eine Atmosphäre des Behagens und des Vertrauens herrschte hier.
Es war natürlich unmöglich, mehr als einen Bruchteil der zwei ganze Gebäudeblocks einnehmenden Werke zu besichtigen, in deren zahllosen Abteilungen tatsächlich alles erzeugt wird, was mit Optik und Feinmechanik zu tun hat, von Drillen und Automobilscheinwerfern bis zu astronomischen Teleskopen und der kompliziertesten Maschine, die hier hergestellt sind: dem Planetarium. In der"ästLonomischen Abteilung hielten wir uns auf, um unT^as für das Planetarium in Los-Angeles bestimmke'^A Zentimeter-Teleskop, das eine Brennweite t>&n 5 Meter und 833fache Vergrößerung hat, genauer anzusehen. Die Geschäfte sind zurückgegangenXuber von Depression kann an einer Arbeitsstätte nicht die Rede fein, wo der Arbeiter im Akkordlohn bei 42stündiger Arbeit heute noch 1 25 Mark in der Stunde verdient — im Jahre ’193tf betrug das Stundeneinkommen bei 48ftünbmer' Arbeit 1,35 Mark. ;
Welch ein Abgrund in Deutschland die best- fihrierten Arbeiter von den schic,-chtest gestellten
trennt, war an den Wohnungen der Zeih-Ar- b eiter ausgezeichnet zu konstatieren. Wir besuchten einen Arbeiter der Zeih-Schmiede. Er hatte mit Frau und Kind eine Dreizimmerwohnung mit Küche und Bad, die ebensoviel Komfort hatte und ebenso eingerichtet war wie eine Wohnung der Reuyorker Mittelschicht. In dem schönen weihen Herd in der gekachelten Küche brannte ein lustiges Feuer, und Schüsseln mit frischgebackenen Keks bewiesen, dah man hier gut lebt. Im Kellergeschoß stand den Hausbewohnern eine elektrische Waschmaschine zur Verfügung: es war eines der neuen von der Zeitz-Dau-Gesellschaft für die Arbeiter errichteten Reihenhäuser. Dieser Arbeiter war seit 22 Jahren bei Zeiß, verdiente 50 Mark wöchentlich und hatte Anspruch auf eine lebenslängliche Pension, die ihm ein Auskommen im Alter sicherte.
Insgesamt leben etwa 600 Arbeiter von Zeih- Pensionen. Einen von diesen, einen alten Zimmermann, suchte ich auf. Er war nach 28jähriger Arbeitszeit in den Ruhestand getreten. Da er nur feine Frau zu erhalten hatte, konnte er mit feiner Pension von 80 Mark im Monat recht gut auskommen.
Das System stammt von Professor Ernst Abbe, der jedoch zu bescheiden war, ihm seinen Ramen zu geben. Carl Zeitz selbst, älniversitätsmechaniker in Jena, hatte im Jahre 1846 mit zwei Gehilfen eine kleine Werkstatt zur Herstellung optischer Instrumente aufgemacht. Professor Abbö assoziierte sich mit Zeitz, stellte die Produktion auf eine wissenschaftliche Basis, und als Zeih im Jahre 1888 starb, zählte der Konzern bereits 300 Angestellte. Abbe wurde Alleineigentümer: das Tlngewöhnlichste an seiner ohnedies ungewöhnlichen Leitung war, daß er vor seinem Tode sein Unternehmen in eine „Stiftung" umwandelte und dann noch vierzehn Jahre lang als angestellter Beamter gegen ein Gehalt arbeitete, welches nach den für alle Beamten gültigen Vorschriften der Stiftungsfahung festgesetzt war. Zu den gleichen Bedingungen traten die Jenenser Glaswerke Dr. Otto Schotts, eines Freundes von Abbe, im Jahre 1919 der Stiftung bei.
Diese Bedingungen schufen eine ganz neue Methode der Entlohnung innerhalb des kapitalistischen Systems. Der Zeitz-Konzern ist nämlich ein kapitalistisches Unternehmen in dem Sinne geblieben, datz er, ebenso wie die Sowjet-älnter- nehmungen innerhalb des jetzt herrschenden staatskapitalistischen Systems, um des Profites willen arbeitet. Der Profit des Zeitz-Konzerns geht jedoch weder wie bei gewöhnlichen Gesellschaften an Aktienbesitzer noch wie bei den Sowjet-Fabriken an den Staat: er kommt in einen Fonds, der auf dreierlei Weise geteilt werden kann: für die Vergrösserung und Verbesserung der Werke, für die Arbeiter selbst und für Zwecke der öffentlichen Wohlfahrt, vor allem für die Universität Jena.
Zum Ende des Jahres wird ein Teil des Überschusses nach einem bestimmten einheitlichen Prozentsatz ihres Jahresverdienstes an die Arbeiter ausgeschüttet. So bekamen die Arbeiter z. D. im Jahre 1928 einen Bonus in Höhe von 8 v. H. ihres Verdienstes, und im Jahre 1929 ergab die Teilung des Ueberschusses 9 v. H., was ungefähr einem Monatslohn entsprach.
Das Unternehmen hat seit dem Jahre 1904 an seine Arbeiter jährlich Tantiemen in einer Höhe_ von 2i'2 bis 5 Wochenlöhnen verteilt: es hat für die Universität Jena Institute für Physik und Chemie, für Mineralogie, Hygiene, Anatomie, pathologische Anatomie, Botanik, Zoologie und Pharmakologie gebaut, bzw. umgebaut, hat der Universität gratis optische und wissenschaftliche Instrumente geliefert, zahlreiche Lehrstühle finanziell unterstützt, ein neues Hauptgebäude und eine Bibliothek errichtet, Sport- und Spielplätze angelegt; es hat die schönste Institution Jenas, das „Volkshaus", ein Zentrum der Volksbildung, ferner einen öffentlichen Lese- faal und eine Bibliothek, wie fein zweites Gemeinwesen dieser Größe sie hat, ein öffentliches Schwimm- und Wannenbad, ein Kinderkrankenhaus und noch viele andere der allgemeinen Wohlfahrt dienende Institutionen erbaut und der Stadt zum Geschenk gemacht.
Der Kernpunkt des Zeitz-Systems liegt darin, dotz jeder Arbeiter, der sechs Monate oder länger beschäftigt ist, nicht entlassen werden kann, ohne datz ihm eine Entschädigung ausgezahlt wird, die sich nach der Länge seiner Dienstzeit richtet, daß ferner alle Arbeiter, die mindestens drei Jahre im Betrieb angestellt waren, pensionsberechtigt sind, und dah die einmal aufgestellte Lohnbasis nicht herabgesetzt werden kann.
Diese Einrichtungen bieten erstens eine Gewähr für das, was Abbä vor allem erstrebt hat: datz der Arbeiter das beruhigende Gefühl hat ein bleibender Teil des Konzerns, und nicht bloß eine Ware zu fein. Zweitens haben sie zur Folge, daß man Vergrößerungen der Belegschaft nur mit äußerster Vorsicht vornimmt, um nicht in einer Periode andauernder Expansion eine 5af)I zu erreichen, die sich dann nicht mehr halten laßt; darin liegt eine Sicherung gegen die lieber» expansion, die bei der Entstehung der jetzigen
Weltkrise eine Rolle gespielt hat. Drittens führen sie dazu, daß man sich in Perioden der Depression eine gewisse Beschränkung in Arbeiterentlassungen auf erlegt; darin liegt wiederum ein wertvolles Regulativ, welches gegen ein jähes Anwachsen der Erwerbslosigkeit und die daraus folgende Verringerung der allgemeinen Kaufkraft schützt, auf die zu einem guten Teil das Fortdauern der Depression zurückgeführt wird. Von allen Leistungen — ständige ileber- legenheik auf dem eigenen Gebiet, Wohlfahrtsinstitutionen, zwei- bis dreihundert fundamentale Erfindungen — ist im Augenblick die interessanteste, daß die Zeitz-Stiftung es zuwege gebracht hat, in ihren Werken einen prozentual höheren Beschäftigungsgrad zu erhalten als alle anderen einigermaßen gleich wichtigen Jndustrie» konzerne in einem Deutschland, das wie noch nie zuvor unter Arbeitslosigkeit leidet.
Der Zeitz-Konzern hat trotz seiner überlegenen Situation unter der Krise gelitten. Das Geschäft ist flau; die Leitung führte aus, dah die Verkäufe, wenn 1927/28 mit 100 zugrundegelegt wird, 1928/29 auf 110 gestiegen, 1929 '30 auf 100 zurück- gegangen, 1930/31 auf 80 gesunken sind und 1931/32 sich ungefähr zwischen 60 und 64 bewegen dürften. Ein großer Teil der jetzt fertig- gestellten Produktion mutz auf die ohnedies überfüllten Lager gehen und auf bessere Zeiten warten. Der neue sechzigprozentige Zoll Amerikas aus optische Waren, der sünfzigvrozentige Englands, der französische, der italienische und andere Zölle, vor allem jedoch die Kredit- und Geldkrise, die in den letzten Monaten die ganze Welt ergriffen hat — das sind die Hauptgründe für den Rückgang der Geschäfte.
Vor dem Krieg gehörte Rußland zu den stärksten Abnehmern der Zeih-Erzeugnisse. Die Sowjet-Union k"uft wohl noch immer beträchtliche Mengen opt s ''er W ren. aber wie aus den interessanten Mitteilungen der Geschäftsführung der Zeiß-Werke hervorgeht, ist infolge der Leistungen des Fünf-Jahres-Plans in Rußland die Inland- Produktion an optischen Waren und Präzisionsinstrumenten bereits so groß, dah der Auslandbedarf der Sowjet-Regierung um ein Beträchtliches zurückgegangen ist.
Aus Oer Proetn^mfbauvfftoOt
Gießen, den 12.März 1932.
Veranstaltungen in Gießen im Jahre 1932.
Wie das städtische Verkehrsamt mitteilt, sind bei ihm bis jetzt die nachstehend verzeichneten Veranstaltungen im Jahre 1 9 3 2 angemeldet:
13. März: Goethe-Morgenfeier im Stadttheater.
21. März: Goethe-Gedenkfeier in der Aula der Universität.
3.—10. April: Frühjahrs-Schaumesse.
17. April: Hallen-Handball-Tournier der DT. in der Volkshalle.
5. Mai: Sternwanderung der deutschen ®e» birgs- und Wandervereine nach Gießen.
11. u. 12. Juni: Verbands-Regatta im DRV. (GRG. 1877).
12. Juni: Heimatfest auf dem ehemaligen Kloster Schiffenberg mit Aufführungen.
1. Juli: 325. Stiftungsfest der Universität Gießen. 3. Juli: Gauturnen des Gaues Hessen der DT. 10. Juli: 25iähriges Stiftungsfest des Kavallerie-Vereins Gießen mit Kavackeristentreffen.
10. Juli: Wettkampf im Schwimmen zwischen den Städten Kassel, Koblenz, Wiesbaden, Mainz und Gießen.
24. Juli: Rationale leichtathletische Wettkämpfe der Leichtathletikvereine (Spielvereinigung 1900).
27. u. 28. August: Herbstregatta des Lahn- regatta-Verbandes (Verein Rudersport).
2. u. 4. September: Tennis-Tournier des Bezirks 9 des DTB.
4. September: Ausfahren des Stadteachters Giehen-Wehlar.
10. u. 11. September: Kreisvffene leichtathletische Wettkämpfe der DT.
2.—9. Oktober: Herbst-Schaumesse.
1-—9l Oktober: Große hauswirtschaftliche Ausstellung in der Dolkshalle, verbunden mit einer Werbewoche,
Hilferding spricht in Gießen.
In einer Kundgebung der Eisernen Front in Gießen sprach gestern abend im stark besetzten Saale des Cafe Leib der frühere Reichssinanz- miniftcr Dr. Hilferding. Der Redner befaßte sich zunächst mit der durch den Faschismus in Deutschland drohenden Gefahr. Go viel sei sicher, daß die Wahl eines nationalsozialistischen Führers zum Reichspräsidenten die Kapitulation des Staatsbürgers bedeute. Brüning habe sich bereit erklärt, seinen Posten zu verfassen, wenn die RSDAP. ihm ein brauchbares aktives politisches Programm hätte entwickeln können; sie sei es aber schuldig geblieben. Brüning habe es vor sich und dem Volke nicht verantworten können, seinen Platz zu verlassen. Auch Hindenburg schrecke davor zurück, den Rationalsozialisten die Macht zu überlassen, da der Bürgerkrieg dann die unausbleibliche Folge sei. Sodann beschäftigte sich der Redner mit dem Wesen der NSDAP., wobei er an Hand von Vorgängen im Reichstag und in dessen Ausschüssen erklärte, die Nationalsozia- listen hätten in vielen Fällen gegen die Grundsätze ihrer Partei gehandelt und insbesondere durch Konzessionen an die Deutschnationalen ihre sozialen Forderungen durchbrochen. Die Rationalsozialisten bewiesen außerdem durch Zusammengehen mit der Schwerindustrie ihre Geg- nerschast gegen ein freies Arbeiterturn. Der Kampf der Rationalsozialisten sei nichts anderes, als ein Kampf gegen die Rechte, die sich die Arbeiterschaft bisher errungen habe. Die faschistische Bewegung in Deutschland bedeute keine Gefahr, wenn die Arbeiterschaft in sich einig sei: leider sei das nicht der Fall. Der Sieg der Rationalsozialisten und eine Ueberführung der staatlichen Machtmittel in ihre Gewalt würde einen unerträglichen Zustand herbeiführen. Wenn Hitler geschlagen werden solle, müsse die Stimme der Wähler am 13. März dem aussichtsreichsten Kandidaten gegeben werden. Das sei Hindenburg. Wenn die SPD. für Hindenburg eintrete so sei man nicht der Meinung, daß der Feldmarschall nun auf einmal und vollkommen unbegründet im Sinne des Parteiprogramms als sozialistisch betrachtet werden dürfe, vielmehr habe man trotz genauer Kenntnis der gänzlich anders gerichteten politischen Einstellung Hinden- burgs die Parole Hindenburg herausgegeben, weil er der Mann sei. der sich auf seinem verantwortungsvollen Amt noch nie zu der Reichsverfassung in Widerspruch gesetzt habe. Die Pa
role für Hindenburg sei die Parole gegen Hitler. Die Arbeiterschaft leide in der Gegenwart dreifach unter den Verhältnissen (Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Lohnreduzierung) und habe allen Anlaß, für sich au kämpfen. Heute seien die Probleme der Welt weniger denn je mit national begrenzten Mitteln zu lösen, man könne nicht über die internationalen wirtschaftlichen Bindungen hinwegvoltigieren. Von uns aus könne eine Aenderung nur dann herbeigeführt werden, wenn endlich die Unsicherheit in Deutschland das Vertrauensverhältnis zu anderen Ländern nicht, immer wieder erschüttere. Deshalb gelte es, Hindenburg zu wählen. (Lebhafter Beifall.)
Oer Ulm in der Biologie.
In der Oberhessischen Gesellschaft fürRatur-undHeilkunde sprach Privatdozent Dr. W. E. A n k e I vom Zoologischen Institut der Universität über das Thema: „Der Film in der Biologie". An einer Reihe von Filmen demonstrierte der Vortragende, daß der Kinematograph für den Biologen Dokumente schaffen hilft, daß er darüber hinaus aber auch ein Forschungsinstrument darstellt. Als Beispiele für einen Film, der normale Lebensvor- gänge dokumentari.ch fest egt, eine „Natururkunde- schafft, wurden Aufnahmen der Biologischen Anstalt Helgoland gezeigt (Photograph Schensky,
Höchste Staatsbürgerpflicht
ist es, am morgigen Sonntag bei dec Reichspräsidentenwahl zurWahluruezu gehen. Die politische Entscheidung jedes Wählers und jeder Wählerin darf nicht auf mißvergnügte Gegenwartserwägungen begründet fein, sondern muß den großen Gesichtspunkt des Wohls der Volksgesamtheit als Fundament haben. Rur aus dieser vaterländischen Einstellung heraus müssen alle wahlberechtigten schon beim ersten Wahlgang die Stimme abgeben.
Rur die Herbeiführung einer schnellen und klaren Entscheidung durch allgemeine Beteiligung am ersten Wahlgang ist recht verstandener Dienst am Dolk und beste Wahrnehmung der eigenen Interessen. Zur Erfüllung dieser Ausgabe für Volk und Vaterland, wie auch für djss eigene Familie sind am morgigen Tage der Reichspräsidenlenwahl alle
Wahlberechtigten verpflichtet.
Helgoland), als Beispiele für die Festlegung eines Experiments oder von Arbeitsmethoden Filme von Professor v. Frisch, München, (Dienen an Wasser verschiedenen Zuckergehaltes) und der Vogelwarte Helgoland (Fang und Beringung von Vögeln). Die Bedeutung des Kinematographen als Forschungsinstrument erläuterten Zeit- dehne r auf nahmen von Professor Storch. Graz, — mit Hilfe des Zeitdehners ist es möglich, Bewegungen der Deine von Sühwasserkrebsen zu analysieren, die für das menschliche Auge unentwirrbar sind — und Zeitraffer aufnahmen aus der Entwicklung des Seeigels und des Axolotls (Professor Kopsch, Berlin), sowie des Hühnchens (Profesior Gräper, Jena). Hier eröffnet sich für den Biologen die Möglichkeit, langsam ablaufende Geschehnisse am Organismus, die bisher aus ihren einzelnen Stadien mühsam zusammengekittet werden mußten, einheitlich zu überschauen und so leichter zu begreifen. Dah zugleich mit neuer Einsicht bei Zeitrafferaufnahmen auch neue Probleme auftauchen, demonstrierte ein Film, hgn Dr. A. Arndt, Rostock, in mühevoller Arbeit von dem Lebenszyklus einzelliger, gesellig lebender Organismen, den sog. Myxomyeeten, angefertigt hat und der zeigt, wie die amöbenartigen Einzelindividuen gemeinsam aus ihren Protoplasmaleibern auf schlankem Stiel eine Sporenkapsel bilden. Zum Schlüsse führte der Vortragende Zeitrafferaufnahmen von kletternden und blühenden Pflanzen vor (Aufnahme IG.-Farbenindustrie, Ludwigshafen), die ästhetisch von besonderem Reiz sind. Die zahlreichen Zuhörer folgten mit Spannung den Filmdarbietungen (Projektor der Firma Winterhoss) und den Darlegungen des Redners und dankten mit lebhaftem Beifall. A.
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*" Reue Sonntagskarten. Wie die Reichsbahn uns mitteilt, werden jetzt auch von Reiskirchen nach Gießen (auch an Mittwochnachmittagen zum Theaterbesuch), ferner von Gießen nach Kassel Sonntagskarten aus- gegeben. Die Sonntagskarten Reiskirchen- Gießen kosten 1,10 Mk. in der zweiten Klasse, 80 Pf. in der dritten Klasse, für die Sonntagskarten Gießen-Kassel sind 10,40 Mk. für die zweite Klasse, 7,20 Mk. für die dritte Klasse zu zahlen.
** Der nächste Rindvieh-(Nutzvieh-) Markt findet am Dienstag, 15. März, statt. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich.
** Die Vereinigung heimattreuer Oberschlesier hielt dieser Tage ihre Jahreshauptversammlung ab. Schriftführer Kostorz erstattete den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, daß die Sammlung der Oberschlesier weitere Fortschritte gemacht hat? Er gab weiter Aufschluß über die Bestrebungen der Vereinigung zur Aufklärung über die Verhältnisse im deutschen Osten, zur Förderung und Psege der Heimatliebe und des Heimatgedankens. Die Versammlung erteilte dem Vorstand, nachdem auch die Kasse in Ordnung befunden worden war, Entlastung und sprach ihm durch Wiederwahl das Vertrauen aus. Der Schriftführer rief im weiteren Verlaus der Versammlung den Tag der Abstimmung in die Erinnerung zurück und sprach über die gegenwärtigen Verhältnisse. Insbesondere zog er das Verhalten der Polen in Danzig und im übrigen Oberschlesien in den Kreis seiner Betrachtungen. Die Darlegungen lösten lebhaften Widerspruch gegen das Vorgehen der Polen im deutschen Osten aus, der seinen Ausdruck fand in der Forderung: „Was deutsch war, muß wieder deutsch werden, was deutsch ist, mutz deutsch bleiben!“ Landsmann Welche verlas einige Berichte aus den Zeitungen der Heimat. Zum Schluß wurden verschiedene organisatorische Maßnahmen zur Förderung des Dereinslebens besprochen


