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Roman von Gert JKofbberg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
8. Fortsetzung. Rachdruck verboten I
„Was soll das heißen, Mama? Och erwartete Hilma. Es gehört sich, daß sie meine Gäste begrüßt, sich ihnen widmet. Ich kann das verlangen."
Furchtlos sah ihn die alte Dame an.
„Verlangen? Rein, das kannst du nicht. Gan» abgesehen davon, daß Hilma krank ist und sich hinlegen muhte, wird sie nur Gäste begrüßen, die Anspruch darauf haben. Nicht diese Damen hier."
Seine Hände ballten sich.
„Was fällt dir ein? Ich Witt, daß Hilma kommt und daß sie für ein anständiges kaltes Büfett sorgt. Wein ist ja noch genug im Keller."
„Hilma kommt nicht. Ich würde es ihr auch verbieten, sich in solche Gesellschaft zu begeben."
Ruhig hatte es Frau Lohgarten gesagt, obgleich alles in ihr in wildestem Aufruhr war.
Frau Lohgarten wandte sich zur Tür, ohne die Gäste zu begrüßen. Durch den Gesang der rotblonden Dame hatten sie Wohl auch kaum bemerkt, daß eine alte, weißhaarige Frau mit dem Hausherrn gesprochen hatte.
Leise zischte die Stimme Altendorfs hinter Frau Lohgarten her:
„Das werde ich euch nicht vergessen, verlaßt euch darauf."
Still, ohne noch ein Wort zu entgegnen, verließ Frau Lohgarten den Salon.
Heinz Altcndorf wandte sich mit einem lauten Lachen an seine Gäste:
„Kinder, ich muß euch leider eine Enttäuschung bereiten. Meine Frau ist krank geworden. Sie läßt sich entschuldigen. Ich führe euch in die ,Goldene Traube'. Es ist dort immer viel los, und man bekommt ein tadelloses Essen. Ihr seid natürlich meine Gäste auch dort."
„Ach, krank? — Heinzi. geh, du lügst ja. Du hast Schelte bekommen, weil du uns leichtsinnige Bande deiner Frau ins Haus geschleppt hast.
Das kennt man doch. Ein Pantoffelheld bist du schon geworden, schöner Heinzi!"
Marie Liane, die gefeierte, wenn auch berüchtigte Soubrette, sagte es lachend und hing sich Altendorf um den Hals.
Er lachte noch lauter, aber es klang gezwungen. Die Wut erstickte ihn fast. Das sollten sie ihm büßen, daß sie sich erlaubt hatten, ihn vor seinen Freunden blohzuftellen.
Die andern waren alle einverstanden, daß man in die .Goldene Traube' ging. Ernst Dehrend meinte achselzuckend:
„Geschieht dir recht. Ich hätte mich schwer gewundert, wenn eine Dame wie deine Frau hier in unsere heutige Gesellschaft gekommen wäre. Sie hatte hier nämlich nichts zu suchen, mein Freundchen — verstehst du? Eine Dame, die etwas auf sich hält, kommt nicht in unsere Mitte."
Hllma war erwacht. Es war nur ein kurzer, unruhiger Schlas gewesen, in den sie verfallen war. Drunten im Garten klang lustiges, lautes Gelächter.
Hilma verließ ihr Bett, stürzte ans Fenster, schlug den Dorhang zurück.
Drunten ging Heinz, hatte den Arm um eine schlanke Frau geschlungen und führte sie zu einem der Wagen.
Sie redeten alle durcheinander und lachten laut und fröhlich.
Hilma preßte beide Hände auf ihre Brust und schluchzte. Die Mutter legte die Arme um sie.
„Hilma, wenn du doch endlich wüßtest, was du zu tun hast! Wir könnten hier so friedlich miteinander leben", sagte sie leise.
Hilma sah die Mutter aus todtraurigen Augen an und sagte:
„So geht es nicht mehr weiter. Unb — ich muh mich doch endlich auf mich selbst besinnen, darf mich nicht länger demütigen lassen."
Die Mutter sagte nichts mehr. Sie streichelte nur Krise über den ttefgesenkten Kopf der Tochter.
In dieser Rächt kam Heinz Altendorf, wie fo oft in letzter Zeit, nicht nach Hause.
Am Rachmittag des anderen Tages kam er zum Rachmittagskaffee in das gemeinsame, schön eingerichtete Wohnzimmer, wo die Damen schon an
wesend waren. Hilma zuckte zusammen, saß aber dann unbeweglich und steif aufgerichtet da.
Liebenswürdig lächelnd legte Heinz Altendorf seiner Frau einige gelbe, langstielige Rosen in den Schoß. Dann lieh er sich ihr gegenüber nieder.
„Ra, wieder gesund?" fragte er.
Hilma wandte gequält den Kopf zur Seite, weil sie die alte Willenlosigkeit wieder in sich spürte bei seinem Anblick und weil ihr seine Rähe unerträglich war.
Frau Lohgarten, von ihm völlig ignoriert, sagte leise, aber bestimmt:
„Ich habe mit dir zu sprechen, Heinz."
„Ah, die Mama! Run, es ist immer ein Kreuz, die liebe Schwiegermutter mit im Hause zu haben", sagte er spöttisch.
„Beleidige Mama nicht!" sagte Hllma heftig. Er stand auf. Polternd flog der Stuhl zurück. „Was habt ihr mir zu sagen? Als ob ich es nicht schon wüßte! Wegen des vergangenen Abends natürlich. Wegen was denn sonst. Ihr müßtet aber nun längst wissen, daß ich ab und zu solche lustige Abende haben muh. Eure ewigen Leidensmienen sind mir ein Greuel und ich ertrage sie nur noch, wenn ich ab und zu einen solch fröhlichen Abend einschiebe. Hilma hätte ja dabe ifein können. Sie mußte es sogar. Statt dessen markiert sie die Kranke: dann darf sie sich eben auch über nichts wundern."
Er fühlte sich vollkommen als Herr der Situation. Er war ja auch immer der Herr über diese beiden willenlosen Frauen gewesen.
Die Mutter erhob sich. Dunkel klang ihre Stimme:
„Du wirst uns nicht mehr quälen, Heinz Atten- dot^-Lerhoff. Wir sind fertig mit hir.
Er zuckte zusammen.
„Was soll das heißen?" brauste er auf.
„Das soll heißen, daß Hilma sich von dir trennen wird. Sie kann dieses Leben nicht mehr ertragen, und sie wird krank und elend dabei. Eine Trennung, und zwar sobald als möglich, wird das beste sein."
„Soweit also hast du Hilma gebracht? Das ist hübsch von euch, sehr hübsch. Aber ihr trefft mich nicht. Ich werde schon in den nächsten Tagen abreifen.“
Eine Verbeugung, und er war gegangen.
Hilma schlug die Hände vor das Gesicht.
„Mutter, warum muh man einen Menschen so liebhaben, der es nicht verdient?"
Fünftes Kapitel.
Die alten Böttchers waren noch immer rüstig und guten Mutes. Vater Dolscher arbeitete noch in der Lvhgartenschen Fabrik. Dank der ehemaligen Fürsorge des Chefs, ihnen diese Häuschen mit den Gärten zur Verfügung zu stellen, lebten auch die entlassenen Arbeiter nicht in Rot.
Eie richteten sich eben ein mit ihren Angehörigen. Den ausgesteuerten Leuten wurde ein kleiner Betrag von der Fabrik ausgezahlt, damit sie immer etwas Bargeld hatten. Ünö man hatte ja die Hoffnung, wenn es besser wurde, wieder eingestellt zu werden. Lind die Gärten, sorgfältiger noch als früher bewirtschaftet, lieferten soviel an Obst, Kartoffeln und Gemüse, daß man sich immer wieder von neuem freute, hier wohnen zu können.
Mutter Dolscher hatte in diesen Tagen alle Hände voll zu tun, und ein paar Frauen halfen ihr. Sie konnten ein paar Mark gut gebrauchen, und Mutter Böttcher war immer freigebig, wenn sie sich zum Großreinemachen jemand holte.
Run war man soweit fertig, und Mutter Bol- . scher strahlte über das ganze gütige Altsrauen- gesicht.
„Es muh doch alles hübsch sein, wenn die Traute kommt. Sie ist doch ein bißchen verwöhnt. Im Pensionat war es sehr vornehm. Zwei Jahre haben wir sie nicht gesehen. Ich freue mich sehr auf das Mädel. Es war doch recht einsam, während sie fort war. Vater hat sie auch sehr vermißt", plauderte sie mit ihren Getreuen, während sie sie mit einem kräftigen Mittagessen bewirtete.
„Ob sie nun doch nicht zu fein fein wird für die Umgebung hier?" meinte die Hilperten.
..Ja, wir mußten sie doch fortgeben. Der Chef wollte es. Sie sollte alles lernen, damit sic in jeder Lage im Leben gewappnet ist, und sagt doch selber: das zarte, feine Dingelchen, hatten wir die vielleicht sollen zum Fleischermeister Liebrich in den Dienst geben, damit sie sich dort hätte überarbeiten können bei den vielen Kindern?" (Fortsetzung folgt.)
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Die tief trauernden Hinterbliebenen: In deren Namen: Heinrich Mohn.
Heute mittag 12.30 Uhr starb nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter und Großmutter
Frau Katharine Geller
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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Georg Geller, Gastwirt.
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