Nr. 155 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffe»,
^amstag, U. Juni (952
60 Zahre SeuWer Landwirffchafisrai.
Aufgaben der Vergangenheit und Gegenwart.
Don Zreiherrn von Lüninck-Ostwig, Vorsitzenden her Landwirtschaftskammer Westfalen.
Am I I. Juni tagt die 62. Vollversammlung deS Deutschen Landwirtschaf tSrotes, der Spitzenorganisation der Körperschaften des öffentlichen Rechts der deutschen Landwirtschaft. Diese 62. Tagung bedeutet gleichzeitig mit dem Jubiläum des bOiäßri- gen Bestehens deS Deutschen Landwirtschaltsrat. s eine 60jährige Arbeit mit immer neuen durch das wechselnde wirtschaftliche und politische Dild Deutschlands und der Welt bedirrgten Aufgaben.
Der machtvoll aufblühenden deutschen Landwirtschaft der Vorkriegszeit waren zwei Hauptaufgaben gestellt, die dem Lebenswillen eines vorwärts drängenden Volkes und der geographischen Lage im Herzen Europas gerecht werden muhten: Innere Kolonisation und die Erreichung eines Höchstmaßes eigener Erzeugung Vicht nur aus sozialen, sondern vor ollem aus bevölkerungspolitischen, nationalen Gesichtspunkten heraus muhte der größte Wert darauf gelegt werden. eine möglichst dichte Besiedlung deS flachen Landes anzustrcben, um dem Derjüngungsquell des Volkes breiten Lauf zu schaffen, um das Wachstum deS Volkes und fein* Wehrhaftigkeit zu erhalten und zu fördern. Die Möglichkeit kriegerischer Auseinandersetzung, der ein wachsendes, vorwärtsdrängendes Volk, das seinen Platz an der Sonne behaupten will, stets ausgesetzt sein wird, verlangte weitgehendste 11 n • abhängigkeit vor allem auf dem Gebiete der Ernährung.
Der Weltkrieg hat die Lebenswichtigkeit dieser beiden Aufgaben schlagend unter Beweis gestellt, und wenn es dem deutschen Volke möglich war, länger als vier Jahre dem Ansturm einer ganzen Welt zu trotzen, so hat daran die unter den größten Erschwernissen aufrechterhaltene Produktionskraft der deutschen Landwirtschaft wahrlich nicht den geringsten Anteil. Mit dem Ende des furchtbaren Ringens war aber auch d i e Kraft der deutschen Landwirtschaft nahezu erschöpft. Damit war es vor allem den neutralen Staaten, deren Wirtschaft durch den Kampf der anderen gestärkt wurde, leicht gemacht, den deutschen Markt in übermächtigem Ansturm zu erobern. Mit hochwertigen standardisierten Erzeugnissen konnte das Ausland in kurzer Zeit das Angebot von der eigenen Scholle in großem Umfange aus dem Wettbewerb ausschalten. Der geschwächten Kraft der deutschen Landwirtschaft war es nicht möglich, sich entsprechend schnell aus die neue Lage einzustellen, zumal ihr der notwendige handelspolitische Schuh in erforter- lichem Ausmaße versagt wvrde. So führte die Konkurrenz der Landwirtschaft des Auslandes in Verbindung mit einer durch die Stichworte ^Inflation", .Kreditpolitik", .Verwaltungsaufblähung". .Exportpolitik" gekennzeichneten. In der Grundlage verfehlten Wirtschafts- und Handelspolitik die deutsche Landwirtschaft zum unaufhaltsamen Viedergang und bis an den äußersten Rand des vollständigen Zusammenbruchs.
Mit dieser Entwicklung erwuchs dem Deutschen Landwirtschaftsrat als wichtigste Aufgabe der Vachkriegszeit das Eintreten für den Schuh der heimischen Erzeugung und für die Erhaltung der Lebensfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Zugleich mußte versucht werden, der deutschen Landwirtschaft Gelegenheit zu geben, den Qualitätsvorsprung des Auslandes wieder einzuholen, und sich den gesteigerten Ansprüchen des Verbrauchers anzupassen. Die deutsche Landwirtschaft hat diese Aus- gäbe mit voller Kraft in Eingriff genommen.
Allein die Entwicklung der Wirtschaftspolitik in der Welt und in Deutschland ließ diese Aufgaben nicht zur Reife kommen. Die Störung des Weltzahl ungSverkehr- durch die Kriegstributc, der Ausbau eigener Industrien in Ländern, die bisher den Export anderer hochindustricller Länder ausgenommen hatten, führten zu einer allgemeinen We ltwirtschaftskrisiS, die sich in einer Rückkehr zu autarkifchen Tendenzen, teilweisen Abkehr vom Goldstandard, stärkeren Rückgang des Welthante S erkehrS führte \ Die Weltmarkt- preifeauchfürAgrarproduktefielen ins Bodenlose. Die deutsche Landwirtschaft kann heute nur noch durch einen sicheren Schutz und durch eine gewisse Loslösung vom Weltmarkt Rettung finden. Mit dem Schwellen des Arbeitslosenheeres und mit der Unmöglichkeit zu dauernder industrieller Beschäftigung erwuchs immer dringlicher alS weitere Aufgabe, die einer großzügigen planvollen Siedlung, und zwar nicht nur durch landwirtschaftliche Betriebe einzelner Zweige der Landwirtschaft, wie Garten- und Obstbau und Geflügelzucht und weiterhin durch kleinste (Sortenbet.' ebe am Rande der Städte.
- Die erfolgreiche Lösung dieser Ausgabe bleibt jedoch eng verknüpft mit der LösungderRen»
Vach druck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Ein Frühstück im „Herren-Mb"
Am Rande des Tiergartenviertels in Berlin befindet sich ein sehr altes, vornehmes Haus. Jeden Mittag zwischen 12 und 2 Uhr halten vor dem Portal eine lange Reihe großer starker Wagen. Fast an jeder Limousine prangen Wappen. .. Der livrierte Diener konnte vor dem Kreml gestanden haben, groß und achtunggebietend. — wahrscheinlich war er einmal ein baltischer Taten... Vur Herren läßt er an sich vorbei. — Frauen hat dieses Haus, das dem deutschen Herren-Klub als Domizil dient, nur bei seltenen Gelegenheiten gesehen. Die Klubräume, zu denen eine breite Treppe führt, verraten zurückhaltende und schlichte Vornehmheit. An gedeckten Tischen lassen sich die Mitglieder des Klubs in kleinerem Kreis nieder...
Gin untersetzter, würdevoll aussehender Herr mit grauem Haar, raschen und temperamentvollen Be^ toegungen, ist der frühere Reichswehrminister G e ß l c r , eines der führenden Tlitglieter dieses Klubs In seiner Vähe entdeckt man die wohlbekannte leuchtende Glatze des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, der ebenso zum Herren-Klub gehört. Und wiederum ein Stück weiter sitzt ein großer, schlanker Herr, sehr korrekt, fast elegant angezogen. Cr hört meist zu, zurückgelehnt, die Augen blicken starr auf irgendeinen Punkt. Man blickt genauer hin, fragt. — natürlich, das ist-dvch der neue deutsche Reichskanzler, Herr von P a - pen ! Während des Frühstücks hört man von ihm nur einige kurze Bemerkungen, aber in diesen Augenblicken wird das Gesicht lebhaft, angriffs- lustig, im Ausdruck überraschend beweglich. . Jetzt muß er eine kleine Anekdote erzählt haben, denn rund herum seht an seinem Tisch allgemeine Heiter- feit ein. Vachher hört man, Herr von Popen sei in einem Seitengang des Reichstags von einem
tabikitätsfrage für die gesamte Landwirtschaft.
In der künftigen Wirtschaftspolitik wird im Rahmen der gesamten Volkswirtschaft die Cante wirtschaft alS Grundlage der Botksernährung und als EmeuerungSgueNe des gesamten DolkStumS an erster Stelle Berücksichtigung finden müssen. Die deutsche Industrie wird sich weitgehend auf d i e Bedienung des In l a n d m a r k t e s einstellen müssen: daneben ist eine Ausfuhr in starkem Umfange notwendig, um einmal unseren priva ten Verpflichtungen nachzukommen und dann um zusätzliche Arbeit zu schaffen und dadurch bei der Lösung des Arbeitslosenproblems mitzuwirken.
Es heißt hier den richtigen Weg zu finden, der die Aufgaben der Industrie verbindet mit der zwingenden Votwendigkeit, die deutsche Landwirtschaft unter allen Umständen wieder lebens- und prvduktionsfähig zu gestalten. Dieser Weg ist unS vom Ausland in zahlreichen Fällen vorgezeichnet worden. Die heutige Gesamtlaae der Weltwirtschaft kann auch bei uns nur dahin führen, mit allen Mitteln auf die Gesundung und Erstarkung deS heimischen Marktes hinzuarbeiten, der allein doS Fundament ist. von dem aus sich einmal wieder eine normale Entwicklung des Handel- mit der übrigen Welt aufbauen kann.
Die Wiederherstellung einer auskömmlichen Rentabilität der deutschen Landwirtschaft ist für dieses Fundament die Voraussetzung und damit die Gegenwartsaufgabe der deutschen Agrarpolitik
Diener nicht erkannt worden und habe auf seine Erklärung: .Ich bin der neue Reichskanzler!", zu hören bekommen: .Das kann jeder sagen, zeigen Sie mir bitte Ihren Ausweis!"
Der Herr, der neben Popen in das Gelächter einstimmt, ist ein Vachkomme Friedrich von Schillers — Heinrich vonGleichen, Präsident des Herren-Kliibs...
Von den Hamen, die sich unter dem Präsidium des Grafen Alvensleben, betreut von dem Klubdirektor von Radowih, dem Sohn des früheren deutschen Botschafters in Konstantinopel, an jedem Donnerstag in den Klubräumen zum Frühstück mit anschließender politischer Diskussion, Freitag abends zum gemeinsamen Essen mit anschließenden politischen Vorträgen oder zu den verschiedensten Stunden des Tages zu zwangloser Plauderei zu- sammenfinden, hat fast jeder seinen eigenen guten Klang Heben dem schlesischen Magnaten ®ra* von Talle ft rem findet man Dr. Kallo von der IG.-Farbenindustrie, neben Herrn v. Berg, dem ehemaligen Generalbevollmächtigten des Hohenzollernhauses, den Präsidenten des Reichslandbundes Grafen Kalkreuth, den Ober- Präsidenten a. D. vonBatocki neben Dr. Ke hl von der Deutschen Bank, Minister a. D. von S ch l i e b e n , neben Traugott von Iagow . Gras Westarp und Herrn von K e u d e 11 neben Geheimrat Ravens, den deutschen Botschafter in Moskau, Herrn von Dirckfen, um nur einige wenige zu neunen.
Die Parteizugehörigkeit ist für die Aufnahme als Mitglied nebensächlich, und ebenso sind konfessionelle Unterschiede für den Klub ohne Belang. In den Richtlinien des .Deutschen Herren-KlubS" heißt es sogar, daß der Klub als solcher sich der polit schen Stellungnahme enthält. Wenn dennoch ein einigendes Band alle Klubmitglieder umschließt, so ist es die .Ueberzeugung von der Vot-
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Wo Minister unter sich sind...
Meine Stätten großer Aktionen.
Abhärtung! Vicht daß jeder Luftzug im Herbst oder Winter den Menschen kränke! Also Wasser, Luft und Sonne, soviel sich jeder zu leisten vermag!
Wer die Krankheit — oder wen die Krankheit emft nimmt, d. h. auf die Knie zwingt, der wird nicht anders können, als sich der Diät zu unterwerfen: Enthaltung von allem, was Harnsäure bildet: Kaffee. Tee, Kakao. Fleisch, insbesondere das der inneren Organe. Mit Recht warnten schon die alten Aerzte vor dunklem Fleisch. Salz- und reizlose Kost. Darum viel frisches Obst und viel Salat. (Die am Weg wachsenden Kräuter nicht vergessen!. Von den Gemüsearten am besten die grünen und die kurz kochenden.
Bon den eigentlich ärztlichen Behandlungsmethoden will ich nur die Reizkörperspriyen nennen. Sie sind sozusagen nach Volksweisen erfunden. z. D die Ameisensäure- und die Dienenstich- kur. Sie sind gut und harmloS. Der fanatische Erfinder hat in den neunziger Jahren einen Kranken mit 16 000 Bienenstichen behandelt. Er übernahm anscheinend von den Dienen nicht nur das Gift, sondern auch den emsigen Fleiß. — Jedenfalls hat der Patient das erlebt Sagt also nichts, ihr Giftwitterer. gegen Ameisen- und Dienen stichkuren!
Wichtig ist noch die Dehandlung des steifen Genicks durch Kopslockerung, Gymnastik. Ich nenne das die .Schottische Methode". Und ^toar darum: eine Schottin klagt der anderen, ,hr Zwei- penn-Fächer fei nach fünf Jahren Gebrauch schon so abgenützt... 3a, kein Wunder, sagt die Freundin, du wedelst mit dem Fächer! Ich halte meinen still und wackle mit dem Kopf. Das schont den Fächer! - Und ich füge hinzu: das lockert auch den Hals, beugt vor der Steifigkeit. Also, wer zum steifen Hals neigt mache täglich die .schottische Hebung“.
Dod)fd>ulnacbrid)ten.
Professor Dr. Siegfried Kaehler. Dreslau. hat den Ruf auf den Lehrstuhl der mittleren und neuen Geschichte an der Universität Halle als Vachfolger von Professor Decker angenommen.
In Hiddessen bei Detmold ist der frühere Direktor der Stadtbibliothek zu Köln. Professor Dr. Keyff er im 83. Lebensjahr gestorben.
Professor Hans Horst Weyer, der bedeutende Pharmakologe der Wiener Universität wurde aus Anlaß seines 50;übrigen Tozentenjubiläums zum Ehrenbürger der Stadl Wien ernannt.
Die Wiener Krebsgesellschaft hat zu Ehren- Mitgliedern ernannt die Berliner Chirurgen Bier und Sauerbruch, sowie den Ehef der Radium- gesellschast in Stockholm, Professor Gösta
Schon über Wesen und Ursache herrscht Un- Har&eit. Und am dunkelsten liegen die Probleme da wo die Krankheit am vulgärsten ist, beim volkstümlichen .Rheuma", dem Muskelrheumatismus. Er entzieht sich hartnäckig der Forschung. Da z. B, wo Masseur und Arzt Knötchen finden, sieht man unter dem Mikroskop nichts, gar nichts Besonderes.
Ebenso fehlt ein gemeinsamer Erreger, den man dingfest machen könnte, wie etwa den Tuberkel- bazillus Bei der Tuberkulose. Kleine Lebewesen, die Streptokollen, und ihr Hauptunterschlupf. Die Mandeln stehen schon ' mge in dringendem Der- dacht, aber man komm l >ren Methoden nicht recht auf die Spur und la.ui sie nicht wirklich unschädlich machen.
Auf der einen Seite also, sagen wtr auf der der offiziellen Medizin, steht fest, daß man for- schcn muffe nach den Gründen der ebenso häufigen wie unklaren Krankheiten. Auf der anderen Seite, bei den so einflußreichen Vebenzweigen der Medizin. wie der Vaturheillehre und der Homöo- pathie, sieht die Sache einfacher aus: man will gar nicht zunächst forschen, sondern heilen. Und als sehr wirksam hat sich herausgestellt ihre Haupttheorie oder ihr Lehrsatz: der Rheumatismus ist zunächst Stof wechselstörung. Und mangelhafte Verdauung und Zurückhaltung von Ham- säure ist an allem Rheuma schuld. (Das gilt al« nachgewiesen sonst nur für die Gicht, die ziemlich selten wurde.) _ . .
Doch zurück zum steifen Hals! Wie wird man ^Hie? herrscht nun Einigkeit bei allen Medizin, männern. Därme tut not! Zunächst der Wollschal in jeder Farbe und Form.
Am Abend, nach der Arbeit, noch mehr Warme. Trocken, mit Sand oder dem Hei^kisfe^ oder feucht, mit Drei oder Kartoffeln im Dock Wer so nah am Kopf, der doch zumeist ein edler Teil ist heiße Maßnahmen nicht liebt, der greife zu Allgemein-Schwitzprozeduren die sehr wirksam sind, den Packungen oder Dampf- und Licht- ^Vvrzüglich und allgemein anerkannt ist die Massage. Vicht nur die Teilmafsage. fonöern öie des ganzen Körpers. Aber, meine Herren Mas- kure nicht das. was ich .StreichelmaNage nenne. Sondern die Knet- und Klopfmethode die wir von den Sportsleuten her kennen. Sie ist anßren- aenb für den Masseur und für den Kranken nn Anfang nicht angenehm. Sie nutzt aber weil die Muskeln wirklich ausgepreßt werden wie Schmämme und neues Blut zwangsläufig in die Stellen bringt, wo alter Schlamm laßundter Schmerz fick kstfetzte. Wöchentliche 2lllgemem- manage sollte - wenigstens teutoeik im Jahre — jeder Rheumatiker haben... Und weiter:
0er steife Hals.
Ein kleines ttopitel aus dem großen Gebiet Rheumatismus.
Don Or K. K v. Roques, Berlin.
Qrtle Rechte im Rowohlt-Verlag.
Plötzlich ist er da - ein alter Gunter oder eine neue, ganz unerwünschte Bekanntschaft. Morgens, wenn Sie den Rasierpinsel weglegen und in verzwickter Stellung die verborgenen Wiesen unter dem Kinn zu mähen gedenken tut Ihnen das blitzschnell leid. 3ßrc untetoaffnete Hand fährt nach hinten »um Weh Die grau Gemahlin wird interessiert — — kann freilich nicht das Mindeste finden... ... Ä ..
Der (Heuling glaubt im Emst, er habe den Hals verrenkt. Ober er bcnlt. eS sei Haltung. ,D-er kalte Zug von gestern... unb -E Mieter
Aber, was finb Vorsätze, was unb Entwürfe, wenn bie Gründe, die man sich Sufammenscharrt Halbwahrheiten sind, die ebenso kurze Deine haben wie Lügen. De m - mag über manches Unklarheit herrschen am Rheumavroblem - das steht fest: „SrMt.mg" u ddie .kl ch- D-U^ung sind immer nur die Zündschnur, nicht bie Und, too ein Hals steif wird, eine Schulter schmerzhaft oder ein Kreuz lahm vom -Wen- febuß' da liegt ein Rheumatismus wgrunbe, frer auf einer Anlage des betroffenen Wnf«en beruht unb ter eine Allgememkrankheit ist.
Wer es heute am Hals hat, fann.unb wird es in Wochen unb Monaten an Oberen Sollen haben. Denn ter schmerz wandert. Das Ofcort kommt vom griechischen .rheo (.fließen )... we man einst vom deutschen Soldaten sagte, er habe den Marschallstab im Tornister, so batm seinem Ränzchen der Träger eines steifen Halses auch teureren Forcen des Rheumatismus
Das Rheuma-Problem steht aber nicht nur wegen seiner Bedeutung für den einzelnen wieder im Mittelpunkt des Interesses ter Aerzte, n>n tern mehr noch wegen seiner Bedeutung für die Allgemeinheit. Cs hat sich nämlich herausge- stelltz baß im Etat ter Wohlfahrtseinrichtungen betonter« ter Krankenkassen, bie /deuEtischen Leiden eine ungeheure Rolle spielen. Sie verschlingen solche Unsummen von Krankengeldern, utm daß man schon von einem ^Rheuma Der Volksfinanzen sprechen kann. Cm -teil des ®c- famtDermbgen« fließt in tote Kanäle, belastet die ^Ue^r ten Feldruf .Kampf dem Rheuma“ ist man sich im Lager ter Aerzte einig, lieber bie Kampfmechoden nicht so gan^
Geheimrat Karl Ritter von Linde, dem al« Erstem die Verflüssigung der Lust und die Her- stcUung non reinem Stickstoff gelang, und der 1875 die für die Kältetechnik so überaus wichtige Ammoniak.Cis maschine erfand, wird am 11.3unt 90 Jahre alt.
Wendigkeit konservativer Staatsgesinnung“. Diese Einstellung ist keineswegs auf den Adel beschränkt vielmehr stellen die Bürgerlichen den größten Teil der Mitglieder, doch find sie alle da«, wa« man als .unabhängige Persönlichkeiten" bezeichnen kann.
Ein Bierlokal nahe der Withetmstraße.
Es ist ein verstecktes, kleines Bierlokal, nur wenige wissen um seine Bedeutung. Der Wirt ist ebenso dick wie schweigsam, denn er weiß: an dem Tage, an dem der Vessentlichkeit die Berühmtheit seines Lokals bekannt wird, hat dieser „Stammtifd)" sein jähes Ende gesunden.
Aber vorderhand kann man hier nach Mitternacht und nach Schluß von Kabinettsfitzungen eine Anzahl prominenter Herren treffen. Sie trinken ein Glas Bier vor dem Schlafengehen und noch mehr: ein sehr jugendlich aussehender Herr schreibt Zahlen auf den Bierunterlatz — es ist der jüngst« Finanzminister der Welt, Graf Schwerin- Krosigk —. der vielleicht grade den Etat berechnet und sowieso dafür berühmt ist, ein lebende» Zahlenmuseum zu sein. Neben ihm der deutsche Außenminister Freiherr von Neurath, er trinkt sein Glas Bier und erinnert sich vielleicht, daß ihm zuliebe sogar Mussolini einmal Bier bei einem diplomatischen Empfange trank. Freiherr von G a i) l, der Reichsinnenminister, trinkt den Kollegen zu ..
Und der Beobachter denkt: Ob hier Staatsaktionen bei einem Glase Bier reifen?
Draußen im Harnack-Haus.
Das Harnack Haus in Berlin-Dahlem, der „Gasthof der deutschen Wissenschaft", erfüllt Aufgaben, von denen man in der Oeffentlichkeit kaum etwas ahnt. In diesem vornehmen Klubhause der Kaiser - Wilhelm Gesellschaft wohnen nicht nur ausländische Gelehrte, hier trifft sich nicht nur von Ingore über Sven Hedin bis zu Eckener, Kunst und Wissenschaft der ganzen Welt, hier gibt es nicht nur den Stammtisch der führenden Wissenschaftler unserer Zeit — sondern dieses Harnack-Hous dient noch einer ganz besonderen Aufgabe In der großen, mit antiken Möbeln und Wandschnitzereien aus- gestatteten Halle trifft sich, oft mehrmals in der Woche, ein exklusiver Kreis zur Aussprache über brennende deutsche Probleme Es ist ganz zwanglos. dieses Beisammensein, keiner ist eingeladen, unb
beginn Oer Marburger Festspiele
„Jill Eulcnfpicgel in Marburg."
Fast programmäßig tourte mit tern Beginn ter Marburger Festspiele bas seit Wochen anhaltend naßkalte Wetter durch sommerliche Temperaturen abgelöst. Herrlich blauender Himmel überwölbte das in frisches Fruhlingsgrün gebettete Schloß- parktheater. in welchem als Premiere die von Harry Voßberg-Kassel geschriebene Komödie »Till Culenspiegel inMarburg“ in Szene ging. In ter Handlung hat ter Verfasser verschiedene der bekanntesten Streich« des Schalks Till Culenspiegel bühnenkräftig zum Ausdruck gebracht, wobei sich der Vorteil der dreiteiligen Festspielbühne für eine flotte und ac- fchickte Szenenführung wiederum auf6 beste bewährte. Rückhaltlos konnte man sich zwei Stunden lang an dem fröhlichen Humor erfreuen, ter das ganze Stück durchdringt. Höhepunkte bildeten die Szenen, in welchen Till als Maler den Universitätssenat sowie den kurfürstlichen Hofstaat narrt, ten vom kaiserlichen Hof in Wien gesandten Kanzler mit großem Erfolg imitiert und schließlich vom echten Kanzler überlistet wird. Manch köstlicher Wlh. aber auch manche sinnreich« Wahrheit kommt in diesen Szenen zum Ausdruck, die um so mehr wirkten, als ausgezeichnete Darsteller dafür vorhanden sind.
Prächtiger und urwüchsiger kann der Schalk Till Eulenspiegel wohl kaum dargestellt werden, wie ihn Robert B ü r k n e r - Frankfurt verkörperte Hansi V a f s e e - 'Berlin hatte als Lauren tia Velcqenhc:t. ihr ganzes Temperament und ihre innige Gefühlswärme zum Ausdruck zu bringen. Das wahre Muster des Saufkumpanen Lamme war Georg August Koch- Berlin, der sich durch seine glänzende Situationskomik auf8 beste den Varreteien Tills anzupassen wußte. Anerkennenswerte Leistungen boten ferner noch Leopold Diberti - Berlin als Kanzler, Dorothea Thieß- Berlin als Wirtin und Hugo F i r m b a ch - Berlin als Landgraf Philipp von Hessen. Bemerkenswert sind die von Franz Mertz- Düsseldorf geschaffenen Bühnenbilder. Dem von Universitätslektor Dr. Fritz Budde geleiteten Spiel war ein voller Erfolg beschieten, der sich am Schluffe durch lebhaften Beifall und Hervorrus des Leiters sowie auch des anto« je irden Verfassers äußerte. Der köstliche Humor, der das Stück durchweht, ist geeignet, die Sorgen und Grillen der Jetztzeit für einige Stunden zu vergessen. Es folgt am 18. Juni die Erstaufführung des .Sommernachtstraumes" und am 28. Juni die des .Faust". W.


