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10.11.1932 Erstes Blatt
 
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ler unter dieser Rubrik nt die Redaktion dem erlei SBerantmortung.) m Süböicrkl!

Dartweg in seiner cht eher russischen 2er- ahe nach unseren t z. L. derart, dch die en im Schlamm stellen, t Fahrrad, Motorrad, tagen fpielt /ich aus freiten Streifen, km los Md Merw-M durch'Mmmrn, mit Mzecheig" benutzen. Deüehr birgt der der- die größten Gefahren nden Ztoischensälle be- am Dartweg 25 3a* ür 10 Familien Md em re Wohnhäuser sM tür ­mt. Der Anspruch auf aße mit hinreichender aher berechtigt sein, JJ eich das Südtvestviertel e-Autiveg einen zen ohne Hause- chtnurderAnvcki^ Xte, für die der Drt t mehr W8#fBltel,4 Stadtverwaltung und !SS& S?<»

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General-Anzeiger für Oberhefsen

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Hr. 265 Erstes Blatt 182. Fahrgang Donnerstag, 10. November (932

-.Gießener Anzeiger

Was erwartet die Welt von Roosevelt?

Nach zwölfjähriger Herrschaft ist das republi« konische Regime in den Vereinigten Staaten ge­brochen worden. Der neue Präsident Roose­velt hat mit einer überraschend großen Mehr­heit von 10 Millionen Stimmen, Hoover, den Präsidenten derprosperity ans dem Felde geschlagen. Zwar wird die eigentliche Wahl erst im Februar 1933 stattfinden, so will es das um­ständliche amerikanische Wahlsystem, das die Prä­sidenten nicht direkt vom Volk, sondern auf dem llmweg über ein Wahlmännerkollegium zu wäh­len vorschreibt. Wenn dieses Kollegium im Fe­bruar zusammentritt, so werden bei der eigent­lichen Wahl mit Sicherheit 472 Stimmen auf den demokratischen Präsidenten Roosevelt, und nur 59 Stimmen auf Hoover entfallen.

Rach der großen Enttäuschung über Wil­sons Rachkriegspolitik, die einer zwölf Jahre langen republikanischen Reaktion Platz machte, herrscht jetzt wieder die demokratische Partei. Zwar bestehen zwischen Republika­nern und Demokraten keine weltanschaulichen Gegensätze, sondern nur Meinungsverschiedenhei­ten über den einzuschlagenden taktischen Weg, dennoch wird der Regime-Wechsel in Amerika von weltpolitischer Bedeutung sein. Riemals hat es in Amerika eine Mehrheit gegeben, die über einen größeren Einfluß verfügt hätte, als jetzt die demokratische. Die Machtfülle eines ameri­kanischen Präsidenten ist größer als die eines konstitutionellen Monarchen im alten Europa. Aber auch beide Häuser des Kongres­ses der amerikanischen Dollsvertretung befinden sich in den nächsten Jahren im sicheren Besitz der Demokraten. Im Repräsentantenhaus dürfte die demokratische Mehrheit zu einer absoluten Mehrheit von 50 Sitzen werden. Im Senat, dem amerikanischen Oberhaus, wird die Mehrheit immer noch mehr als 20 Stimmen ausmachen und somit die Stellung des Präsidenten zu einer geradezu absoluten machen. Die Folge wird sein, daß alle Ausschüsse, die in Amerika un­gefähr die Stelle der Ministerien vertreten, eben­falls von Demokraten beseht werden. Tlnd schließ­lich hat die Riederlage der republikanischen Partei nach dem für deutsche Begriffe bedenk­lich nach Korruption riechenden sog.Beute- shstem" einen volllommenen Umbau der ge­samten Bundesverwaltung und die Ent'as'ung von mehr als einer halben Mlllion republikani­scher Staatsbeamter zur Folge. Auch die Bot­schafterposten in Berlin, London, Paris, Rom und Tokio dürften neu beseht werden.

Damit aber offenbart sich bereits die weltpoli­tische Bedeutung dieser amerikanischen Präsiden­tenwahl. Sie liegt nicht darin, daß eine Mehr­heit der Prohibitionsgegner zustande gekommen ist, und daß es nun Riefenaufträge an das Mün­chener Hofbräuhaus und an die Rheinischen Win- zergenossenschasten regnet. Denn selbst die Erlaub­nis zum Ausschank von Dünnbier und leichten Weinen hängt vom Spruch des Obersten Gerichtes ab. Die Richter dieses Gerichtes aber bilden noch einetrockene" Mehrheit, und es ist der einzige Trost derRassen", daß das Durchschnittsalter dieses Obersten Gerichtes 70 Jahre beträgt und der entscheidende Richter bereits 77 Jahre alt ist. Man wird also mit dem amerikanischen Dier- geschäft noch eine Weile warten müssen.

Geradezu eine deutsche Lebensfrage ist es je­doch, ob es gelingt, Roosevelt zu einem völligen Kurswechsel der amerikanischen Politik und zu einem unmittelbaren Eingreifen in euro­päische Verhältnisse zu bewegen. Aus der schweren Enttäuschung über das Versagen Wllsons in Versailles und die starre Haltung Frankreichs entstand in Amerika die europa- feindliche Stimmung, die zuerst unter Eoolidge, dann unter Hoover zu einer Politik der A b - schließung, des Schutzzolles und der Gleich­gültigkeit gegenüber der europäischen Politik führte. Amerika hat mit dieser plötzlichen Ab­schnürung von der Weltpolitik die schlech­testen Erfahrungen gemacht. Die Welt­wirtschaftskrise, Folge einer mangelnden welt- wirtschastlichen Zusammenarbeit der großen Ver­braucher Rohstoff und Herstellerstaaten, brach mit verheerender Gewalt in die ameri­kanische Wirtschaft ein und machte mit rund 15 Millionen Arbeitslosen derProsperity" ein Ende. Riemals wäre es zu der Weltwirtschasts- katastrophe gekommen, wenn nicht die Tl e b e r- belastung Deutschlands mit Tribut­verpflichtungen Die gesamte wirtschaftliche Struktur zerstört hätte. Als Hoover im ver- gangenen Sommer durch sein berühmtes Mora­torium das Steuer herumrih, war es für ihn, für Amerika und auch für Europa schon zu spät. Die französische Militärhegemonie hatte sich Europa unterworfen. Die Abrüstung ist ge­scheitert. England schuf sich in Ottawa ein System wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Mutter­land und Kronländern, das Amerika mit den eigenen Mitteln der Schutzzölle und Einfuhr­sperren schlug. Roosevelt findet keine leichte Auf­gabe vor. Amerika erwartet von chm die Wie­derherstellung derProsperity" und Europa erwartet, soweit es gewillt ist, aus der Isolierung der Staaten zu einer planvollen Zu- sgmmenarbeit zu gelangen, daß sich Amerika wieder mit dem vollen Rachdruck seiner poli­tischen Stellung um die mit Amerika aufs Engste verbundenen europäischen Geschicke kümmert.

Schon Hoover hatte sich auf der Abrüstungs­konferenz vertreten lassen. Roosevelt wird er­kennen müssen, daß es mitBeobachterposten" auf europäischen Konferenzen nicht geht, fon-

Das Echo der amerikanischen Präsidentenwahl.

Oie Bedeutung für Europa.

Ein Rundfunk-Vortrag aus Amerika.

Berlin, 9. Rov. (ERB.) Der deutsche Rund­funk sendete heute einen aus Amerika aufge­nommenen Rundfunkvortrag Kurt C. Sells über das Ergebnis der Präsidentschafts­wahlen. Für Europa, so sagte der Redner u. a., sei schon die Beendigung der Unsicherheit von Wert. Roosevelts Mandat habe die Bedeutung eines Volksauftrags. Da­zu komme, daß der neue Präsident in seinen Entscheidungen nicht so gelähmt sein werde, wie sein Vorgänger, denn sein demokratischer Kongreß werde ihn auch bei der Zu­sammenarbeit mit Europa unterstützen, und durch eine weitgehende Tlebereinstimmung in den Verwaltungszweigen würden die politi­schen Aufgaben sehr erleichtert werden. Die Probleme der neuen Staatsführung sah der Vor­tragende zunächst in der Erhaltung des Kredits der Vereinigten Staaten und in der Wahrung des Goldstandards, für den allerdings keine unmittelbare Gefahr bestehe. Die Zoll- t a r i f p o l i t i k werde sich im Sinne verständiger liberaler Ideen und eines Abbaues des ab­soluten Schuhzollgedankens ändern, so daß es den europäischen Schuldnern ver­mutlich eher möglich sein werde, Waren in Amerika abzusetzen. Roosevelt hoffe, zu einer Linderung der Rot der Landbevölkerung durch bessere Organisierung der Verkaufsorgani­sationen zu gelangen. In den Finanzen werde man weiter jedem Experimentieren abhold fein, man werde, um das Budget zu balancieren, sparsam, vorsichtig, ja konservativ bleiben. Wenn Europa sich über einen vernünf­tigen Entwaffnungsplan einige, so werde in Amerika Verständnis dafür bestehen, daß auch die Kriegsschulden herunter­gesetzt werden müssen.

Was sagt Berlin?

Berlin, 9. .Rov. (ERD.) Die Abendblätter beschäftigen sich heute vor allem mit dem Ausgang der amerikanischen Präsidentenwah­len, vor allem werden die Persönlichkeit des kommenden Präsidenten Roosevelt und die des un­terlegenen Hoover gewürdigt.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Deutschland begrüßt in Roose­velt den gewählten ersten Repräsentan­ten eines Volkes, mit dem es die allerbesten freundschaftlichen Beziehungen wei­ter pflegen will. Es sei gerade an diesem Tage dem Besiegten nicht vergessen, daß fein mutiger Schritt, das sogenannteHoover-Morato­rium", unser Vaterland und vielleicht viele an­dere Rattonen vor einem furchtbaren Schicksal be­wahrt hat, und daß ihn der ehrliche Wille be­seelte, das entsetzliche Chaos, das der Krieg ge­schaffen, und das noch immer nicht ganz beseitigt werden konnte, nach bestem Missen und Gewissen zu entwirren. Präsident Roosevelt möge es beschieden sein, eine glücklichere Rolle für unser Vaterland zu spielen, als fein Amtsvorgänger. Möge Roosevelt über seine Amtszeit das Motto Hinein in den W e l t w i r t sch a f t s f r ie- d e n stellen und wirklich diesem Wahlspruch treu bleiben!

DerL o k a l a n ze i g e r" begrüßt ebenfalls das neue amerikanische Staatsoberhaupt herzlich und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich seine Wahl segensreich nicht nur auf die darnieder­liegende Wirtschaft seines Landes, sondern auch auf die Wechselbeziehungen zu Deutsch­land auswirken werde.

DasBerliner Tageblatt" meint, Eu­ropa und besonders Deutschland können die Rie­derlage Hoovers nicht zur Kenntnis nehmen, ohne die nochmalige Bekundung der Dankbar­keit für die Einsicht des bisherigen ameri­kanischen Präsidenten in die unhaltbaren finan­ziellen Kriegsfolgen. Soweit die Repa-

dem, daß die Vereinigten Staaten verant­wortlich an der Gestattung der europäischen Politik mitzuarbeiten haben, soll die Ver­ewigung der Weltkatastrophe verhindert werden. Roosevelt trägt die Verantwortung dafür, daß das von dem demokratischen Amerika aus dem Wunde Wilsons in den berühmten 14 Punkten gegebene Versprechen jetzt endlich erfüllt wird. Amerika gehört in den Völkerbund, der eine amerikanische Idee ist. Amerika gehört auf die Weltwirtschaftskonferenz, die im nächsten Frühjahr zusammentritt. Und Deutschlands Außenpolitik hat in den nächsten Monaten zur Hauptaufgabe, Roosevelt und seine Helfer für das Schicksal Deutschlands zu interes­sieren. Denn Amerika hat nicht nur Deutschland eine politische und moralische Genugtuung zu ge­ben, sondern es ist auch seiner Zukunft schuldig, das Zusammenwirken mit Deutschland und dem aufbauwilligen Europa zu organisieren.

Oie Kommunisten beantragen sofortige Reicheltagseinberufung.

Berlin, 10. Nov. (DDZ.) Die kommun«- tische R e i ch s t a g s f ra 11 i o n hat an den Reichstagspräsidenten Göring ein Schreiben gerichtet, in welchem sie von ihm die sofortige Ein­berufung des neuen Reichstags verlangt. Nach Kon­stituierung des Reichstags sollen zahlreiche kornrnu-

rationsfrage gelöst ist, soweit die Krise der öffentlichen und privaten Finanzen Europas und Deutschlands davor bewahrt wurde, eine Kata­strophe zu werden: In beiden Fällen sei Rame und Tat Hoovers nicht aus den wirklichen Entscheidungen wegzudenken.

Englands Gorgen nm die Gchuldenstreichnng.

London, 9. Rov. ($11.) Der Sieg der De­mokraten in Amerika wird sich nach der Auffassung englischerpolitischerKreise zunächst dahin auswirken, daß die jetzige republi­kanische Regierung keine grundlegenden Schritte in der Außenpolitik einleiten, sondern sich viel­mehr sehr ^urückhalten wird. Man befürchtet daher, daß die gegenwärtige Lage in Amerika für die Eröffnung der Schuldenverhand­lungen nicht günstig sein wird. Da aber zum 15. Dezember eine Zahlung fällig wird, so werden sich Verhandlungen nur auf diese eine Zahlung erstrecken können. Die Aussichten für eine völlige Streichung der Schul­den werden jetzt angesichts des starken Einflusses der Hearstpresse auf die Demokraten noch c t - was pessimistischer als schon vorher be­urteilt.

Anderseits hat man in London die Hoffnung, daß die Demokraten nicht die Hochschutz­zollpolitik der Hoover-Regierung fortsetzen werden. Ein Wechsel kann sich aber erst nach der Amtsübernahme Roosevelts im Früh­jahr des nächsten Jahres bemerkbar machen.

Oas Echo in Paris.

Paris, 9. Nov. (TU.) Der Wahlsieg Roosevelts wird in der Pariser Presse mit besonderer Genugtuung unterstrichen. Die Blätter weisen zwar daraus hin, daß die demo­kratische Partei sich auf der Chikagoer Landes­tagung gegen die Streichung der interalliierten Schulden ausgesprochen habe, hoffen aber dennoch, daß die Tür zu einer zufriedenstellenden Lösung der Frage offen bleibt.

Der Temps" ist der Auffassung, daß Roose­

velt die großen Richtlinien der Außenpolitik Hoo­vers beibehalten werde.

Paris S o i r" begrüßt es, daß an der Spitze der Bereinigten Staaten ein Deutschenfreund durch einen Franzosenfreund ersetzt werde.

Die nationalistischeLiberifordert Hoover auf. das Weiße Haus sofort zu verlassen.

DerParis Midi" erklärt u. a., wenn der neue amerikanische Staatspräsident in der Ab- rüstungssrage auch die Politik weiterführen werde, die von Hoover eingeleitet worden sei, so könne man* 1 * * von ihm doch eine wesentlich liberalere Einstellung erwarten. In der Zollfrage habe sich Roose- vell bereits als entschlossener Anhänger eines freie­ren Warenaustausches bekannt. Die Schulden­frage, die Frankreich am meisten interessiere, dürfte durch die Wahl Roosevelts ebenfalls einer endgültigen Lösung näherkommen. Man rechnet damit, daß der neue amerikanische Staatspräsident im Interesse eines Ausgleichs des Haushaltsfehl­betrages von den amerikanischen Schuldnern eine Endsumme als Restzahlung ihrer Schulden an-- nehmen werde, vorausgesetzt, daß die Höhe dieser Summe so bemessen sei, daß sie das Loch im kom­me nden Haushall stopft.

Auch dasPetit Journal" rechnet mit einer viel geschmeidigeren Politik der neuen Regierung und hofft, daß der neue Präsident sich auf dem Wege zum Frieden den europäischen Staatsmännern anschließen werde.

Oie Meinung in Genf.

Genf, 9. Rov. (TU.) Das Ergebnis der amerikanischen Präsidentenwahl wird in hiesigen ausländischen Kreisen überein­stimmend dahin beurteilt, daß eine Aenderung in der bisherigen amerikanischen AbrüstungS- und Schuldenpolitik nicht eintreten wird. Man weist daraus hin, daß Rorman DaviS, der für die amerikanische Regierung in Lon­don, Paris und Rom verhandelt, sett Jahren zu den führendsten Persönlichkeiten der demokratischen Partei gehört. Da­gegen erwartet man, daß di« neue amerika­nische Regierung unverzüglich auf dem Gebiet der Zolltarifpolitik eine neue Gesetzes- Vorlage in der Richtung des Abbaues der

Schwere Unruhen in Genf.

Militär wird von Demonstranten entwaffnet. - Mit Maschinengewehren gegen die Menge. - Zehn Todesopfer des Schießerei.

Genf. 9. Rov. (MTV.) Die Union Ratio­nale, eine bürgerliche Partei, die sich erst vor kurzem in Genf gebildet hat, veranstaltete am Mitt­wochabend in dem Gemeindesaal von Plainpalais eine Versammlung, um öffentliche Beschwerde 1» führen gegen die fozialistischen Ra- tionalräfe Ricol und Dicker. Unterdessen sprachen auf der Straße die Rationalräte Ricol und Trochet zu einer großen Menge.

Gegen 21 Uhr wurden von der Menge die Ab­sperrungen durchbrochen, so daß die Polizei eiuschreiten mußte. Die Demon­stration artete zu einer Revolte aus. Als die Kom­panie der Infanterie-Rekrutenschute auf Ersuchen der Polizei eintraf, wurden d i e Soldaten angegriffen. Zahlreiche Rekruten wurden in die Menge hineingerissen und geschlagen, die Gewehre wurden ihnen entrissen und auf dem Boden zerschlagen. Die Soldaten zogen sich nach dem Boulevard de Pont d Arve zurück und schossen mit Maschinen­gewehren, als sie sich umzingelt sahen. Die Er­regung steigerte sich noch und Lastwagen mit Maschinengewehrabteitungen wurden herangeführt. Um 23 Uhr drängte sich die Menge

noch immer in allen Straßen der Umgebung de» Gemeindesaales. Gendarmerie und Militär hielten die Menge in Schach. Ferner standen an verschie­denen Straßenecken La st wagen mit Ma­schinengewehren, jederzeit zum Eingreifen bereit.

Die blutigen Zusammenstöße haben insge­samt 10 Tote und etwa 40 Verlehte gefordert. 3m Laufe der Rocht traf der Genfer Staatsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Um 1 Uhr wurden die Gendarmerie- und Militärabteilungen von der Straße zu­rückgezogen.

Ein Führer der Genfer Demonstranten verhaftet.

Gen f, 10. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der Sv- zialistenführer Nicol ist heute vormittag wegen seiner Beteiligung an den öffentlichen Unruhen und wegen Aufforderung zum Wider st and gegen die Staatsgewalt verhaftet worden. Nicol hat gegen seine Verhaftung keinen Widerspruch erhoben. Gegen Lebet und Trochet wurden Haftbefehle erlassen, die noch nicht ausgeführt werden konnten, weil die beiden Führer nicht aufgefunden werden konnten.

nistische Anträge auf die Tagesordnung gesetzt wer­den, und zwar zunächst Mißtrauensanträge gegen das Kabinett Popen und gegen einzelne Minister, Anträge auf Aufhebung verschiedener Notverordnungen und der von Sondergerichten gefällten Urteile, Anträge gegen den Versailler Vertrag, gegen die Rüstun­gen usw.

Krisenzeichen auf der australischen Flotte.

Kommunistische Zersetzungsversuchc unter den Matrosen.

Melbourne, 9. Nov. (Reuter.) 200 Seeleute von der königlich australischen Kriegsflotte verließen gestern abend ihre am Pier vertäuten Kriegsschiffe und hielten am Land eine Protestversamm- l u n g ab gegen die aus Sparsamkeitsgründen an­geordnete Herabsetzung der Löhne. Nachdem ein Wohlfahrtsausschuß gebildet worden war, gingen sie wieder an Bord zurück. Die Offiziere hatten die Mannschaften gewarnt, etwas zu tun, was als Meuterei ausgelegt werden könne. Aber einige der Redner auf der Versammlung er­klärten, wenn die Beschwerde nicht berücksichtigt werden würde, so würden die 3000 von der Lohn- Verminderung betroffenen Seeleute einen weiter­

gehenden Schritt tun. Der Kriegsminister er­hielt ein Schreiben, in dem erklärt wurde, daß die Mattosen den Dien st verweigern würden, wenn man ihren Forderungen nicht nachkomme. Die Mitteilung war von einem Bild begleitet, aus dem Matrosen Gewehren und Seitengewehren abgebildet waren. In der Beschriftung des Blldes war die Möglichkeit einer Meuterei angedeutet. Gleichzeitig wurden auf den Kriegsschiffen kommunistische Hetzschriften oerteilt,

in denen die Meuterei in der englischen

Marine im vergangenen Jahr geschildert und als Vorbild hingestellt wurde. Die Auf- rührer wurden von den Schiffen entfernt. Sie rie­fen telefonisch mehrfach den Admiral Hyde und die

Schrislleitungen der Zeitungen an und erklärten,

daß die Flotte am Mittwoch nicht i n See

gehen werde. Als Nachforschungen angestellt wur­den, weigerten sich die Telefonangestelllen, Namen zu nennen. Schließlich erklärten sich die Matrosen

bereit, die Entscheidung über ihre Forderungen dem Manne-Schllchtungsausschuß -zu überlassen. Die ylotte ging am Montagmorgen ohne Zwischenfälle nach I e r v i s - B u ch t in See. Der Kriegsminifter tellt mit, daß diese Zersetzungsversuche nur einen xetl einer aroßangelegten und wohlvorbereiteten kommunistischen Propaganda seien. Es sei richtig, wenn das australische Volk über diesenverab- scheuungswürdisten Anschlag", der die Sicherheit des Landes gefährde, aufgeklärt werde.